Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.195: Friedrich Haydn

Der Soldat Friedrich Haydn stammte aus Unterhöhenstetten, heute ein Ortsteil der bayerischen Stadt Waldkirchen, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 1. Munitionskolonne des 8. bayerischen Fußartillerie-Bataillons. Am 23.09.1918 fiel er im Alter von 27 Jahren bei MoorsledeZonnebeke durch eine Fliegerbombe.

Offiziell ist für Friedrich Haydn keine Grablage bekannt. Ich vermute jedoch, dass, sollten noch sterbliche Überreste nach dem Bombentreffer vorhanden gewesen sein, diese anonym auf dem Soldatenfriedhof Langemark in einem Massengrab beigesetzt worden sind. Dort ruhen auch seine Regimentskameraden, die auf gleichen Schlachtfeld fielen, u. a.

  • Kanonier Theobald Schiller, gefallen am 22.08.1917 bei Zonnebeke, begraben auf dem Soldatenfriedhof Langemark in Block B, Grab 13605;
  • Unteroffizier Franz Lindner, gefallen am 16.08.1917 bei Zonnebeke, begraben auf dem Soldatenfriedhof Langemark in Block B, Grab 13809;
  • Kanonier Georg Bohrer, gefallen am 22.08.1917 bei Zonnebeke, begraben auf dem Soldatenfriedhof Langemark in Block B, Grab 12048;
  • Kanonier Karl Karge, gefallen am 20.08.1917 bei Zonnebeke, begraben auf dem Soldatenfriedhof Langemark in Block B, Grab 13605.

 

Sterbebild von Friedrich Haydn
Rückseite des Sterbebildes von Friedrich Haydn

Sonderbeitrag: Leutnant Dr. Max Unterharnscheidt

Der Soldat Dr. Max Unterharnscheidt stammte aus Werden, einem Ortsteil der Stadt Essen im heutigen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Leutnant der Reserve und Kompanieführer der 1. Kompanie des 209. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 21.10.1915 fiel er bei Ziegelschloss bei Smiske, einem Ortsteil von Ypern.

Man begrub Dr. Max Unterharnscheidt auf dem Soldatenfriedhof Vladslo in Block 3, Grab 242.

Leutnant Dr. Max Unterharnscheidt

Sonderbeitrag: Oberleutnant Hermann Stöve

Der Soldat Hermann Stöve stammte aus Varel im heutigen Bundesland Niedersachsen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Oberleutnant im 95. Infanterie-Regiment, war jedoch abgeordnet in die 12. Kompanie des 233. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 05.04.1916 fiel er belgischen Flandern an der Westfront. Er wurde während der Stellungskämpfe an der Yser getötet.

Man begrub Hermann Stöve auf dem Soldatenfriedhof Langemark in Block B Grab 14069.

In Varel gedenkt man Hermann Stöve noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2024/varel_lkr-friesland_wk1_ns.html

Oberleutnant Hermann Stöve

Sonderbeitrag: Hauptmann Hans Witte

Der Soldat Hans Witte stammte aus Blankenburg im heutigen Bundeland Sachsen-Anhalt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Hauptmann in der 9. Kompanie des 95. Infanterie-Regiment. Am 23.08.1914 fiel er in Belgien an der Westfront bei der Eroberung von Namur. Er wurde bei der Ortschaft Marchevolette und Bouge getötet.

Vermutlich war er Teil eines Kriegsverbrechens. Kurz vor seinem Tod war er an der Tötung von Zivilisten beteiligt, auch wenn die Regimentsgeschichte des 95. Infanterie-Regiments es so darstellt, als haben die getöteten Zivilisten zuvor als Nicht-Kombattanten an der Beschießung von deutschen Soldaten teilgenommen. Nach dem Krieg führten alle unabhängigen Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass die Vorwürfe der deutschen Militärs, Zivilisten hätten an kriegerischen Handlungen teilgenommen und amit ihrerseits gegen das internationale Kriegsvölkerrecht verstoßen, falsch waren.

Angriff auf Namur am 23.08.1914

Über den Todestag und die Todesumstände von Hans Witte berichtet die Regimentsgeschichte des 95. Infanterie-Regiments:

„Angriff auf Namur

Das Regiment wurde hierzu beim Dorf Marchovelette eingesetzt. I./95 kam in vorderste Linie, III./95 und die Maschinengewehr-Kompanie blieben zunächst beim Gut Tierre Cauth in Reserve. II./95 wurde zur Verfügung des Korps im Walde von Fernelemont bereitgestellt.

Etwa 1.000 Meter vor der Stellung des I./95 lag Fort Marchovelette. Es wurde von österreichischen 30,5 Mörsern beschossen. In großen Zwischenräumen wuchsen auf dem Fort die dunklen Rauchpinien der Geschosseinschläge empor. Unter diesem Feuerschutz erreichte das Bataillon ohne Verluste seine Stellung. Nur einzelne schwere Geschosse zogen hoch am Nachthimmel ihre Bahn, um fern mit dumpfem Knall zu zerbersten. Ein Scheinwerfer tastete einige Male unsicher umher. Das flackernde Licht aufsteigender Leuchtkugeln erhellte hin und wieder die Umgebung. Der Feind aber blieb ruhig. So konnte I./95 ungestört am Ausbau seiner Stellung arbeiten, II. und III./95 in ihren Bereitstellungsplätzen ruhn.

Inzwischen hatte General von Gallwitz den Angriff auf die Festung für den 23.08. befohlen. Unter Niederhaltung des Forts Cognelèe und Marchovelette durch schwere Artillerie sollten die zwischen ihnen liegenden Stellungen nach ausgiebiger Feuervorbereitung durch die leichte Artillerie von der Infanterie gestürmt werden.

So begann am Vormittag des 23. August – eines Sonntags – die deutschen Batterien ihr Zerstörungswerk. Anschwellend und wieder abflauend, allmählich aber an Stärke wachsend, steigerte sich das Feuer, bis gegen 12 Uhr mittags ein Orkan von Geschossen im Fort Marchovelette die letzten Grasreste von den Wällen herabfegte, die Gräben verschüttete, die Hindernisse zerschnitt, die Betondecke durchschlug, den Munitionsraum zur Explosion brachte und den naheliegenden Wald von Champion splitternd und krachend zerbrach.

Fort Marchovelette war verschwunden! Eine ungeheure, undurchdringliche Wolke von Staub, Qulm und Rauch verhüllte die Stätte, an der es lag.

Da hörte auf Feindseite jeder Widerstand auf. Frei auf ihren Deckungen standen unsere Leute und staunten dies gewaltige, nie gesehene Schauspiel an. Niemand hinderte sie, kein Schuss von belgischer Seite zwang sie in ihre Gräben zurück. III./95, das um diese Zeit vorgezogen und nördlich des I./95 eingesetzt wurde, gelangte so ohne Verluste in die vorderste Linie.

11.30 Uhr vormittags kam der Befehl zum Sturm. III./95 nahm die 9. und 10., I./95 die 1., 2. und 4. Kompanie hierzu in vorderster Linie. Die Maschinengewehr-Kompanie ging auf einer kleinen Höhe in Stellung, um den Schutz des Vorgehens zu übernehmen. Die Kompanien ordneten sich zum Antreten in der Front mit Pionieren, dahinter Kompanien geschlossen, die Offiziere zum Teil zu Pferd – so wurde 1 Uhr nachmittags angetreten. Niemand hatte sich den Angriff so vorgestellt – niemand auch ihn so wieder erlebt – kein Schuss fiel, ohne Widerstand wurde nahe beim Fort Marchovelette der Wald von Champion erreicht. –

Unmittelbar in seinem Nordostrand befand sich die Stellung der Belgier, ein tiefer Graben, dichte Hindernisse, Unterstände, zahlreiche Geschütze bis in die vorderste Linie vorgeschoben, verlassen, jedoch nicht leer. Haufen von Munition lagen verstreut, Gewehre noch schussfertig auf den Deckungen, dazwischen stapelte Artillerie-Munition, hier lagen einzeln, dort in ganzen Haufen, gefallene Belgier. Durch eine Granate emporgeschleudert, hing eine Leiche in den Ästen der Bäume.

Jenseits des Waldes änderte sich das Bild. Aus Champion pfiffen die ersten Kugeln. Zurückgehende Belgier waren auf den weiten, mit Getreidehocken bestandenen Feldern sichtbar. Vereinzeltes Artillerie-Feuer schlug herüber. Doch die Verfolgung kam nicht zum Stehen. Ohne Aufenthalt stürmte Alles vorwärts.

Während 1. und 3./95 sich auf Moulin â Vent wandten, bog III./95, zusammen mit 2. und 4. Kompanie nach Süden auf Bouge ab, aus dem der Gegner noch feuerte. Als 1. Offizier wurde hier Leutnant von Aulock 4./95, als er mit einer Offizierspatrouille zur Erkundung einer feindlichen Batterie vorging, verwundet. Sprungweise begannen sich die Linien vorzuarbeiten. Da fuhr bei Champion eigene Artillerie auf, um den Angriff zu unterstützen. Nun ging es rasch vorwärts. Weit allen Verfolgern voran, erreichte Hauptmann Witte mit seiner 9. Kompanie Bouge. Aus dem nächsten Hause erhielt er Feuer. Bald barst die verrammelte Tür unter dröhnenden Axtschlägen. Am noch warmen Maschinengewehr fanden sich – Belgier in Zivilkleidern. Sie wurden, nachdem Hauptmann Witte die Lage geklärt, – erschossen. Weiter auf die Kirche eilten die Stürmenden. Da krachten aus einem die Straße abschließenden Hause Schüsse. Zu Tode getroffen, fiel Hauptmann Witte und seine tapferen Begleiter, Gefreiter Vierneusel, Tambour Franz und Reservist Probst. 4 weitere wurden verwundet. Selten erfreute sich ein Offizier bei seinen Kameraden und Untergebenen solcher Liebe und Wertschätzung wie Hauptmann Witte. Selten hatte jemand wie er alle Herzen gewonnen! So war sein Tod für alle, die ihn kannten, ein persönlicher Schmerz. Und so durchdrang das Gefühl, ihn zu rächen, jeden, der von seinem Ende erfuhr. Wo sich in Bouge noch Widerstand zeigte, wurde er ohne Rücksicht gebrochen. Wo aus einem Hause Schüsse fielen, flog ihm der rote Hahn aufs Dach. Prasselnd schlug bald die Lohe der Brände gen Himmel, – und in das Krachen des Gebälks mischte sich das Knattern der Gewehre. – –

II./95 war 11 Uhr vormittags vom Generalkommando näher an die vorderste Linie herangezogen, zum Einsatz jedoch noch nicht freigegeben worden. Es folgte in kurzem Abstand entfaltet dem III. und I./95. Nachdem es Dorf Marchovelette durchschritten, ging es nördlich an dem noch immer beschossenen Fort Marchovelette vorbei. Fast hätte es hier durch eigenes Feuer verluste erlitten. Dicht bei der 7./95, die in Kompanie-Kolonne vorübergehend an der Straße hielt, schlug eine Lage der österreichischen Mörser ein, durch ihre gewaltige Detonation haushoch die Erde emporwerfend. Die nächsten Schüsse mussten nach menschlichem Ermessen die Truppe treffen. Die Leute wurden unruhig, sie wollten ausweichen. Da nahm an Stelle des erkundenden Kompanie-Chefs der Leutnant Graf Baudissin durch festes Kommando die Kompanie in die Hand. Wie auf dem Exerzierplatz führte er sie nach strammem Griff im Gleichschritt von der gefährdeten Stelle.

Im Wald von Champion erhielt II./95 überraschend Infanterie-Feuer. Ein Zug der 7./95 unter Leutnant Lenz wandte sich gegen den Feind, tötete 5 Belgier im Bajonettkampf und nahm den Rest – Angehörige des 1. und 8. beglischen Regiments – gefangen. Jenseits des Waldes wurden Flüchtlinge vom Fort Marchovelette eingebracht. Sie schienen keine Menschen mehr. Die 3tägige Beschießung des Forts hatte sie seelisch völlig gebrochen. Mit irren Augen, kaum der Sprache noch mächtig, baten sie flehend um Gnde. Nach Durchschreiten des Waldes folgte das II./95, jetzt vom Generalkommando freigegeben, nach kurzer Durchsuchung von Champion, dem Regiment nach Bouge.

Hier, auf den Höhen hart nördlich der Maas, hatte das Generalkommando die Verfolgung angehalten. Nur ein Zug der 2./95, schneidig geführt durch Leutnant von Wintzingerode, war bis an den Fluss vorgestoßen und dort nur durch eigenes Artilleriefeuer gehindert worden. Das Regiment selbst ordnete seine Verbände auf der Höhe. Welch ein Anblick bot sich von hier! Im warmen Licht der Abendsonne tief unten das Häusermeer, das silberne Band von Maas und Sambre, und drüben am Berghang, in Felsen gehauen, die trotzigen Mauern der alten Zitadelle. Hoch flatterte über ihr im Abendwind die französische Trikolore. Zu den Höhen von Bouge stieg ein langer, nicht endender Zug gefangener Feinde empor.

Namur war genommen! Im Vollgefühl des Sieges sah jeder hinab auf die eroberte Stadt. 3 Wochen hatten dem Feind zur Verfügung gestanden, die Festung mit Gräben und Hindernissen auszubauen, 3 Tage hatten genügt, diesen Schld zu brechen. Aber noch wehte drüben auf den Mauern trotzig die französische Fahne! Als die Sonne sank, barsten an ihnen die deutschen Granaten und ließen hoch auf des Berges Gipfel die leuchtende Kuppel des Hotel de la Citadelle in Flamen auflodern. Noch lange leuchtete der Brand als Siegesfanal in die Nacht! –

Das Regiment ruhte während der Nacht, Sicherungen bis an die Maas vorgeschoben, in Alarmquartieren in Bouge. Wenn auch die Verluste dieses Kampfes verhältnismäßig gering waren, so wurden sie doch als die ersten doppelt schwer empfunden: 1 Offizier, 4 Mann tot, 1 Offizier, 6 Leute verundet.“

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Man begrub Hans Witte auf dem Soldatenfriedhof Vladslo in Block 9, Grab 791.

Hauptmann Hans Witte

Kriegsopfer des Adels im Ersten Weltkrieg: Leutnant Prinz Ernst von Sachsen Meiningen, Herzog zu Sachsen

Der Soldat Prinz Ernst von Sachsen Meiningen Herzog zu Sachsen wurde am 23.09.1895 in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover geboren. Er kämpfte im Ersten Weltkrieg als Leutnant im 3. Eskadron des 16. Dragoner-Regiment. Am 26.08.1914 wurde er bei Bonnet in Belgien schwer verwundet. Ein Tag später, am 27.08.1914 verstarb er im Militär-Hospital in Maubeuge an seinen Wunden, drei Tage, nachdem sein Vater in Belgien gefallen war. Er wurde 18 Jahre alt.

Man begrub Prinz Ernst von Sachsen Meiningen auf dem Parkfriedhof Meiningen.

Leutnant Prinz Ernst von Sachsen Meiningen Herzog zu Sachsen

Kriegsopfer des Adels im Ersten Weltkrieg: Generalleutnant Prinz Friedrich von Sachsen Meiningen, Herzog von Sachsen

Der Soldat Prinz Friedrich Friedrich Johann Bernhard Hermann Heinrich Moritz von Sachsen Meiningen, Herzog von Sachsen wurde am 12.10.1861 in Meiningen im heutigen Bundesland Thüringen geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Generalleutnant und Brigadeführer der 39. Reserve-Infanterie-Brigade. Am 23. August 1914 fiel er bei Namur in Belgien. Er wurde während der Schlacht bei Namur in der Nähe von Nalinnes (südlich von Charleroi) durch einen Granatsplitter getötet. Er war der erste gefallene preußische General dieses Krieges und sein Sohn Ernst fiel drei Tage später in der Nähe von Maubeuge.

Man begrub Prinz Friedrich auf dem Meininger Parkfriedhof. Auf dem Soldatenfriedhof von Tarcienne befindet sich ein Gedenkstein für Prinz Friedrich.

Generalleutnant Prinz Friedrich von Sachsen Meiningen, Herzog von Sachsen gefallen am 23.08.1914

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.140: Xaver Holzner

Der Soldat Xaver Holzner wurde am 15.11.1893 in Hinzing geboren, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Schönberg, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 8. Kompanie des 9. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 05.06.1917 (Angabe der Regimentsgeschichte) fiel er im Alter von 23 Jahren während der Schlacht bei Wytschaete und Messines nach 28 Monaten Kriegsdienst durch Granatschuss.

Offiziell ist für Xaver Holzner keine Grablage bekannt. Ich gehe jedoch davon aus, dass er, sofern nach dem Granattreffer noch sterbliche Überreste vorhanden waren, diese anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Langemark beigesetzt wurden, wo auch seine Regimentskameraden begraben wurden, die im selben Zeitabschnitt fielen, u. a.

  • Rudolf Schütt, geboren am 21.04.1898 in Aschfeld, gefallen am 06.06.1917 bei Warneton, begraben auf dem Soldatenfriedhof Langemark in einem Massengrab;
  • Infanterist Wilhelm Neu, gefallen am 05.06.1917, begraben auf dem Soldatenfriedhof Langemark in einem Massengrab;
  • Vizefeldwebel Richard Fellmann, gefallen am 04.06.1917, begraben auf dem Soldatenfriedhof Langemark in einem Massengrab;
  • Gefreiter Michael Bürger, gefallen am 05.06.1917, begraben auf dem Soldatenfriedhof Langemark in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Xaver Holzner
Rückseite des Sterbebildes von Xaver Holzner

Sonderbeitrag: Major Max Baumann

Der Soldat Max Baumann wurde am 21.09.1868 in der Stadt Crailsheim im heutigen Bundesland Baden-Württemberg geboren und war Furhmann. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Major und Bataillonskommandeur im 246. Reserve-Infanterie-Regiment. Am 21.10.1914 wurde er in Belgien bei Becelaere nahe Ypern schwer verwundet. Am 15.11.1914 verstarb er im Vereins-Lazarett vom Roten Kreuz in Stuttgart an seinen Wunden.

Vermutlich wurde er in Stuttgart auf einem zivilen Friedhof im militärischen Bereich begraben.

Major Max Baumann I. 246., verwundet am 21.10.1914, gestorben am 15.11.1914

Sonderbeitrag: Unteroffizier Max Huber

Der Soldat Max Huber wurde am 20.07.1885 in der Stadt Lahr im heutigen Bundesland Baden-Württemberg geboren und war Kaufmann und Geschäftsführer. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Unteroffizier in Unteroffizier in der 4. Kompanie des 246. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 21.10.1914 fiel er im Alter von 29 Jahren bei Becelaere nahe Ypern in Belgien. Er fiel bei der Eroberung von Reutel.

Über den Todestag und die Todesumstände von Max Huber berichtet die Regimentsgeschichte des 246. Reserve-Infanterie-Regiments:

„Für den 21. Oktober war von 10 Uhr vormittags ab folgende Gefechtsgliederung befohlen: I./246 nördlich des Weges Zwaanhoek mit zugeteilter 9. Kompanie, südlich anschließend II./246, hinter der Mitte am Wegkreuz III./246 ohne 9. Kompanie. Aus dieser Aufstellung heraus war für 3.45 Uhr nachmittags der Angriff auf Reutel befohlen. Der Vorstoß verzögerte sich aber, da die Anschlusstruppen rechts (Reserve-Infanterie-Regiment 244) nicht vorkamen. Um 5 Uhr nachmittags wurde der Angriff durchgeführt. Die Bataillone stürmten den deckungslosen Hang hinunter, durchschritten die Mulde und kamen bis auf die Höhe Ostrand Reutel vor. In dieser Linie angekommen, schlug starkes Flankenfeuer von Norden her in die Reihen und dezimierte die Schützenwelle.Von hinten kam schweres deutsches Artilleriefeuer, da der schweren Artillerie anscheinend keine Meldung über die neu erreichte Stellung zugegangen war. Es war unmöglich hier zu bleiben. Nach Einbruch der Dunkelheit wurden deshalb die Kompanien wieder auf die Ausgangsstellung zurückgenommen. Die Verluste an diesem Tage waren nicht gering. Das I. Bataillon verlor allein drei Kompanieführer (Hauptmann Geyer schwer verwundet). Vom II. Bataillon war der Führer der 8. Kompanie, Oberleutnant Haller, schwer verwundet (gestorben am 26. Oktober 1914). Der Verlust an Unteroffizieren und Mannschaften ließ sich noch gar nicht feststellen. Es kann nicht unerwähnt bleiben, dass die rechte Flanke des Regiments und damit die 54. Reserve-Division am 21. Oktober 1914 bis zum Eintreffen der 53. Reserve-Division sehr bedroht war. Der vordere Teil der 53. Reserve-Division gingen später angriffsweise gegen den nördlichen Flügel von Becelaere vor, anscheinend ohne Kenntnis davon, dass dieser Ortr von deutschen Truppen  bereits besetzt war, denn es hatten Teile des Regiments 246 unter ihrem Feuer zu leiden.“

Seit 19

Man begrub Max Huber auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block N, Grab 3.457.

Das Grab von Unteroffizier Max Huber 246. R.I.R. 4. Kompanie und 9 Kameraden in Zwaanhoek

Sonderbeitrag: Major Ernst Holtzhausen

Der Soldat Ernst Holtzhausen wurde am 17.02.1862 in Zerbst/Anhalt geboren und lebte in der Stadt Ludwigsburg im heutigen Bundesland Baden-Württemberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Major z. D. im Stab des III. Bataillons des 246. Reserve-Infanterie-Regiment. Am 24.10.1914 fiel er in Belgien bei Reutel, in der Nähe von Ypern.

Über den Todestag und die Todesumstände von Ernst Holtzhausen berichtet die Regimentsgeschichte des 246. Reserve-Infanterie-Regiments:

„Gegen Abend des 23. Oktober traf von dem Brigadekommandeur der Befehl ein, Regiment 246 habe mit dem Regiment 244 Reutel anzugreifen. Der Angriff wurde aber auf 24. Oktober vor Tagesanbruch verschoben. Der Morgen des 24. Oktober 1914 brach trüb und neblig an. Seit den frühesten Morgenstunden kreuzten sich die Geschosse der beiderseitigen Artillerien über den Gräben. Heute sollte Reutel und die englische Stellung endgültig in deutschen Besitz kommen. Die eigenen Schützengräben wurden auf Befehl des Regiments (Freiherr von Varnbühler) eingeworfen, sodass nur noch eine Brustwehr für liegende Schützen auf dem gewachsenen Boden stehen blieb. Also ein Zurück in die eigenen Gräben gab es nicht.

Ein Regimentsbefehl von damals lautete: Das Regiment greift morgen, rechter Flügel am Wege Reutel-Ypern, den westlichen Teil von Reutel im Anschluss an Regiment 244 (rechts), sowie die Waldstücke südlich von Reutel an und setzt sich in den Besitz des Westrandes dieser Waldstücke, welche von den vordersten Abteilungen zu besetzen sind. Zu dem Angriff tritt das I. Bataillon, welches den Anschluss hat, unter Zuteilung der Pionier-Kompanie 54 um 6 Uhr morgens an. Angriffsziel westlicher Teil von Reutel und dreihundert Meter südlich davon. Links davon greift das II. Bataillon die Waldstücke in drei- bis vierhundert Meter Ausdehnung an. Das III. Bataillon ohne 12. Kompanie wird dem Regiment vom Brigadeführer zur Verfügung gestellt und folgt noch aufgeschlossen hinter der Mitte des Regiments, bereit, beim I. und II. Bataillon einzugreifen.

Zum Angriff sind die Gewehre zu entladen, Seitengewehre sind aufgepflanzt. Anschluss hat der linke Flügel des Regiments. Lautloses Vorgehen zum sorgfältig angesetzten Angriff ist Vorbedingung für sein Gelingen. Beim nächtlichen Durchschreiten der Wälder auf kurze Entfernung hinter der Schützenlinie geschlossene Trupps.

gez. Freiherr von Varnbühler

Bei stockdunkler Nacht erhoben sich die Bataillone auf der Höhe am Westrand von Becelaere und gingen zum dritten Male gegen Reuten und die südlich davon liegenden Waldstücke vor. Entschlossenheit lag auf allen Gesichtern. Heute sollte uns die Siegespalme nicht entrissen werden. Auch die Artillerie war über unser Vorgehen genau unterrichtet. Die feindliche Hauptstellung lag bereits unter schwerem deutschem Feuer. Der Sturm der Gruppe Roschmann begann. Doch auch der Engländer war auf der Hut. „Royal-Scos-Fusiliers“ und das „Yorkshire-Regiment“ verteidigten Flanderns Boden. Beide Regimenter mit alter Tradition und berühmt aus vielen Kolonialkriegen.

Das Vorgehen des Regiments 244, das den Anschluss hatte, hatte sich verzögert. Es war inzwischen heller Tag geworden. Rasendes Feuer empfing das Regiment 246 gleich zu beginn seiner Vorwärtsbewegung. Es lichteten sich die vorderen Reihen. Aber unaufhaltsam ging es vorwärts gegen die feindliche Linie, die von der schwäbischen Sturmwoge überflutet wurde. Das III. Bataillon hatte sich am Wege Zwaanhoek-Reutel entlang gezogen und drang von Norden her mit gefälltem Bajonett und schlagenden Tambours mit gellendem Hörnerklang in die feindliche Stellung ein. Ein blutiges Handgemenge entspann sich. Durch den Angriff des III. Bataillons entlastet, erhoben sich auch das I. und II. Bataillon und stürzten sich nun gemeinsam auf den Feind. Der Gegner, soweit er in seinen engen, tiefen Gräben standhielt, wurde niedergemacht, der Rest gefangen genommen. 540 Mann und 18 Offiziere fielen den 246ern in die Hände, dazu eine stattliche Zahl Gewehre, Munition, Schanzzeug, sowie ein Maschinengewehr. Reutel war in unserer Hand. Der Sieger drang ohne weiteren Widerstand in die südlich und südwestlich des Dorfes liegenden Waldstücke bis an den Reutelbach vor. Das befohlene Ziel war erreicht. Regiment 244 war nördlich der Straße Reutel-Ypern rasch vorwärts gekommen, drang im Anschluss an das Regiment 246 tief in den Polygonwald ein, verließ ihn aber kurz darauf wieder, um auf die Höhe nördlich Reutel zurückzugehen. Die unserem Regiment durch diese Rückwärtsbewegung drohende Gefahr wurde sofort erkannt und deshalb mit allen Mitteln von unserem Regimentskommandeur veranlasst, dass diese zum Stehen gebracht wurde, was dicht am Ostrande des Polygonwaldes gelang. Die Stellung des Regiments war hierdurch ziemlich bedroht. Die Anschlusstruppen rechts und links waren etwa vierhundert Meter zurück, es entstand so eine Lücke von fünfhundert Metern. Da die Verluste in den letzten Tagen außerordentlich groß waren, verfügte das Regiment über keinerlei Reserven mehr, bis zum letzten Mann war alles eingesetzt. Trotzdem erging der strenge Befehl, die Stellung unter allen Umständen zu halten.

Der Feind hatte sich in der Zwischenzeit wieder gefasst, seine Führung übersah die Lage halbwegs. Mit neuen Truppen setzte ein Gegenstoß aus dem gegenüberliegenden Polderhoekpark ein, der kraftvoll vorgetragen wurde. Er zerschellte aber an der deutschen Linie.

Bei Einbruch der Dunkelheit meldete sich Leutnant Kammerer mit dem Radfahrerzug des Reserve-Jäger-Bataillons 26 als Unterstützung. Das Detachement wurde sofort zur Sicherung der rechten Flanke in Stellung gebracht.

Das Jägerbataillon 26 befand sich als Brigade-Reserve am 24. Oktober 1914 bei Terhand. Bei der Führung herrschte kein klares Bild über die Lage. Als daher das Gerücht nach hinten gelangte, dass die feindlichen Gegenangriffe erfolgreich gewesen wären und der Engländer Bedelaere wieder genommen hätte, wurden die Jäger alarmiert und nach Becelaere in Marsch gesetzt. Als sich die Nachrichten als falsch erwiesen, kehrte das Bataillon wieder nach Terhand zurück. Nur der Zug Kammerer blieb beim Regiment. Hier wurde der Anfang gemacht zu einer treuen und aufopfernden Waffenkameradschaft zwischen den Jägern 26 und den 246ern. Die Lücke auf dem rechten Flügel wurde nun gegen Abend ebenfalls geschlossen. Die Brigade setzte dort die Reste des III./247 unter Oberleutnant der Reserve Keller ein. Auf einen anscheinend missverstandenen späteren Brigadebefehl rückte das Bataillon jedoch wieder am hellichten Tage unter großen Verlusten durch feindliches Infanterie-Feuer aus der Stellung ab und sammelte sich in Becelaere.

Die vom Regiment nunmehr zu haltende Stellung am Reutelbach hatte eine Ausdehnung von tausend Metern.

Über den Sturm am 24. Oktober 1914 schreibt ein Angehöriger des III. Bataillons:

„Es war am 23. Oktober 1914 abends. Wir lagen bei Reutel eingeschanzt hinter einem zerschossenen hause, als unser Zugführer die Nachricht brachte: „Morgen früh wird auf der ganzen Front angegriffen.“ Sofort machten wir das Sturmgepäck fertig, fassten noch reichlich Lebensmittel und begaben uns dann zur Ruhe. Am andern Morgen traten wir Punkt 5½ Uhr links der Straße Reutel-Ypern in Gruppenkolonne an und gingen dann im Halbdunkel möglichst gedeckt vor. Wir erhielten sofort lebhaftes Feuer vom Gegner, das sich immer mehr steigerte, je weiter wir vorgingen. Leider fingen jetzt schon einige Leute an, Hurra zu rufen, obwohl wir noch mehr als hundert Meter von der anglischen Stellung entfernt waren. Alles stimmte dann in den Ruf mit ein. Die Folge davon war, dass wir rasendes Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer erhielten. Instinktiv suchte jetzt der einzelne nach Deckung hinter den an der Straße liegenden Häusern, und so kam der Angriff auf einige Augenblicke ins Stocken. In dichten Knäueln standen die Mannschaften hinter jeder nur einigermaßen schutzbietenden Deckung, und alle waren davon überzeugt, dass es so unmöglich weitergehen konnte, zumal auch das Artilleriefeuer sehr lebhaft einsetzte. Die Verluste waren bisher schon stark, konnten aber noch nicht abgeschätzt werden, da auch einzelne Mannschaften anderer Kompanien plötzlich unter uns erschienen waren. Der Führer der 10. Kompanie, Hauptmann Schließmann, war auch unerwartet unter uns aufgetaucht und feuerte uns nun unermüdlich an, vorzugehen. Der Knäuel löste sich nach und nach auf, indem die Leute, zum Teil kriechend, über die Landstraße zu den feindlichen Gräben sich heranpirschten, zum Teil sprungartig heranzukommen versuchten. Die Verluste nahmen zu. Überall lagen die Verwundeten. Aber auch die Wut auf den Gegner steigerte sich bis ins Maßlose. Wie eine Erlösung war es dann, als wir unter lautem Hurra am feindlichen Graben angelangt waren und die Engländer fast ausnahmslos die Waffen wegwarfen und die Hände in die Höhe streckten. Sie hatten noch auf uns geschossen, als wir kaum noch fünf Meter vor ihrem Graben entfernt waren. Und das trug viel dazu bei, dass so mancher Engländer schließlich noch sein Leben durch unsere Bajonette lassen musste. Sofort wurde ein Kommando aufgestellt, das die Gefangenen abführte. Noch einen letzten Blick ließen wir über das furchtbare Schlachtfeld gleiten, und keiner von uns wird diesen Anblick je vergessen können. Zu hunderten lagen die Toten und Verwundeten in allen Stellungen auf- und nebeneinander. Es war ein Anblick, der den Härtesten hätte erweichen müssen, auch sah man manchem Kameraden eine Träne im Auge. Nachdem wir einige Verstärkung erhalten hatten, gingen wir weiter vor und kamen bis an den Rand des vor uns liegenden Polygonwaldes. Das Feuer hatte bedeutend nachgelassen, und unsere Verluste waren jetzt viel geringer. Wir wenigen, die das Glück hatten, ohne jede Verletzung soweit vorzustoßen, verteilten uns längs des Waldrandes und gruben uns sofort ein.“

„Heiß war der Tag und blutig die Schlacht!“

17 Offiziere, 18 Offizier-Stellvertreter, 1.800 Mann, also etwa siebzig Prozent der Gefechtsstärke blieben auf dem Schlachtfeld. Unter den Toten befand sich auch der tapfere Kommandeur des III. Bataillons, Major Holzhausen. Nicht achtend der Gefahr, zog er seinem Bataillon voraus zum Sturm, jedem einzelnen ein Beispiel von Mut und Unerschrockenheit gebend.“

Man begrub Ernst Holtzhausen auf dem Waldfriedhof Stuttgart-Degerloch in Block 3 b-31-2562.

Major Ernst Holtzhausen III./246, gefallen am 24.10.1914