Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.021: Dr. Engelbert Mülhaupt [Mühlhaupt]

Der Soldat Dr. Engelbert Mühlhaupt wurde am 05.11.1888 geboren und stammte aus Oberlauchingen, einem Ortsteil der Gemeinde Lauchringen im heutigen Bundesland Baden-Württemberg. Er arbeitete als Journalist für die München-Augsburger Abendzeitung. Im Ersten Weltkrieg diente er als Kriegsfreiwilliger und Infanterist in der 11. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments, das Regiment, in dem auch der spätere Diktator Adolf Hitler diente. Am 29.10.1914 fiel er bei den ersten Kämpfen in Flandern während der Schlacht an der Yser bei Gheluwe. Die Regimentsgeschichte des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments berichtet über den Todestag und die Todesumstände von Dr. Engelbert Mühlhaupt:

„Das III. Bataillon

Das III. Bataillon war am Morgen des 29. Oktober aus der Entfaltung bei der Ortschaft Koelberg links der Straße nach Ypern mit der 9. und 11. Kompanie in vorderer, der 10. und 12. Kompanie in zweiter Linie ins Gefecht getreten. In zügigem Vorwärtsgehen suchten die Schützenlinien gegen das Straßenkreuz bei Kruiseik vorzudringen, erlitten aber durch das von vorne und aus der rechten Flanke einsetzende feindliche Feuer abld so erhebliche Verluste, dass die Bewegung ins Stocken kam. Der Gegner hatte sich in den Gehöften und in dem dichten Buschwerk am Straßenkreuz eingenistet und richtete, selbst völlig unsichtbar, ein konzentriertes Maschinengewehrfeuer auf die in lichter Entwicklung vorgehenden Schützenlinien und ihre nachfolgenden Reserven. Es galt daher, zunächst diesen Gegner niederzukämpfen.

In dem Augenblick, als Oberleutnant Beuschel mit der 9. Kompanie die Straße erreicht hatte unddas Kommando gab „Sprung! Auf – Marsch – Marsch!“ wurde er von einem Geschoss getroffen, dass ihm das Kommando auf den Lippen erstarb und er tot umsank. (Oberleutnant Albert Beuschel, gefallen am 29.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block I, Grab 957) Offiziersstellvertreter Baumann übernahm die Kompanie.

Das Bataillon war als zweite Linie hinter dem sächsischen Regiment 105 bestimmt, trat jedoch bald in die erste Gefechtslinie. Langsam und zäh arbeiteten sich die Züge trotz ständiger Verluste vorwärts, bis schon nach kurzem die Ausfälle durch das feindliche Artilleriefeuer so groß wurden, dass der Bataillonskommandeur, der selbst in vorderster Linie war, bei der Gefahr, die Truppe ohne hinreichenden Erfolh vollständig zu opfern, sich entschloss, die Stellung vorerst zu halten und sich einzugraben, um durch die weitere Gefechtsentwicklung eine günstigere Gelegenheit zur Fortsetzung des Anghriffs abzuwarten. Erst als im Laufe des Vormittags die englischen Stellungen am Straßenkreuz bei Kruiseik durch den Angriff unseres I. Bataillons und der Württemberger 247 vom Gegner fluchtartig geräumt worden waren, konnte der rechte Flügel des III. Bataillons gemeinsam mit dem Reserve-Infanterie-Regiment 247 zum weiteren Angriff vorgehen. Entlang der Yperner Straße suchte man nach vorwärts Raum zu gewinnen. In kleinen Teilvorstößen arbeitete sich die 10. und 11. Kompanie an die links der Straße gelegenen Gräben der Engländer heran, immer wieder gezwungen, ihre Stellungen unter dem verheerenden Feuer der feindlichen Artillerie und den Bombenwürfen der feindlichen Flieger vorrübergehend aufzugeben und in Deckung Schutz zu suchen. Die Verluste stiegen von Stunde zu Stunde. Oberleutnant Peukert (Oberleutnant Hans Peukert, gefallen am 29.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block I, Grab 958), der Führer der 11. Kompanie fiel im Gefecht, ebenso sin 1. Zugführer, Leutnant Graf (Leutnant Karl Graf, Ritter von gefallen am 29.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block I, Grab 897), der einzige Sohn des 1916 vor dem Feind gebliebenen Kommandeurs der bayerischen Ersatz-Division, Generalleutnant Ritter von Graf (Generalleutnant Eduard Ritter von Graf, gefboren am 31.10.1854 in Bayreuth, gefallen am 03.03.1916 in St. Braquis, Frankreich). Offiziersstellvertreter Gieß blieb durch beide Oberschenkel geschossen liegen. Feldwebel Müller nahm das Kommando über die Kompanie an sich, fiel aber bald darauf durch Kopfschuss (Feldwebel Hans Müller, gefallen am 29.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block I, Grab 898) . Darauf sprang Vizefeldwebel Schnaudt als Kompanieführer ein.

Erschreckend schnell schmolz die Gefechtskraft zusammen, sodass gegen Mittag die letzten Reservezüge eingesetzt werden mussten. Überall lagen hinter den Hecken die Verwundeten, ohne dass ihnen Hilfe gebracht werden konnte.

Dazu kam, dass vorübergehend unsere Truppen von Nachbarabteilungen der Sachsen, die uns wegen der grauen Mützenüberzüge mit Engländern verwechselt hatten, unter Feuer genommen worden waren, wodurch die moralische Kraft der Truppe stark beeinträchtigt wurde.

Als um die Mittagsstunde die Lage äußerst bedrohlich wurde und insbesondere durch das vernichtende Maschinengewehrfeuer aus der stark besetzten Windmühle unterhalb des Ortsrandes immer größere Lücken in unsere Reihen gerissen wurden, entschloss sich Unteroffizier Schaumberger, mit einer Anzahl Leute sich an die Windmühle heranzupürschen, dieses gefährliche Nest auszuheben. Die Aufgabe ging aber über die Kraft der todesmutigen Männer; sie blieben unter schweren Verlusten vor der Front liegen, Offiziersstellvertreter Dörfler, der ihnen zu Hilfe eilte, fiel.

Dagegen gelang es der 12. Kompanie auf die Meldung hin, dass die 10. Kompanie unter starkem Flankenfeuer leide, ein Gehöft in der linken Flanke zu stürmen und augenblicklich Erleichterung zu schaffen.

Gegenüber der gewaltigen Feuerkraft des Gegners, seinen in langer Vorbereitungszeit außerordentlichen gut befestigten und verdeckten Stellungen, wobei seine Schützen sogar von Bäumen herab ein scharf gezieltes Feuer auf unsere im offenen Feld kämpfenden Linien richteten, war mit einem durchschlagenden Erfolg nicht mehr zu rechnen. Sollte die Truppe nicht der gänzlichen Vernichtung preisgegeben werden, so blieb nichts übrig, als weitere Angriffsversuche aufzugeben und sich darauf zu beschränken, den heißumstrittenen Boden zu halten und sich nach Möglichkeit durch Verteilung in halbwegs schützende Deckungen der Wirkung des rasenden Feuers zu entziehen. Auch dies bot Schwierigkeiten. Bei dem ungestümen Lärm und Getöse des Gefechts war es nicht möglich, Befehle durchzubringen, viele der Unterführer waren bereits gefallen oder verwundet. die Verbände völlig vermischt, an ein Durchkommen von Meldegängern war nicht zu denken.

So entschloss sich der Bataillonskommandeur, Hauptmann von Lüneschloss, im Laufe des Nachmittags die noch vorhandenen Reste, insbesondere der 9. und 11. Kompanie, von welcher Unteroffizier Wildegger Teile unter seine Führung genommen hatte, allmählich heranzuziehen und in geeigneter Deckung zu sammeln. Auch die 10. Kompanie konnte sich bei ihren großen Verlusten nicht mehr halten und zog sich langsam gegen den linken Flügel des Bataillons zurück, um sich dort einzugraben. Bei der 12. Kompanie waren Kompanieführer Oberleutnant Hagen und Offiziersstellvertreter Grießer verwundet, bei der 10. Kompanie war Kompanieführer Graf von Bassenheim infolge Erkrankung ausgeschieden und an seine Stelle Offiziersstellvertreter Mader getreten.

Der Einbruch der Dunkelheit ermöglichte es, die schwachen Reste der Kompanien aus dem Gefecht zu ziehen und beim Regimentskommando nahe Koelberg zu sammeln, damit sie im Laufe der Nacht wieder eingesetzt werden konnten.

Durch den heutigen Angriff war auch auf diesem Abschnitt der Front fast 1 Kilometer vorgerückt worden, 400 Gefangene und 5 Maschinengewehre waren eingebracht worden.

Die Nacht senkte sich auf das Schlachtfeld, das 349 tote Kameraden bedeckten. Den taktischen Erfolg des Tages, des letzten Tages der Schlacht an der Yser, bezeichnete in kurzen Worten der Abendbefehl, den der Regimentskommandeur, Oberst List, den Bataillonen bekannt geben ließ: „Feind aus allen seinen Stellungen geworfen, mehrere hundert Gefangene. Infanterie hält die errungenen Stellungen und gräbt sich dort ein. Unterstützung durch die 6. Reserve.Infanterie-Division bald zu erwarten.“

Man begrub Dr. Engelbert Mühlhaupt auf dem Soldatenfriedhof Langemark in einem Massengrab.

Noch heute gedenkt man Dr. Engelbert Mühlhaupt auf einem Denkmal in seiner Heimatgemeinde Oberlauchringen: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/oberlauchringen_wk1u2_bw.htm

Todesanzeige für Dr. Engelbert Mülhaupt – bemerkenswert: die Zeitung, für die er gearbeitet hatte, druckte seinen Namen falsch ab.

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.938: Leo Wagner

Der Soldat Leo Wagner wurde am 11.04.1890 in Jungensberg, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Stiefenhofen, geboren. Er wurde Lehrer an der Hohenzollernschule in München. Heute wird die Schule Hermann-Frieb-Schule genannt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Ersatz-Reservist in der 1. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 01.12.1914 fiel er während der Stellungskämpfe in Flandern im Alter von 24 Jahren bei Messines (niederländisch: Mesen) durch Granattreffer.

Über den Todestag und die Todesumstände von Leo Wagner berichtet die Regimentsgeschichte des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Im Alarmquartier Messines übernimmt Oberstleutnant von Langlois am 01.12. das Regiment, dessen Gefechtsstärke 21 Offiziere und Offiziersstellvertreter, 1.432 Unteroffiziere und Mannschaften, dessen Verpflegungsstärke 25 Offiziere, 1.652 Mannschaften und 180 Pferde betrug. Zehn Tage später war die Gefechtsstärke bereits auf 31 Offiziere, 1.528 Mann, die Verpflegungsstärke auf 34, bzw. 1.809 gestiegen. Die infolge des häufigen Kommandeurwechsels verschiedene Auslegung des Begriffs Verpflegungsstärke erhält dadurch Stetigkeit, dass hinfort Mannschaften der Bagage nicht mehr zur Gefechtsstärke gerechnet werden.

In der Stellung wird Nacht für Nacht die Dreiteilung des Dienstes in Schützen- und Arbeitsmannschaften sowie nahe Bereitschaft durchgeführt. Zwei Drittel der Mannschaft stehen allnächtlich wachend und schanzend, gefechtsbereit in der vordersten Linie, nur ein Drittel erholt sich im Unterstand von den Strapazen. Dieser Dienst im Schützengraben erfährt durch Divisionsbefehl vom 2. Dezember eine grundlegende Milderung: 50 Prozent der Mannschaft sollte bei Nacht, 30 Prozent bei Tag gefechtsbereit Posten stehen. Die Einsicht der Unterführer in die wirklichen Bedürfnisse und in die ertragbare Leistung milderte diesen Befehl weiterhin ab, dass tagsüber von jeder Gruppe nur ein Mann zu wachen hatte, eine Einrichtung, die sich den ganzen Krieg hindurch bewährte.

Tag um Tag kostete Opfer an Mut und Blut, keiner verging ohne Verluste durch das feindliche Feuer. Das Infanteriefeuer flaute ab, wurde schwach und schwächer, tagsüber fielen höchstens vereinzelte Schüsse der Scharfschützen. Doch unterhielt der Gegner ein gutgezieltes heftiges Artilleriefeuer mit Granaten und Schrapnells auf unsere Schützengräben, am 27. November, damals noch eine Seltenheit, geleitet durch feindliche Flieger.“

Man begrub Leo Wagner auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block A, Grab 3.171.

In der Hochschule für angewandte Wissenschaften (ehemals katholische Lehrerbildungsanstalt Pasing) gedenkt man noch heute Leo Wagner auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2010/m-pasing_lba_wk1_bay.htm

Todesanzeige von Leo Wagner

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.924: Johann Baptist Heinle

Der Soldat Johann Baptist Heinle wurde am 22.10.1888 in Heuglosen bei Kimratshofen geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Altusried, und war landwirtschaftlicher Arbeiter auf dem Hof einer Eltern. Im Ersten Weltkrieg diente er als Ersatz-Reservist in der 3. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments, einem Regiment, in dem zeitgleich auch der spätere Dikator Adolf Hitler Kriegsdienst leistete. Am 03.01.1915 (Volksbund und Regimentsgeschichte: 04.01.1915) fiel er im Alter von 26 Jahren bei der belgischen Stadt Mesen in Flandern durch Kopfschuss.

Man begrub Johann Baptist Heinle auf dem Soldatenfriedhof Langemark in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Altusried gedenkt Johann Baptist Heinle noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/altusried-kimratshofen_1870-71_wk1u2_bay.htm

Todesanzeige von Johann Baptist Heinle

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.923: Joseph Kappelmayer

Der Soldat Joseph Kappelmayer wurde am 30.10.1892 in Druisheim geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Mertingen. Er war Student der Realien in München. Im Ersten Weltkrieg diente er als Unteroffizier in der 9. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. In diesem Regiment diente zeitgleich auch der spätere Diktator Adolf Hitler. Am 15.11.1914 fiel er im Alter von 22 Jahren bei Wytschaete (heutiger Name: Wijtschate) in Flandern (Belgien).

Über den Todestag und die Todesumstände von Joseph Kappelmayer berichtet die Regimentsgeschichte des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Sturm auf das beilförmige Waldstück

15. und 16.11.1914

Von Regiments-Adjutant Dr. ing. Georg Eichelsdörfer

Stellung des Reserve-Infanterie-Regiments 16 „List“ nach dem gelungenen Sturm auf das beilförmige Waldstück

Westlich von Wytschaete war es der 14. bayerischen Reserve-Brigade nach zähem Ringen gelungen, am 14. November den Franzosen die Hollandscheschuur-Ferme wegzunehmen und zu halten. Das am rechten Flügel liegende Reserve-Infanterie-Regiment 20 hatte die Verbindung mit der am beilförmigen Waldstück, 800 Meter nordwestlich Capellerie liegenden 4. bayerischen Infanterie-Division aufgenommen. Jetzt galt es, auch noch das letzte Bollwerk des Feindes, das von ihm zu einer kleinen Festung ausgebaute beilförmige Waldstück zu erobern.

Die 12. bayerische Reserve-Brigade erhielt Befehl, sich in seinen Besitz zu setzen.

Am 14. November gegen 10 Uhr abends traf in Osttaverne mittels Fernspruch der Angriffsbefehl der Brigade ein: Um 5 Uhr früh sollte das Regiment in den Ausgangsstellungen zum Sturm bereit stehen. Ein Bataillon zum Angriff entwickelt zu beiden Seiten des Weges, der von der Straße Wytschaete – Groote Bierstraat in nördlicher Richtung gegen den Westrand des beilförmigen Waldes führt; das andere Bataillon als Brigadereserve östlich der Straße Wytschaete – St. Eloi, an der Abzweigung des Weges nach In der Sterkte Cab. Das Sturmbataillon hatte im Anschluss an das rechts vorgehenden Reserve-Infanterie-Regiment 17 mit dem rechten Flügel auf die Südspitze des beilförmigen Wäldchens vorzubrechen und mit Unterstützung einer Batterie des Reserve-Feldartillerie-Regiments 6 den dortigen Stützpunkt zu nehmen.

Der Sturmbeginn war auf den 15. November früh 7 Uhr festgesetzt; die Sturmtruppen der 12. bayerischen Reserve-Brigade unterstanden dem Befehl des Oberstleutnant Petz vom Reserve-Infanterie-Regiment 17.

Sofort versammelte der Regiments-Kommandeur, Oberstleutnant Engelhardt die Führer, um mit ihnen die Einzelheiten des Angriffs zu besprechen. An die Stelle der wegen Krankheit ausscheidenden beiden Bataillonsführer Hauptmann Rubenbauer und Butterfass wurden Leutnant Joseph Schmidt mit der Führung des I. und der bisherigen Maschinengewehr-Zugführer Leutnant der Reserve Robert Schubert mit der Führung des II. Bataillons beauftragt.

In einer kühlen regnerischen Nacht trat das Regiment bald nach Mitternacht lautlos den Vormarsch an. Es war mehr ein müdes Vorwärtsschleppen auf den infolge der langandauernden Regenzeit fast grundlos gewordenen Wegen, oft aufgehalten durch zerschossene Drahthindernisse und zahlreiche mit Wasser gefüllte Granattrichter. Die fast völlige Dunkelheit wurde nur zeitweise etwas aufgehellt durch den matten Lichtschein hochgehender Leuchtkugeln an der zwischen Wytschaete und Messines in einem Bogen tief nach Westen eindringenden Kampffront. In diesen Augenblicken hoben sich die Schattenrisse der Ruinen von Wytschaete gespenstisch vom Horizont ab. Wenn dann von Zeit zu Zeit die auf den Höhen von Ypern stehenden Scheinwerfer das Gelände absuchten und alles im grellsten Lichte erstrahlte, erstarrte das Leben in der Marschkolonne; jeder blieb wie vom Blitz getroffen an seinem Platze stehen, um von dem wachsamen Auge des Gegners nicht gesehen zu werden. Dieser Vorsichtsmaßnahme war es zu danken, dass der Vormarsch ohne Störung durch feindliches Artilleriefeuer erfolgen konnte; vereinzelt irrten feindliche Granaten hoch oben durch die Luft und schlugen weit hinten im Gelände ein.

Lange vor der festgesetzten Zeit kam das Regiment an den befohlenen Plätzen an.

Der Führer des Sturmbataillons, Leutnant Schmidt, suchte alsbald die Verbindung mit dem Reserve-Infanterie-Regiment 17 aufzunehmen, allein infolge der herrschenden Dunkelheit und der Unübersichtlichkeit im dichten Waldgelände gelang es nicht, den Anschluss zu gewinnen; aus den gleichen Gründen war es den Kompanie-Führern oft nur notdürftig möglich, die Verbindung aufrecht zu erhalten.

Nur langsam begann der Morgen zu dämmern; immer noch rieselte der Regen hernieder, der schon längst die Kleider durchtränkt hatte und den Aufenthalt in dem dichten Unterholz unerträglich machte.

Punkt 7 Uhr begann der Sturm; aber kaum hatten die ersten Truppen das schützende Waldgelände verlassen, da warf der Feind ein mörderisches Infanterie- und Maschinengewehrfeuer auf die im deckungslosen Gelände Vorwärtsstürmenden. Vor allem verursachte eine feindliche Batterie aus der linken Flanke so schwere Verluste, dass ein weiteres Vordringen unmöglich wurde.

Stunde um Stunde verging, ohne dass auch nur der geringste Raum nach vorwärts genommen werden konnte.

Da entschloss sich der Regiments-Kommandeur einen neuen Angriff auf 12.45 Uhr nachmittags festzusetzen, allein erst um 1.30 Uhr gelang es mit Unterstützung unserer Artillerie, den Angriff wieder in Fluss zu bringen. Beim Vorgehen über das offene Gelände erlitten unsere braven Truppen so schwere Verluste, dass es nur einem geringen Teil möglich war, bis zum Wäldchen selbst vorzudringen. Schon hatten einzelne Franzosen daselbe verlassen, unseren Schützen ein vortreffliches Ziel bietend,; allein bei dem nun folgenden Kampf im Wäldchen selbst, Mann gegen Mann, traten in den sehr gut ausgebauten, mit Schling- und Stacheldraht umgebenen Befestigungsanlagen, so große Schwierigkeiten entgegen, dass es den schwachen Kräften nicht mehr gelang, bis zum Rande durchzustoßen.

Jetzt fasste auch der Gegner wieder neuen Mut und zahlreiche Franzosen, die vorher geflüchtet waren, kehrten in das Wäldchen zurück.

Der erste Ansturm war missglückt, ja es musste sogar ein Teil des unter so großen Opfern gewonnenen Geländes wegen der eintretenden Verwirrung, verursacht durch einzelne Leute, die zum Teil ohne Führer vorgegangen waren, dem Feinde wieder preisgegeben werden.

Todesmutig versuchte zwar der Führer des mittlerweile in den Kampf eingesetzten II. Bataillons, Leutnant der Reserve Schubert, mit mehreren schneidigen Unterführern nach Wiederherstellung der Ordnung erneut zum Sturm vorzugehen; allein schon beim Austritt aus dem Wald wurde er tödlich verwundet und musste vom Platze getragen werden. Tags darauf erlag er seiner schweren Verletzung.

Der Regimentskommandeur wollte persönlich in den Kampf eingreifen und begab sich im Hohlweg bis zum Rande des Waldes, wo er das Gelände überblicken konnte; aber kaum hatte ihn das wachsame Auge des Gegners entdeckt, als ein mörderisches Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer auf ihn einsetzte. Fast hätte er seine Tollkühnheit mit dem Leben bezahlt. Die beiden ihn begleitenden Gefechtsordonnanzen des Regiments Adolf Hitler und Bachmann sprangen vor, stellten sich schützend vor ihn hin und drängten ihn mit den Worten, er möge das Regiment davor bewahren, in so kurzer Zeit ein zweites Mal seinen Kommandeur zu verlieren, in ein nahes Erdloch. Zum Dank drückte er beiden stumm die Hand. Leider sollte sich die Befürchtung der beiden Meldegänger nur allzubald erfüllen.

Langsam brach die Nacht herein; nach eingetretener Dunkelheit begab sich der Regimentskommandeuer zu Oberstleutnant Petz, um mit ihm gemeinsam die taktischen Maßnahmen für den nächsten Tag festzulegen.“

Die Lage des Grabes von Joseph Kappelmayer ist unbekannt. Eventuell wurde er auf dem Soldatenfriedhof Langemark in einem Massengrab anonym begraben.

Todesanzeige von Joseph Kappelmayer

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.837: Otto Osterholzer

Der Soldat Otto Osterholzer stammte aus Schwaig, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Aldersbach, und war der Sohn eines Kleinbauern. Im Ersten Weltkrieg diente er als Musketier in der 11. Kompanie des 21. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Ende 1914 wurde er bei den Kämpfen in Flandern als vermisst gemeldet, wurde aber alsbald als verwundet registriert und diente in einem Ersatztrupp. Am 01.03.1915 verstarb er dann in Folge einer Krankheit im Alter von 21 Jahren im Kriegslazarett Montigny.

Man begrub Otto Osterholzer auf dem Soldatenfriedhof Dourges in Block 4, Grab 773.

Seine Heimatgemeinde Aldersbach gedenkt Otto Osterholzer noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2009/aldersbach_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Otto Osterholzer
Rückseite des Sterbebildes von Otto Osterholzer

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.821: Alfons Haimerl

Der Soldat Alfons Haimerl wurde am 05.08.1895 in der bayerischen Gemeinde Grafenwiesen geboren und war der Sohn eines Schmiedemeisters. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 6. Kompanie des 11. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 25.07.1917 fiel er im Alter von 22 Jahren während der Sommerschlacht in Flandern bei Frélinghien.

Die Lage des Grabes von Alfons Haimerl ist unbekannt.

Seine Heimatgemeinde Grafenwiesen gedenkt Alfons Haimerl noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/grafenwiesen_bay.htm

Sterbebild von Alfons Haimerl
Rückseite des Sterbebildes von Alfons Haimerl

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.779: Fritz Schulz

Der Soldat Fritz Schulz stammte aus Artern in Preußen und war Doktor der Geisteswissenschaften. Im Ersten Weltkrieg diente er als Leutnant der Reserve und Offiziersstellvertreter in der 1. Batterie des 6. Reserve-Feldartillerie-Regiments. Er wird während der ersten Flandernschlacht bei den Kämpfen an der Yser schwer verwundet und stirbt am 15.11.1914 in einem Lazarett in Köln verwundet.

Vermutlich wurde Fritz Schulz auf einem lokalen Friedhof in Köln im militärischen Bereich begraben. Das Grab dürfte heute noch existieren.

Todesanzeige für Fritz Schulz

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.775: Johann Rothkopf

Der Soldat Johann Rothkopf stammte aus Hasleham, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Tiefenbach (Passau) und war Hausbesitzer und Zimmermeister. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Kanonier in der 6. Batterie des 1. bayerischen Reserve-Fußartillerie-Regiments. Am 20.05.1918 fiel er im Alter von 43 Jahren nach 37 Monaten Kriegsdienst nach schwere Verwundung durch Granatvolltreffer während der Kämpfe am Kemmelberg bei Kemmel und Dranoutre.

Man begrub Johann Rothkopf auf dem Soldatenfriedhof Wicres Village in Block 1, Grab 34.

Sterbebild von Johann Rothkopf
Rückseite des Sterbebildes von Johann Rothkopf

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.769: Konrad Holzner

Der Soldat Konrad Holzner wurde am 16.03.1890 in der bayerischen Stadt Neu-Ulm geboren und war Bezirksamtsassistent. Im Ersten Weltkrieg diente er als Unteroffizier der Reserve in der 7. Kompanie des 18. bayerischen Infanterie-Regiments: Am 30.10.1914 fiel er während der 1. Schlacht in Flandern (Ypern) im Alter von 24 Jahren bei Hollebeke Houthem durch Kopfschuss.

Über den Todestag und die Todesumstände von Konrad Holzner berichtet die Regimentsgeschichte des 18. bayerischen Infanterie-Regiments:

„Hollebeke 30.10.1914

Dichter Nebel lag am Morgen des 30.10. über Flandern, als schon 7.30 Uhr vormittags unsere Artillerie mit dem Einschießen auf die feindlichen Stellungen begann. Aber infolge des unsichtigen Wetters war das Einschießen erst gegen 9.30 Uhr vormittags beendet und gegen 10 Uhr ging die Infanterie zum Angriff vor. Schon 5 Uhr vormittags war die Hälfte des I./18 (1. und 4. Kompanie) hinter dem linken Flügel des III. Bataillons bereitgestellt worden., das über Nacht in Schützenlöchern 1 Kilometer südöstlich Caleute nach Ablösung der dortigen Heereskavalerie auf nahe Entfernung den feindlichen Schützen gegenüber lag. Der Rest des I. Bataillons verblieb zunächst hinter dem linken Flügel. Beide Bataillone warteten dann, bis das Zeichen zum Angriff gegeben wurde. Das III. Bataillon rechts, das I. links, brachen die Schützen etwa 10 Uhr vormittags gegen die feindlichen Stellungen vor, das III. Bataillon mit rechtem Flügel längst des von Partyntje-Ferme nach Norden führenden Weges – Calvaire, östlich Groenelinde Südwestecke des Schlossparkes von Hollebeke, linker Flügel Straße Garde Dieu – Caleute. Heftiges Artilleriefeuer empfing sie, aber dennoch gelang es mit den vordersten Teilen bis 11 Uhr vormittags das Valeutecabt. zu erreichen. Hier aber stockte zunächst der Angriff. Gegen Mittag fuhren war zwei Züge des 5. Feldartillerie-Regiments zur unmittelbaren Unterstützung der Infanterie vor, aber dennoch blieb zunächst der Angriff stecken, weil die feindlichen Maschinengewehre, gut eingenistet in den zahllosen Hecken und Büschen, auch vom Artilleriefeuer nicht sofort gefasst werden konnten. Dazu kam, dass nach der linken Angriffsgruppe (26. Infanterie-Division), infolge einer unbeabsichtigten Verschiebung der Angriffsziele der Anschluss verpasst wurde, so dass das I. Bataillon mit seinem linken Flügel in der Luft hing.

In dieser Lage kam das II. Bataillon zum Einsatz. Es war in der Nacht in Alarmquartieren in Houthem untergebracht, kam kurz nach Eröffnung des Artilleriekampfes am frühen Morgen in der Ortschaft selbst in schweres Artilleriefeuer und rückte zunächst an den Westausgang von Houthem und dann bis zur Kapelle 1 Kilometer nordwestlich davon vor. Hier gab der Brigadekommandeur Generalmajor Clauß an Hauptmann Ritter den befehl, mit dem halben II. Bataillon am linken Flügel der vorderen Gefechtslinie einzugreifen und den Angriff nach vorwärts zu reißen. Nach einem  Seitenmarsche von etwa 500 Metern nach links über ebenes Gelände wurde dann nach vorwärts eingeschwenkt und mit der 6. und 7. Kompanie in die Kompanien des I. Bataillons eingeschoben. Aber auch der Einsatz frischer Kräfte genügte nicht, um die Gefechtslinie vorzureißen. Erst nachdem ein Bataillon und die Maschinengewehr-Kompanie 22. Infanterie-Regiment sowie zwei Artilleriezüge eingesetzt worden waren, erkämpfte sich die Truppe nach vorwärts Raum und erreichte am Abend mit rechtem Flügel Calvaire und mit linkem Flügel Groenelinde. Der Kampf war außerordentlich verlustreich gewesen: 5 Meter vor einem in eine Hecke eingebauten englischen Maschinengewehr lag die Leiche des Majors Kopp (Major Julius Kopp, gefallen am 30.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block G, Grab 706), der freiwillig als 60jähriger Mann in das Feld gerückt war und nun wenige Tage nach seinem Eintreffen dortselbst den Heldentod gefunden, daneben Oberleutnant Munzert und Oberleutnant Lauerer. Verwundet wurden Oberleutnant Hoffa und die Leutnants der Reserve Braun und Kolbatz. Die Führung des II. Bataillons übernahm Hauptmann Höpfner.

Während so das 18. Regiment am linken Flügel der Division vorging und einen schönen Erfolg mit großer Tapferkeit erringen konnte, gelang es den rechten Nachbarn, dem 17. Infanterie-Regiment und Teilen des 22. Infanterie-Regiments den Schlosspark von Hollebeke in Besitz zu nehmen. Gegen 6 Uhr nachmittags war auch das Dorf Hollebeke in ihrer Hand und vom Feinde gesäubert. Beim Gegner waren englische Kavallerie und Artillerie auch etwas englische Infanterie und indische Truppen, es war kein starker aber ein zäher Feind, dem die Vorzüge des Geländes für die Verteidigung sehr zu statten kamen und der zudem in der Nähe von Groenelinde einige tiefe Schützengräben angelegt hatte. Die Brigade hatte einen Ruhmestag erlebt und General Clauß, der Kommandeur, wurde für sein umsichtiges und tapferes Verhalten und für den Erfolg, den seine Infanteriebrigade an diesem Tage erstritten, mit dem Max-Joseph-Orden ausgezeichnet. Dunst und Regen vermehrte am Abend die Dunkelheit, die nur von den brennenden Gehöften und Ortschaften erhellt wurde. Überall in Büschen und Hecken klagten Verwundete und lagen gefallene Helden. Totes Vieh lag umher, verwüstet waren die Höfe, niedergerissen die Zäune; schmutziger, vom Regen durchgeweichter Ackerboden dampfte von den Kämpfen des schweren Tages. Nach Einbruch der Dunkelheit waren die Truppen vollkommen zerstreut, die Mannschaften zum Tode ermüdet und erschöpft. Hauptmann Höpfner und Hauptmann Ritter machten sich auf den Weg, um während der Nacht die versprengten Teile zusammenzusuchen; – aber umsonst: die Achtzehner waren mit den übrigen Teilen der Brigade derart vermischt und über das Gelände zerstreut, dass man den Versuch, sie zu sammeln, aufgeben musste.“

Die Lage des Grabes von Konrad Holzner ist offiziell unbekannt.

Todesanzeige von Konrad Holzner

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.768: Fritz Stang

Der Soldat Fritz Stang stammte aus Lahm, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Itzgrund,und war Seminarist. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Kriegsfreiwilliger in der 6. Kompanie des 5. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 02.11.1914 fiel er während der ersten Flandernschlacht im Alter von 19 Jahren bei Hollebeke in Belgien (Flandern). Er wurde während des Angriffs auf das Gelände hinter dem Schloß und Straße nach Klein-Zillebeke getötet.

Man begrub Fritz Stang auf dem Soldatenfriedhof Langemark in einem Massengrab.

Todesanzeige von Fritz Stang