Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.844: Karl Geißinger

Der Soldat Karl Geißinger stammte aus Stingloh, einem Ortsteil der bayerischen Stadt Vilshofen an der Donau, und war Steinarbeiter. Im Ersten Weltkrieg diente er als Ersatz-Reservist in einem Infanterie-Regiment. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Am 08.04.1918 verstarb er nach 27 Monaten Kriegsdienst im Alter von 25 Jahren bei Arras an einer Blutvergiftung.

Man begrub Karl Heißinger auf dem Soldatenfiredhof Carvin in Block 3, Grab 960.

Sterbebild von Karl Geißinger
Rückseite des Sterbebildes von Karl Geißinger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.839: Johann Brandmaier

Der Soldat Johann Brandmaier (Volksbund und Regimentsgeschichte: Brandmeier) wurde am 31.12.1892 in Hainzing geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Bodenkirchen, und war der Sohn eines Tagelöhners (Söldner).  Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Ersatz-Reservist in der 1. Kompanie des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 04.06.1915 fiel er im Alter von 22 Jahren bei Thelus vor Arras in Nordfrankreich.

Über den Todeszeitraum und die Todesumstände von Johann Brandmaier berichtet die Regimentsgeschichte des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Am 02.06. setzte äußerst heftige, planmäßige Beschießung des Gesamtabschnittes ein. Durch Volltreffer flogen Handgranaten, Munitions- und Schanzzeugdepots in die Luft, Volltreffer neben Volltreffer saß in den Laufgräben, die vordere Linie war eingeebnet, die Maschinengewehr-Stellungen verschwunden. Es war dies die Vorbereitung eines Angriffs in der hellen Nacht des 03.06. um 2.30 Uhr vormittags gegen das II. Bataillon; er wurde im Nahkampf mit ergiebigen Feindverlusten abgeschlagen, ebenso wie auch am 04.06. gegen 3 Uhr vormittags die Wachsamkeit dieses Bataillons einen feindlichen Überrumpelungsversuch vereitelte.

Das wütende feindliche Artilleriefeuer aus allen Richtungen, dessen Steigerung man für unmöglich gehalten hatte, ebnete am 04. und 05.06. die Gräben 11 und 12 vollkommen ein. Die Besatzung litt dazu unter den Atem und Sehkraft raubenden Stinkbomben, unmittelbar rechts und im Rücken stand der Franzose, nur mit Aufbietung aller Kraft mühsam abgehalten durch die todesmutigen Handgranatenwerfer hinter den alle Augenblicke eingeschossenen Sandsackbarrikaden. Kein Wunder, dass der allgemeinen Erschöpfung kaum mehr gesteuert werden konnte; das Ausharren in dieser Hölle konnte nur mehr eine Frage der Zeit sein.“

Man begrub Johann Brandmaier auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Sterbebild von Johann Brandmaier
Rückseite des Sterbebildes von Johann Brandmaier

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.832: Joseph Geiger

Der Soldat Joseph Geiger wurde am 12.09.1891 geboren und lebte in Dürmentingen im heutigen Bundesland Baden-Württemberg. Im Ersten Weltkrieg diente er als Ersatz-Reservist in der 3. Kompanie des 124. Infanterie-Regiments. Am 26.11.1914 fiel er im Alter von 23 Jahren bei Vienne-le-Château im Argonnerwald.

Man begrub Joseph Geiger auf dem Soldatenfriedhof Consenvoye in Block 2, Grab 3.577.

Joseph Geiger
Sterbebild von Joseph Geiger
Rückseite des Sterbebildes von Joseph Geiger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.816: Georg Pollner

Der Soldat Georg Pollner wurde am 27.01.1885 in Lichtenburg geboren, einem Ortsteil der bayerischen Stadt Vilsbiburg, und war Servitial (Klosterkandidat) im Franziskanerkloster Amberg. Im Ersten Weltkrieg diente er als Ersatz-Reservist in der 5. Kompanie des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 25.08.1916 fiel er im Alter von 31 Jahren bei den Kämpfen an der Somme vor Arras.

Über den Todestag und die Todesumstände von Georg Pollner berichtet die Regimentsgeschichte des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Der 24.08. war wieder ein Großkampftag, den das II. Bataillon ehrenvoll bestand. Ununterbrochen hagelte es das Vernichtungsfeuer, vermischt mit Gasgranaten, auf die vordere und Le-Forest-Stellung; zahllose Flieger leiteten das Feuer unter Abwurf von Bomben und Maschinengewehr-Beschießung. Von 6 Uhr abends ab war das rückwärtige Gelände wieder so mit Sperrfeuer zugedeckt, dass es durch eine graue, rauchende Wand von vorne abgeschlossen war. Kein Zweifel: ein ernster Angriff stand bevor. Erst gegen Mitternacht konnte man sich nach vielen widersprüchlichen Meldungen ein Bild über die abgelaufenen Ereignisse machen:

Nach dem rasenden Trommelfeuer war gegen 6.30 Uhr nachmittags der Feind nörlich und in dem Vom Reserve-Infanterie-Regiment 7 besetzten Maurepas eingebrochen, im Anschluss hieran auch in der vorderen Linie des II. Bataillons, auf dem in dem deckungslosen Gelände die ganze Wucht des Vernichtungsfeuers gelegen war. Heldenmütig wehrten die spärlichen Reste der 8. Kompanie den Angriff ab, ebenso weiter rückwärts der Zug der 5. Kompanie in Stärke von nur 20 Mann hinter rasch aufgeworfenen Barrikaden. Der Bataillonskommandeur, Major Horn, war gefallen. Die Bataillonsbefehlsstelle verteidigte der stellvertretende Bataillons-Adjutant, Leutnant der Reserve Stiefenhofer, gegen die feindliche Überzahl, getreulich unterstützt von den wenigen Leuten des Unterstabes und eines Fliegerabwehr-Maschinengewehrs.

Keinem Franzosen war es gelungen, bis zur II. Stellung, die bis 9.30 Uhr abends unter Feuer lag, vorzudringen; nur ein französischer Alpenjäger vom 62. Bataillon war allein auf die Stellung zugelaufen, froh, sich ergeben zu können. Nach Aussage eines weiteren Gefangenen dieses Bataillons war der Feind nicht über unsere I. Stellung vorgekommen; nur kleinere Abteilungen, die den Anschluss verloren hatten, mochten sich zwischen I. und II. Stellung befinden.

Um Klarheit zu schaffen, bekam das mittlerweile dem Regiment wieder unterstellte und in die III. – R1-Stellung vorgezogene III. Bataillon – ohne die 12. Kompanie, die in der R1 Stellung zur Verfügung des Reserve-Infanterie-Regiment 7 zu bleiben hatte – 2.30 Uhr vormittags den befehl zum Gegenstoß, der unter der persönlichen Führung des Hauptmannes Schäffer vor sich ging. Das zerwühlte Gelände, die ausnehmend dunkle Nacht, das ununterbrochene Sperrfeuer erschwerten die Bewegungen im höchsten Grade. Die geringe Ortskenntnis der beigegebenen Führer gestattete nur ein langsames Vorwärtskommen, wenn das mit 10. und 11. Kompanie in erster Linie, der 9. Kompanie in zweiter vormarschierende Bataillon nicht auseinander reißen sollte. Mit dem Erreichen der unter Trommelfeuer liegenden II. Stellung – gegen 5.30 Uhr vormittags – war die 11. Kompanie durch mehrere Volltreffer zersprengt worden. Die ersten Anzeichen der Morgendämmerung und das Artilleriefeuer auf die zum Vorbrechen bereit liegende 9. und 10. Kompanie veranlassten Hauptmann Schäffer zum sofortigen Handeln; er hätte ohne Scheu vor der Verantwortung den befohlenen Vorstoß mangels verfügbarer Kräfte und der nötigen Zeit aufgeben können. Statt dessen setzte er sich selbst an die Spitze der zur Hand befindlichen 10. Kompanie, sich des Wagnisses bewusst, mit unzureichenden Kräften seinen Auftrag auszuführen, ohne der Mitwirkung der beiden anderen Kompanien sicher zu sein. Zudem wurde der Ansatz zum Vorgehen der 10. Kompanie vom Feinde bemerkt, der sofort das Vorfeld beleuchtete, worauf schlagartig Sperrfeuer einsetzte. Mit dem Befehl an den nebenan liegenden Kompanieführer, Leutnant der Reserve Matthiesen: „Aus dem Granatfeuer heraus! Vorwärts auf dem Hang hinauf! Auf keinen Fall zurück!“ sprang die Kompanie auf und erreichte im feindlichen infanterie- und Maschinengewehr-Abwehrfeuer die Höhe, wo sie mit dem an Zahl überlegenen Gegner ins Feuergefecht trat. Der 9. und 11. Kompanie war es unter ständigem Geschoss- und Granathagel gelungen, den Angriff mitzumachen; keiner der Melder des Bataillonsstabes zum Heranholen der beiden Kompanien erreichte sein Ziel.

Inzwischen kämpfte die 10. Kompanie einen ebenso schweren wie ehrenvollen Kampf. Sie hatte den Stoß mit aller Energie geführt; viele der Tapferen blieben, darunter der Kompanieführer; der Rest fiel einem späteren feindlichen Gegenstoß zum Opfer.

Zweifellos hatte Hauptmann Schäffer durch seine verantwortungsfreudige kühne Tat, die mit dem Militär-Max-Joseph-Orden belohnt wurde, erreicht, dass der Franzose es nicht wagte, aus der von ihm in der Nacht vorher genommenen Stellung am 25.08. seinen Angriff gegen La Forest weiter fortzusetzen. Dadurch war es dem II. Bataillon des Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 ermöglicht, in der Nacht vom 25./26. unbehelligt vom Feinde und ohne Kampf.

Im Laufe des 25. machte sich der Einsatz von Gardetruppen fühlbar, die in glänzender Verfassung das Schlachtfeld betraten, auf dem unser Regiment, zerschossen und zermürbt, 13 Tage und Nächte schon lag, mit starken Verlusten und Kompaniestärken zuletzt von durchschnittlich 40 Gewehren; es hatte unter den schwersten Verhältnissen seine letzte Kraft hergegeben.

In den Vormittagsstunden rückte die 9. und 10. Kompanie des Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1 zur Verstärkung unseres I. Bataillons in die Le Forest-Stellung, deren Halten laut Brigadebefehl die Hauptaufgabe des Tages war und die außerdem noch mit der 11. Kompanie besetzt blieb, während 9. und 12. im rechten Rebenabschnitt lagen. Hier bestand Anschluss mit Reserve-Infanterie-Regiment 7, nach links nur Augenverbindung mit dem vorwärts gestaffelten Nebenabschnitt der 1. Garde-Division. Mit Ausnahme der 3. Kompanie konnte I./Reserve-Infanterie-Regiment 12 gegen Abend in die R-1-Stellung abrücken, wo auch die Reste von II./R. 12 lagen.

Durch die Ereignisse der Nacht vorher, den Einsatz der Garde, der sich am hellen Tag vollzog, und die Ablösung wurde die Vermischung der Verbände unvermeidlich. Rechnet man hiezu noch die nächtlichen Verpflegungs- und Munitionstrupps, die sich mit den taktischen Verbänden auf dem Vor- und Rückmarsch kreuzten, die feindliche Feuerwirkung, so ist es verständlich, dass die II. Stellung nicht so lückenlos besetzt war, die Kompanien in sich nicht so geordnet und geschlossen, wie es die ständige Gefechtsbereitschaft bei der Nähe des Feindes erfordert hätte. Doch dieser war zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Im Laufe des 25. wurde dem Regiment das II. Bataillon der Elisabether unterstellt und tagsüber in der R1-Stellung, 8. Kompanie in Rancourt, untergebracht. Es erhielt gegen 9 Uhr abends den Befehl, mit drei Kompanien eine neue Linie rechter Flügel an Straße Le Forest – Maurepas, linker am Hohlweg südöstlich Maurepas etwa 600 Meter vor der II. Stellung anzulegen, die 8. Kompanie eine Riegelstellung im Anschluss an den rechten Flügel des links vorwärts liegenden 4. Garde-Regiments zu Fuß. Es wurde Mitternacht, als die Elisabether hiezu anrückten. Der unermüdliche Führer des III. Bataillons, Hauptmann Schäffer, stellte sich persönlich für das zweckmäßige Vorführen und die Einweisung der Garde an Ort und Stelle zur Verfügung, die gegen 4 Uhr vormittags kampflos den befohlenen Abschnitt erreichte und sich eingrub. Während nach links mit dem 4. Garde-Regiments zu Fuß Verbindung bestand, fehlte sie nach rechts mit dem Königin Augusta Garde-Regiment Nr. 4, das anschließen sollte, aber etwa 200 Meter rückwärts blieb.“.

 

179.

Man begrub Georg Pollner auf dem Soldatenfriedhof Rancourt in Block 6, Grab 124.

Noch heute gedenken die Franziskaner ihrem ehemaligen Mitbruder Georg Pollner: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/m-st_gabriel_franziskaner.htm und http://www.denkmalprojekt.org/2019/kloster-kreuzberg_stadt-bischofsheim-a-d-rhoen_lk-rhoen-grabfeld_wk1_wk2_bay.html

 

Rückseite des Sterbebildes von Georg Pollner

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.761: Johann Huber

Der Soldat Johann Huber wurde am 23.12.1893 in Sturzholz geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Bad Birnbach, und war der Sohn eines Kleinbaueren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Ersatz-Reservist in der 12. Kompanie des 2. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 30.05.1915 fiel er im Alter von 21 Jahren während der Schlacht bei La Bassée und Arras.

Man begrub Johann Huber auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Sterbebild von Johann Huber
Rückseite des Sterbebildes von Johann Huber

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.741: Xaver Bachmeier

Der Soldat Xaver Bachmeier wurde am 17.12.1891 in Reicheneibach, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Gangkofen, als Sohn eines Tagelöhners (Söldnerssohn) geboren, und lebte in Schaufl. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Ersatz-Reservist in der 5. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments, in dem auch der spätere Diktator und Massenmörder Adolf Hitler diente. Am 11.10.1916 fiel er im Alter von 24 Jahren während der Schlacht an der Somme bei Barque, einem Ortsteil der französischen Gemeinde Ligny-Thilloy. Vier Tage zuvor war Adolf Hilter an gleicher Stelle verwundet worden.

Über den Todestag und die Todesumstände von Xaver Bachmeier berichtet die Regimentsgeschichte des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„So kam der 11. Oktober heran. Nach einer ruhigen Nacht begann um 9.30 Uhr vormittag heftiges feindliches Artilleriefeuer, zum Teil mit schwersten Kalibern, vor allem auf Luisenhofriegel, Le Barque und Hintergelände. Es flaute vorübergehend ab und steigerte sich wieder zu größter Heftigkeit. Besonders lästig waren die feindlichen Flieger, die durch Hupen und Hornsignale allerhand Zeichen gaben und tief fliegend unsere Gräben mit Maschinengewehren beschossen. Das Artilleriefeuer war begleitet von Minenwerfern und zwei unheimlichen flankierenden Grabengeschützen, unter denen besonders die 7. Kompanie zu leiden hatte. Da Angriffsabsichten vermutet wurden, so mussten die völlig erschöpften Kompanien, die vor noch nicht 24 Stunden zurückgenommen worden waren, wieder nach vorne befohlen werden: „5. Kompanie schiebt in die vordere Linie ein, 4. Kompanie bezieht die bisherigen Unterstände der 5. Kompanie (hinter Spatnyriegel), Infanterie-Pionier-Kompanie ist an Stelle der 4. Kompanie in den Luisenhofriegel zu verschieben. 8. Kompanie besetzt den Le Barque-Riegel mit drei Maschinengewehren.“ In Ausführung dieses Befehls kamen 4. und 5. Kompanie in schweres Feuer und wurden größtenteils versprengt. Von 4.30 Uhr – 4.45 Uhr war ein besonders starker Feuerüberfall, der sich zum Trommelfeuer steigerte und auf vorderer Linie, Luisenhofriegel und Le Barque lag. Um 5 Uhr nachmittag begann das feindliche Feuer anzuflauen, die Stellung, vor allem der östliche Teil des Spatnyriegels und die Verbindungswege hatten schwer gelitten.

Ein feindlicher Angriff war nicht erfolgt, doch musste aus dem Verhalten der englischen Artillerie geschlossen werden, dass für den nächsten Tag einer bevorstand. Was hatte das Regiment dem drohenden Sturm entgegenzustellen! Einige hundert Gewehre und 18 Maschinengewehre, verteilt auf einen Raum von 1.000 Meter Breite und 1.500 Meter Tiefe. So stand das Schicksal der Schlacht auf einigen Häuflein von Kriegern, die in der furchtbaren Wüste des Schlachtfeldes verstreut lagen. Der Stoß englischer Divisionen traf auf Männer, die seit Tagen ohne richtigen Schlaf, geschwächt von Durchfall, die körperlich und seelisch überanstrengt, zermürbt, erledigt waren. Menschenmögliches war geleistet worden, Unmögliches wurde verlangt. Kein Kompanieführer konnte mehr die Verantwortung für die Verteidigung der Stellung übernehmen. Jede Meldung der vorderen Linie besagte dies aufs neue, in militärisch sachlicher Kürze oder in bitteren Worten, wie die überreizten Nerven der Offiziere sei eingaben. Der verantwortliche Kommandeur der vorderen Linie, Major Leeb, gab den allgemeinen Eindruck der Lage wieder in einer Meldung um 5.30 Uhr nachmittags: „Ich beantrage, dass für die Nacht rechtzeitig frische Verstärkung herangezogen werden, da sonst der Stellung unvermeidlich.“

Und dabei keine Aussicht auf unmittelbare Ablösung, kein Einschieben frischer Kräfte in unsere Linien, die wenigstens einen kleinen moralischen Halt gegeben hätten. Jede Botte um Ablösung oder wenigstens Unterstützung wurde von den höheren Kommandobehörden schweren Herzens, aus Gründen eiserner Notwendigkeit abgelehnt. Zwar standen schon frische Regimenter hinter uns; sie durften um keine Stunde früher eingesetzt werden, als es dem Ablösungsplan der gewaltigen Schlacht entsprach. Denn jeder zu frühe Einsatz konnte bei dem Mangel an Ablösungsdivisionen verhängnisvoll werden. Niemals im ganzen Verlauf des langen Krieges ist unserem Regiment der Verzweiflungskampf unseres Heeres gegen die Übermacht einer Welt schonungsloser vor Augen gerückt worden als an der Somme. So verbluteten vorne die Reste einst stolzer Regimenter und ihr Hilferuf verhallte ungehört. Es war Niebelungennot und Niebelungengröße.

Schweren Herzens entschloss sich der Regimentskommandeur die wenigen Reserven, die ihm noch geblieben waren, aus Bapaume wieder nach vorne zu holen. Kurz vor Mitternacht erging der Befehl an den Führer der 3. Kompanie, sich mit den Resten der 1. und 3. Kompanie auf der Regiments-Befehlsstelle zu melden. Es kamen an ein Gefreiter und 7 Mann. Alles andere war krank und gefechtsunfähig. Der Gefreite war der Gefreite Windisch der 1. Kompanie, die Namen der sieben wackeren Männer sind in den Akten des Regiments nicht aufgezeichnet. Dass diese 8 Mann vorne in dieser Hölle wirklich ankamen, das war Heldentum der Pflichterfüllung, das verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden.

An dieser Stelle sei auch eines anderen ergreifenden Zeichens stillen und selbstverständlichen Heldentums gedacht, dessen Träger zwar nicht im Verbande, wohl aber im Abschnitt des Regiments kämpften. Am 12. Oktober um 10 Uhr nachts, nachdem der Angriff abgeschlagen und das Regiment schon in Ablösung begriffen war, kam ein Mann mit nachstehender Meldung, die mit ungelenken Zügen auf einem dem Notizbuch entrissenen Blatt stand: „Soeben erhalte ich die Meldung, dass sämtliche drei Gewehre, welche rechts von mir standen, mit der vollen Bedienung, soweit sie noch vorhanden war, sowie unser Truppenführer, Vizefeldwebel Greif, verschüttet sind. Vorhanden sind noch von den in Stellung gegangenen fünf Gewehren mit einer Kopfzahl von 32 Mann: 2 Gewehre, 1 Gefreiter und 8 Mann. Wir befinden uns bereits seit 6 Tagen in Stellung, wissen aber heute noch nicht, zu welcher Formation wir gehören. Bitte gehorsamst um Bescheid, welche Maßnahmen ich treffen soll. Maschinengewehr-Trupp beim Generalkommando IV. Armeekorps in Harrincourt. Gefreiter Stirius.“ Wie viele vergessene Helden mögen auf dem Schlachtfeld der Somme ihre Pflichttreue mit dem Tode besiegelt haben.“

Man begrub Xaver Bachmeier (Volksbund: Bachmaier) auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Sterbebild von Xaver Bachmeier
Rückseite des Sterbebildes von Xaver Bachmeier

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.701: Max Gotz

Der Soldat Max Gotz stammte aus der bayerischen Gemeinde Klessing und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er als Ersatz-Reservist in der 6. Kompanie des 12. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 11.10.1915 fiel er im Alter von 24 Jahren bei Vimy bei den Kämpfen um Arras.

Die Lage des Grabes von Max Gotz ist offiziell unbekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy beigesetzt wurde, wenn seine bis heute Leiche geborgen wurde. Dort begrub man auch seine Regimentskameraden, die am gleichen Tag fielen, u. a.

  • Infanterist Josef Dauner, gefallen am 11.10.1915 bei Neuville, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Infanterist Jakob Nagel, gefallen am 11.10.1915 bei La Folie, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Infanterist Michael Einmüller, gefallen am 11.10.1915 bei La Folie, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Infanterist Xaver Baumeister, gefallen am 11.10.1915 bei La Folie, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Max Gotz
Rückseite des Sterbebildes von Max Gotz

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.679: Franz Nix

Der Soldat Franz Nix stammte aus Dornbusch, einem Ortsteil der Stadt Viersen in Nordrhein-Westfalen. Im Ersten Weltkrieg diente er als Ersatz-Reservist in der 3. Kompanie des 65. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 21.09.1916 fiel er im Alter von 30 Jahren durch ein Artilleriegeschoss in Galizien, vermutlich bei den Schlachten an der Narajowka und Zlota-Lipa in der heutigen Ukraine.

Die Lage des Grabes von Franz Nix ist, wie meist bei Gefallenen des Ersten Weltkrieges an der Ostfront, unbekannt.

Sterbebild von Franz Nix
Rückseite des Sterbebildes von Franz Nix

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.668: Anton Weber

Der Soldat Anton Weber wurde am 22.03.1890 in der bayerischen Gemeinde Tacherting geboren und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er als Ersatz-Reservist in der 2. Kompanie des 18. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 16.06.1915 (Regimentsgeschichte: 18.06.1915, wahrscheinlich richtig) fiel er im Alter von 24 Jahren während der Schlacht bei Lemberg in der heutigen Ukraine.

Über den Todestag und die Todesumstände von Anton Weber berichtet die Regimentsgeschichte des 18. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

Am 18. beginnt der weitere Vormarsch. In der Richtung Zaluze – Smereczyna – Hrymaki – Podemszczyzna war der Angriff nach Osten vorzutragen. Um 6 Uhr morgens des 18. Juni erfolgte das Antreten der Brigade. Im dichten Unterholz im Walde von Wielki Las  ging es nur langsam vorwärts. Die genannten Ortschaften waren aber vom Feinde frei. Das II./18 erhält den Befehl,Podemszczyzna zu besetzen. I./18 ist Divisions-Reserve am Waldrand. Ohne ernste Störung erreicht das II./18 den Westrand von Podemszczyzma; in der 2. Linie erhält die 8. Kompanie im offenen Gelände starkes Schrapnellfeuer. Nach Aufnahme der Verbindung mit der linken Anschlussabteilung (III./15) wurde festgestellt, dass der Feind Brusno Rowe stark besetzt hielt und ein Vorgehen über Podemszczyzna hinaus gegen Osten, infolge starken Flankenfeuers, aus dieser Stellung zunächst unmöglich war. Nördlich Podemszczyzna hatte vor überlegenem Gegenstoß unter großen Verlusten das Anschlussbataillon III./35 zurückgehen müssen und hielt sich nur noch mit schwachen Kräften. Das II./18 besetzt den Ostrand von Podemszczyzna und sicherte sich durch Postierungen, die auf die Höhe vorgeschoben werden. Das I./18, dem Regiment wieder zur Verfügung gestellt, sollte bei II./35 einschiebend helfen und den Punkt 273 nehmen. II./18 hatte, rechts anschließend, die Linie Punkt 273 bis 271 zu besetzen. Unterstützt von der Gruppe Holländer, schwer bedrängt durch feindliches Artilleriefeuer, gehen beide Bataillone um 5 Uhr des Nachmittags vor.

I./18 bisher gedeckt im Wald zu beiden Seiten der Straße nach Podemszczyzna wird an den dortigen Friedhof vorgezogen und stellt sich mit drei Kompanien in vorderer Linie zum Angriff bereit; 3. Kompanie und Maschinengewehr-Zug waren Bataillonsreserve.

Beim Austritt aus dem Wald empfängt die Kompanien starkes Frontal- und Flankenfeuer sowohl der Infanterie wie auch der Artillerie. Wir waren gerade zur rechten Zeit angekommen, das III./35, das den gegen 273 vorspringenden Wald noch besetzt hielt, litt sehr unter Munitionsmangel, es konnte sich kaum gegen die russische, erdrückende Übermacht halten. Wir gaben von unseren umgehängten Patronengurten  etwas ab und die 35er, die mit Gewehren 88 ausgerüstet waren, konnten die Patronen 98 wenigstens zum Einzelfeuer gebrauchen und dem Vorgehen von I./18 sich anschließen. Das Flankenfeuer zwang zur Aufgabe des umfassenden Angriffs, doch ist 273 um 5.40 Uhr im Besitz des frontal vorgehenden I./18 75 Gefangene wurden gemacht, 2 Maschinengewehre erbeutet

Die 7./18, ursprünglich zur Verfügung des Regimentskommandeurs gehalten und an den Friedhof westlich des Dorfrandes befohlen, wird, nachdem sie schon bei II./35 helfend eingegriffen hat, vom Friedhof aus I./18 unterstellt und stürmt mit I./18 unter heftigem Flankenfeuer von links auf die Höhe mit einem Zug, während die beiden anderen Züge unter schwerem Feuer in nördlicher Richtung vorgehen, wo sie im Anschluss an III./35 den Ostzipfel von Rudka nehmen.

II./18 hat die befohlene Linie um 6.06 abends erreicht, 80 Gefangene gemacht und schwenkt mit seinem linken Flügel in den Nordausgang von Brusno Rowe ein. Auch Teile von I./18 drängen nach Besetzung der russischen Stellung dort nach, erreichen den Südrand der Ortschaft und gewinnen bald Anschluss an II./18. Weil der Angriff nicht vorwärts kommen wollte, führte der Vizefeldwebel, später Offiziersstellvertreter Sebastian Maier der 1. Kompanie aus selbständigem Entschluss heraus die zweite Angriffswelle vor, nahm eine beherrschende Kuppe, auf der der Russe mit einem Maschinengewehr festen Fuß gefasst hatte, stieß dem zurückweichenden Russen in die Ortschaft Brusno Rowe nach und verhinderte sein neuerliches Festsetzen in den Gebäuden selbst. Der kühne Vorstoß des Führers brach damit auch den Widerstand vor I./18. Die Tat erscheint in um so hellerem Lichte, nachdem nicht mehr als 20 Tapfere, von Maier mitgerissen, in zähem Draufgängertum mit Kolben und Bajonett aufräumten. Auch fernerhin pfiffen die russischen Infanteriegeschosse böse durch die Straßen- und Häuserlücken hindurch, einige schwere, russische Geschütze bedachten von Zeit zu Zeit die langgestreckte Ortschaft mit dichtem Granathagel. Die russische dritte Gardedivision hatte ihre geschickt angelegte Aufnahmestellung zäh verteidigt und auch nach Vertreibung aus derselben den Widerstand noch lange nicht aufgegeben. Jede Handbreit Boden musste ihr abgewonnen werden. Dem Ungestüm und dem Siegeswillen junger Bayern zu unterliegen, war jedoch ihr Schicksal. Uns hatte der Angriff 9 Tote gekostet. Ein Offizier und 140 Mannschaften wurden verwundet, 13 Vermisste gemeldet.

Der Held des Tages, Vizefeldwebel Maier, erhielt verdientermaßen die goldene Tapferkeitsmedaille.

Mit Einbruch der Nacht wurden die Verbände neu geordnet. In I./18 hineingeratene Teile von III./35 werden westlich verschoben. 7./18 stößt zu I./18 und so gräbt sich das Regiment ein. Die auf halbem Hang liegenden Kompanien I./18 werden über Nacht nach Brusno Rowe gezogen, die alte russische Stellung bleibt besetzt.

Brusno Rowe, von den Russen mancherorts in Brand geschossen, ging in Flammen auf.

Beim Angriff auf Brusno Rowe haben sich besonders die Kompanien Semmelmann 5./18 und Schneider 6./18 verdient gemacht, die Verluste waren erträglich. Oberleutnant der Reserve Dick 7./18 war verwundet worden, mit der Führung der 7. Kompanie wurde Leutnant der Reserve von Ruckteschell betraut.“

Die Lage des Grabes von Anton Weber ist, wie meist bei Gefallenen des Ersten Weltkrieges an der Ostront, unbekannt.

Sterbebild von Anton Weber
Rückseite des Sterbebildes von Anton Weber

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.617: JohannGeorg Seiler

Der Soldat Johann Georg Seiler wurde am 24.10.1882 geboren und stammte aus der bayerischen Gemeinde Palling und war Gastwirt und landwirt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Ersatz-Reservist in der 1. Kompanie des 1. bayerischen Reserve-Jäger-Bataillons. Am 12.05.1915 fiel er nach den Angaben des Sterbebildes im Alter von 32 Jahren während der Schlacht bei La Bassée und Arras durch schwere Verwundung. Laut den amtlichen Verlustlisten galt er zunächst als vermisst. Dann wurde 1917 gemeldet, er sei zunächst in Gefangenschaft geraten und dort am 19.05.1915 gestorben.

Die Lage des Grabes von Johann Georg Seiler ist unbekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Neuville-St.Vaast begraben wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitruam fielen, u. a.

  • Gefreiter Joseph Seibold, gefallen am 07.05.1915 bei Souchez, begraben auf dem Soldatenfriedhof Neuville-St.Vaast in einem Massengrab;
  • Infanterist Georg Bachmeier, gefallen am 09.05.1915 bei Fromelles, begraben auf dem Soldatenfriedhof Neuville-St.Vaast in einem Massengrab;
  • Oberjäger Otto Birk, gefallen am 07.05.1915 bei Carency, begraben auf dem Soldatenfriedhof Neuville-St.Vaast in einem Massengrab;
  • Wehrmann Josef Wiedemann, gefallen am 07.05.1915 bei Neuville, begraben auf dem Soldatenfriedhof Neuville-St.Vaast in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Georg Seiler
Rückseite des Sterbebildes von Georg Seiler