Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Wilhelm Steyh

Der Soldat Wilhelm Steyh stammte aus der hessischen Ortschaft Weitershain, einem Stadtteil von Grünberg im Landkreis Gießen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 12. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er während der Schlacht an der Marne.

Über den Todestag und die Todesumstände von Heinrich Steyh berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:

„Gegen 6 Uhr vormittags (22. August) trat das Regiment als Vorhut den Marsch über Ochamps nach Glaireuse an. Auf den Höhen nördlich von diesem Dorfe stellte es sich bereit. Die Bereitstellung war gegen 9 Uhr vormittags beendet, und die Truppen waren eben aus den Feldküchen verpflegt worden, da traf folgender Befehl ein: „Infanterie-Regiment 116 geht auf dem linken Flügel der 49. Infanterie-Brigade vor, mit dem linken Flügel an der Südecke von Anloy vorbei, rechts Anschluss an Infanterie-Regiment 115. Die Linie Anloy-Bournonwald soll vorerst nicht überschritten werden.“ Über die allgemeine Lage wurde bekannt, dass die 4. Armee mit dem VI. Armee-Korps und  VIII. Reserve-Korps die Flanken der angreifenden 3. und 5. Armee decken und in ihrer Mitte am Leffe-Abschnitt (XVIII. Armee-Korps) und bei Neufchâteau (XVIII. Reserve-Korps) eine Bereitstellung einnehmen sollte. Die Nachrichten über den Feind waren immer noch sehr unbestimmt. Nach Fliegermeldungen sollten in den Wäldern jenseits des Leffebaches  nur Kavallerieabteilungen stehen. Die feindliche Infanterie wurde etwa 50 Kilometer dahinter vermutet.

Das Regiment nahm das II. und III. Bataillon ins erste Treffen; hinter dem III. Bataillon folgte die Maschinengewehr-Kompanie. Das I. Bataillon war hinter dem linken Flügel gestaffelt und stand zunächst der Brigade zur Verfügung. In guter Ordnung entfalteten sich die Kompanien und gingen, nachdem der Südrand von Anloy überschritten war, in Schützenwellen vor. Weiter rechts, wo die 50. Infanterie-Brigade über Libin gegen Maissin vorging, wurde lebhaftes Gewehr- und Artilleriefeuer laut. Unsere Brigade (49. Infanterie-Brigade) dagegen hatte bereits die befohlene Linie erreicht, ohne auf einen Gegner zu stoßen. So wurde die befohlene Linie im Anschluss an die rechten Nachbartruppen überschritten. Doch kaum hatten die ersten Wellen des II. und III. Bataillons gegen 2 Uhr nachmittags die Höhen südwestlich von Anloy erreicht, als ihnen aus einer Entfernung von kaum 400 Metern lebhaftes Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer entgegenschlug. Und doch war vom Gegner nichts zu sehen. In Getreidefeldern und am Waldrande hielt er sich vorzüglich gedeckt, so dass kein sicherer Schuss auf ihn anzubringen war. Aber dem ungestümen, unserem Infanteristen zur zweiten Natur gewordenen Drang nach vorwärts zeigte sich der Gegner nicht gewachsen. Trotz des starken Feuers und trotz der hemmenden Drahtumzäunungen der Felder gelang es nach mehrmaligem Ansturm, die Getreidefelder allmählich vom Feinde zu säubern und die nächsten Waldstücke zu erreichen. Namentlich am rechten Flügel wurde der Angriff mit rasender Schnelligkeit vorgetragen. Trotz schwerer Verluste und trotz der Mahnungen der Offiziere zur Besonnenheit ging alles nach vorn durch.

Im Walde war zunächst das dichte Unterholz ein schwieriges Hindernis und verursachte viele Verluste. Ein weiteres Hindernis waren die vielen gut versteckten französischen Baumschützen, die dem Angreifer aus unmittelbarer Nähe ihre Schüsse entgegensandten, eine Kampfesweise, auf die der Deutsche nicht gefasst war, gegen die er aber bald wirksame Abhilfe fand. Auch das eigene Artilleriefeuer belästigte hier stellenweise die vorgehenden Kompanien. In wildem Drauflosgehen und hartem Ringen dachte man wenig an die Verbindung nach rückwärts, so dass unsere Artillerie nicht wissen konnte, wie weit der Angriff an den einzelnen Punkten vorgetragen war. Aber alle diese Schwierigkeiten konnten den Siegeslauf der in blinder Wut vorstürmenden Hessen nicht aufhalten. Waldstück auf Waldstück wurde dem Gegner entrissen, wobei sich an den einzelnen Waldrändern besonders erbitterte Kämpfe mit dem zähen Gegner abspielten. Hier war es auch, wo die beiden unerschrockenen Führer der  9. und 12. Kompanie, die Hauptleute Weltzien und Mattel, einen frühen Heldentod fanden. Auch die Führer der 9. und 12. Kompanie, Hauptleute Wolf und Buhtz, mussten schwer verwundet vom Schlachtfeld getragen werden.

So wogte beim II. und III. Bataillon der Kampf in der heißen Augustsonne schon die dritte Stunde. Da drohte gegen 4 Uhr nachmittags ein gefährlicher Rückschlag: Der vorher schon an Zahl überlegene Gegner des Regiments schob in der Front ein neues Bataillon ein und suchte gleichzeitig unsere linke Flanke mit zwei frischen Jägerbataillonen zu umfassen. Der Angriff in der Front aus dem Walde Derriere-Horimont konnte zunächst vom II. und III. Bataillon nicht aufgefangen werden: Die beiden Bataillone waren zu hart mitgenommen, die Verbände zu sehr durcheinandergewürfelt. So mussten sie dem Stoß ausweichen. Aber bald stellte ein Maschinengewehr-Zug unter Leutnant de Harde sowie eine Kompanie der 21. Pioniere die Lage wieder her. Leutnant Brendel, der Adjutant des II. Bataillons, warf sich mit etwa 100 Versprengten aus allen Kompanien gegen die rechte Flanke. Von neuem kam der Angriff in Fluss, auch das frische Bataillon des Gegners wurde geworfen. Teile der 5. und 8. Kompanie unterstützten die 4. und 6. Kompanie des Infanterie-Regiments 115 beim Sturm auf eine feindliche Batterie, die nach hartem Ringen erobert und trotz mehrfacher wilder Gegenangriffe behauptet wurde. Vizefeldwebel Dutliné (8. Kompanie) und Braun (5. Kompanie) zeichneten sich dabei besonders aus.

Nicht minder schwierig gestaltete sich der Kampf auf dem linken Flügel des Regiments. Hier klaffte eine bedenkliche Lücke in der deutschen Kampffront, da das XVIII. Reserve-Korps nach Süden vorgestoßen war. Der Gegner hatte diesen schwachen Punkt bald erkannt und holte von Stunde zu Stunde weiter nach links zur Umfassung aus. Als hier gleich zu Beginn der Schlacht das links gestaffelte I. Bataillon in Marschkolonne aus einem Hohlweg südwestlich von Anloy heraustrat, wurde es mit einem Hagel von Geschossen überschüttet, so dass alles volle Dekcung nehmen musste. Die vorderen Kompanien entwickelten sich gruppenweise nach links und arbeitete sich in wütendem Infanteriefeuer durch hohe Getreidefelder, ohne indes vom Feinde etwas zu sehen. In einem toten Winkel konnten die 3. und 4. Kompanie kurz Atem schöpfen. Ihre drei noch am Leben gebliebenen Zugführer, Leutnant Pieper, Locher und Offizierstellvertreter Petri, ordneten hier, was sich um sie gesammelt hatte, und griff dann ein von den Haubitzen der 61er sturmreif geschossenes, stark besetztes Waldstück an. Mutig trug der Sergant Pistler, umzischt von zahlreichen Geschossen, die entfaltete Fahne des Bataillons mit den stürmenden Kompanien nach vorn. Der Waldstreifen wurde genommen und schnell durchschritten. Aber frische feindliche Kräfte setzten zum Gegenangriff an und trafen namentlich die Leibkompanie sehr schwer. Viermal hatte sie einen französischen Vorstoß auszuhalten und verlor drei tüchtige  Offiziere, Leutnant von Erhardt, Meinberg und Mühlberger. Auch in den Ginsterbüschen jenseits des Waldstücks waren die Kompanien starkem feindlichen Strichfeuer ausgesetzt, das hohe Verluste brachte und zum Rückzug in das Waldstück zwang.

Entscheidend für die Abwehr der feindlichen Umfassungsversuche wurde das Eingreifen der Maschinengewehre. Ihnen hatte der Regimentskommandeur in richtiger Erkenntnis der Gefahr von vornherein die Sicherung der linken Flanke übertragen. Sie waren daher südlich von Anloy in Stellung gegangen. Dort hatten sie bald drei französische Maschinengewehre, die zwischen den Straßen Anloy-Sart und Anloy-Haie standen, außer Gefecht gesetzt. Infolge der feindlichen Umfassung kam jedoch Hauptmann Poly mit den Gewehren in eine bedrängte Lage. Da ritt Oberst Schimmelpfennig in schärfstem Galopp zur Artillerie, erhielt dort zwei Geschütze und brachte sie an der gefährdeten Stelle in Front. Ein fürchterliches Blutbad begann. Die beiden Geschütze rissen ungeheure Löcher in die überflügelnden feindlichen Reihen, Schwadenweise mähten die Maschinengewehre die vorgehenden Wellen nieder und schossen mit entsetzlicher Genauigkeit und Unerbitterlichkeit die Schützenlinien des Gegners zusammen, so dass jedes Leben in ihnen erstarrte. Gefangene schilderten sntsetzt die grauenhafte Wirkung dieses vereinigten Artillerie- und Maschinengewehr-Feuers, von dem man sich am anderen Tage beim Überschreiten des Schlachtfeldes mit Schaudern überzeugen konnte.

So tobte der heiße Kampf den ganzen Nachmittag, hier in wildem Handgemenge mit wüstem Schreien, dort in schrecklichem Zischen udn Heulen der todbringenden Geschosse, in Angriff und Gegenangriff um den Besitz einzelner Waldstücke, in wildem Vorstürmen und entsetztem Zurückgehen. Die Wildheit hatte besonders beim II. und III. Bataillon jede Einheitlichkeit über den Haufen geworfen. So wird erklärlich, dass Teile der 10. und 11. Kompanie weit rechts beim Infanterie-Regiment 117 gegen das Dorf Maissin kämpften. Aber immer noch war die endgültige Entscheidung nicht gefallen. Zwar begann von 5 Uhr nachmittags an unsere Artillerie käftiger zu wirken. Die Waldstücke, in denen sich der Gegner noch hielt, wurden planmäßig beschossen. Immer tiefer stießen die Kompanien dem gegner nach Westen nach. Trefflich half dem I. Bataillon eine Kompanie der 21. Pioniere, deren Führer, Hauptmann Peters, den Heldentod starb. Doch nur schrittweise gab der Feind eine Stellung nach der anderen auf. Da ertönten gegen 7 Uhr nachmittags in unserem Rücken Kommandorufe. Die lang ersehnte Unterstützung war da! In vierstündigem Marsche war die 16. Reserve-Division unter Generalleutnant Mootz von der Eisenbahn nach dem Schlachtfelde geeilt, um den Kameraden Hilfe zu bringen. Nun schwärmten die Kompanien des Reserve-Infanterie-Regiments 28 ein. Da gab’s kein Halten mehr. Mit Bajonett und Spaten wurde der bis zum äußersten sich wehrende Gegner aus seinen letzten Stellungen geworfen. Blau und rot quoll es aus den Waldstücken heraus. Auf wenige hundert Meter lief der nach Süden abziehende Gegner in das Flankenfeuer des I. Bataillons hinein und erlitt schreckliche Verluste. Erst die Dunkelheit machte dem Kampfe ein Ende. Völlig erschöpft sammelten sich die Bataillone auf der Höhe bei Alnloy. Bei der Unsicherheit der Gesamtlage – der rechte Flügel der Division hatte wegen drohender Umfassung das um 5 Uhr nachmittags gestürmte Maissin wieder räumen müüssen – wurde die Höhe und der Dorfrand zur Verteidigung eingerichtet.

Eine schwere Aufgabe harrte der Ärzte und Krankenträger. Im Kampfe mit Freischärlern, die aus den Häusern auf die durchziehenden Verwundeten schossen und die Gefechtsstaffel zersprengten, hatte Stabsarzt Dr. Szubinski am Westausgang des Dorfes den Verbandplatz des Regiments eingerichtet. Den ganzen Nachmittag über strömten die Verwundeten zu, und bald war alles überfüllt. Eine schier nicht zu bewältigende Arbeit für fünf Ärzte mit wenigen Helfern; dazu in stundenlangem Artilleriefeuer. Nach Mitternacht erschienen die Krankenträger der Sanitätskompanie mit Fackeln. Sie wurden aber beim Absuchen des Schlachtfeldes noch vielfach vom Feinde beschossen. Trotzdem wurden die meisten der hilflos daliegenden und dem Verschmachten nahen Schwerverwundeten noch während der Nacht zurückgeschafft. Viele aber mussten in ihrer Todespein den kommenden Morgen abwarten, bis sie aufgefunden und geborgen werden konnten.

Die erste Schlacht war geschlagen. Der blutigste Tag des ganzen Krieges lag hinter dem Regiment. Der Sieg hatte sich an seine Fahnen geheftet. Ein starker und tapferer Gegner war aus Stellungen gejagt worden, die er sich drei Tage lang mit Sorgfalt ausgesucht und ausgebaut hatte. Rühmliche Taten, die alle der Erwähnung wert wären, waren allerorten vollbracht worden. Aber groß, sehr groß waren auch die Verluste. Kein Tag des Feldzugs hat vom Regiment so viele Opfer gefordert wie der Tag von Anloy. Innerhalb weniger Stunden hat es über 1.000 Mann, mehr als ein Drittel seines Bestandes, verloren. 13 Offiziere, darunter außer den schon erwähnten der bewährte Führer der 4. Kompanie, Hauptmann von Normann, und Oberleutnant Ebel von der 6., der am nächsten Morgen seiner schweren Verwundung erlag, ferner Leutnant Becker, von Grolmann, Eichhoff, Klein, Walter und der Fahnenjunker Schäfer waren auf dem Schlachtfelde geblieben; 340 brave Unteroffiziere und Mannschaften waren mit ihnen in den Tod gegangen. Fast doppelt so hoch war die Zahl der Verwundeten. Unter ihnen waren 20 Offiziere: Das I. Bataillon hatte den Hauptmann von Thümen und die Leutnants Locher, Malzahn, Pieper, Scherer und den Fähnrich Marquardt verloren; das II. büßte Leutnant Schroeder, Johlen, Hellwig und Buchholtz ein; am schwersten aber waren die Verluste beim III., wo außer den vier Kompanieführern die Leutnants Dingeldein, Flotho, Fischer, Loerbrocks, Schmidt, Meyer und Freytag fehlten. In der Maschinengewehr-Kompanie waren Oberleutnant Kienitz und Leutnant de Harde (D. E.) verwundet. An Unteroffiziere und Mannschaften waren 599 verwundet, 72 wurden vermisst. Der Name Anloy sollte einen schrecklichen Klang in der hessischen Heimat erhalten. Da war kein Städtchen und Dörfchen, in das nicht die Nachricht gedrungen wäre: „Bei Anloy gefallen!“ Aber darum ist der Name auch zum Ehrennamen der Kämpfer des 22. August geworden. Von allen Kränzen, die sich das Regiment in diesem großen Krieg errungen, ist der Kranz von Anloy der schönste. Er wird nie verwelken.“

Die Lage des Grabes von Heinrich Steyh ist unbekannt. Vermutlich wurde er auf dem Soldatenfriedhof Anloy-Heide in einem Massengrab begraben. Auf diesem Friedhof sind auch seine Regimentskameraden begraben, die am gleichen Tag fielen, u. a.

  • Hauptmann Felix von Normann, gefallen am 22.08.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Anloy-Heide in Block 3, Grab 250;
  • Oberleutnant Wilhelm Ebel, gefallen am 23.08.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Anloy-Heide in Block 1, Grab 75.

 

Die Todesanzeige für Wilhelm Steyh im Gießener Anzeiger vom 23.09.1914

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.818: Bartholomäus Giglberger

Der Soldat Bartholomäus Giglberger stammte aus Oberhackenberg, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Gangkofen, und war der Sohn eines Tagelöhners (Söldner). Im Ersten Weltkrieg diente er als Gefreiter in der 2. Kompanie des 15. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und mit dem Verdienstkreuz 3. Klasse mit Schwertern ausgezeichnet. Am 28.02.1916 fiel er während der Schlacht um Verdun im Alter von 28 Jahren im Bois de Manheulles.

Man begrub Bartholomäus Giglberger auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Gangkofen gedenkt Bartholomäus Giglberger noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2009/gangkofen-kollbach_bay.htm

Sterbebild von Bartholomäus Giglberger
Rückseite des Sterbebildes von Bartholomäus Giglberger

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: August Reitz

Der Soldat August Reitz stammte aus Flensungen, einem Ortsteil der hessischen Gemeinde Mücke, und war von Beruf Großherzöglicher Geometer II. Klasse. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 4. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er im Alter von 23 Jahren bei Neuchâteau in Belgien.

Über den Todestag und die Todesumstände von August Reitz berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:

„Gegen 6 Uhr vormittags (22. August) trat das Regiment als Vorhut den Marsch über Ochamps nach Glaireuse an. Auf den Höhen nördlich von diesem Dorfe stellte es sich bereit. Die Bereitstellung war gegen 9 Uhr vormittags beendet, und die Truppen waren eben aus den Feldküchen verpflegt worden, da traf folgender Befehl ein: „Infanterie-Regiment 116 geht auf dem linken Flügel der 49. Infanterie-Brigade vor, mit dem linken Flügel an der Südecke von Anloy vorbei, rechts Anschluss an Infanterie-Regiment 115. Die Linie Anloy-Bournonwald soll vorerst nicht überschritten werden.“ Über die allgemeine Lage wurde bekannt, dass die 4. Armee mit dem VI. Armee-Korps und  VIII. Reserve-Korps die Flanken der angreifenden 3. und 5. Armee decken und in ihrer Mitte am Leffe-Abschnitt (XVIII. Armee-Korps) und bei Neufchâteau (XVIII. Reserve-Korps) eine Bereitstellung einnehmen sollte. Die Nachrichten über den Feind waren immer noch sehr unbestimmt. Nach Fliegermeldungen sollten in den Wäldern jenseits des Leffebaches  nur Kavallerieabteilungen stehen. Die feindliche Infanterie wurde etwa 50 Kilometer dahinter vermutet.

Das Regiment nahm das II. und III. Bataillon ins erste Treffen; hinter dem III. Bataillon folgte die Maschinengewehr-Kompanie. Das I. Bataillon war hinter dem linken Flügel gestaffelt und stand zunächst der Brigade zur Verfügung. In guter Ordnung entfalteten sich die Kompanien und gingen, nachdem der Südrand von Anloy überschritten war, in Schützenwellen vor. Weiter rechts, wo die 50. Infanterie-Brigade über Libin gegen Maissin vorging, wurde lebhaftes Gewehr- und Artilleriefeuer laut. Unsere Brigade (49. Infanterie-Brigade) dagegen hatte bereits die befohlene Linie erreicht, ohne auf einen Gegner zu stoßen. So wurde die befohlene Linie im Anschluss an die rechten Nachbartruppen überschritten. Doch kaum hatten die ersten Wellen des II. und III. Bataillons gegen 2 Uhr nachmittags die Höhen südwestlich von Anloy erreicht, als ihnen aus einer Entfernung von kaum 400 Metern lebhaftes Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer entgegenschlug. Und doch war vom Gegner nichts zu sehen. In Getreidefeldern und am Waldrande hielt er sich vorzüglich gedeckt, so dass kein sicherer Schuss auf ihn anzubringen war. Aber dem ungestümen, unserem Infanteristen zur zweiten Natur gewordenen Drang nach vorwärts zeigte sich der Gegner nicht gewachsen. Trotz des starken Feuers und trotz der hemmenden Drahtumzäunungen der Felder gelang es nach mehrmaligem Ansturm, die Getreidefelder allmählich vom Feinde zu säubern und die nächsten Waldstücke zu erreichen. Namentlich am rechten Flügel wurde der Angriff mit rasender Schnelligkeit vorgetragen. Trotz schwerer Verluste und trotz der Mahnungen der Offiziere zur Besonnenheit ging alles nach vorn durch.

Im Walde war zunächst das dichte Unterholz ein schwieriges Hindernis und verursachte viele Verluste. Ein weiteres Hindernis waren die vielen gut versteckten französischen Baumschützen, die dem Angreifer aus unmittelbarer Nähe ihre Schüsse entgegensandten, eine Kampfesweise, auf die der Deutsche nicht gefasst war, gegen die er aber bald wirksame Abhilfe fand. Auch das eigene Artilleriefeuer belästigte hier stellenweise die vorgehenden Kompanien. In wildem Drauflosgehen und hartem Ringen dachte man wenig an die Verbindung nach rückwärts, so dass unsere Artillerie nicht wissen konnte, wie weit der Angriff an den einzelnen Punkten vorgetragen war. Aber alle diese Schwierigkeiten konnten den Siegeslauf der in blinder Wut vorstürmenden Hessen nicht aufhalten. Waldstück auf Waldstück wurde dem Gegner entrissen, wobei sich an den einzelnen Waldrändern besonders erbitterte Kämpfe mit dem zähen Gegner abspielten. Hier war es auch, wo die beiden unerschrockenen Führer der  9. und 12. Kompanie, die Hauptleute Weltzien und Mattel, einen frühen Heldentod fanden. Auch die Führer der 9. und 12. Kompanie, Hauptleute Wolf und Buhtz, mussten schwer verwundet vom Schlachtfeld getragen werden.

So wogte beim II. und III. Bataillon der Kampf in der heißen Augustsonne schon die dritte Stunde. Da drohte gegen 4 Uhr nachmittags ein gefährlicher Rückschlag: Der vorher schon an Zahl überlegene Gegner des Regiments schob in der Front ein neues Bataillon ein und suchte gleichzeitig unsere linke Flanke mit zwei frischen Jägerbataillonen zu umfassen. Der Angriff in der Front aus dem Walde Derriere-Horimont konnte zunächst vom II. und III. Bataillon nicht aufgefangen werden: Die beiden Bataillone waren zu hart mitgenommen, die Verbände zu sehr durcheinandergewürfelt. So mussten sie dem Stoß ausweichen. Aber bald stellte ein Maschinengewehr-Zug unter Leutnant de Harde sowie eine Kompanie der 21. Pioniere die Lage wieder her. Leutnant Brendel, der Adjutant des II. Bataillons, warf sich mit etwa 100 Versprengten aus allen Kompanien gegen die rechte Flanke. Von neuem kam der Angriff in Fluss, auch das frische Bataillon des Gegners wurde geworfen. Teile der 5. und 8. Kompanie unterstützten die 4. und 6. Kompanie des Infanterie-Regiments 115 beim Sturm auf eine feindliche Batterie, die nach hartem Ringen erobert und trotz mehrfacher wilder Gegenangriffe behauptet wurde. Vizefeldwebel Dutliné (8. Kompanie) und Braun (5. Kompanie) zeichneten sich dabei besonders aus.

Nicht minder schwierig gestaltete sich der Kampf auf dem linken Flügel des Regiments. Hier klaffte eine bedenkliche Lücke in der deutschen Kampffront, da das XVIII. Reserve-Korps nach Süden vorgestoßen war. Der Gegner hatte diesen schwachen Punkt bald erkannt und holte von Stunde zu Stunde weiter nach links zur Umfassung aus. Als hier gleich zu Beginn der Schlacht das links gestaffelte I. Bataillon in Marschkolonne aus einem Hohlweg südwestlich von Anloy heraustrat, wurde es mit einem Hagel von Geschossen überschüttet, so dass alles volle Dekcung nehmen musste. Die vorderen Kompanien entwickelten sich gruppenweise nach links und arbeitete sich in wütendem Infanteriefeuer durch hohe Getreidefelder, ohne indes vom Feinde etwas zu sehen. In einem toten Winkel konnten die 3. und 4. Kompanie kurz Atem schöpfen. Ihre drei noch am Leben gebliebenen Zugführer, Leutnant Pieper, Locher und Offizierstellvertreter Petri, ordneten hier, was sich um sie gesammelt hatte, und griff dann ein von den Haubitzen der 61er sturmreif geschossenes, stark besetztes Waldstück an. Mutig trug der Sergant Pistler, umzischt von zahlreichen Geschossen, die entfaltete Fahne des Bataillons mit den stürmenden Kompanien nach vorn. Der Waldstreifen wurde genommen und schnell durchschritten. Aber frische feindliche Kräfte setzten zum Gegenangriff an und trafen namentlich die Leibkompanie sehr schwer. Viermal hatte sie einen französischen Vorstoß auszuhalten und verlor drei tüchtige  Offiziere, Leutnant von Erhardt, Meinberg und Mühlberger. Auch in den Ginsterbüschen jenseits des Waldstücks waren die Kompanien starkem feindlichen Strichfeuer ausgesetzt, das hohe Verluste brachte und zum Rückzug in das Waldstück zwang.

Entscheidend für die Abwehr der feindlichen Umfassungsversuche wurde das Eingreifen der Maschinengewehre. Ihnen hatte der Regimentskommandeur in richtiger Erkenntnis der Gefahr von vornherein die Sicherung der linken Flanke übertragen. Sie waren daher südlich von Anloy in Stellung gegangen. Dort hatten sie bald drei französische Maschinengewehre, die zwischen den Straßen Anloy-Sart und Anloy-Haie standen, außer Gefecht gesetzt. Infolge der feindlichen Umfassung kam jedoch Hauptmann Poly mit den Gewehren in eine bedrängte Lage. Da ritt Oberst Schimmelpfennig in schärfstem Galopp zur Artillerie, erhielt dort zwei Geschütze und brachte sie an der gefährdeten Stelle in Front. Ein fürchterliches Blutbad begann. Die beiden Geschütze rissen ungeheure Löcher in die überflügelnden feindlichen Reihen, Schwadenweise mähten die Maschinengewehre die vorgehenden Wellen nieder und schossen mit entsetzlicher Genauigkeit und Unerbitterlichkeit die Schützenlinien des Gegners zusammen, so dass jedes Leben in ihnen erstarrte. Gefangene schilderten sntsetzt die grauenhafte Wirkung dieses vereinigten Artillerie- und Maschinengewehr-Feuers, von dem man sich am anderen Tage beim Überschreiten des Schlachtfeldes mit Schaudern überzeugen konnte.

So tobte der heiße Kampf den ganzen Nachmittag, hier in wildem Handgemenge mit wüstem Schreien, dort in schrecklichem Zischen udn Heulen der todbringenden Geschosse, in Angriff und Gegenangriff um den Besitz einzelner Waldstücke, in wildem Vorstürmen und entsetztem Zurückgehen. Die Wildheit hatte besonders beim II. und III. Bataillon jede Einheitlichkeit über den Haufen geworfen. So wird erklärlich, dass Teile der 10. und 11. Kompanie weit rechts beim Infanterie-Regiment 117 gegen das Dorf Maissin kämpften. Aber immer noch war die endgültige Entscheidung nicht gefallen. Zwar begann von 5 Uhr nachmittags an unsere Artillerie käftiger zu wirken. Die Waldstücke, in denen sich der Gegner noch hielt, wurden planmäßig beschossen. Immer tiefer stießen die Kompanien dem gegner nach Westen nach. Trefflich half dem I. Bataillon eine Kompanie der 21. Pioniere, deren Führer, Hauptmann Peters, den Heldentod starb. Doch nur schrittweise gab der Feind eine Stellung nach der anderen auf. Da ertönten gegen 7 Uhr nachmittags in unserem Rücken Kommandorufe. Die lang ersehnte Unterstützung war da! In vierstündigem Marsche war die 16. Reserve-Division unter Generalleutnant Mootz von der Eisenbahn nach dem Schlachtfelde geeilt, um den Kameraden Hilfe zu bringen. Nun schwärmten die Kompanien des Reserve-Infanterie-Regiments 28 ein. Da gab’s kein Halten mehr. Mit Bajonett und Spaten wurde der bis zum äußersten sich wehrende Gegner aus seinen letzten Stellungen geworfen. Blau und rot quoll es aus den Waldstücken heraus. Auf wenige hundert Meter lief der nach Süden abziehende Gegner in das Flankenfeuer des I. Bataillons hinein und erlitt schreckliche Verluste. Erst die Dunkelheit machte dem Kampfe ein Ende. Völlig erschöpft sammelten sich die Bataillone auf der Höhe bei Alnloy. Bei der Unsicherheit der Gesamtlage – der rechte Flügel der Division hatte wegen drohender Umfassung das um 5 Uhr nachmittags gestürmte Maissin wieder räumen müüssen – wurde die Höhe und der Dorfrand zur Verteidigung eingerichtet.

Eine schwere Aufgabe harrte der Ärzte und Krankenträger. Im Kampfe mit Freischärlern, die aus den Häusern auf die durchziehenden Verwundeten schossen und die Gefechtsstaffel zersprengten, hatte Stabsarzt Dr. Szubinski am Westausgang des Dorfes den Verbandplatz des Regiments eingerichtet. Den ganzen Nachmittag über strömten die Verwundeten zu, und bald war alles überfüllt. Eine schier nicht zu bewältigende Arbeit für fünf Ärzte mit wenigen Helfern; dazu in stundenlangem Artilleriefeuer. Nach Mitternacht erschienen die Krankenträger der Sanitätskompanie mit Fackeln. Sie wurden aber beim Absuchen des Schlachtfeldes noch vielfach vom Feinde beschossen. Trotzdem wurden die meisten der hilflos daliegenden und dem Verschmachten nahen Schwerverwundeten noch während der Nacht zurückgeschafft. Viele aber mussten in ihrer Todespein den kommenden Morgen abwarten, bis sie aufgefunden und geborgen werden konnten.

Die erste Schlacht war geschlagen. Der blutigste Tag des ganzen Krieges lag hinter dem Regiment. Der Sieg hatte sich an seine Fahnen geheftet. Ein starker und tapferer Gegner war aus Stellungen gejagt worden, die er sich drei Tage lang mit Sorgfalt ausgesucht und ausgebaut hatte. Rühmliche Taten, die alle der Erwähnung wert wären, waren allerorten vollbracht worden. Aber groß, sehr groß waren auch die Verluste. Kein Tag des Feldzugs hat vom Regiment so viele Opfer gefordert wie der Tag von Anloy. Innerhalb weniger Stunden hat es über 1.000 Mann, mehr als ein Drittel seines Bestandes, verloren. 13 Offiziere, darunter außer den schon erwähnten der bewährte Führer der 4. Kompanie, Hauptmann von Normann, und Oberleutnant Ebel von der 6., der am nächsten Morgen seiner schweren Verwundung erlag, ferner Leutnant Becker, von Grolmann, Eichhoff, Klein, Walter und der Fahnenjunker Schäfer waren auf dem Schlachtfelde geblieben; 340 brave Unteroffiziere und Mannschaften waren mit ihnen in den Tod gegangen. Fast doppelt so hoch war die Zahl der Verwundeten. Unter ihnen waren 20 Offiziere: Das I. Bataillon hatte den Hauptmann von Thümen und die Leutnants Locher, Malzahn, Pieper, Scherer und den Fähnrich Marquardt verloren; das II. büßte Leutnant Schroeder, Johlen, Hellwig und Buchholtz ein; am schwersten aber waren die Verluste beim III., wo außer den vier Kompanieführern die Leutnants Dingeldein, Flotho, Fischer, Loerbrocks, Schmidt, Meyer und Freytag fehlten. In der Maschinengewehr-Kompanie waren Oberleutnant Kienitz und Leutnant de Harde (D. E.) verwundet. An Unteroffiziere und Mannschaften waren 599 verwundet, 72 wurden vermisst. Der Name Anloy sollte einen schrecklichen Klang in der hessischen Heimat erhalten. Da war kein Städtchen und Dörfchen, in das nicht die Nachricht gedrungen wäre: „Bei Anloy gefallen!“ Aber darum ist der Name auch zum Ehrennamen der Kämpfer des 22. August geworden. Von allen Kränzen, die sich das Regiment in diesem großen Krieg errungen, ist der Kranz von Anloy der schönste. Er wird nie verwelken.“

Man begrub August Reitz auf dem Soldatenfriedhof Langemark in einem Massengrab.

Die Todeanzeige für August Reitz im Gießener Anzeiger vom 01.10.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Ludwig Schmidt

Der Soldat Ludwig Schmidt stammte aus hessischen Stadt Allendorf (Lumda). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann in der 5. Kompanie des 116. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 15.09.1914 fiel er im Alter von 31 Jahren bei Cernay-en-Dormois an der Marne.

Die Lage des Grabes von Ludwig Schmidt ist unbekannt, man begrub Ludwig Schmidt jedoch wahrscheinlich, wenn seine Gebeine bis heute geborgen wurden, wahrscheinlich auf dem Soldatenfriedhof Séchault in einem Massengrab.

In Allendorf an der Lumda gedenkt man Ludwig Schmidt noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2022/allendorf_lk-giessen_wk1_wk2_hs.html

Die Todesanzeige für Ludwig Schmidt im Gießener Anzeiger vom 29.09.1914

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.815: Johann Brambs

Der Soldat Johann Brambs stammte aus Giersdorf, einem Stadtteil der bayerischen Stadt Vilsbiburg, und war Tagelöhner (Söldner). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Jäger und Landsturmmann in der 2. Kompanie des 1. bayerischen Reserve-Jägerbataillons. Am 4./5.09.1914 wurde er schwer verwundet und verstarb am 24.09.1914 im Alter von 31 jahren in Lunéville in französischer Kriegsgefangenschaft.

„Nächtlicher Vorstoß über Frascati – Aux-quatre-vents – Vitrimont
4. bis 5. Septemberg 1914

Das Bataillon marschierte 7 Uhr nachmittags von Rappe zum befohlenen Angriff ab. Es hatte den Auftrag, links gestaffelt der linken Sturmkolonne der Brigade – Reserve-Infanterie-Regiment 13 mit 1 Reserve und 4. Feldpionier-Kompanie – zum Schutze der linken Flanke derselben zu folgen. Um 8.30 Uhr abends war das Bataillon auf das Reserve-Infanterie-Regiment 13 beim Schlösschen Friscati aufgeschlossen. Vorerst sollte das Bataillon bis Aux-quatre-vents diesem Regiment folgen und dann westlich Vitrimont vorbei von Norden nach Süden vorstoßen, den Feind nördlich und bei Vitrimont werfen und dann südlich Vitrimont mit Front nach Südwesten Schützengräben für zwei Kompanien ausheben gegen allenfalligen Angriff aus Foret de Vitrimont. Die 1. Jäger-Kompanie verbleibt mit der Maschinengewehr-Kompanie des Bataillons als Sicherheitsbesatzung in dem westlichen Teil der südlichen Friscatistellung.

9.30 Uhr nachmittags tritt die linke Sturmkolonne der Brigade in Anwesenheit des Brigadestabes an. Das Reserve-Jäger-Bataillon 1 folgt links gestaffelt am Südhang der Höhe 347. Etwa 10 Uhr nachmittags traf das Bataillon bei dem Straßenkreuz 1 Kilometer südlich Deuxville auf feindliche Schützengräben und erhielt aus diesen Feuer. zugleich kam das Bataillon auch in heftiges Feuer scgwerer Artillerie. Glücklicherweise schlugen die Geschosse jedoch meist unmittelbar hinter dem Bataillon ein. 2. und 4. Kompanie werden in vorderer Linie entwickelt, 3. Kompanie links gestaffelt, die Gewehre entladen und Seitengewehre aufgepflanzt. Der Feind räumt die Stellung, bevor das Bataillon zum Sturm überging. Das Bataillon ging nun bis Aux-quatre-vents vor. Bei Aux-quatre-wents erhält das Bataillon vom Brigadekommanderur persönlich den Befehl zum Vorgehen zunächst in westlicher, dann in südlicher Richtung und Wegnahme der westlich Vitrimont gelegenen feindlichen Schützengräben. Daraufhin geht das Bataillon zum Sturm gegen die feindlichen Schützengräben im Wegedreieck zwischen Vitrimont und Ferme de Léomont vor. Unter schweren Verlusten erstürmte die 3. Kompanie, rechts und links von der 4. und 2. Kompanie eingerahmt, die von etwa zwei französischen Kompanien besetzten Gräben. Auch das nördliche, an Vitrimont anstoßende Stück der Straße nach Dombasle wird im Laufschritt gewonnen und trotz des von allen Seiten losbrechenden Feuers die dort eingenisteten Franzosen geworfen. Aus dem Gehöft am Fuße des Léomontberges erhielt das Bataillon nun starkes flankierendes Infanterie- und Maschinengewehrfeuer. Ein Jägerzug wurde dorthin zum Sturm angesetzt. Er erobert das Gehöft und steckt es in Brand. Die Besatzung wurde größtenteils niedergemacht. Außerdem wurden drei Maschinengewehre erbeutet und 30 gefangene Franzosen eingebracht. Da Vitrimont vom Feinde frei gemeldet war, wurden die Gefangenen unter Bedeckung über Vitrimont nach Lunéville in Marsch gesetzt.

Auftragsgemäß ging nun das Bataillon etwa 3 Uhr vormittags nach Süden, westlich an Vitrimont vorbei und birschte sich, um Deckung gegen das immer noch über das Feld fegende Infanteriefeuer zu finden, in den Straßengraben vor. Eben ist das Bataillon im Begriffe, in einem Obstgarten am Nordwestrand von Vitrimont zu sammeln, wohin auch die Verwundeten gebracht wurden, da wird es aus dem Ort, in den der Feind von Süden her eingedrungen sein musste, plötzlich mit rasendem Feuer überfallen. Von allen Seiten beschossen, angesichts des Vorgehens feindlicher Abteilungen aus Richtung Anthelupt und mangels jeder Verbindung mit dem Reserve-Infanterie-Regiment 13 war das Bataillon zum eiligen Rückzug auf Aux-quatre-vents gezwungen, sodass die Verwundeten leider nur zum Teil geborgen werden konnten und die drei Beute-Maschinengewehre zerschlagen werden mussten. Schon hatte das Bataillon die Gegend von Aux-quatre-vents erreicht, da wurde es von den zwei dem Reserve-Infanterie-Regiment 13 zugeteilten Pionierkompanien, die es für Feind ansah, mit der blanken Waffe im Sturm angegriffen. Major Düwell ließ sofort seine Jäger hinlegen, trat allein den anstürmenden Pionieren entgegen und brachte sie durch Zuruf zum Stehen. Das Bataillon, das nunmehr aus knapp zwei Kompanien bestand, konnte daraufhin ungestört auf die Höhe bei Schlösschen Friscati abrücken, wo in den Morgenstunden noch zahlreiche Versprengt eintrafen.

Jäger und Landwehrmann Stießberger Martin, der 4. Kompanie zeichnete sich im nächtlichen Vorgehen auf Vitrimont (4. zum 5.9.) aus. Als beim Überschreiten eines Grabens die Kompanie Rückenfeuer erhielt, kehrte Stießberger aus eigenem Antrieb mit einigen Jägern sofort um, suchte nach den Schützen und entdeckte in dem durchschrittenen Graben 15 – 20 Turkos, die niedergemacht wurden. Die Kompanie wurde dann von rückwärts nicht mehr belästigt. Hierfür und da er außerdem am 15.05.1915 freiwillig einen schwer verwundeten Pionier mit noch anderen Kameraden von der Straße nach Carency zurückbrachte und ihn dadurch vor dem sicheren Tode errettete, wurde Stießberger mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.

Verluste am 04. und 05.09.:

Oberleutnant und Bataillonsadjutant Brendel am 04.09. leicht verwundet, kehrt am 05.09. wieder zum Bataillon zurück. Leutnant der Reserve Gschwendtner verwundet, ferner Oberjäger und Jäger tit 10, verwundet 73, vermisst 5.“

Man begrub Johann Brambs auf dem Soldatenfriedhof Gerbéviller in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Vilsbiburg gedenkt Johann Brambs noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2010/vilsbiburg-seyboldsdorf_wk1u2_bay.htm 

Sterbebild von Johann Brambs
Rückseite des Sterbebildes von Johann Brambs

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.812: Bernhard Bibinger

Der Soldat Bernhard Bibinger stammte aus Unterflossing, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Polling, und war der Sohn eines Kleinbauern (Gütler). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Schütze in der 2. Kompanie der 3. bayerischen Maschinengewehr-Schützenabteilung. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Am 22.03.1918 fiel er im Alter von 21 Jahren bei St. Léger.

Man begrub Bernhard Bibinger auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Noch heute gedenkt seine Heimatgemeinde Unterflossing Bernhard Bibinger auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/polling-oberflossing_1866_1870-71_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Bernhard Bibinger
Rückseite des Sterbebildes von Bernhard Bibinger

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Ferwinand Rausch

Der Soldat Ferdinand Rausch stammte aus der hessischen Stadt Gießen und war der Sohn des Geheimen Schulrats Dr. Rausch. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Hauptmann und Bataillonskommandeur im Stab des II. Bataillons des 26. Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernes Kreuz 1. und 2. Klasse und mit der hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Am 16.07.1916 fiel er bei Le Transloy, südlich Flers.

Man begrub Ferdinand Rausch auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Die Todesanzeige für Ferwinand Rausch im Gießener Anzeiger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.805: Sebastian Hutterer

Der Soldat Sebastian Hutterer stammte aus Stockham, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Obing, und war ein Kleinbauer (Irlhubergütler). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Jäger in der 1. Kompanie des 1. bayerischen Reserve-Jäger-Bataillons. Am 12.05.1915 fiel er während der Schlacht bei La Bassée und Arras im Alter von 30 Jahren bei Carency.

Die Lage des Grabes von Sebastian Hutterer ist offiziell unbekannt. Er ist wahrscheinlich als unbekannter Toter anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy begraben worden, wo man auch seine Kameraden begrub, die am gleichen Tag fielen, z. B.

  • Leutnant Max Scheibenbogen, gefallen am 12.05.1915 bei Carency, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Oberjäger Karl Schubert, gefallen am 10.05.1915 bei Carency, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Obing gedenkt Sebastian Hutterer noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2011/obing_wk1_wk2_bay.html

Sterbebild von Sebastian Hutterer
Rückseite des Sterbebildes von Sebastian Hutterer

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.799: Franz Xaver Maier

Der Soldat Franz Xaver Maier wurde am 03.05.1883 geboren und lebte in Niederseeon, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Moosach. Er war Kleinbauer (Gütler) und Distriktsstraßenwärter. Im Ersten Weltkrieg diente er als Landwehrmann in der 9. Kompanie des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 07.09.1914 (Volksbund: 09.09.1914) fiel er im Alter von 31 Jahren bei Einville-au-Jard, in der Nähe von Lunéville.

Über den Todestag und die Todesumstände berichtet die Regimentsgeschichte des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Bewegungen von Patrouillen und kleinen Abteilungen im Bois de Crevic veranlasste unsere Artillerie zu einem starken Feuerüberfall. Während des Tages wurde das Regiment in Gefechtslinie, Bereitschaft und Reserve gegliedert. Am Stellungsbau wurde weitergearbeitet.

Abends traf der Befehl ein, dass sich das Regiment dem Angriff der nördlich stehenden 6. bayerischen Infanterie-Division anzuschließen habe. Das Angriffsziel war für das rechtsstehende II. Bataillon die Höhe nordöstlich des Bois de Crevic, für das Linksstehende I. Bataillon die Höhe 316 südlich des Waldes. III. Bataillon sollte als Reserve hinter dem linken Flügel folgen. Um 6 Uhr nachmittags wurde angetreten. Das I. Bataillon erreichte ohne Schwierigkeit die Höhe 316 und grub sich dort mit Front gegen Südwesten ein. Das III. Bataillon ging zunächst ohne feindliche Gegenwirkung bis in die Höhe des Ostrandes des Bois de Crevic vor, erhielt aber im weiteren Vorgehen dem Nordrand des Waldes entlang starkes Flankenfeuer aus dem Wald, wodurch die Bewegung zum Stehen kam. Da sich ein Vorgehen an dem Wald als unmöglich erwies, wurde zunächst 1, dann 2 weitere Kompanien gegen die Nordostecke des Waldes eingesetzt. Der Angriff der Kompanien, der gegen Mitternacht begann, stockte bald, da das feindliche Feuer sehr stark wurde und die in den Wald eindringenden Teile durch Drahthindernisse aufgehalten wurden. Außerdem ging die einheitliche Gefechtsleitung durch starke Führerverluste verloren. Übertriebene Nachrichten von dem Gefecht des II. Bataillons veranlassten das Regiment, 2 Kompanien des III. Bataillons vor dem Ostrand des Bois de Crevic bereitzustellen, um einen Gegenstoß des Gegners zurückzuweisen. Inzwischen war es aber schon gelungen, die in der Dunkelheit auseinandergeratenen Kompanien des II. Bataillons zu sammeln und die Verbindung im Regiment und mit dem benachbarten 13. bayerischen Infanterie-Regiment aufzunehmen. Um 1 Uhr vormittags war die Ordnung hergestellt. Das Feuer wurde schwächer und verstummte um 3.15 Uhr vormittags. – Auf Befehl der Brigade ging das Regiment in die alten Stellungen zurück, deren Besetzung um 5.15 Uhr vormittags beendet war.

08.09. Arbeiten in der Stellung wurden während des Tages von feindlicher Artillerie gestört, so dass nur mehr nachts gearbeitet werden konnte. Tagsüber lebhaftes Artilleriefeuer auf dei Stellung. Patrouillen, die gegen Bois de Crevic vorgeschickt wurden, konnten nicht in den Wald eindringen.

09.09. Das Artilleriefeuer nahm an Stärke zu. Nachts ging ein schweres Gewitter nieder, das die Gräben mit Wasser anfüllte und die Stellung stark beschädigte.“

Vermutlich wurde er auf dem Soldatenfriedhof Gerbéviller in einem Massengrab beigesetzt.

Sterbebild von Franz Xaver Maier
Rückseite des Sterbebildes von Franz Xaver Maier

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.798: Joseph Blab

Der Soldat Joseph Blab stammte aus Dickenbüchl, einem Ortsteil der bayerischen Gemeidne Waldkirchen, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er als Wehrmann in der 10. Kompanie des 2. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er im Alter von 33 Jahren Lothringen im Elsass bei den Gefechten in der Nähe von Colmar, genauer gesagt bei Logelbach, als erstes Opfer seiner Gemeinde.

Über den Todestag und die Todesumstände von Joseph Blab berichtet die Regimentsgeschichte des 2. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments:

„2. Erstes Gefecht bei Ingersheim

Für den 22.08. befahl General Eichhorn den Angriff der 1. bayerischen Landwehr-Infanterie-Brigade, die durch II./Landwehr-Infanterie-Regiment 123, 2. Ersatz-Maschinengewehr-Kompanie XV. Armeekorps und 6./Fuß-Artillerie-Regiment 13 verstärkt war, gegen Ingersheim, um hierdurch die im Münstertal befindlichen feindlichen Kräfte zu fesseln.

Die Bereitstellung zum Angriff erfolgte entlang der Bahnlinie Schlettstadt, Colmar, Mühlhausen und zwar mit Landwehr-Infanterie-Regiment 1 dicht nördlich Colmar; vom Landwehr-Infanterie-Regiment 2, dem ½ II. Landwehr-Infanterie-Regiment 123, 2. Ersatz-Maschinengewehr-Kompanie XV. Armee-Korps und 6./ Fuß-Artillerie-Regiment 13 unterstellt worden waren, stellten sich in erster Linie III. Bataillon im Anschluss an Landwehr-Infanterie-Regiment 1 an der Straße Colmar – Ingersheim, I. Bataillon beim Bahnhof Colmar bereit, in zweiter Linie ½ II./Landwehr-Infanterie-Regiment 2 mit Maschinengewehr-Kompanie in Colmar, dahinter aufgeschlossen ½ II./Landwehr-Infanterie-Regiment 123.

6./Fuß-Artillerie-Regiment 13 ging während der Bereitstellung bei Horburg in Stellung, wurde dann nachgezogen, um beim Vorgehen der Infanterie zum Angriff am Krankenhaus nordwestlich Colmar in Stellung gebracht zu werden.

Nach dem Befehl der Brigade sollte Landwehr-Infanterie-Regiment 1 mit linkem Flügel am Nordrande von Ingersheim vorbeigehen, um sodann Ingersheim zu umfassen, Landwehr-Infanterie-Regiment 2 hatte Ingersheim in der Front anzugreifen.

Vom Kommandeur Landwehr-Infanterie-Regiment 2 wurde III. Bataillon zum Angriff auf Ingersheim entlang der Straße nach Ingersheim und durch Logelbach angesetzt, I. Bataillon hatte mit rechtem Flügel am Südrande von Logelbach vorzugehen und links von Ingersheim anzugreifen. ½ II./Landwehr-Infanterie-Regiment 2 und ½ II./Landwehr-Infanterie-Regiment 123 sollten zur Verfügung des Regimentskommandeurs entlang der Straße nach Ingersheim folgen.

Gegen Mittag wurde aus der Bereitstellung zum Angriff geschritten. Hierbei zerlegte sich I. Bataillon in 2 Teile. Sein linker Flügel, 3., 4. und ein Teil der 2. Kompanie ließ sich durch feindliches Feuer, das ihm von Winzenheim her entgegenschlug, am Südrande von Logelbach festgehalten und nahm den Feuerkampf gegen Winzenheim auf. Der rechte Flügel mit dem Bataillonskommandeur (½ 1 und 2/3 2. Kompanie – ½ 1. war entsendet) zog sich an die Straße nach Ingersheim heran, überschritt diese sogar mit Teilen und schob in das III. Bataillon ein. Der Regimentskommandeur setzte in die hierdurch entstandene Lücke das ½ II. Bataillon mit Maschinengewehr-Kompanie in Logelbach ein.

III. und ½ I. Bataillon gingen in den Weingärten zu beiden Seiten der Straße nach Ingersheim im heftigen feindlichen Infanteriefeuer, das aus Ingersheim und vom Letzenberg kam, ununterbrochen vor.

Der Feind war nicht zu erkennen. Die mit Draht durchzogenen Weingärten bildeten ein wirksames Hindernis und brachten die Verbände durcheinander. Da machte sich am linken Flügel des Landwehr-Infanterie-Regiments 1 eine Rückwärtsbewegung bemerkbar. Der Kommandeur Landwehr-Infanterie-Regiment 2 ließ durch Einsatz einer Kompanie des ½ II./Landwehr-Infanterie-Regiment 123 die zurückgehenden Abteilungen wieder vorreißen.

Die Haubitz-Batterie unterstützte das Vorgehen der Infanterie durch Feuer gegen den bei der Fechtbrücke gelegenen Teil von Ingersheim und gegen den Letzenberg, vermochte aber das feindliche Infanteriefeuer kaum zu bekämpfen.

An der am südlichen Fechtufer gelegenen Häusergruppe von Ingersheim fand der Angriff ernsten Widerstand. Die Häuser waren vom Feinde besetzt und mussten einzeln genommen werden. Von einer zurückgezogenen, geschickt angelegten Straßenbarrikade aus bestrich der Feind der Länge nach die Straße und die Weingärten. Von den Landwehrleuten wurde dieser Barrikade auf etwa 100 Meter gegenüber eine solche aus Brettern und Matratzen errichtet und mit Schützen besetzt. In der Bekämpfung der feindlichen Scharfschützen tat sich besonders Vizefeldwebel (Offiziersaspirant) Süßmann der 9. Kompanie hervor. Um die feindlichen Schützen hervorzulocken, sprangen einzelne beherzte Leute wiederholt über die Straße. Der Angriff kam aber nicht vorwärts. Die letzte Reserve des Regiments, eine Kompanie Landwehr-Infanterie-Regiment 123, wurde eingesetzt. Der Regimentskommandeur begab sich an den Eingang der Häusergruppe und befahl an die dort befindlichen Kommandeure III. und I. den Sturm auf Ingersheim. Die Hörner bliesen zum Sturm und mit Hurra wurde die Häusergruppe genommen. Eine Anzahl Alpenjäger wurden zu Gefangenen gemacht. Es wurde bis zum südlichen Fechtufer vorgedrungen.

Inzwischen hatte ½ II./Landwehr-Infanterie-Regiment 2 mit der Maschinengewehr-Kompanie unter der tatkräftigen Führung des Hauptmanns Huber Logelbach im heftigen feindlichen Strichfeuer von Letzenberg durchschritten und den Westrand des Ortes erreicht. Es war aber nicht möglich, im feindlichen Feuer weiter vorzudringen. Man nahm den Feuerkampf auf.

Der Feind erhielt Verstärkungen. Es schlug plötzlich feindliches Artilleriefeuer vom Eichberg nördlich Türkheim und anscheinend auch von Dorfburg (nordwestlich Ingersheim) ein. Die 6./Fuß-Artillerie-Regiment 13 schwieg. Sie hatte sich durch das sie erreichende Infanterie-Strichfeuer veranlasst gesehen, hinter die Fecht zurückzugehen. Feindliche geschlossene Abteilungen zeigten sich auf dem Letzenberg und jenseits des die Fecht begleitenden Akaziengebüsches. Alpenjägerhörner bliesen. Es erfolgte ein allgemeiner feindlicher Vorstoß. Dieser wurde zwar durch unsere Truppen an der Fecht aufgehalten, die dortige Stellung war aber der feindlichen Übermacht gegenüber nicht mehr zu halten. Die Truppen gingen zruück. Auch Landwehr-Infanterie-Regiment 1 war zurückgegangen. Inzwischenwar die Dämmerung eingetreten. Der Regimentskommandeur bereitete aus durch den verwundeten Hauptmann Eibner gesammelten Mannschaften eine Aufnahme auf einer Anhöhe 800 Meter südöstlich Ingersheim vor und gab den Befehl zum allgemeinen Rückzug hinter die Ill bei Colmar. Die Truppen bezogen die Unterkunft vom Tage zuvor.

Die Verluste der Kompanien, die bei Ingersheim gekämpft hatten, waren nicht unerheblich, in Logelbach waren sie gering.

Das Regiment, und zwar hauptsächlich 1/4 I. und III. Bataillon hatte verloren 3 Offiziere tot, 6 verwundet, 18 Unteroffiziere und Mannschaften tot, 74 verwundet, 70 vermisst. Wie später in Ingersheim ermittelt wurde, waren die Vermissten alle entweder tot oder schwer verwundet bei Ingersheim zurückgelassen worden. Das Regiment hatte also insgesamt 171 Verluste.

An Offizieren waren gefallen Leutnant Christian Heinz der 5. Kompanie, Leutnant Köttig der 9. Kompanie (starb am 28.08. an seiner Verwundung), Leutnant Gahbauer der 10. Kompanie.

Der Regiments-Adjutant Oberleutnant Barck wurde beim Sturm auf die vorgeschobenen Häusergruppe von Ingersheim schwer verwundet.“

Man begrub Joseph Blab auf dem Soldatenfriedhof Breitenbach in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Waldkirchen gedenkt Joseph Blab noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2008/waldkirchen_oelbergkapelle_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Joseph Blab
Rückseite des Sterbebildes von Joseph Blab