Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Ludwig Hauß

Der Soldat Ludwig Hauß stammte aus der hessischen Universitätsstadt Gießen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann bzw. Musketier in der 8. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 18.09.1914 fiel er im Alter von 27 Jahren bei Servon. Marolles.

Über den Todestag und die Todesumstände von Ludwig Hauß berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Reserve-Infanterie-Regiments:

„„17. und 18.9.14. Das Regiment bleibt in seiner Stellung beiderseits der Straße eingegraben mit dem Befehl, die Höhe 800 m südlich la Mare-aux-Boefs unbedingt zu halten, falls die weiter vorne eingesetzte 50. R.Brig. zurückgedrängt werden sollte. Das Regiment erhält wieder eine Anzahl E.K. II..“

Man begrub Ludwig Hauß auf dem Soldatenfriedhof Servon-Melzicourt in Block 2, Grab 355.

Die Todesanzeige für Ludwig Hauß im Gießener Anzeiger vom 28.09.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Karl Balser

Der Soldat Karl Balser stammte aus der hessischen Stadt Hanau. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter und Reservist in der Leib-Kompanie des 118. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er in Belgien bei Maissin im Alter von 21 Jahren.

Über den Todestag und die Todesumstände von Karl Balser berichtet die Regimentsgeschichte des 118. Infanterie-Regiments:

In der Nacht vom 21. auf 22. August bezog das Regiment Unterkunft in Libin. Die Außenwache stellte die 11. Kompanie.
Offiziersstelle, Fuhrey erkundete mit drei Gruppen den südwestlich Libin liegenden Wald. Die Abteilung hatte mehrfach Zusammenstöße mit französischer Kavallerie-Patrouillen, kam aber ohne Verluste zurück. Auch wurden auf die Außenposten Schüsse abgegeben, ohne dass es gelang, die Täter zu fassen.

Am frühen Morgen des 22. August traf beim Regiment folgender Befehl der 50. J. B. (Generalmajor Freiherr von Speßhardt) ein:

50. J. B. D. II. Libin, 22.8.14. 4.35 Uhr Z.

J. R. 118 steht um 8.30 Uhr hart nördlich Straße Libin-Villance, Front nach Maissin, gedeckt nach Westen und Südwesten. Anfang etwa bei B 13, Kommandeur am Anfang des Regiments. Regiment hat vorher nördlich Villance eine Stellung zu erkunden. Front nach Maissin. Regiment sichert die Bereitstellung der Brigade in Linie Redue-Villance einschließlich, und erkundet sämtliche aus Linie Tramuine-Villance nach Westen und Südwesten durch den Wald führenden Wege…“

Auf Grund dieses Befehles stand das Reg. zur befohlenen Zeit in folgender Bereitstellung: Das 1. Batl. (Major Kot) war nunmehr auch mit der Lb., 2. und 4. Komp. gegen 7 Uhr vorm. nach Villance vorgerückt und hatte mit drei Kompagnien (Lb., 3. und 4.) den Westand des Dorfes besetzt, den es zur Verteidigung einrichtete; die 2. Komp., welche nach Erledigung eines Sonderauftrages erst gegen 6 Uhr vorm. in Libin eingetroffen war, lag im Südteil des Dorfes (Villance) als Reserve. Das II. Batl. (Major Stehberger) stand etwa 800 m östlich Villance, hart nördlich der Straße Billance-Libin, während sich das III. Batl. (Major v. Notz) in einem kleinen Wäldchen am Nordhang der Mulde ca. 800 m nördlich Villance aufstellte. Die M.G.K. (Hptm. von Oßell) war nach Villance vorgezogen und trat in Verbindung mit dem I. Batl., ihre Züge am Westand des Dorfes in Stellung gehen lassen. Bald gingen Meldungen ein, daß in den Wäldern um Massin feindliche Kavallerie stecke; bis gegen 11 Uhr war festgestellt, daß auch Massin selber, anscheinend von franz. Kavallerie, besetzt sei. Um 11.15 Uhr trat beim Regiment der Brigadebefehl ein, sich in den Besitz von Maissin zu sehen. Der Reg.-Kdr., Oberst Münster, beauftragte hiermit das I. Batl., dem die M.G.-K. (Hptm. v. Gössel) zugeteilt wurde. Um 12 Uhr trat das Batl. los vom Westrand von Villance aus; das III. Batl. blieb zunächst zur Verfügung des Reg., das II. Batl. zur Verfügung der Brigade an den bisherigen Plätzen.

Das I. Batl. nahm K. (Hptm. Staußband, bzw. Lt. Scheuermann), 3. Komp. (Hptm. Freiensehner) und 4. Komp. (Hptm. v. Cappeln) in vordere Linie, die 2. Komp. (Hptm. Sollmann) folgte als Reserve hinter dem rechten Flügel. Die 3. Komp. hatte den Anschluß und ging mit dem linken Flügel längs der Straße Villance-Maissin vor, rechts daneben 4. Komp., am weitesten rechts Leib-Komp. Die M.G.-K. folgte mit sechs schweren Gewehren hinter der Mitte.

Die Kompagnien in vorderer Linie gingen zunächst entfaltet, Schützen vor der Front, vor; die 2. Komp. folgte in Gruppenkolonne auf dem Wiesen, die sich nördlich des von Villance nach Maissin verlaufenden Höhenrückens erstrecken. Während des Vorgehens setzte das Feuer der eigenen Artillerie (F. A. R. 25) ein, sie nahm Ziele in dem Walde nordwestlich Maissin, sowie das Dorf selber unter Feuer.

Bald schlug dem Batl. das erste feindliche Feuer entgegen; es kam z. T. frontal, teilweise aber auch aus den Waldstücken links und vereinzelt sogar auch aus denen rechts des Angriffsstreifens und verursachte erhebliche Verluste. Trotzdem gingen die inzwischen voll in Schützenlinie entfalteten Kompagnien in langen Sprüngen weiter vor, der ziemlich breite und tiefe Leise-Bach wurde durchschritten und schon gegen 1.30 Uhr war das teilweise brennende Maissin von den vorderen Kompagnien erreicht.

Der linke Flügel, die 3. Komp., von der beim anderen Zuge als Seitendeckung etwas links rückwärts gestaffelt, gefolgt war, war an der Leise liegen geblieben, da er sich gegen feindliche Vorstöße und Umfassungsversuche aus dem Nordteil des Burnot gezwungen zu wehren hatte. Er wurde aus der etwas recht mißlich gestalteten Lage erst gegen 4 Uhr durch Teile des F. A. R. 25 herausgelöst.

In Maissin selber wurde stellenweise noch aus den Häusern geschossen, doch hatte die Truppe zunächst wenig Zeit, sich darum zu kümmern. In aller Eile wurden die Verbände notdürftig geordnet und bis zum Westrand des Dorfes vorgezogen, der zur Verteidigung gegen die sofort einsetzenden starken franz. Gegenangriffe besetzt wurde. Auch alle sechs Gewehre der M.G.-K. waren hier bald in voller Tätigkeit. Allerdings hielt auch der Kampf im Dorfe selbst den ganzen Nachmittag an. Die 2. Komp. war noch zum Abhang der Höhe 398 nördl. Maissin vorgegangen, Hptm. Sollmann setzte von dort aus zunächst den 2. Zug unter Lt. Müller (Phil.) zur Absicherung der Häuser am Nordrand des Dorfes an, aus denen die Kompagnie Feuer erhalten zu haben glaubte. Der Zug Müller fand aber dort keinen Gegner mehr und ging darauf bis zum Westrand von Maissin vor, wo er die Linie der bereits hier in Feueregefecht stehenden Kompagnien des I. Batl. um 2 Uhr gab Hptm. Sollmann seinem 2. Zug unter Lt. d. R. Grohrock Befehl, die Schützenlinie an der Nordwestecke des Dorfes (Teile der Ab.) zu verstärken. Als einige Zeit darauf die Höhe nördlich vollständig unter einem schweren Schußfeuer aus F. A. R. 25 belegt wurde, ging Hptm. Sollmann auch mit dem Rest seiner Komp. vor und befestigte zusammen mit Teilen der Leib-Komp. eine Höhe an dem das Maissin heraus nach Norden hin führenden Feldweg.

Der Reg.-Kdr. hatte inzwischen bereits um 12.45 Uhr, als der Angriff des I. Batl. auf starke feindliche Gegenwirkung gestoßen war, dem III. Batl. den Befehl erteilt, rechts verlängert in den Kampf des I. Batl. einzugreifen. Das II. Batl., welches dem Reg.-Kdr. wieder zur Verfügung gestellt war, wurde auf die Straße Villance-Maissin zurückgenommen, um nach neuer Verfügung entweder zur Ablösung der M.G.-K. oder zur Verstärkung des linken Flügels des I. Batl. verwendet zu werden. Die M.G.-K. ging inzwischen in dem Walde von Champimont starker Gegner besetzt, hinter dem rechten Flügel des III. Batl. gezogen. Dieses letztere geriet bei seinem Vorgehen bald in starkes Feuer aus westlicher Richtung; unter schweren Verlusten arbeitete es sich südlich des Waldes von Champmont gegen die Straße Maissin—Tellin vor, welche gegen 3 Uhr erreicht wurde. Jetzt erhielt das Batl. auch starkes Flankenfeuer aus den Waldungen nördlich und nordwestlich Maissin; zeitweilig schlug auch eigenes Artilleriefeuer in die Schützenlinien, die dadurch nicht unerhebliche Verluste hatten und zunächst liegen blieben. Um den Angriff wieder in Fluß zu bringen, setzte Oberst Münster nunmehr auch zwei Kompagnien des II. Batl. ein, von denen die eine, 8. Komp. (Hptm. Leute) in die Linie des III. Batl. einschwenkte, die 6. Komp. (Hptm. Müller) dieses rechts verlagerte. Trotzdem gelangte der Angriff des rechten Flügels nicht mehr weiter vorwärts; er blieb an der sehr gut dem rechten Flügel des I. Batl. als Reserve liegenden Komp. Collmann blieb er endgültig liegen.

Währenddessen war das I. Batl. zeitweilig einige hundert Meter über den Westrand von Maissin hinaus vorgegangen, hatte sich aber einer starken feindlichen Ueberlegenheit gegenübergesehen und bis zum Dorfrand zurückgehen müssen. Oberst Münster sah sich veranlaßt, zur Unterstützung des Batl. gegen 3 Uhr seine letzten Reserven, die 5. Komp. (Hptm. Beitz) und die 7. Komp. (Hptm. Trapp) einzusetzen, die auf den Süd bezw. Südwestrand des brennenden Maissin vorgezogen wurden und hier vor allem den Kirchhof und das Schulhaus besetzten. Der starke Rauch zwang jedoch beide Kompagnien dazu, sich allmählich an den Ostrand des Dorfes zu ziehen. Gegen 4.45 Uhr war die Lage in Maissin so, daß das I. Batl. mit drei Komp. (8., 5. und 4.) den Westrand des Dorfes besetzt hatte und mit der 2. Komp. nach Norden anschließend am Weg Maissin—Nedu lag. Versprengte Teile des I., sowie auch des II. und III. Batls. und der 6. Komp. und der 7. Komp., wurden in dem brennenden Maissin gesammelt, auf Befehl des dort anwesenden Reg.-Kdrs. dem Hptm. Trapp unterstellt und gegen 5.30 Uhr zur Verstärkung der nördlich des Dorfes im schweren Kampfe liegenden Teile des Regiments eingesetzt.

Allmählich war der Gegner überall zum Gegenangriff vorgegangen, besonders das durch den größten Teil des II. verstärkte III. Batl. nördlich Maissin sah sich einer erheblichen feindlichen Uebermacht gegenüber. Es kämpften hier mit vorbildlicher Zähigkeit die 9. unter Hptm. Hofmann, 10. unter Hptm. Hermann, 11. unter Hptm. Classen und 12. Komp. unter Hptm. Oldenburg. Auch der Einsatz eines Batl. des I.R. 71 auf dem äußersten rechten Flügel brachte keine Entlastung. Um 6.15 Uhr mußte der rechte Flügel des Regiments vor starken französischen Angriffen aus dem Wald von Bolez zurückgezogen werden, wobei es zeitweilig die Front nahezu nach Norden verlegt. Und das I. Batl. war schließlich nicht mehr zu halten, so daß Oberst Münster allen drei Batl. befahl, in allgemeiner Richtung auf „Billance“ zurückzugehen. Die Verbände waren in dem heißen Kampf sehr stark durcheinander gegangen, die erschöpften Batl. sehr stark, übrigens ohne jede Nervosität. Alle Tapferkeit des Gegners nutzte nichts mehr; immer stärkere feindliche Angriffe quollen gegen die gelichteten Reihen, und mühsam konnte immer die Verbindung gehalten werden. Trotz des großen Durcheinanders vollzog sich der Übergang verhältnismäßig geordnet und in vollkommener Ruhe, zumal sich die besonders vorbildlichen Offiziere tapfer bei der Unterweisung der Mannschaften, so daß dadurch wieder einige kampffähigere Teile gesammelt werden konnten. Der Rückmarsch erfolgte über das südwestlich Maissin gelegene Tal des Seife-Baches 1200 Meter westlich Maissin in die frühere Stellung zurück. Die übrigen Teile des Regiments wurden von der Straße Billance—Maissin zurückgenommen, einzelne Teile der sehr stark durcheinandergegangenen schon früher zurückgegangen, andere, die sich an der westlich des Dorfes gelegenen Höhe festgesetzt hatten, mußten sich unter dem Druck der sehr stark überlegenen feindlichen Kräfte des Abends zum Rückzug; sie trafen gegen 10 Uhr abends bei den übrigen Teilen des Regiments ein. Hptm. v. Cappeln bildete am späten Abend aus versprengten Teilen aller Komp. eine Gruppe, mit der er sich am Westrand des Waldes südlich Villance (Vigéczy) eingrub und den Schutz der bei Villance in Stellung befindlichen Artillerie übernahm.

Die Verluste des Regiments waren außerordentlich schwer, sie betrugen:

Mannschaften
I. Batt.   tot: 138  verwundet: 211  gefangen: 3
II. Batt.   tot: 50  verwundet: 99  gefangen: —
III. Batt. (mit MGR.)  tot: 119  verwundet: 257  gefangen: 9

Zusammen: 925 Mann

Offiziere
I. Batt.   tot: 1  verwundet: 5  krank: 1
II. Batt.   tot: 1  verwundet: 8  krank: 1
III. Batt.   tot: 7  verwundet: 7  krank: —

Zusammen: 31 Offiziere

An Offiziere:
a) tot:
Major von Notz (III. Batt.); Hptm. Hermann (10.); Oldenburg (12.); Lt. Löbbecke (Abt. II.); Lt. d. R. Mühl (10.); Lt. Kleine (11.); Lt. Proske (12.); Lt. Enck (3.); Hptm. Leute (später verst.)

b) verwundet:
Major Kotz (1.); Major Stehberger (II.); Hptm. v. Goessel (MG.); Trapp (7.); Freienstein (3.); Leute (8.); Oberlt. Fendel (Reg.-Abt.); Lt. Steiger (Abtl. III.) (starb an seiner Verwundung); Lt. Rülf (12.); Lt. W. Müller (10.); Scheuermann (L.); Hossfeld (8.); Lt. d. R. Schmölt (7.); Lt. Cares (8.); Lt. Fr. Müller (9.); Nebry (3.); Wiedemann (4.)

Hauptmann Veith (5.) und Collmann (2.) wurden ebenfalls verwundet, konnten aber bei der Truppe bleiben bzw. schon nach wenigen Tagen zu ihr zurückkehren.
An den Folgen seiner Verwundung starb der erste Kriegsfreiwillige des Regiments.“

Man begrub Karl Andreas Balser auf dem Soldatenfriedhof Maissin-National in Grab 215.

Die Todesanzeige für Karl Balser im Gießener Anzeiger vom 28.09.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Karl Walther

Der Soldat Karl Walther wurde am 27.02.1884 in der hessischen Ortschaft Garbenteich geboren, einem Ortsteil der Stadt Pohlheim, und war Metzger von Beruf. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist und Wehrmann in der 7. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 28.08.1914 fiel er im Alter von 30 Jahren bei Beaumont-en-Argonne.

Über den Todestag und die Todesumstände von Karl Walther berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Reserve-Infanterie-Regiments:

„28.08.1914 Von allen Schilderungen der Ereignisse beim Regiment am 28.08. scheint mir der Bericht des damaligen Regimentsadjutanten, Oberleutnant von Ilsemann, am zuverlässigsten. Ich lege daher seinen Bericht hauptsächlich zu Grunde, um einen der schwersten Tage des Regiments zu schildern.

Die während der Nacht eingehenden Befehle und Orientierungen ließen erkennen, dass unsere Führung annahm, die Franzosen seien südwestlich der Maas weiter im vollen Rückzug und deckten diesen auf dem westlichen Ufer nur noch mit schwachen Kräften.

4 Uhr morgens, an einem herrlichen Spätsommertag, der sehr heiß wurde, überschritt das Regiment auf einer in der Nacht geschlagenen Pontonbrücke die Maas und trat als Vorhut der 25. Reserve-Division den Marsch auf Beaumont an. Reihenfolge der Bataillone III., I., II. Die Marschstraße, die Rückzugsstraße der Franzosen am 30.08.1870 nach der Schlacht bei Beaumont, führt aus dem Maastal in mäßiger Steigung durch eine Waldschlucht auf eine 6 Kilometer südwestlich gelegene Hochfläche.

Beim Austritt aus dem Bois de Limon schlug dem Regiment heftiges Infanteriefeuer entgegen. Der bei dem Vortrupp reitende Regimentskommandeur Oberstleutnant von Pfeil befahl: „Das III. Bataillon greift beiderseits der Straße an und setzt sich in den Besitz der vorliegenden Höhe.“ Wie auf dem Exerzierplatz entwickelt Major von Busse seine Kompanien, die mit ihren Offizieren weit vor der Front sprungweise gegen den Feind vorgingen. Am weitesten links war die 11., die Spitzenkompanie, dann folgten nach rechts 12., 10., 9. Kompanie. Vom II. Bataillon wurde die 5. Kompanie, Hauptmann Leßner, als linke Seitendeckung in das Bois de l’Hospice geschickt, die 8. als Artilleriebedeckung zurückgehalten. Die 6. und 7. Kompanie werden rechts vom III. eingesetzt. Mit der Pfeife im Munde führte Major Schröder seine Kompanien vor. Ohne eine Artillerievorbereitung abzuwarten, stürmen das III. und die beiden Kompanien des II. die vorliegende Höhe und warfen die Franzosen zurück. Vor seiner Kompanie erhielt Hauptmann Bader einen schweren Bauchschuss.

Beim weiteren Vorgehen wurde festgestellt, dass der Feind beiderseits des Arbre de la Belle Epine sich in einer starken Stellung befand, aus der unseren Schützenlinien lebhaftes Feuer entgegenschlug. Auch das anfangs schwache Artilleriefeuer wuchs zu immer größerer Stärke an, von allen Seiten überschütteten feindliche ABatterien das tapfer aushaltende Regiment. Als dann auch die Franzosen zum Angriff vorgingen, wurde dem dicht hinter dem Regiment haltenden Brigadekommandeur Oberst von Heldorff klar, dass der Feind hier nicht daran dachte abzumarschieren. Im Gegenteil, er stellte sich auf den Maashöhen und beabsichtigte scheinbar die schwachen, bis her über die Maas übergegangenen Teile auf den Fluss zu werfen und dadurch den Übergang des Gros unmöglich zu machen. Dementsprechend war die Aufgabe des Regiments plötzlich eine andere geworden. Der Angriff wurde eingestellt, statt dessen befohlen: „Das Regiment hat die genommene Höhe unter allen Umständen zu halten und dadurch das Überschreiten der Maas durch das Korps sicherzustellen.“

Schon in den frühen Morgenstunden erlitt das Regiment beträchtliche Verluste. Zum Füllen der Lücken sowie vor allem zur Sicherung der linken (östlichen) Flanke musste sehr bald das I. Bataillon eingesetzt werden. 1 1/2 Kompanien blieben Reserve, Führer Hauptmann von Goetze, da zunächst auf weitere Unterstützung nicht zu rechnen war. Auch unsere Artillerie konnte keine Erleichterung bringen, da geeignete Feuerstellungen in dem Hochwald mit dichtem Unterholz nicht vorhanden waren.

In dieser ernsten Lage hatte das Regiment einen außerordentlich schweren Stand. Die Franzosen versuchten, die ihnen abgenommenen Höhen zurückzunehmen, aber weder ihr konzentrisches Artilleriefeuer, noch ihre immer von neuem unternommenen Angriffe vermochten die tapferen Bataillone ins Wanken zu bringen. Wo einzelne Teile schwach wurden, stellte die Energie der Offiziere schnell die Ordnung wieder her.

Regiments- und Bataillonskommandeure kämpften in vorderster Linie. Bei La Sartelle-Ferme verhinderte Hauptmann Freiherr von Stein eine Umgehung der linken Flanke des Regiments. Aufrechtstehend kommandierte er das Feuer seiner 3. Kompanie, welche den angreifenden Franzosen starke Verluste beibrachte. Nachdem Hauptmann Freiherr von Stein durch zwei Schüsse verwundet war, musste er die Führung seiner Kompanie abgeben. Als auch Leutnant Schärfe und Offizierstellvertreter Zeh verwundet, Offizierstellvertreter Miller gefallen war, behielt Leutnant Eckardt das Kommando und gab durch seine Tapferkeit seinen Leuten ein hervorragendes Beispiel. Mitten unter seinen Maschinengewehren fiel der besonders heldenmütig kämpfende Hauptmann Freiherr von Buddenbrock durch Kopfschuss. In kürzester Zeit hatte er es verstanden, sich das Vertrauen seiner Leute zu erwerben. Der Heldentod dieses hervorragend tüchtigen Maschinengewehr-Offiziers bedeutete einen schweren Verlust für das Regiment. Kurz darauf wurde auch Leutnant Rensch verwundet und fast alle Maschinengewehre außer Gefecht gesetzt.

Von allen Kompanien kamen gegen Mittag Meldungen über schwere Verluste und Mangel an Munition. Die Patronen wurden trotz des heftigen Feuers im Galopp vorgezogen und trotz mancher Verluste kam die Munition nach vorne. Besonders zeichnete sich hierbei der Vizewachtmeister Schuldt, der spätere Leutnant und Verpflegungsoffizier des I. Bataillons aus. Er fuhr mit einem Patronenwagen bis dicht an die Schützenlinie und kam ohne Verluste zurück. Er erhielt für diese tapfere Leistung das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Es kam eine Meldung des Bagageführers, mindestens ein feindliches Bataillon stände im Rücken des Regiments. Aber auch jetzt wurde die letzte Reserve des Regiments, 1 1/2 Kompanien unter Hauptmann von Goetze, nicht aus der Hand gegeben. Später stellten Streifen fest, dass die Meldung falsch sei, nun erst wurde die Reserve in die der Unterstützung so bedürftige vorderste Linie eingesetzt.

Der Regimentskommandeur, Oberstleutnant von Pfeil, war etwa 7:45 Uhr vormittags bei dem Versuche, einen Gefechtsstand zu finden, der bessere Übersicht bot, verwundet worden. Die Führung des Regiments hatte Major von Westernhagen übernommen. Auch Major von Busse war so schwer verwundet, dass er noch in der Nacht starb.

Während das Regiment seit dem frühen Morgen in ununterbrochenem schwersten Kampf die entscheidenden Höhen östlich Yoncq behauptete, vollzog sich in unserem Rücken bei Mouzon der ungestörte Übergang des XVIII. Reserve-Armeekorps, dessen Regimenter nach und nach rechts von Reserve-Infanterie-Regiment 116 in die Schlacht eingriffen. Eine gewisse Erleichterung wurde vor allem durch das Nachlassen des feindlichen Artilleriefeuers vorübergehend gespürt, aber die Aufgabe des Regiments war noch nicht erfüllt. Immer von neuem versuchte der Feind das Regiment zurückzuwerfen, gelang es ihm, stand der Feind in der Flanke der bisher über die Maas übergegangenen deutschen Teile, verhinderte den weiteren Übergang und stellte den Ausgang der Schlacht in Frage. Allen noch kämpfenden Offizieren des Regiments war dies klar geworden. Viele waren es allerdings nicht mehr, von den elf eingesetzten Kompanien hatten nur noch drei ihre Führer, die anderen waren gefallen oder verwundet. Mehrere Kompanien waren schon ohne jeden Offizier, dementsprechend waren die Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften. Die Kräfte des seit Stunden im schwersten Feuer kämpfenden Regiments spannte sich bis zum äußersten. Als aber schließlich wieder die Munition ausging, die Verluste immer größer wurden, Reserven nicht mehr zur Verfügung standen, wurde der Widerstand schwächer. Erneute Angriffe abzuwehren hatte das Regiment kaum noch Kraft. In Erkenntnis dieser Lage ritt der Regimentsadjutant, Oberleutnant von Ilsemann, so schnell als es die Kräfte seines verwundeten Pferdes erlaubten zum Kommandierenden General, der am Südwestausgang von Mouzon die Schlacht leitete. General von Steuben, der wusste, dass durch den Verlust der Höhen, auf denen Reserve-Infanterie-Regiment 116 kämpfte, der Schlachterfolg der Armee in Frage gestellt war, tat sofort alles, was dem schwerblutenden Regiment Erleichterung bringen konnte. Er schickte Munition, ließ das Feuer der schweren Feldhaubitzen auf den dem Regiment gegenüberstehenden Feind lenken und befahl schließlich seiner Reserve, dem Reserve-Infanterie-Regiment 88, dem Reserve-Infanterie-Regiment 116 zur Hilfe zu eilen. Im entscheidenden Augenblick, als das heldenmutig ringende Reserve-Infanterie-Regiment 116 am Ende seiner Kraft war, traf die Hilfe ein. Unter Führung des Oberst von Helldorff wurde ein letzter Versuch der Franzosen, die Schlacht zu ihren Gunsten zu entscheiden, vereitelt.

Die linke Seitendeckung, 5. Kompanie, hatte am Südrand des Bois de l’Hospice von einer Kavallerie-Offizierstreife die Meldung erhalten, der Waldrand bei Arbre de la Belle Epine sei vom Feinde stark besetzt. Hauptmann Leßner entwickelte einen Zug und ließ ihn gegen den Feind vorgehen, mit den beiden anderen Zügen wollte er den rechten Flügel des Feindes vom Steilhang an der Maas aus umfassen. Der zur Erkundung vorgeschickte Leutnant der Reserve Rindfuß stellte aber starke feindliche Abteilungen zwischen Beaumont und Letanne, also in der linken Flanke der Kompanie fest, die Absicht des Hauptmann Leßner war also unausführbar. Die Kompanie nistete sich am Steilhang an der Maas ein und trat in das Gefecht, das trotz starker Verluste und Munitionsmangel bis zum Nachmittag durchgeführt wurde. Als dann der Feind mit vier Kompanien und Maschinengewehren gegen die 5. Kompanie vorging, ging die Kompanie im Gefecht zum Nordrand des Bois de l’Hospice zurück. Hier blieb Leutnant Rindfuß als Nachhut, der mit den letzten Patronen den Gegner fernhielt und den Abzug seiner Kompanie deckte, die gegen Abend das Regiment wieder erreichte. 20 Mann des zuerst entwickelten Zuges, die zu tapfer nach vorn durchgegangen waren, wurden vom Feinde umzingelt und später gefangen. Außerdem hatte die Kompanie 61 Mann an Toten und Verwundeten verloren. Leutnant Daubers war durch Schrapnellkugel schwer verwundet. Leutnant Leßner, der durch Granatsplitter am rechten Schienbein verwundet war, behielt die Führung der Kompanie. Beim Gehen stützte ihn sein treuer Entfernungsschätzer, Unteroffizier Heinrich Rasch aus Freiensteiner.

Das Regiment hatte seine Aufgabe erfüllt, das XVIII. Reserve-Armeekorps und das ihm folgende VI. Armee-Korps hatten ungestört vom Feinde den Maasübergang durchgeführt. Aber die Erfüllung des Auftrages hatte schwere Opfer gekostet! Von dem Offizierskorps und den etwa 3.000 Mann des Regiments sammelten sich am Abend beiderseits der Straße Mouzon – Beaumont 6 Offiziere 600 Mann! Durch die Artilleriebedeckung, Seitendeckung, Versprengte usw. erhöhte sich zwar dann die Gefechtskraft auf 1.000 Mann, aber fast 2/3 hatte das Regiment verloren!

Andere Teile der Division hatten das westlich des Schlachtfeldes des Regiments liegenden Dorfes Yoncq genommen, hatten aber über das Dorf und den nordöstlich des Ortes liegenden Wald hinaus nicht vordringen können.

Gefallen waren die Hauptleute Freiherr von Buddenbrock-Hettersdorf und Diehm, die Leutnants Lung, Todt, Castringius, Boge, die Offizierstellvertreter Barth, Nerger, Müller, Jung, Preuß, Rauff. Der schwer verwundete Major von Busse starb in der Nacht 28./29. im Feldlazarett Mouzon. Verwundet waren Oberstleutnant von Pfeil, die Hauptleute Freiherr von Stein zu Nord- und Ostheim, Bader, Freiherr Raitz von Frentz, Goepel, Ulrichs; die Oberleutnants Weimer, Waldeck, Freiherr von Lyncker, Quade, von Mentz; die Leutnants Huhn, Rausch, Daubes, Trümper, Hosch, Warnke, Eckhardt; die Offizierstellvertreter Zeh, Thielert (gestorben 01.09.), Saxer, Berger, Malzan. Die Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften lassen sich nur noch nach den Stammrollen feststellen. Beim III. Bataillon waren sie so stark, dass die noch kampffähigen auf die Kompanien des I. und II. Bataillosn verteilt wurden..“

Man begrub Karl Walther auf dem Soldatenfriedhof Noyers-Pont-Maugis in einem Massengrab.

Die Todesanzeige für Karl Walther im Gießener Anzeiger vom 19.09.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Eugen Fischbach

Der Soldat Eugen Fischbach stammte aus der hessischen Stadt Gießen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Vizefeldwebel (Volksbund: Feldwebel) in der 5. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 28.08.1914 fiel er in den Ardennen bei Mouzon in Frankreich.

Über den Todestag und die Todesumstände von Eugen Fischbach berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Reserve-Infanterie-Regiments:

„28.08.1914 Von allen Schilderungen der Ereignisse beim Regiment am 28.08. scheint mir der Bericht des damaligen Regimentsadjutanten, Oberleutnant von Ilsemann, am zuverlässigsten. Ich lege daher seinen Bericht hauptsächlich zu Grunde, um einen der schwersten Tage des Regiments zu schildern.

Die während der Nacht eingehenden Befehle und Orientierungen ließen erkennen, dass unsere Führung annahm, die Franzosen seien südwestlich der Maas weiter im vollen Rückzug und deckten diesen auf dem westlichen Ufer nur noch mit schwachen Kräften.

4 Uhr morgens, an einem herrlichen Spätsommertag, der sehr heiß wurde, überschritt das Regiment auf einer in der Nacht geschlagenen Pontonbrücke die Maas und trat als Vorhut der 25. Reserve-Division den Marsch auf Beaumont an. Reihenfolge der Bataillone III., I., II. Die Marschstraße, die Rückzugsstraße der Franzosen am 30.08.1870 nach der Schlacht bei Beaumont, führt aus dem Maastal in mäßiger Steigung durch eine Waldschlucht auf eine 6 Kilometer südwestlich gelegene Hochfläche.

Beim Austritt aus dem Bois de Limon schlug dem Regiment heftiges Infanteriefeuer entgegen. Der bei dem Vortrupp reitende Regimentskommandeur Oberstleutnant von Pfeil befahl: „Das III. Bataillon greift beiderseits der Straße an und setzt sich in den Besitz der vorliegenden Höhe.“ Wie auf dem Exerzierplatz entwickelt Major von Busse seine Kompanien, die mit ihren Offizieren weit vor der Front sprungweise gegen den Feind vorgingen. Am weitesten links war die 11., die Spitzenkompanie, dann folgten nach rechts 12., 10., 9. Kompanie. Vom II. Bataillon wurde die 5. Kompanie, Hauptmann Leßner, als linke Seitendeckung in das Bois de l’Hospice geschickt, die 8. als Artilleriebedeckung zurückgehalten. Die 6. und 7. Kompanie werden rechts vom III. eingesetzt. Mit der Pfeife im Munde führte Major Schröder seine Kompanien vor. Ohne eine Artillerievorbereitung abzuwarten, stürmen das III. und die beiden Kompanien des II. die vorliegende Höhe und warfen die Franzosen zurück. Vor seiner Kompanie erhielt Hauptmann Bader einen schweren Bauchschuss.

Beim weiteren Vorgehen wurde festgestellt, dass der Feind beiderseits des Arbre de la Belle Epine sich in einer starken Stellung befand, aus der unseren Schützenlinien lebhaftes Feuer entgegenschlug. Auch das anfangs schwache Artilleriefeuer wuchs zu immer größerer Stärke an, von allen Seiten überschütteten feindliche ABatterien das tapfer aushaltende Regiment. Als dann auch die Franzosen zum Angriff vorgingen, wurde dem dicht hinter dem Regiment haltenden Brigadekommandeur Oberst von Heldorff klar, dass der Feind hier nicht daran dachte abzumarschieren. Im Gegenteil, er stellte sich auf den Maashöhen und beabsichtigte scheinbar die schwachen, bis her über die Maas übergegangenen Teile auf den Fluss zu werfen und dadurch den Übergang des Gros unmöglich zu machen. Dementsprechend war die Aufgabe des Regiments plötzlich eine andere geworden. Der Angriff wurde eingestellt, statt dessen befohlen: „Das Regiment hat die genommene Höhe unter allen Umständen zu halten und dadurch das Überschreiten der Maas durch das Korps sicherzustellen.“

Schon in den frühen Morgenstunden erlitt das Regiment beträchtliche Verluste. Zum Füllen der Lücken sowie vor allem zur Sicherung der linken (östlichen) Flanke musste sehr bald das I. Bataillon eingesetzt werden. 1 1/2 Kompanien blieben Reserve, Führer Hauptmann von Goetze, da zunächst auf weitere Unterstützung nicht zu rechnen war. Auch unsere Artillerie konnte keine Erleichterung bringen, da geeignete Feuerstellungen in dem Hochwald mit dichtem Unterholz nicht vorhanden waren.

In dieser ernsten Lage hatte das Regiment einen außerordentlich schweren Stand. Die Franzosen versuchten, die ihnen abgenommenen Höhen zurückzunehmen, aber weder ihr konzentrisches Artilleriefeuer, noch ihre immer von neuem unternommenen Angriffe vermochten die tapferen Bataillone ins Wanken zu bringen. Wo einzelne Teile schwach wurden, stellte die Energie der Offiziere schnell die Ordnung wieder her.

Regiments- und Bataillonskommandeure kämpften in vorderster Linie. Bei La Sartelle-Ferme verhinderte Hauptmann Freiherr von Stein eine Umgehung der linken Flanke des Regiments. Aufrechtstehend kommandierte er das Feuer seiner 3. Kompanie, welche den angreifenden Franzosen starke Verluste beibrachte. Nachdem Hauptmann Freiherr von Stein durch zwei Schüsse verwundet war, musste er die Führung seiner Kompanie abgeben. Als auch Leutnant Schärfe und Offizierstellvertreter Zeh verwundet, Offizierstellvertreter Miller gefallen war, behielt Leutnant Eckardt das Kommando und gab durch seine Tapferkeit seinen Leuten ein hervorragendes Beispiel. Mitten unter seinen Maschinengewehren fiel der besonders heldenmütig kämpfende Hauptmann Freiherr von Buddenbrock durch Kopfschuss. In kürzester Zeit hatte er es verstanden, sich das Vertrauen seiner Leute zu erwerben. Der Heldentod dieses hervorragend tüchtigen Maschinengewehr-Offiziers bedeutete einen schweren Verlust für das Regiment. Kurz darauf wurde auch Leutnant Rensch verwundet und fast alle Maschinengewehre außer Gefecht gesetzt.

Von allen Kompanien kamen gegen Mittag Meldungen über schwere Verluste und Mangel an Munition. Die Patronen wurden trotz des heftigen Feuers im Galopp vorgezogen und trotz mancher Verluste kam die Munition nach vorne. Besonders zeichnete sich hierbei der Vizewachtmeister Schuldt, der spätere Leutnant und Verpflegungsoffizier des I. Bataillons aus. Er fuhr mit einem Patronenwagen bis dicht an die Schützenlinie und kam ohne Verluste zurück. Er erhielt für diese tapfere Leistung das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Es kam eine Meldung des Bagageführers, mindestens ein feindliches Bataillon stände im Rücken des Regiments. Aber auch jetzt wurde die letzte Reserve des Regiments, 1 1/2 Kompanien unter Hauptmann von Goetze, nicht aus der Hand gegeben. Später stellten Streifen fest, dass die Meldung falsch sei, nun erst wurde die Reserve in die der Unterstützung so bedürftige vorderste Linie eingesetzt.

Der Regimentskommandeur, Oberstleutnant von Pfeil, war etwa 7:45 Uhr vormittags bei dem Versuche, einen Gefechtsstand zu finden, der bessere Übersicht bot, verwundet worden. Die Führung des Regiments hatte Major von Westernhagen übernommen. Auch Major von Busse war so schwer verwundet, dass er noch in der Nacht starb.

Während das Regiment seit dem frühen Morgen in ununterbrochenem schwersten Kampf die entscheidenden Höhen östlich Yoncq behauptete, vollzog sich in unserem Rücken bei Mouzon der ungestörte Übergang des XVIII. Reserve-Armeekorps, dessen Regimenter nach und nach rechts von Reserve-Infanterie-Regiment 116 in die Schlacht eingriffen. Eine gewisse Erleichterung wurde vor allem durch das Nachlassen des feindlichen Artilleriefeuers vorübergehend gespürt, aber die Aufgabe des Regiments war noch nicht erfüllt. Immer von neuem versuchte der Feind das Regiment zurückzuwerfen, gelang es ihm, stand der Feind in der Flanke der bisher über die Maas übergegangenen deutschen Teile, verhinderte den weiteren Übergang und stellte den Ausgang der Schlacht in Frage. Allen noch kämpfenden Offizieren des Regiments war dies klar geworden. Viele waren es allerdings nicht mehr, von den elf eingesetzten Kompanien hatten nur noch drei ihre Führer, die anderen waren gefallen oder verwundet. Mehrere Kompanien waren schon ohne jeden Offizier, dementsprechend waren die Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften. Die Kräfte des seit Stunden im schwersten Feuer kämpfenden Regiments spannte sich bis zum äußersten. Als aber schließlich wieder die Munition ausging, die Verluste immer größer wurden, Reserven nicht mehr zur Verfügung standen, wurde der Widerstand schwächer. Erneute Angriffe abzuwehren hatte das Regiment kaum noch Kraft. In Erkenntnis dieser Lage ritt der Regimentsadjutant, Oberleutnant von Ilsemann, so schnell als es die Kräfte seines verwundeten Pferdes erlaubten zum Kommandierenden General, der am Südwestausgang von Mouzon die Schlacht leitete. General von Steuben, der wusste, dass durch den Verlust der Höhen, auf denen Reserve-Infanterie-Regiment 116 kämpfte, der Schlachterfolg der Armee in Frage gestellt war, tat sofort alles, was dem schwerblutenden Regiment Erleichterung bringen konnte. Er schickte Munition, ließ das Feuer der schweren Feldhaubitzen auf den dem Regiment gegenüberstehenden Feind lenken und befahl schließlich seiner Reserve, dem Reserve-Infanterie-Regiment 88, dem Reserve-Infanterie-Regiment 116 zur Hilfe zu eilen. Im entscheidenden Augenblick, als das heldenmutig ringende Reserve-Infanterie-Regiment 116 am Ende seiner Kraft war, traf die Hilfe ein. Unter Führung des Oberst von Helldorff wurde ein letzter Versuch der Franzosen, die Schlacht zu ihren Gunsten zu entscheiden, vereitelt.

Die linke Seitendeckung, 5. Kompanie, hatte am Südrand des Bois de l’Hospice von einer Kavallerie-Offizierstreife die Meldung erhalten, der Waldrand bei Arbre de la Belle Epine sei vom Feinde stark besetzt. Hauptmann Leßner entwickelte einen Zug und ließ ihn gegen den Feind vorgehen, mit den beiden anderen Zügen wollte er den rechten Flügel des Feindes vom Steilhang an der Maas aus umfassen. Der zur Erkundung vorgeschickte Leutnant der Reserve Rindfuß stellte aber starke feindliche Abteilungen zwischen Beaumont und Letanne, also in der linken Flanke der Kompanie fest, die Absicht des Hauptmann Leßner war also unausführbar. Die Kompanie nistete sich am Steilhang an der Maas ein und trat in das Gefecht, das trotz starker Verluste und Munitionsmangel bis zum Nachmittag durchgeführt wurde. Als dann der Feind mit vier Kompanien und Maschinengewehren gegen die 5. Kompanie vorging, ging die Kompanie im Gefecht zum Nordrand des Bois de l’Hospice zurück. Hier blieb Leutnant Rindfuß als Nachhut, der mit den letzten Patronen den Gegner fernhielt und den Abzug seiner Kompanie deckte, die gegen Abend das Regiment wieder erreichte. 20 Mann des zuerst entwickelten Zuges, die zu tapfer nach vorn durchgegangen waren, wurden vom Feinde umzingelt und später gefangen. Außerdem hatte die Kompanie 61 Mann an Toten und Verwundeten verloren. Leutnant Daubers war durch Schrapnellkugel schwer verwundet. Leutnant Leßner, der durch Granatsplitter am rechten Schienbein verwundet war, behielt die Führung der Kompanie. Beim Gehen stützte ihn sein treuer Entfernungsschätzer, Unteroffizier Heinrich Rasch aus Freiensteiner.

Das Regiment hatte seine Aufgabe erfüllt, das XVIII. Reserve-Armeekorps und das ihm folgende VI. Armee-Korps hatten ungestört vom Feinde den Maasübergang durchgeführt. Aber die Erfüllung des Auftrages hatte schwere Opfer gekostet! Von dem Offizierskorps und den etwa 3.000 Mann des Regiments sammelten sich am Abend beiderseits der Straße Mouzon – Beaumont 6 Offiziere 600 Mann! Durch die Artilleriebedeckung, Seitendeckung, Versprengte usw. erhöhte sich zwar dann die Gefechtskraft auf 1.000 Mann, aber fast 2/3 hatte das Regiment verloren!

Andere Teile der Division hatten das westlich des Schlachtfeldes des Regiments liegenden Dorfes Yoncq genommen, hatten aber über das Dorf und den nordöstlich des Ortes liegenden Wald hinaus nicht vordringen können.

Gefallen waren die Hauptleute Freiherr von Buddenbrock-Hettersdorf und Diehm, die Leutnants Lung, Todt, Castringius, Boge, die Offizierstellvertreter Barth, Nerger, Müller, Jung, Preuß, Rauff. Der schwer verwundete Major von Busse starb in der Nacht 28./29. im Feldlazarett Mouzon. Verwundet waren Oberstleutnant von Pfeil, die Hauptleute Freiherr von Stein zu Nord- und Ostheim, Bader, Freiherr Raitz von Frentz, Goepel, Ulrichs; die Oberleutnants Weimer, Waldeck, Freiherr von Lyncker, Quade, von Mentz; die Leutnants Huhn, Rausch, Daubes, Trümper, Hosch, Warnke, Eckhardt; die Offizierstellvertreter Zeh, Thielert (gestorben 01.09.), Saxer, Berger, Malzan. Die Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften lassen sich nur noch nach den Stammrollen feststellen. Beim III. Bataillon waren sie so stark, dass die noch kampffähigen auf die Kompanien des I. und II. Bataillosn verteilt wurden..“

Man begrub Eugen Fischbach auf dem Soldatenfriedhof Noyers-Pont-Maugis in Block A, Grab 98.

Die Todesanzeige für Eugen Fischbach im Gießener Anzeiger vom 19.09.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Vizefeldwebel Otto Rohn

Der Soldat Otto Rohn stammte aus Ruppertenrod, einem Ortsteil der mittelhessischen Gemeinde Mücke. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Vizefeldwebel in der 1. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 08.07.1916 starb er im Theater-Lazarett in Montmédy, nachdem er zuvor am 25.06.1916 während der grausamen Schlacht um Verdun nahe des Forts Vaux, Fort Souville und des Herbebois durch Granatschuss schwer verwundet worden war.

Man begrub Otto Rohn auf dem Soldatenfriedhof Montmédy in Block 1, Grab 72.

Die Todesanzeige für Otto Rohn im Gießener Anzeiger vom 18.07.1916

Sonderbeitrag: Heinrich Braun, 116. Reserve-Infanterie-Regiment

Der Soldat Heinrich Braun wurde am 15.01.1887 in Daubringen geboren, einem Ortsteil der hessischen Stadt Staufenberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann und Musketier in der 5. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 24.09.1914 wurde er bei Servon an der Marne schwer verwundet. Am 02.12.1914 verstarb er im Alter von 27 Jahren im 2. Reserve-Lazarett in Trier an seinen Wunden. Die Regimentsgeschichte berichtet irrtümlich, er sei an einer Krankheit gestorben.

Über den Tag und die Umstände seiner schweren Verwundung berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Reserve-Infanterie-Regiments:

„24.09.1914 Morgens Befehl zum Erneuern des Angriffs. Reserve-Infanterie-Regiment 116 auch in vorderster Linie. 12 Uhr soll ohne Rücksicht auf die Nachbarn angetreten werden. Sofort setzt heftiges feindliches Artilleriefeuer ein, I. gewinnt Gelände, II. nicht. Abends Befehl, nach Absuchen des Gefechtsfeldes in die alte Stellung zurückzugehen. Verluste: 8 Offiziere und Offizierstellvertreter. Gefallen Offizierstellvertreter Ringen; verwundet Oberleutnant der Reserve Ockel, Oberleutnant der Landwehr Sprengel, Leutnant der Reserve Stimmel, Schemenski, Offizierstellvertreter Handwerk, Schürmann, Anton. Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften: 30 tot, 104 verwundet. Die Gefechtsstärke des Regiments beträgt noch 15 Offiziere, 1.094 Unteroffiziere und Mannschaften. Ausgerückt war das Regiment mit 71 Offizieren, 2.852 Unteroffizieren und Mannschaften.“

Man überführte den Leichnam von Heinrich Braun in seinen Heimatort Daubringen und begrub ihn dort auf dem örtlichen Friedhof. Das Grab wurde inzwischen eingeebnet. Seinen Grabstein setzte man vor das Kriegerdenkmal um.

Grabstein von Heinrich Braun

Sonderbeitrag: Leutnant Friedrich Rodrian

Der Soldat Friedrich Rodrian stammte aus der Gemeinde Bechtheim im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz. Im Ersten Weltkrieg kämpfte als Leutnant der Reserve und Adjutant in der 5. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiment. Am 31.01.1918 fiel er in Frankreich während der Kämpfe bei St. Quentin und an der Oise an der Aisne bei Coucy-le-Château-Auffrique.

Die Lage des Grabes von Leutnant der Reserve Friedrich Rodrian ist nicht zu ermitteln. Vermutlich wurde er in die Heimat überführt und auf seinem Heimatfriedhof begraben.

Gruppenfoto mit Leutnant der Reserve Friedrich Rodrian (rechts außen) vom 116. Reserve-Infanterie-Regiment

Die Gefallenen vom Kloster Arnsburg – Teil 1: Adolf Ebersohn

Auf dem Soldatenfriedhof im ehemaligen Kreuzgang des Kloster Arnsburg liegen auch einige Gefallene des Ersten Weltkriegs. Diese werde ich in den nächsten Tagen vorstellen.

Der Soldat Adolf Ebersohn wurde am 14.02.1886 in der hessischen Stadt Hungen geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist in der 5. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiment. Am 24.11.1918 verstarb er nach schwerer Verwundung in Nordfrankreich im Alter von 32 Jahren in seiner Heimatstadt Hungen.

Man begrub Adolf Ebersohn auf dem Soldatenfriedhof Lich-Arnsburg in Grab 22.

In seiner Heimatstadt Hungen gedenkt man Adolf Ebersohn noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2013/hungen_lk-giessen_wk1_hs.html

Der Grabstein von Adolf Ebersohn
Das Grab von Adolf Ebersohn