Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.886: Heinrich Eimansberger

Der Soldat Heinrich Eimansberger wurde am 20.02.1886 geboren und stammte aus Standkirchen, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Weyarn, und war der Sohn eines Landwirts (Feichtsohn). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 3. Kompanie des bayerischen Infanterie-Leib-Regiments (die Angabe auf dem Sterbebild, er sei im Stab des I. Bataillons eingesetzt worden, ist wahrscheinlich falsch). Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und mit dem bayerischen Militär-Verdienstkreuz 3. Klasse mit Krone und Schwertern ausgezeichnet. Am 25.04.1918 fiel er im Alter von 32 Jahren nach 34 Monaten Kriegsdienst während der Schlacht um den Kemmelberg.

Über den Todestag und die Todesumstände von Heinrich Eimansberger berichtet die Regimentsgeschichte des bayerischen Infanterie-Leib-Regiments:

„Um 1 Uhr vormittags des 25. April hat II./L., um 2.15 Uhr vormittags III./L., um 3 Uhr vormittags I./L. seine Bereitstellung beendet. Beim Feind ist eine starke Nervosität unverkennbar. Er hat gegenüber II./L. offenbar im Schutze seines abendlichen Sperrfeuers seine Sicherungen weiter als sonst vorgetrieben. Seit Mitternacht nimmt auch seine Artillerietätigkeit zu, und insbesondere die Flankierungsbatterie aus Richtung Dranoeter fasst die bisherigen Gräben von II./L. Der Franzose unterhält ein dauerndes Postenfeuer und Maschinengewehr-Feuer, verschießt auch viele Gewehrgranaten und erleuchtet sein Vorfeld ständig mit Leuchtkugeln. Beim II./L., das sich erst eingräbt, entstehen nicht unbedeutende Verluste. Der Kompanieführer 5./L., Leutnant der Reserve Kammerer, wird durch Bauchschuss schwer verwundet. Der Ordonnanzoffizier beim Bataillonsstab, Leutnant der Reserve Maerz, übernimmt die Führung der Kompanie. Bis um 3 Uhr vormittags sind bei den Bataillonen vorderer Linie eingetroffen: beim III./L. ½ Zug Pionier-Kompanie 283, 4 Flammenwerfer; beim II./L. 1/3 Regiments-Pionier-Kompanie mit Kompanieführer, 1/3 Regiments-Minenwerfer-Kompanie (Zug Kübler) – 4 Flammenwerfer. Hinter III./L. können zwei mittlere Minenwerfer der Minenwerfer-Kompanie 175 in Stellung gehen.

Der aufgegangene Mond leuchtet schwach durch den Nebel.

Um 3.30 Uhr vormittags beginnt die deutsche Artillerie mit der Vergasung des Kemmel-Nordhangs, der Barackenlager, Schluchten und Batteriestellungen nördlich des Kemmel. Die Geschosse von 18 Feldbatterien mit durchschnittlich 2.000 Schuss und 10 mittleren Batterien mit 600 Schuss rauschen über unsere Köpfe. Die Windrichtung ist ungünstig; die sich über den Kemmelberg zurückwälzenden weißen Gaswolken fließen bis in den Douvebachgrund ab und zwingen auch die zum Sturm Bereitliegenden zum Aufsetzen der Gasmasken. Zunächst steigert sich das feindliche Artilleriefeuer, und auch von den Kemmelhängen setzt lebhaft Maschinengewehr-Feuer ein. Der Gasbeschuss dauert zwei Stunden. 6 Uhr vormittags wandelt sich das fast lautlose Gasschießen in Brisanzfeuer. Den 23 Feldbatterien im Alpenkorpsstreifen stehen für eine Stunde Wirkungsschießen je 600 Schuss, den 22 mittleren und schweren Steil- und Flachfeuerbatterien 240 – 90 Schuss zur Verfügung. Am Sturmreifschießen sollten sich auch 23 mittlere und 12 leichte Minenwerfer beteiligen, doch dürfte nur ein Bruchteil dieser Formationen bis in seine Feuerstellungen gelangt sein. Im Brisanzfeuer lässt die französische Infanterie- und Maschinengewehrtätigkeit ganz merklich nach, und vor allem die Maschinengewehre an den Kemmelhängen verstummen zunächst gänzlich. Es ist kurz vor 7 Uhr morgens, die Rauch- und Staubentwicklung ist eine ganz gewaltige, und – da es schon heller Tag sein sollte – herrscht um den Kemmel eine trübe Dämmerung, aus der nur die rote Explosionsflamme matt aufleuchtet.

Endlich ist der in fieberhafter Spannung erwartete Augenblick da. Es ist Schlag 7 Uhr und die vorderen Kompanien brechen los. Während sich II./L. teilweise unversehrten Stellungen gegenübersieht und dort sofort ein erbitterter Infanteriekampf einsetzt, haben im Angriffsstreifen vin III./L. Artillerie, Minenwerfer und die Gewehre der 3. Maschinengewehr-Kompanie vorzügliche Vorbereitungsarbeit geleistet. Geschickt sich dem Gelände anpassend stürmen die 9. und 10. Kompanie voraus. Der Bataillonsstab folgt mit der 11. Kompanie (Leutnant Freiherr M. von Godin) unmittelbar der 9. Kompanie.

Gleich beim Antreten erhält die 9. Kompanie heftiges Feuer von vorne und von rechts. Sofort schwenkt der rechte Zug rechts ein und nimmt mehrere Maschinengewehr-Nester im ersten Anlauf. Dann dringt die Kompanie, ohne wesentlichen Widerstand zu finden, unter der Gunst der Rauch- und Staubentwicklung in die Unterstandgruppen am Kemmelfuß ein und folgt fortan einem Hohlweg, der sich in Richtung auf den Kemmelturm hinaufzieht.

Die 10. Kompanie (Führer Leutnant der Reserve Großblotekamp) ist links neben der 9. zum Sturm angetreten. Mit den Zügen Weigand und Korb in erster Linie erreicht sie, ohne viel Widerstand zu finden, im ersten Anlauf den Bahndamm. Hier geht ein Teil der französischen Besatzung über, bergan flüchtende Franzosen werden wirksam mit Gewehr- und Maschinengewehr-Feuer gefasst. Der rechte Teil der 10. behält den Anschluss an die 9., dagegen sind die über offenes Acker- und Wiesenland vorgehenden Teile bald im flankierenden Feuer, das aus den Blockhäusern am Kleinen Kemmel aus 400 – 500 Meter Entfernung über die Feuerwalze hinüber entgegenschlägt. Mit Unterstützung eines Zuges der 3. Maschinengewehr-Kompanie wird der Feuerkampf auf halbem Kemmelhang zunächst aufgenommen; als aber II./L. und Teile der hinter der 10. Kompanie folgenden 12. die Blockhäuser im Nahkampf umschließen, lösen sich die Züge Korb und Bürger der 10. aus dem Feuerkampf, und alle Teile der Kompanie können der Angriffsbewegung der 9. folgen.

Unter der entschlossenen, tapferen Führung und mitreißenden Haltung des Oberleutnant der Reserve von Ruckteschell dringt die 9. Kompanie unaufhaltsam vorwärts. Französische Stollenbesatzungen, die den Hohlweg selbst und Stellungen im Walde besetzen sollen, werden aufgerollt. Ein starkes Maschinengewehr-Nest auf 2/3 Höhe wird von zwei Seiten angegriffen und im Handgranatenkampf erledigt. Ohne Aufenthalt geht es weiter, immer dicht hinter der Feuerwalze her, Noch einmal stellt sich der Gegner in stark besetzter Stellung unterhalb des Kemmelturms. Schießend arbeiten sich die Züge der 9. heran. Da bricht auch dieser letzte Widerstand zusammen. Ein Teil ergibt sich, ein anderer flieht, und um 8.05 Uhr vormittags erreicht die 9. Kompanie mit den letzten Granateinschlägen den Kemmelturm, eben rechtzeitig, um feindliche Reserven abzuwehren, die im Begriffe waren, den Grat wieder zu besetzen. Die starken Unterstände unmittelbar am Gipfel werden mit Handgranaten gesäubert. Der Große Kemmel ist genommen, die Bresche geschlagen, und als wenige Minuten nach der 9. Kompanie die links anschließende 10. den Gipfel erreicht und ihre Züge den Kemmelrücken überschreiten, steigen, den gelungenen Sturm kündend, Leuchtzeichen empor, und mitten unter ihnen schießt eine Brieftaube mit der Siegesmeldung des Bataillons-Kommandeurs davon. Wesentlich zum Erfolg der Infanterie hat die 3. Maschinengewehr-Kompanie (Führer: Leutnant der Reserve Boehmer) beigetragen. Ihre Züge sind aufgeteilt. Der 1. Zug ist in vorderster Linie mit der 9. Kompanie angetreten; die beiden anderen sind unmittelbar hinter ihr gefolgt. Die eigenen Linien überschießend halten sie von immer neuen Stellungen aus den Gegner an den Kemmelhängen nieder und helfen so in trefflichem Verfahren wechselnder Feuerunterstützung der 9. und 10. Kompanie beim Vorgehen. Der 3. Zug stößt im Vorrücken auf einen feindlichen Unterstand, dessen Besatzung den Widerstand nicht aufgeben will. Mit Handgranaten, die Leutnant der Reserve Mitterer mit einigen Leuten in den Eingang wirft, wird sie außer Gefecht gesetzt und ergibt sich. Sobald jeweils die Gewehre der nachfolhenden Maschinengewehr-Abteilung 205 die Ziele der 3 Maschinengewehr-Kompanie übernommen haben, sucht diese wieder Anschluss an die stürmenden Kompanien, um von neuer Stellung aus den Gegner niederzukämpfen.

Der Kemmel um 1918

Die 12. Kompanie (Führer Leutnant Schoener) folgt zunächst in Reihenkolonnen der 10. dicht auf, dringt dann in die Talsenkung zwischen Großem und Kleinem Kemmel und in die dortigen Barackenlager ein, entzieht sich dadurch, dass sie der Tiefenlinie folgt, der Maschinengewehr-Wirkung aus der Blockhauslinie am Kleinen Kemmel. Noch im toten Winkel steigt sie links drehend gegen den Sattel zwischen beiden Hügeln hinan, um das heftige Maschinengewehr-Feuer gegen die Flanke des III./L. auszuschalten, und versucht mit dem Zug Bernhard Freiherr von Pechmann und einem Flammenwerfer einen entschlossenen Angriff auf die Blockhauslinie, der nicht gelingt. Franzosen, die von der Nordseite des obersten Kemmelrückens heraneilen, geraten ins Feuer der 12./L. und erleiden schwerste Verluste. – So sind Teile der 12. in den Gefechtsstreifen des II./L. gelangt. Als aber II./L. dicht an der Blockhauslinie liegt, löst sich die 12. aus dem Kampf, zieht sich in Reihenkolonne im toten Winkel um den Großen Kemmel und folgt ihrem Bataillon, das bereits im Abstieg am Nordhang begriffen ist.

Wesentlich zäher als bei III./L. entwickelt sich von Anfang an der Angriff beim II. Bataillon. Kurz vor 7 Uhr vormittags fallen mehrere schwere Geschosse – offenbar eigene mittlere Minen – in die Trichter der 5. Kompanie und bringen schwere Verluste. Da das Minenfeuer gleich unglücklich liegen bleibt, ist ein Teil der Kompanie zum Ausweichen nach der Seite und rückwärts gezwungen. Bei der Bergung der verschütteten Kameraden im feindlichen Feuer zeichnet sich Sanitäts-Sergant Huber der 5./L. besonders aus. Die Bewegung der 5./L. entgehen den nahen französischen Postierungen nicht, die mit Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer lebhaft einsetzen.

Auch die erste Welle der 6. Kompanie, die wenige Minuten vor 7 Uhr sich näher an die Wirkungsgrenze der Feuerwalze heranarbeiten will, wird sofort mit Maschinengewehr-Feuer gefasst, der Zugführer, Leutnant der Reserve Bierling, fällt, der Zugführer, Leutnant der Reserve Kohl, wird schwer verwundet und mit ihnen eine ganze Anzahl ihrer Leute. Auf der ganzen Front des II./L. ist also noch vor Sturmbeginn der Infanteriekampf heftig entbrannt. Durch das sofort vorzüglich sitzende Feuer des Minenwerferzuges Kübler und durch den Einsatz der 2. Maschinengewehr-Kompanie (Führer: Leutnant von Stettner) gehen die französischen Stützpunkte – zwei Bauernhäuser, die noch unversehrt vor der Feuer- und Rauchwand der bereits beginnenden Feurwalze aufragen – bald in Trümmer, die Reste der französischen Besatzung, 70 – 90 Mann, kommen dem nun vorstürmenden Bataillon bereits mit erhobenen Händen entgegengelaufen. Aber die Maschinengewehre vom Kemmelhang haben den Angriff erkannt und feuern über die Feuerwalze hinweg den Stürmenden entgegen. An der Feldbahnlinie am Fuß des Kemmel schließt das ganze Bataillon wieder dicht auf; im Vorgehen wird neuerlich die Sturmeinteilung getroffen.

Am Kemmelfuß werden noch einmal zwei Widerstandsnester, die sich gut hielten, genommen. Dann begegnen die neugeordneten Linien schwierigeren Vormarschverhältnissen. Der niedere und stark verdrahtete Buschwald wurde in dem vorangegangenen Vernichtungsfeuer zum dichten Verhau, in dem die Patrouillen kaum vordringen. Ein Hohlweg, der gerade bergan führt, saugt daher die Kompanien geradezu auf. Zug Dusold der 8., dann 5. und 6. drängen in diesem Hohlweg aufwärts. Zweimal versuchen französische Stollenbesatzungen Widerstand, und es gelingt ihnen sogar, noch Maschinengewehre in Feuerstellung zu bringen; im Handgranatenkampf und Handgemenge wird aber rasche Entscheidung herbeigeführt. 7./L. und der Rest 8./L. gehen getrennt von der Gruppe im Hohlweg über die Abhänge vor. Als die Feuerwalze um 7.40 Uhr vormittags über den Rücken des Kleinen Kemmel springt, ist eine erste Welle aus Mannschaften der Regiments-Pionier-Kompanie und der 8./L. nahe am Erfolg. Beim Sprung über die 40 – 50 Meter offenes Ackerland, das die Betonblockhäuser umgibt, setzt aber Dauerfeuer aus zahlreichen Maschinengewehren ein, und alle Handgranaten- und Flammenwerferangriffe, die sofort und entschlossen geführt werden, scheitern an den dichten und beinahe unversehrten Hindernissen, die die Blockhauslinie umgeben, auf ein paar Meter Entfernung. Um diese Zeit liegt noch am Kemmelhauptgipfel das zusammengefasste Feuer von 11 Steilfeuerbatterien, während kaum 200 Meter davon entfernt fünf Betonblöcke aus Schießscharten, die dicht über dem gewachsenen Boden liegen, Maschinengewehr-Dauerfeuer sprühen. – Da nunmehr dieses Feuer alle Abhänge peitscht, werden alle Teile des II./L. in die Holhlwegkreuzung auf 100 Meter von den Blockhäusern als der einizigen Deckung zusammengedrängt, und es entsteht eine nicht unbedenkliche Anhäufung von Kräften auf engstem Raum. Der Bataillonsführer, Hauptmann von Prancky, bespricht sich kurz mit dem Führer der 12./L., und diese zieht sich dann aus dem Kampf im fremden Streifen. Als um 8.05 Uhr III./L. den Großen Kemmel überschreitet, stockt der Angriff bei II./L. völlig.

Am Hang des Kleinen Kemmel – Hohlweg

Der unerschütterte und sofort nach dem Wegrollen der Feuerwalze wieder bereite Feuerwiderstand des Verteidigers erklärt sich daraus, dass die Blockhauslinie und die sonstigen Verteidigungsanlagen am Kleinen Kemmel aller Erkundung entgangen waren, dass sie weder als ein besonderes Ziel für Zerstörungsfeuer, noch auch im Gang der Feuerwalze berücksichtigt waren. Die fünf, durch scharf eingeschnittenen, über mannstiefen Graben verbundenen Blockhäuser zeigten nach der Einnahme auch nur an einer einzigen Wand einen Volltreffer, die vier am höchsten und beherrschendsten gelegenen waren völlig unversehrt. Die Betonwände und Decken waren über 1 Meter stark, die Blockhauslinie selbst vollkommen von einem auch nach dem Angriffsfeuer beinahe unversehrten breiten Drahthindernis umgeben. Über die ganzen Anlagen (Blockhäuser – Verbindungsgraben – Hindernis) war zudem ein Drahtgeflecht mit eingeknüpften grünen und braunen Lappen gezogen, wohl in der auch erreichten Absicht, eine Feststellung aus der Luft unmöglich zu machen. Bei den Handgranatenkämpfen und den Versuchen, die Blockhauslinie im Grabenkampf aufzurollen, kam dieses Drahtgeflecht, unter dem sich zum Teil die Kämpfe auf ein paar Schritte Entfernung abspielen mussten, dem Verteidiger sehr zu nutzen.

I./L. hat seine Bereitstellung nahe hinter dem III./L. um 3 Uhr vormittags beendet und bereits im Laufe der Nacht einige Verluste durch Artilleriefeuer erlitten. Es folgte als Bataillon zweiter Linie, im wesentlichen im Angriffsstreifen des III./L. Im Augenblick des Antretens wird es von einer Sperrfeuerlinie gefasst. Der Kommandeur, Hauptmann Graf Holnstein, fällt durch einen Granatsplitter ins Herz getroffen, als er eben das Zeichen zum Vorgehen gibt. Das Regiment verliert mit ihm, der seit dem Ausmarsch alle Kämpfe mitgefochten hat, wiederum einen besonders bewährten, ebenso tüchtigen wie beliebten älteren aktiven Offizier. Der Kompanie-Führer der 3. Kompanie, Leutnant der Reserve Halt, wird schwer verwundet. Die Kompanien durchlaufen das Sperrfeuer. Rittmeister von Spies übernimmt die Bataillonsführung. Den Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer, das voim Kleinen Kemmel herüberschlägt, weicht das Bataillon in den Hochwald aus, und es erreicht beinahe ohne weitere Verluste die Höhenlinie schon bald nach dem III./L. Der Regimentsstab ist in der Bereitstellungszeit vorwärts der Ferme Alouette gestanden und mit Sturmbeginn vorgerückt. Ein Meldekopf ist dicht an den Bereitstellungsraum des II./L. herangeschoeben, die 1. Kompanie als Meldeläuferkette dorthin mit Teilen eingesetzt. Bald nach Sturmbeginn schlägt ein schwerer Volltreffer ein und tötet den Regiments-Arzt, Oberarzt der Reserve Tröger, den Leutnant der Reserve und Ordonanzoffizier Dressel der 2. Maschinengewehr-Kompanie und den Führer des Regimentsnachrichtenzuges, Offiziers-Stellvertreter Gerstner. Der Regimentsstab folgt zunächst im Angriffsstreifen des II./L.; als aber dieses aus dem Hohlweg nicht mehr vorwärts kommt, geht der Regimentskommandeur in den Angriffsraum des III./L. und erreicht die Höhe beim Kemmelturm, wo er verbleibt, bis der Kampf um die Hügel endgültig entschieden ist. Die 1. Kompanie hält mit Meldeläuferketten die Verbindung mit den Bataillonsstäben aufrecht, nicht ohne Verluste zu erleiden.

Ab 8.20 Uhr vormittags sind beim Regiment zwei Hauptkampfgruppen zu unterscheiden, die getrennt und beinahe ohne Zusammenhang fechten. II./L. ist auf nächste Entfernung an die Blockhauslinie angerannt, wird von dieser festgehalten und verliert so bald jeden Zusammenhang mit den erfolgreicher vorstürmenden Teilen des Regiments. Dagegen ist III./L. der Einbruch in die Hauptwiderstandslinie voll gelungen. Damit ist die Entscheidung gefallen. I./L. folgt dem glücklich vorwärts dringenden III./L. und schließt am Kemmel auf.

Der Anblick, der sich nach der Erstürmung des Großen Kemmel vom Gipfel aus bietet, ist überwältigend großartig. Der Gegner scheint voller Auflösung zu sein. In westlicher und nordwestlicher Richtung, wohin immer das Auge frei zu sehen vermag: Feind in aufgelöster Bewegung, marschierende Kolonnen, größere und kleinere Trupps teils zurückflutend in Richtung Loker und Scherpenberg, teils in gegenläufiger Bewegung in Richtung auf den Kleinen Kemmel. Von hier her ertönt noch wilder Gefechtslärm. Major Graf Bothmer nützt den Erfolg seines Bataillons sofort aus. Ein Zug der 11. Kompanie unter Leutnant der Reserve Mooseder erhält den Befehl, flankierend in den Kampf bei II./L. einzugreifen, der um den Kleinen Kemmel tobt. Die Maschinengewehre der 3. Maschinengewehr-Kompanie feuern in den zurückflutenden Gegner, wo immer sie ihn fassen können. Die 9. und 10. Kompanie werden zur Verfolgung angesetzt. Die 12. Kompanie erhält den befehl, mit Anschluss an die 9. und 10. die Sicherung der linken Flanke zu übernehmen. Immer noch ist der Anschluss an die Feuerwalze nicht aufgegeben. Aber die Verfolgung gestaltet sich wesentlich schwieriger, als es zunächst den Anschein hatte. Das Bataillon, durch seinen Sieg wie ein Keil in die Stellung des Feindes hineingetrieben, während zu beiden Seiten noch schwer gekämpft wird, sieht sich bald von links und rechts flankiert und überdies leistet der Gegner an den bewaldeten Nordabhängen des Kemmel noch Widerstand. Mit größter Entschlossenheit wird der Kampf gegen die einzelnen Widerstandsnester und Unterstandsbesatzungen geführt, und feindliche Unterstützungen werden in raschem Angriff überrascht und erledigt. So wird die Straße Deraet – Kemmel-Dorf bei Letteberg erreicht. Da erhalten die vorgestoßenen Kompanien starkes Flankenfeuer von rechts. Dort sind erhebliche Teile des Gegners, im Feuerkampf massierte Reserven, die hinter der Rückfallkuppe 97 bereitliegen. Vor dieser Kuppe stehen in scharfem Feuergefecht die preußischen Jäger. Sofort wird auch unsererseits der Feuerkampf aufgenommen. Vernichtend jagen die Maschinengewehre der 3. Maschinengewehr-Kompanie ihre Garben in den überraschten Gegner. Nicht lange dauert es und er verlässt fluchtartig seine Stellungen. Nun haben auch die Jäger Luft bekommen. Höhe 97 wird von ihnen genommen, und einige Jägerkompanien erreichen bald die genannte Straße. Da vom Kleinen Kemmel immer noch heftiger Gefechtslärm herüberschallt, setzt Major Graf Bothmer starke Stoßtrupps an und zwar außer dem schon vorher entsandten Zug Mooseder der 11. noch einen Zug der 12. Kompanie gegen den Rücken des vor II./L. noch haltenden Gegners; außerdem wird auch ein Zug der 4./L. hier eingesetzt. Am Nordwesthang des Großen Kemmel geraten alle diese Einheiten in ungemein heftige Nahkämpfe im Buschwald.

Sobald die Jägerkompanien angeschlossen sind, wenden sich die 9. und 10./L. und 3. Maschinengewehr-Kompanie nach links und treffen auf starke englische Kräfte, die eben in mehreren Linien über Deraet auf den Kleinen Kemmel vorgehen. In wildem Angriff und mit vorzüglicher Maschinengewehr-Wirkung in der Flanke angefallen, werden die Engländer aufgerollt und unter schwersten Verlusten zur Flucht in Richtung auf die Lager bei Bruloose gezwungen. Auch zwei englische Kompanien, die beim Burggravehof in Stellung gehen wollen, werden angegriffen und die ausgedehnten Barackenlager von Versprengten gesäubert. Maschinengewehre vermögen das ganze offene Ackerland bis zu den Bahndämmen vor Brulooze zu beherrschen und jeden Versuch zu neuem Widerstand sofort zu brechen. Die 9. und 10./L. folgen im allgemeinen nun der nack Loker führenden Straße und können um die Mittagszeit mehrere feindliche Linien, die noch vor der Front der 4. bayerischen Infanterie-Division halten, zurückdrücken und mehrere Widerstandsnester vernichten. Der enge Anschluss an die Nachbardivision lässt sich am Südende der Barackenlager von Brulooze herstellen; bis nach Loker hin scheinen alle feindlichen Truppen aufgelöst und vertrieben zu sein. Die 12. Kompanie hat inzwischen von Major Graf Bothmer Befehl erhalten, über die Lager beim Burggravehof in nordwestlicher Richtung vorzustoßen und weiterhin für das III. Bataillon Anschluss und Richtung zu geben; dichtauf folgt die 11. Kompanie. Westlich des Barackenlagers wird Verbindung mit der 9. und 10. Kompanie aufgenommen; ohne nennenswerten Widerstand wird die Feldbahn bei Brulooze erreicht, an der ein Maschinengewehr-Überfall auf schanzende Franzosen gelingt, die auf der Flucht durch das dortige Lager verfolgt werden. Dabei fällt eine leichte Feldhaubitzbatterie zu sechs Geschützen in Feuerstellung in die Hände des Zuges Pechmann der 12. Kompanie.

Ganze Scharen feindlicher Schützen strömen nun in großer Hast dem Scherpenberg zu. Aber das Bataillon hat das Tagesziel Burggravehof erreicht, ja sogar überschritten. Die gewaltige Feuerglocke der eigenen Artillerie liegt vor dem Scherpenberg und vor Loker. Lange überlegt Major Graf Bothmer, ob er die weitere Verfolgung aufnehmen soll, es wagen soll, mit dem III. Bataillon allein die Feuerglocke zu durchlaufen. Aber vorerst ist das eigene Artilleriefeuer zu stark und macht das Nachstoßen unmöglich.

Ein ganz wesentlicher Teil der Erfolge des III. Bataillons ist der außerordentlichen Führertätigkeit des Majors Graf Bothmer, sowie der tapferen Führer der 9. und 10. Kompanie, Oberleutnant der Reserve von Ruckteschell und Leutnant der Reserve Großblotekamp, zuzuschreiben, die ihre Kompanien zu Höchstleistungen im Angriff und rücksichtsloser Verfolgung mitzureißen verstanden. Die Zugführer Leutnant der Reserve Betz, die Vizefeldwebel Ludwig und Sauer der 9., Leutnant der Reserve Weigand, Vizefeldwebel Bürger der 10., sowie Leutnant der Reserve Mitterer und Vizefeldwebel Kerscher der 3. Maschinengewehr-Kompanie hatten sie dabei in hervorragender Weise unterstützt. Der ununterbrochene Kampf und die dauernde Verfolgung ließen keine Zeit zur Zählung oder Feststellung der Gefangenenzahlen und der Beute an Kriegsgerät. Dass aber die Auflösung mehrerer englischer und französischer Regimenter gelungen war, ist sicherlich keine Übertreibung.

Seit 8.15 Uhr vormittags liegt II./L. mit allen Teilen eng gedrängt im Hohlkreuzweg dicht vor der Blockhauslinie. Zwar kann gegen 9 Uhr Leutnant der Reserve Maerz mit einem Zug der 5. und einer Gruppe der 6. aus dem Gefecht auf nächste Entfernung gelöst werden und seinen Auftrag, um den Großen Kemmel herumgreifend einen Angriff von Nordosten her auf die Blockhäuser zu führen, versuchen. Beim Erkunden einer Feuerstellung für seinen letzten feuerbereiten Minenwerfer fällt Leutnant der Reserve Kübler tödlich getroffen in den Hohlweg zurück. Ein nochmaliger Angriff mit Einsatz des letzten gebrauchsfähigen Flammenwerfers wird in wenigen Sekunden zusammengeschossen.

Flammenwerfer im Einsatz

Kurz nach 9 Uhr setzt aber ein Gegenangriff ein: Über den Hang des Großen Kemmel, den vor einer Stunde die 10. Kompanie ohne Widerstand zu finden überschritt, kommen in dichten Schwärmen Engländer und Franzosen gelaufen, und die Gräben, die dort bisher leer lagen, füllen sich mit entschlossenen Verteidigern. Im Hohlweg, den der Gegenangriff flankiert, entstehen neue schwere Verluste. Es gelingt aber, auf engstem Raum 12 leichte und schwere Maschinengewehre in kürzester Zeit in Stellung zu bringen, und diese erzielen auf 200 – 250 Meter Entfernung eine vernichtende Wirkung. Es dauert nur wenige Minuten, dann fliehen kleine Trupps waffenlos über den Kemmel zurück, die Mehrzahl der Überlebenden läuft aber mit erhobenen Händen den Hang in die Schlucht herab in Gefangenschaft. – Eine später aufgefundene französische Situationsmeldung lässt erkennen, dass ein englisch-französisches Bataillon „Santos“ aus dem Stollen unter dem Großen Kemmel heraus diesen Gegenangriff versuchte.

Als dann wiederum eigene Freiwillige gegen den Kemmelsattel vorspringen, feuert die unversehrte Blockhauslinie, und es gelingt auch jetzt nicht, die 50 Meter offenen Geländes, die vom Erfolge trennen, zu überwinden. – Das an II./L. links anschließende 2. bayerische Jäger-Bataillon steht im heftigsten Kampf um die Gebäude der Louis-Mühle; die Jäger dringen hauptsächlich mit Handgranatenwerfern langsam im verdrahteten Buschwald vor. Es ist etwa 10.30 Uhr, als es dem Hauptmann Freiherr von Pranckh mit Sergant Helliel, Gefreitem Winkler und Leiber Rottmann der 6. glückt, vom linken Flügel des Bataillons aus in die Blockhauslinie einzudringen. Mit Handgranaten und im Grabenkampf auf Schrittentfernung gelingt es, drei Blockhäuser wegzunehmen und damit bis auf den Höhenkamm des Kleinen Kemmel vorzudringen und die französischen Gegenstöße, die im Graben sofort einsetzen, auf ein paar Meter Entfernung abzuschlagen. Aber Dauerfeuer aus Maschinengewehren am Hinterhang des Großen Kemmel und den von Schützen noch dicht besetzten Häusern ostwärts Louis-Mühle lassen ein weiteres Vordringen zunächst nicht zu. Das über die Verbindungsgräben und Betonklötze gezogene Tarnungsgeflecht erschwert den Kampf, bei dem die Handgranate am wirksamsten wäre, ungemein. Die 6. Kompanie (Führer: Leutnant der Reserve Bretschneider) wird dicht an die drei genommenen Blockhäuser herangezogen mit dem Auftrag, den Grabenkampf unablässig zu führen. Die 7. Kompanie, die sich nun im Hohlweg besser rühren kann, bekommt den Auftrag zum entscheidenden Angriff auf den Kemmelsattel. – Der Kompanieführer, Leutnant Freiherr von Ow, einer der schneidigsten jungen Offiziere des Regiments, fällt dabei durch Granatsplitter; Leutnant der Reserve Neubert der gleichen Kompanie wird durch den gleichen Einschlag schwer verwundet.

Seit etwa 9 Uhr vormittags haben sich am Kemmel Nordwesthang, dann auch um die Schlucht hinter dem Kleinen Kemmel die schwersten Kämpfe, die nur von schwachen und vereinzelt fechtenden Zügen der 5., 11. und 4. Kompanie getragen werden, abgespielt. Der Zug Mooseder der 11. Kompanie hat um 8.30 Uhr von seinem Bataillonskommandeur, Major Graf Bothmer, den Auftrag bekommen, gegen Maschinengewehr-Nester am Kemmel-Nordwesthang vorzugehen. Zug Strauch der 4. Kompanie, die beim Gipfel als Sicherungstruppe zurückgeblieben ist, greift dann auch unterstützend ein, und in scharfem Feuerkampf lässt sich nun allmählich der Wald von einer großen Zahl von Widerstandsnestern säubern. Unteroffizier Haugg der 4. hat mit seinem leichten Maschinengewehr daran besonders rühmlichen Anteil. Auch französische Reserven, die mit Front nach Süden an den Hängen des Kleinen Kemmel bereit liegen, können außerordentlich wirksam mit Feuer gefasst werden, und Gegenangriffe, die Franzosen und Engländer aus den Stollenausgängen heraus immer wieder versuchen, lassen sich mühsam abwehren. Bei einem solchen Gegenangriff fällt Leutnant der Reserve Müller der 4. Kompanie. – Ein Zug der 5. mit einer Maschinengewehr-Gruppe der 6. Kompanie unter Leutnant der Reserve Maerz ist im untersten Drittel des Kemmel nach einigen Kampfaufenthalten bis an den Steilrand vorgekommen, der den Ausgang des Kemmelberges beherrscht. Auch hier kommt es zu heftigstem Feuerkampf, besonders als der Feind um 11 Uhr vormittags durch die Schlucht einen verzweifelten Durchbruchsversuch wagt, der im Feuer auf nächster Entfernung blutig zusammenbricht. Gefreiter Obermeier 5./L. und Leiber Laux 6./L. haben mit ihren leichten Maschinengewehren zu diesem Erfolg hervorragend beigetragen. Obwohl die beiden Kampfgruppen nur 2 – 300 Meter von einander entfernt fechten, bemerken sie einander nicht und halten sich für allein und ohne Unterstützung im Umfassungsangriff. Der Buschwald, der vollkommen zerhackt und zertrichtert die Abhänge deckt und eine Übersicht nur auf allernächste Entfernung erlaubt, und der andauernde gewaltige Feuerlärm, der die Schlucht erfüllt, vermögen es zu erklären, dass 1 ½ Stunden lang die beiden Gruppen ohne Kenntnis voneinander fechten. So entgehen auch den Angreifern einige Maschinengewehre, die oberhalb und bereits hinter ihnen und in gleicher Richtung mit ihnen feuern. Es sind vor allem jene, die dem II./L. das weitere Eindringen in die Blockhauslinie und den Vorstoß über den Sattel unmöglich machten. Bald nach 11 Uhr dringen aber Zug Mooseder und Leutnant der Reserve Maerz endgültig ins Lager ein, Leuchtpistolenschüsse und Handgranatenwürfe in die Stolleneingänge beenden den Widerstand. Zuletzt kapituliert ein von einem französischen Offizier bedientes Maschinengewehr, das am Kemmelwesthang nahe am Gipfel noch feuert, als sich die Lagerbesatzung bereits ergeben hat, etwa um 11.30 Uhr vormittags. An Gefangenen wurden im Stollenlager gezählt: ein französischer Oberst, ein englischer Oberst und Brigadeur, 38 weitere englische und französische Offiziere, an die 400 Mann. II./L. hat nun endlich freie Bahn, tritt sofort den Vormarsch an und ordnet seine im Gefecht stark durcheinander´gewürfelten Einheiten. Um 12.30 Uhr nachmittags ist es zwischen Burggravehof und den Lagern von Brulooze versammelt und hinter III./L. bereitgestellt. Der Frontschutz des eigenen Artilleriefeuers liegt feindwärts der Bahnlinie und der Barackenlager, die III./L. mit seinen drei Kompanien erster Linie besetzt hält; der Anschluss an das Jäger-Regiment 2 rechts und bayerisches 5. Infanterie-Regiment links besteht. Vom Feinde sind nurmehr einige Postierungen zu erkennen, und auch sein Artilleriefeuer beschränkt sich auf einige Schüsse aus Feldkalibern im Raume vorwärts des Kemmel. Sein Fernfeuer hinter den Kemmel scheint wesentlich heftiger zu sein. Das I./L. sammelt am Nordwesthang des Kleinen Kemmel, auf dem sich auch Jäger-Regiment 1 bereitlegt.

Rechts vom Alpenkorps hat die 56. Infanterie-Division zwar das Dorf Kemmel genommen, ist über die Ortschaft jedoch nicht wesentlich hinausgekommen. Der rechte Flügel des Alpenkorps ist daher stark zurückgebogen; das hier eingesetzte Jäger-Regiment 2 hat Front gegen Nordnordosten, während die Front des Leibregiments gegen Nordwesten gerichtet ist. Links vom Leibregiment hat die 4. bayerische Infanterie-Division eine Linie Hospiz Loker – Lokerhof erreicht, anschließend biegt die 22. Reserve-Division bis in Gegend Bleugelhoek zurück.

Beim Alpenkorps ist durch die Linksverschiebung des Leibregiments aus seinem Gefechtsstreifen heraus, welche eine Folge der Anziehungskraft des verfolgten Gegners bei Brulooze ist, das Jäger-Regiment 1 fast völlig in die 2. Linie gekommen und liegt mit seinen vordersten Teilen ostwärts und südostwärts Brulooze, mit der Masse westlich und südostwärts des Kleinen Kemmel.

Die ersten Nachmittagsstunden vergehen im Raume nördlich des Kemmel in ganz auffälliger Ruhe. Die Führer in der Front, welche die unverkennbare Unordnung und das gelähmte Widerstandsvermögen des Feindes deutlich vor Augen haben, empfiniden es bitter, ihren Einbruch in den stärksten Teil der feindlichen Front nicht zum Durchbruch ausgestalten zu können. Aber ein Vorgehen über das vorgeschriebene Tagesziel ist seitens der höheren Führung ausdrücklich als unerwünscht bezeichnet und durch die Feuerglocke der eigenen Artillerie längere Zeit unmöglich gemacht. Nachdem beiderseits des Alpenkorps die Nachbarn zurückhingen, hätte ein Nachstoßen auf schmaler Front auch kaum zu einem durchschlagenden Erfolg geführt, der behauptet oder ausgebaut hätte werden können. Zudem war die Artillerie des Alpenkorps am Nachmittag des 25.04.1918 noch nicht für die Unterstützung eines neuen Angriffs bereit, da ihr Vorziehen über die tief aufgeweichten, lehmigen Straßen und das Trichtergelände sehr lange Zeit in Anspruch nahm.

Das eroberte Material und die Zahl der vom Regiment gemachten Gefangenen lassen sich kaum in groben Zahlen schätzen. Ohne sie zu zählen oder zu bewachen, ließ man die Gefangenen zurücklaufen; es genügte, dass sie ohne Waffen und mit erhobenen Händen die Lienien der Stürmenden durcheilten. 4/5 der Gefangenen waren Franzosen, meist der 154. Infanterie-Division, etwa 1/5 Engländer. Die Gefangenenzahl im Abschnitt des Regiments ist mindestens gleich hoch mit der der Angreifer anzusetzen. Die blutigen Verluste des Feindes im Infanteriekampf waren ganz außerordentlich hoch. Am Höhenkamm und am Nordabhang des Kleinen Kemmel häuften sich stellenweise die Leichen. Das eroberte Gerät blieb liegen; auch in den Tagen nach dem Sturm hatte niemand Zeit es aufzusammeln oder zurückzuschaffen. Bei Brulooze waren eine leichte Feldhaubitzen-Batterie, in der Stollenschlucht mindestens eine schwere Feldhaubitzen-Batterie in Fahrstellung, eine Anzahl Feldküchen und Heeresfuhrwerk liegen geblieben. Die Kampfbereitschaft der Gegner war allgemein gut, nur Überraschte ergaben sich; die meisten Kampfgruppen wehrten sich erbittert und kapitulierten erst dann, wenn ihre Lage hoffnungslos war. Auffallend war, wie Engländer die Franzosen führten, wie sie beim Angriff des Bataillons „Santos“ voraussprangen. Engländer führten den Gegenstoß und den Durchbruchsversuch aus dem Stollenlager, sie veranlassten auch oft genug Franzosen, die die Gewehre schon weggeworfen hatten, zum Wiederaufnehmen der Waffen und zum Ausharren im Kampfe. Besonders rasch und genau war die Einweisung einiger feindlicher Batterien. – Bereits 8 Uhr vormittags lag heftiges Feuer am Kemmelfuß, beim Kampf um die Blockhäuser hatte II./L. häufige Granateinschläge unmittelbar hinter sich, und das Stollenlager bekam bereits Artilleriefeuer, als noch Gefangene aus dem Stollenlager herausgezogen wurden. Es ist wahrscheinlich, dass ein unterirdisches Kabel noch nach dem Sturm und auch noch in den folgenden Tagen in Tätigkeit bleiben konnte. – Das Wetter war von 8 Uhr vormittags an bis zum Abend ganz sonnenklar. Die Flieger, auf beiden Seiten sehr lebhaft tätig, blieben ohne bemerkbaren Einfluss auf die Gefechtshandlungen.

Um 4 Uhr nachmittags lebt die Feuertätigkeit beim Feinde entschieden auf. Einschläge auch mittlerer Kaliber liegen immer häufiger in der Gegend von Deraet und des Burggravehofs, und feindliche Patrouillen beginnen wieder vorzufühlen. An den Hängen des Scherpenberges sind Besetzungslinien nun zu erkennen, die sich an die Geländebedeckungen anlehnen. Mit zunehmendem Nachmittag werden die Postenschüsse und die Maschinengewehr-Feuerwellen häufiger. Ein Regimentsbefehl am späten Nachmittag stellt die Fortführung des Angriffs am 26. auf den Scherpenberg in Aussicht. In der Abenddämmerung bringen die Tragetierstaffeln volle Munitionsergänzung und auch die meisten Kochkistentragetiere treffen bei den Kompanien ein. Der Verkehr zur Truppe und die Bewegung auch mit Pferdekolonnen über den Kemmel, sein Vor- und Hintergelände ist also in dieser Nacht noch durchaus möglich. Der Regimentskommandeur hat am feindwärtigen Hang des Großen Kemmel bei Deraet seinen Gefechtsstand gewählt.

An Verlusten sind am Abend feststellbar:

Offiziere vom Regimentsstab; tot: Oberarzt der Reserve Tröger, Regiments-Arzt; Leutnant der Reserve Dressel, 2. Maschinengewehr-Kompanie, als Ordonanz-Offizier zum Regimentsstab kommandiert; Offiziersstellvertreter Gerstner, Nachrichtenzugführer beim Regimentsstab.

Vom I. Bataillon tot: Hauptmann Graf Holnstein; Leutnant der Reserve Müller, Zugführer der 4. Kompanie; verwundet: Leutnant der Reserve Kemper, Ordonanzoffizier beim Stabe I.; Feldhilfsarzt Berninger, beim Stabe I.; Leutnant der Reserve Halt, Kompanieführer der 3. Kompanie.

Vom II. Bataillon; tot: Freiherr von Ow, Kompanieführer der 7. Kompanie; Leutnant der Reserve Bierling, Zugführer der 6. Kompanie; Leutnant der Reserve Kübler, Zugführer der Regiments-Minenwerfer.-Kompanie; verwundet: Leutnant der Reserve Kammerer, Kompanieführer der 5. Kompanie; Leutnant der Reserve Neubert, Zugführer der 5. Kompanie; Leutnant der Reserve Kohl, Zugführer der 5. Kompanie; Leutnant der Reserve Köppen, Zugführer der Regiments-Pionier-Kompanie.

Vom III. Bataillon verwundet: Feldunterarzt Kompter (gestorben 01.05.); Leutnant der Reserve Betz, Zugführer der 9. Kompanie.

Insgesamt Offiziere, Unteroffiziere und Leiber: Regimentsstab und I. Bataillon: 35 tot und 38 verwundet; II. Bataillon: 37 tot und 65 verwundet; III. Bataillon: 38 tot und 67 verwundet; Regiments-Minenwerfer-Kompanie: 8 tot und 12 verwundet; Regigemnts-Pionier-Kompanie: 1 tot und 7 verwundet.“

Offiziell ist für Heinrich Eimansberger keine Grablage bekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf dem rund 35 Kilometer entfernten Soldatenfriedhof Menen beigesetzt wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Leutnant Franz Bierling, gefallen am 25.05.1918, begraben auf dem Soldatenfrioedhof Menen in Block E, Grab 3.361

 

Sterbebild von Heinrich Eimansberger
Rückseite des Sterbebildes von Heinrich Eimansberger

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.884: Georg Kunstwald

Der Landsturmmann Georg Kunstwald wurde am 03.06.1893 in der bayerischen Gemeinde Reichersbeuern als Sohn eines Kaufmanns geboren. Im Ersten Weltkrieg diente er als Reservist in der 8. Kompanie (2. Bataillon) des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem bayerischen Militär-Verdienstkreuz mit Schwertern ausgezeichnet. Am 17.04.1917 starb er im Alter von 23 Jahren nachdem er am 16.04.1917 in bei den Kämpfen bei Prouvais an der Aisne schwerer verwundet worden war. Er hatte 26 Monate Kriegsdienst geleistet.

Über den Tag der schweren Verwundung berichtet die Regimentsgeschichte des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Kampf um die erste Stellung

Nach einem heftigen kurzen Feuerschlag brachen am 16.04.1917 im Morgengrauen aus dem „Grabenhorn“ starke feindliche Stoßtrupps gegen unsere Stellung vor. Unser Infanterie- und MG-Feuer zwang sie rasch wieder zu Boden. MG unseres Nachbarn zur Rechten vom Ersatz-Regiment 3 leisteten dabei wertvolle Hilfe. Als Antwort darauf bearbeiteten Artillerie und Minenwerfer des Feinde nochmals kurz aber heftig unsere 1. Stellung, wobei besonders die linke Flügelkompanie und der Miette-Grund bedacht wurden. In Rauch, Staub und Gas gehüllt, aus denen mächtige Feuersäulen emporschlugen, schien jedes Leben nunmehr in ihr erloschen. Da ratterten plötzlich Tanks heran – es mögen fünf, es mögen mehr gewesen sein – dichtauf gefolgt von starken Schützenschwärmen. Der Stoß traf hauptsächlich den linken Teil der Stellung, 10. und 12. Kompanie, sowie den rechten Flügel unseres Nachbarn zur Linken, das Reserve-Infanterie-Regiment 10 jenseits der Miette. Die feindliche Infanterie drang in die Bresche ein und begann mit Handgranaten und Flammenwerfern die Stellung aufzurollen, unterstützt von mehreren Schlachtfliegern, die in niedrigster Höhe fliegend mit Maschinengewehren und Handgranaten ihrer Infanterie den Weg bahnten. Stundenlang tobte hier ein ungeleiteter und ungleicher Kampf. Zahlreiche französische Gefangene wurden in die Unterstände ngepfercht; 80, darunter 2 Offiziere, lieferte ein Unteroffizier in Juvincourt ab. Aber der Feind schob immer neue Wellen nach, umzingelte und überwältigte kleinere Trupps und fasste, aus dem Miette-Grund heraufsteigend, die Stellung nunmehr auch im Rücken an. Am Straßenstützpunkt, den Leutnant Kandler mit dem 3. zug der 9. Kompanie tapfer verteidigte, im Schröderhau und Viller-Wald fand er heftigen Widerstand. Eine Gruppe von 63 Mann der 9. und 11. Kompanie suchte im Viller-Wald Anschluss an Ersatz-Regiment 3 und hielt sich dort unter Führung des Hauptmanns Schuhmann und des Leutnants Stiefenhofer, denen sich auch Oberarzt Dr. Volk angeschlossen hatte, noch bis zum 18. morgens. Ohne Verpflegung, die letzte Patrone verschossen, abgeschnitten von der eigenen Truppe, traf sie nach erfolglosen Durchbruchsversuchen das schwere Los der Gefangenschaft, als jede Hoffnung auf Entsatz geschwunden war.

Der Bataillons-Kommandeur, durch Brustschuss schwer verwundet, war schon am 16. morgens in Feindeshand gefallen. Von einer regelrechten Gefechtsleitung war daher schon längst keine Rede mehr. Jedermann war auf sich selbst gestellt, Einzelkämpfer und kleinere Gruppen standen fest wie Felsen im tobenden Meer und kämpften weiter in der Hoffnung auf kommenden Entsatz. Ein verwundeter MG-Schütze schleppte sich noch auf Umwegen in die Artillerie-Schutz-Stellung zurück. Er hatte trotz seiner Verwundung nicht vergessen, das Maschinengewehr-Schloss mitzunehmen, als er als letzter Mann der Bedienung dem Feinde seine Waffe unbrauchbar überließ. Leutnant Straub, der Führer der 1. Kompanie, wurde überwältigt und gefangen genommen, konnte seine Lage nicht fassen und wurde Aussage seines treuen Burschen aus nächster Nähe niedergeschossen, weil er sich weigerte, seine Waffen abzuliefern. Das Schicksal des Straßenstützpunktes war besiegelt. Er fiel in Feindeshand, mit ihm auch Unteroffizier Hinterberger, der mit seinem Maschinengewehr den beiderseits der Miette gegen die Artillerie-Schutz-Stellung vorgehenden Franzosen schwere Verluste zugefügt hatte. Die im Laufe des Schlachttages angesetzten Gegenstöße erreichten die 1. Stellung nicht und damit war das Los der Reste ihrer tapferen Besatzung entschieden.

Kampf um die Artillerie-Schutz-Stellung

Das I. Bataillon, ohne 1. Kompanie, die dem Stellungsbataillon als Reserve zur Verfügung stand, hatte in der Nacht vom 13./14. die Artillerie-Schutz-Stellung besetzt (rechts 4., Mitte 2., links 3. Kompanie). Diese, als Hinterhangstellung angelegt, war für die verfügbaren Kräfte reichlich ausgedehnt. Bis zum 16. gelang es, die Schäden, die das feindliche Artilleriefeuer verursachte, immer wieder in Ordnung zu bringen. Seit dem frühen Morgen des 16. lag schweres ununterbrochenes Vernichtungsfeuer besonders auf der ersten Linie und auf dem „Feldwerk“ am linken Flügel der Stellung. Die Besatzung der 3 Linien, seit 6.15 Uhr vormittags vollständig gefechtsbereit, suchte Schutz in den Unterständen; nur Posten und beobachtende Offiziere blieben auf ihren Plätzen.

Gegen 8.45 Uhr vormittags ließ das feindliche Feuer plötzlich nach, zugleich drangen feindliche Abteilungen durch das zerschossene Hindernis im „Feldwerk“ ein und suchten von hier aus die 1. Linie aufzurollen. Aus dem Miette-Grund und besonders vom östlichen Bachbrund her, wo die Artillerie-Schutz-Stellung im ersten Anlauf überrant wurde, stoßen dem Feind ununterbrochen Verstärkung zu. Auch aus dem Schoppgraben drängten Stoßtrupps gegen die 1. Linie heran. Auf dem rechten Flügel, an der Grenze zum Ersatz-Regiment 3, war schon starker Feind in die 1. Linie eingebrochen und im Angriff Richtung Juvincourt begriffen. Wie war das möglich? Nachdem in unsere vorderste Stellung beiderseits des Miette-Baches Bresche geschlagen war, drängte der Franzose im Bachgrund vorwärts, unbekümmert um die Kämpfe, die noch lange um die vorderste Stellung tobten, und erschien überraschend vor der Artillerie-Schutz-Stellung, durch den Bachgrund, durch Nebel, Rauch und Staub der Sicht entzogen. Die Zwischengelände-Maschinengewehre, in Flanke und Rücken gefasst, leisteten anscheinend nur kurzen Widerstand.

Nun galt es rasch zu handeln und das geschah mit großer Tatkraft. Gegen die auf Juvincourt im Angriff befindlichen Feinde wurden drei verfügbare Maschinengewehre eingesetzt, welche ungeachtet des feindlichen Artilleriefeuers frontal und flankierend im knieenden Anschlag in den Feind hineinschossen, ihm ganz erhebliche Verluste beigrachten und ihm die Luft zu weiterem Vorgehen benahmen. Als die Bedienung eines Gewehres durch feindliches Infanteriefeuer abgeschossen war, bediente es Leutnant Schiemer allein weiter, bis auch er durch schwere Verwundung kampfunfähig wurde. Zur Säuberung der rechten Hälfteder 1. Linie wurde Leutnant Endres mit einem Stoßtrupp angesetzt, dem es gelang, durch schneidiges Vorgehen, gut sitzende Handgranaten und lautes Hurrarufen die eigene Schwäche zu verdecken. Hierbei hat sich Unteroffizier Höbel, der 1. Kompanie, als schneidiger Handgranatenwerfer hervorgetan. Er wurde mit der silbernen Tapferkeitsmedaille belohnt. Der Vorstoß hatte Erfolg, der Franzose ging hier in unserem Feuer auf die alte Artillerie-Schutz-Stellung zurück. Den Feind auch aus dem Feldwerk hinauszuwerfen, fehlten die Kräfte; hier musste man sich vorläufig auf Abwehr beschränken. Der erste Ansturm des Feindes war zwar abgeschlagen, die Lage aber immerhin noch recht bedrohlich. Mit einem Gefühl der Erleichterung wurde daher gegen 10.00 Uhr vormittags in Richtung auf den Miette-Grund östlich Juvincourt heranrückende II. Bataillon unter Führung des Hauptmanns von Brandt begrüßt. Seit 5.30 Uhr vormittags lag das Bataillon marschbereit in der 2. Stellung, erhielt 9.25 Uhr den Befehl, in Richtung Juvincourt-Miette-Knie vorzugehen, Bataillons-Kommandeur zum Regiments-Kommandeur auf Höhe 141 voraus. Hier bekam er Weisung, sich dem Kommandeur I. Bataillons zu unterstellen, die 1. Linie der Artillerie-Schutz-Stellung und das Feldwerk zu säubern und bis zum Birkenwaldriegel vorzustoßen. Die 6. Kompanie war als Sicherheitsbesatzung in der 2. Stellung verblieben; die an und für sich schwache 8. Kompanie erhielt beim Vorgehen mehrere Artillerie-Volltreffer, stob auseinander und war beim Vorstoß nicht mehr zu verwenden. Der 7. Kompanie, zusammen mit Teilen des preußischen Infanterie-Regiments 53 gelang es, die Bergmühle den Franzosen zu entreißen. Der stellvertretende Kompanieführer. Leutnant Schlicht, wurde verwundet, nachdem kurz zuvor der Kompanieführer, Leutnant Fritz, durch Verwundung ausgefallen war. Der Rest der Kompanie unter Vizefeldwebel Ernst beteiligte sich mit Infanterie-Regiment 53 am Aufrollen des Schoppgrabens II und wies weitere franzöische Vorstöße erfolgreich ab. Gegen Abend wurde die Kompanie vom Kommandeur des I. Bataillons in die 2. Linie zurückgenommen und zwischen 2. und 3. Kompanie eingeschoben. Die 5. Kompanie mit Teilen des I. Bataillons rollte nach Osten gegen das Feldwerk zu auf, warf den Feind dahin zurück und nahm ihm 14 Gefangene, 4 Maschinengewehre und ein automatisches Gewehr ab. Von da an blieb die Artillerie-Schutz-Stellung unversehrt in der Hand ihrer tapferen Besatzung. Nur im Feldwerk, das vom Ostufer der Miette ständig frische Kräfte erhielt, konnte sich der Feind behaupten.

So gelang es dem Kommandeur des I. Bataillons, Major Knoll, unterstützt von seinem nimmermüden Adjutanten, Leutnant Schönmann, durch seine ruhige, überlegte Führung und durch die Zähigkeit und Opferfreudigkeit der Truppe dem weiteren Vordringen des Feindes einen Riegel vorzuschieben und sein weitgestecktes Ziel – Durchbrechung unseres Stellungssystems – zu vereiteln.

Tankangriff

Gegen 12.00 Uhr mittags setzte der Franzose erneut zu einem mächtigen Stoße an, dem er einen gewaltigen Feuerüberfall vorausschickte. Wiederum war das Schlachtfeld in einen undurchdringlichen Schleier gehüllt. Zahlreiche Schlachtflieger kreisten über der Regiment-Befehlsstelle auf Höhe 141 und hämmerten aus ihren Maschinengewehren. Da fegte eine frische Aprilbriese über das qualmende Schlachtfeld, der Schleier zerriss und die Sonne blendete für wenige Minuten ein bisher nicht gesehenes Bild. Wir trauten unseren Augen nicht, als wir in einer Entfernung von 500 Metern eine Kolonne von 10 – 20 Tanks mit der Geschwindigkeit marschierender Infanterie am Ostufer der Miette gegen Höhe 141 herankriechen sahen. Da prasselte von allen Seiten besonders flankierend aus der Artillerie-Schutz-Stellung von unserem I. Bataillon, ein wildes Feuer aus Infanterie- und Maschinengewehr mit K-Munition auf die Tankkolonne los, dem sich bald auch unsere Artillerie zugesellte. Einige Kampfwagen blieben im Feuer liegen, die übrigen, zur Linie aufmarschiert, setzten den Vormarsch fort, aus ihren Maschinengewehren und 3,7 cm-Schnellfeuerkanonen lebhaft feuernd, und gelangten noch mehrere hundert Meter rückwärts des Regiments-Gefechtsstandes. Hier ereilte sie das Geschick. Zwei noch intakte leichte Feldkanonen des Reserve-Feldartillerie-Regiments 5 erledigten einen Teil auf nahe Entfernung durch Volltreffer, einige kehrten um, einzelne wurden von ihren Besatzungen verlassen, nachdem sie vorher die Benzinvorräte in Brand gesteckt hatte. Es war ein herrlicher Anblick, wenn ein Volltreffer glückte: Mächtige Rauchwolken, durchzuckt von Stichflammen exploderender Munition, die im Vereine mit dem brennenden Betriebsstoff den Tank bis zur Rotglut erhitzten. Nur einer hatte die Kühnheit noch weiter vorzudringen. Er gelangte bis zu unserem Sanitäts-Unterstand im Rücken der Artillerie-Schutz-Stellung. Seine Besatzung – 1 Offizier und 2 Mann – sprang aus dem Wagen; der Offizier postierte die 2 Mann mit einem Maschinengewehr an dem Unterstandsausgang, sich selbst mit dem schussbereiten Revolver an dem anderen, nachdem er die Verwundeten, die Ärzte und das Sanitäts-Personal zu Gefangenen erklärt und ihnen die Ferngläser und Pistolen abgenommen hatte. Sie versorgten hier auch noch 2 ihrer Kameraden, verwundete Offiziere von anderen Tanks und entkamen unversehrt in der allgemeinen Verwirrung, nachdem sie lange Zeit vergebens auf ihre Infanterie gewartet hatten. Diese war den Tanks nur zögernd gefolgt, geriet zudem in das wirksame Feuer zweier bei der Regimentsbefehlsstelle als Reserve zurückgehaltene Maschinengewehre, die Unteroffizier Heintz führte, fand die Kraft nicht mehr, ihren Kampfwagen zu folgen und ließ sie im Stiche. Unsere Verluste durch die Kampfwagen waren gering, die Menschen- und Materialverluste des Feindes empfindlich. Allenthalben sah man Tankleichen liegen. Unsere Division zählte 32 vor und in ihrer Stellung.

Das Regiment verlegte seine Befehlsstelle 1.30 Uhr nachmittags in die 1. Linie der 2. Stellung, nachdem sich nach dem feindlichen Einbruch vorwärts Höhe 141 keine Besatzung mehr befand. Die 2. Stellung war besetzt: In der 1. Linie von unserer 6. Kompanie und 1/3 Reserve-Pionier Kompanie 2, in der 2. Linie von 2/3 Reserve-Pionier-Kompanie 2.

Gegenangriffe

Ein Gegenstoß des preußischen Infanterie-Regiments 53 gelangte nicht über die Höhe 141 hinaus.

Gegen 5.00 Uhr nachmittags kam der Gegenangriff der 213 Infanterie-Division, über den das Regiment zufällig durch den protestantischen Divisionspfarrer Höfler Nachricht bekam, aus Richtung Damary-Ferme – Juvincourt zur Wirkung. Trotz aller Schneid führte auch er nicht zum Erfolg. Teile der Regimenter 74, 149, 284, 368 und 18. Pioniere drängten sich in unsere Artillerie-Schutz-Stellung, füllten die Gräben und brachten dem Kommandeur der Stellung keinen erfreulichen Zuwachs. Das Ordnen der Verbänd war für die Abwehr noch drohender feindlicher Angriffe erstes Erfordernis. Es war eine mühevolle, mehrstündige Arbeit, die an diesem Tage nicht restlos geschafft werden konnte.

Gegen 6.00 Uhr abends griff der Franzose unter frischem Einsatz von Tanks erneut östlich der Miette an, hatte aber keinen Erfolg.

In den Abendstunden war es Major Knoll mit vieler Mühe gelungen, eine geordnete Besetzung der Artillerie-Schutz-Stellung durchzuführen: 1. Linie: (von rechts – links) Teile der Infanterie-Regimenter 149 und 368: 2. Linie 4. und 2. Kompanie Reserve-Infanterie-Regiment 12, Teile des Infanterie-Regimentes 74, 1/3 7., 3. und 1/3 5. Kompanie Reserve-Infanterie-Regiment 12.

Die Versuche, das Feldwerk wieder zu nehmen oder wenigstens durch häufige Vorstöße den Feind in die Verteidigung zu zwingen, wurden energisch fortgesetzt. Leutnant Bock, Infanterie-Regiment 74, gelang es mit einem Stoßtrupp 6 Gefangene einzubringen. Vizefeldwebel Striedieck, Infanterie-Regiment 368, brachte 2 Maschinengewehre zurück. Die auch während der nächsten Tage unentwegt fortgesetzten kleineren Vorstöße der tapferen Besatzung der Artillerie-Schutz-Stellung nahmen hier dem Feind den Mut zu weiteren Angriffen.“

Man begrub Georg Kunstwald auf dem Soldatenfriedhof Asfeld in Block 6, Grab 152.

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.756: Alois Reischer

Der Unteroffizier Alois Reischer wurde am 31.01.1892 in Puch (Prtsteil der bayerischen Gemeinde Arnstorf) als Sohn eines Landwirts geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 10. Kompanie eines bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und mit dem Militär-Verdienstkreuz mit Krone und Schwertern ausgezeichnet. Am 16.04.1916 wurde er durch einen Granatschuss schwer am Bauch verwundet und verstarb am 17.04.1916 im Alter von 25 Jahren in Frankreich.

Die Lages des Grabes von Alois Reischer ist unbekannt. Ich vermute, er fiel während der Schlacht um Verdun und ist auch auf einem der zahllosen Soldatenfriedhöfe begraben.

Sterbebild von Alois Reischer
Rückseite des Sterbebildes von Alois Reischer

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.664: Gallus Wohlschläger

Der Gefreite Gallus Wohlschläger stammte aus Oberhaindlfing, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Wolfersdorf, und war der Sohn eines Wagnermeisterss. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 12. Kompanie des 3. bayerischen Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Verdienstkreuz 3. Klasse mit Schwertern ausgezeichnet. Am 24.03.1916 fiel er im Alter von 25 Jahren während der Schlacht um Verdun im Wald von Avocourt durch Granatschuss.

Über den Todestag von Gallus Wollschläger berichtet die Regimentsgeschichte des 3. bayerischen Infanterie-Regiments:

„Erst gegen Morgen des 24.03.1916 war es möglich, mit Ablösung in kleinen Gruppen zu beginnen. Der Regimentsstab wurde zur Übergabe an den dort erwarteten Kommandeur 25. bayerisches Infanterie-Regiment zum Brigadegefechtsstand beordert. Die zum Teil eingeebneten, mit zähem Lehm angefüllten Laufgräben, in denen Tote und Verwundete im Lehn versunken lagen, waren ungangbar. Der Eindurck, den insbesondere die trotz der Bemühungen des Sanitätspersonals noch der Versorgung harrenden Schwerverwundeten und die zerfetzten Leichname boten, waren überwältigend. Das fortgesetzte, besonders auf den Kreuzungspunkten von Gräben mit Laufgräben liegende Sperrfeuer und die fegenden Feuerüberfälle erschwerten die Ablösung derart, dass bis zum Abend des 24.03. noch kaum der vierte Teil des Regiments in den Ruhequartieren Romagne (Regiments-Stab und MG Formationen), Ivoiry (I/3. b. IR), Lager Nantillois (II./3. b. IR), Lager Bois (III./3. b. IR) eingetroffen war. Erst am 25.03. morgens kamen die zuletzt abgelösten Teile in ihren Quartieren an. Alles war aufs äußerste erschöpft.“

Gallus Wohlschläger war also auf dem Weg ins Ruhequartier, weg vom Schlachtfeld durch einen Granattreffer getötet worden. Welch übles Schicksal!

Offiziell ist für Gallus Wohlschläger keine Grablage bekannt. Es ist auch unklar, ob nach dem Einschlag der Granate noch etwas vom Körper des Mannes übrig war. Sollte noch etwas zu begraben war, so wurde er wahrscheinlich auf dem Soldatenfriedhof Consenvoye anonym in einem Massengrab beigesetzt, wo auch seine Regimentskameraden begraben wurden, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Gefreiter Michael Hiller, gefallen am 21.03.1916 im Wald von Malancourt Consenvoye in einem Massengrab;
  • Unteroffizier Ludwig Bauer, gefallen am 24.03.1916 im Wald von Malancourt Consenvoye in einem Massengrab;
  • Vizefeldwebel Wilhelm Kolb, gefallen am 22.03.1916 im Wald von Malancourt Consenvoye in einem Massengrab;
  • Gefreiter Johann Petz, gefallen am 22.03.1916 im Wald von Malancourt Consenvoye in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Gallus Wohlschläger
Rückseite des Sterbebildes von Gallus Wohlschläger

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.455: Ludwig Kohl

Der Kriegsfreiwillige Ludwig Kohl war Lehrerseminarist, also angehender Lehrer aus Amberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er im 28. bayerischen Infanterie-Regiment als Unteroffizier und angehender Offizier. Am 16.07.1918 fiel er im Alter von 21 Jahren bei Neuville, ausgezeichnet mit dem Militär-Verdienst-Kreuz mit Krone und Schwertern und mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse.

Man begrub Ludwig Kohl auf dem Soldatenfriedhof Marfaux in einem Massengrab.

Sterbebild von Ludwig Kohl
Rückseite des Sterbebildes von Ludwig Kohl

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 709: Sebastian Keil

Sebastian Keil stammte aus der bayerischen Gemeinde Frasdorf. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 3. Kompanie des 18. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments als Unteroffizier. Er wurde mit dem Eisernes Kreuz 2. Klasse und dem Verdienstkreuz mit Krone und Schwertern ausgezeichnet. Am 26.10.1916 fiel er im Alter von 22 Jahren bei einem Sturmangriff bei den Gebirgskämpfen im Predeal– und Bodzagebiet in Rumänien.

Seine Heimatgemeinde Frasdorf gedenkt noch heute Sebastian Keil auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/frasdorf_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Sebastian Keil
Rückseite des Sterbebildes von Sebastian Keil