Der Soldat Willibald Forstner stammte aus Englmannsberg, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Reisbach, und war der Sohn eines Landwirts. Gestern stelle ich das Schicksal seines Bruders Johann vor. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 8. Kompanie des 17. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 12.10.1914 fiel er im Alter von 23 Jahren bei Foncquevillers in der Nähe von Arras
Offiziell ist für Willibald Forstener keine Grablage bekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym ine einm Massengrab auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy begraben wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.
Unteroffizier Theobald Lacroix, gefallen am 11.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in Block 2, Grab 170;
Infanterist Josef Wohlmuth, gefallen am 12.10.1914 bei Foncquevillers bei Arras, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
Infanterist Johann Frisch, gefallen am 12.10.1914 bei Foncquevillers bei Arras, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
Infanterist Johann Faber, gefallen am 12.10.1914 bei Foncquevillers bei Arras, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
Infanterist Sebastian Renner, gefallen am 12.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in Block 3, Grab 190.
Sterbebild von Johann und Willibald ForstnerRückseite des Sterbebildes von Johann und Willibald Forstner
Der Soldat Wilhelm Angerhofer wurde am 06.04.1894 in Holz, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Bernbeuren, als Sohn eines Landwirt geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er ab dem 25.02.1915 als Infanterist in der 3. Kompanie des 18. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Militär-Verdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnet. Er wurde leicht verwundet. Am 24.07.1916 fiel er im Alter von 22 Jahren während der Schlacht an der Somme bei Templeux-la-Fosse und Moislains.
Sein Bruder Johann Angerhofer diente in der 12. Kompanie des 23. bayerischen Infanterie-Regiments und fiel am 13.03.1916 bei Arras.
Man begrub Wilhelm Angerhofer auf dem Soldatenfriedhof Maissemy in Block 2, Grab 353.
Sterbebild von Wilhelm AngerhoferRückseite des Sterbebildes von Wilhelm AngerhoferInfo zu Wilhelm AngerhoferRückseite des Infozettels von Wilhelm Angerhofer mit einem Blick auf das zerstörte Vigneulles
Der Soldat Anton Gebhart wurde am 20.11.1879 in Enthalb der Ach, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Wertach, geboren. Das Schicksal seines jüngeren Bruder Karl Gebhart stellte ich gestern vor. Er war verheiratet, hatte mit seiner Frau sechs Kinder, und arbeitete als Landwirt. Im Ersten Weltkrieg diente er seit dem 07.08.1914 als Gefreiter in der 8. Kompanie des 3. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 21.06.1915 (Sterbebild) oder 23.06.1915 (Volksbund) fiel er im Alter von 35 Jahren am Hilsenfirst in den Vogesen.
Über den Todeszeitraum und die Todesumstände von Anton Gebhart schreibt die Regimentsgeschichte des 3. bayerischen Landwehr-Infanterie-Regiments:
„Am 20.06. lag die Stellung abermals unter schwerstem Feuzer, diesmal blieb der Angriff aus.
Das Feuer wiederholte sich am folgenden Tag von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends. Dreimal setzten sodann die Franzosen zum Angriff an und dreimal mussten sie weichen.
Das Gardejägerbataillon traf am 22.06. ein, um die Jäger 14 und das II. Bataillon in der vordersten Linie abzulösen. Die 5. Kompanie blieb in Stellung Hilsenfirst Nord. Die drei übrigen Kompanien rückten auf den Biwackplatz bei Rieth zurück. Das feindliche Artilleriefeuer hatte wiederum die Morgenstunden ausgefüllt.
Der 23.06. verging über dem Ausheben einer II. Stellung und der folgende Tag rief das Bataillon in die Stellung Hilsenfirst-Süd im Verein mit der 1. und 3. Kompanie der Gardejäger.“.
Man begrub Anton Gebhart auf dem Soldatenfriedhof Breitenbach in Block 6, Grab 15.
Werner Koch war der Bruder von Charlotte Koch und Justus Koch, deren Schicksal ich gestern und vorgestern vorstellt habe. Er wurde am 31.10.1894 in Ottenstein geboren. Im Ersten Weltkrieg meldete er sich freiwillig und diente als Kriegsfreiwilliger in der 5. Kompanie des 166. Infanterie-Regiment. Am 31.10.1914 fiel er wie sein Bruder Justus im Alter von 24 Jahren bei Lihons an der Somme.
Die Lage des Grabes von Werner Koch ist unbekannt. Für keinen seiner gefallenen Kameraden seines Regimentes konnte ich eine Grablage ermitteln. Wenn seine Gebeine irgendwann geborgen wurden, waren sie wahrscheinlich nicht mehr zu identifizieren. Es könnte daher anonym auf dem rund 4 Kilometer entfernten Soldatenfriedhof Vermandovillers in einem Massengrab beigesetzt worden sein.
Justus Koch war der Bruder von Charlotte Koch, deren Schicksal ich gestern vorstellt. Er wurde am 28.09.1890 in Ottenstein geboren. Im Ersten Weltkrieg meldete er sich freiwillig und diente als Kriegsfreiwilliger in der 5. Kompanie des 166. Infanterie-Regiment. Am 31.10.1914 fiel er im Alter von 24 Jahren bei Lihons an der Somme.
Die Lage des Grabes von Justus Koch ist unbekannt. Für keinen seiner gefallenen Kameraden seines Regimentes konnte ich eine Grablage ermitteln. Wenn seine Gebeine irgendwann geborgen wurden, waren sie wahrscheinlich nicht mehr zu identifizieren. Es könnte daher anonym auf dem rund 4 Kilometer entfernten Soldatenfriedhof Vermandovillers in einem Massengrab beigesetzt worden sein.
Charlotte Koch stammte aus Braunschweig und wurde am 07.12.1891 geboren. Nachdem zwei ihrer Brüder 1914 gefallen waren, über deren Schicksal ich morgen und übermorgen berichte, diente sie als freiwillige Munitions-Arbeiter in der Munitionsfabrik Pulvermühle Cramer und Buchholz in Höhlenort Rübeland im Harz (Sachsen-Anhalt). Sie hatte sich im Rahmen des Hindenburg-Programms freiwillig gemeldet.
Bei einer schweren Explosion am 10.01.1918, bei der neun Personen schwer verletzt, 30 bis 40 leicht verletzt und 14 getötet wurden, war sie einer der Getöteten. Auch die Malerin Käthe Evers wurde getötet.
Die Explosion war so heftig, dass der amtliche Bericht feststellt:
„Von den tödlich verunglückten Personen haben bislang nur einzelne Teile gefunden werden können. Ob sich mit Sicherheit feststellen läßt, wem diese Teile gehören, muß bezweifelt werden, da sie stark verstümmelt und außerdem stark angeschwärzt sind. Die sämtlichen tödlich verunglückten Personen werden im Trockenraume selbst oder unmittelbar davor beschäftigt gewesen sein.“
– Bericht des Kreisdirektors aus Blankenburg an das Herzogliche Staatsministerium in Braunschweig vom 12. Januar 1918
„Von den Leichen konnten nur vier beerdigt werden, die übrigen – so drückt sich der Arbeiter aus – waren in Atome aufgelöst und nicht aufzufinden.“
– Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Deutschen Reichstages. Band 312, Verlag der Buchdruckerei der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung, 1918, S. 5019.
Der Soldat Rupert Zauner stammte aus See, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Wallersdorf, und war ein der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 7. Kompanie des 19. bayerischen Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Am 16.05.1918 fiel er im Alter von 25 Jahren in Frankreich an der Somme durch einen Brustschuss.
Man begrub Rupert Zauner auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers in Block 4, Grab 653.
siehe Bruder Joseph Zauner
Sterbebild von Rupert ZaunerRückseite des Sterbebildes von Rupert Zauner
Der Soldat Anton Eisenreich wurde am 05.06.1896 in Halmbrunn geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Eichendorf, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er als Schütze in der 1. Maschinengewehr-Kompanie des 13. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 23.12.1916 fiel er im Alter von 20 Jahren während der Verfolgungskämpfe in der Ostwalachei bei Filipesti und Făurei (Rumänien) durch einen Artillerie-Volltreffer.
Zum Zeitpunkt des Todes von Anton Eisenreich war sein Bruder Joseph bereits im Krieg gefallen. Joseph Eisenreich diente in der 9. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments, dem Regiment, dem auch Adolf Hitler angehörte (Ersatz-Reservist Joseph Eisenreich, geboren am 29.01.1885, verwundet am 07.10.1915 bei Douvrin, gestorben am 14.10.1915 im Alter von 30 Jahren, begraben auf dem Soldatenfriedhof Bauvin, Block 3, Grab 198).
Man begrub Anton Eisenreich auf dem Soldatenfriedhof Braila in Block 5.
Der Soldat Joseph Brandlhuber wurde am 13.04.1889 in Lichtenhaag geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Gerzen. Er war ehemaliger Hausmeister im Klerikerseminar Freising und Sohn eines Tagelöhners. Im Ersten Weltkrieg diente er als Landsturmmann in der 12. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments, dem Regiment, in dem auch Adolf Hitler diente. Während der Schlacht an der Somme wurde er am 09.10.1916 bei Le Barque am Kopf schwer verletzt. Am 11.10.1916 verstarb er an dieser Verwundung im Alter von 27 Jahren in einem Feldlazarett an der Somme.
„Am 9. und 10. Oktober wurde Le Barque wiederum heftig mit Gasgranaten beschossen, wodurch bei der Infanterie-Pionier-Kompanie allein 80 Mann erkrankten.
Das Kennzeichen für diese Tage ist die große Abnahme der körperlichen und seelischen Widerstandskraft der Mannschaft. Volle 8 Tage befanden sich nun die Kompanien in vorderer Linie oder in bereitschaft zwischen der Kampfstellung und Le Barque, die vielfach stärker als der vordere Graben unter schwerem feuer litt. Die Mannschaft krankte infolge der kalten Verpflegung, der Ungunst der Witterung und des Mangels an trockenen Lagerplätzen sehr unter Durchfall, in manchen Kompanien ein Viertel bis ein Drittel der Leute. Der andauernde Mange an Nachtruhe wirkte erschöpfend, das ständige Artilleriefeuer zermübte die Nerven. Die Kompanien verlangten dringend Ablösung. Auf Anträge des Regiments bei der brigade wurde erwidert, die Mannschaften sollten noch kurze Zeit aushalten, die Division würde bestimmt bald ablösen. Der Mann im Graben begann auf Ablösung in der nächsten Nacht zu hoffen, er nahm nochmals alle Kräfte zusammen, um desto schwerere Enttäuschung und Ermattung anheimzufallen, wenn er sich in seinen Erwartungen betrogen sah. Da sich dieser Vorgang zwei- dreimal wiederholte, begann ein vernichtendes Gefühl der Verlassenheit Platz zu greifen. Sonst ruhige und vernünftige Leute wurden gereitzt und begannen, dieser Stimmung in Meldungen und Anträgen Luft zu machen. Der furchtbare Ernst der Lage erhellte aus einer Meldung des I. Bataillons: „In den Nachrichten der letzten Tage häufen sich immer mehr die Meldungen, dass die Kräfte der Truppen sinken. Kranke, Dienstunfähige durch Verschüttung, Durchfall, seelische Depression häufen sich, abgesehen von den direkten Gefechtsverlusten in einer Weise, dass ich es für meine Pflicht halte, darauf aufmerksam zu machen, weil Gefahr besteht, dass weitere feindliche Angriffe nicht mehr den Widerstand finden, der notwendig ist, um die bisherigen schönen Erfolge festzuhalten.“ Es war kein Wunder, dass Verzweiflung tiefe Furchen in die Gesichter grub und sich auch in die Herzen tapferer Männer schlich. Tag für Tag sahen sie rechts und links ihre Kameraden sterben, sie stolperten im Kampf über deren Leiber und konnten an den Fingern beider Hände abzählen, wieviele Tage genügen würden, bis der letzte Mann der Kompanie von Schlacht und Tod verschlungen sei.“
Zwei weitere Brüder waren beim Tod von Joseph Brandlhuber bereits im Krieg gefallen, u. a. sein Bruder Alois, den ich am 21.04.2025 bereits vorgestellt habe.
Man begrub Joseph Brandlhuber auf dem Soldatenfriedhof Neuville-St.Vaast in Block 27, Grab 1.409.
Sterbebild von Joseph BrandlhuberRückseite des Sterbebildes von Joseph Brandlhuber
Der Soldat Stefan Thurnhausstatter wurde am 05.04.181894 in Berg geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Ainring, und war der Sohn eines Landwirts (Berghartlsohn). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 1. Kompanie des 3. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 20.03.1916 fiel er während der Schlacht um Verdun im Alter von 21 Jahren durch Kofschuss. Sein Bruder Paul verstarb am 30.03.1917 im Gefangenenlager Sipote in Rumänien, wie ich bereits am 07.07.2020 berichtet habe ⇒ Paul Thurnhausstatter.
Über den Todestag und die Todesumstände von Stefan Thurnhausstetter berichtet die Regimentsgeschichte des 3. bayerischen Infanterie-Regiments:
„So kam der 20.3. heran. Die Befehle besagten, dass nach einer Artillerie- und Minenwerfer-Beschießung von 8 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags der von unseren Pionieren unterminierte Stützpunkt am Bordostsaum des Waldes vor dem linken Flügel des Regiments und die Bohrsprengung zu den feindlichen Sappen zu zünden seien und dann habe der Sturm loszubrechen und sei in einem Zug über sämtliche feindliche Linien hinweg bis zum Süd- und Ostrand des Bois d‘ Avocourt vorzutragen. Der Waldrand sei dann nur mit Posten zu besetzen. Der feindliche Stützpunkt zweiter Linie vor dem Ostrand des Waldes müsste aber vom Feinde gesäubert und dann mit Unteroffiziersposten besetzt werden. Der Angriffsraum des Regiments war vom „Mittelgeräumt“ bis zum östlichen Waldrand. Zur Wegnahme des unterminierten feindlichen Stützpunktes in der ersten Linie vor dem linken Flügel 3. bayerisches Infanterie-Regiment sollte ein Bataillon Reserve-Infanterie-Regiment 10 mitwirken. Es war der Brigade unterstellt. Nach erneuter Artillerievorbereitung sollte dann am 22.03. seitens des linken Flügels der 11. bayerischen Infanterie-Division im Zusammenwirken mit dem rechten Flügel der 11. Reserve-Division die feindlichen Werke auf dem Höhenzug ostwärts vom Ostrand des Waldes zwischen diesem und der Straße Hautcourt – Esnes gestürmt werden.
Am 19.3. vormittags hatte der Brigandekommandeur selbst die unmittelbare Führung des Abschnittes übernommen und alle Vorbereitungen nachgeprüft, der Regimentskommandeur war in eine Befehlsstelle nahe hinter der Mitte der vorderen Gefechtslinie des Regiments vorgegangen. Am 20.03. eröffneten Schlag 8 Uhr vormittags unsere Artillerie und unsere Minwnwerfer das Wirkungsschießen. Merkwürdigerweise erwiderten die Franzosen sofort das Feuer mit mindestens der gleichen Wucht, so dass die Vermutung entstand, dass sie nicht überrascht waren. Wir waren vielleicht ihren Abhörapparaten gegenüber bei Telefongesprächen damals noch nicht vorsichtig genug gewesen. Am linken Flügel des Regiments (II./3. bayerisches Infanterie-Regiment) war das feindliche Minenfeuer in der zweiten und dritten Linie besonders wirksam. Schweres Sperrfeuer lag auch auf den Laufgräben. Schon gegen Mittag war trotz aller Vorbereitungen und trotz aller Bemühungen der tapferen Leitungspatrouillen keine Fernsprechverkehr mehr möglich. Mühsam, mit wichtigen Meldungen und Befehlen und todesmutig trotz schwerer Verluste arbeiteten sich die Läuferketten durch das von schwersten Kalibern zerwühlte und immer mehr verschlammtende Grabengewirr. Endlich rückt die vierte Nachmittagsstunde heran. Die Bataillone melden 3.45 Uhr nachmittags trotz des nunmehr acht Stunden lang ertragenen Höllenfeuers recht zuversichtlich. Sie halten die Wirkung des eigenen Minenwerfers- und Artilleriefeuers für gut, und sind voll Selbstvertrauen. Punkt 4 Uhr bricht alles los. I./3. bayerisches Infanterie-Regiment rechts, II./3. bayerisches Infanterie-Regiment links in vorderer Linie. In diesen bildete die vordere Welle von rechts nach links 1./3., 3./3., 7./3. und 8./3. bayerisches Infanterie-Regiment. Der linke Flügel (8. und 7. Kompanie) soll die Sprengung des feindlichen Stützpunktes abwaren. Die Sprengung versagt. Drei Minuten warten die beiden Kompanien. Als aber der Leutnant der Pioniere ihnen zuruft, die Sprengung habe endgültig versagt, da werfen sich die beiden Kompanien todesmutig auf den mit Rücksicht auf die vorbereitete Sprengung von den Minenwerfern wenig bearbeiteten, feindlichen Stützpunkt, der sich kräftig wehrt. Viele Blutsopfer, darunter auch den Führer der 8. Kompanie Leutnant der Reserve Henle und den Pionieroffizier kostet dies unglückliche Episode, aber der Siegeswille der tapferen Truppe hält durch. Die anderen Sturmtrupps des Regiments dringen verhältnismäßig rasch in die vorderste Linie des Feindes ein und treten sofort wieder in Richtung auf die zweite in lichterem Hochwald liegende feindliche Stellung an; nur kurze Zeit verzögert das aus dem Kampf um den Stützpunkt von links her streichende Flankenfeuer das Vordringen der Mitte. Der rechte Flügel des Regiments hielt gleichen Schritt mit dem 22. bayerischen Infanterie-Regiment 4.40 konnte das I./3. bayerisches Infanterie-Regiment schon melden, dass es im vollem Kampf um die zweite feindliche Linie liege. Trotz des mörderischen Sperrfeuers rückt die Regimentsreserve (III./3. bayerisches Infanterie-Regiment) in die Sturmstellung nach. 9./3. bayerisches Infanterie-Regiment wird dem II./3. bayerisches Infanterie-Regiment zur Verfügung gestellt. Der Kampf um die zweite feindliche Stellung erfordert besonders überlegte und beherzte Einzeltaten; denn sie ist durch starke, unzerstörte Drahthindernisse geschützt und von mehreren Betonblöcken mit Maschinengewehren flankiert. Durch Lücken im Hindernis und durch Sappen bahnen sich die Stoßtrupps kämpfend den Weg. Mit Handgranaten wird den Blockhäusern zu Leibe gerückt und dadurch ihr Feuer, wenn die sofortige Wegnahme nicht gelinkt, wenigstens solange niedergehalten, bis die Nebentruppen daran vorbeigestürmt sind. Im Negerdorf (wie wir das aus den Fliegeraufnahmen erkennbare Unterstandslager im südöstlichen Teil des Waldes nannten) wurden Stäbe und Reserven überrascht und gefangen genommen. Ein französischer Regimentskommandeur versicherte den eindringenden Dreiern, er habe geglaubt, wir seien noch im Kampf mit seiner vordersten Linie. So wurde gegen 5 Uhr 10 schon von Teilen des I./3. bayerisches Infanterie-Regiment der Südostrand des Waldes erreicht, während das II./3. bayerisches Infanterie-Regiment, das auch in der zweiten Linie heftigeren Widerstand fand, die schwersten Verluste erlitt und langsamer vorwärts kam. Gerade diejenigen Kompanien, die die härteste Arbeit um den Stützpunkt in der feindlichen ersten Linie gehabt hatten, kamen nach dem Durchstoßen der feindlichen zweiten Linie am Ostrand des Waldes wieder an einen feindlichen Stützpunkt heran. Bevor an die Säuberung dieses zweiten Stützpunktes herangegangen werden konnte, fiel bereits die Dämmerung ein. Die zur Feststellung der dortigen verhältnisse entsandte starke Offizierspatrouille geriet in den Nahkampf mit einzelnen, dort eingenisteten, anscheinend versprengten Franzosen, bezeichnete aber im übrigen in seiner Meldung die Befestigungsgruppe als vom Feinde frei. Das Regiment hatte schwer gerungen, es hatte 426 Mann, darunter eine große Anzahl der besten Kompanie- und Zugführer verloren, aber das Angriffsziel war erreicht. Der Wald von Avocourt war genommen, eine feindliche Brigade war aufgerieben. Das 3. bayerische Infanterie-Regiment hatte 9 Offiziere, 1.031 Mannschaften, 3 Geschütze, 10 Maschinengewehre, 1 Minenwerfer an die Division abgeliefert. Der Armeeführer und der kommandeierende General beglückwunschten die Division zu dem Erfolg. Seine Majestät der König von Bayern telegraphierte am folgenden Tage.
Ununterbrochenes schweres Feuer lag auf der müden Truppe, die sich in der nasskalten Märznacht eingrub und, wo es möglich war, in französischen Gräben einnistete. Ein Reservebataillon (III./3. bayerisches Infanterie-Regiment) war die Nacht über tätig der vorderen Linie Munition und Handgranaten sowie Stellungsbaumaterial zuzuführen. Die Verpflegung bildete der eiserne Bestand.
Am Abend hätte dem rechten Flügel des 3. bayerischen Infanterie-Regiments noch 1/2 I./bayerisches Reserve-Infanterie-Regiment 13 nachgeschoben werden sollen. Es wurde aber wieder zur Brigadereserve zurückbeordert. Da I./3. bayerisches Infanterie-Regiment schon französische Gegenstöße abzuwehren hatte, befahl daher der Regimentskommandeur an III./3. bayerisches Infanterie-Regiment näher an das I./3. bayerisches Infanterie-Regiment heranzurücken, wie auch mit II./3. bayerisches Infanterie-Regiment in Fühlung zu gehen.“
Man begrub Stefan Thurnhausstatter auf dem Soldatenfriedhof Consenvoye in einem Massengrab.
Sterbebild von Stefan ThurnhausstatterRückseite des Sterbebildes von