Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.044: Johann Forstner

Der Soldat Johann Forstner wurde am 01.01.1895 in Englmannsberg, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Reisbach, als Sohn eines Landwirts geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 2. Maschinengewehr-Abteilung des 2. bayerischen Infanterie-Regiments. Anfang 1917 wurde er im Gefecht leicht verwundet. Am 15.05.1917 fiel er während der Doppelschlacht an der Aisne und in der Champagne im Alter von 22 Jahren in der Nähe von Marchais bei Reims in Frankreich. Hier fanden die Kämpfe am Chemin des Dames statt.

Die Lage des Grabes von Johann Forster ist unbekannt. Ich könnte mir vorstellen, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Laon – Champ de Manoeuvre“ begraben wurde, wo man auch Regimentskameraden von ihm beigesetzt hat, u. a.

 

Sterbebild von Johann und Willibald Forstner
Rückseite des Sterbebildes von Johann und Willibald Forstner

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.038: Wilhelm Anderl

Der Soldat Wilhelm Anderl wurde am 28.07.1892 in der bayerischen Stadt Schongau geboren.  Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 5. Kompanie des 19. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 23.03.1915 fiel er im Alter von 22 Jahren bei Mühlbach im Elsass (französisch: Muhlbach-sur-Munster) im Münstertal (Vallée de Munster).

Über den Todestag und die Todesumstände von Wilhelm Anderl berichtet die Regimentsgeschichte des 19. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Besonders am 23.03.1915 erfolgte ein derart heftiger Feuerüberfall auf Sattelköpfle und Klängle, dass II./R. 19, damals unter Befehl von Major Veith, meldete: „Wir können uns kaum mehr halten, heftiger Angriff. Unterstützung dringend nötig.“ Die Lage war umso peinlicher, als in Tiefenbach und Umgegend auch nicht eine verfügbare Kompanie in Reserve stand und unsere Artillerie das feindliche Feuer merkwürdigerweise auch mit keinem Schuss erwiderte. In seiner Not und Besorgnis, dass die Stellungen droben nochmals verloren gehen könnten, raffte der Kommandant des R. I. R. 19 alle beim Regimentsstab, bei der Gefechtsbagage und Pionierdepots befindlichen Leute – etwa 35 Mann – zusammen und eilte 12 Uhr mittags persönlich mit ihnen von Tiefenbach über Obereck den Steilhang hinauf, um zu retten, was noch zu retten war. Fast atemlos nach etwa 35 Minuten in Nähe der Augsburger Hütte erhielt er jedoch dort die trotz Aufregung und Enttäuschung immerhin erfreuliche Meldung: „Alles in bester Ordnung, von Zurückgehen keine Rede, Verluste – 9 Tote, 25 Verwundete, – verhältnismäßig gering“.

Einer der Toten war Wilhelm Anderl.

Man begrub Wilhelm Anderl auf dem Soldatenfriedhof Breitenbach in Block 3, Grab 65.

In seiner Heimatgemeinde Schongau gedenkt man noch heute Wilhelm Anderl auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2021/schongau_lk-weilheim-schongau_70-71_wk1_wk2_bay.html

Sterbebild von Wilhelm Anderl
Rückseite des Sterbebildes von Wilhelm Anderl

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.032: Martin Brenninger

Der Soldat Martin Brenninger stammte aus Großstockach, einem Teil der bayerischen Gemeinde Taufkirchen (Vils), und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 1. Kompanie des 2. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 27.01.1918 verstarb er im Alter von 27 Jahren im Barackenlazarett München an einer schweren Erkrankung.

Die Lage des Grabes von Martin Brenninger ist unbekannt. Ich vermute jedoch, dass er auf einem zivilen Friedhof in München im militärischen Teil begraben wurde. Sein Grab dürfte heute noch existieren.

Sterbebild von Martin Brenninger
Rückseite des Sterbebildes von Martin Brenninger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.031: Johann Nachreiner

Der Soldat Johann Nachreiner stammte aus Oberwalchen, heute ein Ortsteil der bayerischen Stadt Traunreut, und war der Sohn eines Kleinbauern (Zenz-Gütler). Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 12. Kompanie des 2. bayerischen Infanterie-Regiments. Seit dem 03.10.1914 gilt er als vermisst. Ich vermute jedoch aufgrund der Datenlage, dass er am 24.09.1914 fiel. Zuletzt war er nach meinen Recherchen bei Lihons eingesetzt, rund 4 Kilometer von seinem Grab entfernt. Er wurde 22 Jahre alt.

Man begrub Johann Nachreiner auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Oberwalchen gedenkt Johann Nachreiner noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2021/traunwalchen_gde-traunreut_lk-traunstein_wk1_wk2_by.html

Sterbebild von Johann Nachreiner
Rückseite des Sterbebildes von Johann Nachreiner

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.028: Alois Münch

Alois Münch stammte aus Schildorn, einem Ortsteil der bayerischen Stadt Bad Griesbach im Rottal, lebte in Unterstattenbach, und war der Sohn eines Kleinbauern (Gütler). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 2. Kompanie des 2. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 27.08.1914 fiel er im Alter von 23 Jahren während des Gefechts bei Ménil-sur-Belvitte in den Vogesen.

Über den Todestag und die Todesumstände von Alois Münich berichtet die Regimentsgeschichte des 2. bayerischen Infanterie-Regiments:

“ 27.08.1914 Der Gegner hat uns nun auf ein Gefechtsfeld gezogen, das in der Nähe seiner Sperrfestungslinie gelegen, von ihm wie ein Artillerieschießplatz vorbereitet ist. Die Folge dieses uns ungünstigen Umstandes sollte schon am Morgen zbsere Maschinengewehr-Kompanie zu fühlen bekommen. Sie wurde von einem feindlichen Feuerüberfall gepackt, verlor fast die Hälfte ihrer Mannschaften und Pferde und ihren braven Führer, Hauptmann Wegelin, der zu Tode verwundet war. Am Nachmittag dieses Tages erging erneuter Angriffsbefehl zum Vorgehen in südwestlicher Richtung, linker Flügel allgemeine Richtung gegen Angelemont. Das Regiment geht in prächtiger Haltung und in ausgezeichneter Ordnung vor. Die Verluste sind erträglich, leider fällt auch unser braver junger Leutnant Wetter. Am Abend sind die Gefechtsziele erreicht, I. Bataillon ist in Bois de la Conche eingedrungen, in dem sich noch Waldgefechte abspielen. Die Nacht lässt es rätlich erscheinen, die in den Wald gedrungenen Teile des Regiments an dessen Nordrand zurückzunehmen und geschlossen dort zu biwaktieren mit Anschluss rechts an das Infanterie-Leib-Regiment, links an das 16. Infanterie-Regiment.“

Die Lage des Grabes von Alois Münich ist offiziell unbekannt. Ich bin mir jedoch sicher, dass sein Leichnam, wenn er bis heute geborgen wurde, anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Bertrimoutier beigesetzt wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Hauptmann Cäsar Wegelin, gefallen am 27.08.1914 bei Menil, begraben auf dem Soldatenfriedhof Bertrimoutier in einem Massengrab;
  • Hauptmann Felix Bedall, geboren am 21.04.1877 in München, gefallen am 28.08.1914 bei Château de Villers, begraben auf dem Soldatenfriedhof Bertrimoutier in einem Massengrab;
  • Leutnant Friedrich Vetter, gefallen am 28.08.1914 bei Menil, begraben auf dem Soldatenfriedhof Bertrimoutier in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Alois Münch
Rückseite des Sterbebildes von Alois Münch

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.025: Alois Gmeindl

Der Soldat Alois Gmeindl stammte aus Ed, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Schnaitsee, und war der Sohn eines Ziegeleibesitzers. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 1. Kompanie des 2. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 14.04.1915 fiel er im Alter von 24 Jahren im Stellungskampf vor MametzMontauban-de-Picardie bei Mametz in Folge einer Verwundung durch einen Granatsplitter.

Man begrub Alois Gmeindl auf dem Soldatenfriedhof Fricourt in einem Massengrab.

Sterbebild von Alois Gmeindl
Rückseite des Sterbebildes von Alois Gmeindl

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.023: Franz Xaver Roß

Der Soldat Franz Xaver Roß wurde am 18.12.1889 in Thann, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Aschau am Inn, geboren und lebte in Litzelkirchen. Sein Vater war Fuhrmann (Karrer). Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 5. Kompanie des 18. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Ende Juli 1918 geriet er während der Abwehrschlacht zwischen Soissons und Reims und zwischen Marne und Vesle in französische Kriegsgefangenschaft. Am 27.01.1919 verstarb er im Alter von 29 Jahren in Montcornet, Amb. 12/16, nach sechs Monaten Kriegsgefangenschaft.

Man begrub Franz Xaver Roß auf dem Soldatenfriedhof Mennevret in Block 2, Grab 189.

Seine Heimatgemeinde Aschau am Inn gedenkt Franz Xaver Roß noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/aschau_a_inn_1870-71_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Franz Xaver Roß
Rückseite des Sterbebildes von Franz Xaver Roß

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.021: Dr. Engelbert Mülhaupt [Mühlhaupt]

Der Soldat Dr. Engelbert Mühlhaupt wurde am 05.11.1888 geboren und stammte aus Oberlauchingen, einem Ortsteil der Gemeinde Lauchringen im heutigen Bundesland Baden-Württemberg. Er arbeitete als Journalist für die München-Augsburger Abendzeitung. Im Ersten Weltkrieg diente er als Kriegsfreiwilliger und Infanterist in der 11. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments, das Regiment, in dem auch der spätere Diktator Adolf Hitler diente. Am 29.10.1914 fiel er bei den ersten Kämpfen in Flandern während der Schlacht an der Yser bei Gheluwe. Die Regimentsgeschichte des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments berichtet über den Todestag und die Todesumstände von Dr. Engelbert Mühlhaupt:

„Das III. Bataillon

Das III. Bataillon war am Morgen des 29. Oktober aus der Entfaltung bei der Ortschaft Koelberg links der Straße nach Ypern mit der 9. und 11. Kompanie in vorderer, der 10. und 12. Kompanie in zweiter Linie ins Gefecht getreten. In zügigem Vorwärtsgehen suchten die Schützenlinien gegen das Straßenkreuz bei Kruiseik vorzudringen, erlitten aber durch das von vorne und aus der rechten Flanke einsetzende feindliche Feuer abld so erhebliche Verluste, dass die Bewegung ins Stocken kam. Der Gegner hatte sich in den Gehöften und in dem dichten Buschwerk am Straßenkreuz eingenistet und richtete, selbst völlig unsichtbar, ein konzentriertes Maschinengewehrfeuer auf die in lichter Entwicklung vorgehenden Schützenlinien und ihre nachfolgenden Reserven. Es galt daher, zunächst diesen Gegner niederzukämpfen.

In dem Augenblick, als Oberleutnant Beuschel mit der 9. Kompanie die Straße erreicht hatte unddas Kommando gab „Sprung! Auf – Marsch – Marsch!“ wurde er von einem Geschoss getroffen, dass ihm das Kommando auf den Lippen erstarb und er tot umsank. (Oberleutnant Albert Beuschel, gefallen am 29.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block I, Grab 957) Offiziersstellvertreter Baumann übernahm die Kompanie.

Das Bataillon war als zweite Linie hinter dem sächsischen Regiment 105 bestimmt, trat jedoch bald in die erste Gefechtslinie. Langsam und zäh arbeiteten sich die Züge trotz ständiger Verluste vorwärts, bis schon nach kurzem die Ausfälle durch das feindliche Artilleriefeuer so groß wurden, dass der Bataillonskommandeur, der selbst in vorderster Linie war, bei der Gefahr, die Truppe ohne hinreichenden Erfolh vollständig zu opfern, sich entschloss, die Stellung vorerst zu halten und sich einzugraben, um durch die weitere Gefechtsentwicklung eine günstigere Gelegenheit zur Fortsetzung des Anghriffs abzuwarten. Erst als im Laufe des Vormittags die englischen Stellungen am Straßenkreuz bei Kruiseik durch den Angriff unseres I. Bataillons und der Württemberger 247 vom Gegner fluchtartig geräumt worden waren, konnte der rechte Flügel des III. Bataillons gemeinsam mit dem Reserve-Infanterie-Regiment 247 zum weiteren Angriff vorgehen. Entlang der Yperner Straße suchte man nach vorwärts Raum zu gewinnen. In kleinen Teilvorstößen arbeitete sich die 10. und 11. Kompanie an die links der Straße gelegenen Gräben der Engländer heran, immer wieder gezwungen, ihre Stellungen unter dem verheerenden Feuer der feindlichen Artillerie und den Bombenwürfen der feindlichen Flieger vorrübergehend aufzugeben und in Deckung Schutz zu suchen. Die Verluste stiegen von Stunde zu Stunde. Oberleutnant Peukert (Oberleutnant Hans Peukert, gefallen am 29.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block I, Grab 958), der Führer der 11. Kompanie fiel im Gefecht, ebenso sin 1. Zugführer, Leutnant Graf (Leutnant Karl Graf, Ritter von gefallen am 29.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block I, Grab 897), der einzige Sohn des 1916 vor dem Feind gebliebenen Kommandeurs der bayerischen Ersatz-Division, Generalleutnant Ritter von Graf (Generalleutnant Eduard Ritter von Graf, gefboren am 31.10.1854 in Bayreuth, gefallen am 03.03.1916 in St. Braquis, Frankreich). Offiziersstellvertreter Gieß blieb durch beide Oberschenkel geschossen liegen. Feldwebel Müller nahm das Kommando über die Kompanie an sich, fiel aber bald darauf durch Kopfschuss (Feldwebel Hans Müller, gefallen am 29.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block I, Grab 898) . Darauf sprang Vizefeldwebel Schnaudt als Kompanieführer ein.

Erschreckend schnell schmolz die Gefechtskraft zusammen, sodass gegen Mittag die letzten Reservezüge eingesetzt werden mussten. Überall lagen hinter den Hecken die Verwundeten, ohne dass ihnen Hilfe gebracht werden konnte.

Dazu kam, dass vorübergehend unsere Truppen von Nachbarabteilungen der Sachsen, die uns wegen der grauen Mützenüberzüge mit Engländern verwechselt hatten, unter Feuer genommen worden waren, wodurch die moralische Kraft der Truppe stark beeinträchtigt wurde.

Als um die Mittagsstunde die Lage äußerst bedrohlich wurde und insbesondere durch das vernichtende Maschinengewehrfeuer aus der stark besetzten Windmühle unterhalb des Ortsrandes immer größere Lücken in unsere Reihen gerissen wurden, entschloss sich Unteroffizier Schaumberger, mit einer Anzahl Leute sich an die Windmühle heranzupürschen, dieses gefährliche Nest auszuheben. Die Aufgabe ging aber über die Kraft der todesmutigen Männer; sie blieben unter schweren Verlusten vor der Front liegen, Offiziersstellvertreter Dörfler, der ihnen zu Hilfe eilte, fiel.

Dagegen gelang es der 12. Kompanie auf die Meldung hin, dass die 10. Kompanie unter starkem Flankenfeuer leide, ein Gehöft in der linken Flanke zu stürmen und augenblicklich Erleichterung zu schaffen.

Gegenüber der gewaltigen Feuerkraft des Gegners, seinen in langer Vorbereitungszeit außerordentlichen gut befestigten und verdeckten Stellungen, wobei seine Schützen sogar von Bäumen herab ein scharf gezieltes Feuer auf unsere im offenen Feld kämpfenden Linien richteten, war mit einem durchschlagenden Erfolg nicht mehr zu rechnen. Sollte die Truppe nicht der gänzlichen Vernichtung preisgegeben werden, so blieb nichts übrig, als weitere Angriffsversuche aufzugeben und sich darauf zu beschränken, den heißumstrittenen Boden zu halten und sich nach Möglichkeit durch Verteilung in halbwegs schützende Deckungen der Wirkung des rasenden Feuers zu entziehen. Auch dies bot Schwierigkeiten. Bei dem ungestümen Lärm und Getöse des Gefechts war es nicht möglich, Befehle durchzubringen, viele der Unterführer waren bereits gefallen oder verwundet. die Verbände völlig vermischt, an ein Durchkommen von Meldegängern war nicht zu denken.

So entschloss sich der Bataillonskommandeur, Hauptmann von Lüneschloss, im Laufe des Nachmittags die noch vorhandenen Reste, insbesondere der 9. und 11. Kompanie, von welcher Unteroffizier Wildegger Teile unter seine Führung genommen hatte, allmählich heranzuziehen und in geeigneter Deckung zu sammeln. Auch die 10. Kompanie konnte sich bei ihren großen Verlusten nicht mehr halten und zog sich langsam gegen den linken Flügel des Bataillons zurück, um sich dort einzugraben. Bei der 12. Kompanie waren Kompanieführer Oberleutnant Hagen und Offiziersstellvertreter Grießer verwundet, bei der 10. Kompanie war Kompanieführer Graf von Bassenheim infolge Erkrankung ausgeschieden und an seine Stelle Offiziersstellvertreter Mader getreten.

Der Einbruch der Dunkelheit ermöglichte es, die schwachen Reste der Kompanien aus dem Gefecht zu ziehen und beim Regimentskommando nahe Koelberg zu sammeln, damit sie im Laufe der Nacht wieder eingesetzt werden konnten.

Durch den heutigen Angriff war auch auf diesem Abschnitt der Front fast 1 Kilometer vorgerückt worden, 400 Gefangene und 5 Maschinengewehre waren eingebracht worden.

Die Nacht senkte sich auf das Schlachtfeld, das 349 tote Kameraden bedeckten. Den taktischen Erfolg des Tages, des letzten Tages der Schlacht an der Yser, bezeichnete in kurzen Worten der Abendbefehl, den der Regimentskommandeur, Oberst List, den Bataillonen bekannt geben ließ: „Feind aus allen seinen Stellungen geworfen, mehrere hundert Gefangene. Infanterie hält die errungenen Stellungen und gräbt sich dort ein. Unterstützung durch die 6. Reserve.Infanterie-Division bald zu erwarten.“

Man begrub Dr. Engelbert Mühlhaupt auf dem Soldatenfriedhof Langemark in einem Massengrab.

Noch heute gedenkt man Dr. Engelbert Mühlhaupt auf einem Denkmal in seiner Heimatgemeinde Oberlauchringen: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/oberlauchringen_wk1u2_bw.htm

Todesanzeige für Dr. Engelbert Mülhaupt – bemerkenswert: die Zeitung, für die er gearbeitet hatte, druckte seinen Namen falsch ab.

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.001: Paul Gaßner

Der Soldat Paul Gaßner wurde am 14.01.1894 in Haberskirch geboren, einem Ortsteil der bayerischen Stadt Friedberg. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 3. Kompanie des 19. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 07.05.1915 fiel er im Alter von 21 Jahren bei Sondernach im Münstertal durch Granatschuss.

Über die Tage rund um den Tod von Paul Gaßner berichtet die Regimentsgeschichte des 19. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Aus dem nun bis 16.05. währenden Aufenthalte im Abschnitt MetzeralSondernach, welcher wiederum durch den Ausbau der weit ausgedehnten über Berg und Tal, durch Gestein und dichten Wald ziehenden Stellungen eine Unsumme von Arbeit in sich schloss und unseren Patrouillen reiche Gelegenheit zu Betätigung bot, prägten sich dem Regiment folgende Tage besonders ins Gedechtnis: der 03.05. 10 Uhr abends, als mit Musik, Glockengeläute und Geschützfeuer und dreimaligem Hurra aller von der 6. bayerischen Landwehr-Division und 8. bayerischen Reserve-Division in Stellung und Ruhe befindlichen Truppen der große deutsche Sieg im Osten gefeiert wurde, der 04.05. vormittags, als im weichenden Nebel vor dem im Wurmsa Tal stehenden Posten 7./R. 19 plötzlich eine 9 Maultiere starke feindliche Verpflegungskolonne auftauchte und kräftig beschossen wurde; dann aber schon nach wenigen Stunden und auch während der nächsten drei Tage schwere Granaten nach Steinabruck hereinfuhren und den größten Teil der dortigen Fabrik zerstörten, dann vor allem der 07.05., als die Franzosen schon ab 7 Uhr vormittags Höhe 830 und von 2 Uhr nachmittags ab auch Höhe 955,3 und die Stellungen oberhalb Pfliegle stundenlang mit schwerem Kaliber belegten, die sich 6 Uhr daran anschließenden Infanterie-Angriffe, aber dort durch 4./R. 18 im Verein mit den Jägern 14 und der 3./R. 19, hier durch 5./R. 19 restlos unter starken Feindesverlusten abgewiesen wurden.“

Man begrub Paul Gaßner auf dem Soldatenfriedhof Breitenbach in einem Massengrab.

Sterbebild von Paul Gaßner
Rückseite des Sterbebildes von Paul Gaßner

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.999: Johann Moser

Der Soldat Johann Moser wurde am 01.01.1890 in Sorsbach als Sohn eines Landwirts geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Pleiskirchen. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 3. Kompanie des 18. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment. Am 23.12.1916 wurde er während der Schlacht bei Rimnicul-Sarat in der Nähe von Balaceanul schwer verwundet. Am 25.12.1916 verstarb er im Alter von 26 Jahren in einem Feldlazarett.

Über den Todestag und die Todesumstände von Johann Moser berichtet die Regimentsgeschichte des 18. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

Fortsetzung vom 22.12.1916

„Tagsüber wird in kurzen Probemärschen rasches Vorwärtskommen beim Angriff geübt; alle Vorbereitungen für den am 23. Dezember angesetzten Sturm auf Balaceanul werden noch getroffen.

An Stelle des erkrankten Hauptmanns Semmelmann übernimmt Oberleutnant von Pigenot die Führung von III./18.

Nach den Erkundungen stellten sich die Verhältnisse für uns denkbar ungünstig dar. Eine weite Ebene bietet auch nicht die geringste Deckung. Auf weite Sicht beherrschte das feindliche Erdwerk vor Balaceanul die Gegend.

Um Mitternacht beginnt die Bereitstellung der Bataillone. Wir sind am äußersten rechten Flügel der 301. Infanterie-Division, II./18. hat Anschluss an den linken Flügel der 109. Division, k. u. k. Infanterie-Regiment 71.

II./18 soll gegen das Erdwerk und die Meierhöfe vor der südlichen Ortsspitze, I./18 frontal gegen die Ortsspitze vorgehen. Der Einsatz ist, Reihenfolge von rechts nach links: 8., 5., 6., 4., 3. und ½ der 1. Kompanie in vorderster Linie. Rest der Bataillone in Reserve. Die Kompanien zählen 90, ganz starke 100 Gewehre. III./18 steht hinter dem linken Flügel des Regimentsabschnitts als Flankenschutz und Reserve.

Bis 5 Uhr ist die Aufstellung vollzogen, dann beginnt das Heranarbeiten an den Feind; um 6 Uhr früh soll das Artilleriefeuer einsetzen, 20 Minuten später der Sturm erfolgen. Vorgeschobene russische Posten werden sehr früh auf 4./18 aufmerksam und beginnen lebhaft zu feuern. Gleichzeitig beginnt das Wirkungsschießen unserer Artillerie. Bedauerlicherweise schießt sie anfangs zu kurz, so dass I./18 im Heranarbeiten ans Hindernis gestört wird und verschieben muss. So entstehen in der Mitte gleich aus zweierlei Ursachen schwere Verluste. Abgeschossene Leuchtkugeln verständigen über Zielverlegung. Jetzt hat aber der Russe bemerkt, was wir im Schilde führen. Viel zu früh und über Gebühr aufmerksam geworden, verstärkt er seine Gräben. Aus Richtung Balaceanul, der Meierhöfe und dem Erdwerk schlägt mörderisches Infanterie-, Maschinengewehr- und Flankenfeuer entgegen. Trotzdem kommen die vorderen Wellen bis an das unversehrte Drahthindernis, das ungefähr 100 Meter vor den russischen Gräben war, heran. Inzwischen war es hell geworden und der Feind, Mann an Mann in seinen Gräben stehend, beschoss jeden sich ihm zeigenden Angreifer. Auch das unheimliche Feuer einer dicht bei dem Meierhof stehenden Batterie macht es unmöglich, gegen das Hindernis vorzudringen. Arg sind bei I./18 die Züge geschwächt, um den Gefechtsstreifen einzuhalten, verlängern zwei Züge 2./18 nach links, auch die 9./18 rückt zur Verstärkung ein.

Auf dem äußersten rechten Flügel schien der Feind zurückzuweichen, es war der 8. Kompanie, angelehnt an die Österreicher, sogar möglich, in den Besitz eines russischen Grabens zu kommen und sich dort festzusetzen. Die 109. Division war weiter südlich von uns an ihrem rechten Flügel vorwärtsgekommen und in Linie Pintecani – Galbenul durchgestoßen. Diese Entlastung bekam die 8./18 zu spüren. Um den Einbruch zu einem Erfolg ausnützen zu können, werden an der Divisionsgrenze rasch noch zwei Kompanien k. u. k. 71er nachgeworfen, aber schon verstärkt der Feind seine Abwehr aus dem Erdwerk. Der russische Flügel hält stand, weiterer Gewinn ist nicht möglich. Nach dem dünnen Außenflügel von I./18 kroch noch 10./18 als Ersatz vor. In wechselnder Entfernung vom Hindernis, 300 bis 400 Meter vor Balaceanul, graben sich die Kompanien ein. Wegen dem hartgefrorenen Boden kommen sie aber über ganz leichte Schützenlöcher nicht hinaus. Indessen ist es frühe Nacht geworden.

Gerne hätten wir der 301. Division, deren linker Anschlussflügel abwartend unsern Erfolg erhoffte, das raschere Vorgehen gegen Rimnicul – Sarat ermöglicht. Wohl wussten wir von dem einschneidenden Gewinn der 12. bayerischen Infanterie-Division westlich der Straße Buzau – Rimnicul-Sarat. Mangelnder Angriffsgeist war es gewiss nicht, der unseren Misserfolg begünstigte. Auch an der Führung der Truppen konnte es unmöglich gelegen haben. Klar lag die Ursache in dem Verzweifelten Widerstand, den der Russe hier bot, zutage, mit geradezu unglaublicher Verschwendung von infanteriefeuer überschüttete er das vollständig ebene Angriffsfeld. Unserer Artillerie fehlte Munition.

Alles ist niedergeschlagen. In der Dunkelheit suchten wir das Feld nach Verwundeten und leider, leider allzu vielen Toten ab. Nie hat das Regiment – vor- und nachher – ein einziger Tag so schwere Verluste gekostet. Ant Toten hatten wir – einschließlich an schwersten Wunden Gestorbener – die hohe Zahl 168, an Verwundeten 291. Der Gesamtausfall bei I./18 betrug 227, dem ganzen Bataillon verblieben 80 Gewehre, das bedeutete die Aufopferung von ¾ seines sowieso geschwächten Bestandes. Am meisten gelitten hatte die 4./18 (Baumeister), 27 Tote 43 Verwundete, nahezu die ganze Kompanie war aufgerieben. Offiziersstellvertreter Seidl und vier Gruppenführer waren unter den Gefallenen. Die anschließende 6./18 (Feldner) hat die höchste Totenziffer – 39 – darunter Vizefeldwebel Kalteis und neun erprobte Gruppenführer. Die ganze Kompanie war früh mit 4./18 ja von dem ersten Feuer gepackt worden. Die Verluste machen es erklärlich, warum von der 6. Kompanie während des Sturmes eine Meldung über die erreichte Linie ausblieb. In ihrem Gefechtsstreifen war ein Vorwärtskommen einfach unterbunden! Bei 5./18 sieht es grauenhaft aus, hier ist als Kompanieführer der brave Leutnant der Reserve Herbert gefallen, seine Zugführer Denzinger und Götz, einer schneidiger als der andere, ebenfalls; weiter fehlen fünf Gruppenführer und 14 Infanteristen. Unter den Verwundeten ist der Zugführer des 3. Zuges, Offiziersstellvertreter Moldenhauer. Bei der 7. und 8. Kompanie sind die Verluste weniger groß. Sie sind durch die Entlastung des vorwärtskommenden Flügels  der Österreicher erklärt. Bei 8./18 ist Vizefeldwebel Adam gefallen. 9. und 10. Kompanie haben ebenfalls schwere Verluste, beide Kompanieführer Leutnant der Reserve Schönemann und Leutnant der Reserve Beer sind verwundet worden.

Das Regiment hat mehr als die Hälfte seiner eingesetzten Gefechtskraft eingebüßt. Was besonders bitter war, bedeutete der Umstand, dass zu den Opfern unsere allerbesten Unteroffiziere und Mannschaften zählten. Kameraden, die seit dem Vormarsch angehörten, wieder andere, die den ganzen Vormarsch mitgemacht und unversehrt durchgekommen waren, Wiedergenesene, die dem Regiment, von ihren Wunden der Sommeschlacht hergestellt, nachgeeilt waren, lagen erstarrt auf dem blutgetränkten Plan der Weohnachtsschlacht. Viele Schwerverwundete mögen, hilflos der Kälte preisgegeben, erfrierend entschlummert sein. Nur wer die Zeit überlebt hat, kennt jene Bilder des Grauens. Das Herz krampfte sich uns zusammen beim Anblick der vielen Toten und Verwundeten. Dabei stand Weihnachten vor der Tür, es war der Vorabend einer traurigen Christnacht.

Starke Kälte setzte dem in Front liegenden Rest weiter zu. Fahrzeuge brachten Verpflegung, Stroh vor und nahmen die vielen Verwundeten zurück, für deren Sammlung kameradschaftliche Hilfe nicht ausreichte. Auch die toten Kameraden wurden zurückgefahren. Die Kompanien der Brigadereserve mussten helfend einspringen. I./18 länger in Stellung zu belassen ist unmöglich, nachdem 11. und 12. Kompanie am linken Flügel sich eingegliedert, wurde der kleine Rest am heiligen Abend in Biwak in eine Mulde rückwärts gelegt.“

Die Lage des Grabes von Johann Moser ist unbekannt.

Seine Heimatgemeinde Pleiskirchen gedenkt Johann Moser noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2009/pleiskirchen_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Johann Moser
Rückseite des Sterbebildes von Johann Moser