Sonderbeitrag: Tobis Will

Der Soldat Tobis (Verlustliste: Tobias) Will stammte aus Treis an der Lumda, einem Stadtteil der hessischen Stadt Staufenberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 2. Kompanie des 129. Infanterie-Regiments. Am 03.07.1916 wurde er von einem Artilleriegschoss in Hals und Brust getroffen und starb dadurch im Alter von 20 Jahren. Er wurde ein Opfer des Gefechts am Porostyn und bei Sadzawka in Galizien.

Über den Todestag und die Todesumstände von Tobis Will berichtet die Regimentsgeschichte des 129. Infanterie-Regiments:

Am 3.7., an dem die 44. I.T.D. weiter angreifen, die 215. Brig. sich dem fortschreitenden Angriff anschließen sollte, blieb es den Vormittag über ziemlich ruhig, nur berichteten die Bataillone übereinstimmend über das Eintreffen zahlreicher Befehle und Gegenbefehle. Aus Süden und Südwesten war starker Geschützlärm hörbar. Um 10,45 vorm. wurden 1. und 2. Komp. (dabei Stab I.) nach Chausseebrück Sadzawka geschickt als Reserve für Honvedrgt. 20, das eine Stellung von H.St. Sadzawka nach Süden bis zum Pruth besetzt hatte. Zugleich sollte dieses körperlich und moralisch nicht mehr voll leistungsfähige Regiment im Falle eines Angriffs aufgenommen werden. Die 3. komp. wurde zur Sperrung der Kobylnica-Schlucht abgezweigt und hatte Verbindung zu halten zwischen der 44. I.T.D. westlich und der 48. Brig. östlich der Schlucht, eine schwierige Aufgabe, die die Kompagnie unter Lt. Sakowski gut löste.

Etwa 12⁰⁰ mittags wurde die Fortsetzung des Angriffs erneut befohlen.
Dabei sollte vom Regiment aus seiner genau südlich gerichteten Front nach Osten angetreten werden, im Anschluß an den rechten Nachbarn, nach dem sich das Vorgehen zu richten hatte. Das Regiment erfüllte diesen ungemein schweren taktischen Auftrag derart, daß es das bisher in 2. Linie befindliche II. Bataillon als vorderstes Bataillon bestimmte und sich mit Front nach Osten, linker Flügel bei Höhe Posovrin, Frontbreite 500 m, aufstellen ließ. Das I. Btl., das nach dem früheren Angriffs­befehl wieder zum Regiment in Marsch gesetzt sein sollte, hatte sich nördlich der Höhe zusammenzuziehen und dem II. als Brigade-Reserve zu folgen, dann erst das III. sich bei der Höhe als Gruppenreserve zu sammeln.

Zur Durchführung des Angriffs kam es nicht. Die rechts befindlichen Abschnitte. Verbände kamen nicht vorwärts. Unser II. Btl. ging, alle 4 Kom- pagnien eingesetzt, den Feind dicht vor der Front, nur ein kurzes Stück vor und blieb bis abends auf dem Osthang des Poroflyn. Vor allem aber hatte sich die Lage auf dem Nordufer des Pruth gefährlich gestaltet. Hier war gegen abend der Russe allmählich gegen das Honvedregt. nordl. und weiter nördl. vorgegangen. Gegen 6⁰⁰ setzte starkes Artilleriefeuer ein. Kurz vor 8⁰⁰ abds. wurde ein russ. Angriff gemeldet und auch erkannt, darauf zu- nächst ein Zug der 1. Komp. südl., einer der 2. nördl. der Straße als „Koreffstützunge“ für die noch haltenden Honveds eingesetzt, als diese aber zurückfluteten auch der Rest beider Kompagnien zum Gegenangriff in Richtung Kirche von Sabaznoka vorgeworfen. Ihr Stoß kam gerade rechtzeitig; dichte russ. Linien kommen von Osten heran, werden beschossen, zu- rückgeworfen, ergeben sich zum großen Teil; zweite, dritte Linien folgen, in den durch Honveds nicht mehr befestigten Flanken kommen ebenfalls feind- liche Abteilungen vor. Da die Honveds- und Russenmützen einander ähneln, sprachlich eine Verständigung nicht möglich ist, ist jedes Ordnen und Erkennen in dem inzwischen hereingebrochenen Dunkelbeld ausgeschlossen; ein wildes, ungeregeltes Nachtgefecht entbrennt; das Gelände ist überaus schwierig und unübersichtlich; die beiden deutschen Kompagnien, weit aus- einandergerissen, allerseits angegriffen, stecken in einem Hexenkessel; der Führer der 1. wird verwundet; Mann gegen Mann oder in kleinen Trupps wehrt sich jeder so gut er kann; ein Teil fängt an nachzugeben. Da, ge- rade rechtszeitig, bringen zwei eben herangekommene Züge der 4. Komp. mit ihrem linken Flügel längs der Straße vorgehend, eine gewisse Entlastung; aber doch nur vorübergehend. Im Häuserkampf und in der Dunkelheit vielfach umgangen, stark überlegenen Feind teilweise schon im Rücken, muß die kleine deutsche Truppe zurück. Der Bataillonskommandeur, Major Zachariae, hält auf, was kommt und läßt eine Linie vom Pruthufer zum Kirchhof (am Ostausgang des Orts an der Straße) besetzen.

Der Russe, der auch sein Teil hat, drängt diese kurze Strecke nicht nach und so gelingt es, die genannte Stellung mit einer leidlich zusammenhängenden Linie durcheinandergewürfelter Leute, Deutschen und einzelnen Honveds, zu besetzen. Nördlich der Straße übernimmt Oblt. d. R. Hensel, südlich R. d. R. Müller den Befehl. Um 11°° abds. trifft das k. u. k. Jäg. Btl. 18 ein, von dem alsbald 2 2/3 Kompagnien zur Verstärkung der Linie und Verlängerung der Flügel eingesetzt werden. Um 11.30 abds. wird durch den Zug Almers der 4. komp. die Linie bis zur Bahn ausgedehnt und abgeschlossen.

Die Lage des Grabes von Tobis Will ist unbekannt.

Die Todesanzeige für Tobis Will im Gießener Anzeiger

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Fritz Schomber

Der Soldat Fritz Schomber stammte aus Mittelhessen und war von Beruf Bäcker. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der Leib-Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 08.09.1914 fiel er während der Schlacht an der Marne im Alter von 19 Jahren bei Alliancilles.

Die Lage des Grabes von Fritz ist unbekannt.

Todesanzeige für Fritz Schomber im Gießener Anzeiger
Nachruf des Bäckerverin „Frühauf“ auf Fritz Schomber im Gießener Anzeiger vom 21.09.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Ludwig Hauß

Der Soldat Ludwig Hauß stammte aus der hessischen Universitätsstadt Gießen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann bzw. Musketier in der 8. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 18.09.1914 fiel er im Alter von 27 Jahren bei Servon. Marolles.

Über den Todestag und die Todesumstände von Ludwig Hauß berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Reserve-Infanterie-Regiments:

„„17. und 18.9.14. Das Regiment bleibt in seiner Stellung beiderseits der Straße eingegraben mit dem Befehl, die Höhe 800 m südlich la Mare-aux-Boefs unbedingt zu halten, falls die weiter vorne eingesetzte 50. R.Brig. zurückgedrängt werden sollte. Das Regiment erhält wieder eine Anzahl E.K. II..“

Man begrub Ludwig Hauß auf dem Soldatenfriedhof Servon-Melzicourt in Block 2, Grab 355.

Die Todesanzeige für Ludwig Hauß im Gießener Anzeiger vom 28.09.1914

Gefallene Soldaten aus Mittelhessen: Ferdinand Gernaudt

Der Soldat Ferdinand Gernaudt (Volksbund: Gernandt) stammte aus der hessischen Ortschaft Heuchelheim. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 8. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er während der Schlacht an der Marne bei Anloy.

Über den Todestag und die Todesumstände von Ferdinand Gernaudt berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:

„Gegen 6 Uhr vormittags (22. August) trat das Regiment als Vorhut den Marsch über Ochamps nach Glaireuse an. Auf den Höhen nördlich von diesem Dorfe stellte es sich bereit. Die Bereitstellung war gegen 9 Uhr vormittags beendet, und die Truppen waren eben aus den Feldküchen verpflegt worden, da traf folgender Befehl ein: „Infanterie-Regiment 116 geht auf dem linken Flügel der 49. Infanterie-Brigade vor, mit dem linken Flügel an der Südecke von Anloy vorbei, rechts Anschluss an Infanterie-Regiment 115. Die Linie Anloy-Bournonwald soll vorerst nicht überschritten werden.“ Über die allgemeine Lage wurde bekannt, dass die 4. Armee mit dem VI. Armee-Korps und  VIII. Reserve-Korps die Flanken der angreifenden 3. und 5. Armee decken und in ihrer Mitte am Leffe-Abschnitt (XVIII. Armee-Korps) und bei Neufchâteau (XVIII. Reserve-Korps) eine Bereitstellung einnehmen sollte. Die Nachrichten über den Feind waren immer noch sehr unbestimmt. Nach Fliegermeldungen sollten in den Wäldern jenseits des Leffebaches  nur Kavallerieabteilungen stehen. Die feindliche Infanterie wurde etwa 50 Kilometer dahinter vermutet.

Das Regiment nahm das II. und III. Bataillon ins erste Treffen; hinter dem III. Bataillon folgte die Maschinengewehr-Kompanie. Das I. Bataillon war hinter dem linken Flügel gestaffelt und stand zunächst der Brigade zur Verfügung. In guter Ordnung entfalteten sich die Kompanien und gingen, nachdem der Südrand von Anloy überschritten war, in Schützenwellen vor. Weiter rechts, wo die 50. Infanterie-Brigade über Libin gegen Maissin vorging, wurde lebhaftes Gewehr- und Artilleriefeuer laut. Unsere Brigade (49. Infanterie-Brigade) dagegen hatte bereits die befohlene Linie erreicht, ohne auf einen Gegner zu stoßen. So wurde die befohlene Linie im Anschluss an die rechten Nachbartruppen überschritten. Doch kaum hatten die ersten Wellen des II. und III. Bataillons gegen 2 Uhr nachmittags die Höhen südwestlich von Anloy erreicht, als ihnen aus einer Entfernung von kaum 400 Metern lebhaftes Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer entgegenschlug. Und doch war vom Gegner nichts zu sehen. In Getreidefeldern und am Waldrande hielt er sich vorzüglich gedeckt, so dass kein sicherer Schuss auf ihn anzubringen war. Aber dem ungestümen, unserem Infanteristen zur zweiten Natur gewordenen Drang nach vorwärts zeigte sich der Gegner nicht gewachsen. Trotz des starken Feuers und trotz der hemmenden Drahtumzäunungen der Felder gelang es nach mehrmaligem Ansturm, die Getreidefelder allmählich vom Feinde zu säubern und die nächsten Waldstücke zu erreichen. Namentlich am rechten Flügel wurde der Angriff mit rasender Schnelligkeit vorgetragen. Trotz schwerer Verluste und trotz der Mahnungen der Offiziere zur Besonnenheit ging alles nach vorn durch.

Im Walde war zunächst das dichte Unterholz ein schwieriges Hindernis und verursachte viele Verluste. Ein weiteres Hindernis waren die vielen gut versteckten französischen Baumschützen, die dem Angreifer aus unmittelbarer Nähe ihre Schüsse entgegensandten, eine Kampfesweise, auf die der Deutsche nicht gefasst war, gegen die er aber bald wirksame Abhilfe fand. Auch das eigene Artilleriefeuer belästigte hier stellenweise die vorgehenden Kompanien. In wildem Drauflosgehen und hartem Ringen dachte man wenig an die Verbindung nach rückwärts, so dass unsere Artillerie nicht wissen konnte, wie weit der Angriff an den einzelnen Punkten vorgetragen war. Aber alle diese Schwierigkeiten konnten den Siegeslauf der in blinder Wut vorstürmenden Hessen nicht aufhalten. Waldstück auf Waldstück wurde dem Gegner entrissen, wobei sich an den einzelnen Waldrändern besonders erbitterte Kämpfe mit dem zähen Gegner abspielten. Hier war es auch, wo die beiden unerschrockenen Führer der  9. und 12. Kompanie, die Hauptleute Weltzien und Mattel, einen frühen Heldentod fanden. Auch die Führer der 9. und 12. Kompanie, Hauptleute Wolf und Buhtz, mussten schwer verwundet vom Schlachtfeld getragen werden.

So wogte beim II. und III. Bataillon der Kampf in der heißen Augustsonne schon die dritte Stunde. Da drohte gegen 4 Uhr nachmittags ein gefährlicher Rückschlag: Der vorher schon an Zahl überlegene Gegner des Regiments schob in der Front ein neues Bataillon ein und suchte gleichzeitig unsere linke Flanke mit zwei frischen Jägerbataillonen zu umfassen. Der Angriff in der Front aus dem Walde Derriere-Horimont konnte zunächst vom II. und III. Bataillon nicht aufgefangen werden: Die beiden Bataillone waren zu hart mitgenommen, die Verbände zu sehr durcheinandergewürfelt. So mussten sie dem Stoß ausweichen. Aber bald stellte ein Maschinengewehr-Zug unter Leutnant de Harde sowie eine Kompanie der 21. Pioniere die Lage wieder her. Leutnant Brendel, der Adjutant des II. Bataillons, warf sich mit etwa 100 Versprengten aus allen Kompanien gegen die rechte Flanke. Von neuem kam der Angriff in Fluss, auch das frische Bataillon des Gegners wurde geworfen. Teile der 5. und 8. Kompanie unterstützten die 4. und 6. Kompanie des Infanterie-Regiments 115 beim Sturm auf eine feindliche Batterie, die nach hartem Ringen erobert und trotz mehrfacher wilder Gegenangriffe behauptet wurde. Vizefeldwebel Dutliné (8. Kompanie) und Braun (5. Kompanie) zeichneten sich dabei besonders aus.

Nicht minder schwierig gestaltete sich der Kampf auf dem linken Flügel des Regiments. Hier klaffte eine bedenkliche Lücke in der deutschen Kampffront, da das XVIII. Reserve-Korps nach Süden vorgestoßen war. Der Gegner hatte diesen schwachen Punkt bald erkannt und holte von Stunde zu Stunde weiter nach links zur Umfassung aus. Als hier gleich zu Beginn der Schlacht das links gestaffelte I. Bataillon in Marschkolonne aus einem Hohlweg südwestlich von Anloy heraustrat, wurde es mit einem Hagel von Geschossen überschüttet, so dass alles volle Dekcung nehmen musste. Die vorderen Kompanien entwickelten sich gruppenweise nach links und arbeitete sich in wütendem Infanteriefeuer durch hohe Getreidefelder, ohne indes vom Feinde etwas zu sehen. In einem toten Winkel konnten die 3. und 4. Kompanie kurz Atem schöpfen. Ihre drei noch am Leben gebliebenen Zugführer, Leutnant Pieper, Locher und Offizierstellvertreter Petri, ordneten hier, was sich um sie gesammelt hatte, und griff dann ein von den Haubitzen der 61er sturmreif geschossenes, stark besetztes Waldstück an. Mutig trug der Sergant Pistler, umzischt von zahlreichen Geschossen, die entfaltete Fahne des Bataillons mit den stürmenden Kompanien nach vorn. Der Waldstreifen wurde genommen und schnell durchschritten. Aber frische feindliche Kräfte setzten zum Gegenangriff an und trafen namentlich die Leibkompanie sehr schwer. Viermal hatte sie einen französischen Vorstoß auszuhalten und verlor drei tüchtige  Offiziere, Leutnant von Erhardt, Meinberg und Mühlberger. Auch in den Ginsterbüschen jenseits des Waldstücks waren die Kompanien starkem feindlichen Strichfeuer ausgesetzt, das hohe Verluste brachte und zum Rückzug in das Waldstück zwang.

Entscheidend für die Abwehr der feindlichen Umfassungsversuche wurde das Eingreifen der Maschinengewehre. Ihnen hatte der Regimentskommandeur in richtiger Erkenntnis der Gefahr von vornherein die Sicherung der linken Flanke übertragen. Sie waren daher südlich von Anloy in Stellung gegangen. Dort hatten sie bald drei französische Maschinengewehre, die zwischen den Straßen Anloy-Sart und Anloy-Haie standen, außer Gefecht gesetzt. Infolge der feindlichen Umfassung kam jedoch Hauptmann Poly mit den Gewehren in eine bedrängte Lage. Da ritt Oberst Schimmelpfennig in schärfstem Galopp zur Artillerie, erhielt dort zwei Geschütze und brachte sie an der gefährdeten Stelle in Front. Ein fürchterliches Blutbad begann. Die beiden Geschütze rissen ungeheure Löcher in die überflügelnden feindlichen Reihen, Schwadenweise mähten die Maschinengewehre die vorgehenden Wellen nieder und schossen mit entsetzlicher Genauigkeit und Unerbitterlichkeit die Schützenlinien des Gegners zusammen, so dass jedes Leben in ihnen erstarrte. Gefangene schilderten sntsetzt die grauenhafte Wirkung dieses vereinigten Artillerie- und Maschinengewehr-Feuers, von dem man sich am anderen Tage beim Überschreiten des Schlachtfeldes mit Schaudern überzeugen konnte.

So tobte der heiße Kampf den ganzen Nachmittag, hier in wildem Handgemenge mit wüstem Schreien, dort in schrecklichem Zischen udn Heulen der todbringenden Geschosse, in Angriff und Gegenangriff um den Besitz einzelner Waldstücke, in wildem Vorstürmen und entsetztem Zurückgehen. Die Wildheit hatte besonders beim II. und III. Bataillon jede Einheitlichkeit über den Haufen geworfen. So wird erklärlich, dass Teile der 10. und 11. Kompanie weit rechts beim Infanterie-Regiment 117 gegen das Dorf Maissin kämpften. Aber immer noch war die endgültige Entscheidung nicht gefallen. Zwar begann von 5 Uhr nachmittags an unsere Artillerie käftiger zu wirken. Die Waldstücke, in denen sich der Gegner noch hielt, wurden planmäßig beschossen. Immer tiefer stießen die Kompanien dem gegner nach Westen nach. Trefflich half dem I. Bataillon eine Kompanie der 21. Pioniere, deren Führer, Hauptmann Peters, den Heldentod starb. Doch nur schrittweise gab der Feind eine Stellung nach der anderen auf. Da ertönten gegen 7 Uhr nachmittags in unserem Rücken Kommandorufe. Die lang ersehnte Unterstützung war da! In vierstündigem Marsche war die 16. Reserve-Division unter Generalleutnant Mootz von der Eisenbahn nach dem Schlachtfelde geeilt, um den Kameraden Hilfe zu bringen. Nun schwärmten die Kompanien des Reserve-Infanterie-Regiments 28 ein. Da gab’s kein Halten mehr. Mit Bajonett und Spaten wurde der bis zum äußersten sich wehrende Gegner aus seinen letzten Stellungen geworfen. Blau und rot quoll es aus den Waldstücken heraus. Auf wenige hundert Meter lief der nach Süden abziehende Gegner in das Flankenfeuer des I. Bataillons hinein und erlitt schreckliche Verluste. Erst die Dunkelheit machte dem Kampfe ein Ende. Völlig erschöpft sammelten sich die Bataillone auf der Höhe bei Alnloy. Bei der Unsicherheit der Gesamtlage – der rechte Flügel der Division hatte wegen drohender Umfassung das um 5 Uhr nachmittags gestürmte Maissin wieder räumen müüssen – wurde die Höhe und der Dorfrand zur Verteidigung eingerichtet.

Eine schwere Aufgabe harrte der Ärzte und Krankenträger. Im Kampfe mit Freischärlern, die aus den Häusern auf die durchziehenden Verwundeten schossen und die Gefechtsstaffel zersprengten, hatte Stabsarzt Dr. Szubinski am Westausgang des Dorfes den Verbandplatz des Regiments eingerichtet. Den ganzen Nachmittag über strömten die Verwundeten zu, und bald war alles überfüllt. Eine schier nicht zu bewältigende Arbeit für fünf Ärzte mit wenigen Helfern; dazu in stundenlangem Artilleriefeuer. Nach Mitternacht erschienen die Krankenträger der Sanitätskompanie mit Fackeln. Sie wurden aber beim Absuchen des Schlachtfeldes noch vielfach vom Feinde beschossen. Trotzdem wurden die meisten der hilflos daliegenden und dem Verschmachten nahen Schwerverwundeten noch während der Nacht zurückgeschafft. Viele aber mussten in ihrer Todespein den kommenden Morgen abwarten, bis sie aufgefunden und geborgen werden konnten.

Die erste Schlacht war geschlagen. Der blutigste Tag des ganzen Krieges lag hinter dem Regiment. Der Sieg hatte sich an seine Fahnen geheftet. Ein starker und tapferer Gegner war aus Stellungen gejagt worden, die er sich drei Tage lang mit Sorgfalt ausgesucht und ausgebaut hatte. Rühmliche Taten, die alle der Erwähnung wert wären, waren allerorten vollbracht worden. Aber groß, sehr groß waren auch die Verluste. Kein Tag des Feldzugs hat vom Regiment so viele Opfer gefordert wie der Tag von Anloy. Innerhalb weniger Stunden hat es über 1.000 Mann, mehr als ein Drittel seines Bestandes, verloren. 13 Offiziere, darunter außer den schon erwähnten der bewährte Führer der 4. Kompanie, Hauptmann von Normann, und Oberleutnant Ebel von der 6., der am nächsten Morgen seiner schweren Verwundung erlag, ferner Leutnant Becker, von Grolmann, Eichhoff, Klein, Walter und der Fahnenjunker Schäfer waren auf dem Schlachtfelde geblieben; 340 brave Unteroffiziere und Mannschaften waren mit ihnen in den Tod gegangen. Fast doppelt so hoch war die Zahl der Verwundeten. Unter ihnen waren 20 Offiziere: Das I. Bataillon hatte den Hauptmann von Thümen und die Leutnants Locher, Malzahn, Pieper, Scherer und den Fähnrich Marquardt verloren; das II. büßte Leutnant Schroeder, Johlen, Hellwig und Buchholtz ein; am schwersten aber waren die Verluste beim III., wo außer den vier Kompanieführern die Leutnants Dingeldein, Flotho, Fischer, Loerbrocks, Schmidt, Meyer und Freytag fehlten. In der Maschinengewehr-Kompanie waren Oberleutnant Kienitz und Leutnant de Harde (D. E.) verwundet. An Unteroffiziere und Mannschaften waren 599 verwundet, 72 wurden vermisst. Der Name Anloy sollte einen schrecklichen Klang in der hessischen Heimat erhalten. Da war kein Städtchen und Dörfchen, in das nicht die Nachricht gedrungen wäre: „Bei Anloy gefallen!“ Aber darum ist der Name auch zum Ehrennamen der Kämpfer des 22. August geworden. Von allen Kränzen, die sich das Regiment in diesem großen Krieg errungen, ist der Kranz von Anloy der schönste. Er wird nie verwelken.“

Man begrub Ferdinand Gernaudt auf dem Soldatenfriedhof Anloy-Heide in Block 3, Grab 98.

Die Todesanzeige für Ferdinand Gernaudt im Gießener Anzeiger vom 29.09.1914

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.676: Viktor Kisters

Der Soldat Viktor Kisters wurde am 02.09.1893 in Mörmter, einem Stadteil der Stadt Xanten (Nordrhein-Westfalen), geboren. Im Ersten Weltkrieg diente er als Musketier im 4. Reserve-Ersatz-Regiment. Am 05.05.1917 fiel er im Alter von 23 Jahren bei der Schlacht an der Aisne in Frankreich.

Man begrub Viktor Kisters auf dem Soldatenfriedhof Cerny-en-Laonnois in Block 1, Grab 1.424.

Sterbebild von Viktor Kisters
Rückseite des Sterbebildes von Viktor Kisters

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.654: Heinrich Schnittker

Der Soldat Heinrich Schnittker wurde am 30.04.1892 in Osterdamme geboren, einem Ortsteil der Stadt Damme in Niedersachsen. Im Ersten Weltkrieg diente er als Musketier in der 2. Kompanie des 91. Infanterie-Regiments. Am 29.08.1916 verstarb er im Alter von 24 Jahren im Prosper-Hospital Recklinghausen, nachdem er zuvor bei Gefechten ein schwere Verwundung erhielt. Die Regimentsgeschichte berichtet, er sei an einer Krankheit gestorben. Hat hier die Familie versucht, seinen Tod zu beschönigen?

Die Lage des Grabes ist nicht registriert, ich vermute jedoch, dass er auf einem zivilen Friedhof im militärischen Bereich begraben wurde und dass das Grab noch heute existiert.

Sterbebild von Heinrich Schnittker
Rückseite des Sterbebildes von Heinrich Schnittker

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.592: Richard Böhm

Der Soldat Richard Böhm wurde am 10.12.1894 in Lauscha im heutigen Thüringen geboren. Er war angehender Lehrer (Lehramtskandidat). Im Ersten Weltkrieg diente er als Musketier in der 7. Kompanie des 252. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 21.02.1915 fiel er im Alter von 20 Jahren während der Winterschlacht in Masuren (Schlacht bei Lyck) bei Wolkuez.

Die Lage des Grabes von Richard Böhm ist – wie oft bei Gefallenen der Ostfront – unbekannt.

Sterbebild von Richard Böhm
Rückseite des Sterbebildes von Richard Böhm

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.584: Heinrich Decker

Der Soldat Heinrich Decker wurde am 21.01.1893 in Rüschendorf geboren, einem Ortsteil der Stadt Damme in Niedersachsen. Im Ersten Weltkrieg diente er als Musketier in der 9. Kompanie des 228. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 03.07.1916 fiel er im Alter von 23 Jahren während der Schlacht bei Baranowitschi (weißrussisch: Baranawitschy) bei Gardischtsche während eines Sturmangriffs durch einen Kopfschuss.

Die Lage des Grabes von Heinrich Decker ist unbekannt.

Sterbebild von Heinrich Decker
Rückseite des Sterbebildes von Heinrich Decker

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.577: Bernard Warnke

Der Soldat Bernard Warnke wurde am 01.07.1891 geboren und stammte aus Einen, einem Ortsteil der Gemeinde Goldenstadt in heutigen Bundesland Niedersachsen. Im Ersten Weltkrieg diente er Als Musketier in der 3. Kompanie des 91. Infanterie-Regiments. Am 09.09.1916 verstarb er im Alter von 25 Jahren, nachdem er durch einen Oberschenkelschuss bei den Gefechten von Aleksandrowka – Sieniawka schwer verwundet worden war, im Feldlazarett Serkizow in Wolhynien.

Man begrub Bernard Warnke bei Adamowka. Ob sein Grab noch heute existiert, ist unbekannt, jedoch eher unwahrscheinlich.

Sterbebild von Bernard Warnke
Rückseite des Sterbebildes von Bernard Warnke

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.434: Franz Xaver Hirth

Der Soldat Franz Xaver Hirth wurde im Mai 1888 geboren und stammte aus Gunningen, einer Gemeinde im heutigen Bundesland Baden-Württemberg. Im Ersten Weltkrieg diente er als Musketier in der 3. Kompanie des 169. Infanterie-Regiments. Am 02.12.1914 fiel er im Alter von 26 Jahren bei Lievin in Nordfrankreich

Man begrub Franz Xaver Hirt auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Gunningen gedenkt Franz Xaver Hirth noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2010/gunningen_wk1u2_bw.htm

Sterbebild von Franz Xaver Hirth
Rückseite des Sterbebildes von Franz Xaver Hirth