Der Soldat Carl Witkop (Verlustliste & Regimentsgeschichte: Karl Moritz Wittkop) stammte aus der hessischen Stadt Braunfels und lebte in der Nachbarstadt Weilburg an der Lahn. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Vizefeldwebel (Verlustliste: Unteroffizier) in der 11. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 27.09.1914 fiel er in Frankreich an der Somme. Er wurde bei Fresnoy getötet.
Über den Todestag und die Todesumstände von Carl Witkop berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:
„Der nächste Mittag (27. Sept.) brachte wieder einen Angriffsbefehl. Es sollte sofort gegen Fresnoy angetreten werden. Der Angriff sollte das weiter rechts vorgehende XXI. A.K. entlasten. Aber er war bei dem Mangel an jeglicher Vorbereitung zur Aussichtslosigkeit verurteilt. Gleich der Anfang zeigte dies: Der linke Flügel des II. Batls. konnte infolge rasenden Feuers aus der linken Flanke, wo der Gegner noch bei Waucourt lag, nicht aus dem Graben herauskommen. So sprang gegen 3 Uhr nachm. nur das III. Batl. zusammen mit dem II./117 aus der Deckung und stürmte gegen die Route nationale Roye—Péronne vor. Trotz heftigen Feuers erreichten sie die Straße. Aber diese lag unter so starkem Artilleriefeuer, daß man sie nicht überschreiten konnte. Zwar gelang dem III. Batl. und einer Abteilung des II. die Wegnahme der Ferme de l’Abbaye, aber weiter war nicht vorzukommen, da die linke Flanke vollständig offen lag. Die Bataillone blieben also vor der Straße liegen. Auch die Truppen des XXI. A.K. gingen rechts nicht weiter vor, schickten vielmehr die Meldung, daß der beabsichtigte Zweck ihres Scheinangriffs erreicht sei. Deswegen wurden bei Einbruch der Dunkelheit die vor der Straße liegenden Kompagnien wieder in die Ausgangsstellung zurückgenommen. Leib- und 3. Komp. wurden wegen der Länge des Abschnitts zwischen dem II. und III. Batl. eingeschoben. Der Feind blieb während der Nacht jenseits der großen Straße, so daß die Krankenträger der Bataillone und der Sanitätskompagnie das Vorgelände nach Verwundeten absuchen konnten. An Offizieren wurden in diesen Kämpfen vor Gruny Lt. Bertermann, Clar, Schäfer und Spangenberg verwundet.
Die zwei folgenden Tage brachten keine Veränderung der Lage. Nächtliche Patrouillen meldeten eifriges Schanzen des Gegners am Bahndamm Roye—Chaulnes. Starker Gefechtslärm links ließ auf schwere Kämpfe der Regimenter 115 und 118 und der 21. I.D. schließen. Am 29. lag das III. Batl. rechts, das I. links in der Stellung vor Gruny, das II. als Reserve in Sept Fours. Da eröffnete gegen Mittag unsere Artillerie ein heftiges Feuer auf den Bahndamm und das Dorf Fresnoy. Die Infanterie horchte auf. Sie war für solche Dinge feinhörig geworden. So kam der Angriffsbefehl am 30. nicht unerwartet. Um 2 Uhr nachm. hieß es: Fresnoy ist anzugreifen, bis 4 Uhr nachm. soll der Bahndamm überschritten sein. Das Regiment gab hierzu folgenden Befehl: „In vorderer Linie geht das I. Batl. (links) und das II./117 (rechts) vor; Trenungslinie beider Bataillone ist der Weg Crémery—Fresnoy. Das III. Batl. folgt hinter der Mitte, das II. bleibt mit zwei Bataillonen des I.R. 117 als Divisionsreserve in Thilloy.“
Gegen 3 Uhr nachm. traten die beiden vorderen Bataillone an; unser I. Batl. hatte die 3. und 4. Komp. vorn, dahinter die 2., die Leibkompagnie in dritter Linie. Wieder überschüttete die feindliche Artillerie die vorgehenden Schützenwellen an der großen Straße, besonders in der Nähe der Ferme, mit einem Hagel von Geschossen, die von Roye her prasselnd durch die hohen Baumriesen fegten und sie wie Streichhölzer knickten. Aber diesmal gelang es, die Straße zu überschreiten. Auch das vom Bahndamm her einsetzende Infanteriefeuer konnte, so höllisch es durch die Lüfte pfiff, die Kompagnien in ihrem Anlauf nicht aufhalten. In schnellen Sprüngen arbeiteten sich die vorderen Wellen an den Gegner heran und stürmten den Bahndamm. Es war 4 Uhr nachm. Aber jenseits des Bahndamms wollte es nicht mehr vorwärts gehen. Der Dorfrand von Fresnoy war wie eine Festung ausgebaut und stark besetzt und die Gefechtsstärke unserer Kompagnien so gering. Alles mußte auf freiem Felde liegenbleiben und auf Unterstützung warten. Inzwischen war das II. Batl. mit dem III./117 von Thilloy nach Crémery vorgerückt, während sich das III. Batl. aus seiner Stellung bei Gruny auf das brennende Fresnoy vorarbeitete, um dem I. Hilfe zu bringen. Gleichzeitig eilte auch das I./117 seinem II. Batl. zu Hilfe. Die Nacht war bereits heraingebrochen, als diese beiden Bataillone in der vorderen Linie einschwärmten. Auch sie hatten sich erst durch starkes Artilleriefeuer und vom Bahndamm ab durch den Kugelregen durcharbeiten müssen. Nach nochmaliger starker Artillerievorbereitung wurde um 11.30 nachm. zum Sturm angetreten. Die brennenden Häuser wiesen den Angreifern den Weg. Gleichzeitig mit den vier Bataillonen der Regimenter 116 und 117 lief von Nordosten aus der Richtung von Liancourt her ein Bataillon des I.R. 70 gegen das Dorf an. Der Sturm glückte glänzend. Überall wurden die feindlichen Stellungen unter gellendem Kriegsgeschrei im Bajonettangriff genommen, wobei es an vielen Stellen zu verzweifeltem Nahkampf kam. Sofort stießen die Kompagnien durch die gespenstisch erleuchteten Straßen dem fliehenden Gegner nach bis zum Westrand des Dorfes. Hier machten sie halt. Es war um Mitternacht. Eiligst wurden die völlig vermischten Verbände, so gut es ging, geordnet. Dann wurden den einzelnen Bataillonen ihre Verteidigungsabschnitte zugewiesen. Und dann Spaten raus! Das I. Batl., rechts an I.R. 117 angelehnt, hob einen Graben zwischen den Wegen Fresnoy—Parvillers und Fresnoy—Damery aus; das III. baute links anschließend seine Verteidigungsstellung bis zu dem Wege Fresnoy—Goyencourt. Zur größeren Sicherheit wurde die M.G.K. an den Ostrand von Fresnoy vorgezogen. Da die 12. Komp. am linken Flügel des Regiments bis zum Morgen keinen Anschluß nach der Flanke fand, drohte an diesem Punkte eine Zeitlang die Gefahr eines Rückschlags. Aber der Vorstoß, den der Gegner beim Morgengrauen aus Damery heraus machte, war mit zu schwachen Kräften angesetzt und konnte daher leicht zurückgewiesen werden.“
Die Lage des Grabes von Carl Witkop ist unbekannt.










