Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.635: Johann Rauschhuber

Der Soldat Johann Rauschhuber wurde am 09.02.1887 in Seppenberg geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Schnaitsee, und war Dienstknecht in Obersur. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er von Beginn des Krieges an als Gefreiter in der 3. Kompanie des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und mit dem bayerischen Verdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnet. Am 05.04.1918 fiel er im Alter von 31 Jahren während der Großen Schlacht in Frankreich.

Über den Todestag und die Todesumstände von Johann Rauschhuber berichtet die Regimentsgeschichte des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„In der Nacht vom 4./5. wurde die zweite Bereitstellung, zugleich Sturmausgangsstellung eingenommen. Es gelang dies erst nach ungeheuren Mühen. Ununterbrochen regnete es, die Geschosstrichter waren mit Wasser, Gräben, soweit solche vorhanden, mit knietiefem Schlamm gefüllt; die Führer, die das II. Bataillon zu stellen hatte, hatten sich verirrt und kamen überhaupt nicht mehr. Feindliche Feuerüberfälle brachten Verluste und vermehrten die Unordnung. Endlich am 5. morgens gegen 8 Uhr war die Sturmausgangsstellung bezogen:

Rechts: I. Bataillon, Reihenfolge 1., 2., 3., 4. Kompanie. Links: III. Bataillon, Reihenfolge 10., 12. Kompanie; dahinter 9., 11. In 2. Linie: 2. Bataillon, Reihenfolge 8., 7., 5., 6. Kompanie. Die Maschinengewehr-Kompanien waren bei ihren Bataillonen. Rechts Anschluss an Reserve-Infanterie-Regiment 10, links an Infanterie-Regiment 119. Das Reserve-Infanterie-Regiment 7 hatte hinter dem linken Flügel unseres Regiments zu folgen.

Punkt 5 Uhr morgens hatte das Wirkungsschießen unserer Artillerie und unserer Minenwerfer begonnen, die feindliche Artillerie erwiderte nur schwach. Umso lebendiger wurde die feindliche Infanterie, als die Sicht zwischen 7 Uhr und 8 Uhr besser wurde, mit ihren Maschinengewehren, die vom Ortsrand von Hébuterne und von der Höhe nordöstlich Colincamps die Bereitstellungsräume bestrichen, ohne von unserer Artillerie gefasst zu werden. Die dem Regiment zugeteilte Begleit-Batterie, deren Aufgabe es gewesen wäre, die Maschinengewehr-Nester in direktem Schuss zu bekämpfen, konnte nach Meldung ihres Führers wegen der Geländeschwierigkeiten nicht vorgebracht werden. Zwei leichte Minenwerfer des I. Bataillons, sowie 2 Züge Maschinengewehre III. Bataillon taten zwar ihr Möglichstes, konnten aber die schwierige Aufgabe allein nicht lösen.

8.45 Uhr vormittags setzte unser Trommelfeuer ein. Der Kommandeur des III. Bataillons benützte die Gelegenheit, den Abstand zum Feind zu verringern und schob seine Kompanien so nahe als möglich an unser Artilleriefeuer heran. Auch das II. Bataillon folgte seinem Beispiel.

Durch diese Bewegung veranlasst legten etwa 3 feindliche leichte Batterien Sperrfeuer auf und vor unsere erste Linie, das von geringer Wirkung war.

Um 9 Uhr wandert die Feuerwalze nach vorwärts, unsere ganze erste Linie erhebt sich aus Gräben, Löchern, Trichtern wie ein Mann, um dem Feuer zu folgen, kampffreudig mit dem sicheren Gefühl des Erfolges. Da setzte der Feind nach wenigen Sekunden mit gut sitzendem Maschinengewehrfeuer ein aus Richtung Hébuterne, der Höhe nordwestlich davon und von Colincampy her. Empfindliche Verluste treten ein. Ein Teil der Stürmenden wirft sich hin, andere stürzen vorwärts; Trümmer der 1. und 4. Kompanie arbeiten sich bis an das unversehrte Drahthindernis heran. Hier erlahmt ihre Kraft. Es war kein Zweifel mehr, der Angriff war gescheitert. Dies wurde 10.30 Uhr vormittags der Brigade gemeldet.

Dem Reserve-Infanterie-Regiment 10 zu unserer Rechten und dem Infanterie-Regiment 119 zu unserer Linken war es nicht besser ergangen. Letzteres hatte Signy-Ferme erreicht. Der Kommandeur I. Bataillons hatte seine Maschinengewehr-Kompanie in zwei Gruppen eingesetzt, um offen am gegenüberliegenden Hang feuernde Maschinengewehre zu bekämpfen. Dabei wurde der Maschinengewehr-Kompanie Führer, Leutnant Schnabel, tödlich getroffen, während er einen neuen Feuerbefehl gab, der einzige Kompanie-Offizier verwundet, die Maschinengewehr-Kompanie durch Artillerie- und Maschinengewehrfeuer zugedeckt.

Die 8. Kompanie, welche hinter dem rechten Flügel des I. Bataillons gefolgt war, wehrte einen von der Höhe bei Hébuterne herabkommenden Gegenstoß erfolgreich ab.

Um 12.20 Uhr kam von der Brigade telefonischer Befehl:

Den Befehl über die linke Kampfgruppe Reserve-Infanterie-Regiment 7 und 12 übernimmt der Kommandeur Reserve-Infanterie-Regiment 7. Kampfgruppe Aschenauer stellt sich bis 5 Uhr nachmittags zur Fortsetzung und Durchführung des Angriffs bereit.

Die Ausführung dieses Befehls war nur möglich, wenn unsere Artillerie in der Lage war, die Voraussetzung dazu zu schaffen. Was ihr am Morgen mit großem Munitionsaufwand während 4 Stunden nicht möglich war, das konnte ihr am Nachmittag in einem einstündigen schwächlichen Wirkungsschießen erst recht nicht gelingen. Der Angriff unterblieb.

Die Nacht war sehr unruhig, starkes Feuer lag auf unserer 1. und 2. Linie. Es goss in Strömen. Vordringlich war es, Ordnung zu schaffen; die Gliederung, wie sie am Morgen vor dem Sturm bestand, wurde wieder hergestellt.

Die zahlreichen Toten und Verwundeten, die untertags nicht zurückgebracht werden konnten, wurden geborgen. Der Transport eines einzigen Verwundeten zum Regiments-Sanitäts-Unterstand in Serre beanspruchte bei den herrschenden Boden- und Feuerverhältnissen 2 – 3 Stunden. Darnach möge man die Leistung des Sanitäts-Personals würdigen, das diese Transporte mehrmals in der Nacht durchführen musste.“.

Offiziell ist für Johann Rauschhuber keine Grablage bekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy begraben wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die am gleichen Tag fielen, u. a.

  • Leutnant Jakob Schöttl, gefallen am 05.04.1918 bei Hebuterne, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Gefreiter Georg Schärfl, gefallen am 05.04.1918 bei Hebuterne, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Infanterist Friedrich Trüdinger, gefallen am 05.04.1918, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Leutnant der Reserve Karl Münnich, gefallen am 05.04.1918 bei Hebuterne, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Johann Rauschhuber
Rückseite des Sterbebildes von Johann Rauschhuber

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.538: Josef Friedl

Der Soldat Josef Friedl wurde am 05.04.1897 in Stich geboren, einem Ortsteil der heuigen bayerischen Gemeinde Oy-Mittelberg, und war der Sohn eines Landwirts und Krämers. Er selbst war landwirtschaftlicher Arbeiter. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 8. Kompanie des 20. bayerischen Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Verdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnet. Am 04.04.1918 fiel er im Alter von 20 Jahren bei Moreuil.

Über den Todestag und die Todesumstände von Josef Friedl berichtet die Regimentsgeschichte des 20. bayerischen Infanterie-Regiments:

„04.04.1918 Langsam dämmert der Tag herauf. Zwischen Wolkenfetzen ganz kurz im Osten blutiges Rot. Die wenigsten haben es gesehen. Vorbei – Regenschauer gehen nieder und alles hüllt sich fröstelnd ein. Da, Punkt 6 Uhr lösen sich mit einem Schlag aus allen Geschützrohren die Granaten und sausen über die Köpfe hinweg. Morisel erschüttert unter ihren Einschlägen. Das ganze Dorf ist in eine Wolke von Staub und Rauch gehüllt; so geht das Feuer weiter, ab- und anschwellend bis 8 Uhr.

Inzwischen hat sich das I. Bataillon aus der Stadt heraus über die Eisenbahn- und Schlossbrücke herum verschoben und umschließt Morisel von Südosten.  8.10 Uhr, wie es der Bataillonskommandeur Hauptmann Baumann befohlen hatte, brechen gleichzeitig 3., 4. und 2. Kompanie zum Sturm gegen je einen der drei Ortseingänge vor. Der tapfere Feind wehrt sich verzweifelt hinter seinen Barrikaden. Junge Zwanziger, werdet ihr würdig sein den Ahnen, die um Bazailles gerungen? Fortgerissen von den Führern drängte alles unaufhaltsam vorwärts. Schon jubelt Leutnant der Reserve Schaul (Hans Schaul, gefallen am 04.04.1918, begraben auf dem Soldatenfriedhof Caix in Block 1, Grab 599) der 4. Kompanie, ein von seinen Leuten vergötterter junger Zugführer im Vollgefühl des Sieges, da streckt ihn ein Herzschuss nieder. Hören wir, was der tapfere Führer der 4. Kompanie, Leutnant der Reserve May, schrieb:

<<Unter dem Schutze rechtzeitig heraneilender Maschinengewehre, die den Ortsrand niederhielten, arbeitete sich die Kompanie heran und drang in die Ortschaft ein. Auf der verhältnismäßig kurzen Strecke aber lagen viele, die nicht mehr weiter konnten. Ein Maschinengewehrführer streckte dem Kompanieführer sein Maschinengewehr hin: „Meine Leute sind tot, mir selbst beide Schenkel durchschossen“. Ein Blick auf so manchen getreuen – weiter! In der Ortschaft tobte schon der Kampf. Der Gegner hielt sich mit staunenswerter Zähigkeit. Von Dächern, aus Fenstern und Kellerlucken, ja sogar durch die Lehmwände krachten die Schüsse der verbissenen Feinde, die erst der blanken Waffe sich ergaben. Haus um Haus musste genommen werden. Es ist selten mit gleicher Wut gekämpft worden. – Endlich gegen 9 Uhr war der jenseitige Ortsrand erreicht, aber noch immer krachten drinnen die Schüsse verzweifelt sich wehrender Feinde>>.

Neben den vielen Toten und Verwundeten barg der Ort noch fast 100 unverwundete Franzosen, die als Gefangene abgeschoben wurden.

Während des Ringens des I. Bataillons um Morisel hatte sich das III. Bataillon – in drei Tressen gegliedert – durch rasches Zugreifen in den Besitz des Höhenausläufers südwestlich des Ortes gesetzt und stieß nun, trefflich unterstützt von seinen überhöhend feuernden schweren Maschinengewehren durch den tief eingeschnittenen Grund a vor. Die Besetzung am Waldrand hielt nicht lange stand. 9. und 10. Kompanie fanden – ziemlich gleichzeitig eindringend – dort nur Schwerverwundete und Tote. Dagegen war im Innern des Waldes ein schwer zu fassender Stützpunkt mit Schussmöglichkeit nach allen Seiten von der Feuerwalze der Artillerie nicht gefasst worden. Er machte viel zu schaffen, wurde aber dann von der 9. Kompanie unter dem trefflichen Leutnant der Reserve Kugel gestürmt. Die am jenseitigen (nördlichen) Waldrand angekommenen Kompanien hatten den Eindruck, dass der Feind die Höhe mit dem Wald b hartnäckig verteidigen würde. Vor dem Wald und aus ihm schlug den vorfühlenden Spähern kräftiges Feuer entgegen. So baute der umsichtige Bataillonskommandeur, Major Bauer, erst erneuten Feuerschutz durch die schweren Maschinengewehre der 3. Maschinengewehr-Kompanie auf, ehe er die Kompanien zur Fortführung des Angriffes freigab.

Das I. Bataillon hatte nach notdürftigem Ordnen der Verbände und Neueinsatz von Maschinengewehren am Nordwestausgang von Morisel nicht gezögert, den Angriff gegen die Höhenausläufer ostwärts des Waldes a fortzusetzen. Hinter ihm wurde das preußische Reserve-Infanterie-Regiment 90 der 54. Infanterie-Division durch Moreuil und Morisel gezogen. Es sollte sich in schmaler Front und tiefer Gliederung rittlings der Straße Morisel – Castel zum Angriff entwickeln. Dank der gründlichen Arbeit, die das III. Bataillon im Wald a geleistet hatte, kam das I. Bataillon, anfangs gut vorwärts, sah sich aber dann aus der Höhe ostwärts des Waldes b der gleichen energischen Abwehr gegenüber, wie links das III. Bataillon. Dazu kam noch Flankenfeuer aus den kleinen Waldstücken im Avre Grund. Ja sogar vom Kirchhof Moreuil und von einer Geländefalte nordöstwärts davon fegte Maschinengewehrfeuer herüber. Der Nachbar rechts hing offensichtlich noch erheblich zurück. So war auch das I. Bataillon zu einer Atempause gezwungen, die der umsichtige Bataillonskommandeur zur Neugruppierung benützte.

Nach 10 Uhr, als die Kompanien des Reserve-Infanterie-Regiment 90 kaum noch vorne gewonnen hatten, ging der Angriff der beiden Bataillone wieder vorwärts. und ohne Unterlass rann der Regen auf den tiefen Ackerboden, die tapferen Kämpfer in Lehmklumpen verwandelnd. Schwer war der Angriff auf Wald und Höhe b. Ein zäher, verbissener Gegner in den zahlreichen Nestern des Angriffsobjektes und neben dem allerdings abgeschwächten Flankenfeuer von rechts und solches von links, denn das benachbarte 15. Infanterie-Regiment lag noch im schweren Ringen um Anchin-Ferme.

Welche Krisen die mehr und mehr vermischten Kompanien durchzumachen hatten und mit welch heldenhaftem Mut gefochten wurde, bezeugen die Tagebuchaufzeichnungen zweier Kampfteilnehmer:

Leutnant der Reserve May schrieb:

<<Die Kompanien waren längst nicht mehr einheitlich. Feindliches Maschinengewehrfeuer machte zunächst ein weiteres Vordringen über den feindwärtigen Hang der Höhe a unmöglich. Die Maschinengewehre der Franzosen auf Höhe b hatten glänzendes Schussfeld. Da brachte der BataillonskommandeurHauptmann Baumann selbst die beiden Reserve-Maschinengewehre der Maschinengewehrkompanie mit vor, die auf Höhe a Stellung bezogen. Die Niederhaltung des Gegners gelang so gut, dass die Überwindung des steilen Hanges nun keine großen Schwierigkeiten mehr machte. Meine Kompanie hatte aber bis dahin derart große Verluste, dass der Angriff ohne Unterstützung nicht mehr vorzutragen war. Zufällig kam die 9. Kompanie 15. Infanterie-Regiment, die ohne Führer im Gelände herumlief, heran und stellte sich unter mein Kommando, worauf eine dichte Schützenlinie formiert wurde, um den Gegner auf Höhe b im raschen kräftigen Stoß zu überrennen. Bis auf Sturmentfernung kam die Abteilung an den Gegner heran. Dann aber packte alle der Wahn, man sei zu schwach zum Sturm. Hinter den Tornistern Deckung suchend, feuerte die ganze Linie. Der Feind, der zum Teil abgeschnallt hatte, fasste neuen Mut und schoss lebhaft. Wie dann einzelne Verwundete zurückglitten, die teilweise scheußliche Verletzungen erlitten hatten, war die Abteilung nicht mehr zu halten und sprang in den Grund zurück. Der Bataillonskommandeur bemerkte die Zeichen, die ich oben liegenbeleibend mit dem Taschentuch gab und schickte die bisher als Reserve folgende 1. Kompanie zur Unterstützung vor. Diese nahm die im Grunde liegenden Teile der 4. Kompanie wieder mit vor. So wurde der Feind überrannt.>>

Ein Angehöriger der 9. Kompanie hatte sich unter dem drischen Eindruck der Geschehnisse aufgezeichnet:

<<Uns voran stürmte unser schneidiger Kompanieführer, Leutnant der Reserve Kugel, der einmal Spielmann das Horn abgenommen hatte und ohne Unterlass das Signal Vorwärts blies. Kaum zu folgen vermochten wir ihm. Er schien gefeit gegen alle Kugeln, die nur so um unsere Ohren pfiffen. Vizefeldwebel Bach mit ettlichen Leuten der 10. Kompanie hatte sich Leutnant Kugel angeschlossen und leistete ihm Hilfe in dem wildverwegenen Draufgehen. Schon winkte das Endziel, ein bewaldeter Höhenrücken westlich Castel, der Sénecat-Wald. Doch vor der Ortschaft stellte sich der Gegner nochmals und setzte sich ganz verzweifelt zur Wehr. Ein französischer Offizier zu Pferd rott hinter seinen Truppen her und trieb sie mit dem Säbel in der Hand uns entgegen. Unbekümmert jedoch um die dutzendfache Übermacht stürmte ihnen Leutnant Kugel mit seinem Häuflein entgegen, ohne jegliche Verbindung und Unterstützung von rückwärts. Für ihn gab es kein Zurück. Mit Offiziers-Stellvertreter Gabler, Vizefeldwebel Bach, einem leichten Maschinengewehr und einigen beherzten Mannschaften packte er den Franzmann ungestüm an, der sich schließlich mehr und mehr aus dem Staube macht, da er einen Zusammenstoß mit unseren bayerischen Löwen scheute. Teuer war die Höhe erkauft. Von dem schneidigen Stoßtrupp war nur mehr Vizefeldwebel Bach und ein Maschinengewehrschütze übrig geblieben. Der junge Führer, Leutnant Kugel, und die übrigen hatten ihr Leben für‘ s Vaterland gelassen und lagen in ihrem Blute. Aber das Beispiel des tapferen Heldenhäufleins riß alle Nachfolgenden vor.>>

Es war fast 15 Uhr geworden, als keuchend und todmüde die Angriffsspitzen des Regiments die Straße Castel – Rouvrel überschritten, gleichzeitig waren die Neuniziger mit Schwerpunkt von der Talseite her in Castel eingedrungen und boten so endlich eine sichere Flügelanlehnung. Dagegen machte die Lage in der linken Flanke ernsteste Sorge. Das 15. Infanterie-Regiment hatte bei aller Bravour gegenüber dem rasenden Maschinengewehrfeuer aus dem Nordostrand von Rouvrel und Mon Ideé seine Angriffsrichtung nicht einzuhalten vermochte und sich mit erheblichen Teilern in den Wald b verschoben. Trotzdem ließen sich unsere Bataillone nicht aufhalten. Sie drangen mit letzter Kraft in den Wald ein und erreichten am rechten Flügel schon bald nach 16 Uhr, am linken Flügel etwa 17 Uhr  – längst vermischt mit Teilen des II. Bataillons – den Nordrand des Sénecat. Der Franzose war unter Preisgabe des Waldes schrittweise zurückgewichen und saß in neuen Stellungen auf den Höhen südwestlich Hailles.

Das II. Bataillon hatte Befehl gehabt, hinter der Mitte der vorderen Bataillone zu folgen. Schon beim Übergang über die Avre fiel der oftbewährte Führer der 7. Kompanie, Leutnant Bernhard Wagner. Im weiteren Verlaufe nutzte das Bataillon jede Gelegenheit, den Schwesterbataillone vorwärts zu helfen, vor allem durch überhöhendes Feuer der von dem jugendlich stürmischen Leutnant der Reserve Gutermann geführten 2. Maschinengewehr-Kompanie. In der Senke 1 Kilometer vor dem Sénecat wollte der Bataillonskommandeur Rittmeister der Reserve Freiherr Schenk von Stauffenberg die Kompanien in die Lücke zwischen dem I. und III. Bataillons zum Angriff einsetzen, da schlug ihm ein Granatsplitter eine schwere Wunde. Der Ausfall des verehrten Bataillonskommandeurs vermochte aber den Angriffsdrang der Kompanien nicht zu hemmen. Sie schoben in das vordere Terffen ein und unterstellten sich den beiden hier führenden Kommandeuren, Hauptmann Baumann und Major Bauer.

Damit fanden die Ereignisse des Tages ihren Abschluss. Unser Regiment hatte allein von allen Angriffstruppen und allen voran im glänzenden Schwung und ungestümen Draufgehen sein Tagesziel voll erreicht. Man war auf 13 Kilometer an das vom langen Arm der Artillerie schon berührte Armiens herangekommen.

Aber – der Tag hatte auch schwere Blutopfer gekostet. Außer den schon genannten Offizieren war noch der Artillerie-Leutnant der Reserve, Franz Mühlberger (Leutnant der Reserve Franz Mühlberger, geboren am 31.12.1894 in Augsburg, Jura-Student, gefallen am 04.04.1918 im Alter von 23 Jahren, begraben auf dem Soldatenfriedhof Caix in Block 1, Grab 435), der 3. Kompanie, Oberleutnant der Reserve Johann Lutterloh der 6. Kompanie (Oberleutnant der Reserve Johannes Karl Adolf Alexander Butterloh, geboren am 25.09.1884 in Alvesse-Braunschweig, schwer verwundet am 04.04.1918, gestorben am 29.06.1918 in Stuttgart) und Leutnant der Reserve Abton Demharter (Leutnant der Reserve Anton Demharter, geboren am 15.01.1897 in Ichenhausen, Student, gefallen am 04.04.1918 im Alter von 21 Jahren bei Moreuil, begraben auf dem Soldatenfriedhof Montdidier in einem Massengrab) der 2. Maschinengewehr-Kompanie auf dem Kampffeld geblieben.

<<Nur die nötigsten Wachen wurden aufgestellt>> schrieb Leutnant der Reserve May. <<Todmüde und erschöpft sanken alle trotz des strömenden Regens in Schlummer, der nur für kurze Zeit aussetzte, wenn sich das Getöse einer in nächster Nähe krepierenden Granate zu aufdringlich wurde>>.“

 

Offiziell ist für Josef Friedl keine Grablage bekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Montdidier begraben sein könnte, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die am gleichen Tag fielen, u. a.

  • Gefreiter Joseph Gaul, gefallen am 04.04.1918 bei Moreuil, begraben auf dem Soldatenfriedhof Montdidier in einem Massengrab;
  • Infanterist Johann Knestel, gefallen am 04.04.1918 bei Moreuil, begraben auf dem Soldatenfriedhof Montdidier in einem Massengrab;
  • Infanterist Ludwig Vogl, gefallen am 04.04.1918 bei Moreuil, begraben auf dem Soldatenfriedhof Montdidier in einem Massengrab;
  • Infanterist Bernhard Heinthaler, gefallen am 04.04.1918 bei Castel, begraben auf dem Soldatenfriedhof Montdidier in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Josef Friedl
Rückseite des Sterbebildes von Josef Friedl

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 654: Anton Maier

Anton Maier wurde am 02.06.1889 in Sachsenham, heute ein Ortsteil der Gemeinde Haarbach in Niederbayern, als Sohn eines Landwirts geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er im Infanterie-Leib-Regiment als Soldat. Er wurde mit dem Verdienstkreuz 3. Klasse  ausgezeichnet. Am 04.12.1917 starb er im Alter von 28 Jahren nach schwere Verwundung in einem Feldlazarett in Oberitalien an der unteren Piave während der ersten Schlacht an der Piave bei den Stellungskämpfen an der unteren Piave und den Gebirgskämpfen in den Venezianischen Alpen.

Anton Maier wurde auf dem Soldatenfriedhof Feltre in einem Massengrab beigesetzt.

Seine Heimatgemeinde Haarbach gedenkt noch heute Anton Maier auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2010/haarbach_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Anton Maier
Rückseite des Sterbebildes von Anton Maier

Der theoretische Weg von Anton Maier von seinem Geburtsort zu seinem Sterbeort und Grab:

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 493: Franz Grübl

Der Schütze Franz  Grübl war der Sohn eines Landwirts und stammte aus Gensöd (Schreibfehler auf Sterbebild), einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Erlbach (Oberbayern). Im Ersten Weltkrieg diente er in der 1. Maschinengewehr-Kompanie des 17. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernes Kreuz und mit dem Verdienst-Kreuz 3. Klasse ausgezeichnet. Am 11.06.1918 fiel er durch Granattreffer im Alter von 25 Jahren beim Chemin des Dames.

Franz Grübl wurde auf dem Soldatenfriedhof Soupir in einem Massengrab beigesetzt.

Sterbebild von Franz Grübl
Rückseite des Sterbebildes von Franz Grübl

 

Der theoretische Weg von Franz Grübl von seinem Geburtsort über seinen Sterbeort zu seinem Grab:

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 353: Sebastian Lex

Der Gefreite Sebastian Lex stammte aus Teising und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 12. Kompanie des 2. Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Verdienstkreuz 3. Klasse und dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Am  22.07.1916 fiel er durch Granatschuss im Alter von 20 Jahren bei Saint-Mihiel.

Sebastian Lex wurde auf dem Soldatenfriedhof Troyon in einem Massengrab beigesetzt.

Sterbebild von Sebastian Lex
Rückseite des Sterbebildes von Sebastian Lex

 

Der theoretische Weg von Sebastian Lex von seinem Heimatort über seinen Sterbeort zu seinem Grab:

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 173: Alois Biebl

Alois Biebl stammte aus Aubermühle (heute ein Ortsteil von Schöllnach) und war der Sohn eines Müllers. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Unteroffizier bei der 7. Kompanie des 11. bayerischen Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und dem Verdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnet. Er war, wie man auch dem Foto auf dem Sterbebild erkennen kann, ein stolzer und tapferer Mann. Am 19.07.1916 fiel Alois Biebl nach zweijährigem Kriegseinsatz bei den Kämpfen vor Verdun bei dem kleinen Dorf Fleury (Infos zu Fleury) durch Granatschuss.

Begraben wurden die sterblichen Überreste von Alois Biebl letztlich auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab.

 

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 153: Andreas Herz

Andreas Herz wurde am 23.04.1881 in Blöcktach geboren, heute ein Ortsteil von Friesenried. Während der Kämpfe in den Vogesen war er als Gefreiter im 1. Landwehr-Infanterie-Regiment eingesetzt. Am 18.03.1918 wurde er durch einen Kopfschuss getötet. Er wurde 36 Jahre alt. Die sterblichen Überreste von Andreas Herz ruhen heute auf dem Soldatenfriedhof Hohrod, Block 3 Grab 275.

Andreas Herz war mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und dem Verdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnet worden.

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 132: Melchior Sewald

Heute habe ich mal einen Fall aus meiner Umgebung. Melchior wurde am 13.08.1895 in Altenhohenau geboren und lebte in Straß , beides heute Ortsteile von Giesstätt in Bayern. Im Ersten Weltkrieg wurde er in die 1. Maschinengewehr-Kompanie (Mienenwerfer Zug) einberufen. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und dem Verdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnet. Nach 42 Monaten im Feld wurde er bei der Angriffschlacht an der Marne vom 14. Juli bis 19. Juli 1918 durch einen Granatsplitter verwundet und in die Heimat abtransportiert, wo er in Wetzlar in einem Lazarett starb. Hier, in Wetzlar, wurde er auch begraben. Seine sterblichen Überreste ruhen noch heute auf dem Friedhof in Wetzlar im Grab 48.

Melchior Sewald wurde nur 23 Jahre alt.

Beim Volksbund wird Melchior Sewald derzeit noch mit falschen Daten geführt („Seewald“ statt „Sewald“ und „Staß“ statt „Straß“). Ich habe mich mit dem Volksbund in Verbindung gesetzt, um die Daten zu korrigieren, die auch durch die Verlustlisten bestätigt werden.