{"id":16021,"date":"2022-08-21T00:00:05","date_gmt":"2022-08-20T22:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=16021"},"modified":"2019-12-08T19:49:26","modified_gmt":"2019-12-08T18:49:26","slug":"die-maenner-des-ersten-weltkrieges-teil-1-563-rupert-baumgartner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=16021","title":{"rendered":"Die M\u00e4nner des Ersten Weltkrieges \u2013 Teil 1.563: Rupert Baumgartner"},"content":{"rendered":"<p>Der Ersatz-Reservist Rupert Baumgartner stammte aus Stoi\u00dfberg, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anger_(Berchtesgadener_Land)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Anger<\/a>, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 4. Kompanie des 2. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 09.05.1915 fiel er im Alter von 30 Jahren bei Arras in der N\u00e4he von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Roclincourt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Roclincourt<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Saint-Laurent-Blangy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">St. Laurent<\/a>.<\/p>\n<p>\u00dcber seinen Todestag berichtet die Regimentsgeschichte des 2. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Mit f\u00fcnffacher \u00dcberlegenheit griffen die Franzosen am 09.05.1915 das 1. bayerische Reserve-Korps an. Die rechtsstehnde 5. Reserve-Division verlor viel Gel\u00e4nde, die 1. Reserve-Division schlug den Angriff ab.<\/em><\/p>\n<p><em>Im Abschnitt des Reserve-Infanterie-Regiment 2 war der Verlauf folgender: Kr\u00e4fteverteilung: III. (Hauptmann Mayr) rechts, I. (ohne 2.) (Dittelberger) links, II. (Schnitzlein) und 2. Kompanie in Ruhe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bailleul_(Somme)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bailleul<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em>Die starke n\u00e4chtliche Beschie\u00dfung aus allen Kalibern und aus Minenwerfern schwoll mit Tagesanbruch zu noch nie dagewesener Keftigkeit gegen die Stellung und namentlich gegen das R\u00fcckengel\u00e4nde an. Jetzt wurde es ernst! Regiments-Stab, II. und 2. (Spatz) jagten gegen 10 Uhr vormittags durch das f\u00fcrchterliche Feuetr vor. Alles gelangte rasch zur Regimentsbefehlstelle im Eisenbahneinschnitt. Nur die 2. Kompanie erlitt Verz\u00f6gerung. Hauptmann Wei\u00dfmann hatte trotz Krankheit die F\u00fchrung seiner Kompanie (8.) wieder \u00fcbernommen. Um 10.00 Uhr setzte ein rasendes Trommelfeuer ein; dazu sprengte der Feind um 10.35 Uhr vor C, wo die Gr\u00e4ben kaum 40 Meter voneinander getrennt waren, einen Stollen, um die Besatzung in die Luft zu sprengen. erfolglos! Zur Antwort, dass wir noch frisch beim Zeug waren, und um den feindlichen n\u00e4chsten Stollen zu sprengen, wurde, als um 10.50 Uhr der Angriff loszubrechen schien, unser Stollen 6 bei C gesprengt.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Keller von Maison-Blanche (Befehlstelle II) mit Reserve (11.) hielt auch heute alle Kaliber aus. Im \u00dcbrigen war die Stellung in Tr\u00fcmmern, aber drinnen lebte noch der Wille der unersch\u00fctterlichen Zweier &#8211; Alte und Nachersatz &#8211; trotz erheblicher Verluste. Die Beobachter hielten heldenhaft aus. In h\u00f6chster Spannung und voll Kampfmut lauerte Alles. Endlich musste die h\u00f6llische Kanonade, die der Infanterist so wehrlos erdulden musste, enden. Nun gab es Vergeltung f\u00fcr die langen Qualen und Drangsale! Dazu das herrliche Vertrauen zwischen F\u00fchrer und Mann, und die Zusammenarbeit der Kompanien untereinander und schlie\u00dflich das unbedingte Vertrauen auf die mit so viel Verst\u00e4ndnis und Arbeit selbst erbaute, liebgewonnene, in jedem Winkel bekannte Stellung.<\/em><\/p>\n<p><em>All dies waren moralische Elemente, die im sp\u00e4teren Stellungskrieg, wo man in fremden, ungewohnten, mangelhaften Stellungen oder Trichterstellungen k\u00e4mpfte nicht mehr \u00e4hnlich vorhanden.<\/em><\/p>\n<p><em>Gegen 10 Uhr verlegte der Feind das Feuer auf die Hindernisse, diese verheerend, &#8211; der letzte, kurze Akt vor dem Sturm &#8211; und dann punkt 11 Uhr Sperrfeuer hinter unsere vorderste Linie. Gleichzeitig st\u00fcrzten \u00fcberall aus den nahen Gr\u00e4ben endlose dichte Linien hintereinander und stark massierte Kolonnen mit Sturmleitern hervor. Ein ganz neuer verbl\u00fcffender Anblick: Der Feind nicht in roten Hosen, sondern feldblaue Gestalten. &#8222;Engl\u00e4nder&#8220; schallte der Ruf! Und doch es waren Franzosen, unsere alten Bekannten, die zum erhofften Sieg die neueste Felduniform angezogen hatten. Jetzt war der hei\u00dfersehnte Augenblick der Abrechnung da! Schrille Signalpfeifen gelten durch das ohrenzerrei\u00dfende Artilleriefeuer in die Deckungsl\u00f6cher und im Nu spie die ganze Front unter den von der 12. Kompanie (Koller) kommenden Hurrahrufen, das den Feind stutzig machte, ein h\u00f6llisches Infanterie-, Handgranaten- und unheimliches Maschinengewehrfeuer. Die Artillerie (die schwere unter Major D\u00f6derlein) jagte aus allen Feuerschl\u00fcnden heraus, was sie nur konnte und legte eine undurchschreitbare, Tod und Vernichtung speiende Sperre zwischen franz\u00f6sische Sturmtruppe und Reserven. Die st\u00e4ndigen Artilleriebeobachter Leutnant der Reserve Baerlein und Winkler und der Fu\u00dfartilleriebeobachter hatten vorz\u00fcglich gearbeitet. Nirgends Kleinmut!<\/em><\/p>\n<p><em>Kaum 20 Minuten lang dauerte der infanteristische Vernichtungsakt. Etwa 2.000 Franzosen lagen vor der Regimentsfront, tot und verwundet. Allenthalben waren auch Gefangene gemacht worden. Laute Siegesfreude und stiller Gottesdank waren \u00fcberall. Eine wohltuende Entspannung der Nerven trat ein. Sobald die franz\u00f6sische Artillerie die Niederlage erkannt hatte, krachten auch schon wieder mit erneuter Kraft die Granaten in unseren vorderen Grabentr\u00fcmmern wie vor dem Sturme.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun schwirrten Ger\u00fcchte, da und dort sei der Feind doch eingedrungen. Das war wohl wahrscheinlich, denn wo das feindliche Trommelfeuer am wirksamsten gewesen war, mussten L\u00fccken entstanden sein. Aber die Eindringlinge sa\u00dfen abgeschnitten in der Falle, es musste nur geschickt Jagd auf sie gemacht werden.<\/em><\/p>\n<p><em>Tats\u00e4chlich war es am rechten Fl\u00fcgel von C den Franzosen gelungen, in etwa 50 Meter Breite einzudringen, wobei der Zugf\u00fchrer Unteroffizier Bachmeier (9.) und seine wenigen, noch nicht versch\u00fctteten Getreuen fielen. Zun\u00e4chst wurde dort rasch abgeriegelt. An der sofort eingeleiteten Jagd beteiligten sich die vom Regimente rasch vorgesandten Reserven. 7. (Nie\u00dfen) f\u00fcr 2., die stecken geblieben war, und 8., diese gegen C. \u00fcber die zerschossenen Verbindungsgr\u00e4ben ging es im heftigen Artilleriefeuer flott vorw\u00e4rts. Der Zug Landthaler (8.) s\u00e4uberte mit Offiziersstellvertreter Riehle im Handgranatenkampf das Franzosennest bei C gr\u00fcndlich.<\/em><\/p>\n<p><em>Nie\u00dfen (7.) wurde gegen den anerkann schwachen Punkt bei A1, gegen die langen Sappen 2 und 3, die vor einiger Zeit vom Nachbarn nur ungern mit\u00fcbernommen werden mussten, vorgeschickt. Telefonist Karlsberger diente als Wegweiser. In Sappe 2 sa\u00dfen in einem tiefen Stollen betr\u00e4chtliche Kr\u00e4fte unter einem Capit\u00e4n, die die Sappenbesatzung gefangen hielten. Der vorbildliche Kompanief\u00fchrer, Leutnant der Reserve Then (10.), war beim Sturm auf dem Weg zur Sappe 2 gefallen. Offiziersstellvertreter Baier, vom Infanterist Lang verst\u00e4ndigt, verhinderte das Vordringen aus der Sappe in die Stellung. Bei Sappe 2 riegelte Vizefeldwebel Paster ab. Als sich Rie\u00dfen vorgearbeitet hatte, s\u00e4uberte er die Sappen in so trefflicher Weise mit Leutnant der Reserve Reyscher, dass ihm sp\u00e4ter f\u00fcr diese Tat der Max-Josef-Orden zuerkannt wurde. Offiziersstellvertreter Wimmers (8.) erhielt die goldene Tapferkeitsmedaille; desgleichen Unteroffizier der Landwehr K\u00f6lbl 82.).<\/em><\/p>\n<p><em>Ein Teil der Franzosen, darunter der Capit\u00e4n, suchte in die franz\u00f6sischen Stellungen zu entkommen, wurden aber niedergeschossen, der Rest wurde gefangen.<\/em><\/p>\n<p><em>Etwa um 2.00 Uhr nachmittags, als die ersten Gefangenen bei dem Regimentsstab im Bahneinschnitt eingetroffen waren, zertr\u00fcmmerte eine Granate die Befehlsstelle, wo der Kommandeur und ein Teil des Stabes mit den gefangenen besch\u00e4ftigt war. Unterstab und Gefangene hatten bedeutende Verluste. Drei ausgezeichnete franz\u00f6sische Regimenter: Nr. 70, 48 und 88 hatten gegen unser Regiment gest\u00fcrmt.<\/em><\/p>\n<p><em>Die \u00c4rzte leisteten auf den weit vorgeschobenen Verbandspl\u00e4tzen in gewohnter Weise Vorz\u00fcgliches.<\/em><\/p>\n<p><em>Nachmittags 5.00 Uhr versuchten die Franzosen noch einmal den vom Regiment erwarteten Angriff. Dieser blieb aber schon im ersten Ansatze stecken. Schon von Mittag an war der Nachschub von allem N\u00f6tigen vom Regimente eingeleitet worden und durch die Reserve vorgeschafft. Der in Bailleul belassene energische und umsichtige Oberleutnant der Reserve Kleemann hatte hierbei das \u00c4u\u00dferste geleistet, ebenso Gefreiter Ganslmayer im Eisenbahneinschnitte. In Bailleul fielen alle Pferde der MG Kompanie der Beschie\u00dfung zum Opfer.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine vorz\u00fcgliche Stimmung beseelte das ganze Regiment. Niemand wollte abgel\u00f6st werden. Alles setzte seine Ehre darin, nicht zu ruhen, sondern mit der eingeschobenen Kompanie die Stellung in Stand zu setzen, die Toten zu beerdigen und morgen erneut dem Feinde die Stirne zu bieten.<\/em><\/p>\n<p><em>Im ganzen m\u00f6gen etwa 200 Gefangene gemacht worden sein. Der Kampfverlauf zeigte, dass der Sieg am 09.05.1915 unbestreitbar das ausschlie\u00dfliche Verdienst der Front &#8211; Infanterie und Artillerie mit zugeteilten Formationen &#8211; war.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Geist und die Nerven unserer Leute und F\u00fchrer hatten ohne fremde Hilfe standgehalten und triumphiert. &#8211; Das damalige allseitige h\u00f6chste Lob aller Stellen ist auch eine besondere Anerkennung der Reservetruppen \u00fcberhaupt.<\/em><\/p>\n<p><em>In offiziellen Darstellungen kann gar nicht genug anerkannt werden, dass diese Truppe Gleiches wie die beste aktive leistete.<\/em><\/p>\n<p><em>Verluste: Tot: Leutnant der Reserve (Rudolf) Then und Leutnant (Rudolf) Sondinger sowie 118 Mann, verwundet: Offiziersstellvertreter D\u00f6rflinger und 166 Mann.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Einer der gefallenen M\u00e4nner war Rupert Baumgartner.<\/p>\n<p><span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;St.-Laurent-Blangy&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1049089,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0},&quot;12&quot;:0,&quot;23&quot;:1}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Saint-Laurent-Blangy,+Frankreich\/@50.3097961,2.7378821,12z\/data=!4m5!3m4!1s0x47dd482673f41e11:0x40af13e8163d6a0!8m2!3d50.300542!4d2.801689&quot;;&quot;St.-Laurent-Blangy&quot;)\">Man begrub Rupert Baumgartner auf dem Soldatenfriedhof <a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Saint-Laurent-Blangy,+Frankreich\/@50.3097961,2.7378821,12z\/data=!4m5!3m4!1s0x47dd482673f41e11:0x40af13e8163d6a0!8m2!3d50.300542!4d2.801689\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">St.-Laurent-Blangy<\/a> in einem Massengrab, zusammen mit seinen gefallenen Regimentskameraden.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_15970\" aria-describedby=\"caption-attachment-15970\" style=\"width: 489px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-15970\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Rupert_Baumgartner_v.jpeg\" alt=\"\" width=\"489\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Rupert_Baumgartner_v.jpeg 489w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Rupert_Baumgartner_v-183x300.jpeg 183w\" sizes=\"auto, (max-width: 489px) 100vw, 489px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15970\" class=\"wp-caption-text\">Sterbebild von Rupert Baumgartner<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_15969\" aria-describedby=\"caption-attachment-15969\" style=\"width: 489px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-15969\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Rupert_Baumgartner_h.jpeg\" alt=\"\" width=\"489\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Rupert_Baumgartner_h.jpeg 489w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Rupert_Baumgartner_h-183x300.jpeg 183w\" sizes=\"auto, (max-width: 489px) 100vw, 489px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-15969\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckseite des Sterbebildes von Rupert Baumgartner<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ersatz-Reservist Rupert Baumgartner stammte aus Stoi\u00dfberg, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Anger, und war der Sohn eines Landwirts. 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