{"id":1676,"date":"2016-09-27T00:00:48","date_gmt":"2016-09-26T22:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/geschichte-hautnah.de\/html\/?p=1676"},"modified":"2016-09-25T13:04:51","modified_gmt":"2016-09-25T11:04:51","slug":"erlebnisse-waehrend-der-sommeschlacht-1916","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=1676","title":{"rendered":"Erlebnisse w\u00e4hrend der Sommeschlacht 1916"},"content":{"rendered":"<p>Von Hans Thormann, ehemaliger Sanit\u00e4ts-Vize-Feldwebel im I.\/2. Garde-Regiment zu Fu\u00df<\/p>\n<p>In der Nacht vom 13. zum 14.8.1916 kam das 2. Garde-Regiment zu Fu\u00df in <a title=\"Templeux-la-Fosse bei Google Maps\" href=\"https:\/\/maps.google.de\/maps?q=Templeux-la-Fosse&amp;hl=de&amp;ie=UTF8&amp;ll=49.967123,3.02536&amp;spn=0.613915,1.234589&amp;sll=49.19491,5.43437&amp;sspn=0.019491,0.038581&amp;hnear=Templeux-la-Fosse,+D%C3%A9partement+Somme,+Picardie,+Frankreich&amp;t=m&amp;z=10\" target=\"_blank\">Templeux-la-Fosse<\/a> n\u00f6rdlich <a title=\"Peronne bei Google Maps\" href=\"https:\/\/maps.google.de\/maps?q=P%C3%A9ronne,+Frankreich&amp;hl=de&amp;ie=UTF8&amp;sll=49.967123,3.02536&amp;sspn=0.613915,1.234589&amp;oq=Peronne&amp;hnear=P%C3%A9ronne,+D%C3%A9partement+Somme,+Picardie,+Frankreich&amp;t=m&amp;z=12\" target=\"_blank\">Peronne<\/a> an. Am 17.8.1916 abends r\u00fcckte das I. Batl. in die Z-Stellung, ich befand mich als Sanit\u00e4ts-Unteroffizier bei der 2. Kompanie. Mein Kompanie-F\u00fchrer war Leutnant von K\u00fchlwetter. Abends gegen 10.30 Uhr, nachdem wir uns erst kurze Zeit in der Z-Stellung befanden, trat mein Kompanie-F\u00fchrer an mich heran und gab mir den Auftrag, mit zwei Krankentr\u00e4gern der Kompanie und einer Gefechtsordonanz als F\u00fchrer , mich zur vorderen Stellung zu begeben und von dort seinen Bruder, welcher als Kompanie-F\u00fchrer der 7. Kompanie schwer verwundet war (Bauchschuss) zur\u00fcckzuholen*. Ich nahm nun eine improvisierte Trag, bestehend aus einer Zeltplane und zwei starken St\u00f6cken und machte mich mit den mir zugeteilten Leuten auf den Weg nach vorne. Wir vier Mann waren uns \u00fcber die Situation vollst\u00e4ndig im klaren, denn unser Weg f\u00fchrte durch heftiges feindliches Granatfeuer hindurch, jedoch waren wir vom Gl\u00fcck beg\u00fcnstigt und kamen nach einem beschwerlichen Weg durch Trichtergel\u00e4nde in der vorderen Stellung, welche inzwischen das F-Bataillon bezogen hatte, an. Nach l\u00e4ngerem Suchen fanden wir Leutnant von K\u00fchlwetter in einem zerschossenen Unterstand mit einem Bauchschuss vor. Da die Verwundung eine \u00e4u\u00dferst schwere war und sofort sachgem\u00e4\u00dfe Behandlung nottat, machten wir unsere Trage zurecht, legten den Verwundeten darauf und marschierten ab zum Truppenverbandplatz in der Z-Stellung. Der R\u00fcckweg war aber mit unserer Last noch gefahrvoller als der Hinweg, denn wir konnten mit unserer Last nicht Deckung suchen, wenn feindliche Granaten in unserer N\u00e4he einschlugen, jedoch gelangten wir unter M\u00fchen und Gefahren zwischen 12 und 1 Uhr nachts auf unserem Truppenverbandplatz an, wo uns schon unser Kompanie-F\u00fchrer und unser unerm\u00fctlicher Batls.-Arzt Dr. Probst erwarteten. Der verwundete Leutnant von K\u00fchlwetter wurde sofort von unserem Batls.-Arzt nochmals verbunden und gleich durch die San.Komp. in ein Feldlazarett gebracht, jedoch war die Verwundung zu schwer, denn schon nach einigen Tagen erhielten wir die Nachricht, dass der Verwundete im Feldlazarett gestorben sei. Am n\u00e4chsten Tage wurden wir in unserer Z-Stellung von feindlicher Artillerie ohne Unterbrechung beschossen, neben mir erhielt ein Grenadier, welcher gerade beim Schaaufeln war, einen Kopfschuss durch Schrapnell; er starb in meinen Armen. Kurz danach sauste ein Blindg\u00e4nger dicht neben uns in die Erde. Wir atmeten auf, als wir bei Dunkelheit in die vordere Stellung r\u00fcckten, um das F-Batl. abzul\u00f6sen. In der vorderen Stellung gab es f\u00fcr das Sanit\u00e4tspersonal sehr viel zu tun, da der Franzmann mehrere Angriffe auf unsere Stellung machte; es gab hier ziemlich schwere Verwundungen, Abrei\u00dfung von Gliedma\u00dfen, schwere Bauch- und Kopfsch\u00fcsse. Dank auch den tapferen Krankentr\u00e4gern der San.Komp. 1, welche uns durch Fortschaffen unserer Verwundeten aus der vorderen Stellung wacker unterst\u00fctzt haben. Jede Nacht kamen unsere tapferen Helfer von der San.Komp. 1 bis in die vordere Stellung und holten die schwerverwundeten Kameraden ab. Mehrere von dieser tapferen Schar sind w\u00e4hrend der Sommeschlacht im Zeichen des Roten Kreuzes den Heldentod gestorben. Als wir nach acht Tagen wieder nach Templeux-la-Fosse kamen, das San.-Personal mit Blut besudelt, begr\u00fc\u00dfte uns unser Divisions-Arzt, Oberstabsarzt Dr. Pr\u00f6hl, und dr\u00fcckte jedem von uns die Hand. Am Weihnachts-Heiligenabend erhielt ich in Peronne, wo wir in Stellung lagen, meine Bef\u00f6rderung zum Sanit\u00e4ts-Vize-Feldwebel als Anerkennung f\u00fcr meine w\u00e4hrend der Sommeschlacht bewiesene Tapferkeit. Ein sch\u00f6neres Weihnachtsgeschenk konnte ich mir nicht w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>* gemeint ist Leutnant Adalbert von K\u00fchlwetter, der am 20.08.1916 an seinen Verletzungen verstarb und dessen Gebeine heute auf dem Soldatenfriedhof Maissemy, Block 2, Grab 565 ruhen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Hans Thormann, ehemaliger Sanit\u00e4ts-Vize-Feldwebel im I.\/2. Garde-Regiment zu Fu\u00df In der Nacht vom 13. zum 14.8.1916 kam das 2. Garde-Regiment zu Fu\u00df in Templeux-la-Fosse n\u00f6rdlich Peronne an. Am 17.8.1916 abends r\u00fcckte das I. Batl. in die Z-Stellung, ich befand mich als Sanit\u00e4ts-Unteroffizier bei der 2. Kompanie. Mein Kompanie-F\u00fchrer war Leutnant von K\u00fchlwetter. 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