{"id":20362,"date":"2023-12-16T00:00:15","date_gmt":"2023-12-15T23:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=20362"},"modified":"2020-04-20T11:17:44","modified_gmt":"2020-04-20T09:17:44","slug":"die-maenner-des-ersten-weltkrieges-teil-2-041-leonhard-kiesl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=20362","title":{"rendered":"Die M\u00e4nner des Ersten Weltkrieges \u2013 Teil 2.041: Leonhard Kiefl"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Leonhard Kiefl stammte aus Moos, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Niederwinkling\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Niederwinkling<\/a>, und war der Sohn eines Tagel\u00f6hners. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er in der 8. Kompanie des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments als Ersatz-Reservist. Am 24.08.1916 fiel er im Alter von 33 Jahren w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_an_der_Somme\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schlacht an der Somme<\/a> bei Maurepas.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag von Leonhard Kiefl schreibt die Regimentsgeschichte des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Der 24.08.1916 war wieder ein Gro\u00dfkampftag, den das II. Bataillon ehrenvoll bestand. Ununterbrochen hagelte das Vernichtungsfeuer, vermischt mit Gasgranaten, auf die vordere und Le Forest-Stellung; zahllose Flieger leiteten das Feuer unter Abwurf von Bomben und Meschinengewehr-Beschie\u00dfung. Von 6.00 Uhr abends ab war das r\u00fcckw\u00e4rtige Gel\u00e4nde wieder so mit Sperrfeuer zugedeckt, dass es durch eine graue, rauchende Wand von vorne abgeschlossen war. Kein Zweifel: ein ernster Angriff stand bevor. Erst gegen Mitternacht konnte man sich nach vielen widersprechenden Meldungen ein Bild \u00fcber die abgelaufenen Ereignisse machen:<\/em><\/p>\n<p><em>Nach einem rasenden Trommelfeuer war gegen 6.30 Uhr nachmittags der Feind n\u00f6rdlich\u00a0 und in dem vom 7. Reserve-Infanterie-Regiment besetzten Maurepas eingebrochen, im Anschluss hieran auch in der vorderen Linie des II. Bataillons, auf dem in dem deckungslosen Gel\u00e4nde die ganze Wucht des Vernichtungsfeuers gelegen war. Heldenmutig wehrten die sp\u00e4rlichen Reste der 8. Kompanie den Angriff ab, ebenso weiter r\u00fcckw\u00e4rts ein Zug der 5. Kompanie in St\u00e4rke von nur 20 Mann hinter rasch aufgeworfenen Barrikaden. Der Bataillons-Kommandeur Major Horn war gefallen. Die Bataillons-Befehlsstelle verteidigte der stellvertretende Bataillons-Adjutant Leutnant der Reserve Stiefenhofer gegen die feindliche \u00dcberzahl, getreulich gest\u00fctzt von den wenigen Leuten des Unterstabes und eines Fliegerabwehr-Maschinengewehrs.<\/em><\/p>\n<p><em>Keinem Franzosen war es gelungen bis zur II. Stellung, die bis 9.30 Uhr abends unter Feuer lag, vorzudringen; nur 1 franz\u00f6sischer Alpenj\u00e4ger vom 62. Bataillon war alleine auf die Stellung zugelaufen, froh, sich ergeben zu k\u00f6nnen. Nach Aussage eines weiteren Gefangenen dieses Bataillons war der Feind nicht \u00fcber unsere I. Stellung vorgekommen; nur kleinere Abteilungen, die den Anschluss verloren hatten, mochten sich zwischen der I. und II. Stellung befinden.<\/em><\/p>\n<p><em>Um Klarheit zu schaffen, bekam das mittlerweile dem Regiment wieder unterstellte und in die III. &#8211; R1-Stellung vorgezogene III. Bataillon &#8211; ohne die 12. Kompanie, die in der R1-Stellung zur Verf\u00fcgung des 7. Reserve-Infanterie-Regiments zu verbleiben hatte &#8211; 2.30 Uhr vormittags den Befehl zum Gegensto\u00df, der unter der pers\u00f6nlichen F\u00fchrung des Hauptmann Sch\u00e4fer vor sich ging. Das zerw\u00fchlte Gel\u00e4nde, die zunehmend dunkle Nacht, das ununterbrochene Sperrfeuer erschwerte die Bewegung im h\u00f6chsten Grade. Die geringe Ortskenntnis der beigegebenen F\u00fchrer gestattete nur ein langsames Vorw\u00e4rtskommen, wenn das mit 10. und 11. Kompanie in erster Linie, der 9. Kompanie in zweiter vormarschierende Bataillon nicht auseinanderrei\u00dfen sollte. Mit dem Erreichen der unter Trommelfeuer liegenden II. Stellung &#8211; gegen 5.30 Uhr vormittags &#8211; war die 11. Kompanie durch mehrere Volltreffer zersprengt worden. Die ersten Anzeichen der Morgend\u00e4mmerung und das Artilleriefeuer auf die zum Vorbrechen bereit liegende 9. und 10. Kompanie veranlassten Hauptmann Sch\u00e4ffer zum sofortigen Handeln; er h\u00e4tte ohne Scheu vor der Verantwortung den befohlenen Vorsto\u00df mangels verf\u00fcgbarer Kr\u00e4fte und der n\u00f6tigen Zeit aufgeben k\u00f6nnen. Statt dessen setzte er sich selbst an die Spitze der zur Hand befindlichen 10. Kompanie, sich des Wagnisses bewusst, mit unzureichenden Kr\u00e4ften seinen Auftrag auszuf\u00fchren, ohne der Wirkung der beiden anderen Kompanien sicher zu sein. Zudem wurde der Ansatz zum Vorgehen der 10. Kompanie vom Feinde bemerkt, der sofort das Vorfeld beleuchtete, worauf schlagartig Sperrfeuer einsetzte. Mit dem Befehl an den nebenan liegenden Kompanief\u00fchrer Leutnant der Reserve Matthiesen: &#8222;Aus dem Granatfeuer heraus! Vorw\u00e4rts auf den Hang hinauf! Auf keinen Fall zur\u00fcck!&#8220; sprang die Kompanie auf und erreichte im feindlichen Infanterie- und Maschinengewehr-Abwehrfeuer die H\u00f6he, wo sie mit dem an Zahl \u00fcberlegenen Gegner ins Feuergefecht trat. Der 9. und 11. Kompanie war es unter dem st\u00e4ndigen Geschoss- und Granathagel nicht gelungen, den Angriff mitzumachen; keiner der Melder des Bataillons-Stabes zum Heranholen der beiden Kompanien erreichte sein Ziel.<\/em><\/p>\n<p><em>Inzwischen k\u00e4mpfte die 10. Kompanie einen ebsno schweren wie ehrenvollen Kampf. Sie hatte den Sto\u00df mit aller Energie gef\u00fchrt; viele der Tapferen blieben, darunter der Kompanief\u00fchrer; der Rest fiel einem sp\u00e4teren feindlichen Gegensto\u00df zum Opfer.<\/em><\/p>\n<p><em>Zweifellos hatte Hauptmann Sch\u00e4ffer durch seine verantwortungsfreudige k\u00fchne Tat, die mit dem Milit\u00e4r-Max-Joseph-Orden belohnt wurde, erreicht, dass der Franzose es nicht wagte, aus der von ihm in der Nacht vorher genommenen Stellung am 25.08.\u00a0 seinen Angriff gegen Le Forest weiter fortzusetzen. Dadurch war es dem II. Bataillon des K\u00f6nigin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 erm\u00f6glicht, in der Nacht vom 25.\/26. unbehelligt vom Feinde und ohne Kampf eine neue Linie einzunehmen, nur wenige Meter hinter der Kampflinie der 10. Kompanie.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Rancourt&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1049089,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0},&quot;12&quot;:0,&quot;23&quot;:1}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/88270+Rancourt,+Frankreich\/@48.2185028,5.8299851,10z\/data=!4m5!3m4!1s0x47931521b1c642c7:0x40a5fb99a377750!8m2!3d48.221741!4d6.107191&quot;;&quot;Rancourt&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/88270+Rancourt,+Frankreich\/@48.2185028,5.8299851,10z\/data=!4m5!3m4!1s0x47931521b1c642c7:0x40a5fb99a377750!8m2!3d48.221741!4d6.107191\">Man begrub Leonhard Kiefl auf dem Soldatenfriedhof <a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/88270+Rancourt,+Frankreich\/@48.2185028,5.8299851,10z\/data=!4m5!3m4!1s0x47931521b1c642c7:0x40a5fb99a377750!8m2!3d48.221741!4d6.107191\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Rancourt<\/a><\/span> in einem Massengrab.<\/p>\n<p>Seine Heimatgemeinde gedenkt noch heute Leonhard Kiefl auf einem Denkmal: <a href=\"http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/2017\/niederwinkling_lk-straubing-bogen_wk1_wk2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/2017\/niederwinkling_lk-straubing-bogen_wk1_wk2.html<\/a><\/p>\n<figure id=\"attachment_20365\" aria-describedby=\"caption-attachment-20365\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-20365\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Leonhard_Kistl_v.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"578\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Leonhard_Kistl_v.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Leonhard_Kistl_v-300x217.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Leonhard_Kistl_v-768x555.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-20365\" class=\"wp-caption-text\">Sterbebild von Leonhard Kiefl<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_20364\" aria-describedby=\"caption-attachment-20364\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-20364\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Leonhard_Kiestl_h.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"578\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Leonhard_Kiestl_h.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Leonhard_Kiestl_h-300x217.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Leonhard_Kiestl_h-768x555.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-20364\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckseite des Sterbebildes von Leonhard Kiefl<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Leonhard Kiefl stammte aus Moos, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Niederwinkling, und war der Sohn eines Tagel\u00f6hners. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er in der 8. Kompanie des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments als Ersatz-Reservist. 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