{"id":21016,"date":"2024-02-27T00:00:52","date_gmt":"2024-02-26T23:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=21016"},"modified":"2020-05-27T10:47:01","modified_gmt":"2020-05-27T08:47:01","slug":"die-maenner-des-ersten-weltkriegs-teil-2-111-heinrich-schwaiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=21016","title":{"rendered":"Die M\u00e4nner des Ersten Weltkriegs \u2013 Teil 2.111: Heinrich Schwaiger"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Heinrich Schwaiger &#8211; eigentlich Schweiger (Schreibfehler auf dem Sterbebild) &#8211; stammte aus Pfaffenhofen in Bayern und war der Sohn eines Freibankmetzgers. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 2. Kompanie des 19. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 20.03.1915 fiel er im Alter von 20 Jahren w\u00e4hrend der furchtbaren K\u00e4mpfe in den Vogesen bei einem Sturm am Reichsackerkopf bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Munster_(Haut-Rhin)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">M\u00fcnster<\/a> im Elsass.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todeszeitraum von Heinrich Schwaiger berichtet die Regimentsgeschichte des 19. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Die Erfolge waren so, dass die Division schon f\u00fcr den 19.03.1915 den allgemeinen Angriff auf den Reichackerkopf beabsichtigte.\u00a0 Infolge der bei der Befehlsbekanntgabe am 18.03. 1 Uhr nachmittags in Villa Hartmann von Oberstleutnant Jaud ge\u00e4u\u00dferten Bedenken wurde aber der Angriff endg\u00fcltig auf 20.03. nachmittags verschoben und in der Hauptsache von der Division befohlen, dass die 16. Reserve-Infanterie-Brigade von Generalmajor Jehlin von Norden mit den Hauptkr\u00e4ften gegen den Kl\u00e4nglessattel, mit Nebenkr\u00e4ften gegen die Kuppe des Reichackerskopfs, die 15. Reserve-Infanterie-Brigade Generalmajor Freiherr von Pechmann gleichzeitig von Ost und S\u00fcd mit den Hauptkr\u00e4ften gegen diese Kuppe, mit Nebenkr\u00e4ften gegen Kl\u00e4nglessattel und Sattelk\u00f6pfle vorgehe. Der Angriff war durch leichte und schwere Batterien durch Minen und insbesondere durch je ein Gesch\u00fctz der Batterien von Grauvogel und Diem aus dem Westrand des M\u00f6nchbergwaldes und vom Alpenj\u00e4gerweg durch direktes Feuer auf den Klanglesattel zu unterst\u00fctzen. Die Durchf\u00fchrung des Befehls auf der Ost- und S\u00fcdfront wurde von der Brigade dem Kommandeur Reserve-Infanterie-Regiment 19 \u00fcbertragen, welcher unter Zuteilung zahlreicher Pioniere der Reserve-Pionier-Kompanie 8 als Sturmtruppen 2. und 3.\/R. 19 und Maschinengewehrzug Reim gegen das Sattelk\u00f6pfle ansetzte. Der Plan war, 1.00 Uhr mittags sich am rechten Fl\u00fcgel mit je einem Zug als Sturmkolonne ohne Schuss auf die durchschnittlich nur etwa 20 Meter entfernten feindlichen Gr\u00e4ben am Reichackerkopf zu st\u00fcrzen und nach erreichtem Erfolg Hand in Hand mit den von Norden kommenden 22ern und 23ern die ganze Linie aufzurollen.<\/em><\/p>\n<p><em>Punkt 1 Uhr nachmittags wurde befehlsgem\u00e4\u00df das Artilleriefeuer zur\u00fcckverlegt, die in der Mulde s\u00fcd\u00f6stlich Quelle eingebauten schweren Minenwerfer schwiegen. Die Mannschaften, jeder einzelne au\u00dfer mit Handgranaten und Gewehr auch mit einem Schutzschild versehen, sprangen aus ihren Gr\u00e4ben und angespannt warteten der Kammandeur Reserve-Infanterie-Regiment 19 mit Major Veith (I.\/R. 19) bei ihrer von der Kuppe nur etwa 200 Meter s\u00fcd\u00f6stlich entfernten Gefechtsstelle auf das das Gelingen des Angriffs verk\u00fcndende Signal: &#8222;Achtung!&#8220; Statt dessen h\u00f6rte man andauerndes Feuer aus feindlichen Maschinengewehren und 1.30 Uhr nachmittags traf von allen drei Sturmkompanien die niederschmetternde Nachricht ein: &#8222;Heftiges Flankenfeuer aus Maschinengewehren; wir kommen nicht weiter vorw\u00e4rts.&#8220; Das war eine verzweifelungsvolle Lage, zumal auch der Einsatz der am Alpenj\u00e4gerweg stehenden Reserven 1. und 4.\/R. 19 und 4.\/R. 23 unter den gegebenen Verh\u00e4ltnissen nur zu neuen Opfern, aber zu keinem Erfolg f\u00fchren konnte. Da, noch unentschieden was zu tun, etwa 2 Uhr nachmittags erblickte Gefreiter Heinrich Lutz (3.) pl\u00f6tzlich einige aus dem nahen feindlichen Graben herausragende H\u00e4nde. Diese als Zeichen der Bitte um Pardon auffassend schrie Lutz laut &#8222;Hurra, die ergeben sich&#8220; und gleichzeitig aufspringend nahm alles rechts und links von Lutz begeistert sein Hurra auf und wenige Minuten sp\u00e4ter war der Reichackerkopf genommen und daran anschlie\u00dfend Kl\u00e4nglesattel und die ganze Gruppe westlich davon. Dieser Augenblick geh\u00f6rte f\u00fcr alle Teilnehmer mit zu den HJ\u00f6hepunkten des Feldzugerlebens und als von allen Seiten truppweise die verwegenen, dunkelgebr\u00e4unten Alpenj\u00e4gergestalten &#8211; mehrere Offiziere und 250 Mann &#8211; gesondert von unseren braven Leuten den Hang heruntergebracht wurden, da konnte sich kein Anwesender einer spontanen Regung von Gl\u00fcck und Dankbarkeit erwehren. Leider erlitt diese frohe Stimmung aber schon gegen 4 Uhr nachmittags einen gewaltigen D\u00e4mpfer; denn in die sich\u00a0 beim eifrigen Sammeln und Einbringen feindlicher Waffen und Ausr\u00fcstungsst\u00fccke allzufrei und unvorsichtig auf der Kuppe Bewegenden schlug pl\u00f6tzlich feindliches Artilleriefeuer und brachte etwa 20 eben noch so Lebensfrohen Tod oder schwere Verwundung, unter ihnen auch den tapferen Zugf\u00fchrern Leutnant F\u00fcrst (2.\/R. 19) und Offiziers-Stellvertreter Lukaseder (Reserve-Infanterie-Regiment 23). Ein Volltreffer ging auch in die Minenwerferstellung des Offiziers-Stellvertreter Schlederer und riss dessen 3 Minenwerfer und 50 kleine Minen in die Luft, wunderbarerweise ohne Schaden f\u00fcr die Bedienung.<\/em><\/p>\n<p><em>Noch am gleichen Tag wurde folgender Divisions-Tagesbefehl ausgegeben:<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Nach vierzehnt\u00e4gigem schweren Ringen ist uns heute der Erfolg beschieden gewesen, der Reichackerkopf ist unser, wir geben ihn nicht mehr her. Dies zu sichern ist jetzt unsere Aufgabe, an deren Erf\u00fcllung alles zusammenarbeiten muss.<br \/>\nIch spreche allen meinen Truppen und ihren F\u00fchrern, die heute unserer Division ein neues Lorbeerreis errungen, meinen Dank und meine volle Anerkennung aus.<br \/>\nIn musterg\u00fcltigem Zusammenarbeiten haben die tapferen Pioniere meiner braven todesmutigen Infanterie den Weg gebahnt, w\u00e4hrend die Artillerie ihr in nieversagender Aufmerksamkeit die Artillerie des Feindes vom Leib gehalten und dem Feind den letzten Rest gegeben hat.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich bin stolz auf meine Division.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Freiherr vom Stein.&#8220;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Breitenbach&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1057281,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0},&quot;12&quot;:0,&quot;16&quot;:10,&quot;23&quot;:1}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/68380+Breitenbach-Haut-Rhin,+Frankreich\/@48.0219161,7.0813125,14z\/data=!4m5!3m4!1s0x4793d764830f1509:0x40a5fb99a393e10!8m2!3d48.023162!4d7.102267&quot;;&quot;Breitenbach&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/68380+Breitenbach-Haut-Rhin,+Frankreich\/@48.0219161,7.0813125,14z\/data=!4m5!3m4!1s0x4793d764830f1509:0x40a5fb99a393e10!8m2!3d48.023162!4d7.102267\">Man begrub Heinrich Schwaiger auf dem Soldatenfriedhof <a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/68380+Breitenbach-Haut-Rhin,+Frankreich\/@48.0219161,7.0813125,14z\/data=!4m5!3m4!1s0x4793d764830f1509:0x40a5fb99a393e10!8m2!3d48.023162!4d7.102267\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Breitenbach<\/a> in einem Massengrab.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_21015\" aria-describedby=\"caption-attachment-21015\" style=\"width: 491px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-21015\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Heinrich_Schwaiger_v.jpg\" alt=\"\" width=\"491\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Heinrich_Schwaiger_v.jpg 491w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Heinrich_Schwaiger_v-184x300.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 491px) 100vw, 491px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-21015\" class=\"wp-caption-text\">Sterbebild von Heinrich Schwaiger<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_21014\" aria-describedby=\"caption-attachment-21014\" style=\"width: 491px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-21014\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Heinrich_Schwaiger_h.jpg\" alt=\"\" width=\"491\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Heinrich_Schwaiger_h.jpg 491w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Heinrich_Schwaiger_h-184x300.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 491px) 100vw, 491px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-21014\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckseite des Sterbebildes von Heinrich Schwaiger<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Heinrich Schwaiger &#8211; eigentlich Schweiger (Schreibfehler auf dem Sterbebild) &#8211; stammte aus Pfaffenhofen in Bayern und war der Sohn eines Freibankmetzgers. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 2. Kompanie des 19. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 20.03.1915 fiel er im Alter von 20 Jahren w\u00e4hrend der furchtbaren K\u00e4mpfe in den Vogesen bei einem Sturm [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_wp_rev_ctl_limit":""},"categories":[2,8,1876,18],"tags":[255,1366,88,33,36,5852,103,1754,5853,102,499,82],"class_list":["post-21016","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-weltkrieg","category-sterbebilder","category-frankreich-1-weltkrieg","category-vogesenkampfe","tag-19-bayerisches-reserve-infanterie-regiment","tag-bayern","tag-breitenbach","tag-elsass","tag-frankreich","tag-freibankmetzgerssohn","tag-muenster","tag-pfaffenhofen","tag-reichackerkopf","tag-reichsackerkopf","tag-schreibfehler","tag-vogesen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21016","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21016"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21016\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21026,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21016\/revisions\/21026"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21016"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21016"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21016"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}