{"id":21646,"date":"2024-05-11T00:00:19","date_gmt":"2024-05-10T22:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=21646"},"modified":"2020-07-13T20:10:33","modified_gmt":"2020-07-13T18:10:33","slug":"die-maenner-des-ersten-weltkriegs-teil-2-185-max-speck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=21646","title":{"rendered":"Die M\u00e4nner des Ersten Weltkriegs \u2013 Teil 2.185: Max Speck"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Max Speck wurde am 08.03.1890 in Hofen geboren, heute ein Ortsteil der Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spaichingen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Spaichingen<\/a> im heutigen Baden-W\u00fcrttemberg. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Reservist in der 2. Kompanie des 127. Infanterie-Regiments. Am 10.09.1914 fiel er im Alter von 24 Jahren w\u00e4hrend der Schlacht bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vaubecourt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vaubecourt<\/a> \u2013 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rembercourt-Sommaisne\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sommaisne<\/a> in Frankreich.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag von Max Speck berichtet die Regimentsgeschichte des 127. Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Der 10. September brach an. Es sollte ein denkw\u00fcrdiger Tag f\u00fcr das Regiment und f\u00fcr alle hier k\u00e4mpfenden Truppen werden, der schwerste auf jeden Fall f\u00fcr das Regiment im Bewegungskrieg 1914!<\/em><\/p>\n<p><em>Beim Gegner waren sehr betr\u00e4chtliche Verst\u00e4rkungen\u00a0 festgestellt worden.<\/em><\/p>\n<p><em>Da man der \u00fcberlegenen Artilleriewirkung nicht Herr zu werden vermochte, ordnete der Armeebefehl f\u00fcr die Nacht vom 9.\/10. September einen gewaltigen Nachtangriff in einer Ausdehnung von mehr als 20 Kilometer Breite an, durch den die feindliche Artilleriestellungen \u00fcberrannt und unsch\u00e4dlich gemacht werden sollten. Im Falle des Gelingens konnte dieser Entschluss ungeahnte Fr\u00fcchte zeigen.<\/em><\/p>\n<p><em>Das XIII. Armeekorps sollte zu diesem Zweck bis 2 Uhr morgens im allgemeinen die westliche von Rembercourt nach St. on la Vaux Marie f\u00fchrende Kleinbahnlinie \u00fcberschritten haben und um 5.30 Uhr vormittags bis \u00fcber Rembercourt, auf Erize la Petite und an die H\u00f6hen n\u00f6rdlich Neuville vorgesto\u00dfen sein. Den Nachbarkorps wurden \u00e4hnliche weite Ziele gesteckt.<\/em><\/p>\n<p><em>Um 12.30 Uhr nachts r\u00fcckte das Infanterie-Regiment 127 (ohne das III. Bataillon beim Infanterie-Regiment 120) in rabenschwarzer Finsternis und unter fortw\u00e4hrenden Regenschauern von Baubecourt \u00fcber Pretz auf Sommaisne vor, das um 3.15 Uhr morgens erreicht wurde. Von vorne t\u00f6nte leise Gewehrfeuer, hin und wieder klatschte ein Querschl\u00e4ger an die Mauern, w\u00e4hrend man man das Dorf durchschritt. Dunkle Wolken zogen am Himmel dahin und verhie\u00dfen kein sonniges Wetter f\u00fcr den bevorstehenden Schlachttag. Der Boden war grundlos. Der Divisionsbefehl wies dem Regiment die feindlichen Batterien bei H\u00f6he 309 (s\u00fcdlich Vaux Marie Ferme) als Ziel.<\/em><\/p>\n<p><em>Um 3.30 Uhr morgens begann das Vorgehen, zun\u00e4chst gegen die Bahnlinie bei St. on la Vaux Marie. Die Gewehre waren entladen, um nicht durch vorzeitige Sch\u00fcsse sich dem Gegner zu verraten, die Seitengewehre aufgepflanzt. Um im Dunkel die Verbindung aufrecht erhalten zu k\u00f6nnen, bildete man dicht aufgeschlossene Kolonnen mit Sch\u00fctzenschleiern davor. Gespannteste Erwartung erf\u00fcllte alle. Jede Sekunde konnte man im Dunkel auf den Gegner sto\u00dfen. Schweigend, keuchend vor Anstrengung auf dem verschlammten Ackerboden, ging es weiter und weiter. Am Horizont stiegen die ersten bleichen Strahlen des nahenden Morgens empor. Eine erdr\u00fcckende Stille lag \u00fcber dem weiten Feld.<\/em><\/p>\n<p><em>Man kam in die N\u00e4he des kleinen Bahnhofs la Vaux Marie heran. Er bestand aus einem kleinen Stationsgeb\u00e4ude und einem G\u00fcterschuppen. Von dort blitzten Sch\u00fcsse auf, man warf sich hin und erkannte, dass die Bahnlinie besetzt war. Versprengte Kameraden verschiedener Regimenter schlossen sich dem Regiment an.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Zeit dr\u00e4ngte. Schon wurde es heller und heller, die Entscheidung musste jetzt in k\u00fcrzester Zeit fallen. Krampfhaft umfasste die Hand das treue Gewehr, ein leises Kommando, &#8222;Sprung auf, Marsch-Marsch&#8220;, Sch\u00fcsse blitzen, hier und dort sinkt einer zu Boden, aber im Augenblick ist man am Bahnk\u00f6rper angelangt. Der G\u00fcterbahnhof wird von der 5. Kompanie gest\u00fcrmt. &#8222;Morgenrot, Morgenrot, leuchtest mir zum fr\u00fchen Tod!&#8220; Wem ist in jenen Stunden dieses Lied nicht in den Sinn gekommen? F\u00fcr wie viele wurde es Wahrheit? Auch der Regimentsf\u00fchrer, Major Drausnick erh\u00e4lt einen t\u00f6dlichen Schuss, ebenso wie eine Anzahl der vorausspringenden Offiziere. Major Fack \u00fcbernimmt die F\u00fchrung des Regiments.<\/em><\/p>\n<p><em>Durch das Vorgehen des Regiments wurden auch die daneben liegenden Teile der anderen Regimenter vorw\u00e4rtsgerissen und an allen Stellen die Bahnlinie erreicht. Der Gegner flutete nach einer 800 Meter weiter s\u00fcdlich gelegenen H\u00f6he zur\u00fcck. Das Zur\u00fcckgehen musste im eigenen Feuer erfolgen, rasch konnte auch noch ein Maschinengewehr in Stellung gebracht werden. Unter solchen Umst\u00e4nden erlitt der Gegner vernichtende verluste. Als der Tag anbrach, sah man \u00fcberall in den halbgem\u00e4hten Feldern gleich rotem Mohn und blauen Kornblumen die roten Hosen, die blauen R\u00f6cke der gefallenen Franzosen herumliegen.<\/em><\/p>\n<p><em>Leider machte sich der Verlust der vielen Offiziere und sonstigen Dienstgrade in unheilvoller Weise bemerkbar. Teilweise st\u00fcrzten die Mannschaften in nicht mehr zu haltendem Draufg\u00e4ngertum unter Vergessen aller Vorsicht nach vorw\u00e4rts und erlitten f\u00fchrerlos durch das bald einsetzende feindliche Artilleriefeuer schwere Verluste. Zum Teil kamen sie ab und wurden seither vermisst. Daraus erkl\u00e4rt sich auch die gro\u00dfe Zahl der Vermissten an diesem Tage.<\/em><\/p>\n<p><em>Zu fr\u00fch f\u00fcr heute brach der Tag an. Es war nicht gelungen, das Endziel, die feindliche Artillerie, zu erreichen. Teilweise war man ganz nahe herangekommen, aber infolge der Verluste, der F\u00fchrerlosigkeit, der durch das n\u00e4chtliche Vorgehen erkl\u00e4rlichen Aufl\u00f6sung der Verb\u00e4nde fehlte dann die Kraft, sie im Sturm zu nehmen. Feindliche Infanterie hatte sich am Schluss kaum mehr gezeigt. Sie schien ersch\u00fcttert zu sein oder nicht den Mut zum Gegenangriff zu haben. Auf jeden Fall trug auf feindlicher Seite an diesem Tage einzig und allein die zahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberlegene Artillerie die Last des Kampfes.<\/em><\/p>\n<p><em>Als die Sonne allm\u00e4hlich in den feuchtkalten Herbstmorgen hinein ihre ersten Strahlen sandte, er\u00f6ffnete auch die feindliche Artillerie wieder ihr Massenfeuer. Es schien, als h\u00e4tte sie sich im Laufe der Nacht noch weiter vermehrt, was bei der N\u00e4he der Festung Verdun ja leicht m\u00f6glich und sehr wahrscheinlich war. Denn auch der Gegner musste wissen, dass es hier um eine gro\u00dfe Entscheidung ging. Wohin man sah, einschlagende Granaten, emporspritzende Erdfont\u00e4nen, ein Regen von Eisen und Feuer. Der Bahnhof von la Vaux Marie war in Brand geschossen und seine Rauchfahne ragte hoch in die Luft. Ringsum ein Leichenfeld, stehen gebliebene feindliche Fahrzeuge, weggeworfene Waffen, verendende Pferde, verschlammte Felder und dar\u00fcber spr\u00fchender kalter Regen. So verging der Tag. Als gegen Abend die Sanit\u00e4tsmannschaften kamen, um die Verwundeten zu holen, wurden auch sie beschossen. Wo sich auch nur irgend etwas regte, da lag auch schon feindliches schweres Feuer. Der Gegner war als zum Regiment Nr. 76, 101, 301 und J\u00e4gerbataillon 20 geh\u00f6rig festgestellt.<\/em><\/p>\n<p><em>42 Tote, 473 Verwundete, 214 Vermisste z\u00e4hlte das Regiment an diesem Tage. Man muss dabei bedenken, dass es sich um keine vollen Verb\u00e4nde handelte, im Gegenteil war die Gefechtsst\u00e4rke schon an und f\u00fcr sich sehr gering. Besonders schwer waren die Offiziersverluste an diesem blutigen Tag: 5 Offiziere gefallen au\u00dfer dem Regimentsf\u00fchrer Major Drausnick (Hauptmann Laur\u00f6sch, Leutnant der Reserve E\u00dflinger, Dietenberger, Offizierstellvertreter Findeisen, Rees), 10 verwundet, 3 vermisst (Oberleutnant N\u00fcbling, Leutnant der Reserve Rempis, Offizierstellvertreter D\u00f6rpinghaus, wahrscheinlich s\u00e4mtlich im Nahkampf gefallen). Au\u00dferdem waren in den kurz vorhergehenden K\u00e4mpfen noch Leutnant Ahrens und Leutnant der Reserve Kattner gefallen.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Offiziell ist f\u00fcr Max Speck keine Grablage bekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Brieulles-sur-Meuse&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1049089,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0},&quot;12&quot;:0,&quot;23&quot;:1}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/goo.gl\/maps\/RG8wjvHYGFx&quot;;&quot;Brieulles-sur-Meuse&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/RG8wjvHYGFx\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/RG8wjvHYGFx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Brieulles-sur-Meuse<\/a> begraben wurde, wo auch seine Regimentskameraden beigesetzt wurden, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>Franz Bailer, gefallen am 31.08.1914 bei Sassey, begraben auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Brieulles-sur-Meuse&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1049089,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0},&quot;12&quot;:0,&quot;23&quot;:1}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/goo.gl\/maps\/RG8wjvHYGFx&quot;;&quot;Brieulles-sur-Meuse&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/RG8wjvHYGFx\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/RG8wjvHYGFx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Brieulles-sur-Meuse<\/a> in einem Massengrab;<\/span><\/li>\n<li>Gefreiter Georg Reyer, gefallen am 15.09.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Brieulles-sur-Meuse&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1049089,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0},&quot;12&quot;:0,&quot;23&quot;:1}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/goo.gl\/maps\/RG8wjvHYGFx&quot;;&quot;Brieulles-sur-Meuse&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/RG8wjvHYGFx\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/RG8wjvHYGFx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Brieulles-sur-Meuse<\/a> Block 4 Grab 167;<\/span><\/li>\n<li>Unteroffizier Christian Aichele, gefallen am 31.08.1914 bei Sassey, begraben auf dem Soldatenfriedhof in einem Massengrab.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Seine Heimatgemeinde Spaichingen gedenkt Max Speck noch heute auf einem Denkmal: <a href=\"http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/2013\/spaichingen_lk-tuttlingen_wk1_bawue.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/2013\/spaichingen_lk-tuttlingen_wk1_bawue.html<\/a><\/p>\n<figure id=\"attachment_21619\" aria-describedby=\"caption-attachment-21619\" style=\"width: 504px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-21619\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Max_Speck_v.jpg\" alt=\"\" width=\"504\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Max_Speck_v.jpg 504w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Max_Speck_v-189x300.jpg 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 504px) 100vw, 504px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-21619\" class=\"wp-caption-text\">Sterbebild von Max Speck<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_21618\" aria-describedby=\"caption-attachment-21618\" style=\"width: 504px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-21618\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Max_Speck_h.jpg\" alt=\"\" width=\"504\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Max_Speck_h.jpg 504w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Max_Speck_h-189x300.jpg 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 504px) 100vw, 504px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-21618\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckseite des Sterbebildes von Max Speck<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Max Speck wurde am 08.03.1890 in Hofen geboren, heute ein Ortsteil der Stadt Spaichingen im heutigen Baden-W\u00fcrttemberg. 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