{"id":26458,"date":"2025-10-05T00:00:46","date_gmt":"2025-10-04T22:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=26458"},"modified":"2021-01-15T06:24:07","modified_gmt":"2021-01-15T05:24:07","slug":"die-maenner-des-ersten-weltkriegs-teil-2-695-karl-gebhart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=26458","title":{"rendered":"Die M\u00e4nner des Ersten Weltkriegs \u2013 Teil 2.695: Karl Gebhart"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Karl Gebhart wurde am 08.07.1888 in Enthalb der Ach, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wertach\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wertach<\/a>, geboren. Sein Vater war Landwirt, er selbst war landwirtschaftlicher Arbeiter. Im Ersten Weltkrieg diente er als Reservist und Infanterist in der 1. Kompanie des 20. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 16.06.1915 fiel er im Alter von 26 Jahren bei Rolincourt.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Karl Gebhart berichtet die Regimentsgeschichte des 20. bayerischen Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Gefecht bei Rolincourt<\/em><\/p>\n<p><em>16.06.1915 Hier ist das I. Bataillon am 16.06. unter der ruhigen und zielsicheren F\u00fchrung seines Kommandeurs, Major Aschenauer, hauptbeteiligt an der erfolgreichen Abwehr eines gro\u00df angelegten franz\u00f6sischen Angriffes beiderseits der Stra\u00dfe Arras &#8211; Bailleul. Am 15. Juni war das Bataillon vorzeitig in Stellung gekommen. Vorne rechts die 3. Kompanie, in der Mitte die 2., am linken Fl\u00fcgel die 1. Kompanie. In 2. Linie die 4. Kompanie. Der franz\u00f6sische Angriff traf F\u00fchrung und Truppe nicht unvorbereitet. Im vordersten Graben war alles vom fr\u00fchen Morgen an auf dem Posten. Aber erst um 13 Uhr setzte das den Angriff vorbereitende halbst\u00fcndige Trommelfeuer ein. Gut, dass es an vielen Stellen zu weit lag. So war die Brustwehr fast \u00fcberall schon besetzt, als die Franzosen ihre Gr\u00e4ben zu Sturme verlie\u00dfen. Immerhin gelang es dem Feind &#8211; durch zwei schr\u00e4g zu unserer Stellung verlaufende Gel\u00e4nderisse gesch\u00fctzt &#8211; am rechten und linken Fl\u00fcgel der 2. Kompanie einzubrechen.<\/em><\/p>\n<p><em>Umgehend und mit gro\u00dfer Ruhe setzte der Kompanief\u00fchrer Oberleutnant der Reserve Ebner seine Reserven zum Gegenangriff an. W\u00e4hrend der wackere, sp\u00e4ter mit der goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnete Vizefeldwebel und Offizierstellvertreter Anton Wenzel die 3. Kompanie mit wenigen Leuten nach l\u00e4ngerem Handgemenge dein eingedrungenen Feind nach links aufrollt, arbeiten ihm die Sto\u00dftrupps der 2. Kompanie von der anderen Seite entgegen. Hierbei haben sich die Unteroffiziere Johann Gr\u00fcner der Maschinengewehrkompanie und Johann Lederer der 2. Kompanie besonders ausgezeichnet: Gr\u00fcner durch beherztes Ausharren mit seinem Maschinengewehr inmitten der eingedrungenen Feindmassen und einen gewagten, aber sehr erfolgreichen Sappenangriff, Lederer dadurch, dass er sich den eingebrochenen Franzosen entgegenstemmte und beim Gegenangriff durch sein entschlossenes Auftreten drei Offiziere und 45 Mann gefangen nahm. Beide erhielten die silberne Tapferkeitsmedaille.<\/em><\/p>\n<p><em>Am linken Fl\u00fcgel der 2. Kompanie aber greift die 4. Kompanie unter dem trefflichen Leutnant der Reserve Fritsch ein: &#8222;Auf die Hilferufe von vorne; &#8222;Die Franzosen haben unseren Graben und schlagen alles nieder&#8220;, gab es kein Warten mehr, bis ein Befehl des Bataillons eintraf&#8220; schildert einer der Beteiligten, Leutnant der Reserve May, sehr anschaulich. &#8222;Der Kompanief\u00fchrer befahl den Gegensto\u00df: &#8222;1. Zug \u00fcber das freie Feld in Sch\u00fctzenlinie, 2. und 3. Zug durch die Laufgr\u00e4ben! Gep\u00e4ck liegen lassen! Marsch, marsch!&#8220; Der 1. Zug kam in Sch\u00fctzenlinie bis zum sogenannten Wiedereroberungsgraben dicht hinter der Kampflinie. Er hatte schwere Verluste. Der Zugf\u00fchrer, Leutnant Seidel, fiel. Der Kompanief\u00fchrer wurde schwer verwundet. Kurze Zeit s\u00fc\u00e4ter erreichten auch der 2. und 3. Zug diesen Graben, der zun\u00e4chst besetzt wurde. Die Franzosen schossen, was sie aus ihren Gewehren herausbrachten.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Seitengewehr pflanzt auf!&#8220; riefen die Zugf\u00fchrer, &#8222;Messer raus! die Gruppenf\u00fchrer. Was nun folgte, spielte sich fast rascher ab, als man es erz\u00e4hlen kann. Gruppenweise drang man in den vorderen Graben ein. Wie die Franzosen die Messer sahen, war fast \u00fcberall der Widerstand gebrochen. Und von allen Seiten h\u00f6rte man ein vielstimmiges &#8222;Pardon camerade! Nit schie\u00df, nit stich!&#8220; Die Besatzung einer Sappe wollte sich nicht ergeben. Hochaufgerichtet stand Unteroffizier Zwick (silberne Tapferkeitsmedaille) oben am Graben und warf Handgranate auf Handgranate in den Graben, genau so ruhig, wie er es auf dem \u00dcbungsplatz gezeigt hatte. Bald war auch diese Besatzung m\u00fcrbe und lie\u00df die H\u00e4nde in die H\u00f6he fliegen. Eilig wurde nun daran gegangen, die Stellung gleichm\u00e4\u00dfig zu besetzen, und nach M\u00f6glichkeit gangbar zu machen. Mit je einer Wunde am Kopf und Arm leitete Leutnant der Reserve Lhotzky, immer wieder das Blut wegwischend, die Arbeiten. Es kostete viel M\u00fche, bis er soweit gebracht war, dass er sich verbinden lie\u00df.<\/em><\/p>\n<p><em>Im Bahneinschnitt von Bailleul z\u00e4hlte man dann vier Offiziere (darunter ein Bataillonskommandeur) 188 Franzosen als Gefangene. Nicht viel weniger waren gefallen oder verwundet. &#8222;Brave Zwanziger&#8220; sagte der Divisionskommandeur, als ihm die Gefangenen vorgef\u00fchrt wurden, &#8222;Das habt ihr wieder fein gemacht&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><em>Dem gewissenhaft gef\u00fchrten Tagebuch eines jungen franz\u00f6sischen Offiziers, der dem I. Bataillon in diesen Tagen gegen\u00fcber lag, entnehmen wir folgendes Stimmungsbild und Werturteil auf der Gegenseite:<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Wir sind durch den Angriff v\u00f6llig abgestumpft. Mein Bataillon hat 1.300 Mann verloren, darunter 12 Offiziere. Es sind nur noch drei von uns \u00fcbrig. Man bef\u00fcrchtet einen feindlichen Gegenangriff. Wir befinden uns in einer sehr schlechten Stellung. Der vorbereitete Sto\u00df ist gr\u00fcndlich missgl\u00fcckt. Es ist aus. Rechts, wo alles gut geht, versucht man das Ungl\u00fcck wieder gut zu machen.<\/em><\/p>\n<p><em>Das hindert nicht, dass der 1. Angriff das 1. Ziel nicht erreicht hat und uns entsetzlich teuer zu stehen gekommen ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Das 103. und 104. Regiment haben sich geweigert, vorzugehen. Meine Kompanie z\u00e4hlt noch 30 von 210 Mann. Bei anderen Regimentern sieht es \u00e4hnlich aus.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich bin todm\u00fcde. Man zerm\u00fcrbt uns den Kopf mit Kanonensch\u00fcssen. Es ist f\u00fcrchterlich. Wir halten uns kaum noch aufrecht. Und dennoch: Man muss. Die deutschen Truppen sind gro\u00dfartig. Ich bewundere und achte meinen gegner wegen seiner Tapferkeit, wegen seiner wunderbaren Disziplin, seines Ordnungssinns, auch im Kleinen. Deutschland ist sehr m\u00e4chtig und hat sich so aus sich selbst geschaffen. Das ist herrlich.<\/em><\/p>\n<p><em>Seine edelste Eigenschaft ist \u00e4u\u00dferste Geduld, Ausdauer und Beharrlichkeit, den Enderfolg zu erringen f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfe des Landes. Ich kann keine Einzelheiten schreiben. Es ist uns verboten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Im Ganzen hatte der abgewiesene Feind 9 Offiziere, 300 Mann zum Teil tot und verwundet in unseren Gr\u00e4ben lassen m\u00fcssen. Der erbitterte Kampf hatte aber das Bataillon 38 Tote und 62 Verwundete gekostet. Leutnant Siedel war gefallen, die Leutnante Alber und Fritsch, zwei oft bew\u00e4hrte Kompanief\u00fchrer und Leutnant Lhotzky waren verwundet worden. Mit berechtigtem Stolz konnte das Bataillon &#8211; vom kommandierenden General des I. bayerischen Reserve-Korps sehr bedankt und besonders belobt &#8211; am 30.06. wieder nach P\u00e9ronne in den Verband des Regiments zur\u00fcckkehren.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;St.-Laurent-Blangy&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1049089,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0},&quot;12&quot;:0,&quot;23&quot;:1}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Saint-Laurent-Blangy,+Frankreich\/@50.3097961,2.7378821,12z\/data=!4m5!3m4!1s0x47dd482673f41e11:0x40af13e8163d6a0!8m2!3d50.300542!4d2.801689&quot;;&quot;St.-Laurent-Blangy&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Saint-Laurent-Blangy,+Frankreich\/@50.3097961,2.7378821,12z\/data=!4m5!3m4!1s0x47dd482673f41e11:0x40af13e8163d6a0!8m2!3d50.300542!4d2.801689\">Man begrub Karl Gebhart auf dem Soldatenfriedhof <a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Saint-Laurent-Blangy,+Frankreich\/@50.3097961,2.7378821,12z\/data=!4m5!3m4!1s0x47dd482673f41e11:0x40af13e8163d6a0!8m2!3d50.300542!4d2.801689\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">St.-Laurent-Blangy<\/a><\/span> in Block 1, Grab 393.<\/p>\n<p>Morgen stelle ich das Schicksal des Bruders von Karl Gebhart, Anton Gebhart, vor.<\/p>\n<figure id=\"attachment_26456\" aria-describedby=\"caption-attachment-26456\" style=\"width: 488px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-26456\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Karl-Beghart-vorne.jpg\" alt=\"\" width=\"488\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Karl-Beghart-vorne.jpg 488w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Karl-Beghart-vorne-183x300.jpg 183w\" sizes=\"auto, (max-width: 488px) 100vw, 488px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26456\" class=\"wp-caption-text\">Sterbebild von Karl Gebhart<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Karl Gebhart wurde am 08.07.1888 in Enthalb der Ach, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Wertach, geboren. 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