{"id":26583,"date":"2025-10-16T00:00:12","date_gmt":"2025-10-15T22:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=26583"},"modified":"2021-01-23T12:09:12","modified_gmt":"2021-01-23T11:09:12","slug":"die-maenner-des-ersten-weltkriegs-teil-2-706-joseph-gigler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=26583","title":{"rendered":"Die M\u00e4nner des Ersten Weltkriegs \u2013 Teil 2.706: Joseph Gigler"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Joseph Gigler wurde am 04.11.1897 Oberbocksberg geboren und arbeitete als Kaminkehrer in Hausham. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 9. Kompanie des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 26.09.1918 fiel er im Alter von 20 Jahren w\u00e4hrend der letzten K\u00e4mpfe vor Verdun in Frankreich. Er wurde bei der Ortschaft <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Brieulles-sur-Meuse\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brieulles-sur-Meuse<\/a> get\u00f6tet.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Joseph Gigler berichtet die Regimentsgeschichte des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Vor Verdun<\/em><\/p>\n<p><em>26. September bis 11. November 1918<\/em><\/p>\n<p><em>Seit dem &#8222;Schwarzen Tag des 8. August&#8220; war eine siegreiche Beendigung des Krieges, die nur durch eine gro\u00dfe Offensive zu erreichen war, zur Unm\u00f6glichkeit geworden. Mit 1 Millionen Streitern war Amerika auf den Plan getreten, lauter M\u00e4nnern im Vollbesitz ihrer unverbrauchten Nerven, wohlgen\u00e4hrt und gl\u00e4nzend ausger\u00fcstet. Das deutsche Heer, in die Abwehr gezwungen, war entschlossen mit seinem schartigen, aber noch lange nicht stumpfen Schwert, unter Einsatz seiner letzten Kraft dem Vaterland einen ehrenvollen Frieden zu erk\u00e4mpfen. In allem Bitteren, das es schon erlebte, sollte ihm auch das noch ohne seine Schuld versagt sein.<\/em><\/p>\n<p><em>In einer r\u00fcckw\u00e4rtigen Stellung, der Hermann-Huding-Brunhilde-Stellung, die sich von den holl\u00e4ndischen Grenze \u00fcber Tournai &#8211; Le Cateau, n\u00f6rdlich Laon, dann \u00fcber Rethel und Vouziers zur Maas bei Dun hinzog, wollte man sich entscheidend zur Wehr setzen. Der Feind seinerseits hatte allen Grund, den deutschen Armeen keine Zeit zur Erholung zu lassen und noch vor dem f\u00fcnften Kriegswinter die Entscheidung zu erzwingen.<\/em><\/p>\n<p><em>Von der Nordsee bis zur Maas brandete die Flut des Angreifers. Schritt f\u00fcr Schritt wichen die deutschen Truppen fechtend in die &#8222;Hermann-Huding-Brunhilde-Stellung&#8220; zur\u00fcck.<\/em><\/p>\n<p><em>Die feindlichen Hauptst\u00f6\u00dfe richteten sich von Ypern auf Br\u00fcssel, \u00fcber Cambrai, St. Quentin auf Maubeuge und von den Argonnen auf Sedan.<\/em><\/p>\n<p><em>In diesen Septembertagen traf uns die Hiobsbotschaft, dass die bulgarische Armee vor einem Angriff der Saloniki-Armee zusammenbrach und in alle Winde zerstob. Schon vorher hatte \u00d6sterreich wieder einmal ein nicht nur nutzloses, sondern sogar sch\u00e4dliches Friedensangebot gemacht.<\/em><\/p>\n<p><em>Am 25.09. mittags wurde das Regiment mit Lastkraftwagen nach Ecury und R\u00e9ville n\u00e4her an die Kampffront herangeschoben. Das I. Bataillon, dem nur drei Wagen zur Verf\u00fcgung standen, verlud die Maschinengewehr-Kompanie, Munition und Tornister und erreichte mit den Infanterie-Kompanien am sp\u00e4ten Abend sein Marschziel. Kaum in der neuen Unterkunft angelangt, wurde wiederum Marschbereitschaft befohlen. Das Regiment wurde nun auf das westliche Maas-Ufer geworfen und erreichte am 26. gegen 6 Uhr vormittags die Gegend bei Brieulles, das wegen starker Beschie\u00dfung nicht betreten werden konnte. 1 \u00bd Stunden sp\u00e4ter kam das I. Bataillon mit Landmarsch an, nachdem es beim \u00dcbergang \u00fcber die Maas schon empfindliche Verluste erlitten hatte &#8211; unter anderem fiel auch Leutnant Kohn, der F\u00fchrer der 4. Kompanie, mit seinen s\u00e4mtlichen Ordonanzen. Die abgesprengte 1. Kompanie stie\u00df erst gegen 10 Uhr nachts wieder zum Bataillon.<\/em><\/p>\n<p><em>Am 26.09. war der feindliche Gro\u00dfangriff in der Champagne und \u00f6stlich der Argonnen losgebrochen. S\u00fcdlich Monfaucon hatten amerikanische Massen die deutschen Stellungen hinter dem Forges-Bach durchsto\u00dfen und waren im Vorgehen gegen den Monfaucon. Um diesen Sto\u00df aufzufangen, musste die 5. bayerische Reserve-Division auseinandergerissen, so wie sie ankam, regimentsweise eingesetzt werden.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit dem 26.09. begann f\u00fcr das Regiment eine ununterbrochene Reihe schwerer K\u00e4mpfe gegen einen vielfach \u00fcberlegenen Feind, die erst wenige Tage vor dem Waffenstillstand ihren Abschluss fanden. Die taktische \u00dcberlegenheit der Unterf\u00fchrer, die Kriegserfahrung, Z\u00e4higkeit und Pflichttreue der Truppe bef\u00e4higten das Regiment, das nur noch einmal kaum nennenswerten Ersatz erhielt, in schwierigem, un\u00fcbersichtlichem Gel\u00e4nde den amerikanischen ungef\u00fcgten Massen 44 Tage lang erfolgreichen Widerstand zu leisten, bis es zu Schlacke ausgebrannt mit blankem Schild das blitgetr\u00e4nkte Schlachtfeld verlie\u00df.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Regiment wurde zur Bereitstellung im M\u00fcnsterlage (II. Bataillon), im Lager Wasserm\u00fchle (III. Bataillon) und bei Brieulles befohlen. Alle diese Orte lagen unter feindlichem Fernfeuer.<\/em><\/p>\n<p><em>Der um 11 Uhr vormittags eingetroffene Befahl, dass das Regiment die bei Cuisy verlorene Hauptwiderstandslinie wieder zu nehmen habe, war durch die inzwischen eingetretenen Ereignisse \u00fcberholt und wurde dahin abge\u00e4ndert, \u00f6stlich Nantillois &#8211; Montfaucon in Richtung auf Cuisy anzugreifen.<\/em><\/p>\n<p><em>Hierzu wurden in einer Mulde zwischen Ogon-Wald und Fays-Wald bereitgestellt:<\/em><\/p>\n<p><em>III. Bataillon rechts, II. Bataillon links, I. Bataillon verblieb vorl\u00e4ufig an seinem Platz im Wald von Brieulles.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Regiments-Kommandeur befahl m\u00fcndlich an die versammelten Kommandeure:<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;III. und II. Bataillon greifen gemeinschaftlich aus der Bereitstellung in s\u00fcd\u00f6stlicher Richtung an, II. Bataillon hat Richtung und Anschluss, Angriffsrichtung auf die Mitte dieses dreieckigen W\u00e4ldchens I. Bataillon folgt links gestaffelt. Die H\u00f6he s\u00fcdlich des dreieckigen W\u00e4ldchens ist zu nehmen und zu halten. Die Maschinengewehre und je ein leichter Zug Minenwerfer bei ihren Bataillonen. Antreten wird vom Regiment befohlen. Regiments-Befehlsstelle vorl\u00e4ufig am Ogon-Wald.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>5.35 Uhr nachmittags wurde angetreten, Bataillone in zwei lichten Wellen. Unter dem Schutz der schweren Maschinengewehre und leichten Minenwerfer wurde der erste Kilometer leicht \u00fcberwunden, 5.50 Uhr die vorderste eigene Linie, die von der 2.\/Reserve-Infanterie-Regiment 7 gebildet war, erreicht und der Feind aus seiner Stellung dicht \u00f6stlich Stra\u00dfe Nantillois &#8211; Brieulles vertrieben.<\/em><\/p>\n<p><em>Das feindliche Maschinengewehr-Feuer aus dem W\u00e4ldchen und von der H\u00f6he beiderseits desselben war recht empfindlich. Insbesondere Litt die 8. Kompanie. Sprungweise vorw\u00e4rts! Die leichten Minenwerfer bereiten mit Vernichtungsfreuer den Einbruch vor, Artillerie steht dem Regiment nicht zur Verf\u00fcgung.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit Einbruch der Dunkelheit schreitet 6. und 8. Kompanie mit &#8222;Hurra&#8220; zum Sturm, die benachbarten Kompanien schlie\u00dfen sich an. Um 8.45 Uhr abends ist nicht nur das W\u00e4ldchen, sondern auch die beherrschende H\u00f6he dahinter unser, der Feind fl\u00fcchtet und l\u00e4sst vier Maschinengewehre und Gefangene in unserer Hand. Sogleich wird Ordnung geschaffen, Vorposten vorgeschoben, die Verbindung nach links mit einer Kompanie Infanterie-Regiment 147, nach rechts mit dem I.\/Reserve-Infanterie-Regiment 7 hergestellt.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein dreimaliger Versuch des Feindes, sich w\u00e4hrend der Nacht vom 26.\/27. wieder in den Besitz der verlorenen Stellung zu setzen, wurde von den Kompanien des II. Bataillons vereitelt. Der Maschinengewehr-Zug des Leutnant Prucker hat dabei entscheidend mitgewirkt.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Lage des Grabes von Joseph Gigler ist offiziell unbekannt. Es liegt jedoch nahe, dass man seine Gebeine anonym in einem Massengrab auf dem nahegelegenene Soldatenfriedhof <a href=\"https:\/\/kriegsgraeberstaetten.volksbund.de\/friedhof\/brieulles-sur-meuse\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brieulles-sur-Meuse<\/a> begrub.<\/p>\n<p>Dort begrub man \u00fcbrigens auch den w\u00fcrttembergischen Generalleutnant <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eugen_von_Dorrer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eugen von Dorrer<\/a> aus <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Crailsheim#Stadtgliederung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ro\u00dffeld<\/a>, kommandierender General der 44. Reserve-Division, der bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Montfaucon-d%E2%80%99Argonne\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Montfaucon-d\u2019Argonne<\/a>\u00a0schwer verwundet im Reserve-Feldlazarett 32 verstarb. Auch er wurde in einem Massengrab beigesetzt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_26585\" aria-describedby=\"caption-attachment-26585\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-26585\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Joseph-Gigler-vorne.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"644\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Joseph-Gigler-vorne.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Joseph-Gigler-vorne-300x242.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Joseph-Gigler-vorne-768x618.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26585\" class=\"wp-caption-text\">Sterbebild von Joseph Gigler<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_26584\" aria-describedby=\"caption-attachment-26584\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-26584\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Joseph-Gigler-hinten.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"644\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Joseph-Gigler-hinten.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Joseph-Gigler-hinten-300x242.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Joseph-Gigler-hinten-768x618.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26584\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckseite des Sterbebildes von Joseph Gigler<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Joseph Gigler wurde am 04.11.1897 Oberbocksberg geboren und arbeitete als Kaminkehrer in Hausham. 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