{"id":266,"date":"2010-05-30T08:35:52","date_gmt":"2010-05-30T06:35:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.geschichte-hautnah.de\/?p=266"},"modified":"2010-05-30T08:35:52","modified_gmt":"2010-05-30T06:35:52","slug":"ornes-1916-zerstortes-dorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=266","title":{"rendered":"Ornes &#8211; 1916 zerst\u00f6rtes Dorf"},"content":{"rendered":"<p>Ornes liegt 16 Kilometer n\u00f6rdlich von Verdun und war ein wichtiges Marktdorf mit ca. 1.000 Einwohnern. Es liegt an der Quelle des Flusses Ornes, der ihm auch seinen Namen gegeben hat.<\/p>\n<p>&#8222;Orna in Wapria&#8220; wird 1015 im Kartular\u00a0 von Saint-Vanne erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Ornes, Hauptort des damaligen &#8222;pagus Orninsis&#8220;, war bereits zur Zeit der Merowinger ein bedeutender Ort. Anschlie\u00dfend wird Ornes ein Baronat und die erste der vier Pairsw\u00fcrden des Bistums von Verdun (Ornes, Murault, Creue und Watronville).<\/p>\n<p>Die Urkunde zur Befreiung des Ortes vom Gesetz von Beaumont, die 1252 vom Kapitel von Madeleine de Verdun einerseits und Jacques, dem Herrn von Ornes und Pair des Bistums andererseits ausgestellt wurde, beweist, dass die Seigneurie zu diesem Zeitpunkt noch zwischen diesen beiden geteilt war. Sp\u00e4ter verf\u00fcgte das Kapitel an diesem Ort nur noch \u00fcber ein Territorialeinkommen, das 1790 auf 1.376\u00a0 Pfund gesch\u00e4tzt wurde.<\/p>\n<p>In Ornes gab es einen Feudalsitz, den die Grundherren oft eingesetzt haben, um die Bisch\u00f6fe von Verdun einzusch\u00fcchtern. Das &#8222;Haus Ornes&#8220;, das sp\u00e4ter in das Haus von &#8222;Nertancourt&#8220; \u00fcberging, hatte ein Wappen aus Silber mit f\u00fcnf roten Ringen, die als liegendes Kreuz angeordnet sind.<\/p>\n<p>Um das Jahr 1563 war der Grundherr von Ornes gleichzeitig ein eifriger Verfechter des Protestantismus in dieser Gemeinde. Der Bischof Psaulme musste seinen Lehnsmann mit Waffengewalt zwingen, einen Pfarrer des neuen Glaubens zu entlassen, der in der Kapelle des Schlosses den Gottesdienst abhielt.<\/p>\n<p>Die Umgebung von Ornes war 1587 Schauplatz eines blutigen Kampfes zwischen den kalvinistischen Truppen der Garnison von Jametz unter dem Befehl von Schelandre und den Truppen des Herzogs von Lothringen. Die letztgenannten wurden geschlagen; 25 M\u00e4nner wurden get\u00f6tet und 30 gefangen genommen.<\/p>\n<p>Im Februar 1653 wurde das Schloss von Ornes von lothringischen Truppen eingenommen, was zu &#8222;Ruin und Verzweiflung der Einwohner dieses Ortes und der umliegenden D\u00f6rfer f\u00fchrte, die sich mit Hab und Gut in das Schloss gefl\u00fcchtet hatten&#8220;.<\/p>\n<p>Wirtschaftszweige des Dorfes waren 3 M\u00fchlen, eine Baumwollweberei mit etwa 30 Arbeitern, Destillerien, Korbwaren, Obsthandel, zwei gro\u00dfe M\u00e4rkte am 30.08. und 15.09.<\/p>\n<p>Die Pfarrkirche des Dorfes war seit dem Jahr 1046 von Saint Maur abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>(Auszug aus: Geographie du department de la Meuse &#8211;\u00a0 H. Lemoine 1909)<\/p>\n<p>Ab Anfang 1916 machten die Bewohner des Ortes ihre ersten Erfahrungen mit den Brutalit\u00e4ten des modernen Krieges. Ihr Eigentum wurde zerst\u00f6rt und sie zur Abwanderung gezwungen. In der Hoffnung, irgendwann nach Hause zur\u00fcckzukehren, entschlossen sie sich schweren Herzens, ihre Heimat zu verlassen. Sie waren diesem Land stark verbunden, und auch wenn es nicht sehr fruchtbar war und lange Jahre harter Arbeit erforderte, waren sie doch hier verwurzelt.<\/p>\n<p>Die Perspektive, das fr\u00fchere Gl\u00fcck einmal wieder zu finden, gab ihnen in ihrem schwierigen Fl\u00fcchtlingsschicksal einen wichtigen Halt.<\/p>\n<p>Aber leider sah die Realit\u00e4t im Jahr 1918 anders aus. Die Sch\u00e4den durch die K\u00e4mpfe waren zu bedeutend und die Explosionsgefahr zu gro\u00df, um an einen Wiederaufbau zu denken. Diese triste Mondlandschaft w\u00fcrde kein Dorfleben mehr kennen. Die ehemaligen Bewohner versuchten ihrer Best\u00fcrzung dadurch abzuhelfen, dass sie mit juristischen Mitteln f\u00fcr die Anerkennung und das \u00dcberleben ihres Dorfes zu k\u00e4mpfen. Sie versuchten Abgeordnete, Parlamentarier und Minister f\u00fcr ihre Sache zu gewinnen und wendeten sich sogar an Raymond Poincare, den aus der Meuse stammenden damaligen franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten. Folgende Ma\u00dfnahmen wurden ergriffen:<\/p>\n<p>Ab 1919 wurde jedem zerst\u00f6rten Dorf per Gesetz eine Gemeindekommission und ein Pr\u00e4sident mit den Befugnissen und Rechten eines B\u00fcrgermeisters zuerkannt.<\/p>\n<p>Zwischen den beiden Weltkriegen wurde eine Kapelle und ein Kriegerdenkmal gebaut. Auf dem Kriegerdenkmal sind, wie in allen franz\u00f6sischen Gemeinden, die Namen der f\u00fcr Frankreich im Krieg Gefallenen und der von der Regierung per Erlass vorgesehene Text vermerkt.<\/p>\n<p>Dreimal am Tag erinnert das Angelusl\u00e4uten daran, dass an diesem Ort, zwischen dessen Steinen heute der Wald w\u00e4chst, einmal ein Dorf gestanden hat.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.geschichte-hautnah.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/DSC_00851.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-268\" title=\"DSC_0085\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.geschichte-hautnah.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/DSC_00851-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.geschichte-hautnah.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/DSC_00861.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-269\" title=\"DSC_0086\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.geschichte-hautnah.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/DSC_00861-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.geschichte-hautnah.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/DSC_0087.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-270\" title=\"DSC_0087\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.geschichte-hautnah.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/DSC_0087-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.geschichte-hautnah.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/DSC_00881.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-271\" title=\"DSC_0088\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.geschichte-hautnah.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/DSC_00881-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.geschichte-hautnah.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/DSC_00891.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-272\" title=\"DSC_0089\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.geschichte-hautnah.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/DSC_00891-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ornes liegt 16 Kilometer n\u00f6rdlich von Verdun und war ein wichtiges Marktdorf mit ca. 1.000 Einwohnern. Es liegt an der Quelle des Flusses Ornes, der ihm auch seinen Namen gegeben hat. &#8222;Orna in Wapria&#8220; wird 1015 im Kartular\u00a0 von Saint-Vanne erw\u00e4hnt. Ornes, Hauptort des damaligen &#8222;pagus Orninsis&#8220;, war bereits zur Zeit der Merowinger ein bedeutender [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_wp_rev_ctl_limit":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-266","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/266","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=266"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/266\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=266"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=266"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=266"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}