{"id":26894,"date":"2025-11-20T00:00:43","date_gmt":"2025-11-19T23:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=26894"},"modified":"2021-02-01T06:18:52","modified_gmt":"2021-02-01T05:18:52","slug":"die-maenner-des-ersten-weltkriegs-teil-2-741-xaver-bachmeier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=26894","title":{"rendered":"Die M\u00e4nner des Ersten Weltkriegs \u2013 Teil 2.741: Xaver Bachmeier"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Xaver Bachmeier wurde am 17.12.1891 in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reicheneibach\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Reicheneibach<\/a>, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gangkofen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gangkofen<\/a>, als Sohn eines Tagel\u00f6hners (S\u00f6ldnerssohn) geboren, und lebte in Schaufl. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Ersatz-Reservist in der 5. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments, in dem auch der sp\u00e4tere Diktator und Massenm\u00f6rder Adolf Hitler diente. Am 11.10.1916 fiel er im Alter von 24 Jahren w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_an_der_Somme\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schlacht an der Somme<\/a> bei Barque, einem Ortsteil der franz\u00f6sischen Gemeinde <a href=\"https:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Ligny-Thilloy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ligny-Thilloy<\/a>. Vier Tage zuvor war Adolf Hilter an gleicher Stelle verwundet worden.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Xaver Bachmeier berichtet die Regimentsgeschichte des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;So kam der 11. Oktober heran. Nach einer ruhigen Nacht begann um 9.30 Uhr vormittag heftiges feindliches Artilleriefeuer, zum Teil mit schwersten Kalibern, vor allem auf Luisenhofriegel, Le Barque und Hintergel\u00e4nde. Es flaute vor\u00fcbergehend ab und steigerte sich wieder zu gr\u00f6\u00dfter Heftigkeit. Besonders l\u00e4stig waren die feindlichen Flieger, die durch Hupen und Hornsignale allerhand Zeichen gaben und tief fliegend unsere Gr\u00e4ben mit Maschinengewehren beschossen. Das Artilleriefeuer war begleitet von Minenwerfern und zwei unheimlichen flankierenden Grabengesch\u00fctzen, unter denen besonders die 7. Kompanie zu leiden hatte. Da Angriffsabsichten vermutet wurden, so mussten die v\u00f6llig ersch\u00f6pften Kompanien, die vor noch nicht 24 Stunden zur\u00fcckgenommen worden waren, wieder nach vorne befohlen werden: &#8222;5. Kompanie schiebt in die vordere Linie ein, 4. Kompanie bezieht die bisherigen Unterst\u00e4nde der 5. Kompanie (hinter Spatnyriegel), Infanterie-Pionier-Kompanie ist an Stelle der 4. Kompanie in den Luisenhofriegel zu verschieben. 8. Kompanie besetzt den Le Barque-Riegel mit drei Maschinengewehren.&#8220; In Ausf\u00fchrung dieses Befehls kamen 4. und 5. Kompanie in schweres Feuer und wurden gr\u00f6\u00dftenteils versprengt. Von 4.30 Uhr &#8211; 4.45 Uhr war ein besonders starker Feuer\u00fcberfall, der sich zum Trommelfeuer steigerte und auf vorderer Linie, Luisenhofriegel und Le Barque lag. Um 5 Uhr nachmittag begann das feindliche Feuer anzuflauen, die Stellung, vor allem der \u00f6stliche Teil des Spatnyriegels und die Verbindungswege hatten schwer gelitten.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein feindlicher Angriff war nicht erfolgt, doch musste aus dem Verhalten der englischen Artillerie geschlossen werden, dass f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag einer bevorstand. Was hatte das Regiment dem drohenden Sturm entgegenzustellen! Einige hundert Gewehre und 18 Maschinengewehre, verteilt auf einen Raum von 1.000 Meter Breite und 1.500 Meter Tiefe. So stand das Schicksal der Schlacht auf einigen H\u00e4uflein von Kriegern, die in der furchtbaren W\u00fcste des Schlachtfeldes verstreut lagen. Der Sto\u00df englischer Divisionen traf auf M\u00e4nner, die seit Tagen ohne richtigen Schlaf, geschw\u00e4cht von Durchfall, die k\u00f6rperlich und seelisch \u00fcberanstrengt, zerm\u00fcrbt, erledigt waren. Menschenm\u00f6gliches war geleistet worden, Unm\u00f6gliches wurde verlangt. Kein Kompanief\u00fchrer konnte mehr die Verantwortung f\u00fcr die Verteidigung der Stellung \u00fcbernehmen. Jede Meldung der vorderen Linie besagte dies aufs neue, in milit\u00e4risch sachlicher K\u00fcrze oder in bitteren Worten, wie die \u00fcberreizten Nerven der Offiziere sei eingaben. Der verantwortliche Kommandeur der vorderen Linie, Major Leeb, gab den allgemeinen Eindruck der Lage wieder in einer Meldung um 5.30 Uhr nachmittags: &#8222;Ich beantrage, dass f\u00fcr die Nacht rechtzeitig frische Verst\u00e4rkung herangezogen werden, da sonst der Stellung unvermeidlich.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Und dabei keine Aussicht auf unmittelbare Abl\u00f6sung, kein Einschieben frischer Kr\u00e4fte in unsere Linien, die wenigstens einen kleinen moralischen Halt gegeben h\u00e4tten. Jede Botte um Abl\u00f6sung oder wenigstens Unterst\u00fctzung wurde von den h\u00f6heren Kommandobeh\u00f6rden schweren Herzens, aus Gr\u00fcnden eiserner Notwendigkeit abgelehnt. Zwar standen schon frische Regimenter hinter uns; sie durften um keine Stunde fr\u00fcher eingesetzt werden, als es dem Abl\u00f6sungsplan der gewaltigen Schlacht entsprach. Denn jeder zu fr\u00fche Einsatz konnte bei dem Mangel an Abl\u00f6sungsdivisionen verh\u00e4ngnisvoll werden. Niemals im ganzen Verlauf des langen Krieges ist unserem Regiment der Verzweiflungskampf unseres Heeres gegen die \u00dcbermacht einer Welt schonungsloser vor Augen ger\u00fcckt worden als an der Somme. So verbluteten vorne die Reste einst stolzer Regimenter und ihr Hilferuf verhallte ungeh\u00f6rt. Es war Niebelungennot und Niebelungengr\u00f6\u00dfe.<\/em><\/p>\n<p><em>Schweren Herzens entschloss sich der Regimentskommandeur die wenigen Reserven, die ihm noch geblieben waren, aus Bapaume wieder nach vorne zu holen. Kurz vor Mitternacht erging der Befehl an den F\u00fchrer der 3. Kompanie, sich mit den Resten der 1. und 3. Kompanie auf der Regiments-Befehlsstelle zu melden. Es kamen an ein Gefreiter und 7 Mann. Alles andere war krank und gefechtsunf\u00e4hig. Der Gefreite war der Gefreite Windisch der 1. Kompanie, die Namen der sieben wackeren M\u00e4nner sind in den Akten des Regiments nicht aufgezeichnet. Dass diese 8 Mann vorne in dieser H\u00f6lle wirklich ankamen, das war Heldentum der Pflichterf\u00fcllung, das verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden.<\/em><\/p>\n<p><em>An dieser Stelle sei auch eines anderen ergreifenden Zeichens stillen und selbstverst\u00e4ndlichen Heldentums gedacht, dessen Tr\u00e4ger zwar nicht im Verbande, wohl aber im Abschnitt des Regiments k\u00e4mpften. Am 12. Oktober um 10 Uhr nachts, nachdem der Angriff abgeschlagen und das Regiment schon in Abl\u00f6sung begriffen war, kam ein Mann mit nachstehender Meldung, die mit ungelenken Z\u00fcgen auf einem dem Notizbuch entrissenen Blatt stand: &#8222;Soeben erhalte ich die Meldung, dass s\u00e4mtliche drei Gewehre, welche rechts von mir standen, mit der vollen Bedienung, soweit sie noch vorhanden war, sowie unser Truppenf\u00fchrer, Vizefeldwebel Greif, versch\u00fcttet sind. Vorhanden sind noch von den in Stellung gegangenen f\u00fcnf Gewehren mit einer Kopfzahl von 32 Mann: 2 Gewehre, 1 Gefreiter und 8 Mann. Wir befinden uns bereits seit 6 Tagen in Stellung, wissen aber heute noch nicht, zu welcher Formation wir geh\u00f6ren. Bitte gehorsamst um Bescheid, welche Ma\u00dfnahmen ich treffen soll. Maschinengewehr-Trupp beim Generalkommando IV. Armeekorps in Harrincourt. Gefreiter Stirius.&#8220; Wie viele vergessene Helden m\u00f6gen auf dem Schlachtfeld der Somme ihre Pflichttreue mit dem Tode besiegelt haben.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Man begrub Xaver Bachmeier (Volksbund: Bachmaier) auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;St.-Laurent-Blangy&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1049089,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0},&quot;12&quot;:0,&quot;23&quot;:1}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Saint-Laurent-Blangy,+Frankreich\/@50.3097961,2.7378821,12z\/data=!4m5!3m4!1s0x47dd482673f41e11:0x40af13e8163d6a0!8m2!3d50.300542!4d2.801689&quot;;&quot;St.-Laurent-Blangy&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Saint-Laurent-Blangy,+Frankreich\/@50.3097961,2.7378821,12z\/data=!4m5!3m4!1s0x47dd482673f41e11:0x40af13e8163d6a0!8m2!3d50.300542!4d2.801689\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Saint-Laurent-Blangy,+Frankreich\/@50.3097961,2.7378821,12z\/data=!4m5!3m4!1s0x47dd482673f41e11:0x40af13e8163d6a0!8m2!3d50.300542!4d2.801689\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">St.-Laurent-Blangy<\/a><\/span> in einem Massengrab.<\/p>\n<figure id=\"attachment_26893\" aria-describedby=\"caption-attachment-26893\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-26893\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Xaver-Bachmeier-vorne.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"628\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Xaver-Bachmeier-vorne.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Xaver-Bachmeier-vorne-300x236.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Xaver-Bachmeier-vorne-768x603.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26893\" class=\"wp-caption-text\">Sterbebild von Xaver Bachmeier<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_26892\" aria-describedby=\"caption-attachment-26892\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-26892\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Xaver-Bachmeier-hinten.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"628\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Xaver-Bachmeier-hinten.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Xaver-Bachmeier-hinten-300x236.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Xaver-Bachmeier-hinten-768x603.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-26892\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckseite des Sterbebildes von Xaver Bachmeier<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Xaver Bachmeier wurde am 17.12.1891 in Reicheneibach, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Gangkofen, als Sohn eines Tagel\u00f6hners (S\u00f6ldnerssohn) geboren, und lebte in Schaufl. 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