{"id":27942,"date":"2026-03-11T00:00:57","date_gmt":"2026-03-10T23:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=27942"},"modified":"2021-03-19T06:11:36","modified_gmt":"2021-03-19T05:11:36","slug":"die-maenner-des-ersten-weltkriegs-teil-2-852-joseph-raster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=27942","title":{"rendered":"Die M\u00e4nner des Ersten Weltkriegs \u2013 Teil 2.852: Joseph Raster"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Joseph Raster wurde am 22.03.1898 in G\u00f6ttersdorfer &#8211; Holzh\u00e4user, einem Ortsteil der bayerischen Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Osterhofen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Osterhofen<\/a>, und war der Sohn eines Kleinbauern (G\u00fctler). Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 6. Kompanie des 10. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 16.08.1918 fiel er bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Beuvraignes\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beuvraignes<\/a> an der Somme im Alter von 20 Jahren.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde berichtet die Regimentsgeschichte des 10. bayerischen Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;16.08.1918 Die Schwierigkeiten, die bei der Abl\u00f6sung \u00fcberwunden werden mussten, waren recht erheblich. Mit der Abl\u00f6sung der vorderen Linie sollte gleichzeitig eine h\u00f6heren Ortes ausdr\u00fccklich befohlene 1.500 Meter tiefe Vorfeldstellung eingenommen werden. Trotzdem vollzog sie sich glatt. In der bisherigen Hauptwiderstandslinie, die auf 80 &#8211; 100 Meter ohne jegliches Ann\u00e4herungshindernis am Allongewald heran lag, standen nunmehr im Kompaniebereich drei Unteroffiziersposten mit zwei leichten Maschinengewehren. Die Feldwache, der 1. Zug unter Vizefeldwebel Siebenh\u00e4ndl, verst\u00e4rkt durch je eine Infanterie- und leichte Maschinengewehr-Gruppe des Zuges H\u00e4fele, wurde 300 Meter weiter zur\u00fcckgezogen in einen alten franz\u00f6sischen Unterstand am Westrand von Cessier. Unmittelbar nach dem Abmarsch der abgel\u00f6sten 249.er nahm ich mit dem Feldwachehabenden die Verbindung mit der Nachbarkompanie 4.\/249. rechts und mit dem Feldwachzug 6.\/10. links auf. Beide lagen von meiner Feldwache je etwa 200 Meter entfernt ebenfalls am Westrande der Ortschaft. Die Anweisung ging dahin, feindliche Streifen aus eigener Kraft abzuweisen, &#8211; es war deshalb der Zug Siebenh\u00e4ndl wegen der weit vorgeschobenen Lage noch besonders verst\u00e4rkt worden -; bei feindlichem Gro\u00dfangriff sollte sich die Vorfeldbesatzung auf die R. H. L zur\u00fcckziehen. Ich brachte in den ersten Morgenstunden die Schwierigkeiten eines deratigen R\u00fcckzuges durch die Ortschaft in so gro\u00dfer Entfernung von der eigentlichen Front beim Kampftaktischen Kommandanten zur Sprache. Der Befehl blieb jedoch aufrecht erhalten. Um 12.30 Uhr nachts kam ich nach vollzogener Vorfeldstellung in diese zur\u00fcck. Die Hauptkampflinie lag 1.100 Meter \u00f6stlich von Cessier, im ehemaligen ersten deutschen Graben vor dem Hindenburgr\u00fcckzug 1917. Vor der Front dehnte sich ein vorz\u00fcgliches Drahthindernis aus. Das Gel\u00e4nde gegen die Ortschaft nahm das ehemalige franz\u00f6sische Grabensystem ein. Es bot daher mit seinen gr\u00f6\u00dftenteils erhaltenen Laufgr\u00e4ben g\u00fcnstige gedeckte Ann\u00e4herungsm\u00f6glichkeiten an unsere Stellung. Das Schussfeld reichte bis Cessier. Die Feldwache selbst war durch die H\u00e4user und G\u00e4rten der Beobachtung entzogen. Die Kompanie, anderthalb Z\u00fcge und zwei leichte Maschinengewehre stark, hatte sich hier bereits eingenistet. Unmittelbar rechts von uns lag 3.\/249., mit dem wir in den n\u00e4chsten Tagen fest zusammenhalten mussten. Trotzdem blieb die rechte Flanke gef\u00e4hrlich, da die Stellung im Bereich der 5. Kompanie gegen Beuvraignes zu aus nordwestlicher Richtung in eine n\u00f6rdliche umbog und die Sicht durch die Hecken und Baumg\u00e4rten der Ortschaft behindert, hier kaum 50 Meter weit reichte. Der Vormittag verlief ruhig. Ab 2 Uhr nachmittags wuchs das feindliche Artilleriefeuer zur gew\u00f6hnlichen Nachmiiiagsst\u00e4rke an und lag vornehmlich auf Cessier selbst. Mein Abschnitt in der Hauptkampflinie wurde nicht beschossen. Um 4 Uhr nachmittags verst\u00e4rkte sich das Feuer allm\u00e4hlich so, dass es als Angriffsfeuer gedeutet werden musste. Cessier war dauernd in Rauch und Staubwolken verh\u00fcllt. Ich lie\u00df deshalb alarmieren. Bis 5 Uhr nachmittags blieb jedoch alles unver\u00e4ndert. Dann setzte vorne lebhaftes Maschinengewehr- und Infanteriefeuer ein und bald sah man. nach einem gro\u00dfen Sprung des schweren Massenfeuers hinter unsere Linie, in den Baumg\u00e4rten \u00f6stlich Cessier einzelne Gestalten gegen uns her laufen. Ich hielt sie f\u00fcr unsere befehlsm\u00e4\u00dfig zur\u00fcckgehenden Feldwachleute und lie\u00df das Feuer daher nicht er\u00f6ffnen, kam dadurch aber mit dem F\u00fchrer der rechten Anschlusskompanie, der sie f\u00fcr Franzosen ansprach, in heftigen Widerspruch.<\/em><\/p>\n<p><em>Um endlich Klarheit \u00fcber die Feldwache zu erlangen, schickte ich Unteroffizier Rie\u00dfl mit zwei Mann vor, der die Verbindung mit der Feldwache aufnehmen sollte. Die Streife kam kurz vor 6 Uhr nachmittags zur\u00fcck. Sie war unmittelbar vor der Ortschaft in geradezu vernichtendes franz\u00f6sisches Maschinengewehr- und Infanteriefeuer aus den H\u00e4usern und G\u00e4rten heraus geraten und dann wieder umgekehrt. Nun bestand Klarheit, dass unsere Feldwache mit dem t\u00fcchtigen Siebenh\u00e4ndl und H\u00e4fele \u00fcberrannt und die Ortschaft in die Hand der Franzosen gefallen war.<\/em><\/p>\n<p><em>Um 6.30 Uhr nachmittags setzte der Franzose erneut aus Cessier heraus zum Angriff auf unsere Stellung, namentlich auf den Kompanieabschnitt, an. Durch unser Feuer blieb er aber bald liegen. Ich hatte mir nach den Erfahrungen bei englischen und unseren eigenen Angriffen viel bessere und dichtere Ziele erwartet. Tats\u00e4chlich habe ich im ganzen Gefecht nur einzelne springende und kriechende Sch\u00fctzen gesehen. Nun er\u00f6ffnete der Franzose ein lebhaftes Gewehrfeuer, das uns innerhalb 20 Minuten bei einer Gesamtst\u00e4rke von noch nicht 30 K\u00f6pfen einen Toten und zwei Verwundete kostete.<\/em><\/p>\n<p><em>Um 8.30 Uhr nachmittags schickte ich die Abschlussmeldung ab. Kaum war sie fort, als der Franzose seinen Angriffsversuch erneuerte. Diesmal kam er aber in unserem Feuer noch weniger zur Entwicklung als zwei Stunden vorher, obwohl seine Artillerie \u00e4u\u00dferst lebhaft, zu unserem Fl\u00fcck jedoch zu weit, schloss.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Einbruch der Nacht und die rasch abflauende Gefechtst\u00e4tigkeit bannte die w\u00e4hrend der letzten Abwehr auftretenden Munitionssorgen. Die leichten Maschinengewehre hatten von ihren 2.500 Schuss noch je einen Gurt, die Gewehrsch\u00fctzen je etwa 25 Patronen bei Einbruch der Nacht \u00fcbrig. Um 9.45 Uhr abends kam der Verbindungsoffizier des Kampftaktischen Kommandanten, Leutnant Kleinmann, und erkundigte sich eingehend \u00fcber das Gefecht und unsere W\u00fcnsche. Besorgnis \u00e4u\u00dferte ich nur um die linke Flanke der Kompanie. Hier bestand zwischen Kompanie Trenkle (6.) und mir eine 300 Meter breite L\u00fccke. Noch dazu lag die 6. Kompanie im Verh\u00e4ltnis zu unserer Front ziemlich weit nach Osten r\u00fcckw\u00e4rts gestaffelt.<\/em><\/p>\n<p><em>Um 1130 Uhr abends meldete sich Unteroffizier Enzenberger mit den Essenholern der Kompanie zur\u00fcck. Er hatte unbeschadet des heftigen feindlichen St\u00f6rungsfeuers auf den Anmarschwegen die vollkommene, warme Verpflegung von der Feldk\u00fcche bei Amy vorgebracht und unsern Schie\u00dfbedarf auf 7.000 gegurtete Patronen erg\u00e4nzt.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Man begrub Joseph Raster auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Roye-St.Gilles&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1313281,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0},&quot;12&quot;:0,&quot;14&quot;:[null,2,1136076],&quot;21&quot;:1,&quot;23&quot;:1}\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/kriegsgraeberstaetten.volksbund.de\/friedhof\/roye-stgilles\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/kriegsgraeberstaetten.volksbund.de\/friedhof\/roye-stgilles\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Roye-St.Gilles<\/a><\/span> in Block 2, Grab 909.<\/p>\n<figure id=\"attachment_27941\" aria-describedby=\"caption-attachment-27941\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-27941\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Joseph-Raster-vorne.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"618\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Joseph-Raster-vorne.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Joseph-Raster-vorne-300x232.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Joseph-Raster-vorne-768x593.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-27941\" class=\"wp-caption-text\">Sterbebild von Joseph Raster<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_27940\" aria-describedby=\"caption-attachment-27940\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-27940\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Joseph-Raster-hinten.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"618\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Joseph-Raster-hinten.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Joseph-Raster-hinten-300x232.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Joseph-Raster-hinten-768x593.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-27940\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckseite des Sterbebildes von Joseph Raster<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Joseph Raster wurde am 22.03.1898 in G\u00f6ttersdorfer &#8211; Holzh\u00e4user, einem Ortsteil der bayerischen Stadt Osterhofen, und war der Sohn eines Kleinbauern (G\u00fctler). 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