{"id":28545,"date":"2026-05-21T00:00:51","date_gmt":"2026-05-20T22:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=28545"},"modified":"2021-04-06T20:55:49","modified_gmt":"2021-04-06T18:55:49","slug":"die-maenner-des-ersten-weltkriegs-teil-2-923-joseph-kappelmayer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=28545","title":{"rendered":"Die M\u00e4nner des Ersten Weltkriegs \u2013 Teil 2.923: Joseph Kappelmayer"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Joseph Kappelmayer wurde am 30.10.1892 in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Druisheim\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Druisheim<\/a> geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mertingen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mertingen<\/a>. Er war Student der <a href=\"https:\/\/www.uni-marburg.de\/fb10\/studium\/studiengaenge\/la-lateingriechisch\/bewerbung\/studienanforderungen\/realienundaltertumskunde\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Realien<\/a> in M\u00fcnchen. Im Ersten Weltkrieg diente er als Unteroffizier in der 9. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. In diesem Regiment diente zeitgleich auch der sp\u00e4tere Diktator Adolf Hitler. Am 15.11.1914 fiel er im Alter von 22 Jahren bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wijtschate\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wytschaete<\/a> (heutiger Name: Wijtschate) in Flandern (Belgien).<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Joseph Kappelmayer berichtet die Regimentsgeschichte des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Sturm auf das beilf\u00f6rmige Waldst\u00fcck<\/em><\/p>\n<p><em>15. und 16.11.1914<\/em><\/p>\n<p><em>Von Regiments-Adjutant Dr. ing. Georg Eichelsd\u00f6rfer<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_28553\" aria-describedby=\"caption-attachment-28553\" style=\"width: 519px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-28553\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RIR16-Sturm.jpg\" alt=\"\" width=\"519\" height=\"483\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RIR16-Sturm.jpg 519w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/RIR16-Sturm-300x279.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 519px) 100vw, 519px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-28553\" class=\"wp-caption-text\">Stellung des Reserve-Infanterie-Regiments 16 &#8222;List&#8220; nach dem gelungenen Sturm auf das beilf\u00f6rmige Waldst\u00fcck<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Westlich von Wytschaete war es der 14. bayerischen Reserve-Brigade nach z\u00e4hem Ringen gelungen, am 14. November den Franzosen die Hollandscheschuur-Ferme wegzunehmen und zu halten. Das am rechten Fl\u00fcgel liegende Reserve-Infanterie-Regiment 20 hatte die Verbindung mit der am beilf\u00f6rmigen Waldst\u00fcck, 800 Meter nordwestlich Capellerie liegenden 4. bayerischen Infanterie-Division aufgenommen. Jetzt galt es, auch noch das letzte Bollwerk des Feindes, das von ihm zu einer kleinen Festung ausgebaute beilf\u00f6rmige Waldst\u00fcck zu erobern.<\/em><\/p>\n<p><em>Die 12. bayerische Reserve-Brigade erhielt Befehl, sich in seinen Besitz zu setzen.<\/em><\/p>\n<p><em>Am 14. November gegen 10 Uhr abends traf in Osttaverne mittels Fernspruch der Angriffsbefehl der Brigade ein: Um 5 Uhr fr\u00fch sollte das Regiment in den Ausgangsstellungen zum Sturm bereit stehen. Ein Bataillon zum Angriff entwickelt zu beiden Seiten des Weges, der von der Stra\u00dfe Wytschaete &#8211; Groote Bierstraat in n\u00f6rdlicher Richtung gegen den Westrand des beilf\u00f6rmigen Waldes f\u00fchrt; das andere Bataillon als Brigadereserve \u00f6stlich der Stra\u00dfe Wytschaete &#8211; St. Eloi, an der Abzweigung des Weges nach In der Sterkte Cab. Das Sturmbataillon hatte im Anschluss an das rechts vorgehenden Reserve-Infanterie-Regiment 17 mit dem rechten Fl\u00fcgel auf die S\u00fcdspitze des beilf\u00f6rmigen W\u00e4ldchens vorzubrechen und mit Unterst\u00fctzung einer Batterie des Reserve-Feldartillerie-Regiments 6 den dortigen St\u00fctzpunkt zu nehmen.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Sturmbeginn war auf den 15. November fr\u00fch 7 Uhr festgesetzt; die Sturmtruppen der 12. bayerischen Reserve-Brigade unterstanden dem Befehl des Oberstleutnant Petz vom Reserve-Infanterie-Regiment 17.<\/em><\/p>\n<p><em>Sofort versammelte der Regiments-Kommandeur, Oberstleutnant Engelhardt die F\u00fchrer, um mit ihnen die Einzelheiten des Angriffs zu besprechen. An die Stelle der wegen Krankheit ausscheidenden beiden Bataillonsf\u00fchrer Hauptmann Rubenbauer und Butterfass wurden Leutnant Joseph Schmidt mit der F\u00fchrung des I. und der bisherigen Maschinengewehr-Zugf\u00fchrer Leutnant der Reserve Robert Schubert mit der F\u00fchrung des II. Bataillons beauftragt.<\/em><\/p>\n<p><em>In einer k\u00fchlen regnerischen Nacht trat das Regiment bald nach Mitternacht lautlos den Vormarsch an. Es war mehr ein m\u00fcdes Vorw\u00e4rtsschleppen auf den infolge der langandauernden Regenzeit fast grundlos gewordenen Wegen, oft aufgehalten durch zerschossene Drahthindernisse und zahlreiche mit Wasser gef\u00fcllte Granattrichter. Die fast v\u00f6llige Dunkelheit wurde nur zeitweise etwas aufgehellt durch den matten Lichtschein hochgehender Leuchtkugeln an der zwischen Wytschaete und Messines in einem Bogen tief nach Westen eindringenden Kampffront. In diesen Augenblicken hoben sich die Schattenrisse der Ruinen von Wytschaete gespenstisch vom Horizont ab. Wenn dann von Zeit zu Zeit die auf den H\u00f6hen von Ypern stehenden Scheinwerfer das Gel\u00e4nde absuchten und alles im grellsten Lichte erstrahlte, erstarrte das Leben in der Marschkolonne; jeder blieb wie vom Blitz getroffen an seinem Platze stehen, um von dem wachsamen Auge des Gegners nicht gesehen zu werden. Dieser Vorsichtsma\u00dfnahme war es zu danken, dass der Vormarsch ohne St\u00f6rung durch feindliches Artilleriefeuer erfolgen konnte; vereinzelt irrten feindliche Granaten hoch oben durch die Luft und schlugen weit hinten im Gel\u00e4nde ein.<\/em><\/p>\n<p><em>Lange vor der festgesetzten Zeit kam das Regiment an den befohlenen Pl\u00e4tzen an.<\/em><\/p>\n<p><em>Der F\u00fchrer des Sturmbataillons, Leutnant Schmidt, suchte alsbald die Verbindung mit dem Reserve-Infanterie-Regiment 17 aufzunehmen, allein infolge der herrschenden Dunkelheit und der Un\u00fcbersichtlichkeit im dichten Waldgel\u00e4nde gelang es nicht, den Anschluss zu gewinnen; aus den gleichen Gr\u00fcnden war es den Kompanie-F\u00fchrern oft nur notd\u00fcrftig m\u00f6glich, die Verbindung aufrecht zu erhalten.<\/em><\/p>\n<p><em>Nur langsam begann der Morgen zu d\u00e4mmern; immer noch rieselte der Regen hernieder, der schon l\u00e4ngst die Kleider durchtr\u00e4nkt hatte und den Aufenthalt in dem dichten Unterholz unertr\u00e4glich machte.<\/em><\/p>\n<p><em>Punkt 7 Uhr begann der Sturm; aber kaum hatten die ersten Truppen das sch\u00fctzende Waldgel\u00e4nde verlassen, da warf der Feind ein m\u00f6rderisches Infanterie- und Maschinengewehrfeuer auf die im deckungslosen Gel\u00e4nde Vorw\u00e4rtsst\u00fcrmenden. Vor allem verursachte eine feindliche Batterie aus der linken Flanke so schwere Verluste, dass ein weiteres Vordringen unm\u00f6glich wurde.<\/em><\/p>\n<p><em>Stunde um Stunde verging, ohne dass auch nur der geringste Raum nach vorw\u00e4rts genommen werden konnte.<\/em><\/p>\n<p><em>Da entschloss sich der Regiments-Kommandeur einen neuen Angriff auf 12.45 Uhr nachmittags festzusetzen, allein erst um 1.30 Uhr gelang es mit Unterst\u00fctzung unserer Artillerie, den Angriff wieder in Fluss zu bringen. Beim Vorgehen \u00fcber das offene Gel\u00e4nde erlitten unsere braven Truppen so schwere Verluste, dass es nur einem geringen Teil m\u00f6glich war, bis zum W\u00e4ldchen selbst vorzudringen. Schon hatten einzelne Franzosen daselbe verlassen, unseren Sch\u00fctzen ein vortreffliches Ziel bietend,; allein bei dem nun folgenden Kampf im W\u00e4ldchen selbst, Mann gegen Mann, traten in den sehr gut ausgebauten, mit Schling- und Stacheldraht umgebenen Befestigungsanlagen, so gro\u00dfe Schwierigkeiten entgegen, dass es den schwachen Kr\u00e4ften nicht mehr gelang, bis zum Rande durchzusto\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p><em>Jetzt fasste auch der Gegner wieder neuen Mut und zahlreiche Franzosen, die vorher gefl\u00fcchtet waren, kehrten in das W\u00e4ldchen zur\u00fcck.<\/em><\/p>\n<p><em>Der erste Ansturm war missgl\u00fcckt, ja es musste sogar ein Teil des unter so gro\u00dfen Opfern gewonnenen Gel\u00e4ndes wegen der eintretenden Verwirrung, verursacht durch einzelne Leute, die zum Teil ohne F\u00fchrer vorgegangen waren, dem Feinde wieder preisgegeben werden.<\/em><\/p>\n<p><em>Todesmutig versuchte zwar der F\u00fchrer des mittlerweile in den Kampf eingesetzten II. Bataillons, Leutnant der Reserve Schubert, mit mehreren schneidigen Unterf\u00fchrern nach Wiederherstellung der Ordnung erneut zum Sturm vorzugehen; allein schon beim Austritt aus dem Wald wurde er t\u00f6dlich verwundet und musste vom Platze getragen werden. Tags darauf erlag er seiner schweren Verletzung.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Regimentskommandeur wollte pers\u00f6nlich in den Kampf eingreifen und begab sich im Hohlweg bis zum Rande des Waldes, wo er das Gel\u00e4nde \u00fcberblicken konnte; aber kaum hatte ihn das wachsame Auge des Gegners entdeckt, als ein m\u00f6rderisches Infanterie- und Maschinengewehr-Feuer auf ihn einsetzte. Fast h\u00e4tte er seine Tollk\u00fchnheit mit dem Leben bezahlt. Die beiden ihn begleitenden Gefechtsordonnanzen des Regiments <strong><span style=\"color: #ff0000;\">Adolf Hitler<\/span><\/strong> und Bachmann sprangen vor, stellten sich sch\u00fctzend vor ihn hin und dr\u00e4ngten ihn mit den Worten, er m\u00f6ge das Regiment davor bewahren, in so kurzer Zeit ein zweites Mal seinen Kommandeur zu verlieren, in ein nahes Erdloch. Zum Dank dr\u00fcckte er beiden stumm die Hand. Leider sollte sich die Bef\u00fcrchtung der beiden Meldeg\u00e4nger nur allzubald erf\u00fcllen.<\/em><\/p>\n<p><em>Langsam brach die Nacht herein; nach eingetretener Dunkelheit begab sich der Regimentskommandeuer zu Oberstleutnant Petz, um mit ihm gemeinsam die taktischen Ma\u00dfnahmen f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag festzulegen.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Lage des Grabes von Joseph Kappelmayer ist unbekannt. Eventuell wurde er auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Langemark&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1049089,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0},&quot;12&quot;:0,&quot;23&quot;:1}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/goo.gl\/maps\/DfxC4PqoEs42&quot;;&quot;Langemark&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/DfxC4PqoEs42\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/DfxC4PqoEs42\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Langemark<\/a><\/span> in einem Massengrab anonym begraben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_28544\" aria-describedby=\"caption-attachment-28544\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-28544\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Joseph-Kappelmayer.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"403\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Joseph-Kappelmayer.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Joseph-Kappelmayer-300x151.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Joseph-Kappelmayer-768x387.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-28544\" class=\"wp-caption-text\">Todesanzeige von Joseph Kappelmayer<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Joseph Kappelmayer wurde am 30.10.1892 in Druisheim geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Mertingen. 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