{"id":29237,"date":"2026-08-05T00:00:02","date_gmt":"2026-08-04T22:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=29237"},"modified":"2021-04-24T20:52:26","modified_gmt":"2021-04-24T18:52:26","slug":"die-maenner-des-ersten-weltkriegs-teil-2-999-johann-moser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=29237","title":{"rendered":"Die M\u00e4nner des Ersten Weltkriegs \u2013 Teil 2.999: Johann Moser"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Johann Moser wurde am 01.01.1890 in Sorsbach als Sohn eines Landwirts geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pleiskirchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pleiskirchen<\/a>. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 3. Kompanie des 18. bayerischen <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Reserve-<\/strong><\/span>Infanterie-Regiment. Am 23.12.1916 wurde er w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_bei_Rimnicul-Sarat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schlacht bei Rimnicul-Sarat<\/a> in der N\u00e4he von Balaceanul schwer verwundet. Am 25.12.1916 verstarb er im Alter von 26 Jahren in einem Feldlazarett.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Johann Moser berichtet die Regimentsgeschichte des 18. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p>Fortsetzung vom 22.12.1916<\/p>\n<p><em>&#8222;Tags\u00fcber wird in kurzen Probem\u00e4rschen rasches Vorw\u00e4rtskommen beim Angriff ge\u00fcbt; alle Vorbereitungen f\u00fcr den am 23. Dezember angesetzten Sturm auf Balaceanul werden noch getroffen.<\/em><\/p>\n<p><em>An Stelle des erkrankten Hauptmanns Semmelmann \u00fcbernimmt Oberleutnant von Pigenot die F\u00fchrung von III.\/18.<\/em><\/p>\n<p><em>Nach den Erkundungen stellten sich die Verh\u00e4ltnisse f\u00fcr uns denkbar ung\u00fcnstig dar. Eine weite Ebene bietet auch nicht die geringste Deckung. Auf weite Sicht beherrschte das feindliche Erdwerk vor Balaceanul die Gegend.<\/em><\/p>\n<p><em>Um Mitternacht beginnt die Bereitstellung der Bataillone. Wir sind am \u00e4u\u00dfersten rechten Fl\u00fcgel der 301. Infanterie-Division, II.\/18. hat Anschluss an den linken Fl\u00fcgel der 109. Division, k. u. k. Infanterie-Regiment 71.<\/em><\/p>\n<p><em>II.\/18 soll gegen das Erdwerk und die Meierh\u00f6fe vor der s\u00fcdlichen Ortsspitze, I.\/18 frontal gegen die Ortsspitze vorgehen. Der Einsatz ist, Reihenfolge von rechts nach links: 8., 5., 6., 4., 3. und \u00bd der 1. Kompanie in vorderster Linie. Rest der Bataillone in Reserve. Die Kompanien z\u00e4hlen 90, ganz starke 100 Gewehre. III.\/18 steht hinter dem linken Fl\u00fcgel des Regimentsabschnitts als Flankenschutz und Reserve.<\/em><\/p>\n<p><em>Bis 5 Uhr ist die Aufstellung vollzogen, dann beginnt das Heranarbeiten an den Feind; um 6 Uhr fr\u00fch soll das Artilleriefeuer einsetzen, 20 Minuten sp\u00e4ter der Sturm erfolgen. Vorgeschobene russische Posten werden sehr fr\u00fch auf 4.\/18 aufmerksam und beginnen lebhaft zu feuern. Gleichzeitig beginnt das Wirkungsschie\u00dfen unserer Artillerie. Bedauerlicherweise schie\u00dft sie anfangs zu kurz, so dass I.\/18 im Heranarbeiten ans Hindernis gest\u00f6rt wird und verschieben muss. So entstehen in der Mitte gleich aus zweierlei Ursachen schwere Verluste. Abgeschossene Leuchtkugeln verst\u00e4ndigen \u00fcber Zielverlegung. Jetzt hat aber der Russe bemerkt, was wir im Schilde f\u00fchren. Viel zu fr\u00fch und \u00fcber Geb\u00fchr aufmerksam geworden, verst\u00e4rkt er seine Gr\u00e4ben. Aus Richtung Balaceanul, der Meierh\u00f6fe und dem Erdwerk schl\u00e4gt m\u00f6rderisches Infanterie-, Maschinengewehr- und Flankenfeuer entgegen. Trotzdem kommen die vorderen Wellen bis an das unversehrte Drahthindernis, das ungef\u00e4hr 100 Meter vor den russischen Gr\u00e4ben war, heran. Inzwischen war es hell geworden und der Feind, Mann an Mann in seinen Gr\u00e4ben stehend, beschoss jeden sich ihm zeigenden Angreifer. Auch das unheimliche Feuer einer dicht bei dem Meierhof stehenden Batterie macht es unm\u00f6glich, gegen das Hindernis vorzudringen. Arg sind bei I.\/18 die Z\u00fcge geschw\u00e4cht, um den Gefechtsstreifen einzuhalten, verl\u00e4ngern zwei Z\u00fcge 2.\/18 nach links, auch die 9.\/18 r\u00fcckt zur Verst\u00e4rkung ein.<\/em><\/p>\n<p><em>Auf dem \u00e4u\u00dfersten rechten Fl\u00fcgel schien der Feind zur\u00fcckzuweichen, es war der 8. Kompanie, angelehnt an die \u00d6sterreicher, sogar m\u00f6glich, in den Besitz eines russischen Grabens zu kommen und sich dort festzusetzen. Die 109. Division war weiter s\u00fcdlich von uns an ihrem rechten Fl\u00fcgel vorw\u00e4rtsgekommen und in Linie Pintecani &#8211; Galbenul durchgesto\u00dfen. Diese Entlastung bekam die 8.\/18 zu sp\u00fcren. Um den Einbruch zu einem Erfolg ausn\u00fctzen zu k\u00f6nnen, werden an der Divisionsgrenze rasch noch zwei Kompanien k. u. k. 71er nachgeworfen, aber schon verst\u00e4rkt der Feind seine Abwehr aus dem Erdwerk. Der russische Fl\u00fcgel h\u00e4lt stand, weiterer Gewinn ist nicht m\u00f6glich. Nach dem d\u00fcnnen Au\u00dfenfl\u00fcgel von I.\/18 kroch noch 10.\/18 als Ersatz vor. In wechselnder Entfernung vom Hindernis, 300 bis 400 Meter vor Balaceanul, graben sich die Kompanien ein. Wegen dem hartgefrorenen Boden kommen sie aber \u00fcber ganz leichte Sch\u00fctzenl\u00f6cher nicht hinaus. Indessen ist es fr\u00fche Nacht geworden.<\/em><\/p>\n<p><em>Gerne h\u00e4tten wir der 301. Division, deren linker Anschlussfl\u00fcgel abwartend unsern Erfolg erhoffte, das raschere Vorgehen gegen Rimnicul &#8211; Sarat erm\u00f6glicht. Wohl wussten wir von dem einschneidenden Gewinn der 12. bayerischen Infanterie-Division westlich der Stra\u00dfe Buzau &#8211; Rimnicul-Sarat. Mangelnder Angriffsgeist war es gewiss nicht, der unseren Misserfolg beg\u00fcnstigte. Auch an der F\u00fchrung der Truppen konnte es unm\u00f6glich gelegen haben. Klar lag die Ursache in dem Verzweifelten Widerstand, den der Russe hier bot, zutage, mit geradezu unglaublicher Verschwendung von infanteriefeuer \u00fcbersch\u00fcttete er das vollst\u00e4ndig ebene Angriffsfeld. Unserer Artillerie fehlte Munition.<\/em><\/p>\n<p><em>Alles ist niedergeschlagen. In der Dunkelheit suchten wir das Feld nach Verwundeten und leider, leider allzu vielen Toten ab. Nie hat das Regiment &#8211; vor- und nachher &#8211; ein einziger Tag so schwere Verluste gekostet. Ant Toten hatten wir &#8211; einschlie\u00dflich an schwersten Wunden Gestorbener &#8211; die hohe Zahl 168, an Verwundeten 291. Der Gesamtausfall bei I.\/18 betrug 227, dem ganzen Bataillon verblieben 80 Gewehre, das bedeutete die Aufopferung von \u00be seines sowieso geschw\u00e4chten Bestandes. Am meisten gelitten hatte die 4.\/18 (Baumeister), 27 Tote 43 Verwundete, nahezu die ganze Kompanie war aufgerieben. Offiziersstellvertreter Seidl und vier Gruppenf\u00fchrer waren unter den Gefallenen. Die anschlie\u00dfende 6.\/18 (Feldner) hat die h\u00f6chste Totenziffer &#8211; 39 &#8211; darunter Vizefeldwebel Kalteis und neun erprobte Gruppenf\u00fchrer. Die ganze Kompanie war fr\u00fch mit 4.\/18 ja von dem ersten Feuer gepackt worden. Die Verluste machen es erkl\u00e4rlich, warum von der 6. Kompanie w\u00e4hrend des Sturmes eine Meldung \u00fcber die erreichte Linie ausblieb. In ihrem Gefechtsstreifen war ein Vorw\u00e4rtskommen einfach unterbunden! Bei 5.\/18 sieht es grauenhaft aus, hier ist als Kompanief\u00fchrer der brave Leutnant der Reserve Herbert gefallen, seine Zugf\u00fchrer Denzinger und G\u00f6tz, einer schneidiger als der andere, ebenfalls; weiter fehlen f\u00fcnf Gruppenf\u00fchrer und 14 Infanteristen. Unter den Verwundeten ist der Zugf\u00fchrer des 3. Zuges, Offiziersstellvertreter Moldenhauer. Bei der 7. und 8. Kompanie sind die Verluste weniger gro\u00df. Sie sind durch die Entlastung des vorw\u00e4rtskommenden Fl\u00fcgels\u00a0 der \u00d6sterreicher erkl\u00e4rt. Bei 8.\/18 ist Vizefeldwebel Adam gefallen. 9. und 10. Kompanie haben ebenfalls schwere Verluste, beide Kompanief\u00fchrer Leutnant der Reserve Sch\u00f6nemann und Leutnant der Reserve Beer sind verwundet worden.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Regiment hat mehr als die H\u00e4lfte seiner eingesetzten Gefechtskraft eingeb\u00fc\u00dft. Was besonders bitter war, bedeutete der Umstand, dass zu den Opfern unsere allerbesten Unteroffiziere und Mannschaften z\u00e4hlten. Kameraden, die seit dem Vormarsch angeh\u00f6rten, wieder andere, die den ganzen Vormarsch mitgemacht und unversehrt durchgekommen waren, Wiedergenesene, die dem Regiment, von ihren Wunden der Sommeschlacht hergestellt, nachgeeilt waren, lagen erstarrt auf dem blutgetr\u00e4nkten Plan der Weohnachtsschlacht. Viele Schwerverwundete m\u00f6gen, hilflos der K\u00e4lte preisgegeben, erfrierend entschlummert sein. Nur wer die Zeit \u00fcberlebt hat, kennt jene Bilder des Grauens. Das Herz krampfte sich uns zusammen beim Anblick der vielen Toten und Verwundeten. Dabei stand Weihnachten vor der T\u00fcr, es war der Vorabend einer traurigen Christnacht.<\/em><\/p>\n<p><em>Starke K\u00e4lte setzte dem in Front liegenden Rest weiter zu. Fahrzeuge brachten Verpflegung, Stroh vor und nahmen die vielen Verwundeten zur\u00fcck, f\u00fcr deren Sammlung kameradschaftliche Hilfe nicht ausreichte. Auch die toten Kameraden wurden zur\u00fcckgefahren. Die Kompanien der Brigadereserve mussten helfend einspringen. I.\/18 l\u00e4nger in Stellung zu belassen ist unm\u00f6glich, nachdem 11. und 12. Kompanie am linken Fl\u00fcgel sich eingegliedert, wurde der kleine Rest am heiligen Abend in Biwak in eine Mulde r\u00fcckw\u00e4rts gelegt.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Lage des Grabes von Johann Moser ist unbekannt.<\/p>\n<p>Seine Heimatgemeinde Pleiskirchen gedenkt Johann Moser noch heute auf einem Denkmal: <a href=\"http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/2009\/pleiskirchen_wk1u2_bay.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/2009\/pleiskirchen_wk1u2_bay.htm<\/a><\/p>\n<figure id=\"attachment_29236\" aria-describedby=\"caption-attachment-29236\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-29236\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Johann-Moser-vorne.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"636\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Johann-Moser-vorne.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Johann-Moser-vorne-300x239.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Johann-Moser-vorne-768x611.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-29236\" class=\"wp-caption-text\">Sterbebild von Johann Moser<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_29235\" aria-describedby=\"caption-attachment-29235\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-29235\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Johann-Moser-hinten.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"636\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Johann-Moser-hinten.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Johann-Moser-hinten-300x239.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Johann-Moser-hinten-768x611.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-29235\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckseite des Sterbebildes von Johann Moser<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Johann Moser wurde am 01.01.1890 in Sorsbach als Sohn eines Landwirts geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Pleiskirchen. 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