{"id":29438,"date":"2026-08-27T00:00:42","date_gmt":"2026-08-26T22:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=29438"},"modified":"2021-05-01T18:25:58","modified_gmt":"2021-05-01T16:25:58","slug":"die-maenner-des-ersten-weltkriegs-teil-3-021-dr-engelbert-muelhaupt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=29438","title":{"rendered":"Die M\u00e4nner des Ersten Weltkriegs \u2013 Teil 3.021: Dr. Engelbert M\u00fclhaupt [M\u00fchlhaupt]"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Dr. Engelbert M\u00fc<span style=\"color: #ff0000;\"><strong>h<\/strong><\/span>lhaupt wurde am 05.11.1888 geboren und stammte aus Oberlauchingen, einem Ortsteil der Gemeinde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lauchringen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lauchringen<\/a> im heutigen Bundesland Baden-W\u00fcrttemberg. Er arbeitete als Journalist f\u00fcr die M\u00fcnchen-Augsburger Abendzeitung. Im Ersten Weltkrieg diente er als Kriegsfreiwilliger und Infanterist in der 11. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments, das Regiment, in dem auch der sp\u00e4tere Diktator Adolf Hitler diente. Am 29.10.1914 fiel er bei den ersten K\u00e4mpfen in Flandern w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erste_Flandernschlacht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schlacht an der Yser<\/a> bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geluveld\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gheluwe<\/a>. Die Regimentsgeschichte des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments berichtet \u00fcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Dr. Engelbert M\u00fchlhaupt:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Das III. Bataillon<\/em><\/p>\n<p><em>Das III. Bataillon war am Morgen des 29. Oktober aus der Entfaltung bei der Ortschaft Koelberg links der Stra\u00dfe nach Ypern mit der 9. und 11. Kompanie in vorderer, der 10. und 12. Kompanie in zweiter Linie ins Gefecht getreten. In z\u00fcgigem Vorw\u00e4rtsgehen suchten die Sch\u00fctzenlinien gegen das Stra\u00dfenkreuz bei Kruiseik vorzudringen, erlitten aber durch das von vorne und aus der rechten Flanke einsetzende feindliche Feuer abld so erhebliche Verluste, dass die Bewegung ins Stocken kam. Der Gegner hatte sich in den Geh\u00f6ften und in dem dichten Buschwerk am Stra\u00dfenkreuz eingenistet und richtete, selbst v\u00f6llig unsichtbar, ein konzentriertes Maschinengewehrfeuer auf die in lichter Entwicklung vorgehenden Sch\u00fctzenlinien und ihre nachfolgenden Reserven. Es galt daher, zun\u00e4chst diesen Gegner niederzuk\u00e4mpfen.<\/em><\/p>\n<p><em>In dem Augenblick, als Oberleutnant Beuschel mit der 9. Kompanie die Stra\u00dfe erreicht hatte unddas Kommando gab &#8222;Sprung! Auf &#8211; Marsch &#8211; Marsch!&#8220; wurde er von einem Geschoss getroffen, dass ihm das Kommando auf den Lippen erstarb und er tot umsank.<\/em>\u00a0<span style=\"color: #ff0000;\">(Oberleutnant Albert Beuschel, gefallen am 29.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block I, Grab 957)<\/span><em> Offiziersstellvertreter Baumann \u00fcbernahm die Kompanie.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Bataillon war als zweite Linie hinter dem s\u00e4chsischen Regiment 105 bestimmt, trat jedoch bald in die erste Gefechtslinie. Langsam und z\u00e4h arbeiteten sich die Z\u00fcge trotz st\u00e4ndiger Verluste vorw\u00e4rts, bis schon nach kurzem die Ausf\u00e4lle durch das feindliche Artilleriefeuer so gro\u00df wurden, dass der Bataillonskommandeur, der selbst in vorderster Linie war, bei der Gefahr, die Truppe ohne hinreichenden Erfolh vollst\u00e4ndig zu opfern, sich entschloss, die Stellung vorerst zu halten und sich einzugraben, um durch die weitere Gefechtsentwicklung eine g\u00fcnstigere Gelegenheit zur Fortsetzung des Anghriffs abzuwarten. Erst als im Laufe des Vormittags die englischen Stellungen am Stra\u00dfenkreuz bei Kruiseik durch den Angriff unseres I. Bataillons und der W\u00fcrttemberger 247 vom Gegner fluchtartig ger\u00e4umt worden waren, konnte der rechte Fl\u00fcgel des III. Bataillons gemeinsam mit dem Reserve-Infanterie-Regiment 247 zum weiteren Angriff vorgehen. Entlang der Yperner Stra\u00dfe suchte man nach vorw\u00e4rts Raum zu gewinnen. In kleinen Teilvorst\u00f6\u00dfen arbeitete sich die 10. und 11. Kompanie an die links der Stra\u00dfe gelegenen Gr\u00e4ben der Engl\u00e4nder heran, immer wieder gezwungen, ihre Stellungen unter dem verheerenden Feuer der feindlichen Artillerie und den Bombenw\u00fcrfen der feindlichen Flieger vorr\u00fcbergehend aufzugeben und in Deckung Schutz zu suchen. Die Verluste stiegen von Stunde zu Stunde. Oberleutnant Peukert<\/em> <span style=\"color: #ff0000;\">(Oberleutnant Hans Peukert, gefallen am 29.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block I, Grab 958)<\/span>,<em> der F\u00fchrer der 11. Kompanie fiel im Gefecht, ebenso sin 1. Zugf\u00fchrer, Leutnant Graf<\/em> <span style=\"color: #ff0000;\">(Leutnant Karl Graf, Ritter von gefallen am 29.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block I, Grab 897)<\/span>,<em> der einzige Sohn des 1916 vor dem Feind gebliebenen Kommandeurs der bayerischen Ersatz-Division, Generalleutnant Ritter von Graf<\/em> <span style=\"color: #ff0000;\">(Generalleutnant Eduard Ritter von Graf, gefboren am 31.10.1854 in Bayreuth, gefallen am 03.03.1916 in St. Braquis, Frankreich)<\/span>. <em>Offiziersstellvertreter Gie\u00df blieb durch beide Oberschenkel geschossen liegen. Feldwebel M\u00fcller nahm das Kommando \u00fcber die Kompanie an sich, fiel aber bald darauf durch Kopfschuss<\/em>\u00a0<span style=\"color: #ff0000;\">(Feldwebel Hans M\u00fcller, gefallen am 29.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Menen in Block I, Grab 898)<\/span><em> . Darauf sprang Vizefeldwebel Schnaudt als Kompanief\u00fchrer ein.<\/em><\/p>\n<p><em>Erschreckend schnell schmolz die Gefechtskraft zusammen, sodass gegen Mittag die letzten Reservez\u00fcge eingesetzt werden mussten. \u00dcberall lagen hinter den Hecken die Verwundeten, ohne dass ihnen Hilfe gebracht werden konnte.<\/em><\/p>\n<p><em>Dazu kam, dass vor\u00fcbergehend unsere Truppen von Nachbarabteilungen der Sachsen, die uns wegen der grauen M\u00fctzen\u00fcberz\u00fcge mit Engl\u00e4ndern verwechselt hatten, unter Feuer genommen worden waren, wodurch die moralische Kraft der Truppe stark beeintr\u00e4chtigt wurde.<\/em><\/p>\n<p><em>Als um die Mittagsstunde die Lage \u00e4u\u00dferst bedrohlich wurde und insbesondere durch das vernichtende Maschinengewehrfeuer aus der stark besetzten Windm\u00fchle unterhalb des Ortsrandes immer gr\u00f6\u00dfere L\u00fccken in unsere Reihen gerissen wurden, entschloss sich Unteroffizier Schaumberger, mit einer Anzahl Leute sich an die Windm\u00fchle heranzup\u00fcrschen, dieses gef\u00e4hrliche Nest auszuheben. Die Aufgabe ging aber \u00fcber die Kraft der todesmutigen M\u00e4nner; sie blieben unter schweren Verlusten vor der Front liegen, Offiziersstellvertreter D\u00f6rfler, der ihnen zu Hilfe eilte, fiel.<\/em><\/p>\n<p><em>Dagegen gelang es der 12. Kompanie auf die Meldung hin, dass die 10. Kompanie unter starkem Flankenfeuer leide, ein Geh\u00f6ft in der linken Flanke zu st\u00fcrmen und augenblicklich Erleichterung zu schaffen.<\/em><\/p>\n<p><em>Gegen\u00fcber der gewaltigen Feuerkraft des Gegners, seinen in langer Vorbereitungszeit au\u00dferordentlichen gut befestigten und verdeckten Stellungen, wobei seine Sch\u00fctzen sogar von B\u00e4umen herab ein scharf gezieltes Feuer auf unsere im offenen Feld k\u00e4mpfenden Linien richteten, war mit einem durchschlagenden Erfolg nicht mehr zu rechnen. Sollte die Truppe nicht der g\u00e4nzlichen Vernichtung preisgegeben werden, so blieb nichts \u00fcbrig, als weitere Angriffsversuche aufzugeben und sich darauf zu beschr\u00e4nken, den hei\u00dfumstrittenen Boden zu halten und sich nach M\u00f6glichkeit durch Verteilung in halbwegs sch\u00fctzende Deckungen der Wirkung des rasenden Feuers zu entziehen. Auch dies bot Schwierigkeiten. Bei dem ungest\u00fcmen L\u00e4rm und Get\u00f6se des Gefechts war es nicht m\u00f6glich, Befehle durchzubringen, viele der Unterf\u00fchrer waren bereits gefallen oder verwundet. die Verb\u00e4nde v\u00f6llig vermischt, an ein Durchkommen von Meldeg\u00e4ngern war nicht zu denken.<\/em><\/p>\n<p><em>So entschloss sich der Bataillonskommandeur, Hauptmann von L\u00fcneschloss, im Laufe des Nachmittags die noch vorhandenen Reste, insbesondere der 9. und 11. Kompanie, von welcher Unteroffizier Wildegger Teile unter seine F\u00fchrung genommen hatte, allm\u00e4hlich heranzuziehen und in geeigneter Deckung zu sammeln. Auch die 10. Kompanie konnte sich bei ihren gro\u00dfen Verlusten nicht mehr halten und zog sich langsam gegen den linken Fl\u00fcgel des Bataillons zur\u00fcck, um sich dort einzugraben. Bei der 12. Kompanie waren Kompanief\u00fchrer Oberleutnant Hagen und Offiziersstellvertreter Grie\u00dfer verwundet, bei der 10. Kompanie war Kompanief\u00fchrer Graf von Bassenheim infolge Erkrankung ausgeschieden und an seine Stelle Offiziersstellvertreter Mader getreten.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Einbruch der Dunkelheit erm\u00f6glichte es, die schwachen Reste der Kompanien aus dem Gefecht zu ziehen und beim Regimentskommando nahe Koelberg zu sammeln, damit sie im Laufe der Nacht wieder eingesetzt werden konnten.<\/em><\/p>\n<p><em>Durch den heutigen Angriff war auch auf diesem Abschnitt der Front fast 1 Kilometer vorger\u00fcckt worden, 400 Gefangene und 5 Maschinengewehre waren eingebracht worden.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Nacht senkte sich auf das Schlachtfeld, das 349 tote Kameraden bedeckten. Den taktischen Erfolg des Tages, des letzten Tages der Schlacht an der Yser, bezeichnete in kurzen Worten der Abendbefehl, den der Regimentskommandeur, Oberst List, den Bataillonen bekannt geben lie\u00df: &#8222;Feind aus allen seinen Stellungen geworfen, mehrere hundert Gefangene. Infanterie h\u00e4lt die errungenen Stellungen und gr\u00e4bt sich dort ein. Unterst\u00fctzung durch die 6. Reserve.Infanterie-Division bald zu erwarten.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Man begrub Dr. Engelbert M\u00fchlhaupt auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Langemark&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1049089,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0},&quot;12&quot;:0,&quot;23&quot;:1}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/goo.gl\/maps\/DfxC4PqoEs42&quot;;&quot;Langemark&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/DfxC4PqoEs42\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/DfxC4PqoEs42\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Langemark<\/a><\/span> in einem Massengrab.<\/p>\n<p>Noch heute gedenkt man Dr. Engelbert M\u00fchlhaupt auf einem Denkmal in seiner Heimatgemeinde Oberlauchringen: <a href=\"http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/dkm_deutschland\/oberlauchringen_wk1u2_bw.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/dkm_deutschland\/oberlauchringen_wk1u2_bw.htm<\/a><\/p>\n<figure id=\"attachment_29440\" aria-describedby=\"caption-attachment-29440\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-29440\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Dr.-Engelbert-Muelhaupt.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"464\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Dr.-Engelbert-Muelhaupt.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Dr.-Engelbert-Muelhaupt-300x174.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Dr.-Engelbert-Muelhaupt-768x445.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-29440\" class=\"wp-caption-text\">Todesanzeige f\u00fcr Dr. Engelbert M\u00fclhaupt &#8211; bemerkenswert: die Zeitung, f\u00fcr die er gearbeitet hatte, druckte seinen Namen falsch ab.<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Dr. Engelbert M\u00fchlhaupt wurde am 05.11.1888 geboren und stammte aus Oberlauchingen, einem Ortsteil der Gemeinde Lauchringen im heutigen Bundesland Baden-W\u00fcrttemberg. 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