{"id":30456,"date":"2021-07-08T12:00:51","date_gmt":"2021-07-08T10:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=30456"},"modified":"2021-07-06T16:34:32","modified_gmt":"2021-07-06T14:34:32","slug":"sonderbeitrag-die-predigt-trauerrede-fuer-franz-galgenmueller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=30456","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: Die Predigt [Trauerrede] f\u00fcr Franz Galgenm\u00fcller"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Franz Galgenm\u00fcller wurde am 03.09.1892 in der bayerischen Gemeinde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nersingen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Unterfahlheim<\/a> geboren. Er war angehender Priester (cand. theol.) im k\u00f6niglichen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herzogliches_Georgianum\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Georgianum M\u00fcnchen<\/a>. Im Ersten Weltkrieg diente er als Offiziersstellvertreter und Offiziersaspirant im 15. bayerisches Infanterie-Regiment . Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und mit dem Bayerischen Verdienstkreuz mit Krone und Schwertern ausgezeichnet. Am 14.04.1917 fiel er im Alter von 24 Jahren bei Sissonne w\u00e4hrend der K\u00e4mpfe an der Aisne.<\/p>\n<p>Der Text der Trauerrede von F. X. Hartmann, Domprediger in Augsburg:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Hochansehnliche Trauerversammlung!<\/em><\/p>\n<p><em>Meine lieben Landsleute!<\/em><\/p>\n<p><em>Schwer spricht sich der Schmerz. Er macht den Menschen f\u00f6rmlich verstummen. Und doch muss das Lied von dem braven Mann erklingen, der am 16. August auf Frankreichs hei\u00df umstrittenen Boden, im gro\u00dfen Entscheidungskampf um Deutschlands ganze Zukunft auf dem Felde der Ehre gefallen ist. Der Schmerz um ihn ist tief und innig, die Teilnahme allgemein und \u00fcberw\u00e4ltigend, im stillen Heimatd\u00f6rflein und drau\u00dfen in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben, bei &#8222;kleinen Leuten&#8220; und bis hinauf in die h\u00f6chsten Kreise. Auch unser hochw\u00fcrdiger Oberhirte, obwohl serlber erkrankt, bezeugt sein Beileid. Aus ganz Deutschland und \u00d6sterreich, aus der Schweiz treffen Teilnahmekundgebungen ein. Unsere Trauer gilt einem tapferen Helden, einem stets hilfsbereiten Kameraden und treuen Freunde, einem strebsamen J\u00fcnger der Wissenschaft, einem vielversprechenden Theologen, einem ausgezeichneten Bruder und edlen Sohn, dem Offizierstellvertreter Herrn Franz Galgenm\u00fcller von Unterfahlheim, Ritter des Eisernen Kreuzes, Inhaber des Bayerischen Verdienstkreuzes mit Krone und Schwertern, Kandidaten der Theologie im k\u00f6niglichen Georgianum in M\u00fcnchen.<\/em><\/p>\n<p><em>Mir ist die harte, wenngleich ehrenvolle Aufgabe geworden, ihm in der Heimatkirche das letzte Wort widmen zu d\u00fcrfen.<\/em><\/p>\n<p><em>Vor seinem Ausmarsch (am 1. M\u00e4rz 1916) hat mich der junge Feldgraue, der einst bei meiner Primiz und sonst noch \u00f6fters als Ministrant diente, den ich seinerzeit zur Aufnahmepr\u00fcfung ans Gymnasium vorbereitete, den ich fortan sozusagen an Leib und Seele habe wachsen sehen (wenn er falle), um die Trauerrede. Zur Antwort versprach ich ihm die Primizpredigt. Indes, statt ihn auf dem Kirchgang ins Heiligtum zu begleiten, muss ich euch jetzt an ein Heldengrab im Feindesland f\u00fchren: Ein Grab ist wie ein Altar, wo im herben Schmerze geopfert wird.<\/em><\/p>\n<p><em>Im Soldatenfriedhof zu Sissonne sehe ich einen H\u00fcgel, auf den ich die Inschrift setzen m\u00f6chte: &#8222;Wanderer, hemme deinen Schritt und l\u00fcfte den Hut: Vergiss ein frommes Gebet nicht, ein Bayernheld hier ruht.&#8220; Diesem jungen Helden gilt unsere Totenklage. Helden bejammert man nicht, Helden betrauert man, Helden ehrt man. Ein Kriegergrab bleibt der Stolz der Familie. &#8222;Ein Held ist, wer sein Leben Gro\u00dfem opfert&#8220; (Grillparzen). Um deutschen Boden, deutschen Namen, deutsche Ehre zu verteidigen, schlug er sein Leben in die Schanze. &#8222;Noch hat der Franzose keinen Fu\u00dfbreit Boden gewonnen,&#8220; schreibt er am 13. April nach Speyer. Als er jedoch zwei Tage darauf seine Leute zum Gegensto\u00df f\u00fchrte, traf ihn die t\u00fcckische Franzosenkugel. &#8222;Er ist gestorben als ein echter Held, als der er sich im Kampfe bew\u00e4hrt hatte.&#8220; r\u00fchmt ihm sein Major nach. Und sein Leutnant versichert &#8222;dass in der Geschichte des Regiments auch der Name Galgenm\u00fcller mit goldenen Lettern verzeichnet sein wird.&#8220; Was Wunder, dass seine tapfere Brust wohlverdiente Auszeichnungen schm\u00fcckten und seine Bef\u00f6rderung zum Offizier unmittelbar bevorstand? Ein gl\u00e4nzendes Zeugnis f\u00fcr seine hervorragenden milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten. Dabei war er &#8211; das verhehlen wir so wenig wie er selbst &#8211; einzig aus reinstem Pflichtgef\u00fchl, keineswegs aus Abenteuerlust, auch nicht aus blo\u00dfer Begeisterung Soldat. Die heutige Milit\u00e4rp\u00e4dagogik erschien ihm, dem Idealisten, der noch nicht die Schwierigkeiten des Lebens erfahren, vielmehr in mehrfacher Beziehung reformbed\u00fcrftig. Dazu kam noch, dass er den Wahnsinn eines Massenmordes im Kriege sowohl mit dem vern\u00fcnftigen Denken als auch mit den Grunds\u00e4tzen des Christentums, das eine Magna charta des Friedens und ein Programm der Liebe verk\u00fcndet, fast nicht oder nur schwer vereinbaren konnte. Gewiss, Kriege wollen ist gottlos, Kriege machen verrucht, aber Kriege f\u00fchren zur Abwehr ist heiliges Recht. Freilich, wenn wir alle, wir und unsere Feinde, ganze Christen w\u00e4ren, dann g\u00e4be es keinen Krieg. Der Krieg ist der blutige Sohn der S\u00fcnde. Menschen haben mit ihren Leidenschaften den Weltbrand entfacht und nun soll Gott bereitstehen, ihn zu l\u00f6schen? Hei\u00dft das nicht, den Sch\u00f6pfer zum Diener des gesch\u00f6pfes machen wollen? Dabei gibt es allenthalben noch Menschen, die noch nicht einmal angefangen haben, sich zu bessern und solche, die l\u00e4ngst schon wieder damit aufgeh\u00f6rt haben. Selbst der Sch\u00fctzengraben bildet keinen Wendepunkt in ihrem Leben und sogar das Eiserne Kreuz keinen Wegweiser zu neuen Bahnen. Das ist aber noch kein Heldentum, wenn ein Krieger nur im feindlichen Feuer Proben von Mut gibt, hinter der Front oder in der Ruhe aber sich von seiner Leidenschaft, wie Samson vom Weibe, besiegen l\u00e4sst. Den Geist suchte Galgenm\u00fcller zu entfernen bei seinen Leuten. Als Korporal verwies er ihnen schmutzige Reden und zweideutige Lieder, durch welche unverdorbene Soldaten vergiftet werden und besprach mit ihnen \u00f6fters auch religi\u00f6se Angelegenheiten., die Zweifel und R\u00e4tsel, welche der Krieg aufgab und die nur Religion und Glaube l\u00f6sen k\u00f6nnen. Abends betete er (wie ein Unteroffizier schrieb) gemeinsam in der Kaserne das Nachtgebet. &#8222;Beten sollt ihr, nicht fluchen&#8220; riefb er beim Heulen und Krachen des Granathagels einem unwilligen Landsturmmann zu. Brauchen wir uns da zu wundern, wenn seine Leute ihm treu anhingen, wenn er besonders bei den alten Jahrg\u00e4ngen sich gro\u00dfer Beliebtheit erfreute, wenn ein herzliches kameradschaftliches Verh\u00e4ltnis sich unter ihnen herausbildete, wenn er mit einzelnen Regiments-Kameraden direkte Freundschaft schloss? Von einem gefallenen Freunde (Rainer Schmitz) sagte er: &#8222;Uns schlug einst in Treue ein einiges Herz, du warst mir lieb wie mein eigen Leben.&#8220; Ein Nathanael, &#8222;an dem kein Falsch&#8220; war, ein Jonathan von Gesinnung, unverdorben an Herz und Gem\u00fct, war er schon im ersten Semester in seiner Korporation, dem deutschen katholischen Studentenverein Alemania, von seinen Bundesbr\u00fcdern am gr\u00fcnen Isarstrande ob seines schlichten, geraden Wesens hoch gesch\u00e4tzt. So ernst er auch war, fr\u00f6hlicher Gesellschaft ging er nicht aus dem Wege. &#8222;Seine Gr\u00f6\u00dfe war Bescheidenheit,&#8220; schrieb eine edle Frau, nachdem sie ihn einmal gesehen und gesprochen. Diese Bescheidenheit war seines Charakters Stahlgehalt, und Treue deren Goldgehalt. Er hat sie bewiesen &#8222;bis in den Tod&#8220;; er starb in der treuen Erf\u00fcllung seiner Pflicht: &#8222;Wer in der Liebe bleibt&#8220; und stirbt, &#8222;bleibt in Gott und Gott in ihm.&#8220; Sein Beispiel der Treue ist uns allen ein kostbares Verm\u00e4chtnis und umgibt unsere Trauer um den Helden, Kameraden und Freund mit einer besonderen Weihe.<\/em><\/p>\n<p><em>Durch den Heldentod unseres lieben Franz hat auch die Wissenschaft einen unersetzlichen Verlust erlitten. Nach dem Zeugnisse seiner ehemaligen Lehrer (Herr Oberstudienrat Steinberger, G\u00fcnzburg) war er am Gymnasium ein strebsamer, t\u00fcchtiger Sch\u00fcler. Besondere Vorliebe zeigte er f\u00fcr fremde Sprachen, deren er, wie er mir gelegentlich eines Besuches gestand, gerade 22 in Angriff genommen hatte. Als Musensohn an der Universit\u00e4t, dem Zentrum der Wissenschaft, arbeitete er mit Energie und Flei\u00df im semitischen und slavischen Seminar. Nicht ganz mit Unrecht nannte ihn daher Hansjakob, der verewigte Schriftsteller, &#8222;einen kleinen Mezzosanti&#8220; (1774 &#8211; 1849) und er\u00f6ffnete ihm die Perspektive &#8222;Sie haben so schlicht und klar geschrieben, dass Sie auch einmal Volksschriftsteller werden k\u00f6nnten.&#8220; Er war auf dem besten Wege dazu: Proben seines literarischen Talentes gab er in den klassischen Schilderungen der selbsterlebten K\u00e4mpfen vor Verdun, die er im &#8222;Raphael&#8220;, der besten Jugendzeitschrift, die ich kenne, die im Kriege allm\u00e4hlich eine echte Soldatenzeitschrift geworden ist, in einer Reihe von Artikeln geboten hat. Auch als Dichter versprach er Gro\u00dfes und &#8222;begr\u00fcndete die Hoffnung, einst ein schw\u00e4bischer Hansjakob und ein katholischer Rosegger zu werden&#8220; (Schmidinger) &#8211; Mit Foerster, dem bekannten P\u00e4dagogen, stand er bis zu seinem Tode im regen Briefwechsel. So konnte man die besten Erwartungen auf ihn setzen. Indes, &#8222;was sind Hoffnungen, was sind Entw\u00fcrfe, die der Mensch, der fl\u00fcchtige Sohn der Stunde, aufbaut auf betr\u00fcglichem Grunde?&#8220; Noch mehr als an unz\u00e4hlig anderen dr\u00e4ngen sich an diesem Heldengrabe bange Warum-Fragen unserem Geiste auf. Warum hat Gott dem Leben dieses vielverhei\u00dfenden jungen Mannes, der der katholischen Sache so reichlich h\u00e4tte dienen k\u00f6nnen, ein so fr\u00fches und j\u00e4hes Ende bereitet? Warum knickte er diese seltene Menschenbl\u00fcte, noch ehe sie ihre volle Pracht entfalten konnte? Warum musste dieser lautere Charakter, um den so viele Tr\u00e4nen flie\u00dfen, ein Opfer des Krieges werden? &#8222;Warum &#8222;der Stern, der erst am Aufgehen war&#8220; (Schr\u00f6nghamer-Heimdal) schon untergehen? Aber das Licht erlosch ja nicht: Es wurde wie die wei\u00dfe Mette-Kerze nur hinter den Altar getragen: Es ist ein ewiges Licht im Himmel. Warum also starb er? Weil er reif war f\u00fcr den Himmel. &#8222;Fr\u00fch vollendet, hat er viele Jahre erreicht.&#8220; Nicht die Zahl der Jahre, sondern ihr Inhalt gibt dem Leben seinen Wert. Warum sterben gerade die Besten? Isabelle Kaiser, die schweizerische Handel-Mazetti, gibt darauf die bezeichnende Antwort, &#8222;die minderwertig \u00dcberlebenden werden dadurch gebessert&#8220;. &#8222;Was Gott f\u00fcgt, das ist gut, sei`s Leben oder Sterben,&#8220; sagt Franz in seinem &#8222;Nachlass&#8220;. Ob wir leben oder Sterben, wir sind des Herrn.&#8220; Dieses Wort aus dem R\u00f6merbriefe legt neben den Quell unserer Z\u00e4hren auch gleich das Tuch, um sie zu trocknen. Als ein Kind der g\u00f6ttlichen Vorsehung ging Franz durchs Leben. &#8222;Mein Los ist, wie es Gott gebeut&#8220; und so mahnt er im vorhinein, &#8222;denk`, es ist im Herrn geschehen &#8211; er wird alles gleichen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Am Tage vor seinem Tode schrieb er mir: &#8222;Gott steht mir bei und so wird sich alles zum Besten wenden.&#8220; Und gleichzeitig nach Donauw\u00f6rth an seinen v\u00e4terlichen Freund: &#8222;Unter des Herrn Fittichen wird mir kein Unheil geschehen.&#8220; Die letzten Zeilen schrieb er noch am 16. April an seinen hochverehrten Direktor des Georgianums, einige Stunden vor seiner Verwundung: &#8222;Mitten aus der gro\u00dfen Abwehrschlacht heraus ehrfurchtsvolle Gr\u00fc\u00dfe. Eine hei\u00dfe Woche liegt hinter mir. Mir hat Gott bis hierher wunderbar geholfen. Im Vertrauen auf seinen weiteren Beistand und auf das Gebet meiner lieben Georgianer Ihr ergebener Galgenm\u00fcller:&#8220; Er baute auf denjenigen, dem schon David sein Hirtenlied gesungen: &#8222;Der Herr ist mein Licht und mein Heil.&#8220; &#8211;<\/em><\/p>\n<p><em>Unsere tr\u00fcben Augen verm\u00f6gen gar oft Gottes Pl\u00e4ne nicht zu durchschauen. &#8222;So hoch der Himmel \u00fcber der Erde, so hoch stehen Gottes Gedanken \u00fcber den Menschen Gedanken.&#8220; Wir sind ab und zu wie kleine Kinder, die ein Naschwerk, ja das Gift dem t\u00e4glichen Brote vorziehen. Wir bauschen unsere Sonderw\u00fcnsche zu Forderungen auf, deren Erf\u00fcllung uns unerl\u00e4sslich scheint. Wir stehen mit unseren Gedanken auf dem kleinen Standpunkt des Diesseits: Gott, der unsterbliche K\u00f6nig der Zeiten, urteilt von der Hochwarte der Ewigkeit aus. Die Ansichten der ewigen Weisheit und der menschlichen Beschr\u00e4nktheit gehen darum himmelweit auseinander, wenn es gilt zu entscheiden, &#8222;was f\u00fcr uns zum Besten gereicht!&#8220; Was Gott tut, ist wohlgemeint.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine ehrenvolle Laufbahn in der Welt w\u00e4re dem sprachkundigen Studenten sicher gewesen. Nach einigem Ringen um seinen Beruf lie\u00df er sich vom idealsten Fluge leiten: er wurde Theologe. &#8222;Ein vollgesch\u00fctteltes und ger\u00fctteltes Ma\u00df&#8220; von Anlagen brachte er mit zu dem erhabenen Berufe. Es waren gut gewogen &#8222;f\u00fcnf Talente&#8220;: Eine christliche Erziehung, die wertvollste Mitgift aus dem Elternhause, eine gediegene Fr\u00f6mmigkeit, die er im ersten Priesterseminar, auf dem Scho\u00dfe der lieben Mutter lernte, ein goldenes Herz voller G\u00fcte und Liebe, eine rein bewahrte Jugend im Glanze der Unschuld. Nur einen Monat war er im Seminar. Der b\u00f6se Krieg holte ihn heraus. Nach allem, was man von ihm sah und h\u00f6rte, war er nach dem Zeugnisse seines Direktors (Herrn Universit\u00e4tsprofessor Dr. Weigl) ein gottberufener Theologe, der zu den sch\u00f6nsten Hoffnungen in seinem freigew\u00e4hlten und mit voller Begeisterung festgehaltenen Berufe berechtigte. &#8222;Ich freue mich der Entfaltung seines K\u00f6nnens und der inneren Kraft, mit welcher er sein Lebensziel festhielt,&#8220; versichert sein Divisionspfarrer (R. P. Polykarp). Der Nachwuchs des katholischen Klerus hat durch den Verlust Galgenm\u00fcllers einen schweren Blutzoll bezahlt.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Er hat am Altar das heilige Opfer nicht feiern d\u00fcrfen, er ist aber doch im heiligen Opfergeiste gestorben,&#8220; tr\u00f6stet der Hohepriester auf dem Bischofsstuhle zu Speyer, der &#8222;Soldatenbischof&#8220; Faulhaber in seinem h\u00f6chst ehrenden Schreiben an die Hinterbliebenen. An sie erging das Wort, das einst Jehova zu Abraham gesprochen: &#8222;Bring` mir deinen Sohn zum Opfer.&#8220; Er opferte sein Leben auf dem Altar des Vaterlandes; ihr, trauernde Angeh\u00f6rige, opfert ein Leben, das liebste und teuerste. Das hei\u00dft Primiz: Erstlingsopfer! Seht nur hin auf den blutigen Primizaltar des Kreuzes und ihr werdet von der Mutter des ewigen Hohenpriesters lernen, die blutenden Herzen als goldene Weihegeschenke neben dem Altar aufzuh\u00e4ngen. Im himmlischen Heiligtum, am goldenen Altare wird unser guter Franz, wie er vor seinem letzten Abschied sagte, &#8222;im Himmel droben Primiz feiern&#8220;, in jenem Dome, wo &#8222;Raphaelsche Lichtgestalten zum heiligen Dienst die reinen H\u00e4nde falten&#8220;. Daran denket, wenn das Herz brechen will vor Leid und Vereinsamung und die &#8222;harte Rede&#8220;, &#8222;nicht mein, sondern dein Wille geschehe&#8220;, nur schwer \u00fcber die Lippen geht. Glaubet`s nur, liebe Heimatkinder, einmal im Ungl\u00fcck und in den \u00d6lbergs- und Karfreitagsstunden zu beten: &#8222;Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden&#8220; hat weit mehr Wert als im Sonnenschein des Gl\u00fcckes und der Freude tausendmal zu wiederholen: &#8222;Gottlob und Dank!&#8220; St\u00f6ret deshalb, ich bitte euch darum, die Ruhe unseres toten Helden nicht durch \u00fcberm\u00e4\u00dfige Trauer! &#8222;Weinet nicht wie die, welche keine Hoffnung haben!&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Das Recht der Klage um einen so edlen Sohn und ausgezeichneten Bruder will ich gewiss nicht streitig machen. Er war ja &#8222;euer Stolz und eure Krone&#8220;, er war, was der junge Tobias seinen Eltern: &#8222;Das Licht der Augen, die St\u00fctze eures Alters und der Trost eures Lebens.&#8220; In einer Augsburger Zeitung zeigten unl\u00e4ngst Eltern den Heldentod ihres Sohnes an und setzten hinzu: &#8222;Das war der erste Kummer, den er uns bereitet hat.&#8220; Ohne jede \u00dcbertreibung gilt das von eurem Sohne und Bruder, der das Verm\u00e4chtnis seines guten Herzens und seiner treuen Liebe niedergelegt hat in dem ergreifenden Liede, das er vor Verdun gedichtet und mit der Adresse: &#8222;An meine Mutter&#8220; versehen hat. Wenn du mir darum mit dem Psalmisten sagst: &#8222;Meine Seele ist voll des Jammers,&#8220; so antworte ich dir mit dem Propheten: &#8222;Siehe, dein Sohn lebt.&#8220; Euer Sohn und Bruder wird eure Freude sein in der Ewigkeit, wie er es gewesen in der kurzen Lebensfrist. Er ist &#8222;unter die Kinder Gottes gez\u00e4hlt und sein Anteil ist unter den Heiligen&#8220;, dieser Gedanke vermag den Trennungsschmerz zu mildern; er erhellt wie ein funkelnder Stern das Dunkel der Grabesnacht. In diesem Lichte erscheint uns das Grab nicht blo\u00df als ein schauriges, ernstes Memento mori, sondern auch als ein liebliches Vergiss mein nicht: &#8222;Der Tod zerrei\u00dft nicht blo\u00df die zarten Familienbande, er kn\u00fcpft auch die zerrissenen wieder an. Die Liebe ist st\u00e4rker als der Tod.<\/em><\/p>\n<p><em>Hochansehnliche Trauerversammlung! &#8222;Nach der Heimat m\u00f6cht`ich wieder.&#8220; Die Sehnsucht klingt aus tausend Briefen, singt in tausend Liedern, lebt in tausend Herzen, schwebt auf tausend Lippen. Die irdische Heimat, an der Franz mit allen Fasern seines Herzens hing, von der er so schwer Abschied nahm, sah er nicht mehr. Am Pilgerstab wollte er, so schrieb er vom Felde, im Falle gl\u00fccklicher Heimkehr nach Rom, der Ewigen Stadt, wallen. Nun ist er bereits in der ewigen Stadt Gottes, &#8222;wo es keine Tr\u00e4ne, kein Leid und keine Trennung mehr gibt.&#8220; Der gro\u00dfe Herrgott, der sich von einem kleinen Menschenkind niemals an Gro\u00dfmut \u00fcbertreffen l\u00e4sst, der Ritter vom Kreuz hat ihm &#8222;die Krone des Lebens&#8220; gegeben, die unendlich mehr wert ist als der Siegeskranz, den das dankbare Volk den heimkehrenden Kriegern flicht. Der ewige Feldherr hat den tapferen Streiter versetzt in die himmlische Walhalla und l\u00e4sst uns zum Gru\u00dfe sagen wie dem Petrus am Ostermorgen: &#8222;Ihr werdet ihn wiedersehen!&#8220; Bis zu dieser Stunde ist allerding noch ein schwerer, einsamer Weg. Aber blicket hinauf zur Heimat \u00fcber den Sternen. &#8222;Dort wird es einst tagen&#8220;, &#8222;dort findet die Seele die Heimat, die Ruh`&#8220;, am Vaterherzen Gottes. Nach einer &#8222;kleinen Weile&#8220; wird dann buchst\u00e4blich zutreffen, was unser toter Bruder so oft gesungen, wenn er in Neu-Ulm, seiner Garnison, mit seiner Mannschaft durch die Stra\u00dfen zog im gleichen Schritt und Tritt:<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;In der Heimat, in der Heimat,<br \/>\n<\/em><em>Da gibt`s. ein Wiederseh`n!&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Amen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Man begrub Franz Galgenm\u00fcller auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Sissonne&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1049089,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0},&quot;12&quot;:0,&quot;23&quot;:1}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/goo.gl\/maps\/c6rAVL6iLyy&quot;;&quot;Sissonne&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/c6rAVL6iLyy\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/c6rAVL6iLyy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sissonne<\/a><\/span> in Block 9, Grab 197.<\/p>\n<figure id=\"attachment_30459\" aria-describedby=\"caption-attachment-30459\" style=\"width: 646px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-30459\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Franz-Galgenmueller.jpg\" alt=\"\" width=\"646\" height=\"1000\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Franz-Galgenmueller.jpg 646w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Franz-Galgenmueller-194x300.jpg 194w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Franz-Galgenmueller-517x800.jpg 517w\" sizes=\"auto, (max-width: 646px) 100vw, 646px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-30459\" class=\"wp-caption-text\">Trauerrede f\u00fcr Franz Galgenm\u00fcller<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Franz Galgenm\u00fcller wurde am 03.09.1892 in der bayerischen Gemeinde Unterfahlheim geboren. 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