{"id":41666,"date":"2022-10-25T12:00:00","date_gmt":"2022-10-25T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=41666"},"modified":"2022-10-24T16:55:00","modified_gmt":"2022-10-24T14:55:00","slug":"sonderbeitrag-arnold-tamm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=41666","title":{"rendered":"SONDERBEITRAG:  Arnold Tamm"},"content":{"rendered":"<p>Bei einem Spaziergang auf dem Alten Friedhof in Gie\u00dfen wurde ich auf folgendes Schicksal aufmerksam: Der Soldat Arnold Tamm wurde am 17.03.1882 in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/B%C3%BCdingen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">B\u00fcdingen<\/a> im heutigen Bundesland Hessen geboren. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpft er als Leutnant der Reserve in der 12. Kompanie des 81. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_bei_Neufch%C3%A2teau\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schlacht bei Neufch\u00e2teau<\/a> im Alter von 32 Jahren bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bertrix\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bertrix<\/a> in Belgien.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Arnold Tamm berichtet die Regimentsgeschichte des 81. Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Bertrix. 22. August 1914<\/em><\/p>\n<p><em>Die Feuertaufe des Regiments 81<\/em><\/p>\n<p><em>In den Vormittagsstunden, in denen diese Bereitstellung stattfand, war die Lage ungekl\u00e4rt. Nachrichten \u00fcber den Feind lauteten sehr unbestimmt. Gegen den Abschnitt des XVIII. Armee-Korps sollten angeblich zwei franz\u00f6sische Korps im Anmarsch sein.<\/em><\/p>\n<p><em>Als sich in den weiteren Stunden des Vormittags vom Feinde nichts zeigte, wurden die Feldk\u00fcchen an die Kompanien herangezogen und das Essen ausgegeben.<\/em><\/p>\n<p><em>Erst auf genauere Meldungen des Ulanen-Regiments 6, Betrix sei vom Feinde besetzt, trat die 21. Infanterie-Division um 2 Uhr nachmittags auf Befehl des Generalkommandos auf der Stra\u00dfe Recogne auf Betrix mit den Hauptkr\u00e4ften den Vormarsch an.<\/em><\/p>\n<p><em>In der Vorhut marschierte das Regiment 88 mit einer Abteilung des Feldartillerie-Regiments 63, am Anfang des Gros folgte 81, dann kam die lange Kolonne des Feldartillerie-Regiments 27 und der einen Abteilung Feldartillerie-Regiment 63, dann F\u00fcsilier-Regiment 80, welches in die Artillerie-Kolonne ein Bataillon eingeschoben hatte.<\/em><\/p>\n<p><em>Die rechte Seitendeckung &#8211; Infanterie-Regiment 87 unter Generalmajor von der Esch &#8211; ging auf Ochamps vor.<\/em><\/p>\n<p><em>Zu beiden Seiten der Vormarschstra\u00dfe war dichter, hoher Wald, Foret de Luchy und Foret Huqueny. Au\u00dferhalb der W\u00e4lder stand der Ginster in prachtvoller goldgelber Bl\u00fcte. \u00dcberall war das Gel\u00e4nde un\u00fcbersichtlich, ein wenig h\u00fcgelig, doch boten die Erhebungen keine M\u00f6glichkeit f\u00fcr Maschinengewehre, vorgehende eigene Infanterie mit Maschinengewehr-Feuer zu \u00fcberschie\u00dfen. Das Vorw\u00e4rtskommen wurde erheblich erschwert durch die mit starkem Draht eingefassten Viehweiden, die Drahtschweren bekamen viel Arbeit.<\/em><\/p>\n<p><em>W\u00e4hrend des Vormarsches auf der gro\u00dfen Chaussee verst\u00e4rkte sich der Gefechtsl\u00e4rm, besonders rechts von Ochamps her. Auch vorw\u00e4rts von Bertrix her war Infanterie- und Artilleriefeuer vernehmbar. Die Vorhuten und die rechte Seitendeckung sind scheinbar \u00fcberall auf den Feind gesto\u00dfen. Etwa 3.30 Uhr nachmittags erreichte der Anfang des Gros der 21. Infanterie-Division &#8211; das Infanterie-Regiment 81 &#8211; das Stra\u00dfenkreuz Recogne &#8211; Fays les Veneurs und Ochamps-Huqueny. An dieser Stelle befanden sich alle h\u00f6heren St\u00e4be, mitten unter ihnen der Gro\u00dfherzog von Hessen. Der Regiments-Kommandeur, Seine Hoheit Prinz Friedrich Karl von Hessen war bis zum westlichen Waldrand vorgeritten. Von Erkundung zur\u00fcckgekehrt, befahl der Prinz: Vorhut ist \u00fcberraschend auf den Feind gesto\u00dfen, Regiment 81 wird in Verl\u00e4ngerung des Regiments 88 &#8211; links von diesem &#8211; zu beiden Seiten der Chaussee eingesetzt.<\/em><\/p>\n<p><em>Das II.\/81, Major Genthe, hatte bereits gleich nach 1 Uhr mittags, noch bei Neuvillers, den Befehl erhalten, die Sicherung der linken Flanke der 21. Infanterie-Division zu \u00fcbernehmen. Major Genthe ging mit 5. und 8. Kompanie, Hauptmann von Oppeln und von Prittwitz, auf dem tief eingeschnittenen Bahngleise gegen Betrix vor, die 6. Kompanie, Hauptmann Frisch, war Bedeckung der schweren Artillerie Nr. 3, und die 7. Kompanie, Hauptmann der Reserve Hahn, schloss sich dem III.\/71, Major Robert, an.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Kommandeur des I.\/81, Major von Nostitz, entwickelte beiderseits der Chaussee, Richtung Bertix, seine Kompanien, 1.\/81 und 4.\/81, Hauptmann Hilken und Oberleutnant von Brandt (f\u00fcr den erkrankten Hauptmann Vollmer), in Verl\u00e4ngerung links des Regiments 88, n\u00f6rdlich der Chaussee, 2. und 3. Kompanie, Hauptmann Bullrich und Hauptmann Lueder, s\u00fcdlich der Chaussee. Das III. Bataillon, Major Robert, mit der Maschinengewehr-Kompanie, Hauptmann Ahlers, zog sich entwickelt s\u00fcdlich in den Wald von Huqeny, I.\/81 links verl\u00e4ngernd.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_41671\" aria-describedby=\"caption-attachment-41671\" style=\"width: 677px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-41671\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Betrix-22.08.1914.jpg\" alt=\"\" width=\"677\" height=\"887\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Betrix-22.08.1914.jpg 677w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Betrix-22.08.1914-229x300.jpg 229w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Betrix-22.08.1914-611x800.jpg 611w\" sizes=\"auto, (max-width: 677px) 100vw, 677px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-41671\" class=\"wp-caption-text\">Lagekarte am 22.08.1914 bei Betrix<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Bereits im Walde erhielten die Bataillone Artillerie- und Infanteriefeuer. Zum ersten Male vernahm man das eigenartige Sausen der franz\u00f6sischen Infanterie-Geschosse, es klang wie &#8222;pfiu &#8211; pfiu&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><em>Sehr schwierig war die Entwicklung f\u00fcr die Artillerie, sie musste mitten im Walde auffahren und in Feuerstellung gehen. Eine Batterie 27 stand an der vrogenannten Chausseekreuzung und sperrte mit ihren Fahrzeugen die Stra\u00dfe.<\/em><\/p>\n<p><em>Im Waldreichen un\u00fcbersichtlichen Gel\u00e4nde entwickelten sich nun schwere Nahk\u00e4mpfe, die eigentlich \u00fcberall von den Kompanien einzeln durchgef\u00fchrt wurden. Die Regiments-Kommandeure, der Prinz und die Bataillons-Kommandeure befanden sich mitten in der vorsersten Sch\u00fctzenlinie.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_41672\" aria-describedby=\"caption-attachment-41672\" style=\"width: 1126px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-41672\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Regiments-Stab-Prinz-Friedrich-Karl-von-Hessen-22.08.1914.jpg\" alt=\"\" width=\"1126\" height=\"793\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Regiments-Stab-Prinz-Friedrich-Karl-von-Hessen-22.08.1914.jpg 1126w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Regiments-Stab-Prinz-Friedrich-Karl-von-Hessen-22.08.1914-300x211.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Regiments-Stab-Prinz-Friedrich-Karl-von-Hessen-22.08.1914-800x563.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Regiments-Stab-Prinz-Friedrich-Karl-von-Hessen-22.08.1914-768x541.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1126px) 100vw, 1126px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-41672\" class=\"wp-caption-text\">Der Regiments-Stab am 22.08.1914 an der Stra\u00dfe Recogne-Bertrix. Prinz Friedrich Karl von Hessen gibt Befehle X<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Der Feind hatte sein ganzes XVII. Armee-Korps mit vier Brigaden in Front, zwischen Huqeny und Ochamps, gegen die 21. Infanterie-Division eingesetzt. Auch die franz\u00f6sische Artillerie war, ebenso wie die deutsche, gezwungen, in den Waldst\u00fccken nord\u00f6stlich Bertrix und Assenois in Feuerstellung aufzufahren.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Deckung gegen Sicht, die der Wald bietet, gestattete unseren angreifenden Kompanien, dicht an die franz\u00f6sischen Batterien heranzukommen und mit gef\u00e4lltem Bajonett in deren Feuerstellung einzudringen. Ein nicht zu schildernder Angriffsgeist beherrschte jeden einzelnen Musketier; fast ohne zu feuern, liefen die Kompanien im Sturmschritt in langen Spr\u00fcngen vorw\u00e4rts. Sie hatten es ja vor noch nicht langer Zeit auf dem \u00dcbungsplatz bei Orb gen\u00fcgend ge\u00fcbt. Eine tropische Hitze herrschte am Nachmittag des 22. August. Der Wille, mit blanker Waffe an den Feind heranzukommen, l\u00e4sst aber Durst und Hitze vergessen. Der Franzose hatte sich \u00fcberaus geschickt fl\u00fcchtig aufgeworfener Sch\u00fctzengr\u00e4ben bedient und leistete hartn\u00e4ckigen Widerstand. Wo die Kompanien im Walde auf Artillerie stie\u00dfen, wurden die Gesch\u00fctze genommen. Hauptmann Bullrich, 2.\/81, stirbt mitten in einer franz\u00f6sischen Batterie den Heldentod. Hauptmann Hilken, 1.\/81, erh\u00e4lt sechs Schritte vor einem Gesch\u00fctz den t\u00f6dlichen Schuss.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Kampf im Walde w\u00fcrfelte die Kompanien, ja die Regimenter durcheinander. Unter F\u00fchrung von Oberleutnant von Brandt und Leutnant der Reserve Schmitz (7.\/81) wurde eine Batterie im Walde gest\u00fcrmt, wobei sich besonders der Feldwebel Port durch sein tollk\u00fchnes Draufgehen auszeichnete. Der Fahnentr\u00e4ger Vizefeldwebel Filbert I\/81 wurde verwundet. \u00dcberall\u00a0 wurde der Franzose geworfen. Im Vorw\u00e4rtsdringen schwenkte die 21. Infanterie-Division aus der anf\u00e4nglich nach Westen gerichteten Angriffsfront allm\u00e4hlich mehr nach S\u00fcden in eine ungef\u00e4hre Linie Assenois-Nordrand Bertrix ein. &#8211;<\/em><\/p>\n<p><em>Der Vormarsch der 5. und 8. Kompanie unter Major Genthe auf dem tief eingeschnittenen Bahnk\u00f6rper, von Schwelle zu Schwelle springend, gestaltete sich bei der gro\u00dfen Hitze recht anstrengend. In der N\u00e4he des Waldrandes, 1 \u00bd Kilometer \u00f6stlich Bertrix, kamen die Kompanien bei Durchschreiten eines Grundes in Artillerie-Strichfeuer, das aber gl\u00fccklich durchlaufen wurde. Die Kompanien gingen durch den Wald und entwickelten sich nebeneinander zum Angriff gegen die Chaussee Bertrix &#8211; Aeremont. Im feindlichen Feuer ging es sprungweise vorw\u00e4rts, hierbei schob sich die 11. Kompanie in die 8. Kompanie hinein. Mit aufgepflanztem Seitengewehr wurde die hochgelegene Chaussee gest\u00fcrmt, der Gegner wich. Hierbei wurde Fahnentr\u00e4ger II. Bataillon, Sergant Ott, verwundet, trotzdem versuchte er noch vorzust\u00fcrmen; als es nicht mehr ging, ergriff Musketier Pfleger, 11.\/81, die Fahne und trug sie vor. Leutnant Adolph, 5. Kompanie, fiel hier durch Kopfschuss. Die Kompanien stie\u00dfen weiter vor. Die 8. Kompanie gelangte so bis auf die letzten H\u00f6hen vor G\u00e9ripont; dort machte die Dunkelheit dem Vordringen ein Ende.<\/em><\/p>\n<p><em>Die schweren Haubitzen des Fu\u00dfartillerie-Regiment 3 konnten nach dem Heraustreten der Infanterie aus dem Waldgel\u00e4nde n\u00f6rdlich Bertrix auffahren. Dadurch wurde die 6.\/81, Hauptmann Frisch, frei. Die 6.\/81 beteiligte sich dann n\u00f6rdlich der Chaussee am Angriff gegen Ochamps.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcber die Gefechtst\u00e4tigkeit der 6. Kompanie berichtet der damalige Kompanie-Chef, Hauptmann Alfred Frisch:<\/em><\/p>\n<p><em>6.\/81 wurde w\u00e4hrend des Vormarsches der 24. Infanterie-Division \u00fcber Neufch\u00e2teau-Recogne auf Bertrix erneut zum Schutz der schweren Artillerie des Brandenburgischen Fu\u00dfartillerie-Regiments Nr. 3 befohlen. Keine angenehme Aufgabe f\u00fcr eine an den Feind dr\u00e4ngende Truppe bei der nahen Aussicht auf eine bevorstehende Schlacht. Die Kompanie wurde auf die lange Artilleriekolonne verteilt. Nach l\u00e4ngerem Halt hart westlich Recogne und anschlie\u00dfend weiterem Vormarsch auf der staubigen Landstra\u00dfe bei gl\u00fchender Hitze nach Bertrix h\u00f6rte man lebhaften Kanonendonner. Die schwere Artillerie machte halt, ich l\u00f6ste die Kompanie sogleich von dem befohlenen Schutz und sammelte nach vorne. Die ersten Verwundeten der im Gefecht stehenden Truppen kamen uns auf der Stra\u00dfe entgegen. &#8211; Der Brigade-Kommandeur, Generalmajor Elstermann von Elster, welcher sich hier auf der Stra\u00dfe befand, ebenso wie der Stab der 21. Infanterie-Division und derjenige des Generalkommandos des XVIII. Armee-Korps, gab mir den Befehl: &#8222;Gehen Sie mit Ihrer Kompanie durch den Wald von Luchy in Richtung Ochamps vor zur Unterst\u00fctzung der 87er, die sich in hartem Kampfe befinden.&#8220; Zur Orientierung wurde mitgeteilt: &#8222;In dem dortigen Waldgel\u00e4nde ist eine belgische Brigade im Vormarsch.&#8220; Die 6. Kompanie war die letzte Infanteriereserve. &#8211; 6.\/81 ging von der Stra\u00dfe \u00fcber eine Wiese nach Durchschneiden der verschiedenen Drahtz\u00e4une in den For\u00eat de Luchy hinein. In dem mit mannshohen Farrenkraut und Gestr\u00fcpp durchwucherten dichten Wald war auf keine 10 Meter Sicht. Nach einer Linksschwenkung, im Glauben von der Richtung abgekommen zu sein, etwa 2 Kilometer im Waldesdickicht, erhielt der ausgeschw\u00e4rmte 1. Zug des Leutnant Hansohm aus n\u00e4chster N\u00e4he Infanteriefeuer. Der sehr t\u00fcchtige tapfere Unteroffizier Stern fiel als Erster durch Kopfschuss, einige Schritte neben mir, mit dem Rufs: &#8222;Da sind sie!&#8220; Dem Zuge Hansohm folgten der 2. Zug des Leutnant Maurhoff und der 3. Zug des Leutnant Stieglitz in Gruppenkolonnen mit weitem Zwischenraum. Zu sehen war nichts. &#8211; Zug Maurhoff wurde rechts neben Zug Hansohm eingesetzt. Wieder \u00fcberraschendes Feuer. Befehl: &#8222;Seitengewehr pflanzt auf!&#8220; Signal &#8222;rasch vorw\u00e4rts!&#8220; Mit Trommelschlag und Hurra st\u00fcrmte die Kompanie durch den Wald. Da, an einer Lichtung angelangt, lag entwickelt auf einer langen breiten Wiese etwa 150 Meter vor uns eine intakte franz\u00f6sische Kompanie, verst\u00e4rkt durch in vorhergehenden Gefechten zerstreute Gruppen in etwa gleicher St\u00e4rke. Durch Schnellfeuer wurde der gr\u00f6\u00dfte Teil des Gegners vernichtet, der Rest ergab sich. Einen ganz verdutzten Offizier , der auf einmal vor mir stand, nahm, ich gleich fest. Leutnant Stieglitz wurde schwer verwundet. &#8211; Wir hatten Gl\u00fcck. Durch unser schnelles Vorgehen waren die Franzosen wohl etwas aus der Fassung geraten. &#8211; Der Gegner war die zweite Kompanie des Infanterie-Regiments 11 unter Kapitain Henri Bastien und Versprengte des 10. und 25. Infanterie-Regiments. &#8211; Gefangen wurden abgef\u00fchrt 1 Major, 2 Kapitaine, 2 Oberleutnants, 1 Leutnant, sowie 56 bis 58 Mann. Zum Teil wurden diese aus unserem Waldst\u00fcck herausgeholt. Um zu verhindern, dass liegengebliebene Verwundete von hinten auf uns schossen, wie dies anderweitig geschah, wurden die Gewehre zerschlagen. Sich tot Stellende wurden durch kr\u00e4ftigen Zuspruch meiner braven Musketiere zum Leben erweckt. &#8211; Musketier Halbedel, Bursche des Leutnant Stieglitz, der seinen Offizier verband, sah sich pl\u00f6tzlich von 3 &#8211; 4 Franzosen angegriffen. Mit gef\u00e4lltem Bajonett ging dieser Brave auf sie los, sie warfen ihre Waffen fort und gaben sich gefangen. Der tapfere Halbedel erhielt mit den ersten das Eiserne Kreuz. &#8211; Musketier Sauer mit blut\u00fcberlaufenem Gesicht und stark zerschossenem Unterkiefer lief mir nach und schwenkte in der Hand eine neue gro\u00dfe Ledertasche, die er vom toten Pferd des franz\u00f6sischen Kapitain abgeschnitten hatte. Neben viel Kartenmaterial und aufschlussreichen geheimen Schriftst\u00fccken enthielt die Tasche 450 Francs in neu gepr\u00e4gten 5 Francs-St\u00fccken, die an das Bataillon weitergingen. Der pflichtgetreue Sauer wurde zum Eisernen Kreuz eingegeben.<\/em><\/p>\n<p><em>Nach kurzem Aufenthalt ging es \u00fcber die Wiese in den Wald hinein. Kaum eingedrungen, ein heftiger Feuer\u00fcberfall auf nahe Entfernung. Es war ein Sausen und Summen in der Luft, man hatte das Gef\u00fchl, in einen dichten Wespenschwarm geraten zu sein. Zum \u00dcberfluss schoss eine von uns zur\u00fcckgebliebene Gruppe von hinten. Mein dabei befindlicher tapferer Spielmann machte dem rasch ein Ende. Er lief an den aufgeregten Sch\u00fctzen entlang und in Ermangelung einer anderen Verst\u00e4ndigung in dem L\u00e4rm, brachte er durch einige wohlgemeinte P\u00fcffe mit dem Stiefel das Feuer rasch zum Einstellen. Kommandos drangen nicht durch. Durch Trillern der Signalpfeife konnte endlich abgestoppt und Ruhe zur Aufrechterhaltung der Feuerdisziplin geschaffen werden, um dann gleich das Feuer erneut lebhaft aufzunehmen. Die Feuer\u00fcberlegenheit wurde gewonnen, der Franzose in die Flucht geschlagen. Einige seiner Toten und schwer Verwundete lagen vor uns. &#8211; Der Wald war ges\u00e4ubert, der Weg nach Ochamps frei. Sp\u00e4ter stie\u00dfen wir auf die gro\u00dfe Stra\u00dfe und erreichten an dunklen Abend um 9.30 Uhr Ochamps. Die Aufgabe war erf\u00fcllt. Verluste der Kompanie: 4 Tote, darunter Unteroffizier Stern und Musketier Klees, 14 Verwundete, zum Teil schwer darunter Leutnant Stieglitz und Musketier Sauer.<\/em><\/p>\n<p><em>An allen Stellen wich gegen Abend der Feind. Verfolgt vom Feuer der Artillerie, artete der R\u00fcckzug der Franzosen in reglose Flucht aus. Gegen 8.15 Uhr abends ist das Gefecht beendet. Das Regiment sammelte sich auf Befehl des Regiments-Kommandeurs an der Wegegabel Ossange-Bertrix und Recogne-Fays les Veneurs, westlich der Bahn, bei einem lichterloh brennenden Hause.<\/em><\/p>\n<p><em>Der 22. August 1914 wird immer in der Geschichte des Regiments ein Ruhmestag bleiben. Allerdings unter gro\u00dfen Blutopfern hatte die 21. Infanterie-Division einen f\u00fcr die franz\u00f6sischen Waffen folgenschweren Sieg errungen. Das franz\u00f6sische XVII Armee-Korps, welches gegen die 21. Infanterie-Division gefochten hatte, war restlos vernichtet worden.<\/em><\/p>\n<p><em>Vom Regiment haben in der Schlacht von Bertrix neben vielen braven Unteroffizieren und Mannschaften den Heldentod gefunden: die Hauptleute Hilken, Bullrich und der Reserve Hahn; letzterer starb wenige Tage nach der Schlacht an den erlittenen Verletzungen. Ferner waren gefallen die Leutnants Adolh, der Reserve He\u00df, Resardt, der Reserve Tamm und von Wittgenstein.<\/em><\/p>\n<p><em>Verwundet waren die Hauptleute Rhein (12. Kompanie) und von Frankenberg (11. Kompanie), die Leutnants Freytag, G\u00fcnther Frisch, F\u00e4hnrich Pfeffer, Leutnant Orth, Stieglitz, von Wartenberg, von Boehn, Offizier-Stellvertreter Custodes.<\/em><\/p>\n<p><em>Dem Kommandeur des I.\/81, Major von Rostitz, hatte ein Infanteriegeschoss den Backenknochen zerschmettert. Leicht verwundet war Hauptmann Lueder, er lie\u00df sich auf dem Schlachtfelde verbinden und verblieb bei seiner Kompanie.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcber einzelne Erlebnisse in der Schlacht berichtet Major von Nostitz:<\/em><\/p>\n<p><em>W\u00e4hrend des Vormarsches auf Bertrix h\u00f6rte man gegen 3.30 Uhr nachmittags vorne lebhaftes Infanteriefeuer. Die Marschkolonne hielt, Seine Hoheit der Prinz befahl mir, bei der Truppe zu bleiben, w\u00e4hrend er selbst nach vorne ritt. In der Vermutung, dass die Chaussee bald unter feindlichem Artilleriefeuer liegen w\u00fcrde, nahm ich die 4. Kompanie, Oberleutnant von Brandt, und die 1. Kompanie, Hauptmann Hilken, rechts von der Chaussee in den Wald hinein, die beiden anderen Kompanien, Hauptmann Bullrich und Lueder, links von der Chaussee herunter. Als der Prinz zur\u00fcckgekehrt war, gab er Befehl: &#8222;Vorhut ist \u00fcberraschend ins Gefecht getreten. Das I.\/81 verl\u00e4ngert links das Infanterie-Regiment 88.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Ich befahl der 2. und 3. Kompanie, sich links der Chaussee im Walde zu entwickeln und vorzugehen, die 1. und 4. Kompanie sollte diesen folgen. Dieser Befehl hatte diese beiden Kompanien nicht mehr erreicht. Beide waren bereits in n\u00f6rdlicher Richtung vorgegangen gegen ein franz\u00f6sisches Artillerie-Regiment, das auf dem Waldwege marschierte. Hier entwickelten sich schwere, aber siegreiche K\u00e4mpfe, die zur v\u00f6lligen Vernichtung des Gegners f\u00fchrten. Die ganze Bespannung der Gesch\u00fctze lag erschossen in den Sielen.<\/em><\/p>\n<p><em>Inzwischen waren die 2. und 3. Kompanie auf s\u00fcdlicher Seite der Chaussee gegen Bertrix vorgegangen. Eigene Artillerie fuhr dicht hinter uns auf. Am Waldrand angekommen, hatten wir auf 600 Meter franz\u00f6sische Sch\u00fctzen vor uns. Die 2. und 3. Kompanie entwickelten sich zum Angriff. Das III. und II. Bataillon war links gestaffelt von uns eingesetzt. Hiernach machte ich Seine Hoheit Meldung und begab mich selbst auf die Nordseite der Chaussee, wo ich bei der Kompanie Bullrich, die im Laufe des Angriffs auf die Nordseite gelangt war, eine schwierige und v\u00f6llig ungekl\u00e4rte Lage fand. Eingedenk &#8222;Schlieffenscher Mahnung&#8220; in solchen F\u00e4llen von der Flanke her Erleichterung zu schaffen, eilte ich wieder auf die s\u00fcdliche Chaussee, um hier den Angriff vorzutreiben. Unter einer Tanne lag schwer verwundet der Leutnant Freytag. Wenige Tage vorher hatte mir sein Vater ihn besonders ans Herz gelegt. Ich musste weiter vor. Unsere Sch\u00fctzen, von F\u00fcsilieren 80 verst\u00e4rkt, waren bis auf 150 Meter an den Feind herangekommen. Links von uns sah man die Sch\u00fctzen von II\/81. Die hinter uns stehende Batterie schoss gl\u00e4nzend. Ich lie\u00df den Bataillons-Tambour Kaiser blasen: &#8222;Seitengewehr pflanzt auf!&#8220; und &#8222;schnell vorw\u00e4rts!&#8220; Im Schritt gingen wir an die Franzosen heran. Einige 100 Meter links von mir sah ich den Prinzen, er ging 20 Schritt vor den Sch\u00fctzen, neben ihm die Fahne des II. Bataillons, das er im Frieden einst gef\u00fchrt hatte. Die Franzosen waren gr\u00f6\u00dftenteils durch das Artilleriefeuer erledigt, was noch am Leben, ergab sich, wir nahmen ihnen die Waffen ab. Auch n\u00f6rdlich der Chaussee sah ich jetzt unsere Sch\u00fctzen vorgehen. Bei weiterem Angriff haschte mich auf der Chaussee ein franz\u00f6sisches Infanteriegeschoss, zerschlug mir den Backenknochen und warf mich in den Chausseegraben; als ich wieder aufstehen konnte, brachte mich der Unteroffizier Heye mit noch zwei Mann zum Verbandplatz, den ich gegen 7 Uhr abends erreichte. Unsere \u00c4rzte hatten sich dicht neben einem heruntergeschossenen deutschen Flieger aufgebaut. Die Verwundeten mehrten sich. Frankenberg, Wartenberg und Rhein sa\u00dfen neben mir. Als es ganz dunkel war, kam der Prinz zu uns. Wir sprachen \u00fcber das Gefecht, wie gut uns die Artillerie geholfen hatte, wie tapfer die Batterien vor dem Walde aufgefahren waren, obgleich sie erwarten mussten, hierbei sofort vom Feinde zugedeckt zu werden. Die Blutopfer aber hatten unsere brave Infanterie gebracht. Besonders mein I. Bataillon hatte schwer gelitten. Erst nach Jahren erfuhr ich die Lage beim Gegner. Unser Gegner, das XVII. franz\u00f6sische Armee-Korps, war mit seinen 4 Brigaden auf unsere Division gesto\u00dfen. Nacheinander hatten wir diese Brigaden restlos vernichtet und die franz\u00f6sische Linie durchbrochen. Hierdurch wurde die schwierige Lage der links neben uns fechtenden 25. Infanterie-Division erleichtert. Die Stellung dieses feindlichen Korps war nun in der Flanke bedroht, es musste zur\u00fcckgenommen werden. Der franz\u00f6sische Armeef\u00fchrer, General Langle de Cary, befahl, dass seine Armee am anderen Tage den Angriff wiederholen sollte. Es war nicht m\u00f6glich, er musste den Angriffsbefehl zur\u00fccknehmen. Dort, wo sein XVII. Armee-Korps stehen sollte, klaffte eine weite L\u00fccke. &#8211; Wie mir sp\u00e4ter noch in Sedan erz\u00e4hlt wurde, soll der General Vollemejean, nachdem er seinem Armeef\u00fchrer Bericht erstattet hatte, von eigener Hand gefallen sein. &#8211;<\/em><\/p>\n<p><em>Der damalige Chef der 5.\/81, Hauptmann von Oppeln-Bronikowski, berichtet \u00fcber diesen Tag:<\/em><\/p>\n<p><em>5. und 8. Kompanie marschierten mit vorgenommener Spitze auf dem eingeschnittenen Bahndamm bis an den Waldrand von Bertrix. Am Waldrand wurde entwickelt, 5. Kompanie rechts, 6. Kompanie links, jede Kompanie zwei Z\u00fcge in erster Linie. Bei mir folgte Leutnant Adolph mit dem dritten Zuge in Reserve. Vor uns war Wiesengel\u00e4nde mit drei- bis vierfachen Drahtz\u00e4unen. Vom Feinde war nichts zu sehen. In Spr\u00fcngen ging es vorw\u00e4rts. Als wir den Bahndamm, der im gro\u00dfen Bogen um Bertrix herumf\u00fchrt, erreichten, sahen wir die ersten Franzosen. Erste Verluste! Ich selbst schoss mit Feldwebel Zwier von hier aus stehend freih\u00e4ndig, weil wir im Liegen nichts sehen konnten. Der Franzose stand gleichfalls in den Kornfeldern und schoss auf uns. Als die Leute rechts und links von uns verwundet wurden, rief mir Zwier zu: &#8222;Herr Hauptmann, wir m\u00fcssen hier fort.&#8220; &#8211; Ich \u00fcberschritt dann mit der 5. Kompanie den steilen Bahndamm, jenseits desselben nisteten wir uns ein und blieben dort bis zum Abmarsch ins Biwak liegen. Am Bahndamm erlitt Leutnant Adolph, als er selbst stehend freih\u00e4ndig schoss, durch Kopfschuss den Heldentod. Mit ihm verlor 5.\/81 ihre beste und tapferste St\u00fctze! Er hatte mich gebeten, mit seinem Zuge stets vorne sein zu d\u00fcrfen. Am 22. August stand er mit seinem Zuge zuf\u00e4llig an 3. Stelle und kam in die zweite Linie. Als erster fand er den Heldentod. -.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Man begrub Anold Tamm auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Vladslo&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0,&quot;3&quot;:1}}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/goo.gl\/maps\/eDYQD7bmSYk&quot;;&quot;Vladslo&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/eDYQD7bmSYk\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/eDYQD7bmSYk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vladslo<\/a><\/span> in Block 9, Grab 1.467.<\/p>\n<p>In Lich gedenkt man Arnold Tamm noch heute auf einem Denkmal: <a href=\"http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/2013\/lich_stadtkirche_lk-giessen_wk2_hs.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/2013\/lich_stadtkirche_lk-giessen_wk2_hs.html<\/a><\/p>\n<figure id=\"attachment_41667\" aria-describedby=\"caption-attachment-41667\" style=\"width: 750px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-41667\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Arnold-Tamm-Grabstein-Giessen.jpg\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"1000\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Arnold-Tamm-Grabstein-Giessen.jpg 750w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Arnold-Tamm-Grabstein-Giessen-225x300.jpg 225w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Arnold-Tamm-Grabstein-Giessen-600x800.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-41667\" class=\"wp-caption-text\">Grabstein mit Erinnerungsinschrift f\u00fcr Arnold Tamm<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einem Spaziergang auf dem Alten Friedhof in Gie\u00dfen wurde ich auf folgendes Schicksal aufmerksam: Der Soldat Arnold Tamm wurde am 17.03.1882 in B\u00fcdingen im heutigen Bundesland Hessen geboren. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpft er als Leutnant der Reserve in der 12. Kompanie des 81. Infanterie-Regiments. 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