{"id":41687,"date":"2022-10-28T12:00:03","date_gmt":"2022-10-28T10:00:03","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=41687"},"modified":"2022-10-25T08:55:09","modified_gmt":"2022-10-25T06:55:09","slug":"sonderbeitrag-otto-ackermann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=41687","title":{"rendered":"SONDERBEITRAG: Otto Ackermann"},"content":{"rendered":"<p>Bei einem Spaziergang \u00fcber den Alten Friedhof in Gie\u00dfen stie\u00df ich auf die Gedenkplatte f\u00fcr Otto Ackermann. Er wurde am 23.03.1874 in Gie\u00dfen im heutigen Bundesland Hessen geboren. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Leutnant der Landwehr in der 12. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Ende 1914 wurde er als vermisst gemeldet. Sp\u00e4ter, Anfang 1915 meldete die Verlustliste, er sei in Gefangenschaft geraten. Ende 1917 korrigierten sich die Milit\u00e4rbeh\u00f6rden via Verlustliste. Demnach gilt Otto Ackermann als seit dem 31.10.1914 als bei Le <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Parvillers-le-Quesnoy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quesnoy en Santerre<\/a> (heute Parvillers-le-Quesnoy) an der Somme vermisst. Er wurde 40 Jahre alt.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Otto Ackermann berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Der Feind hat mit starken Kr\u00e4ften das von der 21. Infanterie-Division verteidigte Le Quesnoy-en-Santerre \u00fcberrumpelt und weggenommen!&#8220; Wie ein Blitz schlug diese Meldung am Abend des 30. Oktober beim Regiment ein. Sofort wurde alarmiert. Um 10 Uhr nachmittags r\u00fcckten die Bataillone nach Fresnoy vor. Dort hie\u00df es, es sei alles wieder in Ordnung, Le Quesnoy sei wieder unser, die Regimenter 81 und 88 h\u00e4tten es den Franzosen wieder entrissen. Die Unsicherheit der einlaufenden Meldungen war nie so gro\u00df wie an diesem Tage. Die Bataillone r\u00fcckten weiter vor nach Damery, wo sie um 4 Uhr vormittags ankamen. Dort kam neue Meldung von vorn: Le Quesnoy ist zum zweiten Male von den Franzosen genommen worden. Nun wurde das Regiment gegen das Dorf angesetzt. Rechts der Stra\u00dfe Damery-Quesnoy sollte das III. Bataillon mit vier Maschinengewehren vorgehen, an der Stra\u00dfe selbst und links davon das I. mit zwei Maschinengewehren. Das II. Bataillon hatte sich schon zwei Stunden zuvor in Anlehnung an diese Stra\u00dfe entwickelt und lag bereits weit vorn im Felde. Ein lichterloh brennendes Haus in Le Quesnoy gab den in der Dunkelheit vorr\u00fcckenden Kompanien die Marschrichtung an. Eine Zeitlang schien es, als ob alles gut ablaufen sollte. Die Bataillone kamen vor, wenn auch mit Verlusten. Bald waren sie auf Sturmstellungen an den Feind heran. Er lag wieder vor dem Dorfrand, gedeckt durch Gr\u00e4ben und Hecken. An einigen Stellen hatten sich die Kompanien bis auf 50 Meter an ihn herangearbeitet. Aber hier, so nahe am Ziel, sollte jetzt ein Schauspiel anheben, so ungeheuer und f\u00fcrchterlich, dass es den wenigen, die es \u00fcberlebt haben, nie aus dem Ged\u00e4chtnis entschwinden wird. Einzelne Kompanien, auch Z\u00fcge und Gruppen st\u00fcrmten vor. Ein rasendes Feuer m\u00e4hte sie nieder. Was noch lebt, springt eiligst in die Deckung zur\u00fcck. Ein zweiter und dritter Versuch missgl\u00fcckt ebenso. Dann gibt es ein Zuwarten. Aber jede Verbindung nach rechts und links fehlt, und die Nachbartruppen schaffen keine Abhilfe gegen sas schreckliche Flankenfeuer. Meldungen nach hinten sind unm\u00f6glich. Was die Deckung verl\u00e4sst, wird abgeschossen. Nirgends Hilfe, jeder ist auf sich selbst angewiesen. Von neuem wird der Sturm versucht. Mit gezogenem Degen st\u00fcrmt Offizierstellvertreter Ohly seiner 6. Kompanie voran. Er f\u00e4llt, die meisten seiner Braven mit ihm. Dem Oberleutnant der Reserve Frank von der 11. Kompanie gelingt es, mit seiner kleinen unerschrockenen Schar durch die Hecke durchzusto\u00dfen und sich ins Handgemenge mit dem Gegner zu st\u00fcrzen. Aber das H\u00e4uflein ist zu schwach, erliegt der \u00dcbermacht, und keiner von ihnen kehrt mehr zur\u00fcck. Das gleiche Geschick ereilt den F\u00fchrer der Leibkompanie, Oberleutnant Bethge, und den Adjutanten des I. Bataillons, Leutnant der Reserve Desch, mit ihren treuen Kameraden. Umsonst ist aller Heldenmut, umsonst jede pflichttreue Aufopferung. So vergeht Stunde auf Stunde in qualvoller, hoffnungsloser Lage. Mit Bangen wird der Abend erwartet.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber auch der sollte keine Besserung bringen. Hunger und Durst qu\u00e4len die durch Anstrengung des Tages zu Tode Ermatteten. Aber es kann nichts nach vorn geschafft werden. Die mondhelle Nacht l\u00e4sst keine Verbindung zu. Was den Kopf \u00fcber die Deckung streckt, ist verloren. Abgeschnitten von allem, gefangen wie in einer Falle! Kein Essen, kein Trinken, kein Munitionsersatz. Und doch wird der Entschluss, das Dorf zu st\u00fcrmen, nicht aufgegeben: Drei Bataillone von den Regimentern 87 und 88 r\u00fccken im Laufe der Nacht nach vorn. Aber es gelingt ihnen nicht einmal, bis in H\u00f6he unserer vorderen Kompanien zu kommen; 200 Meter dahinter m\u00fcssen sie liegenbleiben und Schutz suchen gegen die alles niederm\u00e4henden feindlichen Maschinengewehre.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Bis heute konnte man seine Gebeine nicht finden bzw. identifizieren. Es k\u00f6nnte sein, dass sie anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Montdidier&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0,&quot;3&quot;:1}}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/80500+Montdidier,+Frankreich\/@49.6475108,2.2859896,10z\/data=!4m5!3m4!1s0x47e7c036b35bcab7:0x40af13e816200e0!8m2!3d49.647007!4d2.566932&quot;;&quot;Montdidier&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/80500+Montdidier,+Frankreich\/@49.6475108,2.2859896,10z\/data=!4m5!3m4!1s0x47e7c036b35bcab7:0x40af13e816200e0!8m2!3d49.647007!4d2.566932\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/80500+Montdidier,+Frankreich\/@49.6475108,2.2859896,10z\/data=!4m5!3m4!1s0x47e7c036b35bcab7:0x40af13e816200e0!8m2!3d49.647007!4d2.566932\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Montdidier<\/a><\/span> begraben wurde, wo auch zwei seiner Kameraden begraben wurden, die am gleichen Tag fielen, u. a.<\/p>\n<ul>\n<li>Kriegsfreiwilliger Hans Rumpf, gefallen am 31.10.1914 bei Quesnoy-en-Santerre, begraben auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Montdidier&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0,&quot;3&quot;:1}}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/80500+Montdidier,+Frankreich\/@49.6475108,2.2859896,10z\/data=!4m5!3m4!1s0x47e7c036b35bcab7:0x40af13e816200e0!8m2!3d49.647007!4d2.566932&quot;;&quot;Montdidier&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/80500+Montdidier,+Frankreich\/@49.6475108,2.2859896,10z\/data=!4m5!3m4!1s0x47e7c036b35bcab7:0x40af13e816200e0!8m2!3d49.647007!4d2.566932\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/80500+Montdidier,+Frankreich\/@49.6475108,2.2859896,10z\/data=!4m5!3m4!1s0x47e7c036b35bcab7:0x40af13e816200e0!8m2!3d49.647007!4d2.566932\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Montdidier<\/a><\/span> in einem Massengrab;<\/li>\n<li>Oberleutnant Wolfgang Frank, geboren am 24.03.1876 in Oberlais, gefallen am 31.10.1914 bei Quesnoy-en-Santerre, begraben auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Montdidier&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0,&quot;3&quot;:1}}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/80500+Montdidier,+Frankreich\/@49.6475108,2.2859896,10z\/data=!4m5!3m4!1s0x47e7c036b35bcab7:0x40af13e816200e0!8m2!3d49.647007!4d2.566932&quot;;&quot;Montdidier&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/80500+Montdidier,+Frankreich\/@49.6475108,2.2859896,10z\/data=!4m5!3m4!1s0x47e7c036b35bcab7:0x40af13e816200e0!8m2!3d49.647007!4d2.566932\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/80500+Montdidier,+Frankreich\/@49.6475108,2.2859896,10z\/data=!4m5!3m4!1s0x47e7c036b35bcab7:0x40af13e816200e0!8m2!3d49.647007!4d2.566932\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Montdidier<\/a><\/span> in einem Massengrab.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_41688\" aria-describedby=\"caption-attachment-41688\" style=\"width: 750px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-41688\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Otto-Ackermann.jpg\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"1000\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Otto-Ackermann.jpg 750w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Otto-Ackermann-225x300.jpg 225w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Otto-Ackermann-600x800.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-41688\" class=\"wp-caption-text\">Gedenkplatte f\u00fcr Otto Ackermann auf einem Grabstein auf dem Gie\u00dfener Alten Friedhof<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einem Spaziergang \u00fcber den Alten Friedhof in Gie\u00dfen stie\u00df ich auf die Gedenkplatte f\u00fcr Otto Ackermann. 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