{"id":43329,"date":"2023-01-01T18:00:19","date_gmt":"2023-01-01T17:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=43329"},"modified":"2024-04-21T07:36:04","modified_gmt":"2024-04-21T05:36:04","slug":"sonderbeitrag-graf-friedrich-von-spreti","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=43329","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: Graf Friedrich von Spreti"},"content":{"rendered":"<p>Bei meinen Recherchen zu einem Gefallenen des bayerischen Leib-Infanterie-Regiments stie\u00df ich auf das Schicksal von Graf Friedrich von Spreti.<\/p>\n<p>Graf Friedrich von Spreti wurde am 31.01.1870 in M\u00fcnchen geboren. Er war Adjutant des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinrich_von_Bayern_(1884%E2%80%931916)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prinzen Heinrich von Bayern<\/a>. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Hauptmann und Chef der 11. Kompanie des bayerischen Infanterie-Leib-Regiments. Am 27.08.1914 fiel er im Alter von 44 Jahren bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nossoncourt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nossoncourt<\/a> (Volksbund: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Donci%C3%A8res\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Donci\u00e9res<\/a>).<\/p>\n<figure id=\"attachment_43333\" aria-describedby=\"caption-attachment-43333\" style=\"width: 1375px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-43333\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2031\/02\/Nossoncourt.jpg\" alt=\"\" width=\"1375\" height=\"327\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2031\/02\/Nossoncourt.jpg 1375w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2031\/02\/Nossoncourt-300x71.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2031\/02\/Nossoncourt-800x190.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2031\/02\/Nossoncourt-768x183.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1375px) 100vw, 1375px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-43333\" class=\"wp-caption-text\">Nossoncourt<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Graf Friedrich von Spreti berichtet die Regimentsgeschichte des bayerischen Infanterie-Leib-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;27. August 3.30 Uhr vormittags geht der Regimentsstab in seinen Unterstand. Unter &#8222;Unterstand&#8220; verstehe man hier einen nassen Stra\u00dfengraben, darunter ein Brett und darauf ein paar von einem Apfelbaum gepfl\u00fcckte Zweige. In diesem Unterstande liegend, f\u00fchlte man sich aber k\u00f6stlich geborgen gegen jederlei Gefahr. Allm\u00e4hlich wird es hell, doch unabl\u00e4ssig str\u00f6mt der Regen. Wir erkennen, wie ung\u00fcnstig unsere Bataillone in den nachts \u00fcbernommenen Stellungen liegen. Ab 10 Uhr vormittags schl\u00e4gt heftigstes Artilleriefeuer von drei Seiten auf uns ein; meist ist es schwere Artillerie, die uns aufs Korn nimmt. Feindliche Infanterie ist aber nirgends sichtbar. Das II. Bataillon in Nossoncourt kann sich halten, das III. Bataillon dagegen auf der H\u00f6he nordostw\u00e4rts Nossoncourt liegt dort unter derart schwerem Artilleriefuer, dass es Major Epp auf die H\u00f6he \u00f6stlich Bazien zur\u00fccknimmt. Herrgott, was ist es bedr\u00fcckend, stundenlang unt\u00e4tig in schwerem Artilleriefeuer zu liegen, zusammengeschossen zu werden und sich nicht wehren zu k\u00f6nnen! Was ist denn eigentlich mit unserer Artillerie? Warum schie\u00dft sie nicht? Wenn wir damals geahnt h\u00e4tten, dass unsere Artillerie, jetzt in den ersten Tagen des Krieges schon, empfindlich an Munitionsmangel litt! Leider hatte sie aber auch schon schwere Verluste gehabt, die wohl auch darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren waren, dass die Batterien grunds\u00e4tzlich, wie im Man\u00f6ver, stets auf den h\u00f6chsten H\u00f6hen in Feuerstellung gingen. &#8211; <\/em><\/p>\n<p><em>2 Uhr nachmittags kam der Befehl zum Angriff. Wie eine Erl\u00f6sung wurde er begr\u00fc\u00dft. In sch\u00e4rfstem feindlichem Artilleriefeuer geht es vorw\u00e4rts. Schon liegt Nossoncourt hinter uns, als nunmehr auch aus dem vor uns liegenden Waldgel\u00e4nde Infanterie uns unter Feuer nimmt. Hauptmann Freiherr von Stengel und Leutnant der Reserve Matthaei werden verwundet. Um sich dem &#8222;Bois de la Grande Coinche&#8220; zu n\u00e4hern, muss eine breite Wiesenmulde \u00fcberschritten werden. Die Bataillone f\u00fchren ihre Bewegung wie bei einer Regimentsbesichtigung aus. Bald springt hier eine Sch\u00fctzenlinie vor, bald dort; hier wiederum sieht man einen geschlossenen Zug vorst\u00fcrzen, dort schleicht sich ein Zug in Reihenkolonne vorw\u00e4rts. Und alle haben daselbe Ziel, das Bois de la Grande Coinche, das heute noch unser werden soll.Bei blutrot untergehender Sonne treten die Bataillone zum Sturme an. Der Wald ist erreicht; hier und dort dringen Kompanien hinein. Wildes Geschie\u00dfe allerorts. Der 6. Kompanie kommen 50 Franzosen unter F\u00fchrung eines Offiziers, der eine wei\u00dfe Fahne tr\u00e4gt, entgegen; sie haben die Gewehre umgeh\u00e4ngt und sagen, sich ergeben zu wollen. Im gleichen Augenblick aber knallen aus B\u00fcchsen und von B\u00e4umen herab wohlgezielte Sch\u00fcsse auf die sorglosen Leiber; viele von ihnen w\u00e4lzen sich in ihrem Blute. Die \u00fcberlebenden Kameraden aber zahlen dem Feinde den meuchlerischen \u00dcberfall geb\u00fchrend heim, und bald war die Rechnung wieder quitt.<\/em><\/p>\n<p><em>Als letzte der Kompanien drang die 11. Kompanie, die sich der Regimentsf\u00fchrer als Reserve zur\u00fcckbehalten hatte, in den Wald. Hiebei fand der sie begleitende F\u00fchrer des III. Bataillons, der tapfere und allseits beliebte Hauptmann Graf Spreti, durch ein verlorenes Geschoss den Heldentod. W\u00e4hrend nun alle Leiberkompanien im Walde verschwunden waren, standen unsere beiden Nachbarabteilungen, das 20. und 2. Infanterie-Regiment, noch im Kampfe vor dem Walde. Lange noch tobte, auch l\u00e4ngst noch nach eingebrochener Dunkelheit, das Infanteriefeuer, und grausig klangen die Salven, mit denen die Franzosen unsere vorw\u00e4rtsdr\u00e4ngenden Kompanien \u00fcbersch\u00fctteten. 11 Uhr abends endlich lie\u00df das Feuer nach; nun war es aber auch an der Zeit, dass der Regimentsf\u00fchrer seine Bataillone wieder fest in die Hand bekam. Er nahm daher einige r\u00fcckw\u00e4rtige Kompanien aus dem Walde heraus; am Waldrand sammelten sie. Sie sangen die Wacht am Rhein; und von hier, von dort ert\u00f6nte das Lied als Antwort auch aus dem Walde. So war gekl\u00e4rt, wo unsere Kompanien standen. Auch der Feind tat uns den Gefallen und tat uns seine Lage kund durch den Gesang der Marseillaise. Allm\u00e4hlich wurden alle Kompanien aus dem Walde zur\u00fcckgenommen; unter dem Schutze schwacher, im Walde belassener Posten sammelten und ordneten sich die Bataillone unmittelbar am Waldrande und legten sich hier todm\u00fcde zur Ruhe. Vorher aber noch beerdigten wir unsere Toten, und die 11. Kompanie zimmerte ihrem toten Chef im tr\u00fcben Licht eines brennenden Reisighaufens ein kunstvoll Kreuz. Beim Regimentsstabe wurden die Verwundeten, etwa 100 an der Zahl, zusammengetragen. Doch keiner unserer \u00c4rzte war da. Diese hatten heute Morgen schon vollauf zu tun und hatten den Anschluss an das Regiment verloren. So halfen wir denn den Verwundeten selbst, so gut es ging, reichten ihnen Wasser, betteten sie auf herbeigeschafftes Stroh und legten Notverb\u00e4nde an. Ganz besonders hat sich um sie die ganze Nacht hindurch der Vizefeldwebel der Reserve von der Osten verdient gemacht und ihnen manch Liebeswerk getan. &#8211; Die gestrigen und heutigen K\u00e4mpfe hatten kund getan, dass wir nunmehr an das Vorgel\u00e4nde des hervorragend zur Verteidigung eingerichteten franz\u00f6sischen Festungsg\u00fcrtels angeprallt waren. In dieses weiter vorzusto\u00dfen w\u00e4re ohne st\u00e4rkste Artillerieunterst\u00fctzung Wahnsinn und nutzlose Aufopferung gewesen. Aber auch operativ kam ein weiteres Vorgehen gegen das Festungsgel\u00e4nde nicht mehr in Frage. So galt es denn jetzt nur mehr, die erreichten Stellungen zu behaupten.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Man begrub Graf Friedrich von Spreti auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Bertrimoutier&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0,&quot;3&quot;:1}}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bertrimoutier&quot;;&quot;Bertrimoutier&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bertrimoutier\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bertrimoutier\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bertrimoutier<\/a><\/span> in Block 1, Grab 223.<\/p>\n<p>In Obersendling gedenkt man Graf Friedrich von Spreti noch heute auf einem Denkmal: <a href=\"http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/2022\/obersendling-schuetzen_stadt-muenchen_wk1.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/2022\/obersendling-schuetzen_stadt-muenchen_wk1.html<\/a><\/p>\n<figure id=\"attachment_43330\" aria-describedby=\"caption-attachment-43330\" style=\"width: 716px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-43330\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Graf-Friedrich-von-Spreti.jpg\" alt=\"\" width=\"716\" height=\"865\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Graf-Friedrich-von-Spreti.jpg 716w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Graf-Friedrich-von-Spreti-248x300.jpg 248w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Graf-Friedrich-von-Spreti-662x800.jpg 662w\" sizes=\"auto, (max-width: 716px) 100vw, 716px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-43330\" class=\"wp-caption-text\">Graf Friedrich von Spreti<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_51305\" aria-describedby=\"caption-attachment-51305\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-51305\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Vilsheim-Gundihausen-Muenchsdorf-vorne.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"630\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Vilsheim-Gundihausen-Muenchsdorf-vorne.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Vilsheim-Gundihausen-Muenchsdorf-vorne-300x236.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Vilsheim-Gundihausen-Muenchsdorf-vorne-768x605.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-51305\" class=\"wp-caption-text\">Sterbebild der Gemeinde Vilsheim, Gundihausen und M\u00fcnchsdorf, auch f\u00fcr Graf Friedrich von Spreti<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei meinen Recherchen zu einem Gefallenen des bayerischen Leib-Infanterie-Regiments stie\u00df ich auf das Schicksal von Graf Friedrich von Spreti. 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