{"id":46865,"date":"2023-04-26T12:00:35","date_gmt":"2023-04-26T10:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=46865"},"modified":"2023-04-19T20:57:21","modified_gmt":"2023-04-19T18:57:21","slug":"die-maenner-des-ersten-weltkrieges-sonderbeitrag-frankfurter-volkszeitung-13-wilhelm-schmelzeisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=46865","title":{"rendered":"Die M\u00e4nner des Ersten Weltkrieges \u2013 Sonderbeitrag Frankfurter Volkszeitung 13: Wilhelm Schmelzeisen"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Wilhelm Schmelzeisen stammte aus der hessischen Gemeinde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Birstein\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Birstein<\/a>. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Grenadier in der 6. Kompanie des 3. Garde-Regiment, nicht wie in seiner Todesanzeige angegeben im 3. Grenadier-Regiment zu Fu\u00df. Am 16.03.1915 fiel er w\u00e4hrend der Winterschlacht in der Champagne. Er w\u00e4hrend w\u00e4hrend der K\u00e4mpfe an der H\u00f6he 196 bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Minaucourt-le-Mesnil-l%C3%A8s-Hurlus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Minaucourt-le-Mesnil-l\u00e8s-Hurlus<\/a> get\u00f6tet.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Wilhelm Schmelzeisen berichtet die Regimentsgeschichte des 3. Grenadier-Regiments zu Fu\u00df:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Schwerster Kampftag<\/em><\/p>\n<p><em>Der hei\u00dfeste Tag der K\u00e4mpfe vor Le Mesnil wurde der 16. M\u00e4rz. Bereits um 5.45 Uhr vormittags setzte starkes Infanteriefeuer gegen den rechten Abschnitt A ein. Der Gegner brach auch zum Angriff vor, kam aber nur wenig \u00fcber die eigenen Gr\u00e4ben hinaus, da ihn unser Feuer fasste. Wahrscheinlich war, wie wir es in Perthes erlebt hatten, auch nur eine T\u00e4uschung beabsichtigt, die uns zu einer m\u00f6glichst engen Grabenbesatzung veranlassen sollte. Systematisch begann der Gegner nun ein verheerendes Minenfeuer auf die rechten Fl\u00fcgelkompanien. Der vorbildlich tapfere Leutnant von Pannwitz fiel, Leutnant der Reserve Albrecht wurde am Halse verwundet, die Verluste h\u00e4uften sich mehr und mehr, schlie\u00dflich gelang es starken feindlichen Kr\u00e4ften trotz tapferster Gegenwehr an mehreren Stellen, die vorderste Stellung zu durchbrechen und sich im R\u00fccken der Kompanien des Bataillons Plehwe einzunisten. Trotz dieser verzweifelten Lage hielten sich die Besatzungen.<\/em><\/p>\n<p><em>Da kam von dem Nachbarbataillon des Infanterie-Regiment 68, dem linken Fl\u00fcgelregiment des VIII. Armee-Korps die Meldung, dass es umgangen sei und deshalb noch weiter zur\u00fcckgehen m\u00fcsse. Zugleich kam dringend von dem Bataillons-Adjuntant selbst \u00fcberbracht die Bitte um Hilfe. Das schon stark geschw\u00e4chte Regiment gab die 2. und 4. Kompanie ab zur Unterst\u00fctzung der gef\u00e4hrdeten Kameraden in der rechten Flanke. Es war aber unter diesen Umst\u00e4nden unm\u00f6glich, die vorderste Stellung zu halten, da sie im R\u00fccken bedroht rechts vollkommen in der Luft hing. Um 5 Uhr nachmittags gab das Regiment den Befehl, die vorderste Stellung zu r\u00e4umen und auf die alte Artilleriestellung zur\u00fcckzugehen, die bereits von Teilen des Bataillons Grolman besetzt war. Mit bewundernswerter Tapferkeit schlugen sich die schwachen Kr\u00e4fte durch den \u00fcberlegenen Feind hindurch und wurden in der Schlucht von ihrem Kommandeur, Hauptmann von Plehwe, gesammelt. Die Leute waren von den furchtbaren Anstrengungen und den grauenhaften Bildern, die sich ihnen in dem Kampf geboten hatten, vollkommen ersch\u00f6pft und teilweise so verwirrt, dass nur ein Teil von ihnen gleich wieder in Stellung gehen konnte.<\/em><\/p>\n<p><em>Der zweite Brennpunkt des Kampfes war die Stellung am Sanit\u00e4tsgraben. Auch hier setzte schon am fr\u00fchen Morgen starkes Artilleriefeuer ein, das um 11.30 Uhr durch ein verheerendes Minenfeuer verst\u00e4rkt wurde. Trotz Verschiebungen der Grabenbesatzung konnte auch hier nicht starke Verluste vermieden werden. Nach und nach wurden die 1. und 3. Kompanie von dem Reservebataillon des Abschnitts A eingesetzt, die teilweise am Sanit\u00e4tsgraben wie z. B. der Zug Reuter = 1. Kompanie bis zur sogenannten Br\u00fccke, einer \u00fcberdeckten Stelle der vordersten Stellung, vorging. Da die Verluste sich immer mehr h\u00e4uften, ging die Grabenbesatzung allm\u00e4hlich zur\u00fcck. Inzwischen war aber die alte Artilleriestellung westlich vom Sanit\u00e4tsweg von der 8. Kompanie des Bataillons Loebell, untermischt mit Mannschaften der 7. und 1. Kompanie, besetzt worden, w\u00e4hrend der Sanit\u00e4tsgraben von 2 Z\u00fcgen der 1. Kompanie gehalten wurde. Die Franzosen &#8211; es waren Marokkaner &#8211; hatten inzwischen den Graben an der Br\u00fccke besetzt und versuchten gegen 5.30 Uhr von S\u00fcdosten her und den Sanit\u00e4tsgraben entlang in unsere Stellung einzubrechen. In hellen Scharen kamen sie grinsend mit gef\u00e4lltem Bajonett schon den Abhang herunter auf die alte Artilleriestellung, als Leutnant der Reserve Muermann, 8. Kompanie, der vorher schon sich die Erlaubnis zum Sturmangriff vom Regiment geholt hatte, und unabh\u00e4ngig davon zu gleicher Zeit der F\u00fchrer der 1. Kompanie den Befehl zum Gegensto\u00df gab. Bei dem Anblick der todesmutig vorst\u00fcrmenden Grenadiere der 8. und 1. Kompanie stutzten die Marokkaner, winkten mit dem Turban, vielleicht, um sich zu ergeben, vielleicht aber auch, um der eigenen Artillerie ein Zeichen zu geben. Dann setzte ein wahnsinniges Sperrfeuer der Franzosen ein, das durch flankierendes Maschinengewehr-Feuer noch verst\u00e4rkt wurde, und unsere wie ihre eigenen Truppen hinm\u00e4hte. Leutnant Muermann, vor seiner Kompanie herst\u00fcrmend, fand den Heldentod. Beide Offiziere der 1. Kompanie wurden schwer verwundet. Wer von den St\u00fcrmern nicht rechtzeitig in demn Sanit\u00e4tsgraben Deckung finden konnte, war verloren.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Opfer dieses Gegensto\u00dfes waren sehr schwer, es war aber damit die gr\u00f6\u00dfte Gefahr abgewendet, denn der Feind war nur noch 150 Meter vom Regimentsgefechtsstand entfernt. Der Gegensto\u00df war auch die einzige M\u00f6glichkeit einer Abwehr, weil die Mannschaften f\u00fcr eine ruhige Verteidigung zu ersch\u00f6pft, durch das Vorst\u00fcrmen wieder Frische und Tatkraft bekamen. Die Franzosen ferner mussten so auch zu dem Glauben kommen, dass wir noch \u00fcber betr\u00e4chtliche Kr\u00e4fte verf\u00fcgten. An dieser Stelle haben sie keinen Angriff mehr gewagt.<\/em><\/p>\n<p><em>Gegen 7 Uhr griff der Gegner den Abschnitt B so heftig an, dass noch der gr\u00f6\u00dfte Teil der 10. Kompanie eingesetzt werden musste. Aber auch dieser Angriff wurde blutig abgeschlagen.<\/em><\/p>\n<p><em>Noch am Abend trafen zwei Bataillone, III.\/Landwehr-Infanterie-Regiment 87 und I.\/Landwehr-Regiment 133 zur Verf\u00fcgung des Regimentskommandeurs ein.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Regimentsstellung wurde nun in drei Unterabschnitte geteilt. Den rechten Teil (A) \u00fcbernahm Hauptmann von Plehwe (Rest des II.\/3. Grenadier-Regiment und III.\/Landwehr 87), die Mitte bei dem Sanit\u00e4tsgraben Major der Reserve von Grolman (Reste I.\/3. Grenadier-Regiment, 6.\/1. Grenadier-Regiment; 9.\/3. Grenadier-Regiment, 12.\/Landwehr 87), den linken Abschnitt (B) Hauptmann der Landwehr Zillmer (F. ohne 9. und 10. Kompanie). Das L.-Bataillon war damit wieder aufgel\u00f6st, I.\/Landwehr 133 und 10.\/3. Grenadier-Regiment (Hauptmann von Loebell) standen zur Verf\u00fcgung des Regiments in der K\u00fcchenschlucht.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Lage des Grabes von Wilhelm Schmelzeisen ist unbekannt.<\/p>\n<p>Auf dem Ehrenhof der Bockenheimer Frauenfriedenskirche gedenkt man Wilhelm Schmelzeisen noch heute auf einem Denkmal: <a href=\"http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/2013\/bockenheim-frauenfriedenskirche-ehrenhof_wk1_hs.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/2013\/bockenheim-frauenfriedenskirche-ehrenhof_wk1_hs.html<\/a><\/p>\n<figure id=\"attachment_46864\" aria-describedby=\"caption-attachment-46864\" style=\"width: 709px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-46864\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Wilhelm-Schmelzeisen-Frankfurter-Volkszeitung-03.1915.jpg\" alt=\"\" width=\"709\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Wilhelm-Schmelzeisen-Frankfurter-Volkszeitung-03.1915.jpg 709w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Wilhelm-Schmelzeisen-Frankfurter-Volkszeitung-03.1915-266x300.jpg 266w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-46864\" class=\"wp-caption-text\">Todesanzeige f\u00fcr Wilhelm Schmelzeisen in der Frankfurter Volkszeitung Mitte M\u00e4rz 1915<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Wilhelm Schmelzeisen stammte aus der hessischen Gemeinde Birstein. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Grenadier in der 6. Kompanie des 3. Garde-Regiment, nicht wie in seiner Todesanzeige angegeben im 3. Grenadier-Regiment zu Fu\u00df. Am 16.03.1915 fiel er w\u00e4hrend der Winterschlacht in der Champagne. Er w\u00e4hrend w\u00e4hrend der K\u00e4mpfe an der H\u00f6he 196 bei [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_wp_rev_ctl_limit":""},"categories":[2,8,1876,2233],"tags":[8599,11731,11730,217,48,2192,9950,99],"class_list":["post-46865","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-weltkrieg","category-sterbebilder","category-frankreich-1-weltkrieg","category-marne","tag-3-garde-regiment-zu-fuss","tag-3-grenadier-regiment-zu-fuss","tag-birstein","tag-denkmal","tag-hessen","tag-marne","tag-minaucourt-le-mesnil-les-hurlus","tag-unbekannte-grablage"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46865","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=46865"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46865\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":46871,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/46865\/revisions\/46871"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=46865"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=46865"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=46865"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}