{"id":55583,"date":"2024-02-04T12:00:20","date_gmt":"2024-02-04T11:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=55583"},"modified":"2024-02-03T18:48:05","modified_gmt":"2024-02-03T17:48:05","slug":"sonderbeitrag-oberstleutnant-maximilian-drausnick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=55583","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: Oberstleutnant Maximilian Drausnick"},"content":{"rendered":"<p>Der Oberst Maximilian Drausnick wurde am 07.03.1866 in der bayerischen Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Starnberg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Starnberg<\/a>, Oberbayern geboren. Er absolvierte die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bayerische_Kriegsakademie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bayerische Kriegsakademie<\/a> f\u00fcr H\u00f6here Adjutantur, Referatsdienst, Taktik und Milit\u00e4r-Zeichnen. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Oberst und Regimentskommandeur im 19. bayerischen Infanterie-Regiment. Am 28.02.1916 fiel er im Alter von 49 Jahren w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_um_Verdun\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schlacht um Verdun<\/a> im Wald von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Apremont-la-For%C3%AAt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Apremont-la-For\u00eat<\/a>.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Maximilian Drausnick berichtet die Regimentsgeschichte des 19. bayerischen Infanterie-Regiment:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Der Gegner hatte im Laufe des 28. Februar allein in dem Bereich des linken Unterabschnittes etwa 800 Schuss leichten und mittleren Kalibers verfeuert.<\/em><\/p>\n<p><em>Bitteres Weh traf das Regiment am 28. Februar.<\/em><\/p>\n<p><em>An diesem Tage \u00fcbernahm Oberst Drausnick wieder sein Regiment. Von St. Mihiel kommend, ging er in gewohnter eiserner Pflichterf\u00fcllung zuerst die Front ab, seine ihm ans Herz gewachsenen Kameraden begr\u00fc\u00dfend.<\/em><\/p>\n<p><em>Oberst Drausnick \u00e4u\u00dferte sich noch dem Hauptmann Kretzner, der damals F\u00fchrer des Stellungsbataillons war,\u00a0 gegen\u00fcber:<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Ich sag Ihnen, Kretzer, ich bin froh, dass ich wieder bei meinem lieben Regiment bin&#8220; und verabschiedete sich frohgesinnt, nicht ohne dass er von Hauptmann Kretzer auf die h\u00e4ufigen Artillerie\u00fcberf\u00e4lle, die vornehmlich der Louvi\u00e8restra\u00dfe galten, aufmerksam gemacht worden w\u00e4re.<\/em><\/p>\n<p><em>Kurze Zeit darauf, 3.15 Uhr nachmittags, kam die ersch\u00fctternde Mitteilung, dass Oberst Drausnick in der N\u00e4he des Fort Pl\u00f6tz an der Louvi\u00e8restra\u00dfe durch Artilleriefeuer schwer verwundet worden und kurz darauf, dass er seinen Verletzungen erlegen sei.<\/em><\/p>\n<p><em>Ehemaliger Gefreiter Probst, jetzt Schreinermeister in Ansbach, der Oberst Drausnick als Begleitordonnanz zugeteilt war, beschreibt den letzten Gang dieses heldischen Mannes folgenderma\u00dfen:<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Als ich mich bei Herrn Oberst gemeldet hatte, gingen wir aus dem Bereitschaftsgraben die Bereitschaftsmulde herunter an den Heldengr\u00e4bern vorbei, deren Kreuze teilweise vom Franzmann schiefgeschossen waren. Der Oberst blieb stehen und befahl: &#8222;Richten.&#8220; Befehlsgem\u00e4\u00df richtete ich die n\u00e4chststehenden Kreuze gerade, dann gings durch die 7er Sappe, das hei\u00dft: &#8222;Oben dr\u00fcber&#8220; und dann weiter an den Waldrand, wo die neue Gefechtsstelle f\u00fcr das Regiment gebaut wurde.<\/em><\/p>\n<p><em>Hier drehte sich der Oberst um und blieb stehen, ich dachte mir dabei, so jetzt braucht&#8217;s blo\u00df loszugehen und da, schon die Absch\u00fcsse eines Wellenfeuers, f\u00fcnf Meter vor uns schlagen sie ein, die Fetzen haut&#8217;s zwischen uns durch und der Oberst bleibt stehen, ja intensiv schaut er in die berstenden Granaten hinein, nicht weicht er, nicht wirft er sich hin, was konnte ich anders tun als auch stehenzubleiben. Dicht hinter uns war vor wenigen Augenblicken noch reges Leben gewesen, 20, ja 30 Mann waren da noch vor Stunden und nun war alles leer, wo waren sie hin?<\/em><\/p>\n<p><em>Wieder kracht&#8217;s, und zwar wie besessen; da, eine gro\u00dfe Eisenschwarte saust zischend an meinem rechten Arm vorbei, ein Wunder war&#8217;s, dass keiner von uns beiden verletzt wurde.\u00a0 Der Oberst schreitet weiter, der Louvi\u00e8restra\u00dfe zu, was soll ich tun, da kommen wir doch in noch w\u00fctenderes Feuer wie vorher? Gestern noch lautete sein eigener Brigadebefehl, dass die Louvi\u00e8restra\u00dfe von keinem Mann bis auf weiteres der gro\u00dfen Feuer\u00fcberf\u00e4lle wegen betreten werden d\u00fcrfe. Die Schrapnells platzen \u00fcber unseren K\u00f6pfen, die Ladung saust \u00fcber uns hinweg, einige Meter k\u00fcrzer, und wir werden durchl\u00f6chert wie ein Sieb. Aufschlag- und Brennz\u00fcnder, Gruppe auf Gruppe, kein Graben in der N\u00e4he, kein Mensch weit und breit. Der Oberst dreht sich um, er spricht etwas, ich verstehe ihn nicht und horche nochmals sch\u00e4rfer hin, er muss schreien, jetzt verstehe ich, er fragt: &#8222;Wo stehen meine Pferde?&#8220; Ich wei\u00df es nicht, doch kann ich dies meinem Oberst nicht sagen, darum schreie ich: &#8222;Zu befehl, Herr Oberst!&#8220; mache Kehrt und spritze zur\u00fcck, meine Gedanken suchen nach dem n\u00e4chsten Fernsprecher, jetzt wei\u00df ich&#8217;s, zum 7er Zwischendepot, das kann nicht weit sein, dort kenne ich die Fernsprecher, rase fort und um mich kracht&#8217;s und &#8211; oh, jetzt bekomme ich Seitenstechen, verfl. &#8211; weiter in den Unterstand, sie starren mich an, ich schreie nur den Gefreiten Popp an: &#8220; Wo stehen die Pferde von unserem Oberst?&#8220;\u00a0 &#8222;Granatstra\u00dfe.&#8220; Weiter geht&#8217;s wieder zur\u00fcck zur Louvi\u00e8restra\u00dfe, was wird sein &#8211; wird? Es darf nicht sein! Oh, dieses verflixte Seitenstechen, ich komme an das 1., 2., 3., 4. Astverhau, oh, da liegt einer, ein Offizier, Gott sei dank, er ist es nicht. Oder? Mich treibt&#8217;s weiter. 5., 6., 7. Astverhau, nicht m\u00f6glich, vielleicht hatte ich mich doch get\u00e4uscht. Umgekehrt, das Feuer wird weniger, es tritt Stille ein, nur ab und zu ein Querschl\u00e4ger von vorne, nun komme ich der Stelle n\u00e4her, wo der Offizier gelegen, ich betrachte ihn von weitem &#8211; &#8222;Herr Oberst?&#8220; -, nun wusste ich die traurige Wahrheit, er war es. Ich bef\u00fchlte ihn und rief ihn an, nichts regte sich mehr. Ich rief in den Wald. Dort, wo der gro\u00dfe neue Sanit\u00e4tsstollen fast fertig gebaut stand, sah ich einen Kameraden, der jedoch verschwand, als er merkte, dass er mir helfen sollte. Da konnte ich nichts weiter tun, als zum n\u00e4chsten Posten der Sanit\u00e4tskompanie zu laufen. Dort hielten sie es f\u00fcr verr\u00fcckt, jetzt hinauszugehen und sich zusammenschie\u00dfen zu lassen. Schlie\u00dflich gab aber der Unteroffizier doch meinem Bitten nach und begab sich mit einigen Leuten und einer Fahrbahre nach der von mir bezeichneten Stelle. Ich selbst sprang weiter zum 7er Zwischendepot, wo die 19er Telephonzentrale lag und lie\u00df durch Gefreiten Popp in der vordere Linie melden: &#8222;Oberst Drausnick an der Louvi\u00e8restra\u00dfe schwer verwundet.&#8220; Ich brachte es wirklich nicht \u00fcbers Herz, die volle Wahrheit, diesen wuchtigen Schlag f\u00fcr unser Regiment, sofort mitzuteilen und zudem hoffte ich ja immer, es m\u00f6chte doch nur eine schwere Bewusstlosigkeit vorliegen.<\/em><\/p>\n<p><em>Hierauf lief ich wieder zur Ungl\u00fccksstelle. Hier waren die Sanit\u00e4ter um unseren Oberst bem\u00fcht und als sie mich kommen sahen, rief mir der Unteroffizier zu: &#8222;Hier war nichts mehr zu helfen, du kannst ruhig vor und Meldung machen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Ruhig vor!&#8220; Noch heute sch\u00fcttle ich den Kopf dar\u00fcber. Wie konnte man ruhig vor, wenn man den Auftrag hatte, seinen Regimentskommandeur, welcher noch dazu verehrt und bewundert wurde, wie selten einer, zu begleiten, und nun seinen Tod melden sollte? Wie mit schwerer Schuld belastet, schleppte ich mich in die Stellung vor. Dort angelangt, musste ich mir in der Bereitschaftsmulde, erst einen Weg durch die vielen Kameraden bahnen, die zwar noch nicht das \u00e4rgste wussten, aber doch schon von der schweren Verwundung unseres Obersten geh\u00f6rt hatten.<\/em><\/p>\n<p><em>Zuerst ging ich dann zum Bataillonsadjutanten und mit diesem zum Bataillonskommandeur, Hauptmann Kretzer.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Herren waren auf das tiefste ersch\u00fcttert und ich h\u00f6re noch heute wie damals nur das eine: &#8222;Sie Ungl\u00fccksmensch!&#8220; Das war ich wirklich.<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist unm\u00f6glich, den Eindruck zu schildern, den der Tod dieses pr\u00e4chtigen, edlen F\u00fchrers auf alle, die je mit ihm in Verbindung treten durften, hervorgerufen hat. Die Trauer war allgemein und beschr\u00e4nkte sich nicht nur auf sein Regiment, sondern weit dar\u00fcber hinaus, wie die Aussegnung im Walde von Apremont in Anwesenheit Seiner Exzellenz des Kommandierenden Generals, Freiherr von Gebsattel, Seiner Exzellenz des Divisionskommandeurs, Generalleutnant von Endres, des Brigadekommandeurs, Generals Freiherrn von Godin, sowie vieler anderen Offizieren, und dann die Bestattung im Waldfriedhof zu M\u00fcnchen erkennen lie\u00dfen.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Regiment hatte seinen besten Kommandeur, die bayerische Armee einen ihrer verdientesten Offizier verloren.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Gebeine von Maximilian Drausnick wurden in seine Heimat Bayern \u00fcberf\u00fchrt. Man begrub ihn auf dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Waldfriedhof_(M%C3%BCnchen)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchner Waldfriedhof<\/a> in Reihe 43, Grab 7.<\/p>\n<figure id=\"attachment_55580\" aria-describedby=\"caption-attachment-55580\" style=\"width: 1389px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-55580\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2035\/04\/Trauerfeier-fuer-Oberst-Drausnick-im-Wald-von-Apremont-mit-General-der-Kavalerie-Freiherr-von-Gebsattel-Generalleutnant-Ritter-von-Endres-und-Generalmajor-Ritter-von-Jaeger.jpg\" alt=\"\" width=\"1389\" height=\"805\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2035\/04\/Trauerfeier-fuer-Oberst-Drausnick-im-Wald-von-Apremont-mit-General-der-Kavalerie-Freiherr-von-Gebsattel-Generalleutnant-Ritter-von-Endres-und-Generalmajor-Ritter-von-Jaeger.jpg 1389w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2035\/04\/Trauerfeier-fuer-Oberst-Drausnick-im-Wald-von-Apremont-mit-General-der-Kavalerie-Freiherr-von-Gebsattel-Generalleutnant-Ritter-von-Endres-und-Generalmajor-Ritter-von-Jaeger-300x174.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2035\/04\/Trauerfeier-fuer-Oberst-Drausnick-im-Wald-von-Apremont-mit-General-der-Kavalerie-Freiherr-von-Gebsattel-Generalleutnant-Ritter-von-Endres-und-Generalmajor-Ritter-von-Jaeger-800x464.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2035\/04\/Trauerfeier-fuer-Oberst-Drausnick-im-Wald-von-Apremont-mit-General-der-Kavalerie-Freiherr-von-Gebsattel-Generalleutnant-Ritter-von-Endres-und-Generalmajor-Ritter-von-Jaeger-768x445.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1389px) 100vw, 1389px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-55580\" class=\"wp-caption-text\">Trauerfeier f\u00fcr Oberst Drausnick im Wald von Apremont mit General der Kavalerie Freiherr von Gebsattel, Generalleutnant Ritter von Endres und Generalmajor Ritter von J\u00e4ger<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Oberst Maximilian Drausnick wurde am 07.03.1866 in der bayerischen Stadt Starnberg, Oberbayern geboren. 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