{"id":56876,"date":"2024-03-28T12:00:23","date_gmt":"2024-03-28T11:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=56876"},"modified":"2024-03-27T20:21:18","modified_gmt":"2024-03-27T19:21:18","slug":"sonderbeitrag-leutnant-hilarius-huppert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=56876","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: Leutnant Hilarius Huppert"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Hilarius Huppert wurde am 16.06.1894 in der Gemeinde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gundersheim\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gundersheim<\/a> im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz geboren. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Leutnant der Reserve im 95. Infanterie-Regiment. Am 13.11.1916 fiel er im Alter von 22 Jahren in Nordfrankreich bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grandcourt_(Somme)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Grandcourt<\/a> an der Somme.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Hilarius Huppert berichtet die Regimentsgeschichte des 95. Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Angriff der Engl\u00e4nder<\/em><\/p>\n<p><em>In der Nacht zum 13.11. zog sich ein undurchdringliches Nebelmeer langsam lastend \u00fcber das Gel\u00e4nde. Dicht wallende Schwaden wogten gespenstisch durcheinander, alles in sich verh\u00fcllend. Die Posten standen wie verloren von diesen unheimlichen Nebelw\u00e4nden umfangen und starrten verzeifelt in das wei\u00dfgraue Gewoge; keiner sah und h\u00f6rte den anderen mehr, der Nebel lie\u00df kaum auf 5 Schritte etwas erkennen.<\/em><\/p>\n<p><em>Unruhig flackerte fast die ganze Nacht hindurch das Artilleriefeuer \u00fcber die Stellungen hin, bis es gegen Morgen langsam verstummte. Alle Sinne gespannt, lauschten die Posten in die unheimliche Stille hinein, die da lauernd in den Nebel hing.<\/em><\/p>\n<p><em>Da &#8211; gegen 6.30 Uhr morgens &#8211; br\u00fcllte ein gellender Donnerschlag auf. Feurige Blitze zuckten weit im Umkreis an der englischen Artillerielinie entlang, und lechzend heulte der Eisenhagel von allen Seiten heran. Berstende Einschl\u00e4ge \u00fcberall, Flammen schie\u00dfen durch Nebelfetzen, Eisensplitter fegen gierig daher in tollem Wirbel! &#8222;Alarm!&#8220; gellt es in die Stollen hinunter, &#8222;Alarm!&#8220; gellt es durch die Grabenreste. Zwanzig Minuten nach dem Ausbruch des Feuerorkans hastet atemlos der Leutnant der Reserve Schr\u00f6der von der 1. Kompanie in den Regimentsgefechtsstand und \u00fcberbringt die letzte Meldung des Hauptmanns Caesar: die im neuen Schwabenriegel und Serbenweg liegenden Teile der 1. und 2. Kompanie sind unter schwerstem Feuer versch\u00fcttet, ein Angriff scheint unmittelbar bevorzustehen!<\/em><\/p>\n<p><em>Allm\u00e4hlich verlegt der Engl\u00e4nder seine Feuerwalze sprungweise vor und riegelt besonders die Artillerieschlucht am linken Fl\u00fcgel des Regimentsabschnitts bis zum Regimentsgefechtsstand Grandcourt hermetisch ab. Aus den vorderen Gr\u00e4ben des III. und I. Bataillons knattert Gewehrfeuer, \u00fcberpeitscht von rasselnden Serien der Maschinengewehre, dann wird es langsam still. Der undurchdringliche Nebel erstickt jedes Leuchtsignal, die Telefon-Verbindung ist l\u00e4ngst zerrissen. Im R\u00fccken der Stellung liegt das un\u00fcberschreitbare Sumpfgel\u00e4nde der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ancre\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ancre<\/a>! Der Regimentskommandeur, Oberstleutnant von Selle, sendet daher besorgte L\u00e4ufer auf L\u00e4ufer nach vorn, um N\u00e4heres zu erfahren; keiner kommt zur\u00fcck. Bange Stunden verstreichen. Gegen 10 Uhr bringt endlich eine Meldung des I. Bataillons der 144er, das in der Nacht das in Stellung befindliche Bataillon 91er abgel\u00f6st hatte, etwas Licht in das Dunkel: der Feind hat einige 100 Meter Gel\u00e4nde gewonnen, kurz vor dem Regimentsgefechtsstand 95 haben jedoch die Angreifer halt gemacht, weil sie selbst im dichten Nebel keine Orientierung finden k\u00f6nnen. Oberstleutnant von Selle und sein Stab hatten vor dem Gefechtsstand mit Gewehr, Revolver und Handgranaten das Herankommen der Engl\u00e4nder erwartet. Sie blieben aber aus! \u00dcber die Besatzung der deutschen vorderen Linie und ihr Schicksal ist indes noch nichts bekannt. Oberstleutnant von Selle versucht erneut, mit seinen beiden Stellungsbataillonen die Verbindung aufzunehmen. Er beauftragt Leutnant Limprecht und Musketier Albrecht, neue Gefechtsanweisungen nach vorn zu bringen; nach l\u00e4ngerer Zeit kehren jedoch beide unverrichteter Dinge zur\u00fcck; das englische Sperrfeuer macht ein Durchkommen unm\u00f6glich. Sp\u00e4tere Verbindungspatrouillen bleiben vermisst. Der Nebel ist inzwischen einem tr\u00fcben Tag gewichen.<\/em><\/p>\n<p><em>In den ersten Nachmittagsstunden erh\u00e4lt der Msschinengewehr-Offizier beim Stabe, Rittmeister Holtz den Befehl, mit einigen rasch herangezogenen Kompanien der Regimenter 144 und Ersatz 29 die verlorene Stellung gegen 8 Uhr abends wiederzunehemn. Bei Einbruch der D\u00e4mmerung wird im \u00fcbrigen der Leutnant der Reserve Georgi der 4. Kompanie mit einigen Gruppen nach vorn geschickt, um den beiden Stellungsbataillonen, falls sie noch da sind, Befehle \u00fcber dne geplanten Gegenangriff \u00fcberbringen. Leutnant Georgi arbeitet sich durch das schwere Sperrfeuer hindurch und kommt bis auf wenige Schritte an die alte deutsche Linie heran, als er pl\u00f6tzlich aus den Gr\u00e4ben heraus heftig beschossen wird. Er stellt fest, dass der Feind die ganze deutsche Stellung bis St. Pierre Division dicht besetzt hat. Unteroffizier Alban \u00fcberbringt diese Meldung dem Regiment.<\/em><\/p>\n<p><em>Damit war dem geplanten Vorsto\u00df die Aussicht auf Erfolg genommen. Ein Angriff auf die ausgedehnte deutsche Linie konnte nur mit starken Kr\u00e4ften zum Ziele f\u00fchren; diese standen aber nicht zur Verf\u00fcgung. Auf die Mitwirkung der beiden Stellungsbataillone durfte offensichtlich nicht mehr gehofft werden, die 3 Kompanien 144er und 29er, die verf\u00fcgbar waren, z\u00e4hlten kaum die H\u00e4lfte ihrer normalen St\u00e4rke; 2 weitere Kompanien 29er, mit deren rechtzeitigem Eintreffen man gerechnet hatte, waren noch nicht angekommen.<\/em><\/p>\n<p><em>So musste auf den geplanten Gegensto\u00df verzichtet werden, dessen Gelingen in v\u00f6lliger Dunkelheit ohnehin mehr als zweifelhaft gewesen w\u00e4re, da der gr\u00f6\u00dfte Teil der Truppen im Angriffsgel\u00e4nde vollkommen fremd, \u00fcberdies durch den schwierigen Anmarsch stark ersch\u00f6pft war. Rittmeister Holtz wurde daher angewiesen, von dem Vorsto\u00df Abstand zu nehmen und daf\u00fcr mit seiner Abteilung eine vom Westausgang Grandcourt bis an die Stra\u00dfe Thiepval-Grandcourt heranreichende Stellung zu beziehen. Oberstleutnant von Selle musste auf direkten Befehl der Division den gefechtsstand am Westausgang von Grandcourt aufgeben, da dieser nunmehr f\u00fcr die Gefechtsf\u00fchrung unm\u00f6glich geworden war. Der Regimentsgefechtsstand wurde daher am 14. November an den Ostausgang von Grandcourt verlegt..&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Man begrub Hilarius Huppert auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-root=\"1\" data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Neuville-St.Vaast&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0,&quot;3&quot;:1}}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/62580+Neuville-Saint-Vaast,+Frankreich\/@50.3564686,2.6139312,11z\/data=!4m5!3m4!1s0x47dd384b01eb6f13:0xc06ce78123b81518!8m2!3d50.355234!4d2.760256&quot;;&quot;Neuville-St.Vaast&quot;)\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/62580+Neuville-Saint-Vaast,+Frankreich\/@50.3564686,2.6139312,11z\/data=!4m5!3m4!1s0x47dd384b01eb6f13:0xc06ce78123b81518!8m2!3d50.355234!4d2.760256\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/62580+Neuville-Saint-Vaast,+Frankreich\/@50.3564686,2.6139312,11z\/data=!4m5!3m4!1s0x47dd384b01eb6f13:0xc06ce78123b81518!8m2!3d50.355234!4d2.760256\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neuville-St.Vaast<\/a><\/span> in einem Massengrab.<\/p>\n<figure id=\"attachment_56875\" aria-describedby=\"caption-attachment-56875\" style=\"width: 349px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-56875\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Hilarius-Huppert.jpg\" alt=\"\" width=\"349\" height=\"541\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Hilarius-Huppert.jpg 349w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Hilarius-Huppert-194x300.jpg 194w\" sizes=\"auto, (max-width: 349px) 100vw, 349px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-56875\" class=\"wp-caption-text\">Leutnant Hilarius Huppert<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Hilarius Huppert wurde am 16.06.1894 in der Gemeinde Gundersheim im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz geboren. 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