{"id":56957,"date":"2024-03-29T21:00:44","date_gmt":"2024-03-29T20:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=56957"},"modified":"2024-03-29T17:00:05","modified_gmt":"2024-03-29T16:00:05","slug":"sonderbeitrag-oberst-und-regimentskommandeur-walter-von-berg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=56957","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: Oberst und Regimentskommandeur Walter von Berg"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Walter von Berg stammte aus der Reichshauptstadt Berlin. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Oberst und Kommandeur des 95. Infanterie-Regiment. Am 19.11.1914 fiel er bei Janowice in Polen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_56955\" aria-describedby=\"caption-attachment-56955\" style=\"width: 893px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-56955\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Janowice-19.11.1914.jpg\" alt=\"\" width=\"893\" height=\"888\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Janowice-19.11.1914.jpg 893w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Janowice-19.11.1914-300x298.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Janowice-19.11.1914-800x796.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Janowice-19.11.1914-150x150.jpg 150w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Janowice-19.11.1914-768x764.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 893px) 100vw, 893px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-56955\" class=\"wp-caption-text\">Janowice am 19.11.1914<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Walter von Berg berichtet die Regimentsgeschichte des 95. Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eDer Kompanie-F\u00fchrer der 10. Kompanie, Leutnant der Reserve schmidt, berichtet: \u201eIn der Nacht zum 19. wurde ein endloser Marsch mit vielen Unterbrechungen durchgef\u00fchrt. Viele dachten da wohl an die Heimat und an die Empfindungen, mit denen sie sonst den ersten Schnee begr\u00fc\u00dft hatten. Seit 15.11. hatte die Truppe M\u00e4ntel. Endlich gegen Mitternacht traf das III. Bataillon in Janowice ein. Die 10. erhielt da endlich nach 34 Stunden das erste warme Essen aus der Feldk\u00fcche. Die H\u00e4user waren bereits \u00fcberlegt mit Truppen, sodass sich die 10. Kompanie bei einer Scheune, so gut es eben ging, im Stroh niederlegte. Der 19. November war angebrochen, einer der schwersten Tage f\u00fcr das Regiment im Jahre 1914. Kurz vor 4 Uhr fr\u00fch wurden die Kompanien alarmiert, um alsbald etwa 2 Kilometer vor dem Dorfe Sch\u00fctzengr\u00e4ben anzulegen. Die oberen Bodenschichten waren hartgefroren. Aber allm\u00e4hlich kamen wir doch in die Erde hinein. Die 10. Kompanie war auf dem rechten, die 11. Kompanie auf dem linken Fl\u00fcgel, in der Mitte eine Stra\u00dfe. Beim Morgengrauen erkannten wir, dass sich der Russe an einem etwa 5 \u2013 600 Meter entfernten Waldrand mit \u00fcberh\u00f6hter Stellung eingegraben hatte. Alsbald beim Tageslicht wurde auf beiden Seiten ein heftiges Infanterie-, Maschinengewehr- und Artillerie-Feuer er\u00f6ffnet. Gegen 9 Uhr vormittags erhielt die 11. Kompanie den Befehl zum Vorgehen. Langsam arbeiteten sich die Sch\u00fctzen in den Ackerfurchen vorw\u00e4rts, die genau senkrecht auf die russischen Stellung verliefen. Infolgedessen hatte der Russe ein leichtes Ziel. Die 10. Kompanie konnte beobachten, welche au\u00dferordentlichen Verluste beim Vorarbeiten der 11. Kompanie eintraten. Zwischen 12 und 1 Uhr mittags versuchten mehrere russische Bataillone unsere rechte Flanke zu umgehen, indem sie sich in einem Walde festsetzten. Alsbald wird ein Zug der 10. Kompanie rechts herausgenommen und mit mehreren Maschinengewehren verst\u00e4rkt. Unsere Artillerie nimmt die vorgehenden Russen offenbar mit Erfolg unter Feuer; denn der russische Vorsto\u00df kommt unter Verlusten zum Stehen, zum Teil laufen die Russen zur\u00fcck. Auch in unseren Reihen mehren sich die Verluste. \u2013 Von besonderem Schneid zeigte das Vorgehen einiger Russen, die in unserem Feuer ihren Sch\u00fctzengraben nach vorw\u00e4rts trieben. Zun\u00e4chst sprang ein einzelner Mann aus dem Sch\u00fctzengraben und hob mit seinem Spaten einige L\u00f6cher aus. Dann folgten weitere Russen, um die einzelnen L\u00f6cher allm\u00e4hlich zu einem Graben zu verbinden, soweit sie nicht vorher abgeschossen waren.<\/em><\/p>\n<p><em>Seit 14.11. war von nah und fern st\u00e4ndig Artillerie-Feuer zu h\u00f6ren, das sich immer mehr im engeren Umkreise zusammenzog. Mit welchem Aufwand aller Kr\u00e4fte in jenen Vovembertagen 1914 gerungen wurde, das haben auch die 95er erfahren, die damals \u00fcber 2 Wochen st\u00e4ndig im Angriff und in der Abwehr eingesetzt waren.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Bei der 11. Kompanie war <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Oberst von Berg<\/strong><\/span> in aller Fr\u00fche im Graben und hatte 2 Z\u00fcge der Maschinengewehr-Kompanie beim III. Bataillon eingesetzt beiderseits der Stra\u00dfe s\u00fcdlich Janowice. Unteroffizier M\u00fcller der 11. Kompanie hatte ihm zuerst die starke Besetzung der vorliegenden H\u00f6he gemeldet, die ohne Artillerie nicht zu nehmen sei. Letztere aber litt unter Munitionsmangel, erst als der Russe Mittags in dichtenLinien angriff, zwang sie ihn auf kurze Entfernung zur Umkehr. Von drohender Umklammerung war man vorl\u00e4ufig befreit. Mertens der 11. Kompanie war links mit Zug Sahw auf Gut Huta vorgegangen, Zug Vollrath mit Vize-Feldwebel Dreyer rechts, etwa 80 Meter zur\u00fcck, Zug K\u00f6hn war im Graben verblieben. Vize-Feldwebel Henning im Zug Shaw erkannte auf 200 Meter einen \u00fcberdeckten, dicht besetzten russischen Graben, der mit Schie\u00dfscharten versehen war. Der Zug wurde mit Feuer \u00fcbersch\u00fcttet. Zug Vollrath konnte nicht mehr auf gleiche H\u00f6he kommen, er feuerte auf 300 Meter. Vor die geschaffene Kopfdeckung stellte Dreyer seinen Spaten. Ein Geschoss schlug in die aufgeworfene Erde und blieb am Spaten h\u00e4ngen. Mit angezogenen Beinen lag er in seinem Loch. Es entwickelte sich ein furchtbares Nahgefecht, wer sich nicht eingraben konnte, war verloren. Unsere eigene Artillerie konnte unsere vordere Linie nicht sehen, schoss auch zu kurz. Die anderen Kompanien schossen teils \u00fcber die 11. Kompanie hinweg. Schon hatten sich die vorderen Z\u00fcge verschossen, Ersatz konnte nicht vorgebracht werden. Leutnant Vollrath lag 10 Meter links vom Feldwebel Dreyer, was dazwischen war, war tot oder verwundet. Die Russen winken, bald werden sie st\u00fcrmen. Um 2 Uhr ist unsere schwere Artillerie aufgefahren und nimmt die feindlichen Verst\u00e4rkungen unter wirksames Feuer. Volltreffer wirken gut, Gruppen von Russen fliegen in die Luft. Bald aber sind wir umzingelt, wir m\u00fcssen zur\u00fcck. Hierbei f\u00e4llt Leutnant Vollrath. Um 3 Uhr l\u00e4sst das feindliche Feuer nach. In 4 Spr\u00fcngen erreicht Dreyer die 12. Kompanie. Vor Hunger, Durst und Erregung bricht er zusammen. Feldwebel Scheller r\u00fcttelt ihn wach und gibt ihm Kaffee. Vize-Feldwebel Vogel ruft ihm die Meldung zu: Unser Kommandeur und viele Kameraden sind gefallen \u2013<\/em><\/p>\n<p><em>Vize-Feldwebel Platztasch der 12. Kompanie schreibt:<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eWir waren zun\u00e4chst Reserve, schw\u00e4rmten dann mit 2 Z\u00fcgen ein, der 3. Zug blieb in Reserve neben der Stra\u00dfe im Graben. Wir erlitten schwere Verluste, doch wurden alle feindlichen Angriffe abgeschlagen. Links von uns bei 94 kamen die Russen weiter vor, sodass die 94er ihre Stellung weiter zur\u00fcckbiegen mussten, wir wurden von links flankiert. Unsere rechte Flanke wurde Mittags angegriffen, doch fluteten die Russen wieder in den Wald zur\u00fcck. Nachmittags wurde die Lage sehr ernst, da der Feind seine Vorst\u00f6\u00dfe erneuerte. Da kroch unser tapferer Oberst mit Oberleutnant Weinert zum Reserve-Zug vor und sagte: \u201eWir m\u00fcssen angreifen.\u201c Der Zug machte sich fertig. <strong><span style=\"color: #ff0000;\">Oberst von Berg<\/span><\/strong> sagte alsdann: \u201eErst will ich mich \u00fcberzeugen, wie es vorn aussieht\u201c; beide Offiziere krochen weiter vor. Nach kurzer Zeit wurde nach hinten gerufen: \u201c Unser Oberst ist schwer verwundet, Sanit\u00e4ter vor!\u201c Immer f\u00fchlbarer wurde der feindliche Druck, die Verluste mehrten sich. Ein Gegenangriff unterblieb. In der D\u00e4mmerung wurde befohlen, die Stellung langsam zu r\u00e4umen, man kroch einzeln zur\u00fcck. Wir sammelten uns in einem Wald und schanzten bei gro\u00dfer K\u00e4lte. Tote und Verwundete mussten wir zur\u00fccklassen.<\/em><\/p>\n<p><em>Oberleutnant Weinert war mit wichtigem Befehl nach vorn gesprungen. Kaum hatte er ihn \u00fcberbracht, da zerschmetterte ihm ein Infanteriegeschoss beide Knie. Unf\u00e4hig sich fortzubewegen, brach er zusammen und starb am 20. an seinen Wunden. Auch Leutnant Krause fiel mit seinem Maschinengewehr-Zuge. Hier fiel auch Unteroffizier Seel der Maschinengewehr-Kompanie, der immer lustige Kamerad. Auch die Maschinengewehr-Kompanie war von 7 Uhr fr\u00fch im Kampf. \u00dcber 70.000 Patronen hatten vier Gewehre verschossen. Petersen wurde durch Halsschuss verwundet. Zwei tapfere Gefreite, Eichhorn und Voigt, retteten in der Nacht die Gewehre, sie lagen 40 Meter vor der Front, von Leichen bedeckt. <strong><span style=\"color: #ff0000;\">Oberst von Berg fiel dicht hinter der Msschinengewehr-Stellung<\/span><\/strong>. Bis zur Dunkelheit hat die Maschinengewehr-Kompanie ohne Offiziere ausgehalten und so eine Aufnahmestellung erm\u00f6glicht.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Das II. Bataillon war inzwischen rechts vom III., in der westlichen Flanke, in schwerstem Kampf gewesen. In Jasionna hatte die 6. Kompanie von der nahen Waldspitze her sehr heftiges Feuer erhalten, das von 6. und 7. Kompanie erwidert wurde. Der Feind verst\u00e4rkte dauernd von S\u00fcdwesten, die 5. Kompanie verl\u00e4ngert daher rechts. Da der Russe gegen 7.30 Uhr in der Flanke vorstie\u00df, wurde auch die 8. Kompanie eingesetzt und der Division die drohende Umfassung gemeldet. Daraufhin sollte Infanterie-Regiment 71 \u00f6stlich Janowice zur Entlastung vorgehen. Die Ausdehnung des II. Bataillons betrug schon fast 1.200 Meter. Neuer Feind setzte bei Zalesie zum flankierenden Angriff an. Unser Artillerie-Feuer wirkte erleichternd. Um 9 Uhr flankierten feindliche Maschinengewehre im Wiesengrunde unsere 5. und 7. Kompanie und schossen bereits im R\u00fccken. Schon n\u00e4herte sich der Russe auf 50 Schritt durch das Dorf. Schwere Verluste traten ein, Munition fehlte. Der Russe drang in die Geh\u00f6fte, es kam zum Bajonettkampf. Die 5. und 6. Kompanie gingen zur\u00fcck, die 8. Kompanie nahm nach 9 Uhr eine Aufnahmestellung am Waldrand westlich Jasionna. Im Walde k\u00e4mpfend ging das II. Bataillon \u00fcber die Stra\u00dfe Ludowinka-Janowice zur\u00fcck. Im n\u00f6rdlichen Walde machten die restlichen 120 Mann des Bataillons mit Teilen Infanterie-Regiment 71 Front. Der Feind folgte bis zur Stra\u00dfe, seine weiteren Angriffe waren erfolglos. In den ersten Nachmittagsstunden war der Feind \u00fcberall zum Stehen gebracht. Leutnant Mitthauer und Offizier-Stellvertreter Lauterbach kamen verwundet in Gefangenschaft. Das II. Bataillon hatte 36 Tote (1 Offizier), 221 Verwundete, Beute 10 Gefangene. Die Reste der 5. und 6. Kompanie bildeten Kompanie Kolb, 7. und 8. Kompanie K\u00f6hler. Die 11. Kompanie, welche allein 2 Offiziere, 103 Mann verloren hatte, hob ausgehungert und seelisch m\u00fcrbe am Waldrand eine Verteidigungsstellung aus. Reservist Weidemann und Schindhelm holten freiwillig die 2 Stunden zur\u00fcckstehenden Feldk\u00fcchen heran. Oberstleutnant Kumme \u00fcbernahm den Befehl \u00fcber das Regiment und gab um 4 Uhr dem III. Bataillon und der Maschinengewehr-Kompanie den R\u00fcckzugsbefehl. Feldwebel H\u00f6hn schreibt:<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eMit Offizier-Stellvertreter B\u00fcttner verlie\u00df ich zuletzt die Stellung, um das Maschinengewehr-Material zu bergen. Da starkes Feuer auf der Stra\u00dfe lag, mussten wir \u00fcber die Leiche unseres lieben Obersten kriechen, ein Versuch, ihn mitzunehmen, scheiterte an vollst\u00e4ndiger Entkr\u00e4ftung; wir hatten 2 Tage lang fast nichts gegessen. Als tapferer Offizier, der immer zwischen seinen 95ern war, ist er an der Spitze des Infanterie-Regiment 95 gefallen. Alle, die diesen ritterlichen Offizier kannten, werden ihm ein ewiges Andenken bewahren! \u2013 \u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Lage des Grabes von Walter von Berg ist unbekannt. Wahrscheinlich existiert es nicht mehr.<\/p>\n<figure id=\"attachment_56958\" aria-describedby=\"caption-attachment-56958\" style=\"width: 677px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-56958\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Walter-von-Berg.jpg\" alt=\"\" width=\"677\" height=\"783\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Walter-von-Berg.jpg 677w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Walter-von-Berg-259x300.jpg 259w\" sizes=\"auto, (max-width: 677px) 100vw, 677px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-56958\" class=\"wp-caption-text\">Oberst und Kommandeur des 95. Infanterie-Regiments Walter von Berg<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Walter von Berg stammte aus der Reichshauptstadt Berlin. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Oberst und Kommandeur des 95. 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