{"id":56972,"date":"2024-03-30T09:00:33","date_gmt":"2024-03-30T08:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=56972"},"modified":"2024-03-29T22:17:26","modified_gmt":"2024-03-29T21:17:26","slug":"sonderbeitrag-der-leutnant-hans-dernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=56972","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: Der Leutnant Hans Dernen"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Hans Dernen stammte aus der Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Metz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Metz<\/a> in Frankreich, die vor dem Ersten Weltkrieg seit 1871 deutsch war. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Leutnant in der 9. Kompanie des 95. Infanterie-Regiment. Am 05.03.1915 fiel er w\u00e4hrend der Schlacht bei <a href=\"https:\/\/maps.app.goo.gl\/W1R9HzzsnacfvYL59\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stolniki<\/a>.<\/p>\n<p>Sterbeort von Hans Dernen:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" style=\"border: 0;\" src=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/embed?pb=!1m18!1m12!1m3!1d39595.66878604744!2d20.345632015951914!3d51.66479247117028!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!3m3!1m2!1s0x471974c97ad9fd13%3A0x12a810a3870550c9!2s96-214%20Stolniki%2C%20Polen!5e0!3m2!1sde!2suk!4v1711742480722!5m2!1sde!2suk\" width=\"600\" height=\"450\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Hans Dernen berichtet die Regimentsgeschichte des 95. Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Das III. Bataillon war mit der 9.\/95 erst am 2. M\u00e4rz an der Rawka abgel\u00f6st worden und hatte am 04.03. Unterkunft in den Baracken von Sadykierz gefunden.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Um 12 Uhr mittags&#8220;, schreibt der Kompanie-F\u00fchrer der 9. Kompanie, Hauptmann R\u00f6der, &#8222;orientierte uns der Bataillons-F\u00fchrer, Hauptmann Freiherr von Toll, \u00fcber den befohlenen Angriff. Die angreifende Division sollte, mit rechtem Fl\u00fcgel an der Pilica angelehnt, die russische Stellung durchbrechen, in nord\u00f6stlicher Richtung bis Stra\u00dfe Nowe Miasto-Cilondz durchsto\u00dfen und auf diese Weise die feindliche Rawkafront von ihrem linken Fl\u00fcgel aus aufrollen. Nach der Karte wurden die Gefechtsstreifen des I. und III. Bataillons bezeichnet, rechts das III. Bataillon, links das I. Bataillon. Das n\u00e4chste Angriffsziel des III. Bataillons war das Vorwerk Jezierzec. Von da sollte auf Sauborz bis zur obenerw\u00e4hnten Stra\u00dfe, an der sich die 2. russische Hauptstellung befand, durchgesto\u00dfen werden. Gr\u00f6\u00dfte Eile war geboten, die Kompanien wurden alarmiert und in Marsch gesetzt. In Brobowiec wurde alles entbehrliche Gep\u00e4ck niedergelegt. Nur mit Sturmgep\u00e4ck versehen r\u00fcckte das III. Bataillon um 5.30 Uhr in die Ausgangsstellung gegen\u00fcber Vorwerk Jezierzec ein, um die dortigen Landsturmtruppen abzul\u00f6sen. Gleichzeitig setzte auch schon das Vorbereitungsfeuer der Artillerie ein, das die feindlichen, aus einer Reihe gut verschanzter Linien bestehende Stellung sturmreif machen sollte. Die 10., 11., 12. Kompanie in vorderer Linie, 9. Kompanie, die einen Zug zum Regiment stellte, war Reserve. Bald war die feindliche Artillerie niedergek\u00e4mpft, leider aber nicht die feindliche Infanterie-Stellung mit ihren Maschinengewehr-Nestern. Ich sehe die Kameraden noch im Geiste vor mir, wie sie voller Begeisterung und Angriffsfreudigkeit, zum Sprunge bereit auf die Minute warteten, da der Angriff vorbrechen sollte. Punkt 9.45 Uhr begann der Angriff auf die etwa 700 Meter vor uns liegende feindliche Stellung.Um die vorgehende Infanterie nicht zu gef\u00e4hrden, setzte leider unser Artillerie-Feuer aus. Die Folge davon war, dass bei der gro\u00dfen Entfernung, \u00fcber die der Angriff vorgetragen werden musste, der Russe inzwischen Zeit fand, in Stellung zu gehen und seine Maschinengewehre in T\u00e4tigkeit zu setzen. Etwa 300 Meter kamen die Kompanien vorw\u00e4rts, dann stockte der Angriff wegen der gro\u00dfen Verluste, die sie durch das feindliche Maschinengewehrfeuer, besonders aus der linken Flanke, erlitten. Es waren schwere Stunden, die jetzt folgten, schwer nicht nur f\u00fcr die Kameraden, die in der Feuerlinie lagen, sondern auch f\u00fcr die, welche, ohne helfen zu k\u00f6nnen, mit zusehen mussten, wie sich die Kameraden vorn verbluteten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Der Zugf\u00fchrer der 12. Kompanie, Vizefeldwebel Platztasch, berichtet:<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Auf kleinen Grabenleitern st\u00fcrzten wir voller Begeisterung mit aufgepflanztem Bajonett aus dem Graben. Bald bekamen wir aus linker Flanke Maschinengewehr-Feuer, die ersten Verluste traten ein. Ungeachtet sprangen wir nach kurzer Atempause vorw\u00e4rts. Erneut zwang uns das Maschinengewehr-Feuer nieder. ich sah mich nach meinen Nachbarz\u00fcgen um, da bot sich mir ein entmutigendes Bild. Auf der wei\u00dfen, hartgefrorenen Schneedecke lagen viele Tote und Verwundete meines Zuges. Die Verwundeten w\u00e4lzten sich vor Schmerzen und K\u00e4lte auf dem Boden. Die Nachbarz\u00fcge und Kompanien lagen noch weit hinter mir, links fehlte daher der Anschluss. Rechts lag die Maschinengewehr-Kompanie 82 teils in gleicher H\u00f6he, teils weiter vorn. Mehrere Gewehre hatten keine Bedienung mehr, die braven Sch\u00fctzen lagen tot oder verwundet neben ihren Gewehren. Das feindliche Feuer wurde immer st\u00e4rker, wir boten ein zu gutes Ziel auf der wei\u00dfen Schneedecke. Hier auf dem Pr\u00e4sentierteller durften wir keinesfalls liegen bleiben. Nach kurzem Sprungzwang uns das rasende Feuer nieder. Wir beschossen den feindlichen Graben auf 200 Meter, doch ohne f\u00fchlbaren Erfolg. Unsere einzige Hoffnung war noch unsere Artillerie, sie blieb leider stumm. Wir versuchten uns einzugraben, so gut es eben ging. Unsere Verluste mehrten sich von Stunde zu Stunde. Bald schrie einer t\u00f6dlich getroffen, bald neigte er sill den Kopf zur Erde. Links lag ein blutjunger Ersatzreservist mit schwerem Lungenschuss, Blut quoll ihm aus Mund und Nase, er schrie nach Wasser. Der Gefreite Schmidt kroch hin, um ihn trinken zu lassen, doch als er sich kaum erhoben hatte, dr\u00fcckte ihn ein Schulterschuss zu Boden. Endlich am Sp\u00e4tnachmittag h\u00f6rten wir rechts das befreiende &#8222;Hurra!&#8220;; dort wurde die russische Stellung gest\u00fcrmt. Jetzt winkten auch einige Russen mit T\u00fcchern. Nun st\u00fcrmten auch wir; doch zwang uns erneut heftiges Flankenfeuer zum Hinlegen. Aber bald bekamen wir Luft, die feindliche Stellung wurde von rechts nach links allm\u00e4hlich aufgerollt. Unz\u00e4hlige Russen kamen mit hocherhobenen H\u00e4nden von der H\u00f6he auf uns zugelaufen und ergaben sich. Unser F\u00fchrer, Leutnant Greiner, sammelte die Reste der 12. Kompanie, 5 Unteroffiziere mit 4 Gruppen!&#8220; &#8211; <\/em><\/p>\n<p><em>Mit der 12. hatte die 11. Kompanie den \u00f6stlichen Waldzipfel gest\u00fcrmt. Die 11. Kompanie nahm 2 feuernde Maschinengewehre und machte die Besatzung nieder. Musketier Weichler sah, wie ein Russe auf Offizier-Stellvertreter Henning (D\u00f6llstadt) anschlug, er schoss den Russen nieder, der kurz zuvor den t\u00f6dlichen Schuss auf Henning abgegeben hatte; mit diesem fiel einer der Tapfersten der Kompanie. &#8211; Unteroffizier Grimmer und Wilhelm erledigten mit Reservist Lorenz nun alles, was von der Maschinengewehr-Besatzung noch lebte mit dem Kolben. Mit seiner kleinen Schar hatte Henning 100 Gefangene aus dem Graben geholt. Beide Kompanien fanden Anschluss an Brigade von Auer. Als es dunkelte, lagen wir am Waldrand, aus dem der Feind sehr lebhaft schoss. Verpflegung kam nicht heran. Auch unsere so bew\u00e4hrte Meschinengewehr-Kompanie hatte gro\u00dfe Verluste. Dem Zug H\u00f6hn war die ganze Bedienung abgeschossen. Die Verluste betrugen 149 Tote (Oberleutnant Wirth, Leutnant Wibbeling, Siegfried, Pfeffer, Uhlig, K\u00f6hler, Dernen, Offizier-Stellvertreter Henning, Trieschmann), verwundet 228 Mann. &#8211; Hauptmann Petersen \u00fcbernahm das III. Bataillon. Unsere Sanit\u00e4tsmannschaften arbeiteten fieberhaft.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Seite 91<\/p>\n<p>Die Lage des Grabes von Hans Dernen ist unbekannt. Wahrscheinlich existiert es nicht mehr.<\/p>\n<figure id=\"attachment_56973\" aria-describedby=\"caption-attachment-56973\" style=\"width: 250px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-56973\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Hans-Dernen.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"396\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Hans-Dernen.jpg 250w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Hans-Dernen-189x300.jpg 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-56973\" class=\"wp-caption-text\">Der Leutnant Hans Dernen<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Hans Dernen stammte aus der Stadt Metz in Frankreich, die vor dem Ersten Weltkrieg seit 1871 deutsch war. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Leutnant in der 9. Kompanie des 95. 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