{"id":5734,"date":"2019-05-02T00:00:43","date_gmt":"2019-05-01T22:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=5734"},"modified":"2020-12-05T20:40:47","modified_gmt":"2020-12-05T19:40:47","slug":"die-maenner-des-ersten-weltkriegs-teil-488-ludwig-anzeneder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=5734","title":{"rendered":"Die M\u00e4nner des Ersten Weltkriegs \u2013 Teil 488: Ludwig Anzeneder"},"content":{"rendered":"<p>Adam Anzeneder stammte aus <a href=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/aCkBUEdUQBQ2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ecking<\/a> (Schreibfehler auf Sterbebild), einem Ortsteil von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Triftern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Triftern<\/a> in Bayern, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 7. Kompanie des 16. bayerischen Infanterie-Regiments als Gefreiter. Am 25.09.1914 fiel er im Alter von 28 Jahren w\u00e4hrend der Gefechte seines Regimentes bei Vermandovillers und Chaulnes bei <a href=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/sgRjZULL1192\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Chaulnes<\/a>.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Ludwig Anzeneder berichtet die Regimentsgeschichte des 16. bayerischen Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Der Regimentskommandeuer war nach 4 Uhr fr\u00fch zum Brigadef\u00fchrer nach Vermandovillers befohlen worden, um Befehle f\u00fcr den Tag zu holen. Dem Kommandeur des I.\/16. Infanterie-Regiment wurde f\u00fcr die Zeit die F\u00fchrung \u00fcber die beiden Bataillone \u00fcbertragen mit dem Auftrag, zun\u00e4chst Chaulnes vom Feinde zu s\u00e4ubern. Das schon teilweise im Ort liegende II. Bataillon machte sich an die Arbeit, das I.\/16. Infanterie-Regiment ging westlich um Chaules herum, das II.\/16. Infanterie-Regiment sollte mit der Masse am Ortsrand vorgehen. Bei R\u00fcckkehr des Regimentskommandeurs war das Gefecht in vollem Gange. Wie es neim Ortskampf meist geht, erfolgen da und dort R\u00fcckschl\u00e4ge; es entstanden die eigenartigsten Lagen, teils auch falsche Bilder vom Stande des Kampfes, die ihren Ursprung in dem Mangel an \u00dcbersicht und den vom augenblicklichen Eindruck diktierten Meldungen hatte.<\/em><\/p>\n<p><em>9 Uhr vormittags war das preu\u00dfische Landwehr-Infanterie-Regiment 35 von <a href=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/raPFBhhg5MbadPy7A\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Pressoir<\/a> her am Ausgange des W\u00e4ldchens s\u00fcdlich dieser Ortschaft eingetroffen. Es wurde gebeten, am Ostrand von Chaulnes einzuschwenken. Die Sch\u00fctzenlinien dieses Regiments erhielt vom Ostrand von Chaulnes her Feuer. Auch dort lag der Gegner in Sch\u00fctzengr\u00e4ben. Rasch entschlossen st\u00fcrmten die 5. und 6. Kompanie durch das am Ausgang gegen Vermandovillers gelegene W\u00e4ldchen vor und vernichteten mit dem Bajonett diese Kampfgruppe. Auch die 3. Kompanie war im Schlosspark Chaulnes in z\u00e4he Einzelk\u00e4mpfe verwickelt worden. Eingreifen der eigenen Artillerie brachte sie zu Ende. Gegen Mittag war Chaulnes genommen und das Regiment ging an die Ausf\u00fchrung seiner zweiten Aufgabe, die am Morgen gelautet hatte: &#8222;Nach Wegnahme Lihons stellt sich das Regiment zur Verf\u00fcgung des Divisionskommandeurs \u00f6stlich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rosi%C3%A8res-en-Santerre\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Rosi\u00e8res<\/a> bereit!&#8220; Bis dahin war allerdings noch ein weiter Weg.<\/em><\/p>\n<p><em>Das I. Bataillon hatte Demilune, einer Heckengruppe westlich Chaulnes, Front gegen Lihons genommen und befand sich im Feuergefecht gegen einen im Gel\u00e4nde unsichtbaren Feind. Es erwartete das Eingreifen des II. Bataillons, das mit der 5. und 8. Kompanie an der Stra\u00dfe Chaulnes &#8211; Lihons vorgehen sollte. Die 6. und 7. Kompanie waren an den S\u00fcdrand von Chaulnes vorgedrungen, wurden dort durch zwei Kompanien des preu\u00dfischen Landwehr-Infanterie-Regiment 35 ersetzt und am S\u00fcdrand des Dreieck-W\u00e4ldchen nordwestlich Chaulnes als Reserve bereitgestellt.<\/em><\/p>\n<p><em>Als der Angriff beginnen sollte, erhielt das I. Bataillon au\u00dferordentlich heftiges Schrapnell- und Granatfeuer, das es zu Boden zwang. Es kam von der Artillerie des s\u00fcdlich der Eisenbahn bei Hallu k\u00e4mpfenden XXI. Armee-Korps. Sie hatte wahrscheinlich die vorgehenden Sch\u00fctzen f\u00fcr aus Chaulnes zur\u00fcckgehende Franzosen gehalten. Der Angriff kam im Feuer des ausgezeichnet gedeckten Gegners nicht recht vorw\u00e4rts. Es schien sogar nachmittags 2 Uhr, als w\u00fcrde er einen Gegenangriff unternehmen. Wie die Lage tats\u00e4chlich war, ist heute noch nicht gekl\u00e4rt. Jedenfalls steht fest, dass der Kommandeur des I.\/16. Infanterie-Regiment eine feindliche Sch\u00fctzenlinie am rechten Fl\u00fcgel seines Bataillons sah, und dass das II. Bataillon wegen vermuteter Bedrohung seines rechten Fl\u00fcgels an die Stra\u00dfe Chaulnes &#8211; Vermandovillers zur\u00fcckging. Dem II. Bataillon wurde sofort wieder durch den Regimentskommandeur das Wiedergewinnen einer Stellung westlich des Dreieck-Waldes befohlen und das gelang auch; es gewann sogar noch 300 Meter mehr Raum als vorher. Der Gegner griff nicht an, beschr\u00e4nkte sich auf heftige Feuert\u00e4tigkeit aus Lihons heraus; vielleicht hatte er nur st\u00e4rkere Patrouillen vorgeschickt, die zur T\u00e4uschung Anlass gaben, vielleicht aus irgend einem Grunde den Angriff wieder aufgegeben, niemand wei\u00df es. Beim I. Bataillon war durch die eben dargestellte Lage der Eindruck v\u00f6lligem Alleinseins geweckt worden und es hatte naturgem\u00e4\u00df trachten m\u00fcssen, wieder Anschluss und gr\u00f6\u00dfere Sicherheit zu gewinnen. Der Bataillonskommandeur nahm es durch Chaulnes in die Gegend s\u00fcdlich Brassoir zur\u00fcck und fand dort die n\u00f6tige Verbindung wieder. Es war 4.45 Uhr nachmittags geworden; das Bataillon wurde sofort an den Nordausgang von Chaulnes vorgef\u00fchrt und dann links neben dem II.\/16. Infanterie-Regiment eingesetzt, mit dem rechten Fl\u00fcgel an der Stra\u00dfe nach Lihons, mit dem linken Fl\u00fcgel etwa 500 Meter s\u00fcdlich davon.<\/em><\/p>\n<p><em>F\u00fcr den Abend war noch ein Angriff gegen Lihons geplant. Der 6.15 Uhr abends beim Regiment eingetroffene Brigadebefehl setzte hierzu das 2. Infanterie-Regiment gegen den Nordrand von Lihons an, das II.\/16. Infanterie-Regiment und das I.\/16. Infanterie-Regiment gegen den Ost- und S\u00fcdrand. Sofort nach Beendigung des einleitenden Artilleriefeuers, 6.20 Uhr bis 6.45 Uhr abends, musste gest\u00fcrmt werden. Zeit zu Angriffsvorbereitungen war nicht mehr. Das II. Bataillon trat 6.45 Uhr abends aus seiner bisherigen Gliederung mit Richtung auf ein brennendes Geh\u00f6ft von Lihons an. Es traf Meldung ein, dass das 2. Infanterie-Regiment schon eingedrungen sei und auf Hilfe warte. Heftiger Gefechtsl\u00e4rm und Hurrarufe schallten aus dem Nordteil des Ortes her\u00fcber. 80 bis 100 Meter waren die Sch\u00fctzen des II. Bataillons an den Ortsrand herangekommen, als sie von einem rasenden Infanterie- und Maschinengewehrfeuer \u00fcbersch\u00fcttet wurden; es war nicht mehr daran zu denken, vorzudringen, nur hinlegen und vollst\u00e4ndiges Decken in den sp\u00e4rlichen Bodenfalten konnten vor Vernichtung retten.<\/em><\/p>\n<p><em>Beim I. Bataillon war der Befehl zum Angriff erst 7 Uhr abends eingetroffen. Zum Sturm kam es also zu sp\u00e4t, die Kompanien entwickelten sich trotzdem und drangen aus dem Park des Schlosses von Chaulnes bei schon einbrechender Dunkelheit gegen Lihons vor. Im Heckengel\u00e4nde s\u00fcdlich des Dreieck-Waldes erhielt sie Feuer. Das Gefecht n\u00f6rdlich und s\u00fcdlich war erloschen. Das Bataillon blieb daher an dem erreichten Platze und suchte zun\u00e4chst Verbindung und Aufkl\u00e4rung.<\/em><\/p>\n<p><em>Das II. Bataillon wurde bei Nacht aus dem n\u00e4chsten Feuerbereich an den Westrand des Dreieck-Waldes zur\u00fcckgenommen. Es hatte so schwer gelitten, dass die Reste in zwei Kompanien zusammengefasst werden musste.<\/em><\/p>\n<p><em>Am 25.09. hatte das III. Bataillon einen nicht weniger aufreibenden Tag zu bestehen gehabt. Fr\u00fch 5 Uhr hatte es sich von Vermandovillers nach Westen bis in die N\u00e4he eines kleinen W\u00e4ldchens ungef\u00e4hr 1 Kilometer n\u00f6rdlich der Ferme Lihu verschoben, um von dort aus, am Westrand von Lihons vorbeigehend, im Verbande des 2. Infanterie-Regiments anzugreifen. Noch w\u00e4hrend des Marsches erhielt es aus naher Entfernung heftiges Infanteriefeuer und musste sich so gut als es ging, aus der geschlossenen Marschform teils im Kriechen, teils einzeln oder in Gruppen springend, entwickeln. Dies geschah zwischen 6 und 6.30 Uhr vormittags. Von da an war das II.\/16. Infanterie-Regiment in stehendem Feuergefecht an seinen Platz gebunden, w\u00e4hrend am &#8222;Sternwald&#8220; (nordwestlich Vermandovillers) und vor Lihu der Kampf hin und her wogte.<\/em><\/p>\n<p><em>Seine Verluste waren schwer; zw\u00f6lf Stunden lang hatte es von drei Seiten feindliches Feuer ertragen m\u00fcssen, ohne selbst die M\u00f6glichkeit gehabt zu haben, den Gegner wirksam zu fassen.&#8220;.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Vermandovillers&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:1049089,&quot;3&quot;:[null,0],&quot;12&quot;:0,&quot;23&quot;:1}\" data-sheets-formula=\"=HYPERLINK(&quot;https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/80320+Vermandovillers,+Frankreich\/@49.8447348,2.711381,12z\/data=!4m5!3m4!1s0x47e7fb1efedf4fab:0x40af13e8161f3d0!8m2!3d49.850631!4d2.784149&quot;;&quot;Vermandovillers&quot;)\">Begraben wurde Ludiwg Anzeneder auf dem Soldatenfriedhof <a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/80320+Vermandovillers,+Frankreich\/@49.8447348,2.711381,12z\/data=!4m5!3m4!1s0x47e7fb1efedf4fab:0x40af13e8161f3d0!8m2!3d49.850631!4d2.784149\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vermandovillers<\/a>\u00a0in einem Massengrab.<\/span><\/p>\n<p>Seine Heimatgemeinde gedenkt noch heute Ludwig Anzeneder auf einem Denkmal:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/2009\/triftern_wk1u2_bay.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.denkmalprojekt.org\/2009\/triftern_wk1u2_bay.htm<\/a><\/p>\n<figure id=\"attachment_5733\" aria-describedby=\"caption-attachment-5733\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5733 size-full\" src=\"http:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Ludwig_Anzeneder_v.jpeg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"636\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Ludwig_Anzeneder_v.jpeg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Ludwig_Anzeneder_v-300x239.jpeg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Ludwig_Anzeneder_v-768x611.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5733\" class=\"wp-caption-text\">Sterbebild von Ludwig Anzeneder<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_5732\" aria-describedby=\"caption-attachment-5732\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5732 size-full\" src=\"http:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Ludwig_Anzeneder_h.jpeg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"636\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Ludwig_Anzeneder_h.jpeg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Ludwig_Anzeneder_h-300x239.jpeg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Ludwig_Anzeneder_h-768x611.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5732\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckseite des Sterbebildes von Ludwig Anzeneder<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der theoretische Weg von Ludwig Anzeneder von seinem Geburtsort \u00fcber seinen Sterbeort zu seinem Grab:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" style=\"border: 0;\" src=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/embed?pb=!1m34!1m12!1m3!1d2675455.1122149057!2d5.675401796639929!3d49.091407322996645!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!4m19!3e2!4m5!1s0x47744b5437e67835%3A0x47ea9e4cffca9813!2sEcking+1%2C+84371+Triftern!3m2!1d48.37562!2d13.05215!4m5!1s0x47e7e4b43f93a515%3A0x40af13e816216e0!2sChaulnes%2C+Frankreich!3m2!1d49.818782!2d2.7986749!4m5!1s0x47e7fb1efedf4fab%3A0x40af13e8161f3d0!2sVermandovillers%2C+Frankreich!3m2!1d49.850631!2d2.7841489999999998!5e0!3m2!1sde!2sde!4v1540469730499\" width=\"600\" height=\"450\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adam Anzeneder stammte aus Ecking (Schreibfehler auf Sterbebild), einem Ortsteil von Triftern in Bayern, und war der Sohn eines Landwirts. 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