{"id":58723,"date":"2024-05-31T15:00:39","date_gmt":"2024-05-31T13:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=58723"},"modified":"2024-05-25T15:17:01","modified_gmt":"2024-05-25T13:17:01","slug":"sonderbeitrag-wilhelm-loh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=58723","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: Wilhelm Loh"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Wilhelm (Theodor) Loh wurde 1877 in der hessischen Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gie%C3%9Fen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gie\u00dfen<\/a> geboren. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Leutnant der Landwehr in der Leibkompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 20.09.1916 fiel er w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_an_der_Somme\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schlacht an der Somme<\/a> bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bouchavesnes-Bergen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bouchavesnes<\/a> nahe P\u00e9ronne.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Wilhelm Loh berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Der 20. September kam heran. Er sollte trotz anf\u00e4nglicher Erfolge ein zweites Le Quesnoy f\u00fcr das Regiment werden. Ein klares Bild der grauenhaften Vorg\u00e4nge jenes Tages zu gewinnen, ist auch heute noch nicht m\u00f6glich und wird es schwerlich jemals werden. Niemand kann den Schleier l\u00fcften, der sich geheimnisvoll \u00fcber das Schicksal der Toten und 200 Vermissten jenes Tages legte.<\/em><\/p>\n<p><em>Um 7.30 Uhr begann das Feuer unserer Artillerie; die schweren Batterien schossen erst um 8.30 Uhr lebhafter. Der Gegner antwortete mit st\u00e4rkstem Feuer, namentlich gegen die Allainestellung. Punkt 10.10 Uhr vormittags brachen die sechs vorderen Kompanien zum Angriff los, die anderen schoben sich im st\u00e4rksten Sperrfeuer auf die befohlenen Pl\u00e4tze vor. Die Entfernung zum Dorfe betrug etwa 500 Meter. Am Dorfrande gerieten die Kompanien in starkes Maschinengewehr-Feuer, das vom n\u00f6rdlichen Teil des Dorfes, am heftigsten aber aus der Richtung der Bouchavesnes-Ferme den Angreifern in die Flanke schlug. Die Wegnahme dieser Ferme, die nach dem urspr\u00fcnglichen Plane den ganzen Angriff einleiten und das Vorkommen unseres Regiments durch unterst\u00fctzendes Flankenfeuer erleichtern sollte, konnte dem linken Nachbarregiment nicht gelingen, da ihre Besatzung durch unser Artilleriefeuer zuwenig gefasst worden war. So blieb der Angriff um 11 Uhr vormittags vor dem Dorfe liegen. Der Gegner erkannte sofort die schwierige Lage unserer vorderen Kompanien und \u00fcbersch\u00fcttete sie mit verheerendem Artilleriefeuer. Leutnant der Reserve Hartwig, Volk und Sievers wurden schwer verwundet, Leutnant der Reserve Fasold fiel. Als gegen 1 Uhr nachmittags starke feindliche Kr\u00e4fte von Norden her und aus dem Marrieres-Wald zum Gegenangriff nach dem Dorfe ausr\u00fcckten, befahl unsere F\u00fchrung erneute Artillerievorbereitung, die bis 4 Uhr nachmittags anhielt. Die Hauptschwierigkeit lag darin, dass eine Reihe sich widersprechender Meldungen \u00fcber den Stand der Dinge bei den anschlie\u00dfenden Truppen die Befehlserteilung erschwerte und hinausz\u00f6gerte. Um 5 Uhr nachmittags kam erneuter Befehl zum Angriff, obwohl die Wegnahme der Ferme immer noch nicht gegl\u00fcckt war. Bald meldeten Gefangene und zur\u00fcckkommende Verwundete, dass es den Resten der 2., 3., 9. und 10. Kompanie gelungen sei, in das Dorf und hart links vom Dorfe vorzudringen und bis zur Stra\u00dfe am Westrand des Dorfes durchzubrechen, w\u00e4hrend Tr\u00fcmmer der Leibkompanie und der 11. Kompanie noch vor dem Dorfe lagen. Wei\u00dfe Leuchtkugeln, die gegen 6 Uhr nachmittags an der Stra\u00dfe hochgingen, best\u00e4tigten die Richtigkeit der Aussagen. Ebenso war es dem Infanterie-Regiment 80 gelungen, in den Nordteil des Dorfes einzudringen. Schon glaubte man an einen erfolgreichen Ausgang des Tages. Bald aber, es war gegen 6.30 Uhr nachmittags, meldeten Beobachtungsoffiziere das Ausr\u00fccken starker franz\u00f6sischer Kr\u00e4fte zum Gegenangriff gegen das Dorf. Da Meldungen von vorn nicht zur\u00fcckkommen, r\u00fcckten Offizierspatrouillen durch das Sperrfeuer vor, um Kl\u00e4rung \u00fcber die Lage zu holen. Aber sie wurden ebenso wie die beiden noch vor dem Dorfe liegenden Kompanien vom Gegner am Eindringen ins Dorf gehindert und verloren die meisten ihrer Leute. Nach Fliegermeldungen waren im Dorfe heftige K\u00e4mpfe bis in die Abendstunden im Gange. Gegen 9 Uhr nachmittags meldete der zur Erkundung in die vordere Linie vorgeschickte Leutnant der Reserve Zimmermann, dass der feindliche Gegensto\u00df anscheinend gegl\u00fcck sei; den durch das Dorf vorgedrungenen Kompanien sei offenbar der R\u00fcckweg abgeschnitten worden. Einzelne Verwundete, die noch zur\u00fcckkamen, brachten \u00e4hnlich lautende Meldungen. Nun hie\u00df es, die bisherige Stellung gegen etwaige Nacht\u00f6\u00dfe des Feindes zu sichrn. Hauptmann Freiherr zu Putlitz ordnete sofort eine neue Besetzung an: Die 5. und 12. Kompanie besetzten neben den vom Dorfrand zur\u00fcckkehrenden Resten der Leib- und 11. Kompanie die vordere Linie, die 8. die Allainestellung. Die bisher in der v\u00f6llig zerschossenen vorderen Linie liegende 4. Kompanie sollte in die Zwischenstellung zur\u00fcckgenommen werden. Durch das riesige Feuer zersprengt und ohne jeden Zusammenhang in Granatl\u00f6chern liegend, konnte sie bei der Dunkelheit nur mit M\u00fche zusammengerafft werden; auf dem Wege in die Zwischenstellung geriet sie dann in eine solche Feuergarbe, dass sie g\u00e4nzlich auseinandergerissen wurde. Ein Bataillon vom Infanterie-Regiment 117 wurde als Reserve hinter das Regiment in den Kanal gelegt. <\/em><\/p>\n<p><em>Nochmals gingen im Schutz der Dunkelheit Offizierspatrouillen vor, um die Lage im Dorf und das Schicksal der Kameraden zu erforschen. Sie wurden \u00fcberall beschossen und mussten unter schweren Verlusten umkehren. Aus der Summe der beim Generalkommando eingelaufenen Meldungen ergab sich allm\u00e4hlich folgendes Bild: Unser Regiment hatte als einziges die befohlene Linie erreicht, wurde aber dort, da die Anschlusstruppen noch weiter zur\u00fccklagen, durch den Gegensto\u00df in der rechten Flanke und durch die Besatzung des Dorfes im R\u00fccken gefasst und mussten unterliegen. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Misslingen des Angriffs lagen klar: Dorf und Ferme waren keineswegs sturmreif geschossen. Durch das Feuer aus der Ferme wurden fast alle Kompanien in das Dorf hineingedr\u00e4ngt. Die im Norteil des Dorfes liegenden Reserven des Gegners hatten nach dem Vorverlegen unseres Artilleriefeuers gen\u00fcgend Zeit, aus den Kellern und Unterst\u00e4nden hervorzukommen und planm\u00e4\u00dfig nach Osten und S\u00fcden abzuriegeln, so dass den durchgebrochenen Teilen des Regiments der R\u00fcckzug abgeschnitten, den nachfolgenden Kompanien aber das Eindringen in das Dorf verwehrt wurden. Die Verluste waren gro\u00df: 15 Offiziere, 363 Unteroffiziere und Mannschaften waren verloren. Voller Todesverachtung waren sie hineingest\u00fcrmt in das Dorf, das die Scharen der Braven verschlang und schreckliche Bilder eines wilden Handgemenges gesehen haben muss. Eine Reihe t\u00fcchtiger Offiziere, erprobter Unteroffiziere und wackerer Mannschaften wurden vermisst. Leutnant der Landwehr Loh, Leutnant der Reserve Gabcke, der tapfere F\u00fchrer der 2. Kompanie, Leutnant der Reserve Leykauf, K\u00f6hler, Stern und der F\u00fchrer des Sturmtrupps, Leutnant der Reserve Collin, kamen nicht wieder. Acht Offiziere, darunter Leutnant der Reserve R\u00f6hr, Gaebens, Leutnant Schroeder und Feldwebelleutnant Friedrich waren verwundet. Im Schutze der Nacht holten die Kompanien die noch im Vorgel\u00e4nde bis zum Dorfrand hin liegenden verwundeten Kameraden, unter ihnen den schwer verwundeten F\u00fchrer der 3. Kompanie, Leutnant der Reserve Olt, und den F\u00fchrer der 9. Kompanie, Leutnant der Reserve Sievers. Aus fernem Weltteil war dieser zu Beginn des Krieges in abenteurelicher Fahrt dem bedr\u00e4ngten Vaterland zu Hilfe geeilt und sollte hier die Wunde empfangen, an der er nach acht Tagen starb. Auch die 4. Kompanie lie\u00df es sich, allen Gefahren zum Trotz, nicht nehmen, die vor der Stellung liegende Leiche ihres F\u00fchrers, des Leutnants der Reserve Manns, zu suchen und im feindlichen Feuer zur\u00fcckzuschaffen.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Man begrub Wilhelm Loh auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-root=\"1\" data-sheets-value=\"{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:&quot;Rancourt&quot;}\" data-sheets-userformat=\"{&quot;2&quot;:2049,&quot;3&quot;:{&quot;1&quot;:0,&quot;3&quot;:1},&quot;14&quot;:{&quot;1&quot;:2,&quot;2&quot;:1136076}}\" data-sheets-hyperlink=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rancourt_(Somme)\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rancourt_(Somme)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rancourt<\/a><\/span> in einem Massengrab.<\/p>\n<figure id=\"attachment_58724\" aria-describedby=\"caption-attachment-58724\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-58724\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wilhelm-Loh-1.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"634\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wilhelm-Loh-1.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wilhelm-Loh-1-300x238.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wilhelm-Loh-1-768x609.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-58724\" class=\"wp-caption-text\">Gedenktafel f\u00fcr Wilhelm Loh<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_58725\" aria-describedby=\"caption-attachment-58725\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-58725\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wilhelm-Loh-2.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wilhelm-Loh-2.jpg 360w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Wilhelm-Loh-2-135x300.jpg 135w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-58725\" class=\"wp-caption-text\">Gedenktafel f\u00fcr Wilhelm Loh<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Wilhelm (Theodor) Loh wurde 1877 in der hessischen Stadt Gie\u00dfen geboren. 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