{"id":60334,"date":"2024-07-29T12:00:52","date_gmt":"2024-07-29T10:00:52","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=60334"},"modified":"2024-07-29T17:01:03","modified_gmt":"2024-07-29T15:01:03","slug":"sonderbeitrag-oberst-paul-foerster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=60334","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: Oberst Paul Foerster"},"content":{"rendered":"<p>Oberst Paul Foerster (Verlustliste: F\u00f6rster) stammte aus der Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Greifswald\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Greifswald<\/a> im heutigen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Oberst und Regimentskommandeur im Stab des 174. Infanterie-Regiments. Am 24.08.1914 fiel er bei Lun\u00e9ville in Frankreich. Er wurde schwer verwundet nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Einville-au-Jard\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Einville-au-Jard<\/a> gebracht, wo er an seinen Wunden starb.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Paul Foerster berichtet die Regimentsgeschichte des 174. Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Die Schlacht vor Nancy und Epinal.<\/em><\/p>\n<p><em>Lun\u00e9ville.<\/em><\/p>\n<p><em>22.08.1914 Uhr vormittags Vormarsch \u00fcber Rechicourt-la-Petite-Bathelemont les Bauzemont auf Einville. Das Regiment (ohne II.) befindet sich in der Vorhut der Division. Mit Begeisterung wird die deutsch-franz\u00f6sische Grenze \u00fcberschritten, 8.30 Uhr vormittags Rast von 1\u00bd Stunden nordostw\u00e4rts Einville. Patrouillen melden Infanteriefeuer aus Einville. Die Infanteriespitze der 11.\/174, unter Leutnant Hencke, dringt kurz entschlossen in den Ort ein und st\u00f6\u00dft bis an den jenseitigen Dorfrande durch. Brigade-, Regiments- und Bataillons-Stab III.\/174 begleiten das Vorgehen der Spitze und beteiligen sich an der S\u00e4uberung des Ortes. III. und I.\/174 folgen. Mit Vorsicht werden die H\u00e4user, deren T\u00fcren und Fensterl\u00e4den geschlossen sind, durchsucht. Die Stra\u00dfen sind fast leer. Aus den letzten H\u00e4usern fallen noch einige Sch\u00fcsse von franz\u00f6sischen Versprengten und Nachz\u00fcglern. Die H\u00f6hen s\u00fcdlich Einville scheinen besetzt. Unter dem Schutze der Maschinengewehre entwickelt sich gegen 11 Uhr vormittags III.\/174 beiderseis der Stra\u00dfe nach Lun\u00e9ville, I.\/174 ostw\u00e4rts davon, und erreichten k\u00e4mpfend die beherrschenden H\u00f6hen von La Rochelle und Bonviller. Der Feind leistet nur geringen Widerstand von La Rochelle und Bonviller. Da setzt pl\u00f6tzlich ein von starkem Infanterie- und Artilleriefeuer begleiteter Gegensto\u00df der Franzosen ein. Dichte Sch\u00fctzenlinien steigen aus dem Grunde herauf und drohen, unsere schwachen Kr\u00e4fte zu \u00fcberrennen. Die Hoffnung, Lun\u00e9ville kampflos iin die Hand zu bekommen, erf\u00fcllt sich nicht. Der Franzose setzt alle Kraft daran, die Stadt zu retten. Ein Ausharren auf den hei\u00df umstrittenen H\u00f6hen ist f\u00fcr die Unsrigen unm\u00f6glich und im tollsten Granatfeuer weichen sie schrittweise dem Angreifer. Der Brigadekommandeur sieht sich veranlasst, nach und nach das Infanterie-Regiment 70 einzusetzen, um den Angriff wieder vorw\u00e4rts zu tragen. Die eigene Artillerie trifft erst sp\u00e4t in T\u00e4tigkeit und die Infanterie muss stundenlang die Last des Kampfes allein tragen. Ihr z\u00e4her Widerstand l\u00e4sst bald den Ansturm des Feindes erlahmen, der \u00fcber La Rochelle und Bonviller nicht hinauskommt. \u00dcberall sitzen die Einzelk\u00e4mpfer in den L\u00f6chern und hinter den Hecken und erwehren sich, trotz der verzweifelten Lage der Angreifer. Lange wogt so der Kampf und noch steht die Entscheidung aus. Weit vorn in einer Gel\u00e4ndewelle liegt der schneidige Leutnant Meerwein mit seinem Maschinengewehr-Zuge und nimmt die Ziele unter wirksames Feuer. Schwer verwundet erteilte er noch bis zum letzten Augenblick seine Befehle; dann wird er aus seiner hilflosen, gef\u00e4hrlichen Lage von der Gefechtsordonnanz, dem Sch\u00fctzen Pordzik, unter Aufbieten der letzten Kr\u00e4fte, im heftigsten Feuer zur\u00fcckgeschleppt. In Deckung angelangt, sieht Pordzik pl\u00f6tzlich, dass alle Bedienungsmannschaften eines vorn liegen gebliebenen Maschinengewehr verwundet sind. Sofort springt er hinzu, bringt das Maschinengewehr wieder in Stellung und feuert auf die anst\u00fcrmenden Franzosen solange, bis neue Sch\u00fctzen eintreffen. Durch diese brave Tat ger\u00e4t das Maschinengewehr nicht in Verlust. Pordzik und der verwundete Unteroffizier Link tragen, ungeachtet der dicht neben ihnen einschlagenden Granaten, den durch den gro\u00dfen Blutverlust schwer geschw\u00e4chten Leutnant Meerwein auf einer Bahre zum Verbandsplatz. F\u00fcr das unerschrockene, kaltbl\u00fctige Verhalten wird Podzik mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.<\/em><\/p>\n<p><em>Im Verlauf des Kampfes, gerade, als es darauf ankommt, mit den wenigen Gewehren den \u00fcberm\u00e4chtigen Feind unter wohlgezieltem und heftigem Feuer abzuwehren, tritt bei den Maschinengewehren Munitionsmangel ein. Der wertvolle R\u00fcckhalt des Maschinengewehr-Feuers droht den Infanteristen verloren zu gehen. Kurz entschlossen f\u00e4hrt der Gefreite Eckhardt mit dem bespannten Munitionswagen im st\u00e4rksten Feuer bis in die Maschinengewehr-Stellungen vor und l\u00e4dt dort die ersehnte Munition ab. Durch sein tapferes Verhalten hat Eckhardt den Ausfall dieser wichtigen Gefechtskraft verh\u00fctet.<\/em><\/p>\n<p><em>Gegen 2 Uhr nachmittags setzt ein neuer Vorsto\u00df frischer franz\u00f6sischer Kr\u00e4fte beiderseits der Stra\u00dfe Lun\u00e9ville-Einville und von Westen her auf La Rochelle ein. Da die Vorhut der rechts neben der 31. Division vorgehende 3.\/bayerischen Division um Mittag bei Maixe angehalten worden war, kann der Feind sein \u00fcberlegenes Artillerie-Feuer gegen den rechten Fl\u00fcgel der 31. Division vereinigen und starke Kr\u00e4fte zum umfassenden Gegensto\u00df ansetzen. Dem franz\u00f6sischen Angriff scheint ein Erfolg beschieden. Da rafft der Brigade-Kommandeur, General von Behr, die letzten Reserven seiner Brigade zusammen und f\u00fchrt sie pers\u00f6nlich auf Bonviller vor. Das z\u00fcndet und im Vorw\u00e4rtsst\u00fcrmen wird alles mitgerissen. Bonviller, das an allen Ecken brennt, wird zur\u00fcckerobert. Dabei zeichnen sich der Sergant Stellweg und der Gefreite Fernsner, 1. Kompanie, bei der Erst\u00fcrmung eines schlossartigen franz\u00f6sischen Besitzes aus, dessen Fortnahme f\u00fcr das weitere Vorgehen von besonderem Wert ist. Beide erhalten das Eiserne Kreuz 2. Klasse.<\/em><\/p>\n<p><em>Doch noch immer gefahrdrohend ist die Lage bei La Rochelle, wo der Feind unseren rechten Fl\u00fcgel, der keine Reserven mehr hinter sich hat, umfasst und zur\u00fcckdr\u00fcckt. Dort leitet Major D\u00fcsterhoff, Kommandeur des III.\/174, in unerschrockener Weise den Kampf. Mit wenigen Tapferen sucht er die Gefahr abzuwenden. Zum Gl\u00fcck treffen in diesem Augenblick, etwa 3 Uhr nachmittags, Teile der Infanterie-Regimenter 60 und 166 an diesem Brennpunkt ein, die mit Unterst\u00fctzung einiger Batterien die Umfassung unsch\u00e4dlich machen. Das II. Bataillon, das von Moussey \u00fcber Lagarde-Parroy dem Gefechtsfelde zugeeilt war, trifft noch zur rechten Zeit ein, den Angriff auf diesem Fl\u00fcgel vorzutragen. Der franz\u00f6sische Widerstand f\u00e4ngt an zu erlahmen und gegen 6 Uhr abends ist der beherrschende H\u00f6henzug von Friscati und Jolivet, hart n\u00f6rdlich Lun\u00e9ville, in unserer Hand. Der Franzose befindet sich in vollem R\u00fcckzug nach S\u00fcden. Nach franz\u00f6sischen Quellen nahm er beim XV. und XVI. Korps, besonders bei Lun\u00e9ville, fluchtartiges Gepr\u00e4ge an. Der innere Halt der Mannschaften soll zum Teil schwer ersch\u00fcttert gewesen sein. Im Schein des brennenden La Rochelle werden unter gro\u00dfem Jubel der siegreichen Truppen die Kommandeure der Brigade, der Division und des Korps begr\u00fc\u00dft, die den Siegespreis des Tages, die Stadt Lun\u00e9ville, noch von den Strahlen der sinkenden Sonne beleuchtet, von Friscati aus in Augenschein nehmen wollen. Unsere braven Streiter haben sich wiederum vorz\u00fcglich geschlagen, das beweisen die schweren Verluste der Franzosen. \u00dcberall liegen die toten Franzosen mit zerschossenen Leibern in den Stra\u00dfengr\u00e4ben, an den H\u00e4ngen und B\u00f6schungen, auf freiem Felde, zum Teil unter Pferden und umgest\u00fcrzten Wagen. Ein furchtbarer Anblick! Die Arme in abwehrender Haltung, die Angesichter von Blut und Staub bedeckt, in Kriegswut und Todesschrecken verzerrt. Aber auch bei uns konnte dieser Sieg nur mit schweren Opfern errungen werden. Freudig bewegt las man am 23. August in der Heimat:<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Die Truppen, die unter F\u00fchrung des Kronprinzen von Bayern in Lothringen siegten, haben die Linie Lun\u00e9ville-Blamont-Cirey \u00fcberschritten. Das XXI. Armeekorps zog in Lun\u00e9ville ein. Die Verfolgung beginnt reiche Fr\u00fcchte zu tragen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Wohl niemand machte sich in diesem Augenblick eine Vorstellung, mit wieviel Aufwand von Mut und Blut das erreicht wurde.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Kommandeur des Regiments, Oberst Foerster, von einer Granate schwer verwundet, wird mit seinem gefallenen Adjutanten, Oberleutnant Priebe, nach Einville gefahren. Kurz vor seinem Tode richtete er noch an den verwundeten Leutnant Hawickhorst die Worte:<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Das Regiment soll sich brav halten, wie es sich bisher brav gehalten hat. Das w\u00e4re der letzte Wunsch, den ich an das Regiment h\u00e4tte.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Bis zum letzten Atemzuge gab Oberst Foerster seinem Regiment das Vorbild eines mutigen, pflichttreuen Soldaten.<\/em><\/p>\n<p><em>Verluste: tot 4 Offiziere, 29 Unteroffiziere und Mannschaften, verwundet: 7 Offiziere, 227 Unteroffiziere und Mannschaften, vermisst: &#8211; Offiziere, 30 Unteroffiziere und Mannschaften.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Lage des Grabes von Paul Foerster konnte ich nicht ermitteln. Vermutlich wurde sein Leichnam in die Heimat \u00fcberf\u00fchrt und dort begraben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_60335\" aria-describedby=\"caption-attachment-60335\" style=\"width: 494px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-60335\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Oberst-Foerster-1.-Kriegskommandeur-174.-IR-24.08.1914.jpg\" alt=\"\" width=\"494\" height=\"721\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Oberst-Foerster-1.-Kriegskommandeur-174.-IR-24.08.1914.jpg 494w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Oberst-Foerster-1.-Kriegskommandeur-174.-IR-24.08.1914-206x300.jpg 206w\" sizes=\"auto, (max-width: 494px) 100vw, 494px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-60335\" class=\"wp-caption-text\">Oberst Paul Foerster, Kommandeur des 174. 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