{"id":68154,"date":"2026-03-30T21:00:34","date_gmt":"2026-03-30T19:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=68154"},"modified":"2026-03-30T17:24:10","modified_gmt":"2026-03-30T15:24:10","slug":"sonderbeitrag-das-grab-des-ersten-gefallenen-deutschen-soldaten-im-ersten-weltkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=68154","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: Das Grab des ersten gefallenen deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_68161\" aria-describedby=\"caption-attachment-68161\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-68161 size-medium\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Albert-Mayer-Foto-1-300x270.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Albert-Mayer-Foto-1-300x270.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Albert-Mayer-Foto-1.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-68161\" class=\"wp-caption-text\">Albert Mayer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Soldat Albert Otto Walter Mayer wurde am 24.04.1892 in Magdeburg geboren. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Leutnant im 5. J\u00e4ger-Regiment zu Pferd. Er fiel als Patrouillenf\u00fchrer und erster deutscher Soldat am 02.08.1914 bei <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Delle\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Delle<\/a> im Raum Belfort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Albert Mayer berichtet der damalige Gefreite Heinze in der Regimentsgeschichte des 5. J\u00e4ger-Regiments zu Pferd:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eIch war im Jahre 1914 Gefreiter bei der 3. Eskadron des J\u00e4ger\u2011Regiments zu Pferde Nr. 5. Am 1. August 1914, nachmittags 4\u00b3\u2070, r\u00fcckte unsere Eskadron aus M\u00fchlhausen nach der Grenze. In Wahlbach wurde eine Offizierspatrouille gebildet, bestehend aus Leutnant Mayer, mir als Gefreiten, ferner den J\u00e4gern Peters, Hillbrint, Platt, Martin und Grigo. Ob noch mehrere Reiter bei dieser Patrouille waren, ist mir unbekannt. Von Wahlbach ritt die Patrouille nach Bisel, wo wir in einer Wirtschaft, ich glaube im \u201eSchwanen\u201c, Quartier nahmen. Die Pferde wurden im Stall abgesattelt und die Mannschaften blieben im Stall bei ihnen. Leutnant Mayer richtete sich in der Wirtschaft ein Nachtlager ein. Am Westausgang des Dorfes wurde ein Doppelposten aufgestellt.<\/em><br \/>\n<em>Am 2. August 1914, vormittags 10 Uhr, erhielten wir Befehl, \u00fcber die Grenze zu reiten, um Erkundungen \u00fcber feindliche Truppenansammlungen u.s.w. einzuholen. Der Befehl, \u00fcber die Grenze zu gehen, wurde, soviel ich wei\u00df, von einem Radfahrer \u00fcberbracht. Leutnant Mayer gab sofort Befehl zum Satteln und wir ritten am S\u00fcdlings vorbei \u00fcber die Grenze 3 km westlich Mr. Gepst und kamen auf Courtelevant, wo wir im Trabe durchritten, ohne feindliche Posten zu bemerken und ohne beschossen zu werden. Wir ritten weiter nach Faverois, wo wir am Eingang des Dorfes franz\u00f6sische Soldaten sahen. Wir machten einen Umweg und kamen am anderen Dorfrande wieder auf die Hauptstra\u00dfe nach Joncherey. Kurz darauf wurden wir von hinten beschossen, jedoch wurde niemand von uns verletzt. Als wir ungef\u00e4hr den halben Weg nach Faverois zur\u00fcckgelegt hatten, bemerkten wir, da\u00df uns franz\u00f6sische Soldaten folgten und herankamen. Etwa 10 m vor uns stand ein franz\u00f6sischer Radfahrer, der sofort nach Faverois zur\u00fcckritt. Wir ritten nach Joncherey weiter. Rechts der Chaussee war eine mit Gestr\u00fcpp bewachsene B\u00f6schung und dahinter ein kleiner H\u00fcgel. Als wir die ersten H\u00e4user erreichten, sahen wir im Geb\u00fcsch rechts der Chaussee einen franz\u00f6sischen Doppelposten stehen. Die beiden Soldaten standen etwa bis zur Brust im Geb\u00fcsch und hielten Gewehr bei Fu\u00df. Der Posten sah uns zun\u00e4chst nicht und wir ritten nur etwa 10 m rechts von der Chaussee und mit leichtem Trabe an ihm vor\u00fcber. Leutnant Mayer gab uns Zeichen zum Aufmarsch und Angriffsstellung. Wir ritten in zwei Linien und zwar Leutnant Mayer, ich, Peters, Lirbrink und Platt in erster Linie, die \u00fcbrigen J\u00e4ger in der zweiten Linie.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit gef\u00e4llter Lanze ritten wir in langem Galopp auf den franz\u00f6sischen Posten zu. Die Franzosen bemerkten uns erst, als wir nur noch einige Schritte entfernt waren. Sie schienen vollst\u00e4ndig erschrocken und \u00fcberrascht zu sein und wollten noch im letzten Augenblick die uns gegen\u00fcberliegende B\u00f6schung hinauflaufen. In diesem Augenblick hatten wir sie erreicht und Leutnant Mayer hieb dem einen mit seinem Pallasch \u00fcber den Kopf, w\u00e4hrend ich dem anderen meine Lanze niederscho\u00df. Hierbei verlor ich meine Lanze, da der Mann umfiel und die Lanze mit sich ri\u00df. Ob die Lanze ihn in den Kleidern oder in der Brust getroffen hatte, konnte ich sp\u00e4ter beim Her\u00fcberreiten nicht mehr feststellen, da er regungslos auf dem Boden lag. Ob er tot war, kann ich nicht sagen. Dieser erste Zusammensto\u00df war an dem Feldwege, der parallel mit der Chaussee oberhalb der B\u00f6schung l\u00e4uft. Hieb und Stich gegen die beiden Franzosen erfolgten nach links, so da\u00df dieselben nach links die Chaussee hinunterfielen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ob die beiden Franzosen hinter uns wieder aufgestanden sind und hinter uns her geschossen haben, kann ich nicht sagen, auf jeden Fall wurde von hinten auf uns geschossen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir ritten nun weiter und kurz nach diesem Vorfall erblickten wir am Ende des Feldweges eine franz\u00f6sische Feldwache in St\u00e4rke von etwa 15 Mann, die in geschlossener Gruppe zusammenstanden und uns erst sahen, als wir auf etwa 40 Meter herankamen. Ich rief dem Leutnant Mayer zu: \u201eJetzt sind wir dicht bei ihnen!\u201c Leutnant Mayer rief zur\u00fcck: \u201eHalt nicht, nur durch!\u201c Er sah sich nach uns um und ritt in schnellem Galopp voran. Im Galopp riefen wir \u201eHurra\u201c. Es ist anzunehmen, da\u00df die Franzosen ebenso erschrocken waren, es seien eigene Reiter, bis sie uns erkannten. Sie schossen dann aus fester \u00dcberzeugung, da\u00df sie den Meinen nach allen Seiten hin herum und gleichzeitig auf uns geschossen. Erst als wir die Gruppe hinter uns hatten, er\u00f6ffneten sie vom Chausseegraben aus, wohin sie gefl\u00fcchtet waren, das Feuer. Beim Durchbruch durch die Feldwache machten wir von unserer Waffe keinen Gebrauch, da wir bestrebt waren, durchzukommen und die Franzosen gleich in den Chausseegraben fl\u00fcchteten. Ich hatte, da ich meine Lanze verloren hatte, den Degen genommen, auch Leutnant Mayer hatte noch seinen Pallasch in der Hand. Mit Bestimmtheit kann ich sagen, da\u00df wir von unserer Schu\u00dfwaffe keinen Gebrauch machten.<\/em><\/p>\n<p><em>Nachdem wir etwa 50 Meter weiter geschlossen rechts und links der Chaussee zugeritten waren und von der Feldwache aus starkes Feuer erhielten, st\u00fcrzte Leutnant Mayer vom Pferd. Ich wendete mich um und sah, wie er eine Handbewegung zum Weiterreiten machte. Ich war nun allein vorne. Das Pferd von Leutnant Mayer sprengte uns nach. Vor uns lag die Ortschaft Joncherey, wo der Dorfeingang mit Barrikaden gesperrt war. Hinter den Barrikaden sah ich deutlich die Franzosen hin- und herlaufen. Ich rief den Leuten zu: \u201ealles rechts raus!\u201c, um den n\u00e4chsten Waldrand, der etwa 200 Meter entfernt war, zu erreichen. Wir bogen nun alle rechts ab, w\u00e4hrend das Pferd von Leutnant Mayer auf der Hauptstra\u00dfe blieb und nach Joncherey lief. Wir ritten ausgezeichnet dem Walde entgegen und bekamen ununterbrochen lebhaftes Feuer auf der Schu\u00dffahrt her. Die vor dem Walde gelegene Wiese war sehr sumpfig, und die Pferde kamen nur sehr langsam vorw\u00e4rts. Ich sah noch Pferde und Platt vom Pferde fallen. Wir ritten bis an den Waldrand. Das Feuer war nun schw\u00e4cher geworden, und wir gelangten gl\u00fccklich in den Wald. Ich ritt noch etwa 100 Meter weiter und hielt dann an. Das Feuer war nun ganz eingestellt. Von anderen J\u00e4gern habe ich nichts mehr gesehen. Wir ritten nun etwa 200 Meter im Walde und kamen auf einen schmalen, von einem querlaufenden Bach durchflossenen Weg. Wir ritten diesen Weg entlang und kamen auf eine Chaussee, die von Joncherey nach Belfort f\u00fchrt. Wir ritten diese Chaussee entlang und kamen bald auf die H\u00f6he, von der man Belfort sehen konnte. Ich rief: \u201eDa ist Belfort!\u201c, und wir ritten weiter. Hierauf ritt die Eskadron in Bisel ein.<\/em><\/p>\n<p><em>Leutnant Mayer war an der Schl\u00e4fe und am Oberschenkel getroffen worden; er war der erste deutsche Offizier, der im Weltkriege fiel. Er wurde auf dem Dorffriedhof in Joncherey von den franz\u00f6sischen Soldaten mit milit\u00e4rischen Ehren beigesetzt. Der katholische Ortsgeistliche vollzog die religi\u00f6se Handlung. Sein Grab pflegte jahrelang der Geistliche. Die Franzosen ehrten Leutnant Mayer als einen ehrlichen deutschen K\u00e4mpfer. Jetzt ruht er auf dem Soldatenfriedhof in Altkirch, wohin ihn die Franzosen nach dem Kriege gebracht haben. Erst sp\u00e4ter benutzte Frankreich auch den Todesritt des Leutnants Mayer zur Stimmungsmache gegen Deutschland. Der franz\u00f6sische Soldat, den Mayer mit seinem Pallasch getroffen hatte, wurde tot, von drei Sch\u00fcssen durchbohrt, aufgefunden. Es war dies der Korporal Peugeot, der erste im Weltkriege gefallene Franzose. Frankreich behauptete, Peugeot w\u00e4re von Mayer mit drei Sch\u00fcssen niedergestreckt worden, ehe er selbst fiel. Dieser Behauptung ist die Aussage Heinsings gegen\u00fcber. Nach kavalleristischer Erfahrung ist es auch ganz ausgeschlossen, da\u00df ein Reiter im langen Galopp einen Menschen mit der Revolverladung treffen kann. Wahrscheinlich ist Peugeot in der Verwirrung durch eigene Sch\u00fcsse der Franzosen getroffen worden.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<figure id=\"attachment_68162\" aria-describedby=\"caption-attachment-68162\" style=\"width: 622px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-68162\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Albert-Mayer-Foto-2.jpg\" alt=\"\" width=\"622\" height=\"610\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Albert-Mayer-Foto-2.jpg 622w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Albert-Mayer-Foto-2-300x294.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 622px) 100vw, 622px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-68162\" class=\"wp-caption-text\">Albert Mayer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sterbeort und erste Grablage von Albert Mayer:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" style=\"border: 0;\" src=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/embed?pb=!1m28!1m12!1m3!1d21555.934481344873!2d6.983517477977409!3d47.51928733849804!2m3!1f0!2f0!3f0!3m2!1i1024!2i768!4f13.1!4m13!3e2!4m5!1s0x47921f98843d1a05%3A0x2a43ca404c03afe9!2sJoncherey%2C%2090100%2C%20Frankreich!3m2!1d47.529165!2d7.012303999999999!4m5!1s0x47921e4d626630b9%3A0x17fded0031dfc1dd!2sDelle%2C%2090100%2C%20Frankreich!3m2!1d47.50752!2d6.997808!5e0!3m2!1sde!2sde!4v1774883727586!5m2!1sde!2sde\" width=\"600\" height=\"450\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Franz\u00f6sische Soldaten begrub Walter Mayer zun\u00e4chst mit allen Ehren in Jonch\u00e9ry, man bettet ihn aber sp\u00e4ter nach dem Krieg auf den Soldatenfriedhof <span data-sheets-root=\"1\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/goo.gl\/maps\/tBh2vPDijJP2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Illfurth<\/a><\/span> in Block 4, Grab 181 um.<\/p>\n<figure id=\"attachment_68155\" aria-describedby=\"caption-attachment-68155\" style=\"width: 546px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-68155\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Albert-Mayer.jpg\" alt=\"\" width=\"546\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Albert-Mayer.jpg 546w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Albert-Mayer-205x300.jpg 205w\" sizes=\"auto, (max-width: 546px) 100vw, 546px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-68155\" class=\"wp-caption-text\">Das Grab von Albert Mayer auf dem Soldatenfriedhof Illfurth<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Albert Otto Walter Mayer wurde am 24.04.1892 in Magdeburg geboren. 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