{"id":68783,"date":"2026-05-24T15:00:28","date_gmt":"2026-05-24T13:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=68783"},"modified":"2026-05-24T15:16:02","modified_gmt":"2026-05-24T13:16:02","slug":"sonderbeitrag-august-volkmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=68783","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: August Volkmann"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat August Volkmann stammte aus der hessischen Gemeinde <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heuchelheim_an_der_Lahn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Heuchelheim<\/a>. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Landwehrmann (Krankentr\u00e4ger) in der 3. Kompanie des 80. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 24.08.1914 fiel er an der Westfront in Frankreich nahe der Ortschaft <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tremblois-l%C3%A8s-Carignan\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tremblois-l\u00e8s-Carignan<\/a> in den Ardennen.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von August Volkmann berichtet die Regimentsgeschichte des 8. Reserve-Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>Das Gefecht bei Tremblois<\/em><br \/>\n<em>24. August 1914<\/em><\/p>\n<p><em>Am 24. August trat die 21. R.D. um 6 Uhr vormittags den weiteren Vormarsch \u00fcber Chaillepierre auf Matton an. R.I.R. 80, das die Vorhut bildete, schickte III. R.I.R. 80 als Vortrupp voraus. Um 10.30 Uhr vormittags hatte der Vortrupp mit dem Anfang den Wegestern s\u00fcdlich Chaillepierre erreicht, da machte die Division halt: die aktive 21. I.D. trugte ihren Weg. Die Rast dauerte bis etwa 12.45 Uhr. Sie wurde von sehr vielen B\u00f6ern dazu benutzt, in dem feuchten Fl\u00fcsschen Semois ein erfrischendes Bad zu nehmen, ein fast friedensm\u00e4\u00dfiges Bild kurz vor dem Ernst des Kampfes. Gegen 1 Uhr wurde der Marsch fortgesetzt, er f\u00fchrte um 1.15 von der Weggabel dicht s\u00fcdwestlich Florenville in Richtung Tremblois. Mit kr\u00e4ftigem Hurra und nach dreiviertelst\u00fcndigem Marsch die am Nordrande des Bois du Banel sich hinziehende franz\u00f6sische Grenze \u00fcberschritten.<\/em><\/p>\n<p><em>Aus der Vortrupp vom S\u00fcdrand des Waldes zum gr\u00f6\u00dften Teil verlassen und die Spitzenkompanie sich Tremblois bis auf etwa 600 Meter gen\u00e4hert hatte, schlug ihr pl\u00f6tzlich starkes Artillerie- und Infanteriefeuer entgegen. Die feindliche Artillerie stand auf den H\u00f6hen s\u00fcdlich und s\u00fcdwestlich von Tremblois. Sie sandte ihr sehr geschickt geleitetes, \u00fcberaus wirksames Feuer vor allem vor und in den Bois du Banel, der voller Truppen steckte. Hier war n\u00e4mlich das Gros der 41. R.D. versammelt. Da das Artilleriefeuer sehr kr\u00e4ftig eingesetzt hatte und im Walde sofort Verluste eintraten, kam es an einigen Stellen vor\u00fcbergehend zu recht ungeordneten Auflockerungen der Verb\u00e4nde. In dem meist un\u00fcbersichtlichen Waldgel\u00e4nde wurden, w\u00e4hrend Schrapnells und Granaten einschlugen, die Kompanien der I. und III. R.I.R. 80 und R.I.R. 87 zum Gefecht entfaltet. R.I.R. 87 rechts und links neben R.I.R. 80, z.T. auch in R.I.R. 80 eingeschoben. Inzwischen hatte sich der Vortrupp sprungweise gegen Tremblois vorgearbeitet; dabei wurde festgestellt, da\u00df Tremblois und die H\u00f6hen und H\u00e4nge s\u00fcdlich und n\u00f6rdlich von Les Quatre Villes von feindlicher Infanterie stark besetzt waren. Als auf 200 Meter waren die ersten Kompanien an das Dorf herangekommen, dann blieben sie liegen; sie konnten infolge des Sperrfeuers, den die Artillerie und Maschinengewehre des Gegners um Tremblois herumlegten, nicht weiter vordringen. Man tat gut daran, sich einzugraben und zu halten. Und die Mehrzahl der Infanteristen hatte sich gerade dazu entschlossen. I.R. 21 war vor dem Walde zum Stellung gegangen, da brach auch schon ein verheerendes Artilleriefeuer auf sie herein. Heldenhaft hat damals diese Abteilung ausgehalten.<\/em><\/p>\n<p><em>Obwohl die Batteriestellungen vom Feinde eingesehen waren, obwohl eine Gruppe Granaten nach der anderen auf und zwischen die Gesch\u00fctze sauste, soda\u00df buchst\u00e4blich Gesch\u00fctzteile und Menschen durch die Luft gewirbelt wurden, hat sie bis zum \u00e4u\u00dfersten versucht, die feindliche Artillerie zum Schweigen zu bringen und durch Bek\u00e4mpfung der feindlichen Infanterie unserer Infanterie den Weg zum Sturm auf Tremblois freizumachen. Gegen die \u00fcberlegene Artillerie der Franzosen kam sie zwar nicht auf, gegen die Infanterie aber wirkte sie mit sichtlichem Erfolge. Einige Gesch\u00fctze wurden in oder unmittelbar hinter den in 2. Linie folgenden Angriffstruppen in Stellung gebracht. Ein packender Anblick war es, als unsere Infanteristen an den Waldrand zur\u00fcckliefen und aus einem Artilleriemunitionswagen die schweren Geschossk\u00f6rbe herbeiholten, damit die Artillerie, der die Munition ausgegangen war, weiterfeuern konnte. So half die eine Waffe der andern, ein erhebendes Beispiel treuester Kameradschaft.<\/em><\/p>\n<p><em>W\u00e4hrend die vordersten Kompanien vor Tremblois festlagen, hatten sich auch die andern Bataillone des Regiments entwickelt. Teile des I. Bataillons schoben sich in die erste Kampflinie ein oder verl\u00e4ngerten sie nach rechts, andere aber verblieben im Walde oder kurz vor dem Walde, da das entsetzliche Artilleriefeuer ihnen das Vorgehen unm\u00f6glich machte. \u00c4hnlich lagen die Verh\u00e4ltnisse beim II. Bataillon, das anfangs als Reserve am S\u00fcdrand des Bois du Banel zur\u00fcckgehalten, dann aber mit allen Kompanien eingesetzt wurde: von der 6. kam nur ein Zug gut vorw\u00e4rts, Teile der 8. zogen sich sp\u00e4ter wieder in den Wald zur\u00fcck. Sie waren in m\u00f6rderisches Maschinengewehrfeuer geraten. Der 5. Kompanie und einem Zug der 7. Kompanie gelang es, sich bis zur vordersten Linie vorzuarbeiten. Unsere M.G.K. fand leider nicht Gelegenheit zum Eingreifen. Als sehr verh\u00e4ngnisvoll erwies es sich, da\u00df die Kanoniere, deren Gesch\u00fctze zerschossen waren, sich aus dem Artilleriefeuer in den Wald zur\u00fcckzogen, was an sich durchaus berechtigt war, da sie ja nach der Vernichtung ihrer Waffe der Infanterie doch nicht mehr n\u00fctzen konnten. Einige der in ihrer N\u00e4he befindlichen Infanteristen aber folgten leider ihrem Beispiel, ohne sich dar\u00fcber klar zu werden, da\u00df ihr Verhalten strafbar war. Die 4. Kompanie, die bereits hundert Meter vor dem Waldrand lag, wurde durch einen Befehl \u2013 angeblich von der Brigade \u2013 bedauerlicherweise sogar zum Zur\u00fcckgehen gezwungen. So trugen verschiedene ungl\u00fcckliche Umst\u00e4nde dazu bei, da\u00df der Angriff auf Tremblois zun\u00e4chst einen wenig g\u00fcnstigen Verlauf nahm. Erst als nachmittags zwei schwere Feldhaubitzbatterien der 25. R.D., die in einer Senke zwischen Floremville und dem Bois du Banel aufgestellt waren, Tremblois und die franz\u00f6sischen Batteriestellungen unter Feuer nahmen und Sch\u00fctzenlinien der hessischen Division die rechte Flanke der Franzosen bedrohten, konnte unsere Infanterie zum letzten Sturm vorbrechen. Um 7.15 Uhr abends war Tremblois in den H\u00e4nden des Regiments. Nur wenige Gefangene wurden gemacht; die Besatzung des Dorfes und der an den H\u00e4ngen s\u00fcdlich des Dorfes angelegten Sch\u00fctzengr\u00e4ben hatte sich, soweit sie noch lebte und marschf\u00e4hig war, rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Durch die Beschie\u00dfung mit schwerer Artillerie war ein gro\u00dfer Teil des Dorfes in Brand geraten. Das Feuer griff immer weiter um sich. Schaurig war das Bild, das sich den siegreichen St\u00fcrmern bot: Turmhohe Flammen, einst\u00fcrzende W\u00e4nde und D\u00e4cher, in den Gassen umherirrende Bewohner, halb wahnsinnig vor Schrecken, fliehende Pferde, K\u00fche und Schweine, die in den Stallungen langsam verbrennen mu\u00dften. Nur in wenigen F\u00e4llen war Rettung oder schnelle T\u00f6tung m\u00f6glich. Die Furchtbarkeit des Krieges f\u00fcr Menschen und Tiere wurde uns damals mit ersch\u00fctternder Eindringlichkeit bewu\u00dft.<\/em><\/p>\n<p><em>W\u00e4hrend der gr\u00f6\u00dfte Teil des Regiments sich im oder bei dem brennenden Tremblois befand, hatte sich das III. Bataillon, das sich im Bois du Banel etwas zur\u00fcckgezogen, allm\u00e4hlich wieder gesammelt. Unter den im Walde zur\u00fcckbleibenden 80ern und 87ern tauchte pl\u00f6tzlich das Ger\u00fccht auf, da\u00df franz\u00f6sische Infanterie durch die vorderste Linie durchgebrochen sei und im Wald eingebrochen sei. Das f\u00fchrte zu einer gewissen Unruhe. Division, Divisionsstab, Generalleutnant Oidtmann, der F\u00fchrer der 42. Brigade, war inzwischen von der Stra\u00dfe Floremville\u2013Tremblois her im Walde, erhielt darauf den Befehl, die Franzosen aufzufangen. In der Regimentsgeschichte des R.I.R. 81 lesen wir \u00fcber die weiteren Geschehnisse folgendes: <\/em><br \/>\n<em>\u201eDurch den erst lichten, dann immer dichter werdenden Laubwald trat das mit seinen drei Bataillonen nebeneinander formierte Regiment (R.J.R. 81) etwa um 7 Uhr abends in geschlossenen Kolonnen an. Vor ihm das R.J.R. 88 in Sch\u00fctzenlinien. Hin und wieder plaste ein Schrapnell \u00fcber den B\u00e4umen, ohne Schaden anzurichten. Infanteriefeuer war nur aus der Ferne zu h\u00f6ren. Die Gewehre waren leider nicht entladen worden, wie man es beim Angriff im dichtsten Wald stets tun sollte.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Tamboure schlugen, Hornisten bliesen! \u2014 Pl\u00f6tzlich rasendes Infanteriefeuer der vorderen Linie, die auf den Feind gesto\u00dfen zu sein schien. Das war f\u00fcr die zweite Linie der Brigade das Signal, in ein nicht enden wollendes Hurra auszubrechen. Mit diesem donnernden Zeichen seiner Begeisterung wurde der Angriff des Regiments fortgesetzt, bis der Waldrand nord\u00f6stlich Tremblois erreicht war.<\/em><\/p>\n<p><em>Nicht unerhebliche Verluste waren nur durch pl\u00f6tzliches Infanteriefeuer eingetreten; denn die Meldung \u00fcber das Eindringen von Franzosen in den Wald hatte sich als falsch herausgestellt.\u201c An diesem \u201eAngriff\u201c waren auch die im Bois du Banel verbliebenen 80er und 87er beteiligt. Sie stie\u00dfen an diesem Abend nicht mehr zu ihrer Truppe, die etwa 500 Meter n\u00f6rdlich von Tremblois am Fu\u00dfe des H\u00fcgels biwakierte, sondern verbrachten die Nacht in der N\u00e4he des Jollhaus (Quenne) am Waldrande.<\/em><\/p>\n<p><em>Trotz des \u00fcberw\u00e4ltigenden feindlichen Artilleriefeuers waren die Verluste des Regiments nicht so gro\u00df, wie man zuerst f\u00fcrchtete. Es fielen Leutnant Brosius (Adjutant des I. Bataillons) und Major Freiherr von Hanx (5. Kompanie), ferner 11 Unteroffiziere und Mannschaften, au\u00dferdem wurde vermi\u00dft gemeldet, der Adjutant und F\u00fchrer der 3. Bataillons, Major Freiherr von Lerner, und die Offizierstellvertreter Sch\u00e4fer und Herrchen, ferner 29 Unteroffiziere und Mannschaften.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<figure id=\"attachment_68790\" aria-describedby=\"caption-attachment-68790\" style=\"width: 823px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-68790\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/24.08.1914-Tremblois.jpg\" alt=\"\" width=\"823\" height=\"857\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/24.08.1914-Tremblois.jpg 823w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/24.08.1914-Tremblois-288x300.jpg 288w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/24.08.1914-Tremblois-768x800.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 823px) 100vw, 823px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-68790\" class=\"wp-caption-text\">24. und 25.08.1914 Tremblois<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Lage des Grabes von August Volkmann ist unbekannt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_68784\" aria-describedby=\"caption-attachment-68784\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-68784\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/August-Volkmann.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"658\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/August-Volkmann.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/August-Volkmann-300x247.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/August-Volkmann-768x632.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-68784\" class=\"wp-caption-text\">Die Todesanzeige f\u00fcr August Volkmann im Gie\u00dfener Anzeiger<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat August Volkmann stammte aus der hessischen Gemeinde Heuchelheim. 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