{"id":68941,"date":"2026-06-03T06:00:54","date_gmt":"2026-06-03T04:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=68941"},"modified":"2026-06-02T18:36:48","modified_gmt":"2026-06-02T16:36:48","slug":"sonderbeitrag-eduard-mattel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=68941","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: Eduard Mattel"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Eduard Mattel stammte aus der Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dessau\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dessau<\/a> im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Hauptmann und Kompanief\u00fchrer in der 11. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_bei_Neufch%C3%A2teau\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schlacht bei Neufch\u00e2teau<\/a> nahe <a href=\"https:\/\/maps.app.goo.gl\/BxFJiwVCDMoaNunn6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anloy<\/a> in Belgien an der Westfront.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Eduard Mattel berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>Der Vormarsch bis zur Marne. Anloy und Raucourt.<\/em><br \/>\n<em>18. August bis 6. September 1914.<\/em><br \/>\n<em>Der Aufmarsch war beendet. Die Armeen nahmen F\u00fchlung mit dem Feind. In starken M\u00e4rschen r\u00fcckte das XVIII. A.K. in zwei S\u00e4ulen mit erh\u00f6hter Marschsicherung gegen Westen. In gro\u00dfer Hitze bergauf bergab kam unser Regiment an der Spitze der Division am 18. August \u00fcber Bissen\u2014Vichten\u2014Schandel\u2014Bettborn in den Raum Pratz\u2014Folschette; am n\u00e4chsten Tage \u00fcberschritt es bei Martelange unter gro\u00dfem Jubel die belgische Grenze und erreichte Hollange, Sainlez und Chaumont. F\u00fcr die Nacht wurden starke Vorposten an den Surebach vorgeschoben. Am 20. ging es weiter \u00fcber Vaux les Rosi\u00e8res\u2014Laneuville\u2014Wideumont. Kanonendonner verk\u00fcndete die ersten K\u00e4mpfe, in die die Schwesterdivision westlich von Tronquoy (zwischen Libramont und Neufch\u00e2teau) verwickelt war. Bald boten sich dem Auge die ersten Bilder vom Kriege: Verbrannte D\u00f6rfer, Z\u00fcge von Verwundeten und Gefangenen. Am Nachmitage wurde das Regiment alarmiert, s\u00fcdlich von Ste. Marie bereitgestellt und entwickelt mit Front gegen Tronquoy. Zu einem Eingreifen kam es nicht, das Regiment r\u00fcckte nach Ste. Marie zur\u00fcck, wo es im Biwak die erste Feldpost erhielt. Sie sollte f\u00fcr viele den letzten Gru\u00df aus der Heimat bringen.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun hatte man F\u00fchlung mit dem Feind. Meldung \u00fcber Meldung lief ein. Das Detachement Uthmann, bestehend aus dem I.R. 116 und der II.\/Feldart.Regt. 61, marschierte am 21. \u00fcber Ourt und stellte sich bei Sberchamps bereit. Gegen Abend r\u00fcckte es nach Libramont und Recogne ins Quartier. Noch glaubte man es im wesentlichen mit feindlichen Kavalleriekr\u00e4ften zu tun zu haben. Aber der n\u00e4chste Tag sollte uns eines anderen belehren.<\/em><\/p>\n<p><em>Gegen 6 Uhr vorm. (22. August) trat das Regiment als Vorhut den Marsch \u00fcber Ochamps nach Glaireuse an. Auf den H\u00f6hen n\u00f6rdlich von diesem Dorfe stellte es sich bereit. Die Bereitstellung war gegen 9 Uhr vorm. beendet, und die Truppen waren eben aus den Feldk\u00fcchen verpflegt worden, da traf folgender Befehl ein: \u201eJ.R. 116 geht auf dem linken Fl\u00fcgel der 49. Inf.Brig. vor, mit dem linken Fl\u00fcgel an der S\u00fcdecke von Anloy vorbei, rechts Anschlu\u00df an J.R. 115. Die Linie Anloy\u2014Bournonwald soll vorerst nicht \u00fcberschritten werden.\u201c \u00dcber die allgemeine Lage wurde bekannt, da\u00df die 4. Armee mit dem VI. A.K. und VIII. R.K. die Flanken der angreifenden 3. und 5. Armee decken und in ihrer Mitte am Lesse-Abschnitt (XVIII. A.K.) und bei Neufch\u00e2teau (XVIII. R.K.) eine Bereitstellung einnehmen sollte. Die Nachrichten \u00fcber den Feind waren immer noch sehr unbestimmt. Nach Fliegermeldungen sollten in den W\u00e4ldern jenseits des Lessebaches nur Kavallerieabteilungen stehen. Die feindliche Infanterie wurde etwa 50 km dahinter vermutet.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Regiment nahm das II. und III. Batl. ins erste Treffen; hinter dem III. Batl. folgte die M.G.K. Das I. Batl. war hinter dem linken Fl\u00fcgel gestaffelt und stand zun\u00e4chst der Brigade zur Verf\u00fcgung. In guter Ordnung entfalteten sich die Kompagnien und gingen, nachdem der S\u00fcdrand von Anloy \u00fcberschritten war, in Sch\u00fctzenwellen vor. Weiter rechts, wo die 50. Inf.Brig. \u00fcber Libin gegen Maissin vorging, wurde lebhaftes Gewehr- und Artilleriefeuer laut. Unsere Brigade (49. I.B.) dagegen hatte bereits die befohlene Linie erreicht, ohne auf einen Gegner zu sto\u00dfen. So wurde die befohlene Linie im Anschlu\u00df an die rechten Nachbartruppen \u00fcberschritten. Doch kaum hatten die ersten Wellen des II. und III. Batls. gegen 2 Uhr nachm. die H\u00f6hen s\u00fcdwestlich von Anloy erreicht, als ihnen aus einer Entfernung von kaum 400 m lebhaftes Infanterie- und M.G.-Feuer entgegenschlug. Und doch war vom Gegner nichts zu sehen. In Getreidefeldern und am Waldrande hielt er sich vorz\u00fcglich gedeckt, so da\u00df kein sicherer Schu\u00df auf ihn anzubringen war. Aber dem ungest\u00fcmen, unserem Infanteristen zur zweiten Natur gewordenen Drang nach vorw\u00e4rts zeigte sich der Feind nicht gewachsen. Trotz des starken Feuers und trotz der hemmenden Drahtumz\u00e4unungen der Felder gelang es nach mehrmaligem Ansturm, die Getreidefelder allm\u00e4hlich vom Feinde zu s\u00e4ubern und die n\u00e4chsten Waldst\u00fccke zu erreichen. Namentlich am rechten Fl\u00fcgel wurde der Angriff mit rasender Schnelligkeit vorgetragen. Trotz schwerer Verluste und trotz der Mahnungen der Offiziere zur Besonnenheit ging alles nach vorn durch.<\/em><\/p>\n<p><em>Im Walde war zun\u00e4chst das dichte Unterholz ein schwieriges Hindernis und verursachte viele Verluste. Ein weiteres Hemmnis waren die vielen gut versteckten franz\u00f6sischen Baumsch\u00fctzen, die dem Angreifer aus unmittelbarer N\u00e4he ihre verderblichen Sch\u00fcsse entgegensandten, eine Kampfesweise, auf die der Deutsche nicht gefa\u00dft war, gegen die er aber bald wirksame Abhilfe fand. Auch das eigene Artilleriefeuer bel\u00e4stigte hier stellenweise die vorgehenden Kompagnien. In wildem Drauflosgehen und hartem Ringen dachte man wenig an die Verbindung nach r\u00fcckw\u00e4rts, so da\u00df unsere Artillerie nicht wissen konnte, wie weit der Angriff an den einzelnen Punkten vorgetragen war. Aber alle diese Schwierigkeiten konnten den Siegeslauf der in blinder Wut vorst\u00fcrmenden Hessen nicht aufhalten. Waldst\u00fcck auf Waldst\u00fcck wurde dem Gegner entrissen, wobei sich an den einzelnen Waldr\u00e4ndern besonders erbitterte K\u00e4mpfe mit dem z\u00e4hen Gegner abspielten. <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Hier war es auch, wo die beiden unerschrockenen F\u00fchrer der 10. und 11. Komp., die Hauptleute v. Weltzien und Mattel, einen fr\u00fchen Heldentod fanden.<\/strong> <\/span>Auch die F\u00fchrer der 9. und 12. Komp., Hauptleute Wolf und Buhz, mu\u00dften schwer verwundet vom Schlachtfeld getragen werden. So wogte beim II. und III. Batl. der Kampf in der hei\u00dfen August- sonne schon die dritte Stunde. Da drohte gegen 4 Uhr nachm. ein gef\u00e4hr- licher R\u00fcckschlag: Der vorher schon an Zahl \u00fcberlegene Gegner des Regiments schob in der Front ein neues Bataillon ein und suchte gleich- zeitig unsere linke Flanke mit zwei frischen J\u00e4gerbataillonen zu umfassen. Der Angriff in der Front aus dem Walde Derri\u00e8re-Horimont konnte zun\u00e4chst vom II. und III. Batl. nicht aufgefangen werden: Die beiden Bataillone waren zu hart mitgenommen, die Verb\u00e4nde zu sehr durch- einandergew\u00fcrfelt. So mu\u00dften sie dem Sto\u00df ausweichen. Aber bald stellte ein M.G.-Zug unter Lt. de Harde sowie eine Kompagnie der 21. Pioniere die Lage wieder her. Lt. Brendel, der Adjutant des II. Batls., warf sich mit etwa 100 Versprengten aus allen Kompagnien gegen die rechte Flanke. Von neuem kam der Angriff in Flu\u00df, auch das frische Bataillon des Gegners wurde geworfen. Teile der 5. und 8. Komp. unterst\u00fctzten die 4. und 6. Komp. des I.R. 115 beim Sturm auf eine feindliche Batterie, die nach hartem Ringen erobert und trotz mehrfacher wilder Gegenangriffe behauptet wurde. Vizef. Dutin\u00e9 (8. K.) und Braun (5. K.) zeichneten sich dabei besonders aus. Nicht minder schwierig gestaltete sich der Kampf auf dem linken Fl\u00fcgel des Regiments. Hier klaffte eine bedenkliche L\u00fccke in der deutschen Kampffront, da das XVIII. R.K. nach S\u00fcden vorgesto\u00dfen war. Der Gegner hatte diesen schwachen Punkt bald erkannt und holte von Stunde zu Stunde weiter nach links zur Umfassung aus. Als hier gleich zu Beginn der Schlacht das links gestaffelte I. Batl. in Marschkolonne aus einem Hohlweg s\u00fcdwestlich von Anloy heraustrat, wurde es mit einem Hagel von Geschossen \u00fcbersch\u00fcttet, so da\u00df alles volle Deckung nehmen mu\u00dfte. Die vorderen Kompagnien entwickelten sich gruppenweise nach links und arbeiteten sich in w\u00fctendem Infanteriefeuer durch hohe Getreidefelder, ohne indes vom Feinde etwas zu sehen. In einem toten Winkel konnten die 3. und 4. Komp. kurz Atem sch\u00f6pfen. Ihre drei noch am Leben gebliebenen Zugf\u00fchrer, Lt. Pieper, Locher und Offzst. Petri, ordneten hier, was sich um sie gesammelt hatte, und griffen dann ein von den Haubitzen der 61er sturmreif geschossenes, stark besetztes Waldst\u00fcck an. Mutig trug der Sergt. Pistler, umzischt von zahlreichen Geschossen, die entfaltete Fahne des Bataillons mit den st\u00fcrmenden Kompagnien nach vorn. Der Waldstreifen wurde genommen und schnell durchschritten. Aber frische feindliche Kr\u00e4fte setzten zum Gegenangriff an und trafen nament- lich die Leibkompagnie sehr schwer. Viermal hatte sie einen franz\u00f6sischen Vorsto\u00df auszuhalten und verlor drei t\u00fcchtige Offiziere, Lt. v. Erhardt, Meinberg und M\u00fchlberger. Auch in den Ginsterb\u00fcschen jenseits des Waldst\u00fccks waren die Kompagnien starkem feindlichen Strichfeuer aus- gesetzt, das hohe Verluste brachte und zum R\u00fcckzug in das Wald- st\u00fcck zwang.<\/em><\/p>\n<p data-path-to-node=\"3\"><em>Entscheidend f\u00fcr die Abwehr der feindlichen Umfassungsversuche wurde das Eingreifen der Maschinengewehre. Ihnen hatte der Regi- mentskommandeur <span class=\"citation-1948 citation-1949 citation-end-1949\">in richtiger Erkenntnis der Gefahr von vornherein<\/span> <span class=\"citation-1946 citation-1947 citation-end-1947\">die Sicherung der linken Flanke \u00fcbertragen. Sie waren daher s\u00fcdlich<\/span> <span class=\"citation-1944 citation-1945 citation-end-1945\">von Anloy in Stellung gegangen. Dort hatten sie bald drei franz\u00f6sische<\/span> <span class=\"citation-1942 citation-1943 citation-end-1943\">Maschinengewehre, die zwischen den Stra\u00dfen Anloy\u2014Sart und An<\/span><span class=\"citation-1942 citation-end-1942\">loy\u2014<\/span> <span class=\"citation-1941 citation-end-1941\">Haie standen, au\u00dfer Gefecht gesetzt. Infolge der feindlichen Umfassung<\/span> <span class=\"citation-1940 citation-end-1940\">kam j<\/span>edoch Hptm. Poly mit den Gewehren in eine bedr\u00e4ngte Lage. Da ritt Oberst Schimmelfennig in <span class=\"citation-1936 citation-1937 citation-1938 citation-1939 citation-end-1939\">sch\u00e4rfstem Galopp zur Artillerie, erhielt<\/span> <span class=\"citation-1932 citation-1933 citation-1934 citation-1935 citation-end-1935\">dort zwei Gesch\u00fctze und brachte sie an der gef\u00e4hrdeten Stelle in Front.<\/span> <span class=\"citation-1928 citation-1929 citation-1930 citation-1931 citation-end-1931\">Ein f\u00fcrchterliches Blutbad begann. Die beiden Gesch\u00fctze rissen ungeheure<\/span> <span class=\"citation-1924 citation-1925 citation-1926 citation-1927 citation-end-1927\">L\u00f6cher in die \u00fcbe<\/span><span class=\"citation-1924 citation-1925 citation-1926 citation-end-1926\">rfl\u00fcgelnden feindlichen Reihen. Schwadenweise m\u00e4hten<\/span> <span class=\"citation-1921 citation-1922 citation-1923 citation-end-1923\">die Maschinengewehre die vorgehend<\/span><span class=\"citation-1921 citation-1922 citation-end-1922\">en Wellen nieder und schossen mit<\/span> <span class=\"citation-1919 citation-1920 citation-end-1920\">entsetzlicher Genauigkeit und Unerbittlichkeit die Sch\u00fc<\/span><span class=\"citation-1919 citation-end-1919\">tzenlinien des<\/span> <span class=\"citation-1918 citation-end-1918\">Gegners zusammen, <\/span>so da\u00df jedes Leben in ihnen erstarrte. Gefangene schilderten entsetzt die grauenhafte Wirkung dieses vereinigten Artillerie- und M.G.-Feuers, von der man sich am andern Tage beim \u00dcberschreiten des Schlachtfeldes mit Schaudern \u00fcberzeugen konnte.<\/em><\/p>\n<p data-path-to-node=\"4\"><em><span class=\"citation-1916 citation-1917 citation-end-1917\">So tobte der hei\u00dfe Kampf den ganzen Nachmittag, hier in wildem<\/span> <span class=\"citation-1914 citation-1915 citation-end-1915\">Handgemenge mit w\u00fcstem Schreien, dort in schrecklichem Zischen und<\/span> <span class=\"citation-1912 citation-1913 citation-end-1913\">Heulen der todbringenden Geschosse, in Angriff und Gegenangriff um<\/span> <span class=\"citation-1910 citation-1911 citation-end-1911\">den Besitz einzelner<\/span><span class=\"citation-1910 citation-end-1910\"> Waldst\u00fccke, in wildem Vorst\u00fcrmen und ents<\/span>etztem Zur\u00fcckgehen. Die Wildheit hatte besonders beim II. und III. Batl. jede Einheitlichkeit \u00fcber den Haufen geworfen. So wird erkl\u00e4rlich, da\u00df Teile der 10. und 11. Komp. weit rechts beim I.R. 117 gegen das Dorf Maissin k\u00e4mpften. Aber immer noch war die endg\u00fcltige Entscheidung nicht gefallen. Zwar begann von 5 Uhr nachm. an unsere Artillerie kr\u00e4ftiger zu wirken. Die Waldst\u00fccke, in denen sich der Gegner noch hielt, wurden planm\u00e4\u00dfig beschossen. Immer tiefer stie\u00dfen die Kompagnien dem Gegner nach Westen nach. Trefflich half dem I. Batl. eine Kompagnie der 21. Pioniere, deren F\u00fchrer, Hptm. Peters, den Heldentod starb. Doch nur schrittweise gab der Feind eine Stellung nach der anderen auf. Da ert\u00f6nten gegen 7 Uhr nachm. in unserem R\u00fccken Kommandorufe. Die lang ersehnte Unterst\u00fctzung war da! In vierst\u00fcndigem Marsche war die 16. R.D. unter Generallt. Mooz von der Eisenbahn nach dem Schlachtfelde geeilt, um den Kameraden Hilfe zu bringen. Nun schw\u00e4rmten die Kompagnien des R.I.R. <span class=\"citation-145 citation-end-145\">28 ein. Da gab&#8217;s kein Halten mehr. Mit Bajonett und Spaten wurde der bis zum \u00e4u\u00dfersten sich wehrende Gegner aus seinen letzten Stellungen geworfen. Blau und rot quoll es aus den Waldst\u00fccken heraus. Auf wenige hundert Meter lief der nach S\u00fcden abziehende Gegner in das Flankenfeuer des I. <\/span>Batls. <span class=\"citation-143 citation-144 citation-end-144\">hinein und erlitt schreckliche Verluste. Erst die Dunkelheit machte dem Kampfe ein Ende. V\u00f6llig ersch\u00f6pft sammelten sich die Bataillone auf der H\u00f6he bei Anloy. Bei der Unsicherheit der Gesamtlage \u2014 der rechte Fl\u00fcg<\/span><span class=\"citation-143 citation-end-143\">el der Division hatte wegen drohender Umfassung das um 5 Uhr <\/span>nachm. gest\u00fcrmte Maissin wieder r\u00e4umen m\u00fcssen \u2014 wurde die H\u00f6he und der Dorfrand zur Verteidigung eingerichtet.<\/em><\/p>\n<p data-path-to-node=\"3\"><em>Eine schwere Aufgabe harrte der \u00c4rzte und Krankentr\u00e4ger. Im Kampfe mit Freisch\u00e4rlern, die aus den <span class=\"citation-139 citation-140 citation-141 citation-142 citation-end-142\">H\u00e4usern auf die durchziehenden Verwundeten schossen und die Gefechtsstaffel zersprengten, hatte Stabsarzt Dr. Szubinski am Westausgang des Dorfes den Verbandsplatz des Regiments eingerichtet. Den ganzen Nachmittag \u00fcber str\u00f6mt<\/span><span class=\"citation-139 citation-140 citation-141 citation-end-141\">en die Verwundeten zu, und bald war alles \u00fcberf\u00fcllt. Eine schier nicht zu bew\u00e4ltigende Arbeit f\u00fcr f\u00fcnf \u00c4rzte mit wenige<\/span><span class=\"citation-139 citation-140 citation-end-140\">n Helfern; dazu in stundenlangem Artilleriefeuer. Nach Mitternacht erschienen die Krankentr\u00e4ger der San<\/span><span class=\"citation-139 citation-end-139\">it\u00e4tskomp<\/span>agnie <span class=\"citation-137 citation-138 citation-end-138\">mit Fackeln. Sie wurden aber beim Absuchen des Schlachtfeldes noch vielfach vom Feinde beschossen. Trotzdem wurden die meisten der hilflos daliegenden und dem Verschmachten nahen Schwerverwundeten noch w\u00e4hr<\/span><span class=\"citation-137 citation-end-137\">end der Nacht zur\u00fcckgeschafft. Viele aber <\/span>mu\u00dften in ihrer Todespein den kommenden Morgen abwarten, bis sie aufgefunden und geborgen werden konnten.<\/em><\/p>\n<div class=\"source-inline-chip-container luminous-sources ng-star-inserted\"><em><span class=\"citation-75 citation-76 citation-77 citation-end-77\">Die erste Schlacht war geschlagen. Der blutigste Tag des ganzen Krieges lag hinter dem Regiment. Der Sieg hatte sich an seine Fahnen geheftet. Ein starker und tapferer Gegner war aus Stellungen gejagt worden, die er sich dr<\/span><span class=\"citation-75 citation-76 citation-end-76\">ei Tage lang mit Sorgfalt ausgesucht und ausgebaut hatte. R\u00fchmliche Taten, die alle der Erw\u00e4hnung<\/span><span class=\"citation-75 citation-end-75\"> wert w\u00e4ren, waren alle<\/span>rorten vollbracht worden. Aber gro\u00df, sehr gro\u00df waren auch die Verluste. Kein Tag des Feldzugs hat vom Regiment so viele Opfer gefordert wie der Tag von Anloy. Innerhalb weniger Stunden hat es \u00fcber 1000 Mann, mehr als ein Drittel seines Bestandes, verloren. 13 Offiziere, darunter au\u00dfer den schon erw\u00e4hnten der bew\u00e4hrte F\u00fchrer der 4. Komp., Hptm. v. Normann, und Oberlt. Ebel von der 6., der am n\u00e4chsten Morgen seiner schweren Verwundung erlag, ferner Lt. Becker, v. Grolmann, Eichhoff, Klein, Walter und der Fahnenj. <span class=\"citation-73 citation-74 citation-end-74\">Sch\u00e4fer waren auf dem Schlachtfelde geblieben; 340 brave Unteroffiziere und Mannschaften waren mit ihnen in den Tod gegangen. Fast doppelt so hoch war die Zahl der Verwundeten. Unter ihnen waren 20 Offiziere: Das<\/span><span class=\"citation-73 citation-end-73\"> I. Bat<\/span>l. hatte den Hptm. v. Th\u00fcmen und die Lts. Locher, Malzahn, Pieper, Scherer und den F\u00e4hnr. Marquardt verloren; das II. b\u00fc\u00dfte Lt. Schroeder, Johlen, Hellwig und Buchholz ein; am schwersten aber waren die Verluste beim III., wo au\u00dfer den vier Kompagnief\u00fchrern die Lts. Dingeldein, Flotho, Fischer, Loerbrocks, Schmidt, Meyer und Freytag fehlten. In der M.G.K. waren Oberlt. Kienitz und Lt. de Harde (D. E.) verwundet. An Unteroffizieren und Mannschaften waren 599 verwundet, 72 wurden vermi\u00dft. <span class=\"citation-70 citation-71 citation-72 citation-end-72\">Der Name Anloy sollte einen schrecklichen Klang in der hessischen Heimat erhalten. Da war kein St\u00e4dtchen und D\u00f6rfchen, in das nicht die Nachricht gedrungen w\u00e4re: \u201eBei Anloy gefallen!\u201c Aber darum ist der Name auch zum Ehrennamen der K\u00e4mpfer de<\/span><span class=\"citation-70 citation-71 citation-end-71\">s 22. August geworden. Von allen Kr\u00e4nzen, die sich das Regiment in diesem gro\u00dfen Krieg errungen, ist der Kra<\/span><span class=\"citation-70 citation-end-70\">nz von Anloy der sch\u00f6nste. Er wird nie welken.<\/span><\/em><\/div>\n<\/blockquote>\n<p>Man begrub Eduard Mattel auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-root=\"1\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/kriegsgraeberstaetten.volksbund.de\/friedhof\/anloy-heide\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anloy-Heide<\/a><\/span> in Block 1, Grab 77.<\/p>\n<figure id=\"attachment_68942\" aria-describedby=\"caption-attachment-68942\" style=\"width: 787px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-68942\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Eduard-Mattel.jpg\" alt=\"\" width=\"787\" height=\"782\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Eduard-Mattel.jpg 787w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Eduard-Mattel-300x298.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Eduard-Mattel-150x150.jpg 150w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Eduard-Mattel-768x763.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 787px) 100vw, 787px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-68942\" class=\"wp-caption-text\">Die Todesanzeige f\u00fcr Eduard Mattel im Gie\u00dfener Anzeiger<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Eduard Mattel stammte aus der Stadt Dessau im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Hauptmann und Kompanief\u00fchrer in der 11. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er w\u00e4hrend der Schlacht bei Neufch\u00e2teau nahe Anloy in Belgien an der Westfront. \u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Eduard Mattel berichtet [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_wp_rev_ctl_limit":""},"categories":[2,1553,8],"tags":[10553,13158,168,13240,4212,566,15556,1087,6871,9025,10548,1527],"class_list":["post-68941","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-weltkrieg","category-belgien","category-sterbebilder","tag-116-infanterie-regiment","tag-anloy-heide","tag-belgien","tag-dessau","tag-hauptmann","tag-kompaniefuehrer","tag-neufchateau","tag-regimentsgeschichte","tag-sachsen-anhalt","tag-schlacht-bei-neufchateau","tag-wallonie","tag-westfront"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68941","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=68941"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68941\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":68948,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68941\/revisions\/68948"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=68941"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=68941"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=68941"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}