{"id":69134,"date":"2026-06-08T18:00:39","date_gmt":"2026-06-08T16:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=69134"},"modified":"2026-06-08T15:57:42","modified_gmt":"2026-06-08T13:57:42","slug":"sonderbeitrag-carl-witkop","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=69134","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: Carl Witkop"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Carl Witkop (Verlustliste &amp; Regimentsgeschichte: Karl Moritz Wittkop) stammte aus der hessischen Stadt Braunfels und lebte in der Nachbarstadt Weilburg an der Lahn. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Vizefeldwebel (Verlustliste: Unteroffizier) in der 11. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 27.09.1914 fiel er in Frankreich an der Somme. Er wurde bei Fresnoy get\u00f6tet.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Carl Witkop berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Der n\u00e4chste Mittag (27. Sept.) brachte wieder einen Angriffsbefehl. Es sollte sofort gegen Fresnoy angetreten werden. Der Angriff sollte das weiter rechts vorgehende XXI. A.K. entlasten. Aber er war bei dem Mangel an jeglicher Vorbereitung zur Aussichtslosigkeit verurteilt. Gleich der Anfang zeigte dies: Der linke Fl\u00fcgel des II. Batls. konnte infolge rasenden Feuers aus der linken Flanke, wo der Gegner noch bei Waucourt lag, nicht aus dem Graben herauskommen. So sprang gegen 3 Uhr nachm. nur das III. Batl. zusammen mit dem II.\/117 aus der Deckung und st\u00fcrmte gegen die Route nationale Roye\u2014P\u00e9ronne vor. Trotz heftigen Feuers erreichten sie die Stra\u00dfe. Aber diese lag unter so starkem Artilleriefeuer, da\u00df man sie nicht \u00fcberschreiten konnte. Zwar gelang dem III. Batl. und einer Abteilung des II. die Wegnahme der Ferme de l\u2019Abbaye, aber weiter war nicht vorzukommen, da die linke Flanke vollst\u00e4ndig offen lag. Die Bataillone blieben also vor der Stra\u00dfe liegen. Auch die Truppen des XXI. A.K. gingen rechts nicht weiter vor, schickten vielmehr die Meldung, da\u00df der beabsichtigte Zweck ihres Scheinangriffs erreicht sei. Deswegen wurden bei Einbruch der Dunkelheit die vor der Stra\u00dfe liegenden Kompagnien wieder in die Ausgangsstellung zur\u00fcckgenommen. Leib- und 3. Komp. wurden wegen der L\u00e4nge des Abschnitts zwischen dem II. und III. Batl. eingeschoben. Der Feind blieb w\u00e4hrend der Nacht jenseits der gro\u00dfen Stra\u00dfe, so da\u00df die Krankentr\u00e4ger der Bataillone und der Sanit\u00e4tskompagnie das Vorgel\u00e4nde nach Verwundeten absuchen konnten. An Offizieren wurden in diesen K\u00e4mpfen vor Gruny Lt. Bertermann, Clar, Sch\u00e4fer und Spangenberg verwundet.<\/em><\/p>\n<p><em>Die zwei folgenden Tage brachten keine Ver\u00e4nderung der Lage. N\u00e4chtliche Patrouillen meldeten eifriges Schanzen des Gegners am Bahndamm Roye\u2014Chaulnes. Starker Gefechtsl\u00e4rm links lie\u00df auf schwere K\u00e4mpfe der Regimenter 115 und 118 und der 21. I.D. schlie\u00dfen. Am 29. lag das III. Batl. rechts, das I. links in der Stellung vor Gruny, das II. als Reserve in Sept Fours. Da er\u00f6ffnete gegen Mittag unsere Artillerie ein heftiges Feuer auf den Bahndamm und das Dorf Fresnoy. Die Infanterie horchte auf. Sie war f\u00fcr solche Dinge feinh\u00f6rig geworden. So kam der Angriffsbefehl am 30. nicht unerwartet. Um 2 Uhr nachm. hie\u00df es: Fresnoy ist anzugreifen, bis 4 Uhr nachm. soll der Bahndamm \u00fcberschritten sein. Das Regiment gab hierzu folgenden Befehl: \u201eIn vorderer Linie geht das I. Batl. (links) und das II.\/117 (rechts) vor; Trenungslinie beider Bataillone ist der Weg Cr\u00e9mery\u2014Fresnoy. Das III. Batl. folgt hinter der Mitte, das II. bleibt mit zwei Bataillonen des I.R. 117 als Divisionsreserve in Thilloy.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Gegen 3 Uhr nachm. traten die beiden vorderen Bataillone an; unser I. Batl. hatte die 3. und 4. Komp. vorn, dahinter die 2., die Leibkompagnie in dritter Linie. Wieder \u00fcbersch\u00fcttete die feindliche Artillerie die vorgehenden Sch\u00fctzenwellen an der gro\u00dfen Stra\u00dfe, besonders in der N\u00e4he der Ferme, mit einem Hagel von Geschossen, die von Roye her prasselnd durch die hohen Baumriesen fegten und sie wie Streichh\u00f6lzer knickten. Aber diesmal gelang es, die Stra\u00dfe zu \u00fcberschreiten. Auch das vom Bahndamm her einsetzende Infanteriefeuer konnte, so h\u00f6llisch es durch die L\u00fcfte pfiff, die Kompagnien in ihrem Anlauf nicht aufhalten. In schnellen Spr\u00fcngen arbeiteten sich die vorderen Wellen an den Gegner heran und st\u00fcrmten den Bahndamm. Es war 4 Uhr nachm. Aber jenseits des Bahndamms wollte es nicht mehr vorw\u00e4rts gehen. Der Dorfrand von Fresnoy war wie eine Festung ausgebaut und stark besetzt und die Gefechtsst\u00e4rke unserer Kompagnien so gering. Alles mu\u00dfte auf freiem Felde liegenbleiben und auf Unterst\u00fctzung warten. Inzwischen war das II. Batl. mit dem III.\/117 von Thilloy nach Cr\u00e9mery vorger\u00fcckt, w\u00e4hrend sich das III. Batl. aus seiner Stellung bei Gruny auf das brennende Fresnoy vorarbeitete, um dem I. Hilfe zu bringen. Gleichzeitig eilte auch das I.\/117 seinem II. Batl. zu Hilfe. Die Nacht war bereits heraingebrochen, als diese beiden Bataillone in der vorderen Linie einschw\u00e4rmten. Auch sie hatten sich erst durch starkes Artilleriefeuer und vom Bahndamm ab durch den Kugelregen durcharbeiten m\u00fcssen. Nach nochmaliger starker Artillerievorbereitung wurde um 11.30 nachm. zum Sturm angetreten. Die brennenden H\u00e4user wiesen den Angreifern den Weg. Gleichzeitig mit den vier Bataillonen der Regimenter 116 und 117 lief von Nordosten aus der Richtung von Liancourt her ein Bataillon des I.R. 70 gegen das Dorf an. Der Sturm gl\u00fcckte gl\u00e4nzend. \u00dcberall wurden die feindlichen Stellungen unter gellendem Kriegsgeschrei im Bajonettangriff genommen, wobei es an vielen Stellen zu verzweifeltem Nahkampf kam. Sofort stie\u00dfen die Kompagnien durch die gespenstisch erleuchteten Stra\u00dfen dem fliehenden Gegner nach bis zum Westrand des Dorfes. Hier machten sie halt. Es war um Mitternacht. Eiligst wurden die v\u00f6llig vermischten Verb\u00e4nde, so gut es ging, geordnet. Dann wurden den einzelnen Bataillonen ihre Verteidigungsabschnitte zugewiesen. Und dann Spaten raus! Das I. Batl., rechts an I.R. 117 angelehnt, hob einen Graben zwischen den Wegen Fresnoy\u2014Parvillers und Fresnoy\u2014Damery aus; das III. baute links anschlie\u00dfend seine Verteidigungsstellung bis zu dem Wege Fresnoy\u2014Goyencourt. Zur gr\u00f6\u00dferen Sicherheit wurde die M.G.K. an den Ostrand von Fresnoy vorgezogen. Da die 12. Komp. am linken Fl\u00fcgel des Regiments bis zum Morgen keinen Anschlu\u00df nach der Flanke fand, drohte an diesem Punkte eine Zeitlang die Gefahr eines R\u00fcckschlags. Aber der Vorsto\u00df, den der Gegner beim Morgengrauen aus Damery heraus machte, war mit zu schwachen Kr\u00e4ften angesetzt und konnte daher leicht zur\u00fcckgewiesen werden.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Lage des Grabes von Carl Witkop ist unbekannt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_69133\" aria-describedby=\"caption-attachment-69133\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-69133\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Carl-Witkop.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"521\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Carl-Witkop.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Carl-Witkop-300x195.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Carl-Witkop-768x500.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-69133\" class=\"wp-caption-text\">Die Todesanzeige f\u00fcr Carl Witkop im Gie\u00dfener Anzeiger<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Carl Witkop (Verlustliste &amp; Regimentsgeschichte: Karl Moritz Wittkop) stammte aus der hessischen Stadt Braunfels und lebte in der Nachbarstadt Weilburg an der Lahn. 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