{"id":69244,"date":"2026-06-10T21:00:31","date_gmt":"2026-06-10T19:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=69244"},"modified":"2026-06-10T17:28:16","modified_gmt":"2026-06-10T15:28:16","slug":"sonderbeitrag-fritz-schiele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=69244","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: Fritz Schiele"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Fritz Schiele stammte aus Hirzenhain, Kr. B\u00fcdingen, Oberhessen. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Leutnant und Kompanief\u00fchrer 4. Kompanie des 48. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 06.10.1914 fiel er w\u00e4hrend der Schlacht bei Schirwindt in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kutusowo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schirwindt<\/a> (seit 1945 russisch: Kutusowo).<\/p>\n<p>\u00dcber die Todesumst\u00e4nde und den Todestag von Fritz Schiele berichtet die Regimentsgeschichte des 48. Landwehr-Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Am 6. Oktober fr\u00fch 5 Uhr versammelte sich die Brigade zum Gefecht auf einem weiten Brachfeld am Ostausgange von Willuhnen. Ueber den Stoppeln lag dichter feuchter Nebel aber bald k\u00e4mpfte sich die steigende Sonne siegreich durch und lie\u00df die roten Beeren und das herbstliche Laub der die Chaussee s\u00e4umenden Ebereschen in flammenden Farben aufleuchten.<\/em><\/p>\n<p><em>Um 6 Uhr trat die Vorhut an \u2014 II.\/48 und die Artillerie, die 6. Kompagnie an der Spitze \u2014 im Gro\u00df marschierte das I. Bataillon, ihm folgte mit 11 Kompagnien das Landwehr-Infanterie-Regiment 24, eine Kompagnie war dem Kommandanten von Tilsit zur\u00fcckgelassen worden. Um 9 Uhr war Gobverischten erreicht und die Vorhut entwickelte sich rechts der Chaussee zum Angriff auf Schirwindt. Bald schlug ihr feindliches Feuer entgegen. Der<\/em><br \/>\n<em>Spitzengang der 6. Kompagnie kam, vom Gel\u00e4nde beg\u00fcnstigt, bis auf 600 m an die russische Stellung heran, ehe ihr die feindlichen Sch\u00fctzen durch wirksames Feuer zwangen, einzugraben und das Gefecht aufzunehmen. Die noch weiter rechts vorgehende 5. Kompagnie n\u00e4herte sich gleichfalls ohne wesentliche Verluste auf wirksame Schu\u00dfweite den Gr\u00e4ben des linken Fl\u00fcgels der Sibitrier, \u00fcber die beiden hart rechts der Chaussee ausgeschw\u00e4rmten Z\u00fcge der 6. Kompagnie entlud sich dagegen die ganze Wut des Feindes. Sie kamen in ein rasendes Maschinengewehrfeuer und mu\u00dften hinter einer Reihe h\u00f6lzerner Scheunen Deckung suchen; aber die Deckung war tr\u00fcgerisch. Die Geschosse durchschlugen klappend die Ballenw\u00e4nde der leeren Geb\u00e4ude und verbreiteten Tod und Verderben in den Reihen der K\u00e4mpfer. Feldwebel Gagelmann und Offizierstellvertreter Sch\u00e4f fielen durch Kopfschu\u00df, mit ihnen bluteten viele tapfere Leute. Inzwischen brachte Generalleutnant Clausius das I. Bataillon und mehrere Kompagnien des Landwehr-Infanterie-Regiments 24 links der Chaussee ins Gefecht; aber auch sie litten schwer unter dem mit verschwenderischem Munitionsumsatz gen\u00e4hrten Feuer der Maschinengewehre. Unabl\u00e4ssig durchk\u00e4mmten die Feldbeherr Offiziere und die Scherenfernrohre der Artillerie-Beobachter das Feld, um den Stand der Gewehre zu entdecken; sie mu\u00dften sehr hoch eingebaut sein, denn sie \u00fcberschossen alle niedrigen Deckungen. Die Gl\u00e4ser richteten sich auf die ragenden T\u00fcrme der Kirche. Dort mu\u00dfte man sie finden, daran war kein Zweifel mehr. Hinter den gro\u00dfen gotischen Spitzbogenaufsichten am Glockenstuhl des s\u00fcdlichen Turmes regte sich etwas. Die Artillerie scho\u00df sich ein. Dann traf ein Schu\u00df einen Fensterpfeiler, eine Wolke roten Ziegelstaubs stob auf, ein paar verlogene Sch\u00fcsse, dann klaffte ein gro\u00dfes Loch im Mauerwerk und nach einem Schu\u00df, dann repetierte ein Volltreffer im Glockenturm die Gewehre, die so unheilvoll unter den K\u00e4mpfern an der Chaussee gewirkt hatten, schwiegen. Wenige Minuten vorher hatte sich ein letztes Opfer gefordert. Major Dehlmann st\u00fcrzte, beraubt von den schweren Verlusten seiner Kompagnien unbek\u00fcmmert um das Pfeifen der Geschosse, an der Sch\u00fctzenlinie entlang, um die Mannschaften zu ermuntern. In einen schwarzen Delmantel gekleidet, war er mit seiner hohen kr\u00e4ftigen Gestalt weithin sichtbar. Von allen Seiten rief man ihm warnend zu, er verfolgte unbeirrt seinen Weg. Da fa\u00dfte ihn die Gescho\u00dfgarbe eines Maschinengewehrs, wie vom Blitz gef\u00e4llt st\u00fcrzte er zur Erde. Sterbend wurde er von der Wahlstatt getragen, bevor er verschied lie\u00df ihm der Brigade- kommandeur noch das eiserne Kreuz an die Brust heften.<\/em><\/p>\n<p><em>Es war jetzt 2 Uhr nachmittags. Generalleutnant Clausius hielt die Zeit der Entscheidung f\u00fcr gekommen und gab der Artillerie Befehl den Sturm vorzubereiten. Bis dicht hinter die Sch\u00fctzenlinie jagte in gewohnter Schwung Hauptmann Fletcher mit seinen Batterien heran. Das Feuer richtete sich gegen die Stellungen rechts der Chaussee, aus denen der sch\u00e4rfste Widerstand gekommen war. Es lag vorz\u00fcglich; wie dunkle M\u00fctzen senkten sich die W\u00f6lkchen der berstenden Granaten \u00fcber den gelben Sand der aufgeworfenen Grabenb\u00f6schungen. Zwanzig Minuten feuerten die Kanoniere, was sie aus dem Rohr bekamen, dann traten mit aufgepflanztem Bajonett die Reserven an und rissen die Sch\u00fctzenlinien mit. Das Artilleriefeuer hatte m\u00f6rderisch gewirkt, verst\u00fcmmelte Russen lagen tot oder verwundet in allen Gr\u00e4ben. Die \u00dcberlebenden hoben, als wir auf 50 m heran waren, die H\u00e4nde und lie\u00dfen sich gefangen nehmen. Aber es gab unter den z\u00e4hen Sibiriern auch M\u00e4nner, die siegen oder sterben wollten. Als sich Major v. Treskow inmitten der Sturmkolonnen des I. Bataillons dem vordersten feindlichen Graben auf 30 Schritt gen\u00e4hert hatte, da legte ein Russe kaltbl\u00fctig sein Gewehr auf ihn an, sein Schu\u00df traf den Kommandeur am Oberschenkel, im n\u00e4chsten Augenblick durchbohrten den kecken Sch\u00fctzen die Bajonette der sich auf ihn st\u00fcrzenden Wehrm\u00e4nner. Dann schritt der Sturm ohne Widerstand \u00fcber die Stellungen hinweg. In den von Ruinen eingefassten Stra\u00dfen des St\u00e4dtchens, wo die deutsche Artillerie nicht so gr\u00fcndlich gewirkt hatte, entspann sich noch ein kurzer heftiger Nahkampf, bei dem die feldgrau gekleideten Offiziere von den feindlichen Gewehren besonders aufs Korn ge- nommen wurden. <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Leutnant Schiele fiel an der Spitze seiner Kompagnie.<\/strong><\/span> Oberleutnant Thomas, sein Adjutant des II. Bataillons und Leutnant Schwerin, der F\u00fchrer der 8. Kompagnie wurden schwer verwundet. Gegen 4 Uhr war die gesamte Stellung des Feindes in der Hand der 9. Landwehrbrigade und der Russe auf der Flucht nach dem Walde \u00f6stlich Wladyslawow. Die Brigade hatte eine \u00fcberlegene feindliche Streitmacht in stark verschanzer Stellung aufs Haupt geschlagen. An der Kirche von Schirwindt sammelten sich die beim Sturm durcheinandergekommenen Verb\u00e4nde. Generalleutnant Clausius trat an die K\u00e4mpfer heran und begr\u00fc\u00dfte sie mit hallender Stimme: \u201eEuch geh\u00f6rt die Ehre des Tages, Ihr seid Eurer Vorfahren wert, der Feind wird Euch niemals widerstehen\u201c. Dann wandte er sich zu seinen Adjutanten: \u201eVerpflegung aus der eisernen Portion\u201c. Die blutigen Verluste des Feindes waren schwer, verwundete Gefangene wurden nur 200 eingebracht, das Gewirr der Brand- stellen in Schirwindt hatte das Entkommen der Fliehenden erleichtert. Auf dem S\u00fcdturm der Kirche wurden die Maschinengewehre auf- gefunden, begraben unter den Leichen der von den Granaten er- schlagenen Bedienungsmannschaft. Aber auch die 9. Landwehrbrigade hatte hei\u00df geblutet. Die Kompagnie hatte allein mehr als 60 Mann verloren. Anstelle des gefallenen Majors Dehlmann \u00fcbernahm Hauptmann d. L. Friedel den Befehl \u00fcber das II. Bataillon; f\u00fcr den ver- wundeten Major v. Treslow trat Hauptmann d. L. Ruste als F\u00fchrer des I. Bataillons ein. Die Verb\u00e4nde wurden geordnet, dann brach der Abend herein. Landwehr-Infanterie-Regiment 24 erhielt Befehl Vorposten auf Wladyslawow vorzuschieben. Landwehr- Infanterie-Regiment 48 bezog Biwak zwischen Schirwindt und Gobenfichten; unweit dieses Orts, im H\u00e4uschen des Windm\u00fcllers auf der Chaussee, schlug der Brigadestab sein Quartier auf. Dunkel (schweigen) trat \u00fcber die ruhende Truppe. Schienen kamen von dem hei\u00dfen Kampftage aufgest\u00f6rt zur Ruhe und mancher, der manches Schl\u00e4fers tauschte sie wieder um den Sammelruf eines mitten Kriegssturm \u00e4hnlich zischen und Sausen der Maschinengewehrsch\u00fcsse vor.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Lage des Grabes von Fritz Schiele konnte ich nicht ermitteln.<\/p>\n<figure id=\"attachment_69245\" aria-describedby=\"caption-attachment-69245\" style=\"width: 1066px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-69245\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Fritz-Schiele.jpg\" alt=\"\" width=\"1066\" height=\"945\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Fritz-Schiele.jpg 1066w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Fritz-Schiele-300x266.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Fritz-Schiele-800x709.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Fritz-Schiele-768x681.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1066px) 100vw, 1066px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-69245\" class=\"wp-caption-text\">Die Todesanzeige f\u00fcr Fritz Schiele im Gie\u00dfener Anzeiger<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Fritz Schiele stammte aus Hirzenhain, Kr. 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