{"id":69292,"date":"2026-06-12T18:00:55","date_gmt":"2026-06-12T16:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=69292"},"modified":"2026-06-12T17:12:43","modified_gmt":"2026-06-12T15:12:43","slug":"sonderbeitrag-otto-fischer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=69292","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: Otto Fischer"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Otto Fischer stammte aus der hessischen Stadt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lorsch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lorsch<\/a>. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Unteroffizier und Fahnenjunker in der 6. Kompanie des 116. infanterie-Regiments. Am 06.10.1914 verstarb er nach schwere Verwundung am 10.09.1914 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maurupt-le-Montois\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bei Maurupt-le-Montois<\/a> an der Marne im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Martin-Gropius-Bau_(Koblenz)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Festungslazarett Koblenz<\/a>.<\/p>\n<p>\u00dcber den Tag der schweren Verwundung berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Am Abend des 9. Sept. kam der Befehl f\u00fcr ein Unternehmen, das in der Geschichte der Division beispiellos dasteht. Ein Unternehmen, das sich von den vielen Grauenhaften jener Schreckenstage am tiefsten im Ged\u00e4chtnis festgesetzt hat, an das sich jeder, der daran teilgenommen, nur mit Schauern erinnern kann. Das vom Feinde stark besetzte Maurup sollte in der kommenden Nacht \u00fcberrumpelt und ges\u00e4ubert werden. Alles war auf den Schutz der Dunkelheit, auf gr\u00f6\u00dfte Stille und Schnelligkeit berechnet. So waren auch die Vorbereitungen: Das Gep\u00e4ck wurde zur\u00fcckgelassen, nur Sturmgep\u00e4ck mit Eisernen Portionen wurde mitgenommen. Die Schl\u00f6sser wurden aus den Gewehren genommen und zum Schutz getragen, die Seitengewehre wurden aufgepflanzt. Kein Schu\u00df sollte den ruhenden Gegner zu fr\u00fch wecken, am Schie\u00dfen sollte man den Feind, an Hieb und Sto\u00df den Freund erkennen. Wei\u00dfe Armbinden wurden ausgegeben; sie sollten beim Vorgehen den Nebenmann zeigen und Handgemenge vermeiden helfen. Um 3 Uhr vorm. waren alle Vorbereitungen zu Ende. In lautloser Stille hatte das I.R. 115 seine Linien in Breite von 1 km aufgestellt. Das I.R. 116 und ein Bataillon 117 folgte gestaffelt und hatte den Flankenschutz zu \u00fcbernehmen. Um 4 Uhr vorm. setzten sich die sieben Bataillone leise in Bewegung. Kein Kommando ert\u00f6nte. In guter Ordnung schritten die Kompagnien \u00fcber die Felder. Da f\u00e4llt vorn ein Schu\u00df. Ein franz\u00f6sischer Posten ist aufmerksam geworden. Die Antwort ist ein tausendstimmiges Hurra! So j\u00e4he ist die Stille der Nacht selten gest\u00f6rt worden. Die feindlichen Posten und Feldwachen werden \u00fcberrannt, alles st\u00fcrmt ins Dorf. Dort entsteht ein f\u00fcrchterliches Handgemenge, gespenstisch erleuchtet von einzelnen brennenden H\u00e4usern. A. Brendel schildert das als ein Dorftagungswunder. Schrecken sind die Verluste, die die Regimenter erlitten haben, nicht mehr Zeit zum Fliehen, jetzt ist nur Mehr. Von Hof zu Hof, von den hell erleuchteten L\u00e4ngsstra\u00dfen der H\u00e4user, st\u00fcrmt das Dorf, die Kompagnien der drei Regimenter k\u00e4mpfen sich fort, von einem Hof zum anderen in heftigem Kampfe mit dem Feinde. Ein wildes Handgemenge, das sich in der Stra\u00dfe fortsetzt, von Schreien und Kommandorufen begleitet, von Bajonettst\u00f6\u00dfen und Kolbenschl\u00e4gen. Um 5 Uhr ist das Dorf in Flammen, die letzten franz\u00f6sischen Truppen fliehen. Um 5 Uhr ist das Dorf in deutscher Hand. H\u00e4user, H\u00f6fe und G\u00e4rten, Schrei, Fliehen und Verfolgen im alten Stra\u00dfen, Hieb und Sto\u00df, Kolbenschl\u00e4ge und Bajonettstiche, dazwischen das Schreien und St\u00f6hnen der Schwerverwundeten, alles im flackernden Feuerschein der brennenden Scheunen und H\u00f6fe: Ein schrecklicheres Bild hat das Auge im Kriege nie gesehen.<\/em><\/p>\n<p><em>In blinder Wut stie\u00dfen die Truppen durch bis zur S\u00fcdwestecke des Dorfes. Hier konnten sich Teile des I. und II. Batls. wieder zusammenfinden. Sie wurden als Reserve und linke Flankensicherung zur\u00fcckgenommen in die Lehmgruben n\u00f6rdlich von Maurupt. Das \u00fcbrige, haupts\u00e4chlich Leute des III. Batls., versuchte zun\u00e4chst, eine feindliche Batterie wegzunehmen, die s\u00fcd\u00f6stlich von Maurupt stand und tags zuvor durch ihr Feuer sehr l\u00e4stig geworden war. Aber sie war bereits verschwunden. Darum schwankten sie rechts ab und gingen vermischt mit 115 und 117 weiter vor. In einer Lehmgrube s\u00fcdwestlich von Maurupt sammelten sie sich, um bei Hellwerden gegen Monton vorzugehen. Der Gegner flutete in Richtung Cheminin und erlitt hierbei starke Verluste durch das Maschinengewehrfeuer. Nachmittags des 21.9. gelang es, bereits im Begriffsteile einzur\u00fccken. Zur Verl\u00e4ngerung dieser Stellung nach Osten wurde noch das I. Btl. in den Birkengeh\u00f6lz s\u00fcdlich Monton lang. Hier etwa 100 Mann unseres Regiments, die unter den Befehl des Hptm. Haak von J.R. 117 traten. Aber auf das Grabenstich kam nach kurzer Zeit starkes Artilleriefeuer, das mit gro\u00dfer Genauigkeit gezielt war. Besonders ungem\u00fctlich waren die schweren Kaliber, die ununterbrochen dicht vor und hinter dem Graben einschlugen. Es waren Stunden harter Geduldsprobe und starker Anforderungen an die Nerven, die noch zitterten unter dem Eindruck der Greuel der Nacht. Gegen Abend traf der Befehl ein, da\u00df das Regiment sich in der alten Stellung bei den Ziegeleien sammeln sollte. So wurden dann im Schutze der Dunkelheit die H\u00f6hen s\u00fcdlich von Maurupt ger\u00e4umt. Sie waren die am weitesten nach S\u00fcden gelegene Stellung, die das Regiment im Verlaufe dieses Krieges inne hatte.<\/em><\/p>\n<p><em>Der vierte und schwerste Tag der hei\u00dfen K\u00e4mpfe an der Marne war zu Ende. Wieder war es gelungen, den Gegner trotz \u00dcbermacht und z\u00e4her Gegenwehr zu werfen. Eine gl\u00e4nzende Waffentat war vollbracht, der Weg an die Marne war erzwungen, der Feind in die Flucht, die Aussicht f\u00fcr weiteres Vordringen war nicht geringer als bisher. Die Gefechtsst\u00e4rke der Kompagnien war freilich sehr gering geworden. 8 Offiziere, 531 Unteroffiziere und Mannschaften hatte das Regiment in den drei Tagen wieder verloren. Major von Alten, um dessen Person sich die heftige Fehde der franz\u00f6sischen und deutschen Presse drehte, erhielt am 9. einen Kopfschu\u00df und begab sich am folgenden Tage zur \u00e4rztlichen Behandlung nach Sermaize. Dort wurden ihm tags darauf durch einen Volltreffer beide Beine zerschmettert. Er geriet nach dem R\u00fcckzug ebenso wie Lt. Haagner den Franzosen in die H\u00e4nde und starb. Die Haltlosigkeit der gegen ihn erhobenen Anschuldigungen kann von jedem Mitk\u00e4mpfer bezeugt werden. Au\u00dferdem fanden ihr Grab an der Marne: Oberlt. Firmenich, Lt. G\u00f6sler, Keller, Nicolaus und Menge. Als Helden sind sie gefallen, zusammen mit einer gro\u00dfen Zahl wackerer Unteroffiziere und Mannschaften. Verwundet wurden Maj. Foller, Lt. Wolf, Bl\u00e4s und Licht. An den Folgen seiner schweren Verwundung starb der Fahnenj. Klief. Besonders gro\u00df war die Zahl der Vermi\u00dften, 154 Mann. Eine Folge des unerwartet einsetzenden eiligen R\u00fcckzugs von der Marne, der es unm\u00f6glich machte, das Schlachtfeld genauer abzuschuchen und die vielen Schwerverwundeten bei dem Mangel an Fahrzeugen rechtzeitig von den Verbandpl\u00e4tzen abzufahren. Unter ihnen befand sich Lt. Theis, der Adjutant des I. Batls.&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Man begrub Otto Fischer auf einem Friedhof in Lorsch.<\/p>\n<figure id=\"attachment_69293\" aria-describedby=\"caption-attachment-69293\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-69293\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Otto-Fischer.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"707\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Otto-Fischer.jpg 800w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Otto-Fischer-300x265.jpg 300w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Otto-Fischer-768x679.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-69293\" class=\"wp-caption-text\">Die Todesanzeige f\u00fcr Otto Fischer im Gie\u00dfener Anzeiger<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Otto Fischer stammte aus der hessischen Stadt Lorsch. 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