{"id":70837,"date":"2026-10-28T21:00:58","date_gmt":"2026-10-28T20:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=70837"},"modified":"2026-10-28T19:07:30","modified_gmt":"2026-10-28T18:07:30","slug":"sonderbeitrag-rudolf-koerding","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/?p=70837","title":{"rendered":"Sonderbeitrag: Rudolf K\u00f6rding"},"content":{"rendered":"<p>Der Soldat Rudolf K\u00f6rding wurde am 14.03.1893 in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hamburg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hamburg<\/a> geboren. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Leutnant der Reserve und Kompanief\u00fchrer in der 2. Kompanie des 122. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 06.06.1918 (<span data-sheets-root=\"1\">laut Regimentsgeschichte am 04.06.1918) fiel er w\u00e4hrend der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schlacht_bei_Soissons_(1918)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schlacht bei Soissons<\/a> nahe der Ortschaft<\/span> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Saconin-et-Breuil\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Saconin-et-Breuil<\/a> an der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/D%C3%A9partement_Aisne\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aisne<\/a> durch Artillerie-Volltreffer, so wie wenige Tage sp\u00e4ter auch sein Freund, Feldhilfsarzt Dr. Fritz Guldenpfennig, f\u00e4llt. Rudolf K\u00f6rding wurde 25 Jahre alt.<\/p>\n<p>\u00dcber den Todestag und die Todesumst\u00e4nde von Rudolf K\u00f6rding berichtet die Regimentsgeschichte des 122. Reserve-Infanterie-Regiments:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;F\u00fcr die Nacht vom 3.\/4. Juni gehen die Kompanien da, wo die Dunkelheit sie \u00fcberrascht hat, zur Ruhe \u00fcber und sichern sich, den Anschlu\u00df rechts und links aufnehmend, durch Posten und Patrouillen. F\u00fcr den verwundeten neuen F\u00fchrer der 11.\/236, Ltn. Freund, \u00fcbernimmt Ltn. Erich Rebling die F\u00fchrung der Kompanie. F\u00fcr den 4. Juni befiehlt die Division die Weiterf\u00fchrung des Angriffs in westlicher Richtung auf 12.30 Uhr. Die n\u00e4chste Aufgabe ist, \u00fcber den Laversine=Grund vorzusto\u00dfen. Von 11 bis 12.30 Uhr bereitet die Artillerie den Angriff gegen die feindliche Stellung auf H\u00f6he 148 \u00f6stlich Laversine vor. P\u00fcnktlich um 12.30 Uhr tritt die Infanterie an. Anfangs geht es ganz gut vorw\u00e4rts. Der 9. und 11.\/236 gelingt es, die H\u00f6he 148 umfassend zu nehmen. 70 Gefangene sind die Beute. Die Kompanien sto\u00dfen weiter durch in Richtung Fosse en haut im Laversine=Grunde und nehmen die zur\u00fcckflutenden Franzosen unter wirksames M.G.=Feuer. Die feindliche Artillerie ihrerseits, die in der Nacht offenbar verst\u00e4rkt worden war, nimmt unsere vorgehenden Kompanien unter Sperrfeuer, das empfindliche Verluste verursacht. Die Kompanien kommen nicht weiter vor und besetzen den Ostrand der Laversine=Schlucht. Hier sei wieder ein Erlebnis eingeschaltet, das der Regiments=Kommandeur selbst erz\u00e4hlen soll. Er schreibt: \u201eAm Vortage war die Verfolgung des Feindes so schnell gegangen, da\u00df ich anfangs viel zu weit vom Regiment entfernt war. Erst nach l\u00e4ngerer Zeit kam ich an den richtigen Platz. Da ich diesen Fehler nicht wieder machen wollte, h\u00f6rte ich nicht auf die Vorstellungen des Regiments-Adjutanten Ltn. Schaaf, zun\u00e4chst im Regiments-Gefechtsstand zu bleiben, sondern zog gleich los mit den Lts. Renter, Lauffer und Haubold. Da pl\u00f6tzlich bekommen wir von H\u00f6he 148 M.G.-Feuer und sind in der Sch\u00fctzenlinie festgenagelt. Ich sehe, wie das III.\/236 rechts umfassend vorgeht und bin erst wieder bewegungsf\u00e4hig, als die H\u00f6he genommen ist. Wir gehen nun auf die H\u00f6he und sehen, wie jenseits der Laversine-Schlucht schwere franz\u00f6sische Batterien im Abfahren sind. Daf\u00fcr f\u00e4hrt eine franz\u00f6sische Feldbatterie deutlich sichtbar gesch\u00fctzweise auf. Ich will das Feuer auf die Ziele lenken &#8211; und habe keine Fernsprechleitungen. Schlie\u00dflich f\u00e4hrt eine unserer Begleit-Batterien hinter uns auf. Es beginnt der Artilleriekampf. Ich mu\u00df in einem alten franz\u00f6sischen M.G.-Stand Deckung nehmen und habe keine Ahnung, wie das Gefecht steht. Da sehe ich, wie jemand sich sprungweise zu meinem Unterstand vorarbeitet. Ich glaube schon, ich w\u00fcrde jetzt vom Regiments-Adjutanten \u00fcber die Lage unterrichtet werden, da sehe ich, da\u00df es der alte Pape ist, der sonst die Regimentskuh betreut. Er wei\u00df nichts von der Gefechtslage, aber er hat eine Flasche Wein zu unserer St\u00e4rkung. Niemand hat es ihm befohlen. Er setzt freiwillig sein Leben ein, um uns zu st\u00e4rken. Schlie\u00dflich kommt dann noch der Regiments-Adjutant Ltn. Schaaf und fragt sarkastisch, ob wir hier bleiben wollten. Da gehe ich denn noch einmal aus dem Stand und treffe die 2.\/236 mit ihrem F\u00fchrer, <span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Ltn. K\u00f6rding<\/strong><\/span> im Vorgehen, kurz bevor er fiel. Ich gehe nach dem rechten Fl\u00fcgel, wo ich das Bataillon v. Wedel sah, stelle fest, da\u00df wir rechts Anschlu\u00df haben und kehre reum\u00fctig in meinen alten Gefechtsstand zur\u00fcck, um wieder die Arbeit des Regiments-Kommandeurs aufzunehmen, dessen Pflichten ich leichtsinnigerweise einige Stunden nicht ausge\u00fcbt hatte.&#8220; Auch beim I.\/236 wird zun\u00e4chst Raum gewonnen. Die 2.\/236 st\u00f6\u00dft von H\u00f6he 148 aus genau nach Westen vor und nimmt die in gleicher Richtung verlaufende feindliche Stellung. Dabei erh\u00e4lt auch sie starkes Artillerie- und flankierendes M.G.-Feuer, so da\u00df sie Deckung nehmen mu\u00df, und der Angriff ins Stocken kommt. <strong><span style=\"color: #ff0000;\">Hier f\u00e4llt an der Spitze der Kompanie ihr tapferer F\u00fchrer, Ltn. K\u00f6rding, ein in vielen K\u00e4mpfen und Patrouillenunternehmungen ausgezeichnet bew\u00e4hrter Offizier. Ein Artillerie-Volltreffer t\u00f6tet ihn auf der Stelle.<\/span> <\/strong>Die F\u00fchrung der Kompanie mu\u00df Ltn. Poenisch \u00fcbernehmen, der inzwischen die F\u00fchrung der 3.\/236 wieder abgegeben und die Stelle des Ordonnanzoffiziers des Bataillons bekleidet hatte. Auch ihn ereilt, kaum da\u00df er bei der Kompanie eingetroffen ist, das Schicksal. Eine Granate rei\u00dft ihm den linken Arm ab, und schwer verwundet wird er zur\u00fcckgebracht. Die 4.\/236 verliert ihren Kompanie-Offizier Ltn. H\u00e4u\u00dfner. Das Bataillon hat nur noch 3 Offiziere. Die 2.\/236 wird deshalb mit der 1.\/236 vereinigt. Am rechten Fl\u00fcgel des Regiments, beim II.\/236, liegen die Dinge \u00e4hnlich. Auch hier leistet der Gegner heftigen Widerstand. Von Ressons aus schiebt er Verst\u00e4rkungen auf Ambleny vor. Nur mit harter M\u00fche und unter erheblichen Opfern gelingt es hier, etwa 2 km in der Tiefe zu gewinnen und den Gegner \u00fcber Hign\u00e8res zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Der Ort bleibt in unserer Hand. Die Lage ist nun auf der ganzen Frontbreite des Regiments so, da\u00df ohne wirksame Artilleriehilfe nicht weiter vorgegangen werden kann. Die Kompanien richten sich da, wo sie sind, zur Verteidigung ein. Eine neue Gliederung der Verb\u00e4nde wird vorgenommen. Das II.\/236, das nur noch sehr geringe Gefechtsst\u00e4rke hat, wird als Regimentsreserve herausgezogen und zur\u00fcckgenommen. Major von Wedel, der nachmittags den Gefechtsstand auf H\u00f6he 148 besetzt hatte, bezieht Unterkunft in der H\u00f6hle bei der Ferme s\u00fcdlich Poussemy. Daselbst m\u00fcssen zeitweise auch seine Kompanien Zuflucht suchen, da die eigene Artillerie, die offenbar \u00fcber unsere vordere Linie wieder einmal nicht recht im Bilde ist, sie unter Feuer nimmt. Das I. und III.\/236 erhalten Befehl, je 2 Kompanien als Reserve auszuscheiden. Jedes der Bataillone erh\u00e4lt 1 Zug der 5.\/51 als Begleitartillerie zugeteilt. Hptm. Mayer bezieht am Abend mit seinem Stab den Gefechtsstand auf H\u00f6he 148. Ihm hat die eigene Artillerie noch eine besondere \u00dcberraschung als Abendsegen zugedacht. W\u00e4hrend Offiziere und Mannschaften des Stabes, der eingetretenen Gefechtsruhe und des sch\u00f6nen Abends sich erfreuend, auf dem Stollen im Freien sitzen, bricht pl\u00f6tzlich aus heiterem Himmel ein Gasgranaten\u00fcberfall \u00fcber sie herein, soda\u00df alles schleunigst in den Stollen fl\u00fcchten und die Gasmaske aufsetzen mu\u00df. Zun\u00e4chst glaubt jeder, da\u00df der Irrtum gleich bemerkt und das Gasschie\u00dfen unterbrochen werde. Da das nicht der Fall ist, und die Luft im Stollen immer schlechter und stickiger wird, steigt Hptm. Mayer hinaus, und es gl\u00fcckt ihm, die n\u00e4chste Strippe zu erreichen und sich mit der Artillerie in Verbindung zu setzen. Doch keine Batterie wollte die schuldige sein. Der ganze Stab war f\u00fcr einige Tage heiser und \u201ezu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt\u201c. Bis Mitternacht vom 4.\/5. Juni ist die Umgliederung der Truppe und Neueinteilung der Abschnitte beendet. Das III.\/236 liegt nun am rechten Fl\u00fcgel, anschlie\u00dfend nach links das I.\/236 mit weiterem Anschlu\u00df links an Regt. 235, das II.\/236 als Reserve r\u00fcckw\u00e4rts gestaffelt. Die Front des III.\/236 hat die Richtung nach Osten, die des I.\/236 nach S\u00fcden. \u00dcberall sind Sicherungspatrouillen vorgeschickt, die die T\u00e4tigkeit des Feindes zu \u00fcberwachen haben. Im Laufe der Nacht teilt die Division mit, da\u00df die allgemeine Gefechtslage einstweilen Stillstand der Angriffsorperationen an dieser Front bedinge und gewartet werden m\u00fcsse, bis das Korps Fran\u00e7ois weiter vorgekommen sei. &#8222;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Man begrub Rudolf K\u00f6rding auf dem Soldatenfriedhof <span data-sheets-root=\"1\"><a class=\"in-cell-link\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vauxbuin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vauxbuin<\/a><\/span> in <span data-sheets-root=\"1\">Block 4, Grab 231.<\/span><\/p>\n<p>Leutnant Rudolf K\u00f6rding war eng befreundet mit Feldhilfsarzt Dr. Fritz Guldenpfennig, dessen Schicksal ich morgen vorstellen werde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_70828\" aria-describedby=\"caption-attachment-70828\" style=\"width: 502px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-70828\" src=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Gueldenpfennig-Kording-223-RIR.jpg\" alt=\"\" width=\"502\" height=\"437\" srcset=\"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Gueldenpfennig-Kording-223-RIR.jpg 502w, https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Gueldenpfennig-Kording-223-RIR-300x261.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 502px) 100vw, 502px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-70828\" class=\"wp-caption-text\">Hilfsfeldarzt Dr. Fritz G\u00fcldenpfennig und Leutnant der Reserve Rudolf K\u00f6rding<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Soldat Rudolf K\u00f6rding wurde am 14.03.1893 in Hamburg geboren. Im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpfte er als Leutnant der Reserve und Kompanief\u00fchrer in der 2. Kompanie des 122. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 06.06.1918 (laut Regimentsgeschichte am 04.06.1918) fiel er w\u00e4hrend der Schlacht bei Soissons nahe der Ortschaft Saconin-et-Breuil an der Aisne durch Artillerie-Volltreffer, so wie wenige Tage sp\u00e4ter [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_wp_rev_ctl_limit":""},"categories":[2,141,8,1876],"tags":[15820,1476,36,6131,4058,10991,566,411,1087,7587,7436,1527],"class_list":["post-70837","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-weltkrieg","category-schlacht-an-der-aisne","category-sterbebilder","category-frankreich-1-weltkrieg","tag-122-reserve-infanterie-regiment","tag-aisne","tag-frankreich","tag-granat-volltreffer","tag-hamburg","tag-hansestadt","tag-kompaniefuehrer","tag-leutnant-der-reserve","tag-regimentsgeschichte","tag-saconin-et-breuil","tag-schlacht-bei-soissons","tag-westfront"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/70837","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=70837"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/70837\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":70845,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/70837\/revisions\/70845"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=70837"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=70837"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/geschichte-hautnah.de\/www\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=70837"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}