Der Soldat Wilhelm Schneider stammte aus Annerod, eine Ortsteil der hessischen Gemeinde Fernwald. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 5. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 28.08.1914 fiel er im Alter von 30 Jahren während der Schlacht an der Maas bei Mouzon in Frankreich.
Über den Todestag und die Todesumstände von Wilhelm Schneider berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Reserve-Infanterie-Regiments:
28. 8. 14. Von allen Schilderungen der Ereignisse beim Regiment am 28. 8. scheint mir der Bericht des damaligen Regimentsadjutanten, Oblt. v. Ilsemann, am zuverlässigsten. Ich lege daher seinen Bericht hauptsächlich zu Grunde, um einen der schwersten Tage des Regiments zu schildern.Die während der Nacht eingehenden Befehle und Orientierungen ließen erkennen, daß unsere Führung annahm, die Franzosen seien südwestlich der Maas weiter im vollen Rückzug und deckten diesen auf dem westlichen Ufer nur noch mit schwächeren Kräften.$4^0$ morgs., an einem herrlichen Spätsommertag, der sehr heiß wurde, überschritt das Regiment auf einer in der Nacht geschlagenen Pontonbrücke die Maas und trat als Vorhut der 25. R.D. den Marsch auf Beaumont an. Reihenfolge der Bataillone III., I., II. Die Marschstraße, die Rückzugsstraße der Franzosen am 30. 8. 1870 nach der Schlacht bei Beaumont, führt aus dem Maastal in mäßiger Steigung durch eine Waldschlucht auf eine 6 km südwestlich Mouzon gelegene Hochfläche.
Beim Austritt aus dem Bois de Fond de Limon schlug dem Regiment heftiges Infanteriefeuer entgegen. Der bei dem Vortrupp reitende Regimentskommandeur Oberstlt. v. Pfeil befahl: „Das III. Batl. greift beiderseits der Straße an und setzt sich in den Besitz der vorliegenden Höhe.“ Wie auf dem Exerzierplatz entwickelt Major v. Busse seine Kompagnien, die mit ihren Offizieren weit vor der Front sprungweise gegen den Feind vorgingen. Am weitesten links war die 11., die Spitzenkompanie, dann folgten nach rechts 12., 10., 9. Komp. Vom II. Batl. wurde die 5. Komp., Hptm. Leßner, als linke Seitendeckung in das Bois de l’Hospice geschickt, die 8. als Artilleriebedeckung zurückgehalten. Die 6. und 7. Komp. werden rechts vom III. eingesetzt. Mit der Pfeife im Munde führte Major Schröder seine beiden Kompanien vor. Ohne eine Artillerievorbereitung abzuwarten, stürmen das III. und die beiden Kompanien des II. die vorliegende Höhe und warfen die Franzosen zurück. Vor seiner Kompanie erhielt Hptm. Bader dabei einen schweren Bauchschuß.
Beim weiteren Vorgehen wurde festgestellt, daß der Feind beiderseits des Arbre de la Belle Epine sich in einer starken Stellung befand, aus der unseren Schützenlinien lebhaftes Feuer entgegenschlug. Auch das anfangs schwache feindliche Artilleriefeuer wuchs zu immer größerer Stärke an, von allen Seiten überschütteten feindliche Batterien das tapfer aushaltende Regiment. Als dann auch die Franzosen zum Angriff vorgingen, wurde dem dicht hinter dem Regiment haltenden Brigadekommandeur Oberst v. Heldorff klar, daß der Feind hier nicht daran dachte abzumarschieren. Im Gegenteil, er stellte sich auf den Maashöhen und beabsichtigte scheinbar die schwachen, bisher über die Maas übergegangenen Teile auf den Fluß zu werfen und dadurch den Übergang des Gros unmöglich zu machen. Dementsprechend war die Aufgabe des Regiments plötzlich eine andere geworden. Der Angriff wurde eingestellt, statt dessen befohlen: „Das Regiment hat die genommene Höhe unter allen Umständen zu halten und dadurch das Überschreiten der Maas durch das Korps sicherzustellen.“
Schon in den frühen Morgenstunden erlitt das Regiment beträchtliche Verluste. Zum Füllen der Lücken sowie vor allem zur Sicherung der linken (östlichen) Flanke mußte sehr bald das I. Batl. eingesetzt werden. 1½ Kompanien blieben Reserve, Führer Hptm. v. Goetze, da zunächst auf weitere Unterstützung nicht zu rechnen war. Auch unsere Artillerie konnte keine Erleichterung bringen, da geeignete Feuerstellungen in dem Hochwald mit dichtem Unterholz nicht vorhanden waren.In dieser ernsten Lage hatte das Regiment einen außerordentlich schweren Stand. Die Franzosen versuchten, die ihnen abgenommenen Höhen zurückzunehmen, aber weder ihr konzentrisches Artilleriefeuer noch ihre immer von neuem unternommenen Angriffe vermochten die tapferen Bataillone ins Wanken zu bringen. Wo einzelne Teile schwach wurden, stellte die Energie der Offiziere schnell die Ordnung wieder her.Regiments- und Bataillonskommandeure kämpften in vorderster Linie. Bei La Sartelle-Fe. verhinderte Hptm. Frhr. v. Stein eine Umgehung der linken Flanke des Regiments. Aufrechtstehend kommandierte er das Feuer seiner 3. Kompanie, welche den angreifenden Franzosen starke Verluste beibrachte. Nachdem Hptm. Frhr. v. Stein durch zwei Schüsse verwundet war, mußte er die Führung seiner Kompanie abgeben. Als auch Lt. Schärfe und Offz.Stellv. Zeh verwundet, Offz.Stellv. Müller gefallen war, behielt Lt. Eckardt das Kommando und gab durch seine Tapferkeit seinen Leuten ein hervorragendes Beispiel. Mitten unter seinen Maschinen-Gewehren fiel der besonders heldenmütig kämpfende Hptm. Frhr. v. Buddenbrock durch Kopfschuß. In kürzester Zeit hatte er es verstanden, sich das Vertrauen seiner Leute zu erwerben. Der Heldentod dieses hervorragend tüchtigen M.G.-Offiziers bedeutete einen schweren Verlust für das Regiment. Kurz darauf wurde auch Lt. Rensch verwundet und fast alle M.G. außer Gefecht gesetzt.Von allen Kompanien kamen gegen Mittag Meldungen über schwere Verluste und Mangel an Munition. Die Patronenwagen wurden trotz des heftigen Feuers im Galopp vorgezogen und trotz mancher Verluste kam die Munition nach vorne. Besonders zeichnete sich hierbei der Vizewachtm. Schuldt, der spätere Leutnant und Verpflegungsoffizier des I. Batls. aus. Er fuhr mit einem Patronenwagen bis dicht an die Schützenlinie und kam ohne Verlust zurück. Er erhielt für diese tapfere Leistung das E.K. II. Es kam eine Meldung des Bagageführers, mindestens ein feindliches Bataillon stände im Rücken des Regiments. Aber auch jetzt wurde die letzte Reserve des Regiments, 1½ Kompanien unter Hptm. v. Goetze, nicht aus der Hand gegeben. Später stellten Streifen fest, daß die Meldung falsch sei, nun erst wurde die Reserve in die der Unterstützung so bedürftige vorderste Linie eingesetzt.Der Regimentskommandeur, Oberstlt. v. Pfeil, war etwa $7^{45}$ vorm. bei dem Versuche, einen Gefechtsstand zu finden, der bessere Übersicht bot, Artillerie konnte keine Erleichterung bringen, da geeignete Feuerstellungen in dem Hochwald mit dichtem Unterholz nicht vorhanden waren.In dieser ernsten Lage hatte das Regiment einen außerordentlich schweren Stand. Die Franzosen versuchten, die ihnen abgenommenen Höhen zurückzunehmen, aber weder ihr konzentrisches Artilleriefeuer noch ihre immer von neuem unternommenen Angriffe vermochten die tapferen Bataillone ins Wanken zu bringen. Wo einzelne Teile schwach wurden, stellte die Energie der Offiziere schnell die Ordnung wieder her.Regiments- und Bataillonskommandeure kämpften in vorderster Linie. Bei La Sartelle-Fe. verhinderte Hptm. Frhr. v. Stein eine Umgehung der linken Flanke des Regiments. Aufrechtstehend kommandierte er das Feuer seiner 3. Kompanie, welche den angreifenden Franzosen starke Verluste beibrachte. Nachdem Hptm. Frhr. v. Stein durch zwei Schüsse verwundet war, mußte er die Führung seiner Kompanie abgegeben. Als auch Lt. Schärfe und Offz.Stellv. Zeh verwundet, Offz.Stellv. Müller gefallen war, behielt Lt. Eckardt das Kommando und gab durch seine Tapferkeit seinen Leuten ein hervorragendes Beispiel. Mitten unter seinen Maschinen-Gewehren fiel der besonders heldenmütig kämpfende Hptm. Frhr. v. Buddenbrock durch Kopfschuß. In kürzester Zeit hatte er es verstanden, sich das Vertrauen seiner Leute zu erwerben. Der Heldentod dieses hervorragend tüchtigen M.G.-Offiziers bedeutete einen schweren Verlust für das Regiment. Kurz darauf wurde auch Lt. Rensch verwundet und fast alle M.G. außer Gefecht gesetzt.Von allen Kompanien kamen gegen Mittag Meldungen über schwere Verluste und Mangel an Munition. Die Patronenwagen wurden trotz des heftigen Feuers im Galopp vorgezogen und trotz mancher Verluste kam die Munition nach vorne. Besonders zeichnete sich hierbei der Vizewachtm. Schuldt, der spätere Leutnant und Verpflegungsoffizier des I. Batls. aus. Er fuhr mit einem Patronenwagen bis dicht an die Schützenlinie und kam ohne Verlust zurück. Er erhielt für diese tapfere Leistung das E.K. II. Es kam eine Meldung des Bagageführers, mindestens ein feindliches Bataillon stände im Rücken des Regiments. Aber auch jetzt wurde die letzte Reserve des Regiments, 1½ Kompanien unter Hptm. v. Goetze, nicht aus der Hand gegeben. Später stellten Streifen fest, daß die Meldung falsch sei, nun erst wurde die Reserve in die der Unterstützung so bedürftige vorderste Linie eingesetzt.Der Regimentskommandeur, Oberstlt. v. Pfeil, war etwa $7^{45}$ vorm. bei dem Versuche, einen Gefechtsstand zu finden, der bessere Übersicht bot, verwundet worden. Die Führung des Regiments hatte Major v. Westernhagen übernommen. Auch Major v. Busse war so schwer verwundet, daß er noch in der Nacht starb.
Während das Regiment seit dem frühen Morgen in ununterbrochenem schwersten Kampf die entscheidenden Höhen östlich Yoncq behauptete, vollzog sich in seinem Rücken bei Mouzon der ungestörte Übergang des XVIII. R.A.K., dessen Regimenter nach und nach rechts von R.I.R. 116 in die Schlacht eingriffen. Eine gewisse Erleichterung wurde vor allem durch das Nachlassen des feindlichen Artilleriefeuers vorübergehend gespürt, aber die Aufgabe des Regiments war noch nicht erfüllt. Immer von neuem versuchte der Feind das Regiment zurückzuwerfen, gelang es ihm, stand der Feind in der Flanke der bisher über die Maas übergegangenen deutschen Teile, verhinderte den weitern Übergang und stellte den Ausgang der Schlacht in Frage. Allen noch kämpfenden Offizieren des Regiments war dies klar geworden. Viele waren es allerdings nicht mehr, von den elf eingesetzten Kompanien hatten nur noch drei ihre Führer, die anderen waren gefallen oder verwundet. Mehrere Kompanien waren schon ohne jeden Offizier, dementsprechend waren die Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften. Die Kräfte des seit Stunden im schwersten Feuer kämpfenden Regiments spannten sich bis zum äußersten. Als aber schließlich wieder die Munition ausging, die Verluste immer größer wurden, Reserven nicht mehr zur Verfügung standen, wurde der Widerstand schwächer. Erneute Angriffe abzuwehren hatte das Regiment kaum noch die Kraft. In Erkenntnis dieser Lage ritt der Regimentsadjutant, Oberlt. v. Ilsemann, so schnell als es die Kräfte seines verwundeten Pferdes erlaubten zum Kommandierenden General, der am Südwestausgang von Mouzon die Schlacht leitete. General v. Steuben, der wußte, daß durch den Verlust der Höhen, auf denen R.I.R. 116 kämpfte, der Schlachtenerfolg der Armee in Frage gestellt war, tat sofort alles, was dem schwerblutenden Regiment Erleichterung bringen konnte. Er schickte Munition, ließ das Feuer der schweren Feldhaubitzen auf den dem Regiment gegenüberstehenden Feind lenken und befahl schließlich seiner Reserve, dem R.I.R. 88, dem R.I.R. 116 zur Hilfe zu eilen. Im entscheidenden Augenblick, als das heldenmütig ringende R.I.R. 116 am Ende seiner Kraft war, traf die Hilfe ein. Unter Führung des Oberst v. Heldorff wurde ein letzter Versuch der Franzosen, die Schlacht zu ihren Gunsten zu entscheiden, vereitelt.
Die linke Seitendeckung, 5. Komp., hatte am Südrand des Bois de l’Hospice von einer Kavallerie-Offizierstreife die Meldung erhalten, der Waldrand bei Arbre de la Belle Epine sei vom Feinde stark besetzt. Hptm. Leßner entwickelte einen Zug und ließ ihn gegen den Feind vorgehen, mit den beiden anderen Zügen wollte er den rechten Flügel des Feindes vom Steilhang an der Maas aus umfassen. Der zur Erkundung vorgeschickte Lt. d. R. Rindfuß stellte aber starke feindliche Abteilungen zwischen Beaumont und Létanne, also in der linken Flanke der Kompanie fest, die Absicht des Hptm. Leßner war also unausführbar. Die Kompanie nistete sich am Steilhang an der Maas ein und trat in das Gefecht, das trotz starker Verluste und Munitionsmangel bis zum Nachmittag durchgeführt wurde. Als dann der Feind mit vier Kompanien und M.G. gegen die 5. Komp. vorging, ging die Kompanie im Gefecht zum Nordrand des Bois de l’Hospice zurück. Hier blieb Lt. Rindfuß als Nachhut, der mit den letzten Patronen den Gegner fernhielt und den Abzug seiner Kompanie deckte, die gegen Abend das Regiment wieder erreichte. 20 Mann des zuerst entwickelten Zuges, die zu tapfer nach vorn durchgegangen waren, wurden vom Feinde umzingelt und später gefangen. Außerdem hatte die Kompanie 61 Mann an Toten und Verwundeten verloren. Lt. Daubes war durch eine Schrapnellkugel schwer verwundet. Hptm. Leßner, der durch Granatsplitter am rechten Schienbein verwundet war, behielt die Führung der Kompanie. Beim Gehen stützte ihn sein treuer Entfernungsschätzer Utffz. Heinrich Rasch aus Freiensteiner.
Das Regiment hatte seine Aufgabe erfüllt, das XVIII. R.A.K. und das ihm folgende VI. A.K. hatten ungestört vom Feinde den Maasübergang durchgeführt. Aber die Erfüllung des Auftrages hatte schwere Opfer gekostet! Von dem Offizierkorps und den etwa 3000 Mann des Regiments sammelten sich am Abend beiderseits der Straße Mouzon—Beaumont 6 Offiziere 600 Mann! Durch die Artilleriebedeckung, Seitendeckungen, Versprengte usw. erhöhte sich zwar dann die Gefechtskraft auf 1000 Mann, aber fast ⅔ hatte das Regiment verloren!
Andere Teile der Division hatten das westlich des Schlachtfeldes des Regiments liegende Dorf Yoncq genommen, hatten aber über das Dorf und den nordöstlich des Ortes liegenden Wald hinaus nicht vordringen können.
Gefallen waren die Hauptleute Frhr. v. Buddenbrock-Hettersdorf und Diehm, die Leutnants Jung, Todt, Castringius, Bogé, die Offizierstellvertreter Barth, Nerger, Müller, Jung, Preuß, Rauff. Der schwer verwundete Major v. Busse starb in der Nacht 28./29. im Feldlazarett Mouzon. Verwundet waren Oberstlt. v. Pfeil, die Hauptleute Frhr. v. Stein zu Nord- u. Ostheim, Bader, Frhr. Raitz v. Frentz, Goepel, Ullrichs; die Oberleutnants Weimer, Waldeck, Frhr. v. Lyncker, Quade, v. Mentz; die Leutnants Huhn, Rausch, Daubes, Trümper, Hosch, Warnke, Eckhardt; die Offizierstellvertreter Zeh, Thielert (gest. 1. 9.), Sayer, Berger, Malzan. Die Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften lassen sich nur nach den Stammrollen feststellen. Beim III. Batl. waren sie so stark, daß die noch kampffähigen auf die Kompagnien des I. und II. Batls. verteilt wurden.
Am 7. 9. 15 hatte der Regimentsadjutant Gelegenheit, Seiner Kaiserlichen Hoheit dem Kronprinzen an Ort und Stelle einen Vortrag über den Verlauf der Schlacht zu halten. Der Kronprinz äußerte sich in anerkennendsten Worten über das zähe Aushalten des Regiments unter so außerordentlich schweren Verhältnissen. Schlichte weiße Kreuze beiderseits der Straße Mouzon—Beaumont zeigten damals die Stelle, wo Hessensöhne in treuer Pflichterfüllung für Kaiser und Reich den Heldentod starben.
Die Grenzschlachten waren überall zugunsten der Deutschen entschieden. Die deutschen Armeen fluteten nach Frankreich hinein.
Außerordentliche Anforderungen mußten in den nächsten Tagen durch die langen Märsche bei heißem Wetter an die meist schon älteren Reservisten des Regiments gestellt werden.
Die Lage des Grabe svon Wilhelm Schneider ist unbekannt.
