Sonderbeitrag: Heinrich Geißler

Der Soldat Heinrich Geißler stammte aus der hessischen Stadt Staufenberg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann und Musketier in der 8. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 04.10.1914 (Regimentsgeschichte: 05.10.1914) verstarb er in einem Lazarett in Dun-sur-Meuse im Alter von 28 Jahren, nachdem er zuvor am 24.09.1914 bei Servon im Kampf in den Ardennen schwer verwundet worden war.

Über den Tag der schweren Verwundung von Heinrich Geißler berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Reserve-Infanterie-Regiments:

„24. 9. 14. Morgens Befehl zum Erneuern des Angriffs. R.I.R. 116 auch in vorderster Linie. 12 Uhr soll ohne Rücksicht auf die Nachbarn an= getreten werden. Sofort setzt heftiges feindliches Artilleriefeuer ein, I. gewinnt Gelände, II. nicht. Abends Befehl, nach Absuchen des Ge= fechtsfeldes in die alte Stellung zurückzugehen. Verluste: 8 Offiziere und Offizierstellvertreter. Gefallen Offz.Stellv. Ringen; verwundet Oblt. d. R. Ockel, Oblt. d. L. Sprengel, Lt. d. R. Stimmel, Schemenski, Offz.Stellv. Handwerk, Schürmann, Anton. Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften: 30 tot, 104 verwundet. Die Gefechtsstärke des Regiments beträgt noch 15 Offiziere, 1094 Unteroffiziere und Mannschaften. Ausgerückt war das Regiment mit 71 Offizieren, 2852 Unteroffizieren und Mannschaften.“

Die Lage des Grabes von Heinrich Geißler ist nicht zu ermitteln. Ich gehe jedoch fest davon aus, dass er anonym auf dem Soldatenfriedhof Dun-sur-Meuse beigesetzt wurde, in dem Ort, in dem er starb.

Die Todesanzeige für Heinrich Geißler im Gießener Anzeiger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.988: Mathias Weber

Der Soldat Mathias Weber stammte aus Hütting, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Pleiskirchen und war Landwirt (Röhmerbauer). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 2. Kompanie des 2. bayerischen Infanterie-Regiments Er wurde mit dem bayerischen Militärverdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnet. Am 23.06.1916 fiel er im Alter von 32 Jahren während der Schlacht um Verdun bei einem Sturmangriff. Er wurde bei der Erstürmung des Zwischen werkes Thiaumont getötet.

Über den Todestag von Mathias Weber schreibt die Regimentsgeschichte des 2. bayerischen Infanterie-Regiments:

„Am 23. endlich erfolgte durch das 10. Infanterie-Regiment und das Alpenkorps der Angriff auf das Zwischenwerk Thiaumont und Fleury. Diejenigen Teile des Regiments, die noch nach den schweren Verlusten der letzten Wochen verwendungsfähig waren, beteiligten sich am Angriff des 10. Infanterie-Regiments. Der Angriff gelang.“

Mathias Weber war tot.

Die Lage des Grabes von Mathias Weber ist offiziell unbekannt. Er gilt als vermisst. Ich vermute jedoch, dass er, wenn er bis heute georgen wurde, anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville beigesetzt wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Offiziersstellvertreter Vituas Xaver Franz Führer, gefallen am 23.06.1916 bei Thiaumont, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab;
  • Landsturmmann Michael Wünsch, gefallen am 25.06.1916 bei Douaumont, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab;
  • Infanterist Josef Wiemüller, gefallen am 25.06.1916 bei Thiaumont, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Mathias Weber
Rückseite des Sterbebildes von Mathias Weber

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.987: Peter Walch

Der Soldat Peter Walch stammte von Resten, damals ein Ortsteil des Dorfes Au, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Berchtesgaden. Im Ersten Weltkrieg diente er als Wehrmann in der 12. Kompanie des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 29.06.1915 fiel er im Alter von 31 Jahren in der Nähe von Fampoux bei Arras in Frankreich. ⇒ Schlacht bei Arras

Über den Todeszeitraum und die Todesumstände von Peter Walch berichtet die Regimentsgeschichte des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„17.06. – 01.07.1915 Am 17. und 18. wurden noch schwache Angriffe versucht, die durch unser Artillerie-Sperrfeuer und Infanteriefeuer sofort unterdrückt wurden. Das Artilleriefeuer hilt sich noch bis 22. in beträchtlicher Stäräe und nahm dann bis 01.07. immer mehr ab. Die Citadelle von Arras und die Fabrik in St. Nikolas wurden am 26. mit gutem Erfolg (Explosion eines Munitionslagers) durch 42 cm-Mörser beschossen.

In der Stellung wurde unter Einsatz aller Kräfte an der Instandsetzung der Gräben und Unterstände gearbeitet, die zahlreichen verschütteten Leichen ausgegraben und zurückgebracht. Am Ende des Monats war der gedeckte Verkehr hergestellt und die ganze Stellung wieder in verteidigungsfähigem Zustand. Am 25.06. ereignete sich ein schwerer Unfall bei einem Versuchsschießen mit behelfsmäßigen Minenwerfern in Fampoux.“.

Die Lage des Grabes von Peter Walch ist offiziell unbekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf demnahegelegenen Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy begraben wurde, wo man auch seine Regimentskameraden beisetzte, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Infanterist Josef Brandl, gefallen am 16.06.1915 bei Arras, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Ersatz-Reservist Christian Dannecker, gefallen am 16.06.1915 bei Arras, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Unteroffizier Johann Altendorfer, gefallen am 16.06.1915 bei Arras, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Peter Walch
Rückseite des Sterbebildes von Peter Walch

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.985: Pius Kern

Der Soldat Pius Kern wurde am 15.08.1888 in der bayerischen Gemeinde Kettershausen geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 12. Kompanie des 18. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Am 23.07.1916 (Regimentsgeschichte: 14.07.1916) fiel er im Alter von 27 Jahren während der Schlacht an der Somme bei Combles in der Nähe von Maurepas in Frankreich.

Die Lage des Grabes von Pius Kern ist unbekannt, jedoch vermute ich, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Rancourt begraben wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Unteroffizier Johann Helmbrecht, gefallen am 23.07.1916 bei Combles, begraben auf dem Soldatenfriedhof Rancourt in einem Massengrab;
  • Infanterist Andreas Erhardinger, gefallen am 24.07.1916 bei Combles, begraben auf dem Soldatenfriedhof Rancourt in einem Massengrab;
  • Gefreiter Albert Winterer, gefallen am 24.07.1916 bei Combles, begraben auf dem Soldatenfriedhof Rancourt in einem Massengrab;
  • Infanterist Klemens Neukam, gefallen am 23.07.1916 bei Combles, begraben auf dem Soldatenfriedhof Rancourt in einem Massengrab;
  • Infanterist Joseph Altenweger, gefallen am 23.07.1916 bei Combles, begraben auf dem Soldatenfriedhof Rancourt in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Kettershausen gedenkt Pius Kern noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/kettershausen_1809-12_1866_1870-71_wk1u2_bay.htm

 

Sterbebild von Pius Kern
Rückseite des Sterbebildes von Pius Kern

Sonderbeitrag: Heinrich Ludwig Balser

Der Soldat Heinrich Ludwig Balser stammte aus der hessischen Ortschaft Reiskirchen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist in der 4. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er im Alter von 24 Jahren während der Kämpfe in Belgien bei Anloy, einem Ortsteil der Gemeinde Libin.

Über den Todestag und die Todesumstände von Fritz Dahmen berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:

„Gegen 6 Uhr vorm. (22. August) trat das Regiment als Vorhut den Marsch über Ochamps nach Glaireuse an. Auf den Höhen nördlich von diesem Dorfe stellte es sich bereit. Die Bereitstellung war gegen 9 Uhr vorm. beendet, und die Truppen waren eben aus den Feldküchen verpflegt worden, da traf folgender Befehl ein: „J.R. 116 geht auf dem linken Flügel der 49. Inf.Brig. vor, mit dem linken Flügel an der Südecke von Anloy vorbei, rechts Anschluß an J.R. 115. Die Linie Anloy—Bournonwald soll vorerst nicht überschritten werden.“ Über die allgemeine Lage wurde bekannt, daß die 4. Armee mit dem VI. A.K. und VIII. R.K. die Flanken der angreifenden 3. und 5. Armee decken und in ihrer Mitte am Lesse-Abschnitt (XVIII. A.K.) und bei Neufchâteau (XVIII. R.K.) eine Bereitstellung einnehmen sollte. Die Nachrichten über den Feind waren immer noch sehr unbestimmt. Nach Fliegermeldungen sollten in den Wäldern jenseits des Lessebaches nur Kavallerieabteilungen stehen. Die feindliche Infanterie wurde etwa 50 km dahinter vermutet.

Das Regiment nahm das II. und III. Batl. ins erste Treffen; hinter dem III. Batl. folgte die M.G.K. Das I. Batl. war hinter dem linken Flügel gestaffelt und stand zunächst der Brigade zur Verfügung. In guter Ordnung entfalteten sich die Kompagnien und gingen, nachdem der Südrand von Anloy überschritten war, in Schützenwellen vor. Weiter rechts, wo die 50. Inf.Brig. über Libin gegen Maissin vorging, wurde lebhaftes Gewehr- und Artilleriefeuer laut. Unsere Brigade (49. I.B.) dagegen hatte bereits die befohlene Linie erreicht, ohne auf einen Gegner zu stoßen. So wurde die befohlene Linie im Anschluß an die rechten Nachbartruppen überschritten. Doch kaum hatten die ersten Wellen des II. und III. Batls. gegen 2 Uhr nachm. die Höhen südwestlich von Anloy erreicht, als ihnen aus einer Entfernung von kaum 400 m lebhaftes Infanterie- und M.G.-Feuer entgegenschlug. Und doch war vom Gegner nichts zu sehen. In Getreidefeldern und am Waldrande hielt er sich vorzüglich gedeckt, so daß kein sicherer Schuß auf ihn anzubringen war. Aber dem ungestümen, unserem Infanteristen zur zweiten Natur gewordenen Drang nach vorwärts zeigte sich der Feind nicht gewachsen. Trotz des starken Feuers und trotz der hemmenden Drahtumzäunungen der Felder gelang es nach mehrmaligem Ansturm, die Getreidefelder allmählich vom Feinde zu säubern und die nächsten Waldstücke zu erreichen. Namentlich am rechten Flügel wurde der Angriff mit rasender Schnelligkeit vorgetragen. Trotz schwerer Verluste und trotz der Mahnungen der Offiziere zur Besonnenheit ging alles nach vorn durch.

Im Walde war zunächst das dichte Unterholz ein schwieriges Hindernis und verursachte viele Verluste. Ein weiteres Hemmnis waren die vielen gut versteckten französischen Baumschützen, die dem Angreifer aus unmittelbarer Nähe ihre verderblichen Schüsse entgesandten, eine Kampfesweise, auf die der Deutsche nicht gefaßt war, gegen die er aberbald wirksame Abhilfe fand. Auch das eigene Artilleriefeuer belästigte hier stellenweise die vorgehenden Kompagnien. In wildem Drauflosgehen und hartem Ringen dachte man wenig an die Verbindung nach rückwärts, so daß unsere Artillerie nicht wissen konnte, wie weit der Angriff an den einzelnen Punkten vorgetragen war. Aber alle diese Schwierigkeiten konnten den Siegeslauf der in blinder Wut vorstürmenden Hessen nicht aufhalten. Waldstück auf Waldstück wurde dem Gegner entrissen, wobei sich an den einzelnen Waldrändern besonders erbitterte Kämpfe mit dem zähen Gegner abspielten. Hier war es auch, wo die beiden unerschrockenen Führer der 10. und 11. Komp., die Hauptleute v. Weltzien und Mattel, einen frühen Heldentod fanden. Auch die Führer der 9. und 12. Komp., Hauptleute Wolf und Buhz, mußten schwer verwundet vom Schlachtfeld getragen werden.

So wogte beim II. und III. Batl. der Kampf in der heißen Augustsonne schon die dritte Stunde. Da drohte gegen 4 Uhr nachm. ein gefährlicher Rückschlag: Der vorher schon an Zahl überlegene Gegner des Regiments schob in der Front ein neues Bataillon ein und suchte gleichzeitig unsere linke Flanke mit zwei frischen Jägerbataillonen zu umfassen. Der Angriff in der Front aus dem Walde Derrière-Horimont konnte zunächst vom II. und III. Batl. nicht aufgefangen werden: Die beiden Bataillone waren zu hart mitgenommen, die Verbände zu sehr durcheinandergewürfelt. So mußten sie dem Stoß ausweichen. Aber bald stellte ein M.G.-Zug unter Lt. de Harde sowie eine Kompagnie der 21. Pioniere die Lage wieder her. Lt. Brendel, der Adjutant des II. Batls., warf sich mit etwa 100 Versprengten aus allen Kompagnien gegen die rechte Flanke. Von neuem kam der Angriff in Fluß, auch das frische Bataillon des Gegners wurde geworfen. Teile der 5. und 8. Komp. unterstützten die 4. und 6. Komp. des J.R. 115 beim Sturm auf eine feindliche Batterie, die nach hartem Ringen erobert und trotz mehrfacher wilder Gegenangriffe behauptet wurde. Vizef. Dutiné (8. K.) und Braun (5. K.) zeichneten sich dabei besonders aus.

Nicht minder schwierig gestaltete sich der Kampf auf dem linken Flügel des Regiments. Hier klaffte eine bedenkliche Lücke in der deutschen Kampffront, da das XVIII. R.K. nach Süden vorgestoßen war. Der Gegner hatte diesen schwachen Punkt bald erkannt und holte von Stunde zu Stunde weiter nach links zur Umfassung aus. Als hier gleich zu Beginn der Schlacht das links gestaffelte I. Batl. in Marschkolonne aus einem Hohlweg südwestlich von Anloy heraustrat, wurde es mit einem Hagel von Geschossen überschüttet, so daß alles volle Deckung nehmen mußte. Die vorderen Kompagnien entwickelten sich gruppenweise nach links und arbeiteten sich in wütendem Infanteriefeuer durch hohe Getreidefelder, ohne indes vom Feinde etwas zu sehen. In einem toten Winkel konnten die 3. und 4. Komp. kurz Atem schöpfen. Ihre drei noch am Leben gebliebenen Zugführer, Lt. Pieper, Locher und Offzst. Petri, ordneten hier, was sich um sie gesammelt hatte, und griffen dann ein von den Haubitzen der 61er sturmreif geschossenes, stark besetztes Waldstück an. Mutig trug der Sergt. Pistler, umzischt von zahlreichen Geschossen, die entfaltete Fahne des Bataillons mit den stürmenden Kompagnien nach vorn. Der Waldstreifen wurde genommen und schnell durchschritten. Aber frische feindliche Kräfte setzten zum Gegenangriff an und trafen namentlich die Leibkompagnie sehr schwer. Viermal hatte sie einen französischen Vorstoß auszuhalten und verlor drei tüchtige Offiziere, Lt. v. Erhardt, Meinberg und Mühlberger. Auch in den Ginsterbüschen jenseits des Waldstücks waren die Kompagnien starkem feindlichen Strichfeuer ausgesetzt, das hohe Verluste brachte und zum Rückzug in das Waldstück zwang.

Entscheidend für die Abwehr der feindlichen Umfassungsversuche wurde das Eingreifen der Maschinengewehre. Ihnen hatte der Regimentskommandeur in richtiger Erkenntnis der Gefahr von vornherein die Sicherung der linken Flanke übertragen. Sie waren daher südlich von Anloy in Stellung gegangen. Dort hatten sie bald drei französische Maschinengewehre, die zwischen den Straßen Anloy—Sart und Anloy—Haie standen, außer Gefecht gesetzt. Infolge der feindlichen Umfassung kam jedoch Hptm. Poly mit den Gewehren in eine bedrängte Lage. Da ritt Oberst Schimmelfennig in schärfstem Galopp zur Artillerie, erhielt dort zwei Geschütze und brachte sie an der gefährdeten Stelle in Front. Ein fürchterliches Blutbad begann. Die beiden Geschütze rissen ungeheure Löcher in die überflügelnden feindlichen Reihen. Schwadenweise mähten die Maschinengewehre die vorgehenden Wellen nieder und schossen mit entsetzlicher Genauigkeit und Unerbittlichkeit die Schützenlinien des Gegners zusammen, so daß jedes Leben in ihnen erstarrte. Gefangene schilderten entsetzt die grauenhafte Wirkung dieses vereinigten Artillerie- und M.G.-Feuers, von der man sich am andern Tage beim Überschreiten des Schlachtfeldes mit Schaudern überzeugen konnte.

So tobte der heiße Kampf den ganzen Nachmittag, hier in wildem Handgemenge mit wüstem Schreien, dort in schrecklichem Zischen und Heulen der todbringenden Geschosse, in Angriff und Gegenangriff um den Besitz einzelner Waldstücke, in wildem Vorstürmen und entsetztem Zurückgehen. Die Wildheit hatte besonders beim II. und III. Batl. jede Einheitlichkeit über den Haufen geworfen. So wird erklärlich, daß Teile der 10. und 11. Komp. weit rechts beim J.R. 117 gegen das Dorf Maissin kämpften. Aber immer noch war die endgültige Entscheidung nicht gefallen. Zwar begann von 5 Uhr nachm. an unsere Artillerie kräftiger zu wirken. Die Waldstücke, in denen sich der Gegner noch hielt, wurden planmäßig beschossen. Immer tiefer stießen die Kompagnien dem Gegner nach Westen nach. Trefflich half dem I. Batl. eine Kompagnie der 21. Pioniere, deren Führer, Hptm. Peters, den Heldentod starb. Doch nur schrittweise gab der Feind eine Stellung nach der anderen auf. Da ertönten gegen 7 Uhr nachm. in unserem Rücken Kommandorufe. Die lang ersehnte Unterstützung war da! In vierstündigem Marsche war die 16. R.D. unter Generallt. Mooz von der Eisenbahn nach dem Schlachtfelde geeilt, um den Kameraden Hilfe zu bringen. Nun schwärmten die Kompagnien des R.J.R. 28 ein. Da gab’s kein Halten mehr. Mit Bajonett und Spaten wurde der bis zum äußersten sich wehrende Gegner aus seinen letzten Stellungen geworfen. Blau und rot quoll es aus den Waldstücken heraus. Auf wenige hundert Meter lief der nach Süden abziehende Gegner in das Flankenfeuer des I. Batls. hinein und erlitt schreckliche Verluste. Erst die Dunkelheit machte dem Kampfe ein Ende. Völlig erschöpft sammelten sich die Bataillone auf der Höhe bei Anloy. Bei der Unsicherheit der Gesamtlage — der rechte Flügel der Division hatte wegen drohender Umfassung das um 5 Uhr nachm. gestürmte Maissin wieder räumen müssen — wurde die Höhe und der Dorfrand zur Verteidigung eingerichtet.

Eine schwere Aufgabe harrte der Ärzte und Krankenträger. Im Kampfe mit Freischärlern, die aus den Häusern auf die durchziehenden Verwundeten schossen und die Gefechtsstaffel zersprengten, hatte Stabsarzt Dr. Szubinski am Westausgang des Dorfes den Verbandplatz des Regiments eingerichtet. Den ganzen Nachmittag über strömten die Verwundeten zu, und bald war alles überfüllt. Eine schier nicht zu bewältigende Arbeit für fünf Ärzte mit wenigen Helfern; dazu in stundenlangem Artilleriefeuer. Nach Mitternacht erschienen die Krankenträger der Sanitätskompagnie mit Fackeln. Sie wurden aber beim Absuchen des Schlachtfeldes noch vielfach vom Feinde beschossen. Trotzdem wurden die meisten der hilflos daliegenden und dem Verschmachten nahen Schwerverwundeten noch während der Nacht zurückgeschafft. Viele aber mußten in ihrer Todespein den kommenden Morgen abwarten, bis sie aufgefunden und geborgen werden konnten.Die erste Schlacht war geschlagen. Der blutigste Tag des ganzen Krieges lag hinter dem Regiment. Der Sieg hatte sich an seine Fahnen geheftet. Ein starker und tapferer Gegner war aus Stellungen gejagt worden, die er sich drei Tage lang mit Sorgfalt ausgesucht und ausgebaut hatte. Rühmliche Taten, die alle der Erwähnung wert wären, waren allerorten vollbracht worden. Aber groß, sehr groß waren auch die Verluste. Kein Tag des Feldzugs hat vom Regiment so viele Opfer gefordert wie der Tag von Anloy. Innerhalb weniger Stunden hat es über 1000 Mann, mehr als ein Drittel seines Bestandes, verloren. 13 Offiziere, darunter außer den schon erwähnten der bewährte Führer der 4. Komp., Hptm. v. Normann, und Oberlt. Ebel von der 6., der am nächsten Morgen seiner schweren Verwundung erlag, ferner Lt. Becker, v. Grolmann, Eichhoff, Klein, Walter und der Fahnenj. Schäfer waren auf dem Schlachtfelde geblieben; 340 brave Unteroffiziere und Mannschaften waren mit ihnen in den Tod gegangen. Fast doppelt so hoch war die Zahl der Verwundeten. Unter ihnen waren 20 Offiziere: Das I. Batl. hatte den Hptm. v. Thümen und die Lts. Locher, Malzahn, Pieper, Scherer und den Fähnr. Marquardt verloren; das II. büßte Lt. Schroeder, Johlen, Hellwig und Buchholz ein; am schwersten aber waren die Verluste beim III., wo außer den vier Kompagnieführern die Lts. Dingeldein, Flotho, Fischer, Loerbrocks, Schmidt, Meyer und Freytag fehlten. In der M.G.K. waren Oberlt. Kienitz und Lt. de Harde (D. E.) verwundet. An Unteroffizieren und Mannschaften waren 599 verwundet, 72 wurden vermißt. Der Name Anloy sollte einen schrecklichen Klang in der hessischen Heimat erhalten. Da war kein Städtchen und Dörfchen, in das nicht die Nachricht gedrungen wäre: „Bei Anloy gefallen!“ Aber darum ist der Name auch zum Ehrennamen der Kämpfer des 22. August geworden. Von allen Kränzen, die sich das Regiment in diesem großen Krieg errungen, ist der Kranz von Anloy der schönste. Er wird nie welken.“

Man begrub Heinrich Ludwig Balser auf dem Soldatenfriedhof Maissin-National in Grab 215.

Die Todesanzeige für Heinrich Ludwig Balser im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Wilhelm Müller (Kleinlinden)

Der Soldat Wilhelm Müller stammte aus Kleinlinden, einem Teil der hessischen Universitätsstadt Gießen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Musketier in der 3. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 26.09.1914 fiel er im Alter von 22 Jahren bei Gruny und Crémery an der Somme.

Über den Todestag und die Todesumstände von Wilhelm Müller berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Infanterie-Regiments:

Am folgenden Tage hatten die vor Gruny und Crémery liegenden Bataillone viel unter Granaten zu leiden. Die feindlichen Batterien, darunter auch schwere Schiffsgeschütze, standen bei Roye und beschossen unsere Gräben fast den ganzen Tag. Dadurch erlitt besonders das I. Batl., das dem Feuer gegen Gruny zu ausweichen wollte, beim Verlassen der Deckung harte Verluste. Aus einer Verschiebung der Kompagnien beim II. Batl. zog der Gegner offenbar falsche Schlüsse und versuchte gegen Abend einen Angriff, der aber mühelos abgewiesen wurde. Im Schutze der Dämmerung wurde die Besetzung der Gräben neu geregelt: Das hart mitgenommene I. Batl. wurde als Reserve nach Sept Fours zurückgezogen; in seine Stellung vor Gruny rückte das II. Batl., während das III. die bisherige Stellung des II. besetzte.

Offiziell ist für Wilhelm Müller keine Grablage bekannt. Ich gehe jedoch davon aus, dass er, wenn seine Gebeine bis heute geborgen wurden, anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Roye-St.Gilles beigesetzt wurde.

Die Todesanzeige für Wilhelm Müller im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Heinrich Welter

Der Soldat Heinrich Welter stammte aus der hessischen Universitätsstadt Gießen. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Reservist in der 4. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 22.08.1914 fiel er in Belgien im Alter von 25 Jahren bei Anloy, einem Ortsteil der belgischen Gemeinde Libin in der Wallonie..

Über den Todestag und die Todesumstände von Heinrich Welter berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Infanterie-Regiments:

„Gegen 6 Uhr vorm. (22. August) trat das Regiment als Vorhut den Marsch über Ochamps nach Glaireuse an. Auf den Höhen nördlich von diesem Dorfe stellte es sich bereit. Die Bereitstellung war gegen 9 Uhr vorm. beendet, und die Truppen waren eben aus den Feldküchen verpflegt worden, da traf folgender Befehl ein: „J.R. 116 geht auf dem linken Flügel der 49. Inf.Brig. vor, mit dem linken Flügel an der Südecke von Anloy vorbei, rechts Anschluß an J.R. 115. Die Linie Anloy—Bournonwald soll vorerst nicht überschritten werden.“ Über die allgemeine Lage wurde bekannt, daß die 4. Armee mit dem VI. A.K. und VIII. R.K. die Flanken der angreifenden 3. und 5. Armee decken und in ihrer Mitte am Lesse-Abschnitt (XVIII. A.K.) und bei Neufchâteau (XVIII. R.K.) eine Bereitstellung einnehmen sollte. Die Nachrichten über den Feind waren immer noch sehr unbestimmt. Nach Fliegermeldungen sollten in den Wäldern jenseits des Lessebaches nur Kavallerieabteilungen stehen. Die feindliche Infanterie wurde etwa 50 km dahinter vermutet.

Das Regiment nahm das II. und III. Batl. ins erste Treffen; hinter dem III. Batl. folgte die M.G.K. Das I. Batl. war hinter dem linken Flügel gestaffelt und stand zunächst der Brigade zur Verfügung. In guter Ordnung entfalteten sich die Kompagnien und gingen, nachdem der Südrand von Anloy überschritten war, in Schützenwellen vor. Weiter rechts, wo die 50. Inf.Brig. über Libin gegen Maissin vorging, wurde lebhaftes Gewehr- und Artilleriefeuer laut. Unsere Brigade (49. I.B.) dagegen hatte bereits die befohlene Linie erreicht, ohne auf einen Gegner zu stoßen. So wurde die befohlene Linie im Anschluß an die rechten Nachbartruppen überschritten. Doch kaum hatten die ersten Wellen des II. und III. Batls. gegen 2 Uhr nachm. die Höhen südwestlich von Anloy erreicht, als ihnen aus einer Entfernung von kaum 400 m lebhaftes Infanterie- und M.G.-Feuer entgegenschlug. Und doch war vom Gegner nichts zu sehen. In Getreidefeldern und am Waldrande hielt er sich vorzüglich gedeckt, so daß kein sicherer Schuß auf ihn anzubringen war. Aber dem ungestümen, unserem Infanteristen zur zweiten Natur gewordenen Drang nach vorwärts zeigte sich der Feind nicht gewachsen. Trotz des starken Feuers und trotz der hemmenden Drahtumzäunungen der Felder gelang es nach mehrmaligem Ansturm, die Getreidefelder allmählich vom Feinde zu säubern und die nächsten Waldstücke zu erreichen. Namentlich am rechten Flügel wurde der Angriff mit rasender Schnelligkeit vorgetragen. Trotz schwerer Verluste und trotz der Mahnungen der Offiziere zur Besonnenheit ging alles nach vorn durch.

Im Walde war zunächst das dichte Unterholz ein schwieriges Hindernis und verursachte viele Verluste. Ein weiteres Hemmnis waren die vielen gut versteckten französischen Baumschützen, die dem Angreifer aus unmittelbarer Nähe ihre verderblichen Schüsse entgesandten, eine Kampfesweise, auf die der Deutsche nicht gefaßt war, gegen die er aberbald wirksame Abhilfe fand. Auch das eigene Artilleriefeuer belästigte hier stellenweise die vorgehenden Kompagnien. In wildem Drauflosgehen und hartem Ringen dachte man wenig an die Verbindung nach rückwärts, so daß unsere Artillerie nicht wissen konnte, wie weit der Angriff an den einzelnen Punkten vorgetragen war. Aber alle diese Schwierigkeiten konnten den Siegeslauf der in blinder Wut vorstürmenden Hessen nicht aufhalten. Waldstück auf Waldstück wurde dem Gegner entrissen, wobei sich an den einzelnen Waldrändern besonders erbitterte Kämpfe mit dem zähen Gegner abspielten. Hier war es auch, wo die beiden unerschrockenen Führer der 10. und 11. Komp., die Hauptleute v. Weltzien und Mattel, einen frühen Heldentod fanden. Auch die Führer der 9. und 12. Komp., Hauptleute Wolf und Buhz, mußten schwer verwundet vom Schlachtfeld getragen werden.

So wogte beim II. und III. Batl. der Kampf in der heißen Augustsonne schon die dritte Stunde. Da drohte gegen 4 Uhr nachm. ein gefährlicher Rückschlag: Der vorher schon an Zahl überlegene Gegner des Regiments schob in der Front ein neues Bataillon ein und suchte gleichzeitig unsere linke Flanke mit zwei frischen Jägerbataillonen zu umfassen. Der Angriff in der Front aus dem Walde Derrière-Horimont konnte zunächst vom II. und III. Batl. nicht aufgefangen werden: Die beiden Bataillone waren zu hart mitgenommen, die Verbände zu sehr durcheinandergewürfelt. So mußten sie dem Stoß ausweichen. Aber bald stellte ein M.G.-Zug unter Lt. de Harde sowie eine Kompagnie der 21. Pioniere die Lage wieder her. Lt. Brendel, der Adjutant des II. Batls., warf sich mit etwa 100 Versprengten aus allen Kompagnien gegen die rechte Flanke. Von neuem kam der Angriff in Fluß, auch das frische Bataillon des Gegners wurde geworfen. Teile der 5. und 8. Komp. unterstützten die 4. und 6. Komp. des J.R. 115 beim Sturm auf eine feindliche Batterie, die nach hartem Ringen erobert und trotz mehrfacher wilder Gegenangriffe behauptet wurde. Vizef. Dutiné (8. K.) und Braun (5. K.) zeichneten sich dabei besonders aus.

Nicht minder schwierig gestaltete sich der Kampf auf dem linken Flügel des Regiments. Hier klaffte eine bedenkliche Lücke in der deutschen Kampffront, da das XVIII. R.K. nach Süden vorgestoßen war. Der Gegner hatte diesen schwachen Punkt bald erkannt und holte von Stunde zu Stunde weiter nach links zur Umfassung aus. Als hier gleich zu Beginn der Schlacht das links gestaffelte I. Batl. in Marschkolonne aus einem Hohlweg südwestlich von Anloy heraustrat, wurde es mit einem Hagel von Geschossen überschüttet, so daß alles volle Deckung nehmen mußte. Die vorderen Kompagnien entwickelten sich gruppenweise nach links und arbeiteten sich in wütendem Infanteriefeuer durch hohe Getreidefelder, ohne indes vom Feinde etwas zu sehen. In einem toten Winkel konnten die 3. und 4. Komp. kurz Atem schöpfen. Ihre drei noch am Leben gebliebenen Zugführer, Lt. Pieper, Locher und Offzst. Petri, ordneten hier, was sich um sie gesammelt hatte, und griffen dann ein von den Haubitzen der 61er sturmreif geschossenes, stark besetztes Waldstück an. Mutig trug der Sergt. Pistler, umzischt von zahlreichen Geschossen, die entfaltete Fahne des Bataillons mit den stürmenden Kompagnien nach vorn. Der Waldstreifen wurde genommen und schnell durchschritten. Aber frische feindliche Kräfte setzten zum Gegenangriff an und trafen namentlich die Leibkompagnie sehr schwer. Viermal hatte sie einen französischen Vorstoß auszuhalten und verlor drei tüchtige Offiziere, Lt. v. Erhardt, Meinberg und Mühlberger. Auch in den Ginsterbüschen jenseits des Waldstücks waren die Kompagnien starkem feindlichen Strichfeuer ausgesetzt, das hohe Verluste brachte und zum Rückzug in das Waldstück zwang.

Entscheidend für die Abwehr der feindlichen Umfassungsversuche wurde das Eingreifen der Maschinengewehre. Ihnen hatte der Regimentskommandeur in richtiger Erkenntnis der Gefahr von vornherein die Sicherung der linken Flanke übertragen. Sie waren daher südlich von Anloy in Stellung gegangen. Dort hatten sie bald drei französische Maschinengewehre, die zwischen den Straßen Anloy—Sart und Anloy—Haie standen, außer Gefecht gesetzt. Infolge der feindlichen Umfassung kam jedoch Hptm. Poly mit den Gewehren in eine bedrängte Lage. Da ritt Oberst Schimmelfennig in schärfstem Galopp zur Artillerie, erhielt dort zwei Geschütze und brachte sie an der gefährdeten Stelle in Front. Ein fürchterliches Blutbad begann. Die beiden Geschütze rissen ungeheure Löcher in die überflügelnden feindlichen Reihen. Schwadenweise mähten die Maschinengewehre die vorgehenden Wellen nieder und schossen mit entsetzlicher Genauigkeit und Unerbittlichkeit die Schützenlinien des Gegners zusammen, so daß jedes Leben in ihnen erstarrte. Gefangene schilderten entsetzt die grauenhafte Wirkung dieses vereinigten Artillerie- und M.G.-Feuers, von der man sich am andern Tage beim Überschreiten des Schlachtfeldes mit Schaudern überzeugen konnte.

So tobte der heiße Kampf den ganzen Nachmittag, hier in wildem Handgemenge mit wüstem Schreien, dort in schrecklichem Zischen und Heulen der todbringenden Geschosse, in Angriff und Gegenangriff um den Besitz einzelner Waldstücke, in wildem Vorstürmen und entsetztem Zurückgehen. Die Wildheit hatte besonders beim II. und III. Batl. jede Einheitlichkeit über den Haufen geworfen. So wird erklärlich, daß Teile der 10. und 11. Komp. weit rechts beim J.R. 117 gegen das Dorf Maissin kämpften. Aber immer noch war die endgültige Entscheidung nicht gefallen. Zwar begann von 5 Uhr nachm. an unsere Artillerie kräftiger zu wirken. Die Waldstücke, in denen sich der Gegner noch hielt, wurden planmäßig beschossen. Immer tiefer stießen die Kompagnien dem Gegner nach Westen nach. Trefflich half dem I. Batl. eine Kompagnie der 21. Pioniere, deren Führer, Hptm. Peters, den Heldentod starb. Doch nur schrittweise gab der Feind eine Stellung nach der anderen auf. Da ertönten gegen 7 Uhr nachm. in unserem Rücken Kommandorufe. Die lang ersehnte Unterstützung war da! In vierstündigem Marsche war die 16. R.D. unter Generallt. Mooz von der Eisenbahn nach dem Schlachtfelde geeilt, um den Kameraden Hilfe zu bringen. Nun schwärmten die Kompagnien des R.J.R. 28 ein. Da gab’s kein Halten mehr. Mit Bajonett und Spaten wurde der bis zum äußersten sich wehrende Gegner aus seinen letzten Stellungen geworfen. Blau und rot quoll es aus den Waldstücken heraus. Auf wenige hundert Meter lief der nach Süden abziehende Gegner in das Flankenfeuer des I. Batls. hinein und erlitt schreckliche Verluste. Erst die Dunkelheit machte dem Kampfe ein Ende. Völlig erschöpft sammelten sich die Bataillone auf der Höhe bei Anloy. Bei der Unsicherheit der Gesamtlage — der rechte Flügel der Division hatte wegen drohender Umfassung das um 5 Uhr nachm. gestürmte Maissin wieder räumen müssen — wurde die Höhe und der Dorfrand zur Verteidigung eingerichtet.

Eine schwere Aufgabe harrte der Ärzte und Krankenträger. Im Kampfe mit Freischärlern, die aus den Häusern auf die durchziehenden Verwundeten schossen und die Gefechtsstaffel zersprengten, hatte Stabsarzt Dr. Szubinski am Westausgang des Dorfes den Verbandplatz des Regiments eingerichtet. Den ganzen Nachmittag über strömten die Verwundeten zu, und bald war alles überfüllt. Eine schier nicht zu bewältigende Arbeit für fünf Ärzte mit wenigen Helfern; dazu in stundenlangem Artilleriefeuer. Nach Mitternacht erschienen die Krankenträger der Sanitätskompagnie mit Fackeln. Sie wurden aber beim Absuchen des Schlachtfeldes noch vielfach vom Feinde beschossen. Trotzdem wurden die meisten der hilflos daliegenden und dem Verschmachten nahen Schwerverwundeten noch während der Nacht zurückgeschafft. Viele aber mußten in ihrer Todespein den kommenden Morgen abwarten, bis sie aufgefunden und geborgen werden konnten.Die erste Schlacht war geschlagen. Der blutigste Tag des ganzen Krieges lag hinter dem Regiment. Der Sieg hatte sich an seine Fahnen geheftet. Ein starker und tapferer Gegner war aus Stellungen gejagt worden, die er sich drei Tage lang mit Sorgfalt ausgesucht und ausgebaut hatte. Rühmliche Taten, die alle der Erwähnung wert wären, waren allerorten vollbracht worden. Aber groß, sehr groß waren auch die Verluste. Kein Tag des Feldzugs hat vom Regiment so viele Opfer gefordert wie der Tag von Anloy. Innerhalb weniger Stunden hat es über 1000 Mann, mehr als ein Drittel seines Bestandes, verloren. 13 Offiziere, darunter außer den schon erwähnten der bewährte Führer der 4. Komp., Hptm. v. Normann, und Oberlt. Ebel von der 6., der am nächsten Morgen seiner schweren Verwundung erlag, ferner Lt. Becker, v. Grolmann, Eichhoff, Klein, Walter und der Fahnenj. Schäfer waren auf dem Schlachtfelde geblieben; 340 brave Unteroffiziere und Mannschaften waren mit ihnen in den Tod gegangen. Fast doppelt so hoch war die Zahl der Verwundeten. Unter ihnen waren 20 Offiziere: Das I. Batl. hatte den Hptm. v. Thümen und die Lts. Locher, Malzahn, Pieper, Scherer und den Fähnr. Marquardt verloren; das II. büßte Lt. Schroeder, Johlen, Hellwig und Buchholz ein; am schwersten aber waren die Verluste beim III., wo außer den vier Kompagnieführern die Lts. Dingeldein, Flotho, Fischer, Loerbrocks, Schmidt, Meyer und Freytag fehlten. In der M.G.K. waren Oberlt. Kienitz und Lt. de Harde (D. E.) verwundet. An Unteroffizieren und Mannschaften waren 599 verwundet, 72 wurden vermißt. Der Name Anloy sollte einen schrecklichen Klang in der hessischen Heimat erhalten. Da war kein Städtchen und Dörfchen, in das nicht die Nachricht gedrungen wäre: „Bei Anloy gefallen!“ Aber darum ist der Name auch zum Ehrennamen der Kämpfer des 22. August geworden. Von allen Kränzen, die sich das Regiment in diesem großen Krieg errungen, ist der Kranz von Anloy der schönste. Er wird nie welken.“

Man begrub Heinrich Welter auf dem Soldatenfriedhof Langemark in einem Massengrab.

Die Todesanzeige für Heinrich Welter im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Wilhelm Schneider

Der Soldat Wilhelm Schneider stammte aus Annerod, eine Ortsteil der hessischen Gemeinde Fernwald. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 5. Kompanie des 116. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 28.08.1914 fiel er im Alter von 30 Jahren während der Schlacht an der Maas bei Mouzon in Frankreich.

Über den Todestag und die Todesumstände von Wilhelm Schneider berichtet die Regimentsgeschichte des 116. Reserve-Infanterie-Regiments:

28. 8. 14. Von allen Schilderungen der Ereignisse beim Regiment am 28. 8. scheint mir der Bericht des damaligen Regimentsadjutanten, Oblt. v. Ilsemann, am zuverlässigsten. Ich lege daher seinen Bericht hauptsächlich zu Grunde, um einen der schwersten Tage des Regiments zu schildern.Die während der Nacht eingehenden Befehle und Orientierungen ließen erkennen, daß unsere Führung annahm, die Franzosen seien südwestlich der Maas weiter im vollen Rückzug und deckten diesen auf dem westlichen Ufer nur noch mit schwächeren Kräften.$4^0$ morgs., an einem herrlichen Spätsommertag, der sehr heiß wurde, überschritt das Regiment auf einer in der Nacht geschlagenen Pontonbrücke die Maas und trat als Vorhut der 25. R.D. den Marsch auf Beaumont an. Reihenfolge der Bataillone III., I., II. Die Marschstraße, die Rückzugsstraße der Franzosen am 30. 8. 1870 nach der Schlacht bei Beaumont, führt aus dem Maastal in mäßiger Steigung durch eine Waldschlucht auf eine 6 km südwestlich Mouzon gelegene Hochfläche.

Beim Austritt aus dem Bois de Fond de Limon schlug dem Regiment heftiges Infanteriefeuer entgegen. Der bei dem Vortrupp reitende Regimentskommandeur Oberstlt. v. Pfeil befahl: „Das III. Batl. greift beiderseits der Straße an und setzt sich in den Besitz der vorliegenden Höhe.“ Wie auf dem Exerzierplatz entwickelt Major v. Busse seine Kompagnien, die mit ihren Offizieren weit vor der Front sprungweise gegen den Feind vorgingen. Am weitesten links war die 11., die Spitzenkompanie, dann folgten nach rechts 12., 10., 9. Komp. Vom II. Batl. wurde die 5. Komp., Hptm. Leßner, als linke Seitendeckung in das Bois de l’Hospice geschickt, die 8. als Artilleriebedeckung zurückgehalten. Die 6. und 7. Komp. werden rechts vom III. eingesetzt. Mit der Pfeife im Munde führte Major Schröder seine beiden Kompanien vor. Ohne eine Artillerievorbereitung abzuwarten, stürmen das III. und die beiden Kompanien des II. die vorliegende Höhe und warfen die Franzosen zurück. Vor seiner Kompanie erhielt Hptm. Bader dabei einen schweren Bauchschuß.

Beim weiteren Vorgehen wurde festgestellt, daß der Feind beiderseits des Arbre de la Belle Epine sich in einer starken Stellung befand, aus der unseren Schützenlinien lebhaftes Feuer entgegenschlug. Auch das anfangs schwache feindliche Artilleriefeuer wuchs zu immer größerer Stärke an, von allen Seiten überschütteten feindliche Batterien das tapfer aushaltende Regiment. Als dann auch die Franzosen zum Angriff vorgingen, wurde dem dicht hinter dem Regiment haltenden Brigadekommandeur Oberst v. Heldorff klar, daß der Feind hier nicht daran dachte abzumarschieren. Im Gegenteil, er stellte sich auf den Maashöhen und beabsichtigte scheinbar die schwachen, bisher über die Maas übergegangenen Teile auf den Fluß zu werfen und dadurch den Übergang des Gros unmöglich zu machen. Dementsprechend war die Aufgabe des Regiments plötzlich eine andere geworden. Der Angriff wurde eingestellt, statt dessen befohlen: „Das Regiment hat die genommene Höhe unter allen Umständen zu halten und dadurch das Überschreiten der Maas durch das Korps sicherzustellen.“

Schon in den frühen Morgenstunden erlitt das Regiment beträchtliche Verluste. Zum Füllen der Lücken sowie vor allem zur Sicherung der linken (östlichen) Flanke mußte sehr bald das I. Batl. eingesetzt werden. 1½ Kompanien blieben Reserve, Führer Hptm. v. Goetze, da zunächst auf weitere Unterstützung nicht zu rechnen war. Auch unsere Artillerie konnte keine Erleichterung bringen, da geeignete Feuerstellungen in dem Hochwald mit dichtem Unterholz nicht vorhanden waren.In dieser ernsten Lage hatte das Regiment einen außerordentlich schweren Stand. Die Franzosen versuchten, die ihnen abgenommenen Höhen zurückzunehmen, aber weder ihr konzentrisches Artilleriefeuer noch ihre immer von neuem unternommenen Angriffe vermochten die tapferen Bataillone ins Wanken zu bringen. Wo einzelne Teile schwach wurden, stellte die Energie der Offiziere schnell die Ordnung wieder her.Regiments- und Bataillonskommandeure kämpften in vorderster Linie. Bei La Sartelle-Fe. verhinderte Hptm. Frhr. v. Stein eine Umgehung der linken Flanke des Regiments. Aufrechtstehend kommandierte er das Feuer seiner 3. Kompanie, welche den angreifenden Franzosen starke Verluste beibrachte. Nachdem Hptm. Frhr. v. Stein durch zwei Schüsse verwundet war, mußte er die Führung seiner Kompanie abgeben. Als auch Lt. Schärfe und Offz.Stellv. Zeh verwundet, Offz.Stellv. Müller gefallen war, behielt Lt. Eckardt das Kommando und gab durch seine Tapferkeit seinen Leuten ein hervorragendes Beispiel. Mitten unter seinen Maschinen-Gewehren fiel der besonders heldenmütig kämpfende Hptm. Frhr. v. Buddenbrock durch Kopfschuß. In kürzester Zeit hatte er es verstanden, sich das Vertrauen seiner Leute zu erwerben. Der Heldentod dieses hervorragend tüchtigen M.G.-Offiziers bedeutete einen schweren Verlust für das Regiment. Kurz darauf wurde auch Lt. Rensch verwundet und fast alle M.G. außer Gefecht gesetzt.Von allen Kompanien kamen gegen Mittag Meldungen über schwere Verluste und Mangel an Munition. Die Patronenwagen wurden trotz des heftigen Feuers im Galopp vorgezogen und trotz mancher Verluste kam die Munition nach vorne. Besonders zeichnete sich hierbei der Vizewachtm. Schuldt, der spätere Leutnant und Verpflegungsoffizier des I. Batls. aus. Er fuhr mit einem Patronenwagen bis dicht an die Schützenlinie und kam ohne Verlust zurück. Er erhielt für diese tapfere Leistung das E.K. II. Es kam eine Meldung des Bagageführers, mindestens ein feindliches Bataillon stände im Rücken des Regiments. Aber auch jetzt wurde die letzte Reserve des Regiments, 1½ Kompanien unter Hptm. v. Goetze, nicht aus der Hand gegeben. Später stellten Streifen fest, daß die Meldung falsch sei, nun erst wurde die Reserve in die der Unterstützung so bedürftige vorderste Linie eingesetzt.Der Regimentskommandeur, Oberstlt. v. Pfeil, war etwa $7^{45}$ vorm. bei dem Versuche, einen Gefechtsstand zu finden, der bessere Übersicht bot, Artillerie konnte keine Erleichterung bringen, da geeignete Feuerstellungen in dem Hochwald mit dichtem Unterholz nicht vorhanden waren.In dieser ernsten Lage hatte das Regiment einen außerordentlich schweren Stand. Die Franzosen versuchten, die ihnen abgenommenen Höhen zurückzunehmen, aber weder ihr konzentrisches Artilleriefeuer noch ihre immer von neuem unternommenen Angriffe vermochten die tapferen Bataillone ins Wanken zu bringen. Wo einzelne Teile schwach wurden, stellte die Energie der Offiziere schnell die Ordnung wieder her.Regiments- und Bataillonskommandeure kämpften in vorderster Linie. Bei La Sartelle-Fe. verhinderte Hptm. Frhr. v. Stein eine Umgehung der linken Flanke des Regiments. Aufrechtstehend kommandierte er das Feuer seiner 3. Kompanie, welche den angreifenden Franzosen starke Verluste beibrachte. Nachdem Hptm. Frhr. v. Stein durch zwei Schüsse verwundet war, mußte er die Führung seiner Kompanie abgegeben. Als auch Lt. Schärfe und Offz.Stellv. Zeh verwundet, Offz.Stellv. Müller gefallen war, behielt Lt. Eckardt das Kommando und gab durch seine Tapferkeit seinen Leuten ein hervorragendes Beispiel. Mitten unter seinen Maschinen-Gewehren fiel der besonders heldenmütig kämpfende Hptm. Frhr. v. Buddenbrock durch Kopfschuß. In kürzester Zeit hatte er es verstanden, sich das Vertrauen seiner Leute zu erwerben. Der Heldentod dieses hervorragend tüchtigen M.G.-Offiziers bedeutete einen schweren Verlust für das Regiment. Kurz darauf wurde auch Lt. Rensch verwundet und fast alle M.G. außer Gefecht gesetzt.Von allen Kompanien kamen gegen Mittag Meldungen über schwere Verluste und Mangel an Munition. Die Patronenwagen wurden trotz des heftigen Feuers im Galopp vorgezogen und trotz mancher Verluste kam die Munition nach vorne. Besonders zeichnete sich hierbei der Vizewachtm. Schuldt, der spätere Leutnant und Verpflegungsoffizier des I. Batls. aus. Er fuhr mit einem Patronenwagen bis dicht an die Schützenlinie und kam ohne Verlust zurück. Er erhielt für diese tapfere Leistung das E.K. II. Es kam eine Meldung des Bagageführers, mindestens ein feindliches Bataillon stände im Rücken des Regiments. Aber auch jetzt wurde die letzte Reserve des Regiments, 1½ Kompanien unter Hptm. v. Goetze, nicht aus der Hand gegeben. Später stellten Streifen fest, daß die Meldung falsch sei, nun erst wurde die Reserve in die der Unterstützung so bedürftige vorderste Linie eingesetzt.Der Regimentskommandeur, Oberstlt. v. Pfeil, war etwa $7^{45}$ vorm. bei dem Versuche, einen Gefechtsstand zu finden, der bessere Übersicht bot, verwundet worden. Die Führung des Regiments hatte Major v. Westernhagen übernommen. Auch Major v. Busse war so schwer verwundet, daß er noch in der Nacht starb.

Während das Regiment seit dem frühen Morgen in ununterbrochenem schwersten Kampf die entscheidenden Höhen östlich Yoncq behauptete, vollzog sich in seinem Rücken bei Mouzon der ungestörte Übergang des XVIII. R.A.K., dessen Regimenter nach und nach rechts von R.I.R. 116 in die Schlacht eingriffen. Eine gewisse Erleichterung wurde vor allem durch das Nachlassen des feindlichen Artilleriefeuers vorübergehend gespürt, aber die Aufgabe des Regiments war noch nicht erfüllt. Immer von neuem versuchte der Feind das Regiment zurückzuwerfen, gelang es ihm, stand der Feind in der Flanke der bisher über die Maas übergegangenen deutschen Teile, verhinderte den weitern Übergang und stellte den Ausgang der Schlacht in Frage. Allen noch kämpfenden Offizieren des Regiments war dies klar geworden. Viele waren es allerdings nicht mehr, von den elf eingesetzten Kompanien hatten nur noch drei ihre Führer, die anderen waren gefallen oder verwundet. Mehrere Kompanien waren schon ohne jeden Offizier, dementsprechend waren die Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften. Die Kräfte des seit Stunden im schwersten Feuer kämpfenden Regiments spannten sich bis zum äußersten. Als aber schließlich wieder die Munition ausging, die Verluste immer größer wurden, Reserven nicht mehr zur Verfügung standen, wurde der Widerstand schwächer. Erneute Angriffe abzuwehren hatte das Regiment kaum noch die Kraft. In Erkenntnis dieser Lage ritt der Regimentsadjutant, Oberlt. v. Ilsemann, so schnell als es die Kräfte seines verwundeten Pferdes erlaubten zum Kommandierenden General, der am Südwestausgang von Mouzon die Schlacht leitete. General v. Steuben, der wußte, daß durch den Verlust der Höhen, auf denen R.I.R. 116 kämpfte, der Schlachtenerfolg der Armee in Frage gestellt war, tat sofort alles, was dem schwerblutenden Regiment Erleichterung bringen konnte. Er schickte Munition, ließ das Feuer der schweren Feldhaubitzen auf den dem Regiment gegenüberstehenden Feind lenken und befahl schließlich seiner Reserve, dem R.I.R. 88, dem R.I.R. 116 zur Hilfe zu eilen. Im entscheidenden Augenblick, als das heldenmütig ringende R.I.R. 116 am Ende seiner Kraft war, traf die Hilfe ein. Unter Führung des Oberst v. Heldorff wurde ein letzter Versuch der Franzosen, die Schlacht zu ihren Gunsten zu entscheiden, vereitelt.

Die linke Seitendeckung, 5. Komp., hatte am Südrand des Bois de l’Hospice von einer Kavallerie-Offizierstreife die Meldung erhalten, der Waldrand bei Arbre de la Belle Epine sei vom Feinde stark besetzt. Hptm. Leßner entwickelte einen Zug und ließ ihn gegen den Feind vorgehen, mit den beiden anderen Zügen wollte er den rechten Flügel des Feindes vom Steilhang an der Maas aus umfassen. Der zur Erkundung vorgeschickte Lt. d. R. Rindfuß stellte aber starke feindliche Abteilungen zwischen Beaumont und Létanne, also in der linken Flanke der Kompanie fest, die Absicht des Hptm. Leßner war also unausführbar. Die Kompanie nistete sich am Steilhang an der Maas ein und trat in das Gefecht, das trotz starker Verluste und Munitionsmangel bis zum Nachmittag durchgeführt wurde. Als dann der Feind mit vier Kompanien und M.G. gegen die 5. Komp. vorging, ging die Kompanie im Gefecht zum Nordrand des Bois de l’Hospice zurück. Hier blieb Lt. Rindfuß als Nachhut, der mit den letzten Patronen den Gegner fernhielt und den Abzug seiner Kompanie deckte, die gegen Abend das Regiment wieder erreichte. 20 Mann des zuerst entwickelten Zuges, die zu tapfer nach vorn durchgegangen waren, wurden vom Feinde umzingelt und später gefangen. Außerdem hatte die Kompanie 61 Mann an Toten und Verwundeten verloren. Lt. Daubes war durch eine Schrapnellkugel schwer verwundet. Hptm. Leßner, der durch Granatsplitter am rechten Schienbein verwundet war, behielt die Führung der Kompanie. Beim Gehen stützte ihn sein treuer Entfernungsschätzer Utffz. Heinrich Rasch aus Freiensteiner.

Das Regiment hatte seine Aufgabe erfüllt, das XVIII. R.A.K. und das ihm folgende VI. A.K. hatten ungestört vom Feinde den Maasübergang durchgeführt. Aber die Erfüllung des Auftrages hatte schwere Opfer gekostet! Von dem Offizierkorps und den etwa 3000 Mann des Regiments sammelten sich am Abend beiderseits der Straße Mouzon—Beaumont 6 Offiziere 600 Mann! Durch die Artilleriebedeckung, Seitendeckungen, Versprengte usw. erhöhte sich zwar dann die Gefechtskraft auf 1000 Mann, aber fast ⅔ hatte das Regiment verloren!

Andere Teile der Division hatten das westlich des Schlachtfeldes des Regiments liegende Dorf Yoncq genommen, hatten aber über das Dorf und den nordöstlich des Ortes liegenden Wald hinaus nicht vordringen können.

Gefallen waren die Hauptleute Frhr. v. Buddenbrock-Hettersdorf und Diehm, die Leutnants Jung, Todt, Castringius, Bogé, die Offizierstellvertreter Barth, Nerger, Müller, Jung, Preuß, Rauff. Der schwer verwundete Major v. Busse starb in der Nacht 28./29. im Feldlazarett Mouzon. Verwundet waren Oberstlt. v. Pfeil, die Hauptleute Frhr. v. Stein zu Nord- u. Ostheim, Bader, Frhr. Raitz v. Frentz, Goepel, Ullrichs; die Oberleutnants Weimer, Waldeck, Frhr. v. Lyncker, Quade, v. Mentz; die Leutnants Huhn, Rausch, Daubes, Trümper, Hosch, Warnke, Eckhardt; die Offizierstellvertreter Zeh, Thielert (gest. 1. 9.), Sayer, Berger, Malzan. Die Verluste an Unteroffizieren und Mannschaften lassen sich nur nach den Stammrollen feststellen. Beim III. Batl. waren sie so stark, daß die noch kampffähigen auf die Kompagnien des I. und II. Batls. verteilt wurden.

Am 7. 9. 15 hatte der Regimentsadjutant Gelegenheit, Seiner Kaiserlichen Hoheit dem Kronprinzen an Ort und Stelle einen Vortrag über den Verlauf der Schlacht zu halten. Der Kronprinz äußerte sich in anerkennendsten Worten über das zähe Aushalten des Regiments unter so außerordentlich schweren Verhältnissen. Schlichte weiße Kreuze beiderseits der Straße Mouzon—Beaumont zeigten damals die Stelle, wo Hessensöhne in treuer Pflichterfüllung für Kaiser und Reich den Heldentod starben.

Die Grenzschlachten waren überall zugunsten der Deutschen entschieden. Die deutschen Armeen fluteten nach Frankreich hinein.

Außerordentliche Anforderungen mußten in den nächsten Tagen durch die langen Märsche bei heißem Wetter an die meist schon älteren Reservisten des Regiments gestellt werden.

Die Lage des Grabe svon Wilhelm Schneider ist unbekannt.

Die Todesanzeige für Wilhelm Schneider im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Jakob Haas

Der Soldat Jakob Haas stammte aus dem Dorf Steinbach, einem Ortsteil der hessischen Gemeinde Fernwald, und war von Beruf  Landwirt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Wehrmann in der 6. Kompanie des 116. Landwehr-Infanterie-Regiments. Am 26.09.1914 fiel er im Alter von 33 Jahren bei Ville-sur-Tourbe und Minaucourt-le-Mesnil-lès-Hurlus an der Marne.

Über den Todestag und die Todesumstände von Jakob Haas berichtet die Regimentsgeschichte des 116. landwehr-Infanterie-Regiments:

Dieser Angriff ist ein Teil des allgemeinen Vorstoßes der 3. Armee am 26. 9., der aber nach anfänglichen Erfolgen ebenso stecken bleibt, wie der von den Franzosen versuchte Gegenangriff. R. 116 wird zunächst mit zum Angriff bestimmt. Dieser Befehl wird 8 Uhr nachm. dahin abgeändert, daß das Regiment die Stellungen von R. 30 einnimmt und den Angriff unterstützt. I. besetzt am 26. 9. nachts 1 Uhr die Stellung von R. 30 etwa 1 km südöstl. Chausson-Ferme. Mittlerweile trifft der zum dritten Male abgeänderte Befehl ein, wonach die 49. Ldw.-Brig. am 26. 9. bei Höhe 143, 2 km südl. Maison de Champagne-Ferme, der 16. R.D. zur Verfügung steht. II. trifft dort ein am 26. 9. im Laufe des Vormittags, nachdem es bis $7^0$ vorm. dem R. 17 zur Verfügung gestanden hat. Das zu diesem Sammelplatz aus seiner Stellung (kaum bezogen) abmarschierende I. erhält unterwegs den Gegenbefehl, sich zur Verfügung des R. 17 nach Richtung Höhe 191 zu begeben. Major Ruhnau nimmt in dem Talkessel nördlich der Höhe Aufstellung. 1., 3. und Teile der 2. Komp. schieben bei R. 17 ein und nehmen am Angriff teil. Fehlende Unterstützung durch eigene Artillerie, infanteristische Flankenwirkung aus der Etangschlucht lassen den Angriff nur langsam vorwärts schreiten. Die östlich kämpfenden Truppen gewinnen ebenfalls nur spärlich Gelände, so daß die Division am Abend des 26. 9. das Zurückgehen in die alten Stellungen befiehlt. Verluste am 15. 9. bis 26. 9.: An Offizieren gefallen: Off.Stellv. Müller, verwundet: Lt. Schuster, Off.Stellv. Kürschner. An Unteroffizieren und Mannschaften gefallen: 32, verwundet: 124, vermißt: 2. Am Abend des 26. September trifft bei trübem, naßkaltem Wetter der Befehl ein, daß die Stellungen auszubauen und zur nachhaltigen Verteidigung einzurichten sind; das  Ende des Bewegungskrieges ist gekommen. Noch einmal hatten beide Heere ein letztes Ringen versucht, um in der offenen Feldschlacht eine entscheidende Wendung herbeizuführen. Beide hatten ihre Kräfte gemessen und sich überzeugt, daß eine Entscheidung nur durch eine Umfassung der beiderseits noch ungedeckten Flanken im Norden der Linie möglich war. Sollte auch diese mißlingen, dann war für den Krieg ein Ausblick auf ungeahnte Weiten eröffnet. Tatsächlich fängt mit diesem Augenblick der wirkliche Krieg von bewaffnetem Volk gegen bewaffnetes Volk an. Andere Faktoren wie überlegene Führung und persönliche Tapferkeit beginnen mächtigen Einfluß auf den Gang der Kriegshandlungen zu gewinnen. Ein grauer Schleier umwallt die Zukunft, der für das deutsche Volk bei seiner völligen Abgeschlossenheit beinahe undurchdringlich dunkel ist.Bis 12 Uhr nachts besetzt I. wieder die Stellung des R. 30 (südwestlich Sargdeckel), III., das sich nach Ablösung auf dem Marsch zum Sammelplatz der Brigade befand, besetzt 2 Uhr vorm. die Gräben westlich Punkt 150, etwas weiter westlich der eben verlassenen Gräben. Anschluß nach Osten an R. 80. 

Offiziell ist für Jakob Haas keine Grablage bekannt. Ich gehe jedoch davon aus, dass er, wenn seine Gebeine bis heute geborgen wurden, anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Servon-Melzicourt beigesetzt wurde.

Die Todesanzeige für Jakob Haas im Gießener Anzeiger
Die Todesanzeige des Deutschen Flottenvereins, Ortsgruppe Steinbach, für Jakob Haas

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.957: Josef Wittmann

Der Soldat Josef Wittmann wurde am 28.08.1890 in Donaualtheim geboren, einem Stadtteil der bayerischen Stadt Dillingen an der Donau, und war von Beruf Schmied. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 11. Kompanie des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und mit dem Verdienstkreuz mit Schwertern ausgezeichnet. Am 17.08.1916 (Regimentsgeschichte: 16.08.1916) fiel er im Alter von 25 Jahren während der Schlacht an der Somme in Frankreich. Er wurde bei der Ortschaft Maurepas getötet.

Über den Todestag und die Todesumstände von Josef Wittmann berichtet die Regimentsgeschichte des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Am 16.08. lag starkes Feuer auch zwischen der I. und II. Stellung: der Le Forest-Grund war nicht mehr zu sehen, alles Grau in Grau.

Um 5 Uhr nachmittags schossen schwere und schwerste Kaliber den ganzen Abschnitt. Eine Steigerung dieses höllischen Lärms hielt man nicht mehr möglich und doch war es so, als von 6 Uhr ab Trommelfeuer auf die I. und Le Forest-Stellung losgelassen wurde; dazu brausten Flugzeuggeschwader in 300 – 400 Metern Höhe heran. Man fühlte sich erlöst, als ½ Stunde nach der langen ungewöhnlich schweren Beschießung der Feind in mehreren Wellen auf das I. Bataillon losging, unterstützt durch tief herunter stoßende Flieger, die mit Maschinengewehr und Handgranaten die Verteidiger bearbeiteten; der Führer der 2. Kompanie, Oberleutnant der Reserve Richter, wurde hierdurch verwundet. Während vor dem rechten Flügel und der Mitte des I. Bataillons der Franzose – 27. Infanterie-Division – vor Erreichen der Stellung abgewiesen wurde, hatte die 2. Kompanie den Hauptstoß auszuhalten und sich der feindlichen Übermacht in erbittertem Nahkampf, Mann gegen Mann, zu erwehren. Nach zweistündigem harten Ringen war der Franzose mit blutigem Kopf nach Hause geschickt. Der Erfolg gegen die Überzahl – trotz Unterstützung aus der Luft – war neben der kaltblütigen Haltung der Leute dem mustergültigen Zusammenarbeit der Handgranatentrupps zu verdanken, wiewohl der Feind mit seinen weiter tragenden Eierhandgranaten anfänglich im Vorteil war. Zu den einzelnen Kampfabschnitten hatte unser Sperrfeuer immer verlässig und wirkungsvoll eingesetzt, ebenso die flankierende Tätigkeit der Maschinengewehre.

Man hatte kaum Zeit gehabt, das Ergebnis des Tages zu werten, als 9.15 Uhr abends nochmals Trommelfeuer einsetzte, diesmal besonders auf Maurepas. In die Befehlsstelle des III. Bataillons, in der sich auch Unterstützungen aufhielten, schlugen Volltreffer ein; ihnen fielen zum Opfer: der Bataillons-Kommandeur Major Schulze, Leutnant der Reserve und Adjutant Brendel, die Kompanieführer Oberleutnant der Reserve Gerdeisen 10., Leutnant der Reserve Schreyer 11 und Leutnant Goßmann 12., O. St. Alt 11., Vizefeldwebel Forster der Maschinengewehr-Kompanie, der Artilleriebeobachter, fünf Unteroffiziere und 25 Mann.

10.30 Uhr abends brach der Franzose nochmals gegen das I. Bataillon vor. Durch das gutsitzende Sperr- und Maschinengewehrfeuer, sodann im Handgranatenkampf, an dem sich auch der zur Verstärkung der 2. Kompanie schneidig und geschickt im Sperrfeuer vorgeeilte Zug des Leutnants der Reserve Fritz der 5. Kompanie wacker beteiligte, war auch diesmal am Abschluss des schweren Kampftages der Erfolg auf unserer Seite. Es hatte auch nichts geholfen, dass die französische Artillerie hinter ihre eigene Infanterie Sperrfeuer legte, um sie dadurch vorzutreiben.

In dieser Nacht noch sollte durch eine Kompanie des 2. Garde-Regiments zu Fuß die stark gelichtete 2. Kompanie abgelöst werden; sie traf aber nicht ein, sodass hierfür unsere 8. Kompanie einspringen musste. Die 2. Kompanie, die die Hauptlast des Tages getragen hatte, rückte gegen 2 Uhr vormittags nach Viller-Faucon in Unterkunft.

5.30 Uhr vormittags des 17.08.1916 traf die 4. Kompanie 2. Garde-Regiment z. F. zur Ablösung ein. Die 8. Kompanie wurde herausgezogen und zur Verstärkung mit einem Zug der 4. mit ½ der 3. Kompanie zugeteilt, während der Rest Bataillons-Reserve wurde. Nebel begünstigte diese Verschiebung.

Der Vormittag war ruhig; der Franzose erholte sich offenbar von seinem Misserfolg tags zuvor. Von Mittag ab Streufeuer auf dem ganzen Abschnitt und die gewohnte Fliegertätigkeit. Erst gegen Abend Einzelfeuer schwerer Kaliber auf Maurepas und die Hohlweg-Stellung.“

Offiziell ist für Josef Wittmann keine Grablage bekannt. Ich vermute jedoch, dass er unter falschen Vornamen auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers in einem Massengrab begraben wurde, wo man auch seine Kollegen der 11. Kompanie begrub, die am gleichen Tag fielen, u. a.

  • Landwehrmann Johann Schwarzkugler, gefallen am 16.08.1916 bei Maurepas, begraben auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers in Block 3, Grab 45-60;
  • Unteroffizier Hans Deffner, gefallen am 16.08.1916 bei Maurepas, begraben auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers in Block 2, Grab 62-74;
  • Gefreiter Johann (vermutlich richtig „Josef“) Wittmann, geboren am 29.08.1890 in Donaualtheim, gefallen am 16.08.1916 bei Maurepas, begraben auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers in Block 3, Grab 45-60;
  • Unteroffizier Johann Spengler, gefallen am 16.08.1916 bei Maurepas, begraben auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers in Block 3, Grab 45-60.

 

Sterbebild von Josef Wittmann
Rückseite des Sterbebildes von Josef Wittmann