Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.949: Josef Heringer

Der Soldat Josef Heringer stammte aus der bayerischen Gemeinde Bad Kohlgrub und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 10. Kompanie des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 09.04.1917 fiel er im Alter von 22 Jahren bei Écurie während der Schlacht bei Arras.

Über den Todestag und die Todesumstände von Josef Heringer schreibt die Regimentsgeschichte des 1. bayerischen reserve-Infanterie-Regiments:

„Von Mitternacht ab setzte bis in die Morgenstunden dauerndes Gasschießen ein. Der Gegner drang um diese Zeit bereits in die erste Linie des Nachbarregiments bayerisches Reserve-Infanterie-Regiment 3 ein. Die zwei Ruhekompanien in Oppy wurden marschbereit gehalten. Wiederholt wurde Sperrfeuer angefordert, da Patrouillen gegen die Stellung vorfühlten. Um 5.20 Uhr setzte heftigstes Trommelfeuer ein, das sichere Zeichen, dass nunmehr der Angriff begann.

20 Minuten später traten die Engländer an und folgten hinter einer Feuerwand, die abschnittweise vorverlegt wurde. Die schwachen Grabenbesatzungen der vorderen Linie wurden trotz heftiger Gegenwehr durch die vielfache Überlegenheit überwältigt. Die 3. Linie konnte stellenweise noch bis 6.15 Uhr vormittags gehalten werden. Das eigene Artilleriefeuer wurde immer schwächer, da die Batterien im Abschnitt Nachts keine Munition erhalten hatten. So blieb nichts anderes übrig, als das rückwärtige feindliche Gelände mit Gasgranaten zu beschießen. Bei den weiteren Kämpfen des Tages war die größte Schwierigkeit die Deckung der rechten Flanke, da der Gegner beim Reserve-Infanterie-Regiment 3 durchgebrochen war und nun andauernd von Norden her drängte. Im Allgemeinen war um 6.15 Uhr vormittags das III. Bataillon und der Gefechtsstand des Bataillons im Augsburgerhaus bereits außer Gefecht gesetzt. Die vorderen Teile des II. Bataillons hielten sich noch einige Zeit in der 3. Linie und an der Befehlssstelle Wittelsbach. Um 7.15 vormittags erreichten die Reste des II. Bataillons – beim Zurückgehen stark beschossen – die Zwischenstellung. Hier richtete sich das Bataillon beiderseits des Landwehrweges erneut zur Verteidigung ein. Der nördliche Teil der Zwischenstellung war bereits von rechts umfasst und verloren gegangen. Die Verbindung nach links zum Reserve-Infanterie-Regiment 2 wurde aufgenommen. Vom Regiment wurden nun auch die übrigen zwei Ruhekompanien herangezogen und das I. Bataillon geschlossen in der 2. Stellung eingesetzt.

Um 9.30 Uhr vormittags drang der Gegner unter dem Schutz eines plötzlich einsetzenden Schneegestöbers frontal gegen die Zwischenstellungen vor, ging dicht davor in Stellung und umging dabei den rechten Flügel des II. Bataillons. Zur Abwehr dagegen wurden die Teile des II. Bataillons mehr nach links an die Reste des Reserve-Infanterie-Regiments 2 herangezogen. Allmählig wurde das feindliche Feuer schwächer und das Gefecht kam zum Stehen. Zur Deckung der rechten Flanke wurden vom Regiment noch zwei Maschinengewehre vorgeschickt. Versuche, verloren gegangene Teile der Stellung wieder zu gewinnen, scheiterten. Die 2. Kompanie, welche zur Verbindung mit Reserve-Infanterie-Regiment 3 gegen Thélus vorgeschickt wurde, kam nur wenig vorwärts, da der Gegner schon zu weit vorgedrungen war. Die 3. Kompanie, welche den Befehl erhielt, die nördliche Hälfte der Zwischenstellung zu gewinnen, kam in schweres Artilleriefeuer und wurde zersprengt. Um 11.15 Uhr vormittags wurde die 1. Kompanie von der Befehlsstelle des Regiments zur rechten Hälfte der Zwischenstellung vorgeschickt. Die Kompanie kam aber nur 200 Meter heran, da der Gegner bereits den nördlichen Teil der Zwischenstellung besetzt hatte, und ging dort im freien Feld in Stellung. 2. Kompanie schob ihren linken Flügel vor, bis der Anschluss hergestellt war.

Inzwischen waren noch Meldungen eingetroffen, dass der Gegner bereits den Bahndamm bei Farbus erreicht habe. Nun bot sich ein merkwürdiges Bild dar. Nach dem Schneegestöber war der Himmel plötzlich aufgeklärt. Auf den Höhen von Thélus sah man die Engländer in Massen herumstehen. Man konnte bei wunderbarem Frühlingswetter jede einzelne Bewegung beim Gegner deutlich beobachten, besonders die der Offiziere, die mit Stöckchen in der Hand untätig vor der Front auf und ab gingen. Da noch dazu auf beiden Seiten die Artillerie völlig schwieg, herrschte eine Ruhe, die im schreiendsten Gegensatz zu dem ungeheuren Lärm der Angriffsvorbereitungen stand. Mit Beginn des Nachmittags schob sich dann der Gegner zögernd weiter vor. Eine feindliche Eskadron, die in merkwürdiger Verkennung der Verhältnisse mit anerkennenswerter Tapferkeit sich im Galopp durch das Trichtergelände hindurchmühte, wurde von unseren Maschinengewehren aufgerieben. Einzelnen Reitern gelang es aber, sogar bis Willerval vorzudringen, wo sie gefangen genommen wurden.

Das II. Bataillon, das noch tapfer aushielt, wurde immer mehr umklammert und trat dann um 1 Uhr nachmittags den Rückmarsch an, hielt sich aber noch längere Zeit in Gegend der Regiments-Befehlsstelle. Der Regimentsstab ging um 1.45 Uhr nachmittags zunächst in die 2. Stellung, traf um 2.20 Uhr am Bahndamm ein und bezog die verlassene Artilleriebefehlsstelle, um von dort aus den Widerstand neu zu organisieren. Um 4 Uhr nachmittags trafen die Reste des II. Bataillons in der 2. Stellung ein. Nun setzten bis zum Abend andauernde Bemühungen des Regiments ein, die Verbindung mit dem Reserve-Infanterie-Regiment 3 rechts aufnehmen. Die 2. Stellung war aber bereits verlassen. Eine Sicherung der rechten Flanke trat aber erst abends ein, als das bayerische Reserve-Infanterie-Regiment 21 gegen den Bahndamm östlich Farbus vorging und rechts des Regiments in Stellung ging. Am Abend war das Regiment folgendermaßen gegliedert: In der 2. Stellung lagen vom rechten Flügel an der Straße Bailleul – Thelus: 4. Kompanie, 1. Reserve-Pionier-Kompanie, 1. Kompanie, 2. Kompanie und Teile des Reserve-Infanterie-Regiment 2. Die ganze Besatzung betrug nur 150 Mann, dagegen waren viele Maschinengewehre eingeschoben. Der Spätnachmittag und Abend verlief im allgemeinen ruhig. Das Feuer richtete sich hauptsächlich gegen das Rückengelände. Während der Nacht, in der nur Bailleul mäßig beschossen wurde, kamen noch einige Versprengte zurück. Damit war das ganze III. Bataillon und Teile des II. Bataillons verloren gegangen, mit ihnen der Rest all der Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des Ausmarschstandes, die noch die Somme und Ancre übrig gelassen hatte. Der Erfolg des Tages aber war dem tapferen Verhalten des II. Bataillons zu verdanken, das dem gegner den zähesten Widerstand leistete und das im Raum der ganzen Durchbruchsschlacht am weitesten vorne stand. Im Vergleich zu dem ungeheuren Aufwand war der Erfolg des Gegners hier jämmerlich gering.

Man begrub Josepf Heringer auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Auf einem privaten Gedenkstein auf dem Friedhof von bad Kohlgrub gedenkt man noch immer Josef Heringer: http://www.denkmalprojekt.org/2013/bad-kohlgrub_frdhf_wk1_wk2_bay.html

Seine Heimatgemeinde Bad Kohlgrub gedenkt Josef Heringer noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2013/bad-kohlgrub_kirche_lk-garmisch-partenkirchen_1870_wk1_wk2_bay.html

Sterbebild von Josef Heringer
Rückseite des Sterbebildes von Josef Heringer