Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.035: Ludwig Osterried

Der Soldat Ludwig Osterried wurde am 25.08.1877 in der bayerischen Gemeinde Lengenwang geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Landwehrmann in der 10. Kompanie des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 05.11.1914 fiel er während der Stellungskämpfe vor Arras (Ecurie) bei Maison Blanche und Vimy bei einem Sturmangriff.

Über den Todestag und die Todesumstände von Ludwig Osterried berichtet die Regimentsgeschichte des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Am 05.11.1914 gegen 9 Uhr vormittags beginnt die französische Artillerie unsere Stellung bei La Maison blanche mit nie vorher erlebter Tollwut zu beschießen. Im Graben der 11. Kompanie sitzen Volltreffer schweren Kalibers, einer neben dem anderen. Der Eindruck ist so furchtbar, dass 10 – 20 Leute weichen, bei der Befehlstelle aber mit Mühe aufgehalten werden. Schwer lastet die Verantwortung auf dem Führer von III./R. 12. Ein Unteroffizier meldet ihm, dass die 11. Kompanie nur noch aus 20 Mann bestehe und ganze Gruppen tot seien; in jenen kritischen Stunden zeigt der Reservist Dominikus Dauner (11.), Maurer aus Rechbergreuthen, sich als hervorragender Soldat. Obwohl verwundet, munterte er seinen linken Nebenraum mit den Worten auf: „Ich bin verwundet, das macht nichts, deswegen schieße ich doch. Wir dürfen hier nicht heraus, sonst ist die 12. Kompanie verloren!“ Und zum rechten Nebenmann sagt er: „Ich gehe nicht, wir sind ja sonst nicht mehr viele!“ Teile der 10. Kompanie weichen auf Befehl den unausgesetzt einschlagenden, schweren Granaten aus. Der Gefreite der Landwehr Ernst Stefan (9.), Landwirtschaftslehrer aus Gaishof, merkt dabei, dass vier Leute am alten Platz zurückgeblieben sind. Er will sie nicht im Stich lassen, gehtz ins heftigste Granatfeuer nochmals zurück und holt sie nach. „Aushalten“ ist der Gedanke, der den Bataillonsführer beseelt. „Aushalten!“ ruft sein Adjutant, Leutnant Leonhard der 9. Kompanie zu, indem er zu ihr in die Stellung kriecht. Erst um 11 Uhr lässt die Wut des Feuers etwas nach. Sofort führt Leutnant Boxhorn, der Führer der 10. Kompanie einige wenige entweichende Leute wieder in die vordere Stellung. Der tapfere Gefreite Götz des Bataillonsstabes, Melder der 10. Kompanie, ermuntert die Leute dabei und will eben fünf Mann vorführen, als er durchs Herz getroffen fällt. Von 1 – 5.30 Uhr setzt das feindliche Artilleriefeuer mit neuer Wucht ein. Ein Sturmversuch des Feindes gegen 3 Uhr scheitert. Minenwerfer mischen sich nun ein und man glaubt das Geräusch wie von herabfallenden Nägeln zu hören. Gegen 4.30 Uhr nachmittags steigert sich das Feuer wieder zum Vernichtungsfeuer. Als plötzlich das „en avant!“ der Franzosen zu hören ist, verlässt zwischen einfallenden Granaten der Bataillonsführer mit der Fahne und 8 Mann des Unterstabes die Befehlstelle. Rechts von La Maison blanche sieht er den Feind in hellen Haufen herankommen. Er befielt Visier 500 und bringt im Verein mit der vorderen Linie den Sturmangriff zum Stillstand. Auch die Kompanie „Mack“ und „Wenke“ hatten ihre Stellung restlos behauptet. Die Schlacken der 10. und 11. Kompanie, im ganzen etwa 40 Mann, wurden als Reserve zurückgenommen. Der Bataillonsführer stellt die Ordnung wieder her. Zwei Maschinengewehre treffen von rückwärts ein. La Maison blanche war heldenhaft erobert und mit Erfolg gehalten worden.“.

Man begrub Ludwig Osterried auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Sterbebild von Ludwig Osterried