Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.079: Joseph Schwarzmeier

Der Soldat Joseph Schwarzmeier stammte aus Bockenbach, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Johanniskirchen, und war Landwirt (Ökonom). Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 5. Kompanie des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 18.02.1916 fiel er im Alter von 33 Jahren bei Blangy (heute: Saint-Laurent-Blangy).

Über den Todeszeitrum und die Todesumstände von Joseph Schwarzmüller berichtet die Regimentsgeschichte des 1. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„1.2. – 1.3. Die Feurtätigkeit nahm bedeutend zu, außerdem traten schwere Geschütze und Minenwerfer neu hinzu. Das Feuer richtete sich in der Hauptsache auf Blangy. Auch die eigene Artillerietätigkeit war lebhaft. Die Hochbauten von Blangy, von denen aus der Gegner Einsicht in unsere Stellung hatte, wurde durch Mörserfeuer niedergelegt. In der Häuserreihe führte das nahe Zusammenstehen zu ständigen Reibungen. Um einen freien Raum zu schaffen, wurden zwei Häuser gesprengt und der Trichter von uns ausgebaut. Durch eine Patrouille wurde am 16. ein Toter eingebracht, wodurch das 11. französische Regiment festgestellt wurde. Ein Handgranatenangriff des Gegners auf unsere Sandsackbarrikade in Blangy wurde abgewiesen. Am 8. waren die Sappen vor die Stellung vorgetrieben, der Weiterbau wurde vorläufig eingestellt. In der Blangy-Stellung wurde eine einheitliche 1. Linie geschaffen und hier sowohl wie in der 1. Häuserreihe die Stellung aufgemauert. Am 2. wurde durch einen Frühkrepierer und Explosion des Munitionslagers der 3. Minenwerfer 2 Mann verschüttet und 12 Mann verwundet.“

Eine offizielle Grablagenmeldung ist für Joseph Schwarzmeier nicht vorhanden. Laut Sterbebild wurde er auf dem Friedhof in Saint-Laurent begraben. Ich vermute stark, dass er später auf den Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy umgebettet wurde. Aufgrund der heftigen Kampfhandlungen (Saint-Laurent wurde  im Krieg vollständig zerstört) wird sein Grab / seine Grabinschrift nicht mehr vorhanden gewesen zu sein, weshalb man seine Gebeine wahrscheinlich anonym in einem Massengrab dort beigesetzt hat.

Seine Heimatgemeinde Johanniskirchen gedenkt Joseph Schwarzmeier noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2010/johanniskirchen-emmersdorf_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Joseph Schwarzmeier
Rückseite des Sterbebildes von Joseph Schwarzmeier

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.075: Johann Erlmeier

Der Soldat Johann Erlmeier wurde am 06.01.1891 geboren und stammte aus Habach in Bayern, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Johanniskirchen, und war der Sohn eines Kleinbauern (Gütler). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter und Fahrer in der 6. Batterie des 23. bayerischen Feldartillerie-Regiments. Er wurde mit dem bayerischen Militär-Verdienstkreuz mit Schwertern ausgezeichnet. Am 09.10.1918 fiel er während der Kämpfe vor und in der Hermannstellung im Alter von 22 Jahren bei Busigny (Cambrai) durch einen Volltreffer.

Über den Todestag und die Todesumstände von Johann Erlmeier berichtet die Regimentsgeschichte des 23. Feldartillerie-Regiments:

„9. Oktober: Das Regiment gehörte an diesem Tage zur Nachhut-Artillerie, deren Führung der Regiments-Kommandeur übernahm. Hauptmann Martin führte die bei B. eingesetzten Teile des Regiments. – 9 Uhr vormittags: Der Gegner leitet seinen Vorstoß gegen die Straße B. – Bohain durch heftiges Artilleriefeuer auf den erstgenannten Ort und dessen Ränder ein. – 9 Uhr 50: II und III/23, deren Stellungen unhaltbar geworden waren, machten auf Befehl einen sehr schwierigen Stellungswechsel durch die feindliche Feuerwalze hindurch und bezogen Aufnahme-Stellungen auf den Höhen nördlich Le Rond Point, vor allem zum Schutz unseres linken Flügels. – 11 Uhr 15: Der Gegner hat die Straße Busigny – Bohain erreicht. – Zwischen 11 und 12 Uhr wurde II/23 in eine Stellung dicht östlich La Haie – Menneresse nördlich der Straße nach Molain zurückgenommen. Bei Einbruch der Dunkelheit marschierte die Abteilung in die Gegend von Ribeauville in den Abschnitt der 3. Marine-Infanterie-Division, III/23 nach Wassigny zur 77. Infanterie-Division. Namentlich für die 3. Abteilung ist der Tag verlustreich gewesen.“

Offiziell ist für Johann Erlmeier keine Grablage belannt. Ich vermute jedoch, dass seine sterblichen Überreste, wen nach dem Volltreffer noch welche vorhanden waren, anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Selvigny begraben wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a. Fahrer Georg Scheid, gefallen am 09.10.1918 bei Busigny, begraben auf dem Soldatenfriedhof Selvigny in einem Massengrab.

Man gedenkt Johann Erlmeier in der Regimentsgeschichte des 23. bayerischen Feldartillerie-Regiments: http://www.denkmalprojekt.org/2010/vl_kgl_bay_23_far_wk1.htm

Sterbebild von Johann Erlmeier
Rückseite des Sterbebildes von Johann Erlmeier

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.062: Joseph Schmauß

Der Soldat Joseph Schmauß stammte aus der bayerischen Gemeinde Inzell und war Schreinergehilfe von Beruf. Im Ersten Weltkrieg diente er als Jäger in der 1. Kompanie des 3. bayerischen Jäger-Regiments. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Am 23.06.1916 wurde er im Alter von 26 Jahren von einem Granatsplitter getötet.

Offiziell ist für Joseph Schmauß keine Grablage bekannt, ich bin mir jedoch sicher, dass seine Gebeine, wenn sie bis heute geborgen wurden, anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville beigesetzt wurden, wo man auch seine Kameraden aus der 1. Kompanie begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Jäger Hans Ernst Hofmüller, gefallen am 21.06.1916 beim Fuminrücken vor Verdun, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab;
  • Jäger Jakob Widmann, gefallen am 21.06.1916 beim Fuminrücken vor Verdun, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab;
  • Gefreiter Otto Keil, gefallen am 21.06.1916 bei Vaux, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab;
  • Leutnant Hermann Pfalzer, gefallen am 21.06.1916 beim Fuminrücken vor Verdun, begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab;
  • Jäger Pankraz Gasteiger, gefallen am 21.06.1916 bei Werk (?), begraben auf dem Soldatenfriedhof Hautecourt-lès-Broville in einem Massengrab.

 

Seine Heimatgemeinde Inzell gedenkt Joseph Schmauß noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/dkm_deutschland/inzell_wk1u2_bay.htm

Sterbebild von Joseph Schmauß
Rückseite des Sterbebildes von Joseph Schmauß

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.048: Otto Semmler

Der Soldat Otto Semmler wurde am 28.07.1893 in der bayerischen Stadt Eichstätt geboren. Im Ersten Weltkrieg diente er als Unteroffiziers-Aspirant in der 1. Kompanie des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 04.06.1915 fiel er im Alter von 21 Jahren bei Thelus während der Frühjahrsschlacht bei La Bassée und Arras.

Offiziell ist für Otto Semmler keine Grablage bekannt. Ich gehe jedoch davon aus, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy beigesetzt wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Infanterist Johann Kaspar Kopp, gefallen am 13.06.1915 bei Thelus, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Ersatz-Reservist Kaspar Baumgartner, gefallen am 05.06.1915 bei Thelus, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Ersatz-Reservist Johann Brandmeier, gefallen am 04.06.1915 bei Thelus, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Unteroffizier Anton Seelos, gefallen am 05.06.1915 bei Thelus, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde Eichstätt gedenkt Otto Semmler noch heute in einem Gedenkbuch: http://www.denkmalprojekt.org/2010/eichstaett_heldenbuch_wk1_bay.htm

 

Sterbebild von Otto Semmler
Rückseite des Sterbebildes vonOtto Semmler

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.046: Leonhard Gebhart

Der Soldat Leonhard Gebhard wurde am 03.09.1891 in Birkland geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Peiting. Er war landwirtschaftlicher Arbeiter in Hofen, einem anderen Ortsteil von Peiting. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 7. Kompanie des 20. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 02.10.1914 fiel er im Alter von 23 Jahren bei Fontaine-lès-Cappy an der Somme, und nicht, wie auf dem Sterbebild angegeben, vor Verdun.

Über den Todestag und die Todesumstände von Leonhard Gebhardt berichtet die Regimentsgeschichte des 20. bayerischen Infanterie-Regiments:

„Erkundungsvorstöße gegen Foucaucourt

Am 2. Oktober gelang dem zu einem Erkundungsvorstoß gegen Foucaucourt rittlings der Straße Estrées – Foucaucourt angesetzten I. Bataillon ein Handstreich. Die im Morgengrauen dicht nördlich der großen Straße vorgehende 2. Kompanie drang unter der schneidigen Führung des Leutnants Mebert II überraschend in Foucaucourt ein, machte 130 Gefangene und nahm zwei Maschinengewehre weg. Leider ist der ausgezeichnete Kompanieführer beim weiteren allzu kühnen Vordringen in der Ortschaft gefallen (Leutnant Wilhelm Mebert, gefallen am 02.10.1914 bei Foucaucourt, begraben auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers in einem Massengrab). Mit Mühe gelang es dem Feldwebel-Leutnant Scheibe Otto der Maschinengewehrkompanie, die vereinzelt weit vorgekommene 2. Kompanie wieder aus dem stark besetzten Ort loszulösen. Das ganze Unternehmen hatte an Verlusten 3 Offiziere und Offiziersstellvertreter, 104 Unteroffiziere und Mannschaften gekostet.

Am gleichen Tag nahm die 7. Kompanie mit Schwung im Verbande des 1. Infanterie-Regiments an einem Vorstoß in der Nähe der Ferme von Fay teil. Hierbei ist ihr überragender Hauptmann Hermann Karl gefallen. (Hauptmann Karl Hermann, gefallen am 02.10.1914 bei Fontaine-lés Cappy, begraben auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers in einem Massengrab) „.

Offiziell ist für Leonhard Gebhard keine Grablage bekannt. Ich gehe jedoch davon aus, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers beigesetzt wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen  Zeitraum fielen, u. a. die o. a. Offiziere, sowie

  • Infanterist Franz Fichtel, gestorben am 02.10.1914 bei Belloy, begraben auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers  in einem Massengrab;
  • Infanterist Adolf Kopp, gestorben am 05.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers  in Block 3, Grab 476;
  • Infanterist Edmund Sörgl, gefallen am 03.10.1914 bei Fontaine-lés Cappy, begraben auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers  in Block 3, Grab 476;
  • Unteroffizier, gefallen am 03.10.1914 bei Fontaine-lés Cappy, begraben auf dem Soldatenfriedhof Vermandovillers  in Block 3, Grab 476.

 

Sterbebild von Leonhard Gebhart
Rückseite des Sterbebildes von Leonhard Gebhart

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.045: Willibald Forstner

Der Soldat Willibald Forstner stammte aus Englmannsberg, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Reisbach, und war der Sohn eines Landwirts. Gestern stelle ich das Schicksal seines Bruders Johann vor. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 8. Kompanie des 17. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 12.10.1914 fiel er im Alter von 23 Jahren bei Foncquevillers in der Nähe von Arras

Offiziell ist für Willibald Forstener keine Grablage bekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym ine einm Massengrab auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy begraben wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Unteroffizier Theobald Lacroix, gefallen am 11.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in Block 2, Grab 170;
  • Infanterist Josef Wohlmuth, gefallen am 12.10.1914 bei Foncquevillers bei Arras, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Infanterist Johann Frisch, gefallen am 12.10.1914 bei Foncquevillers bei Arras, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Infanterist Johann Faber, gefallen am 12.10.1914 bei Foncquevillers bei Arras, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Infanterist Sebastian Renner, gefallen am 12.10.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in Block 3, Grab 190.

 

Sterbebild von Johann und Willibald Forstner
Rückseite des Sterbebildes von Johann und Willibald Forstner

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.028: Alois Münch

Alois Münch stammte aus Schildorn, einem Ortsteil der bayerischen Stadt Bad Griesbach im Rottal, lebte in Unterstattenbach, und war der Sohn eines Kleinbauern (Gütler). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 2. Kompanie des 2. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 27.08.1914 fiel er im Alter von 23 Jahren während des Gefechts bei Ménil-sur-Belvitte in den Vogesen.

Über den Todestag und die Todesumstände von Alois Münich berichtet die Regimentsgeschichte des 2. bayerischen Infanterie-Regiments:

“ 27.08.1914 Der Gegner hat uns nun auf ein Gefechtsfeld gezogen, das in der Nähe seiner Sperrfestungslinie gelegen, von ihm wie ein Artillerieschießplatz vorbereitet ist. Die Folge dieses uns ungünstigen Umstandes sollte schon am Morgen zbsere Maschinengewehr-Kompanie zu fühlen bekommen. Sie wurde von einem feindlichen Feuerüberfall gepackt, verlor fast die Hälfte ihrer Mannschaften und Pferde und ihren braven Führer, Hauptmann Wegelin, der zu Tode verwundet war. Am Nachmittag dieses Tages erging erneuter Angriffsbefehl zum Vorgehen in südwestlicher Richtung, linker Flügel allgemeine Richtung gegen Angelemont. Das Regiment geht in prächtiger Haltung und in ausgezeichneter Ordnung vor. Die Verluste sind erträglich, leider fällt auch unser braver junger Leutnant Wetter. Am Abend sind die Gefechtsziele erreicht, I. Bataillon ist in Bois de la Conche eingedrungen, in dem sich noch Waldgefechte abspielen. Die Nacht lässt es rätlich erscheinen, die in den Wald gedrungenen Teile des Regiments an dessen Nordrand zurückzunehmen und geschlossen dort zu biwaktieren mit Anschluss rechts an das Infanterie-Leib-Regiment, links an das 16. Infanterie-Regiment.“

Die Lage des Grabes von Alois Münich ist offiziell unbekannt. Ich bin mir jedoch sicher, dass sein Leichnam, wenn er bis heute geborgen wurde, anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Bertrimoutier beigesetzt wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Hauptmann Cäsar Wegelin, gefallen am 27.08.1914 bei Menil, begraben auf dem Soldatenfriedhof Bertrimoutier in einem Massengrab;
  • Hauptmann Felix Bedall, geboren am 21.04.1877 in München, gefallen am 28.08.1914 bei Château de Villers, begraben auf dem Soldatenfriedhof Bertrimoutier in einem Massengrab;
  • Leutnant Friedrich Vetter, gefallen am 28.08.1914 bei Menil, begraben auf dem Soldatenfriedhof Bertrimoutier in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Alois Münch
Rückseite des Sterbebildes von Alois Münch

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.009: Theodor Bischoff

Der Soldat Theodor Bischoff war Beamter (Angestellter) der Depositen-Abteilung der Deutschen Bank in Berlin. Im Ersten Weltkrieg diente er als Gefreiter der Reserve in der 2. Kompanie des 64. preußischen Infanterie-Regiment. Am 20. September fiel er im Alter von 23 Jahren bei den Kämpfen an der Aisne in der Nähe der Folemprise-Ferm und  der Rouge Maison bei den beiden französischen Ortschaften Soupir und Ostel.

Über den Todestag und die Todesumstände von Theodor Bischoff berichtet die Regimentsgeschichte des 64. preußischen Infanterie-Regiments:

„Der Angriff am 20.09.1914

Im Morgengrauen des 20. September wies das I. Bataillon einen englischen Vorstoß ab.

Der Angriff der 6. Division sollte an diesem Tage fortgesetzt werden, er kam aber nicht einheitlich in Gang. In der Nacht hatte der Regimentskommandeur erfahren, dass links vom Regiment mit Hellwerden wieder vorgegangen werden sollte. Wann rechts die 24er antreten würden, war nicht bekannt. Oberst Jancke befahl deshalb, das I. Bataillon mit der 6. Kompanie sollten zum Angriff antreten, sobald das Regiment 24 vorginge. Das III. Bataillon erhielt Befehl, den Angriff des I. Bataillons aus dem vor der Front des III. Bataillons liegenden Walde heraus zu unterstützen.

Major von Decken führte darauf schon im Morgengrauen sein Bataillon in den Wald, dessen Nordteil als unbesetzt festgestellt war. Er glaubte mit Recht, dass er so bei fortschreitendem Angriff gegen die Flanke des auf der Höhe vor dem I. Bataillon haltenden Gegners wirken  könne. Die 9. Kompanie wurde dem I. Bataillon zur unmittelbaren Unterstützung zur Verfügung gestellt. Die 10., 11. und 12. Kompanie wurden im Ostrand des Waldes bereitgestellt, um vorzubrechen, sobald das I. Bataillon angriffe. Nach Süden waren im Wald zum Schutz der Flanke Sicherungen soweit vorgeschoben, wie es die Lage des eigenen Artilleriefeuers erlaubte. Ein dem Bataillon zugeführter Maschinengewehr-Zug unter Leutnant Meißenburg wurde eingesetzt, um feindliche Maschinengewehre, die gegen die linke Flanke des Bataillons wirkten, zu bekämpfen.

Das I. Bataillon hatte zunächst nicht angreifen können, weil die 24er nicht antraten. Erst um 10.30 Uhr konnte Hauptmann von Werder den Angriffsbefehl geben. Die 6. Kompanie rechts, das I. Bataillon links daneben verließen gegen Mittag ihre Gräben, um noch einmal den schweren Angriff über die kahle Fläche zu wagen. Er war befohlen, also gab es für den deutschen Sturmsoldaten von 1914 kein Zaudern.

Wieder kam die 6. Kompanie in dem günstigeren Gelände bei Rouge Maison, wenn auch unter erheblichen Verlusten, gut vorwärts. Auch der rechte Flügel des I. Bataillons gewann zunächst Boden, während die am linken Flügel vorgehende 2. Kompanie in kurzer Zeit durch Maschinengewehr- und Infanteriefeuer und durch starkes Artilleriefeuer aus der linken Flanke (von La Cour de Soupir her) zusammengeschossen wurde. Die Reste der braven Kompanie mussten den schützenden Graben wieder aufsuchen. (Anmerkung: Hier fiel Theodor Bischoff wahrscheinlich).

Auf Vorschlag des Hauptmanns Osterroht sandte Hauptmann von Werder Teile der 1. Kompanie zur 6., um dort den erfolgversprechenden Angriff fortzusetzen. Aber auch hier stellte es sich bald heraus, dass der Angriff der schwachen Teile des Regiments allein unmöglich war. Längst hatten die 24er das Vorgehen wieder einstellen müssen, auch die 11. Brigade links vom Regiment war nicht vorwärtsgekommen. So musste auch Hauptmann Osterroht auf weiteres Vorgehen verzichten.

Major von Decken hatte inzwischen auf die Nachricht, dass das I. Bataillon angriffe, den kühnen Entschluss gefasst, durch den Wald weiter nach Süden vorzudringen. Glückte es, den Südrand des Waldes zu erreichen, so stand das Bataillon tief in der Flanke des Feindes vor dem I. Bataillon. Er befahl zunächst gegen 12 Uhr mittags der 11. Kompanie, gegen den Südrand des Waldes vorzugehen, um die feindliche Stellung im Walde zu erkunden.

Sobald die Kompanie angetreten war, schlug ihr im dichten Gestrüpp auf nächste Entfernung starkes Feuer entgegen. Sofort ließ Hauptmann Friedrichs Seitengewehr aufpflanzen und ging mit seinen tapferen Musketieren den Engländern mit dem Bajonett zu Leib. Schrittweise wich der Feind. Jetzt setzte Major von der Decken die 12. und 10. Kompanie rechts und links von der 11. ein, Leutnant Weißenburg brachte seine Maschinengewehre in Stellung und im wundervollen Angriffsschwung stürmten die Angermünder trotz schwerer Verluste unaufhaltsam vorwärts, bis sie den Südrand des Waldes erreichten. Hier am Waldrand gelang es dem Bataillon noch, einen englischen Schützengraben zu nehmen, obwohl die deutsche Artillerie, die den Kampf nicht beobachten konnten, zu kurz schoss. Dann aber war ein weiteres Vorwärtskommen unmöglich. Von drei Seiten traf feindliches Feuer das vereinzelte, so weit  durchgebrochene Bataillon. Es musste nach allen Seiten Front machen und sich eingraben.

Schwer waren die Verluste. Der schwerste aber war der Heldentod des ritterlichen, tapferen Führers, des Majors von der Decken. Mitten im tollsten Feuer aufrecht stehend – so erzählte am Abend sein treuer Adjutant, Leutnant Droysen – traf ihn ein Geschütz in den Arm. „Droysen, ich habe eins weg,“ sagte er lachend. Kurz darauf warf ihn ein Schuss in die Häfte halb zu Boden. „Droysen, jetzt habe ich Nummer 2!“ Die Führung seiner Musketiere gab er nicht ab, bis ein Kopfschuss dem Heldenleben ein Ende machte. Ein vorbildlicher Soldat, gleich hervorragend als Führer wie in der Sorge für seine Untergebene, hatte hier den schönsten Tod gefunden. Ihm sei an dieser Stelle ein besonderes Denkmal gesetzt. Major Averich von der Decken, geboren am 12.10.1868 in Bromberg, gefallen am 20.09.1914 bei Folemprise bei Ostel, begraben vermutlich auf dem Soldatenfriedhof Soupir in einem Massengrab)

Der blutige Tag ging langsam zur Neige. Hauptmann von Schenckendorff klammerte sich mit den Resten des III. Bataillons an den schwer erkämpften Boden. Der Regimentskommandeur sandte ihm die 7. Kompanie unter Hauptmann Jacobs zu Hilfe, die sich tapfer am Kampf beteiligte. Mehr zu schicken war unmöglich. So stellte Oberst Kancke dem Hauptmann von Schenckendorff anheim, das Bataillon in die alte Stellung zurückzunehmen, wenn es sich nicht mehr halten könne. Die Munition wurde knapp, Wasser für die Maschinengewehre fehlte, das feindliche Feuer forderte immer mehr Verluste. Da entschloss sich Hauptmann von Schenckendorff schweren Herzens zum Rückzug. Vom Feinde unverfolgt, unter Mitführung fast aller Verwundeten und mit 20 Gefangenen kehrte das heldenmutige Häuflein am Abend in den Nordteil des Waldes zurück. Nur noch wenig über 200 Gewehre zählten die drei Kompanien, beim Maschinengewehr-Zug waren nur noch fünf Mann gefechtsfähig. Die Fahne des Bataillons, getragen von dem Serganten Menndorf, war durch einen Infanterieschuss beschädigt worden.

Auch am rechten Flügel des Regiments musste am Abend Hauptmann Osterroht seine erfolgreiche Kompanie in die alte Stellung nördlich Rouge Maison zurücknehmen, nachdem die Verwundeten und die Gefallenen, darunter der vortreffliche Feldwebel Kasimir und der Fahnenjunker Tille, zurückgeschafft waren. Der rechte Flügel des I. Bataillons war schon vorher in die Ausgangsstellung zurückgegangen.

Die 5. und 8. Kompanie hatte der Regimentskommandeur während des Angriffs auf den „Hungerberg“ vorgezogen, wo sie die gefährdete linke Flanke gegen das Tal von Ostel schützen.

So endete der schwere, blutige Tag. Er entriss dem Regiment viele seiner Besten; er begrub die letzten Hoffnungen auf den baldigen endgültigen Sieg. Wenn es damals den Mitkämpfern auch nicht so klar geworden ist, der 20. September bezeichnete den Beginn des Stellungskampfes. Ein neuer Abschnitt des Krieges begann. Noch einmal hatte das zusammengeschmolzene Regiment im schneidigen Angriff sein Bestes gegeben. Es hatte nichts geholfen.

Die Verluste am 20. September betrugen:

Tot: Mahor von der Decken

Leutnant der Reserve Meynow, 10. Kompanie. (Leutnant Wilhelm Meynow, gefallen am 20.09.1914 bei Folembrise, begraben auf dem Soldatenfriedhof Soupir in Block 1, Grab 238)

Leutnant Meißenburg, Maschinengewehr-Kompanie (Leutnant Werner Meissenburg, gefallen am 20.09.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Soupir in Block 1, Grab 235)

Leutnant Rack, Führer der 2. Kompanie (Leutnant Erwin Rack, gefallen am 20.09.1914, begraben auf dem Soldatenfriedhof Soupir in Block 1, Grab 241)

49 Mann.

Verwundet: 5 Offiziere (darunter Leutnant Praetorius, 10. Kompanie, der nach wenigen Tagen seiner schweren Wunde erlag), 214 Mann.

Vermisst: 38 Mann des III. Bataillons, die wohl durchweg im Waldgefecht tot oder verwundet liegen geblieben sind.

Allein das III. Bataillon verlor 6 Offiziere, 174 Mann, den Rest trugen vor allem 2. und 6. Kompanie.

Dem schweren Tage folgte eine ruhige Nacht. Die 6. Kompanie wurde durch die 5. abgelöst.

Am Abend des 20. traf der erste Ersatztransport aus der Heimat ein, zwei Offiziere, fünf Offizier-Stellvertreter und Fähnriche, 350 Mann. Eine willkommene Verstärkung nach allen Verlusten der letzten Tage.“

Theodor Bischoff wird auch in der Ehrenliste der Deutschan Bank geführt: http://www.denkmalprojekt.org/2019/verlustliste_deutsche-bank-1914_wk1.html

Offiziell ist für Theodor Bischoff keine Grablage bekannt. Ich bin mir jedoch sicher, dass seine Gebeine, wenn sie geborgen wurden, anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Soupir begraben wurden, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die am gleichen Tag fielen (siehe  rote Anmerkungen in der Regimentsgeschichte oben).

 

Todesanzeige für Theodor Bischoff und seine Mutter Lina Bischoff, geborene Güllich

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 3.008: Walter Hagen

Der Soldat Walter Hagen wurde in Gersbach geboren, heute ein Ortsteil der Stadt Schopfheim in Baden-Württemberg. Er war Kandidat der Theologie in Börstetten.  Im Ersten Weltkrieg diente er als Kriegsfreiwilliger in der 2. Kompanie des 113. Infanterie-Regiments. Am 28.10.1914 (Volksbund: 27.10.1914 fiel er bei während der Schlacht von La Bassée in der Nähe von Ouchy lez La Bassée

Lageplan des Sterbeortes von Walter Hagen

Man begrub Walter Hagen auf dem Soldatenfriedhof Lens-Sallaumines anonym in einem Massengrab.

Walter Hagen wird im Ehrenverzeichnis seines Regiments aufgeführt: http://www.denkmalprojekt.org/2012/5_badisch_infanterie-rgt_nr113_h.html

 

Todesanzeige für Walter Hagen

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.990: Ludwig Gerbel

Der Soldat Ludwig Gerbel wurde am 18.08.1894 in der bayerischen Stadt Bamberg geboren. Im Ersten Weltkrieg diente er als Fähnrich in der 4. Feld-Pionier-Kompanie des 2. bayerisches Pionier-Bataillons. Am 04.10.1914 fiel er im Alter von 20 Jahren bei Vimy.

Die Lage des Grabes von Ludwig Gerbel ist unbekannt. Ich bin mir jedoch sicher, dass er, wenn er bis heute geborgen wurde, anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy beigesetzt wurde, wo man auch seine Kompaniekameraden begraben wurden, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Pionier Julius Wingert, gefallen am 05.10.1914 bei Vung, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Unteroffizier Georg Sauer, gefallen am 21.10.1914 bei Roclincourt, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Hauptmann Paul Luber, gefallen am 05.10.1914 bei Carency, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Pionier Joseph Semmelmann, gefallen am 21.10.1914 bei Vung, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Pionier Karl Bühlmeyer, gefallen am 21.10.1914 bei Vung, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

 

Todesanzeige für Ludwig Gerbel