Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.894: Peter Reichenspurner

Der Soldat Peter Reichenspurner wurde am 18.09.1892 in Obergarching geboren, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Garching an der Alz, und war der Sohn eines Landwirts (Hintermeierbauer). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 5. Kompanie des 8. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 07.07.1916 fiel er während der Schlacht an der Somme im Alter von 23 Jahren bei Grandcourt auf Posten.

Über den Todestag und die Todesumstände von Peter Reichenspurner berichtet die Regimentsgeschichte des 8. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Durch einen Regimentsbefehl vom 06.07.1916 wurde für den nächsten Tag ein Unternehmen unter Leitung des Majors Prager gemeinsam mit Hauptmann Wurm von drei Seiten gegen den Feind angeordnet. 4 Uhr morgens begann es. Einleitung: Deutsches Feldhaubitzen-Konzert. Alsdann stürmten die Leute von Prager und Wurm schneidig vor. Handgranatentrupps der 5. und 7. Kompanie (Abschnitt Wurm) unter den Vizefeldwebel Gerber und Grobholz nebst solchen der 2. und 4. Kompanie Infanterie-Regiment 185 stießen im 2. Graben in der Nähe der Meisengasse ohne besonderen Widerstand bald auf den von Norden kommenden Trupp der 8. Kompanie und der ausgezeichnet arbeitenden 11. Kompanie Infanterie-Regiment 185 (Abschnitt Prager). Von da ging es durch Verbindungsweg Nr. 6 und 7 gegen den ersten Graben vor. Nach Gerbers Verwundung zeigten sich hauptsächlich Unteroffizier Reichert und Beckert der 7. Kompanie und Rückert und Stock der 5. Kompanie als tatkräftige Führer. Eine von Stock erbeutete englische Muskete leistete ihm beste Dienste. 4.40 Uhr morgens erwiderte die feindliche Artillerie das Feuer, durch das sich niemand stören ließ. Hauptmann Wurm war, als seine anstrengende Tätigkeit an der Befehlsstelle es einigermaßen zuließ, von 6 Uhr morgens ab mitten unter seinen Leuten vorne, regelte die Besetzung der neugewonnenen Gräben, den Austausch der Handgranatenwerfer, die Verteilung und Verwendung der ungeheuren Mengen englischer Handgranaten und gab den Antrieb zu weiterem Vordringen gegen die Engländer, die sich im ersten Graben mit einem Maschinengewehr noch verzweifelt wehrten. Aber allmählich erlahmte ihr Widerstand. Als sie schließlich über freies Gelände zurückflutete, sprang Unteroffizier Rückert mit 6 Mann der 5. Kompanie auf die Rückenwehr im Graben und nahm sie unter kräftiges Verfolgungsfeuer; Leute der 7. Kompanie brachen den letzten Widerstand durch Handgranaten. Der englische Maschinengewehr-Leutnant Lewis H. Neville Grenher (1./5. York Lancester-Regiment) geriet mit dem unbrauchbar gemachten Maschinengewehr in Hauptmann Wurms Hand; er machte ihn auf den im Graben anwesenden, verwundeten englischen Oberstleutnant F. H. G. Rendell aufmerksam, der von unseren Krankenträgern zurückgebracht wurde. Nun war das letzte, am 1. Juli vom Reserve-Infanterie-Regiment 99 verlorene Grabenstück wieder in deutschem Besitz, damit das am 1. Juli begonnene und unermüdlich und tatkräftig durchgeführte Werk vollendet. Um die nämliche Stunde, zu der beim Kommandeur der 26. Reserve-Division, Generalleutnant Freiherr von Soden, die Meldung von der völligen Vertreibung des Feindes aus dem Divisions-Abschnitt einlief, übergab deine Excelenz den südlichen Teil hievon dem Kommandeur der 10. bayerischen Division, Generalleutnant Burkhardt, hocherfreut, dass ihm dieses Abschiedsgeschenk zuteil wurde.“

Man begrub Peter Reichenspurner auf dem Soldatenfriedhof Fricourt in einem Massengrab.

Sterbebild von Peter Reichenspurner
Rückseite des Sterbebildes von Peter Reichenspurner

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.888: Josef Süß

Der Soldat Josef Süß wurde am 13.02.1897 in Hausham geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Gefreiter in der 4. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. in dem auch der spätere Diktator Adolf Hitler diente. Er wurde mit dem bayerischen Militär-Verdienstkreuz ausgezeichnet. Am 05.10.1916 fiel er im Alter von 19 Jahren während der Schlacht an der Somme bei den heftigen Kämpfen bei Vimy in der Nähe der Ortschaft Le Barque.

Über den Todestag und die Todesumstände von Josef Süß berichtet die Regimentsgeschichte des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Die Divisions- und Brigadebefehle, welche die Wegnahme des Engländernestes forderten und zu einer Ehrensache des Regiments machten, wurden immer dringender. So sollte der Angriff, unterstützt durch vier Kompanien des Reserve-Infanterie-Regiments 20, am 5. Oktober in aller Frühe wiederholt werden. Der Kommandeur des I. Bataillons beauftragte die Leutnants der Reserve Arnold und Angerer mit den vorbereitenden Erkundungen und der Durchführung. Am 4. Oktober abends meldeten jedoch beide Offiziere, dass die für die Angriffstruppe bestimmten Verstärkungen und Handgranaten nicht eingetroffen seien, sie hielten die Ausführung für verfrüht und bäten um 24 Stunden Verschiebung. Der Angriff wurde denn auch, trotzdem die höheren Stellen auf der Durchführung bestanden, nicht unternommen. Ein Hauptgrund war, dass die eigene Artillerie ständig zu kurz schoss und dadurch die Vorbereitungen lähmte. Drei Mann der Handgranatentrupps der rechten Angriffstruppe wurden durch eigene Artillerie verwundet, was um so schmerzlicher war, als die Zahl der tüchtigen Handgranatenwerfer durch die bisherigen Verluste schon stark vermindert war. Auch gelang es nicht, die handgranaten rechtzeitig nach vorne zu bringen, da die Trägertrupps beim Vormarsch durch feindliches Feuer zersprengt wurden.“

Offiziell ist für Josef Süß keine Grablage bekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf dem nahe gelegenen Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy beigesetzt wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Unteroffizier Ludwig Brunnhuber, gefallen am 12.10.1916, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Gefreiter Willi Laue, gefallen am 08.10.1916 bei Le Barque, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Gefreiter Georg Guggenbichler, gefallen am 12.10.1916 bei Le Barque, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Josef Süß
Rückseite des Sterbebildes von Josef Süß

Sonderbeitrag: Vizefeldwebel Carl Steller

Der Soldat Carl Steller stammte aus dem hessischen Dorf Annerod, einem Ortsteil der Gemeinde Fernwald. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Vizefeldwebel in der 3. Kompanie des 116. Infanterie-Regiments. Am 20.09.1916 fiel er während der Schlacht in der Somme in Frankreich. Er wurde bei Bouchavesnes getötet.

Die Lage des Grabes von Carl Steller ist unbekannt.

In seinem Heimatdorf Annerod gedenkt man Carl Steller noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2013/annerod_gem-fernwald_lk-giessen_wk1_wk2_hs.html

Die Todesanzeige für Carl Steller im Gießener Anzeiger

Sonderbeitrag: Leutnant der Reserve Alfred Greiner

Der Soldat Alfred Greiner stammte aus Steinheid, einem Stadtteil von Neuhaus am Rennweg im heutigen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Er war Student der Waldwissenschaft (candidatus forestis). Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Leutnant der Reserve in der 1. Kompanie des 11. Reserve-Jäger-Bataillons. Er stammte vom 11. Jäger-Bataillon. Man zeichnete ihn mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und mit der herzoglich-sächsischen Tapferkeitsmedaille aus. Alfred Greiner fiel am 05.07.1916 während der Schlacht an der Somme bei Barleux.

Die Lage des Grabes von Alfred Greiner ist unbekannt.

Die Todesanzeige der Landsmannschaft Darmstadtia für Alfred Greiner im Gießener Anzeiger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.862: Johann Englberger

Der Soldat Johann Englberger stammte aus der bayerischen Gemeinde Schwarzach und war der Sohn eines Maurers. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 6. Kompanie des 11. bayerischen Infanterie-Regiments. Mitte 1915 wurde er leicht verwundet. Am 06.11.1916 fiel er im Alter von 23 Jahren während der Schlacht an der Somme und den Stellungskämpfen bei La Bassée. Er wurde bei Wavrin getötet.

Man begrub Johann Englberger auf dem Soldatenfriedhof Salomé in Block 2, Grab 540.

Sterbebild von Johann Englberger
Rückseite des Sterbebildes von Johann Englberger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.834: Wilhelm Angerhofer

Der Soldat Wilhelm Angerhofer wurde am 06.04.1894 in Holz, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Bernbeuren, als Sohn eines Landwirt geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er ab dem 25.02.1915 als Infanterist in der 3. Kompanie des 18. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Er wurde mit dem Militär-Verdienstkreuz 3. Klasse ausgezeichnet. Er wurde leicht verwundet. Am 24.07.1916 fiel er im Alter von 22 Jahren während der Schlacht an der Somme bei Templeux-la-Fosse und Moislains.

Sein Bruder Johann Angerhofer diente in der 12. Kompanie des 23. bayerischen Infanterie-Regiments und fiel am 13.03.1916 bei Arras.

Man begrub Wilhelm Angerhofer auf dem Soldatenfriedhof Maissemy in Block 2, Grab 353.

Seine Heimatgemeinde Bernbeuren gedenkt Wilhelm Angerhofer noch heute auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2020/bernbeuren_lk-weilheim-schongau_bay.html

 

Sterbebild von Wilhelm Angerhofer
Rückseite des Sterbebildes von Wilhelm Angerhofer
Info zu Wilhelm Angerhofer
Rückseite des Infozettels von Wilhelm Angerhofer mit einem Blick auf das zerstörte Vigneulles

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.789: Franz Seraphin Tremmel

Der Soldat Franz Seraphin Tremmel stammte aus der bayerischen Gemeinde Buchbach und war der Sohn eines Korbmachers. Im Ersten Weltkrieg diente er als Infanterist in der 1. Kompanie des 12. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 26.10.1916 fiel er nach 24 Monaten Kriegsdienst bei Les Mesnil während der Schlacht an der Somme durch ein Artilleriegeschoss.

Über den Todestag und die Todesumstände von Franz Seraphin Tremmel berichtet die Regimentsgeschichte des 12. bayerischen Infanterie-Regiments:

„Am 26.10. erhielten 6., 8. und 5. Kompanie vormittags wenig Artilleriefeuer. Der Gegner geschoss hauptsächlich die hinteren Linien. Von 12 – 2 Uhr nachmittags und 4 – 6 Uhr nachmittags legte der Feind schweres Artilleriefeuer auf 6./12. und den Holhlweg. Auch auf 7./12. steigerte sich am Nachmittage das feindliche Trommelfeuer. Offenbar hatte der Gegner die bei P128 bestehende Lücke erkannt. Die Fliegertätigkeit war an diesem Tage besonders groß.“

Dabei wurde Franz Seraphin getötet.

Die Lage des Grabes von Franz Seraphin Tremmel ist offiziell unbekannt. Vermutlich wurde er auf dem wenige Kilometer entfernten Soldatenfriedhof Rancourt anonym in einem Massengrab beigesetzt.

Sterbebild von Franz Seraphin Tremmel
Rückseite des Sterbebildes von Franz Seraphin Tremmel

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.766: Anton Sinzinger

Der Soldat Anton Sinzinger stammte aus Watzing, einem Ortsteil der bayerischen gemeinde Tacherting, und war der Sohn eines Landwirts (Berschl-Bauer). Im Ersten Weltkrieg diente er als Gefreiter in der 2. Kompanie des 3. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment. Er wurde mit dem bayerischen Verdienstkreuz ausgezeichnet. Ende 1914 wurde er schwer verwundet, gesundete jedoch wieder. Am 21.08.1916 verstarb er im Alter von 28 Jahren während der Schlacht an der Somme in der Nähe von Martinpuich nach durch schwerer Verwundung.

Die Lage des Grabes von Anton Sinzinger ist offiziell unbekannt. Ich bin mir jedoch sicher, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy beigesetzt wurde, wo man auch seine Kameraden aus der 2. Kompanie begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Infanterist Sebastian Negele, gefallen am 21.08.1916 bei Martinpuich, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab;
  • Infanterist Joseph Schmid, gefallen am 21.08.1916 bei Martinpuich, begraben auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Anton Sinzinger
Rückseite des Sterbebildes von Anton Sinzinger

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.750: Franz Xaver Eichstetter

Der Soldat Franz Xaver Eichstetter wurde am 30.06.1896 in der bayerischen Gemeinde Gangkofen geboren und war der Sohn eines Zimmermanns. Er warbeitete als landwirtschaftlicher Arbeiter. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Infanterist in der 7. Kompanie des  20. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 24.10.1916 fiel er im Alter von 20 Jahren während der Schlacht an der Somme bei Lesbœufs in Frankreich.

Über den Todestag und die Todesumstände von Franz Xaver Eichstetter berichtet die Regimentsgeschichte des 20. bayerischen Infanterie-Regiments:

„Der 24. Oktober begann ruhig. Erst am Nachmittag kam Artilleriefeuer, das immer stärker wurde und schließlich gegen 17 Uhr zu einem förmlichen Orkan anschwoll. Kurz nach 17 Uhr versuchte der gegner wieder einen Angriff. Auch diesmal brach er im prasselnden Abwehrfeuer des Regiments zusammen. Die Verluste waren erfreulicherweise nicht beträchlich, denn die Leute waren sehr richtig dem feindlichen Trommelfeuer nach vorwärts ausgewichen. In der Nacht zum 25. endlich erfolgte die ersehnte Ablösung des II. Bataillons in der Südfront durch das 12. Infanterie-Regiment.“

Die Lage des Grabes von Franz Xaver Eichstetter ist offiziell unbekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Fricourt beigesetzt wurde, wo man auch seine Regimentskameraden begrub, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Ersatz-reservist Thomas Kopfmüller, gefallen am 28.10.1916 bei Lesbœufs , begraben auf dem Soldatenfriedhof Fricourt in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Franz Xaver Eichstetter
Rückseite des Sterbebildes von Franz Xaver Eichstetter

Die Männer des Ersten Weltkriegs – Teil 2.741: Xaver Bachmeier

Der Soldat Xaver Bachmeier wurde am 17.12.1891 in Reicheneibach, einem Ortsteil der bayerischen Gemeinde Gangkofen, als Sohn eines Tagelöhners (Söldnerssohn) geboren, und lebte in Schaufl. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Ersatz-Reservist in der 5. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments, in dem auch der spätere Diktator und Massenmörder Adolf Hitler diente. Am 11.10.1916 fiel er im Alter von 24 Jahren während der Schlacht an der Somme bei Barque, einem Ortsteil der französischen Gemeinde Ligny-Thilloy. Vier Tage zuvor war Adolf Hilter an gleicher Stelle verwundet worden.

Über den Todestag und die Todesumstände von Xaver Bachmeier berichtet die Regimentsgeschichte des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„So kam der 11. Oktober heran. Nach einer ruhigen Nacht begann um 9.30 Uhr vormittag heftiges feindliches Artilleriefeuer, zum Teil mit schwersten Kalibern, vor allem auf Luisenhofriegel, Le Barque und Hintergelände. Es flaute vorübergehend ab und steigerte sich wieder zu größter Heftigkeit. Besonders lästig waren die feindlichen Flieger, die durch Hupen und Hornsignale allerhand Zeichen gaben und tief fliegend unsere Gräben mit Maschinengewehren beschossen. Das Artilleriefeuer war begleitet von Minenwerfern und zwei unheimlichen flankierenden Grabengeschützen, unter denen besonders die 7. Kompanie zu leiden hatte. Da Angriffsabsichten vermutet wurden, so mussten die völlig erschöpften Kompanien, die vor noch nicht 24 Stunden zurückgenommen worden waren, wieder nach vorne befohlen werden: „5. Kompanie schiebt in die vordere Linie ein, 4. Kompanie bezieht die bisherigen Unterstände der 5. Kompanie (hinter Spatnyriegel), Infanterie-Pionier-Kompanie ist an Stelle der 4. Kompanie in den Luisenhofriegel zu verschieben. 8. Kompanie besetzt den Le Barque-Riegel mit drei Maschinengewehren.“ In Ausführung dieses Befehls kamen 4. und 5. Kompanie in schweres Feuer und wurden größtenteils versprengt. Von 4.30 Uhr – 4.45 Uhr war ein besonders starker Feuerüberfall, der sich zum Trommelfeuer steigerte und auf vorderer Linie, Luisenhofriegel und Le Barque lag. Um 5 Uhr nachmittag begann das feindliche Feuer anzuflauen, die Stellung, vor allem der östliche Teil des Spatnyriegels und die Verbindungswege hatten schwer gelitten.

Ein feindlicher Angriff war nicht erfolgt, doch musste aus dem Verhalten der englischen Artillerie geschlossen werden, dass für den nächsten Tag einer bevorstand. Was hatte das Regiment dem drohenden Sturm entgegenzustellen! Einige hundert Gewehre und 18 Maschinengewehre, verteilt auf einen Raum von 1.000 Meter Breite und 1.500 Meter Tiefe. So stand das Schicksal der Schlacht auf einigen Häuflein von Kriegern, die in der furchtbaren Wüste des Schlachtfeldes verstreut lagen. Der Stoß englischer Divisionen traf auf Männer, die seit Tagen ohne richtigen Schlaf, geschwächt von Durchfall, die körperlich und seelisch überanstrengt, zermürbt, erledigt waren. Menschenmögliches war geleistet worden, Unmögliches wurde verlangt. Kein Kompanieführer konnte mehr die Verantwortung für die Verteidigung der Stellung übernehmen. Jede Meldung der vorderen Linie besagte dies aufs neue, in militärisch sachlicher Kürze oder in bitteren Worten, wie die überreizten Nerven der Offiziere sei eingaben. Der verantwortliche Kommandeur der vorderen Linie, Major Leeb, gab den allgemeinen Eindruck der Lage wieder in einer Meldung um 5.30 Uhr nachmittags: „Ich beantrage, dass für die Nacht rechtzeitig frische Verstärkung herangezogen werden, da sonst der Stellung unvermeidlich.“

Und dabei keine Aussicht auf unmittelbare Ablösung, kein Einschieben frischer Kräfte in unsere Linien, die wenigstens einen kleinen moralischen Halt gegeben hätten. Jede Botte um Ablösung oder wenigstens Unterstützung wurde von den höheren Kommandobehörden schweren Herzens, aus Gründen eiserner Notwendigkeit abgelehnt. Zwar standen schon frische Regimenter hinter uns; sie durften um keine Stunde früher eingesetzt werden, als es dem Ablösungsplan der gewaltigen Schlacht entsprach. Denn jeder zu frühe Einsatz konnte bei dem Mangel an Ablösungsdivisionen verhängnisvoll werden. Niemals im ganzen Verlauf des langen Krieges ist unserem Regiment der Verzweiflungskampf unseres Heeres gegen die Übermacht einer Welt schonungsloser vor Augen gerückt worden als an der Somme. So verbluteten vorne die Reste einst stolzer Regimenter und ihr Hilferuf verhallte ungehört. Es war Niebelungennot und Niebelungengröße.

Schweren Herzens entschloss sich der Regimentskommandeur die wenigen Reserven, die ihm noch geblieben waren, aus Bapaume wieder nach vorne zu holen. Kurz vor Mitternacht erging der Befehl an den Führer der 3. Kompanie, sich mit den Resten der 1. und 3. Kompanie auf der Regiments-Befehlsstelle zu melden. Es kamen an ein Gefreiter und 7 Mann. Alles andere war krank und gefechtsunfähig. Der Gefreite war der Gefreite Windisch der 1. Kompanie, die Namen der sieben wackeren Männer sind in den Akten des Regiments nicht aufgezeichnet. Dass diese 8 Mann vorne in dieser Hölle wirklich ankamen, das war Heldentum der Pflichterfüllung, das verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden.

An dieser Stelle sei auch eines anderen ergreifenden Zeichens stillen und selbstverständlichen Heldentums gedacht, dessen Träger zwar nicht im Verbande, wohl aber im Abschnitt des Regiments kämpften. Am 12. Oktober um 10 Uhr nachts, nachdem der Angriff abgeschlagen und das Regiment schon in Ablösung begriffen war, kam ein Mann mit nachstehender Meldung, die mit ungelenken Zügen auf einem dem Notizbuch entrissenen Blatt stand: „Soeben erhalte ich die Meldung, dass sämtliche drei Gewehre, welche rechts von mir standen, mit der vollen Bedienung, soweit sie noch vorhanden war, sowie unser Truppenführer, Vizefeldwebel Greif, verschüttet sind. Vorhanden sind noch von den in Stellung gegangenen fünf Gewehren mit einer Kopfzahl von 32 Mann: 2 Gewehre, 1 Gefreiter und 8 Mann. Wir befinden uns bereits seit 6 Tagen in Stellung, wissen aber heute noch nicht, zu welcher Formation wir gehören. Bitte gehorsamst um Bescheid, welche Maßnahmen ich treffen soll. Maschinengewehr-Trupp beim Generalkommando IV. Armeekorps in Harrincourt. Gefreiter Stirius.“ Wie viele vergessene Helden mögen auf dem Schlachtfeld der Somme ihre Pflichttreue mit dem Tode besiegelt haben.“

Man begrub Xaver Bachmeier (Volksbund: Bachmaier) auf dem Soldatenfriedhof St.-Laurent-Blangy in einem Massengrab.

Sterbebild von Xaver Bachmeier
Rückseite des Sterbebildes von Xaver Bachmeier