Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 2.044: Max Wittmann

Der Soldat Max Wittmann stammte aus Fahrndorf, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Mariaposching, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 5. Kompanie des 23. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Im März 1916 wurde er leicht verwundet. Am 12.08.1916 fiel er im Alter von 22 Jahren bei Maurepas während der Schlacht an der Somme.

Die Lage des Grabes von Max Wittmann ist offiziell unbekannt. Ich bin mir jedoch sicher, dass er aanonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Rancourt begraben wurde, wo auch seine Regimentskameraden beigesetzt wurden, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Vizefeldwebel Christoph Lauterbach, gefallen am 12.08.1916 bei Maurepas, begraben auf dem Soldatenfriedhof Rancourt in einem Massengrab;
  • Gefreiter Max Oberhäuser, gefallen am 11.08.1916 bei Maurepas, begraben auf dem Soldatenfriedhof Rancourt in einem Massengrab;
  • Gefreiter Heinrich Bohl, gefallen am 14.08.1916 bei Maurepas, begraben auf dem Soldatenfriedhof Rancourt in einem Massengrab;
  • Infanterist Jakob Fenn, gefallen am 13.08.1916 bei Maurepas, begraben auf dem Soldatenfriedhof Rancourt in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Max Wittmann
Rückseite des Sterbebildes von Max Wittmann

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 2.041: Leonhard Kiefl

Der Soldat Leonhard Kiefl stammte aus Moos, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Niederwinkling, und war der Sohn eines Tagelöhners. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 8. Kompanie des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments als Ersatz-Reservist. Am 24.08.1916 fiel er im Alter von 33 Jahren während der Schlacht an der Somme bei Maurepas.

Über den Todestag von Leonhard Kiefl schreibt die Regimentsgeschichte des 12. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments:

„Der 24.08.1916 war wieder ein Großkampftag, den das II. Bataillon ehrenvoll bestand. Ununterbrochen hagelte das Vernichtungsfeuer, vermischt mit Gasgranaten, auf die vordere und Le Forest-Stellung; zahllose Flieger leiteten das Feuer unter Abwurf von Bomben und Meschinengewehr-Beschießung. Von 6.00 Uhr abends ab war das rückwärtige Gelände wieder so mit Sperrfeuer zugedeckt, dass es durch eine graue, rauchende Wand von vorne abgeschlossen war. Kein Zweifel: ein ernster Angriff stand bevor. Erst gegen Mitternacht konnte man sich nach vielen widersprechenden Meldungen ein Bild über die abgelaufenen Ereignisse machen:

Nach einem rasenden Trommelfeuer war gegen 6.30 Uhr nachmittags der Feind nördlich  und in dem vom 7. Reserve-Infanterie-Regiment besetzten Maurepas eingebrochen, im Anschluss hieran auch in der vorderen Linie des II. Bataillons, auf dem in dem deckungslosen Gelände die ganze Wucht des Vernichtungsfeuers gelegen war. Heldenmutig wehrten die spärlichen Reste der 8. Kompanie den Angriff ab, ebenso weiter rückwärts ein Zug der 5. Kompanie in Stärke von nur 20 Mann hinter rasch aufgeworfenen Barrikaden. Der Bataillons-Kommandeur Major Horn war gefallen. Die Bataillons-Befehlsstelle verteidigte der stellvertretende Bataillons-Adjutant Leutnant der Reserve Stiefenhofer gegen die feindliche Überzahl, getreulich gestützt von den wenigen Leuten des Unterstabes und eines Fliegerabwehr-Maschinengewehrs.

Keinem Franzosen war es gelungen bis zur II. Stellung, die bis 9.30 Uhr abends unter Feuer lag, vorzudringen; nur 1 französischer Alpenjäger vom 62. Bataillon war alleine auf die Stellung zugelaufen, froh, sich ergeben zu können. Nach Aussage eines weiteren Gefangenen dieses Bataillons war der Feind nicht über unsere I. Stellung vorgekommen; nur kleinere Abteilungen, die den Anschluss verloren hatten, mochten sich zwischen der I. und II. Stellung befinden.

Um Klarheit zu schaffen, bekam das mittlerweile dem Regiment wieder unterstellte und in die III. – R1-Stellung vorgezogene III. Bataillon – ohne die 12. Kompanie, die in der R1-Stellung zur Verfügung des 7. Reserve-Infanterie-Regiments zu verbleiben hatte – 2.30 Uhr vormittags den Befehl zum Gegenstoß, der unter der persönlichen Führung des Hauptmann Schäfer vor sich ging. Das zerwühlte Gelände, die zunehmend dunkle Nacht, das ununterbrochene Sperrfeuer erschwerte die Bewegung im höchsten Grade. Die geringe Ortskenntnis der beigegebenen Führer gestattete nur ein langsames Vorwärtskommen, wenn das mit 10. und 11. Kompanie in erster Linie, der 9. Kompanie in zweiter vormarschierende Bataillon nicht auseinanderreißen sollte. Mit dem Erreichen der unter Trommelfeuer liegenden II. Stellung – gegen 5.30 Uhr vormittags – war die 11. Kompanie durch mehrere Volltreffer zersprengt worden. Die ersten Anzeichen der Morgendämmerung und das Artilleriefeuer auf die zum Vorbrechen bereit liegende 9. und 10. Kompanie veranlassten Hauptmann Schäffer zum sofortigen Handeln; er hätte ohne Scheu vor der Verantwortung den befohlenen Vorstoß mangels verfügbarer Kräfte und der nötigen Zeit aufgeben können. Statt dessen setzte er sich selbst an die Spitze der zur Hand befindlichen 10. Kompanie, sich des Wagnisses bewusst, mit unzureichenden Kräften seinen Auftrag auszuführen, ohne der Wirkung der beiden anderen Kompanien sicher zu sein. Zudem wurde der Ansatz zum Vorgehen der 10. Kompanie vom Feinde bemerkt, der sofort das Vorfeld beleuchtete, worauf schlagartig Sperrfeuer einsetzte. Mit dem Befehl an den nebenan liegenden Kompanieführer Leutnant der Reserve Matthiesen: „Aus dem Granatfeuer heraus! Vorwärts auf den Hang hinauf! Auf keinen Fall zurück!“ sprang die Kompanie auf und erreichte im feindlichen Infanterie- und Maschinengewehr-Abwehrfeuer die Höhe, wo sie mit dem an Zahl überlegenen Gegner ins Feuergefecht trat. Der 9. und 11. Kompanie war es unter dem ständigen Geschoss- und Granathagel nicht gelungen, den Angriff mitzumachen; keiner der Melder des Bataillons-Stabes zum Heranholen der beiden Kompanien erreichte sein Ziel.

Inzwischen kämpfte die 10. Kompanie einen ebsno schweren wie ehrenvollen Kampf. Sie hatte den Stoß mit aller Energie geführt; viele der Tapferen blieben, darunter der Kompanieführer; der Rest fiel einem späteren feindlichen Gegenstoß zum Opfer.

Zweifellos hatte Hauptmann Schäffer durch seine verantwortungsfreudige kühne Tat, die mit dem Militär-Max-Joseph-Orden belohnt wurde, erreicht, dass der Franzose es nicht wagte, aus der von ihm in der Nacht vorher genommenen Stellung am 25.08.  seinen Angriff gegen Le Forest weiter fortzusetzen. Dadurch war es dem II. Bataillon des Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 ermöglicht, in der Nacht vom 25./26. unbehelligt vom Feinde und ohne Kampf eine neue Linie einzunehmen, nur wenige Meter hinter der Kampflinie der 10. Kompanie.“

Man begrub Leonhard Kiefl auf dem Soldatenfriedhof Rancourt in einem Massengrab.

Seine Heimatgemeinde gedenkt noch heute Leonhard Kiefl auf einem Denkmal: http://www.denkmalprojekt.org/2017/niederwinkling_lk-straubing-bogen_wk1_wk2.html

Sterbebild von Leonhard Kiefl
Rückseite des Sterbebildes von Leonhard Kiefl

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 2.040: Jakob Kiefl

Der Soldat Jakob Kiefl stammte aus Loham, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Mariaposching, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 12. Kompanie des 23. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 31.07.1916 fiel er durch Granat-Kopfschuss im Alter von 22 Jahren bei Maurepas während der Schlacht an der Somme.

Die Lage des Grabes von Jakob Kiefl ist unbekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf dem Soldatenfriedhof Rancourt begraben wurde, wo auch seine Regimentskameraden begraben wurden, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Unteroffizier Georg Schindler, gefallen am 31.07.1916 bei Maurepas, begraben auf dem Soldatenfriedhof Rancourt in einem Massengrab;
  • Infanterist Alfred Schiffer, gefallen am 31.07.1916 bei Maurepas, begraben auf dem Soldatenfriedhof Rancourt in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Jakob Kiefl
Rückseite des Sterbebildes von Jakob Kiefl

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 2.037: Wilhelm Buchner

Der Soldat Wilhelm Buchner stammte aus Oberwinkling, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Niederwinkling, und war von Beruf Gastwirt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 9. Kompanie des  23. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments. Am 01.08.1916 fiel er im Alter von 35 Jahren während der Schlacht an der Somme bei Maurepas.

Sterbebild von Wilhelm Buchner
Rückseite des Sterbebildes von Wilhelm Buchner

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 2.036: Alois Attenberger

Der Soldat Alois Attenberger wurde am 12.05.1894 in Sonnberg geboren, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Konzell, und war der Sohn eines Tagelöhners. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 12. Kompanie des 23. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments als Gefreiter. Er wurde mit dem bayerischen Militärverdienstkreuz mit Schwertern ausgezeichnet. Am 17.08.1916 fiel er nach 20 Monaten Kriegsdienst bei Maurepas während der Schlacht an der Somme im Alter von 22 Jahren durch einen Kopfschuss.

Man begrub Alois Attenberger auf dem Soldatenfriedhof Rancourt in einem Massengrab.

Sterbebild von Alois Attenberger
Rückseite des Sterbebildes von Alois Attenberger

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 2.032: Joseph Wankerl

Der Soldat Joseph Wankerl stammte aus Griesau, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Pfatter, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg diente er in der 4. Kompanie des 1. bayerischen Pionier-Regiments. Am 23.04.1916 fiel er im Alter von 32 Jahren während der Schlacht an der Somme bei der Beschießung von Flaucourt in Nordfrankreich durch einen Granatschuss.

Offiziell ist für Joseph Wankerl keine Grablage bekannt. Ich vermute jedoch, dass er anonym in einem Massengrab auf dem rund 10 Kilometer entfernten Soldatenfriedhof Vermandovillers begraben wurde, wenn man seinen Leichnam auf dem Schlachtfeld barg. Ansonsten ruhen seine Gebeine noch heute auf dem Schlachtfeld.

Sterbebild von Joseph Wankerl
Rückseite des Sterbebildes von Joseph Wankerl

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 2.019: Max Miller

Der Soldat Max Miller stammte aus Hausham und diente als Unteroffizier in der 8. Batterie des 1. bayerischen Reserve-Fußartillerie-Regiments. Am 05.10.1916 verstarb er im Alter von 32 Jahren im Lazarett Düsseldorf infolge einer Krankheit. Sein Bataillon stand zu diesem Zeitpunkt mitten in der Schlacht an der Somme.

Man begrub Max Miller auf dem militärischen Teil des Friedhofs Düsseldorf-Nord in Feld 118, Grab 469.

Sterbebild von Max Miller
Rückseite des Sterbebildes von Max Miller

Sonderbeitrag: Der Mahler Kurt Peters

Der Soldat Kurt Peters wurde am 27.10.1889 in der Hauptstadt des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt Magdeburg. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Leutnant der Reserve in der 12. Kompanie des 16. bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment. Am 05.07.1916 wurde er während der Schlacht an der Somme bei Fromelles schwer verwundet. Am 18.07.1916 verstarb er an seinen Wunden.

Man begrub Kurt Peters auf dem Soldatenfriedhof Fournes-en-Weppes in Block 5, Grab 177.

Selbstbildnis des Kunstmalers Kurt Peters

Die Männer des Ersten Weltkrieges – Teil 1.970: Martin Seehuber

Der Soldat Martin Seehuber stammte aus Gänsberg, heute ein Ortsteil der bayerischen Gemeinde Wonneberg, und war der Sohn eines Landwirts. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in der 2. Kompanie des 20. bayerischen Infanterie-Regiments. Am 26.10.1916 verstarb er während der Schlacht an der Somme nach schwerer Verwundung bei Morval im Alter von 19 Jahren.

Offiziell ist für Martin Seehuber keine Grablage bekannt. Ich gehe jedoch davon aus, dass er anonym auf dem Soldatenfriedhof Fricourt in einem Massengrab beigesetzt wurde, wo auch seine Regimentskameraden begraben wurden, die im gleichen Zeitraum fielen, u. a.

  • Unteroffizier Leonhard Geber, gefallen am 23.10.1916 bei Morval, begraben auf dem Soldatenfriedhof Fricourt in einem Massengrab;
  • Infanterist Korbinian Kugler, gefallen am 23.10.1916 bei Morval, begraben auf dem Soldatenfriedhof Fricourt in einem Massengrab;
  • Ersatz-Reservist Bernhard Lieb, gefallen am 23.10.1916 bei Morval, begraben auf dem Soldatenfriedhof Fricourt in einem Massengrab;
  • Landsturmmann Johann Kraus, gefallen am 25.10.1916 bei Flers, begraben auf dem Soldatenfriedhof Fricourt in einem Massengrab.

 

Sterbebild von Martin Seehuber
Rückseite des Sterbebildes von Martin Seehuber

SONDERBEITRAG: Die Suchanzeige der Mutter von Heino Schwoon

Beim Ankauf eines Konvoluts norddeutscher Todesanzeigen des Ersten Weltkriegs erwarb ich auch die nachfolgend abgebildete und recherchierte Anzeige der Mutter des Leutnants und Kompanieführers Heino Schwoon (laut Regimentsgeschichte war er Zugführer in der 4. Kompanie).

Der Soldat Heino (Heinrich) Schwoon wurde am 04.10.1887 in Oldenburg im heutigen Bundesland Niedersachsen geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Leutnant und Kompanieführer der 8. Kompanie des 84. Reserve-Infanterie-Regiment. Am 04.08.1916 fiel er, galt jedoch bis Mitte 1917 als vermisst. Er wurde während der Schlacht an der Somme bei den Ortschaften Martinpuich-Pozières getötet.

Über den Todestag und die Todesumstände von Heino Schwoon berichtet die Regimentsgeschichte des 84. Reserve-Infanterie-Regiments:

„Die 11. Kompanie brachte den Kompanien des II. Bataillons Essen und Munition in dieser Nacht nach vorn.

Die Nacht vom 03. zum 04.08.1916 ging zu Ende. Wohl manch einer vom II. Bataillon mag dem kommenden Tag mit Unbehagen entgegengesehen haben. Kommt Tommy endlich heute? Hoffentlich. Denn noch einmal den ganzen Tag wehrlos bei dem heißen Wetter liegen, das ist ja nicht mehr zu ertragen. Das strahlende Morgenrot sollte manchem Kameraden zum letzten Mal leuchten:

Morgenrot, Morgenrot,

leuchtest mir zum frühen Tod!

Schon fing der Eisenhammer wieder an loszuschlagen. Granaten, Schrapnells, Minen, Gewehrgranaten schlugen in kürzester Zeit wieder in Trümmer, was eifrige Hände im Dunkel der Nacht gearbeitet hatten. Gegen Mittag war die ganze Stellung des Regiments ein wüstes Trichterfeld – Verbindung innerhalb der Kompanie, Züge, ja, teilweise zwischen den Gruppen, war nicht vorhanden. Jedweder Verkehr nach hinten und von den Stäben nach vorn war unmöglich.

Das Regiment hatte inzwischen die Ablösung des II. Bataillons durch das III. Bataillon befohlen.

Gleichzeitig sollte am Abend das I. Bataillon wieder nach vorn rücken: 1. Kompanie in der Belowstellung, 2. Kompanie in der Riegelstellung, 3. und 4. Kompanie in der Zwischenstellung.

Auch diese beiden Bataillone dachten mit Schrecken an die kommenden Tage, gingen doch manche ihrer Leute – es waren allerdings nicht mehr viele – zum dritten Mal in jene Hölle! Aber was hilft das alles: Befehl ist Befehl. Und dass trotz allem die Stimmung, wenn auch ernst, so doch ungebrochen war, wird am besten durch das tapfere Verhalten des Unteroffizier Mattfeld und Musketier Hubert und Suhr von der 11. Kompanie bewiesen. Als diese mittags hörten, dass ihre Kompanie am Abend die 8. Kompanie vorn ablösen sollte, da erboten sich diese drei unerschrockenen Männer freiwillig, gleich in den ersten Nachmittagsstunden nach vorn zur 8. Kompanie zu gehen, um deren Stellung zu übernehmen. Und was unmöglich schien, sie brachten es fertig, gelangten heil nach vorn. Nachdem sie sich vorn die Löcher, die den Graben darstellten, angesehen hatten, hasteten und jagten sie wieder durch das Artilleriefeuer zurück zu ihrer Kompanie, wo sie zur Freude ihrer Kameraden, wenn auch erschöpft, so doch heil und unversehrt wieder anlangten.

Als sich der Abend über diesen 04.08. herniedergesenkt hatte, traten die Kompanien des III. Bataillons zur Ablösung an. Wegen des immer noch starken Artilleriefeuers marschierten die einzelnen Züge mit 100 Schritt Abstand nach vorn.

Vorn beim II. Bataillon aber atmeten die Leute auf: „Ablösung!“ Weißt du noch, Kamerad, was uns dies Wort bedeutete, wenn wir Großkampftag hinter uns hatten? Nun bloß noch Stunden, dann noch einmal durchs Feuer durch. Und dann, wenn wir dann in den grauenden Morgen hineinmarschierten, der Sonne entgegen, waren wir da nicht andere Menschen geworden? Herrgott! Wir waren nicht feige, wir waren niemals mutlos! Aber wenn wir so tagelang dort vorn gelegen hatten, ausgehungert, halb verdurstet, wenn wir das Wimmern und Stöhnen unserer verwundeten Kameraden den ganzen Tag über mit anhören mussten, wenn wir den gefallenen Freund, mit dem wir noch vor wenigen Minuten sprachen, über den Rand unseres Granatlochs behutsam hinüberschoben, weil wir es einfach nicht über uns bringen konnten, dauernd in sein gebrochenes Auge zu sehen, wenn uns dann manchmal – sprechen wir ruhig im Frontdeutsch – die Scheoße bis oben ran stand – nun, wir waren eben auch nur Menschen!

So mochten wohl auch vorn die Leute vom II. Bataillon denken, als die Dunkelheit hereingebrochen war. Gott, an die Schießerei hatte man sich langsam ja gewöhnt. Laß Tommy ruhig auch mit Minen schießen, wie er es macht. Hat er die letzten drei Tage nicht angegriffen, dann kann er auch noch warten bis morgen. Warum sollen es schließlich die anderen besser haben als wir. „Marsch! Es ist schon ½ 11 Uhr! Die können nun auch bald kommen, uns abzulösen!“ – „Junge, Junge, wenn ich erst heute Nacht hinten bin, aber dann – schlafen, schlafen und nochmals schlafen!“

Manch einer der Kameraden vom II. Bataillon sollte nicht zu warten brauchen, bis er hinten war, um schlafen zu können. Er sollte nur zu bald zum Schlaf sich hinlegen, allerdings für immer!

Kurz nach 10.30 Uhr abends stieß der Engländer gegen die Front des II. Bataillons in 8 Sturmwellen vor. Die Reste der 5., 6. und 7. Kompanie, von denen über die Hälfte tot, verwundet oder verschüttet ist, setzen sich tapfer zur Wehr. Infanterie- und Maschinengewehrfeuer mäht in die dichten Reihen der Angreifer. Kein Befehl ist nötig, kann auch nicht durchgegeben werden, hier 2 Mann, dort 3, hier 5, dort einer allein – sie sind alle deutsche Soldaten, die beim Angriff des Feindes allein wissen, was sie zu tun haben: schießen, schießen und nochmals schießen. Da braust ein Hurra durch das Tosen der Schlacht: der Angriff stockt, zuviel sind beim Engländer gefallen, er weicht.

Kennst du noch das Gefühl, Kamerad, das uns beseelte, wenn der Feind zurückwich, jenes Gefühl des Stolzes, des Sieges, der Überlegenheit über den Feind, jenes Gefühl, das schier die Brust vor Freude sprengen wollte?! Lass ihn noch einmal kommen, den Feind! Dann soll er uns abermals kennen lernen!

Keine Viertelstunde war vergangen, als der Engländer zum zweiten Angriff vorbrach. Inzwischen war im Abschnitt der 5. Kompanie – ein leuchtendes Zeichen bester, treuester Frontkameradschaft . die zu ihrer Ablösung bestimmte 12. Kompanie eingetroffen.

Gemeinsam nahmen die Kompanien wieder die Abwehr auf. Die in Sappe 3 am linken Flügel – wo am 29.07. Hauptmann Schlettwein fiel – eingedrungenen Engländer wurden im kurz darauf einsetzenden Gegenstoß wieder hinausgeworfen. Kann sich die 5. Kompanie des Feindes erwehren, so gelingt es diesem, trotz aller Anstrengungen der 6. und 7. Kompanie in deren Graben einzudringen.

Der Kampf verebbt. So schnell wie möglich eilen die anderen Kompanien des III. Bataillons nach vorn, um ihren Kameraden vorn zu helfen in ihrer Bedrängnis. Sie gehen querbeet durch das Gelände in Richtung auf die ungefähre Lage der Stellung der abzulösenden Kompanien los, um ja keine Zeit zu versäumen.

Die 9. Kompanie, die sich an der großen Straße entlangtastet, erkennt schon rechts die Baumstümpfe des Weges Courcelette-Pozieres. Jetzt muss sie ja dicht am Graben der 8. Kompanie sein. Eben hat sie den Pozieres-Riegel überschritten, da schlägt ihr auf einmal ein verheerendes Gewehr- und Maschinengewehr-Feuer entgegen aus der Stellung der 8. Kompanie. Kein Zweifel! Die Stellung der 8. Kompanie ist vom Feind besetzt. „Stellung!“ schreit Oberleutnant Engel seiner Kompanie zu. Die bringen sofort ihre Gewehre vor, legen Handgranaten bereit. Und es war höchste Zeit. Denn schon drängt Tommy wieder beiderseits der Straße vor, um seinen Erfolg zu erweitern und womöglich durchzubrechen. An der heldenmutigen 9. Kompanie aber zerschellt sein Angriff!

In der Mitte des Regimentsabschnittes liegt die 6. Kompanie. Sie soll durch die 10. Kompanie abgelöst werden. Auch diese Kompanie hastet querbeet nach vorn. Mit keuchendem Atem kommt die Kompanie vorn an. Tak – tak – tak – tak – tak —-jagt Maschinengewehr-Feuer, krachen Handgranaten ihr entgegen. Auch hier sitzt Tommy in der deutschen Stellung. „Drauf!“ schreit Leutnant Lassen, der Kompanieführer, und stürmt seinen ihm ohne Bedenken folgenden Leuten voran. Vergeblich. Die susgepumpten Leute kommen nicht so schnell im Trichtergelände vorwärts. Inzwischen aber speien die englischen Maschinengewehre und Handgranaten Tod und Verderben zwischen die Reihen der stürmenden 10. Kompanie und halten grausige Ernte. Leutnant Lassen fällt, mit ihm viele brave Musketiere. Von der Kompanie selbst bleiben nur noch Trümmer übrig..“

Die Lage des Grabes von Heino Schwoon ist unbekannt.

Suchanzeige der Mutter von Heino Schwoon