Sonderbeitrag: Rudolf Körding

Der Soldat Rudolf Körding wurde am 14.03.1893 in Hamburg geboren. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Leutnant der Reserve und Kompanieführer in der 2. Kompanie des 122. Reserve-Infanterie-Regiments. Am 06.06.1918 (laut Regimentsgeschichte am 04.06.1918) fiel er während der Schlacht bei Soissons nahe der Ortschaft Saconin-et-Breuil an der Aisne durch Artillerie-Volltreffer, so wie wenige Tage später auch sein Freund, Feldhilfsarzt Dr. Fritz Guldenpfennig, fällt. Rudolf Körding wurde 25 Jahre alt.

Über den Todestag und die Todesumstände von Rudolf Körding berichtet die Regimentsgeschichte des 122. Reserve-Infanterie-Regiments:

„Für die Nacht vom 3./4. Juni gehen die Kompanien da, wo die Dunkelheit sie überrascht hat, zur Ruhe über und sichern sich, den Anschluß rechts und links aufnehmend, durch Posten und Patrouillen. Für den verwundeten neuen Führer der 11./236, Ltn. Freund, übernimmt Ltn. Erich Rebling die Führung der Kompanie. Für den 4. Juni befiehlt die Division die Weiterführung des Angriffs in westlicher Richtung auf 12.30 Uhr. Die nächste Aufgabe ist, über den Laversine=Grund vorzustoßen. Von 11 bis 12.30 Uhr bereitet die Artillerie den Angriff gegen die feindliche Stellung auf Höhe 148 östlich Laversine vor. Pünktlich um 12.30 Uhr tritt die Infanterie an. Anfangs geht es ganz gut vorwärts. Der 9. und 11./236 gelingt es, die Höhe 148 umfassend zu nehmen. 70 Gefangene sind die Beute. Die Kompanien stoßen weiter durch in Richtung Fosse en haut im Laversine=Grunde und nehmen die zurückflutenden Franzosen unter wirksames M.G.=Feuer. Die feindliche Artillerie ihrerseits, die in der Nacht offenbar verstärkt worden war, nimmt unsere vorgehenden Kompanien unter Sperrfeuer, das empfindliche Verluste verursacht. Die Kompanien kommen nicht weiter vor und besetzen den Ostrand der Laversine=Schlucht. Hier sei wieder ein Erlebnis eingeschaltet, das der Regiments=Kommandeur selbst erzählen soll. Er schreibt: „Am Vortage war die Verfolgung des Feindes so schnell gegangen, daß ich anfangs viel zu weit vom Regiment entfernt war. Erst nach längerer Zeit kam ich an den richtigen Platz. Da ich diesen Fehler nicht wieder machen wollte, hörte ich nicht auf die Vorstellungen des Regiments-Adjutanten Ltn. Schaaf, zunächst im Regiments-Gefechtsstand zu bleiben, sondern zog gleich los mit den Lts. Renter, Lauffer und Haubold. Da plötzlich bekommen wir von Höhe 148 M.G.-Feuer und sind in der Schützenlinie festgenagelt. Ich sehe, wie das III./236 rechts umfassend vorgeht und bin erst wieder bewegungsfähig, als die Höhe genommen ist. Wir gehen nun auf die Höhe und sehen, wie jenseits der Laversine-Schlucht schwere französische Batterien im Abfahren sind. Dafür fährt eine französische Feldbatterie deutlich sichtbar geschützweise auf. Ich will das Feuer auf die Ziele lenken – und habe keine Fernsprechleitungen. Schließlich fährt eine unserer Begleit-Batterien hinter uns auf. Es beginnt der Artilleriekampf. Ich muß in einem alten französischen M.G.-Stand Deckung nehmen und habe keine Ahnung, wie das Gefecht steht. Da sehe ich, wie jemand sich sprungweise zu meinem Unterstand vorarbeitet. Ich glaube schon, ich würde jetzt vom Regiments-Adjutanten über die Lage unterrichtet werden, da sehe ich, daß es der alte Pape ist, der sonst die Regimentskuh betreut. Er weiß nichts von der Gefechtslage, aber er hat eine Flasche Wein zu unserer Stärkung. Niemand hat es ihm befohlen. Er setzt freiwillig sein Leben ein, um uns zu stärken. Schließlich kommt dann noch der Regiments-Adjutant Ltn. Schaaf und fragt sarkastisch, ob wir hier bleiben wollten. Da gehe ich denn noch einmal aus dem Stand und treffe die 2./236 mit ihrem Führer, Ltn. Körding im Vorgehen, kurz bevor er fiel. Ich gehe nach dem rechten Flügel, wo ich das Bataillon v. Wedel sah, stelle fest, daß wir rechts Anschluß haben und kehre reumütig in meinen alten Gefechtsstand zurück, um wieder die Arbeit des Regiments-Kommandeurs aufzunehmen, dessen Pflichten ich leichtsinnigerweise einige Stunden nicht ausgeübt hatte.“ Auch beim I./236 wird zunächst Raum gewonnen. Die 2./236 stößt von Höhe 148 aus genau nach Westen vor und nimmt die in gleicher Richtung verlaufende feindliche Stellung. Dabei erhält auch sie starkes Artillerie- und flankierendes M.G.-Feuer, so daß sie Deckung nehmen muß, und der Angriff ins Stocken kommt. Hier fällt an der Spitze der Kompanie ihr tapferer Führer, Ltn. Körding, ein in vielen Kämpfen und Patrouillenunternehmungen ausgezeichnet bewährter Offizier. Ein Artillerie-Volltreffer tötet ihn auf der Stelle. Die Führung der Kompanie muß Ltn. Poenisch übernehmen, der inzwischen die Führung der 3./236 wieder abgegeben und die Stelle des Ordonnanzoffiziers des Bataillons bekleidet hatte. Auch ihn ereilt, kaum daß er bei der Kompanie eingetroffen ist, das Schicksal. Eine Granate reißt ihm den linken Arm ab, und schwer verwundet wird er zurückgebracht. Die 4./236 verliert ihren Kompanie-Offizier Ltn. Häußner. Das Bataillon hat nur noch 3 Offiziere. Die 2./236 wird deshalb mit der 1./236 vereinigt. Am rechten Flügel des Regiments, beim II./236, liegen die Dinge ähnlich. Auch hier leistet der Gegner heftigen Widerstand. Von Ressons aus schiebt er Verstärkungen auf Ambleny vor. Nur mit harter Mühe und unter erheblichen Opfern gelingt es hier, etwa 2 km in der Tiefe zu gewinnen und den Gegner über Hignères zurückzudrängen. Der Ort bleibt in unserer Hand. Die Lage ist nun auf der ganzen Frontbreite des Regiments so, daß ohne wirksame Artilleriehilfe nicht weiter vorgegangen werden kann. Die Kompanien richten sich da, wo sie sind, zur Verteidigung ein. Eine neue Gliederung der Verbände wird vorgenommen. Das II./236, das nur noch sehr geringe Gefechtsstärke hat, wird als Regimentsreserve herausgezogen und zurückgenommen. Major von Wedel, der nachmittags den Gefechtsstand auf Höhe 148 besetzt hatte, bezieht Unterkunft in der Höhle bei der Ferme südlich Poussemy. Daselbst müssen zeitweise auch seine Kompanien Zuflucht suchen, da die eigene Artillerie, die offenbar über unsere vordere Linie wieder einmal nicht recht im Bilde ist, sie unter Feuer nimmt. Das I. und III./236 erhalten Befehl, je 2 Kompanien als Reserve auszuscheiden. Jedes der Bataillone erhält 1 Zug der 5./51 als Begleitartillerie zugeteilt. Hptm. Mayer bezieht am Abend mit seinem Stab den Gefechtsstand auf Höhe 148. Ihm hat die eigene Artillerie noch eine besondere Überraschung als Abendsegen zugedacht. Während Offiziere und Mannschaften des Stabes, der eingetretenen Gefechtsruhe und des schönen Abends sich erfreuend, auf dem Stollen im Freien sitzen, bricht plötzlich aus heiterem Himmel ein Gasgranatenüberfall über sie herein, sodaß alles schleunigst in den Stollen flüchten und die Gasmaske aufsetzen muß. Zunächst glaubt jeder, daß der Irrtum gleich bemerkt und das Gasschießen unterbrochen werde. Da das nicht der Fall ist, und die Luft im Stollen immer schlechter und stickiger wird, steigt Hptm. Mayer hinaus, und es glückt ihm, die nächste Strippe zu erreichen und sich mit der Artillerie in Verbindung zu setzen. Doch keine Batterie wollte die schuldige sein. Der ganze Stab war für einige Tage heiser und „zu Tränen gerührt“. Bis Mitternacht vom 4./5. Juni ist die Umgliederung der Truppe und Neueinteilung der Abschnitte beendet. Das III./236 liegt nun am rechten Flügel, anschließend nach links das I./236 mit weiterem Anschluß links an Regt. 235, das II./236 als Reserve rückwärts gestaffelt. Die Front des III./236 hat die Richtung nach Osten, die des I./236 nach Süden. Überall sind Sicherungspatrouillen vorgeschickt, die die Tätigkeit des Feindes zu überwachen haben. Im Laufe der Nacht teilt die Division mit, daß die allgemeine Gefechtslage einstweilen Stillstand der Angriffsorperationen an dieser Front bedinge und gewartet werden müsse, bis das Korps François weiter vorgekommen sei. „

Man begrub Rudolf Körding auf dem Soldatenfriedhof Vauxbuin in Block 4, Grab 231.

Leutnant Rudolf Körding war eng befreundet mit Feldhilfsarzt Dr. Fritz Guldenpfennig, dessen Schicksal ich morgen vorstellen werde.

Hilfsfeldarzt Dr. Fritz Güldenpfennig und Leutnant der Reserve Rudolf Körding